Preisstrategie von Skigebieten

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trincerone
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Re: Angriff auf die Schwarzfahrer

Beitrag von trincerone »

@jens.f:

Vielen Dank für die interessanten Infos!
Das Problem ist, dass die Gewinnspannen sehr gering sind - selbst erfolgreiche Gebiete wie z.B. Zermatt haben "nur" Gewinnspannen von ca. 2%.
Siehe Geschäftsbericht Zermatt Bergbahnen:
http://www.zermatt.ch/files/?id=55749
Total Verkehsertrag: 58.445 TCHF
Unternehmensgwinnn: 1260 TCHF.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das so allgemein stimmt. Meines Erachtens gibt es zumindest teilweise in den Betreibergesellschaften (aus verschiedenen Gründen) Policies, keine oder nur geringe Gewinne zu machen, und Umsätze daher entweder idR zu investieren (bzw. anderweitig in den Büchern klein zu halten). Ein Grund ZB, warum das so gemacht wurde, waren Gewinnabfährungsverträge mit Dachgesellschaften, teils mag das auch steuerliche Gründe haben oder vielleicht auch noch andere Gründe. Wie es bei Zermatt ist, weiß ich nicht, aber 2% halte ich bei einer solch erfolgreichen Unternehmung für "ungewöhnlich".

In Summe ist es jedenfalls so, dass die Skipasspreise (auch über die Alpen verteilt und nur innerhalb der westlichen Staaten) erheblich schwanken, und zwar bei weitgehend vergleichbarer Leistung (Isola 2000: Tagespass 31,- €, für Studenten 26,- €. angegeben mit 120km Pisten (dürfte hinkommen, da es mir eher zu wenig vorkommt), Sölden (wohl "etwa" gleich groß, 150km nach eigener Angabe): 46,50 € (keine Ermäßigung für Studenten)). Vielleicht wär das auch mal ein interessanter Thread, das weiter anzuschauen.

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chianti
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Re: Angriff auf die Schwarzfahrer

Beitrag von chianti »

trincerone hat geschrieben:Wie es bei Zermatt ist, weiß ich nicht
Es stimmt schon, dass der Bilanzgewinn von 1,3 Mio hier nicht aussagekräftig ist. Maßgeblich ist eher der Cashflow aus laufendem Geschäftsbetrieb (evtl. relativ zum Umsatz) und dagegen gerechnet der Investitionsbedarf.

Zitat aus dem Geschäftsbericht: "In der vorliegenden Rechnung wird ein Cashflow von CHF 21.4 Mio. vor den Ausschüttungen ausgewiesen. Die jährlich festen Investitionen liegen bei ca. 15 Mio., der nachhaltige Erneuerungsbedarf liegt bei mindestens 25 Mio. Das Fremdkapital-Eigenkapitalverhältnis liegt bei 64.9:35.1, angestrebt wird ein solches von 60:40%. Vorläufig wird der überschüssige Cashflow zum Abbau der Schulden verwendet. An die Realisierung grosser Investitionsprojekte, wie die 3-Seilbahn Trockener Steg – Klein Matterhorn ist erst zu denken, wenn wir mehrere Jahre einen Cashflow von über 25 Mio. erwirtschaften."

Angesichts der derzeit rekordverdächtig niedrigen Zinsen ist es schon bemerkenswert, wenn nur das Nötigste investiert wird. Dass auf nachhaltige, langfristige Projekte vorerst verzichtet wird heißt ja, dass man dem eigenen Geschäftsmodell in den Eurokrisenzeiten nicht traut und in Schockstarre verharrt, bis der Sturm (hoffentlich) vorübergezogen ist, neue Kundengruppen erschlossen wurden oder namhafte Wettbewerber weniger konkurrenzfähig geworden sind.
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jens.f
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Re: Angriff auf die Schwarzfahrer

Beitrag von jens.f »

trincerone hat geschrieben: Ich habe manchmal auch den Eindruck, dass Halbtageskarten teilweise zeitlich genau so eingegrenzt sind, dass sie gerade nicht mehr interessant sind (zB bis 12.00 Uhr und ab 13.00),
Also, in vielen Gebieten wo ich war gibt es "Staffelkarten" - es gibt eine Tageskarte, eine Karte ab 11:30, eine Ab 12:00, eine ab 13:00 usw.
Stundenkarten (bzw. Karten mit Rückvergütung) gibt es auch des öfteren.

Z.B. in st. Anton:
http://www.stantonamarlberg.com/images/ ... nter_d.pdf
Hier gibt es Rückvergütungskarten mit gestaffelter Rückvergütung für 2,3 oder 4 Stunden - sprich: Hier kann man sich sogar bei Fahren noch entscheiden, ob man nun 2,3 oder 4 Stunden - oder doch den ganzen Tag - fahren möchte.

Aber ganz generell gebe ich Dir natürlich recht: Es wäre an der Zeit, das hier die Bergbahnen mal etwas an flexibleren Angeboten arbeiten.
Mit der heutigen Technik ist es nicht mehr nötig, sich beim Kauf bereits auf den Zeitraum festlegen zu müssen - aus Kundensicht wäre hier "flexible Karten" sehr sinnvoll, wo man z.B. erstmal den Maximalbetrag bezahlt (also z.B. erstmal den Preis für 7 Tage), später dann aber bei der Rückgabe für nicht genutzte Tage/Tages-Anteile Rückerstattungen bekommt. Bei Zahlung per Kreditkarte könnte man es sogar so machen, dass nur der ab Schluss berechnete Betrag abgebucht wird.

Natürlich müssten solche Karten teuer sein als "fixe" Tickets, da bei den "fixen" Tickets ja die teilweise nicht-nutzung mit eingerechnet ist - aber trotzdem denke ich, dass das für viele Kunden eine attraktive Möglichkeit wäre.
Z.b. stellt sich mir jedesmal die Frage: Will ich am Abfahrtstag noch Skifahren oder nicht? Wenn ja: Wie lange will ich fahren?
Hier wäre es super-schön, ein flexibel einsetzbares Ticket zu haben.

Und klar: Auch das Angebot von Übertragbaren Tickets wäre natürlich klasse.

Wobei sich natürlich wieder ein Problem stellt: Überschaut der Kunde das Angebot überhaupt noch? Kein Kunde möchte sich ja durch x verschiedene Ticket-Optionen wühlen.
Ein Tarifsystem muß ja auch von einem "normalen" Kunden in kurzer Zeit verstanden werden können - von daher kann ich schon verstehen, dass sich die Bergbahnen scheuen, hier komplexe Systeme einzuführen.

trincerone hat geschrieben: In Summe ist es jedenfalls so, dass die Skipasspreise (auch über die Alpen verteilt und nur innerhalb der westlichen Staaten) erheblich schwanken, und zwar bei weitgehend vergleichbarer Leistung
Natürlich schwanken die Preise - zum einen natürlich nach Angebot und Nachfrage, zum anderen aber auch nach den Kosten. Z.b. sind die Personalkosten, Mehrwertsteuer etc. zwischen den einzelnen Staaten unterschiedlich - zum anderen hängt es natürlich auch wesentlich von der Situation "am Berg" ab. Seilbahnen im Hochgebirge und speziell Gletschergebiet zu bauen und betreiben ist deutlich teurer als im "normalen" Gebirge. Dann gibt es auch noch teilweise Subventionen.

Aber die verschiedenen Preise zeigen ja, dass der Markt funktioniert.
Es ist natürlich klar - die "Top Skigebiete" brauchen sich keine grossen Sorgen zu machen (wobei Sölden letztens auch Verlust geschrieben hat - das lag aber an der Beteiligung an der Skihalle..) - aber gerade viele mittlere und kleinere Gebiete "krebsen" gewaltig vor sich hin.

Bis auf wenige Ausnahmen ist es also definitiv nicht so, dass die Betreiber sich dumm und dämlich verdienen und somit solche Maßnahmen einfach so weg stecken könnten.

Auch wenn man gerne über die Skipasspreise meckert (mir wäre natürlich günstiger auch lieber):
Denkt mal alleine an die Personalkosten! Für jeden Lift braucht es Minimum 2 Personen (einem am Einstieg, einen am Abgang) plus natürlich Ablösung (OK, Ausnahme natürlich Babylifte). Dann natürlich technisches Personal für Wartung der Anlegen. Pistenkontrolle. Pistenbully-Fahrer. Personal für Lawinensprengungen etc.
Hier ist man schnell bei 100 Leuten - inkl. aller Nebenkosten kommt da ein ganz schönes Sümmchen bei raus - auch wenn die Liftboys oft nur schlecht bezahlte Saison-kräfte sind.
Dann: Strom für die Anlagen und Beschneidung, Diesel für die Pistenraupen, Pacht für die Flächen der Abfahrten.
Dann die Kosten für Revision/Erhalt der Anlegen (z.B. die Seile müssen ja regelmäßig getauscht werden).
Und dann müssen ja auch ab und zu mal Anlagen komplett erneuert werden - wenn man von einer durchschnittlichen Lebensdauer von 30 Jahren bei einer Anlage ausgeht, müssen also Gebiete wie Sölden im Schnitt jedes Jahr eine Anlage austauschen. Da moderne Anlage schnell mehrere Millionen kosten, müssen da erstmal einige Tickets verkauft werden.

Dann hängt das ganze noch vom Wetter und der Saison ab - es gibt natürlich Tage, wo es garantiert voll ist (Ferien) - aber es gibt auch genug Tage in der Vor- oder Nachsaison, wo der Betrieb bei schlechtem Wetter schnell zu einem Zusatzgeschäft wird.
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trincerone
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Re: Angriff auf die Schwarzfahrer

Beitrag von trincerone »

@Überschaubarkeit_der_Tarife: das ist in der Tat auch wieder ein Punkt, wär schade, wenn das nachher dann wie bei Mobiltelephonie endete...

@Staffelpreise: interessant das zu lesen, in der Mehrheit der Gebiete, die ich kenne, habe ich das - glaube ich - nicht angetroffen (bin aber eben zugegebenermaßen auch quasi nie in AT und nur sehr selten in DE schifahren).

@Skipasspreise: Die Kostenfaktoren, die du nennst, treffen sichher alle zu. Aber trotzdem: wenn man Isola 2000 mit einem Tageskartenpreis von 26,- bzw. 31,- EUR betreiben kann, dann glaube ich, dass Du recht hast, wenn Du sagst, dass der Markt funktioniert, weil nämlich die 46,50 EUR in Sölden vermutlich im Wesentlichen damit zusammhängen , dass die Leute diesen Preis zu zahlen bereit sind. Bei den für Isola typischen extremen Schneemengen und der Abgelenheit inkl. extrem schwieriger Straße + sehr viele Lawinenhänge dürften die dort jedenfalls keine Vorteile aufgrund anderer Topologie haben - eher im Gegenteil. Mehrwersteuer in F für Personenbeförderung: wohl 7%, in AT wohl 10%. Daran kann es also auch nicht liegen. Ggf. Personalkosten in Südfrankeich niedriger? Wegen naher Côte d'Azur vermutlich auch nicht. Wie gesagt: ich nehme an, das liegt im Wesentlichen daran, dass die Gäste in Sölden den Preis von 46,50 EUR bereit zu zahlen sind. Aber das wär mal eine interessante Studie.
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thun
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Re: Angriff auf die Schwarzfahrer

Beitrag von thun »

Ich denke in der Tat, dass Sölden, Ischgl, Arlberg und ein paar weitere Gebiete ein fettes Preispremium aufschlagen können, einfach weil sie sich einen Namen gemacht haben und es genügend Leute gibt, die bereit sind, dafür zu zahlen.
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chianti
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Re: Angriff auf die Schwarzfahrer

Beitrag von chianti »

Wobei Arlberg und ein paar Schweizer Gebiete schon immer einen Namen hatten, den sie nur pflegen mussten und von der Tradition nicht mit den "Neureichen" vergleichbar sind. Die haben allerdings erkannt, dass man mit einer Marke auf dem Markt eher bestehen kann und haben sich entsprechend positioniert - ob als Partyhochburg oder als publicitiyträchtigen Weltcupstartort. Da kann man dann auch Agenturen vermutlich Gruppentarife deutlich unter Listenpreis bieten und über die Masse an Bussen trotzdem verdienen und sich zusätzlich Wiederkommer heranziehen. Gerade bei den Samstagstagesfahrten, mit denen die umsatzschwachen Wechseltage aufgefüllt werden, tauchen in D immer die üblichen Verdächtigen auf. Wenn gut erreichbare Gebiete wie der Venet solche Angebote auch als Möglichkeit begreifen würden, zum Nulltarif bekannter zu werden, hätten sie evtl. eine größere Überlebenschance - aber dazu braucht es vermutlich einen Touristikfachmann im Management.
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thun
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Re: Angriff auf die Schwarzfahrer

Beitrag von thun »

^^
Natürlich ist das vergleichbar. Woher der Markenkern, der ein Preispremium dem Kunden gegenüber rechtfertigt, kommt, ist bei einem Pricingvergleich völlig irrelevant. :wink:
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OliK
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Re: Angriff auf die Schwarzfahrer

Beitrag von OliK »

thun hat geschrieben:Ich denke in der Tat, dass Sölden, Ischgl, Arlberg und ein paar weitere Gebiete ein fettes Preispremium aufschlagen können, einfach weil sie sich einen Namen gemacht haben und es genügend Leute gibt, die bereit sind, dafür zu zahlen.
???
Nen fetten Aufschlag? Die relativ keinen Gebiete wie Warth nehmen 42.- €, Damüls sogar 44.- € für den Tagespass. Arlberg bswp. kostet 47.- € in der Hauptsaison und ist grösser als die beiden erstgenannten zusammen. Ich frag mich wo da ein fetter Aufschlag sein soll....
Es grüsst der Oli
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trincerone
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Re: Angriff auf die Schwarzfahrer

Beitrag von trincerone »

@Olli: Aufschlag wohl relativ zu dem Preis, den sie mindestens nehmen müssten, um rentabel zu sein. (Und nur um es zu explicit zu sagen: das ist ja auch gerade Marktwirtschaft, von mir aus können die auch gern 55,- EUR nehmen, wenn sie genügend Leute finden, die das zahlen würden). Warth ist aber wieder ein spezielles Gebiet, weil es ziemlich privilegiert ist von der Lage her, weil es wohl vom schwäbischen Raum her das erste größere Schigebiet ist und daher nach meiner Erinnerung von vielen aus des Bodenseeregion angesteuert wird (was ich persönlich nie verstanden haben, insbesondere nach einem bisher einmalig gebliebenen Besuch 2003). Dessen ungeachtet: nur weil die Gewinnspanne bei den großen vermutlich nicht unbeachtlich ist, heißt das noch nicht, dass bei allen kleinen das anders sein muss.

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jens.f
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Re: Angriff auf die Schwarzfahrer

Beitrag von jens.f »

trincerone hat geschrieben:.

@Skipasspreise: Die Kostenfaktoren, die du nennst, treffen sichher alle zu. Aber trotzdem: wenn man Isola 2000 mit einem Tageskartenpreis von 26,- bzw. 31,- EUR betreiben kann
Ich kenne nun die Bilanzen und Geschichte von Isola 2000 nicht - aber viele französische "Retorten" Skigebiete wurden beim Aufbau mit Steuergeldern bzw. sehr günstigen Krediten unterstützt - das macht natürlich dann eine Menge aus.
Auf jedenfall kann man sehen, das auch kleinere Gebiete in Österreich deutlich teuer sind - selbst z.B. am Sonnenkopf kostet eine Tageskarte 37EUR. Daher denke ich schon, dass die Betriebskosten in Österreich deutlich höher sind.

Aber hier müsste man mal die Bilanzen im Detail vergleichen...
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trincerone
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Re: Angriff auf die Schwarzfahrer

Beitrag von trincerone »

Auch wieder wahr.

(Isola wurde von englischen Unternehmern gebaut, ich nehme an, dass ev. Credite mittlerweile abgezahlt worden sind. Aber das mit den Betriebskosten ist gut möglich, wäre in der Tat interessant zu vergleichen, wie sich das zusammensetzt).
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thun
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Re: Angriff auf die Schwarzfahrer

Beitrag von thun »

So bald die vermuteten Anfangsinvestitionen bei frz. Retortenstationen abgeschrieben sind, ist die Kostenposition doch wieder vergleichbar (?). Das dürfte ja in den allermeisten Fällen schon vor einigen Jahr(zehnt)en der Fall gewesen sein. So ganz zieht das als Begründung also nicht, wahrscheinlich müsste man sich damit detaillierter beschäftigen.

Das Preispremium hat in meinem Verständnis gar nicht unbedingt was mit den Bilanzen zu tun, sondern damit, ob man im Vergleich zum Wettbewerb mehr Geld für vergleichbares Angebot verlangen kann, deshalb führt der Vergleich Warth - Ischgl/Arlberg nicht wirklich weiter. Deshalb muss man sinnvollerweise Gebiete der gleichen Größenkategorie vergleichen, also etwa Sölden mit div. Zillertaler Gebieten, Saalbach, Skiwelt, etc., um halbwegs sinnvolle Aussagen über Preispremien treffen zu können.

Zum Thema Preise und Betriebskosten: Bei dem Vergleich der Preise in verschieden großen Gebieten spielt wohl vor allem die sich mit der Größe verändernde Kostenstruktur (Fixkostenanteil vs. variable Kostenanteil - je größer die Gesellschaft, desto geringer dürfte der Fixkostenanteil sein). Die Preissteigerungen müssen sich somit mit der Größenzunahme prinzipiell degressiv darstellen, denn für ein Gebiet mit 1/10 der Größe von Ischgl sind halt Tagespasspreise von 1/10 der Ischgler Preise (also ca. 4,70 EUR) nicht machbar. :wink:

Ansonsten wurde das wesentliche gesagt, ein Preispremium lässt sich über den Namen des Gebiets realisieren, weil die Gäste bereit sind, dafür zu bezahlen. Verallgemeinerungen à la "Österreich ist deutlich teurer" entsprechen jedoch nicht der Realität, es gibt auch genügend "günstige" österreichische Gebiete. Tannheimer Tal (31 EUR für 50km Piste) oder sicher auch weitere Richtung Osten sind imo preislich ok.
Wenn, dann kann man sagen, dass es einige Gebiete geschafft haben, Ihre vergleichsweise hohen Preisvorstellungen wie auch immer beim Kunden durchzusetzen. Diese sind sicher nicht immer objektiv zu rechtfertigen.

Warth ist tatsächlich ein Sonderfall, schneesicher und leicht zu erreichen, das lässt sich halt verkaufen. Ich finde es mittlerweile auch irre teuer und dem Angebot nicht mehr entsprechend. Das war vor ein paar Jahren noch anders.
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Re: Angriff auf die Schwarzfahrer

Beitrag von trincerone »

So bald die vermuteten Anfangsinvestitionen bei frz. Retortenstationen abgeschrieben sind, ist die Kostenposition doch wieder vergleichbar (?). Das dürfte ja in den allermeisten Fällen schon vor einigen Jahr(zehnt)en der Fall gewesen sein. So ganz zieht das als Begründung also nicht, wahrscheinlich müsste man sich damit detaillierter beschäftigen.
Ja, das sehe ich ganz genau so.
Das Preispremium hat in meinem Verständnis gar nicht unbedingt was mit den Bilanzen zu tun, sondern damit, ob man im Vergleich zum Wettbewerb mehr Geld für vergleichbares Angebot verlangen kann, deshalb führt der Vergleich Warth - Ischgl/Arlberg nicht wirklich weiter. Deshalb muss man sinnvollerweise Gebiete der gleichen Größenkategorie vergleichen, also etwa Sölden mit div. Zillertaler Gebieten, Saalbach, Skiwelt, etc., um halbwegs sinnvolle Aussagen über Preispremien treffen zu können.
Ich glaube, dass beides interessant ist, weil man nämlich mE nicht ohne weiteres sagen kann, wer ein direkter Wettbewerber aus Sicht der Marktgegenseite ist (bzw. was da eigentlich genau ein einziger Markt, und was mehrere Märkte sind). Das dürfte ziemlich komplex sein, zB Jahreszeitabhängig (in der Frühsaison sind Gletschergebiete überproportional starke Wettbewerber). Auch kann ein Schigebiet mit gleichem infrakstrukturellem Aufwand (und daher wohl vergleichbaren Kosten) bei den Kunden in einer ganz anderen Kategorie wahrgenommen werden als ein anderes.
Verallgemeinerungen à la "Österreich ist deutlich teurer" entsprechen jedoch nicht der Realität, es gibt auch genügend "günstige" österreichische Gebiete. Tannheimer Tal (31 EUR für 50km Piste) oder sicher auch weitere Richtung Osten sind imo preislich ok.
Jetzt mal ungeachtet der Frage, was preislich ok ist: ich glaube schon, dass in Österreich die Skipässe deutlich teurer sind als in Frankreich und in Italien, je nachdem natürlich, wie man die Skigebiete vergleicht. Pra-Loup: Tagespass 32.50 EUR für Nicht-Studenten, nach eigener Angabe 230km Pisten (dürfte in etwa stimmen). Ein vergleichbares Angebot wirst Du in AT mE nicht finden können. Roubion, wohl 30km Pisten: 13 € für den Tagespass. Auch das gibt es mE in AT nicht mal in den vergleichbar kleinen Gebieten. Audiberque: 13 EUR unter der Woche, bei ca. 25km Pisten. Und da muss man noch bedenken, dass Audiberque jetzt nicht gerade irgendwo in Kärnten liegt, sondern 34km von der wundervollen historischen Côte-d'Azur-Stadt Grasse (die berühmte Parfum-Stadt) und nicht viel weiter von Cannes und Nice.

Wie gesagt, alles "without prejudice", aber für mich schon einer der Gründe, warum ich eben eher an der Côte d'Azur schifahren gehe als an der Gerlitzen (60km für 39 € und keine Côte-d'Azur und kein Südfrankreich). ABer offensichtlich haben viele andere Präferenzen, und daher rechnen sich die Gebiete in AT trotz der höheren Preise.
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Preisstrategie von Skigebieten

Beitrag von fettiz »

Zur Pricingproblematik...

Es wird kein Gebiet eine rein Angebotsorientierte Preispolitik fahren.
Letztlich werden verschiedene Faktoren mit reinspielen:
Kostenstruktur (CAPEX/OPEX), Besucherstruktur (Tagesgäste/Wochengäste/national/International), Image, direkter Wettbewerb.

Es gibt hier eine interessante Erhebung von manova (Tagesgaststudie). Die sagt ganz klar aus, dass ein Gebiet Aufpreise für Nähe zum Verbraucher, Schneesicherheit und Gebietsgröße (wobei hier so die kritische Grenze bei 100km Pistenkm liegt) verlangen kann.

Für das Thema Warth vs. Arlberg muss man klar sagen - hier kommen natürlich von Kostenseite auch Degressionseffekte (Verwaltung, Werbung, ...) zum tragen. Hohe Investitionen in moderne Lifte schlagen hier zudem durch. Ein vollmodernisiertes Kleinskigebiet hat hier mit der Kapitalisierung mit anderen Problemen zu kämpfen, als die großen, welche kontinuierlich investieren. Deswegen sind ja die Kostenunterschiede so gering.
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Re: Angriff auf die Schwarzfahrer

Beitrag von j-d-s »

chianti hat geschrieben:
trincerone hat geschrieben:Wie es bei Zermatt ist, weiß ich nicht
Es stimmt schon, dass der Bilanzgewinn von 1,3 Mio hier nicht aussagekräftig ist. Maßgeblich ist eher der Cashflow aus laufendem Geschäftsbetrieb (evtl. relativ zum Umsatz) und dagegen gerechnet der Investitionsbedarf.

Zitat aus dem Geschäftsbericht: "In der vorliegenden Rechnung wird ein Cashflow von CHF 21.4 Mio. vor den Ausschüttungen ausgewiesen. Die jährlich festen Investitionen liegen bei ca. 15 Mio., der nachhaltige Erneuerungsbedarf liegt bei mindestens 25 Mio. Das Fremdkapital-Eigenkapitalverhältnis liegt bei 64.9:35.1, angestrebt wird ein solches von 60:40%. Vorläufig wird der überschüssige Cashflow zum Abbau der Schulden verwendet. An die Realisierung grosser Investitionsprojekte, wie die 3-Seilbahn Trockener Steg – Klein Matterhorn ist erst zu denken, wenn wir mehrere Jahre einen Cashflow von über 25 Mio. erwirtschaften."

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Da ihr das hier zum Thema macht: ne Eigenkapitalquote von 35% ist eigentlich recht hoch, gerade bei den günstigen Zinsen zur Zeit. Die könnten ruhig mal mehr investieren...
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Re: Preisstrategie von Skigebieten

Beitrag von chianti »

trincerone hat geschrieben:offensichtlich haben viele andere Präferenzen, und daher rechnen sich die Gebiete in AT trotz der höheren Preise.
Die Anfahrtskosten und -zeit spielen ja auch keine unwesentiche Rolle - und wenn man aus den großen süddeutschen Ballungsräumen bis zu neun Stunden mehr fährt bzw. 1200km weiter dann ist das Gesamtpaket nicht unbedingt günstiger ...

Österreichs Gebiete liegen auch meist niedriger als die in F oder I, demzufolge ist fast überall massiv in die Beschneiung inverstiert worden und in Sölden kosten 24 Stunden Vollbeschneiung 500.000 Euro ...
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Re: Preisstrategie von Skigebieten

Beitrag von Chlosterdörfler »

Wen man den NZZ Artikel über Laax liesst kommt man zum Schluss dass der Fixpreis für Skipässe zu einem Auslaufmodell entwickelt.

Quelle: http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaft ... 1.18227127
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Kris
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Re: Preisstrategie von Skigebieten

Beitrag von Kris »

Hat die NZZ von meinem gestern geposteten Artikel gestiebitzt?

http://www.alpinforum.com/forum/viewtop ... 2#p4963870

Dennoch geht das im Rahmen der Arbeitsgruppe "NLP-Consultancy Team for Tourism and Development" ausgearbeitete Konzept weiter als jenes der Laaxer Bergbahnen. Während Laax Yield Management lediglich auf den Tagsepreis insgesamt ansetzt, erreicht das System "Ecomiles" und "Happymiles" die dynamische Preisbildung einer jeder Anlage im Skigebeit. Das Produkt wird unter dem Markennamen "Ecohappy" vertrieben. Die Einführung von "Ecohappy" wird durch ein Array an Informationsstationen ergänzt, welche an sämtlichen wichtigen Verzweigungen positioniert sind. An den Informationsstationen weist ein dynamisch geschalteter "grünen Pfeil" den Weg zur für den Skigast günstigsten Anlage. Damit kann der Skigast selbst entscheiden, ob er durch Frequentierung von wenig ausgelasteten Anlagen profitieren möchte. Für den Betreiber liegen die Vorteile klar auf der Hand: Optimale Verteilung der Skifahrerströme im Skigebiet, Glättung von Auslastungsspitzen, erhöhte Kundenbindung und optimierte Frequenzsteigerungen insgesamt. Werbepartner können ebenso in das Ecohappy System integriert werden, und so maßgeblich synergetisch zum Gesamterfolg beitragen.

Die Laaxer Bergbahnen haben den zukunftsweisenden Weg mittels tagesabhängigem Yield Management bereits eingeschlagen und sollten sich mit NLP-Consultancy Team for Tourism and Development in Verbindung setzen, um gemeinsam den Innovationsweg entschlossen weiter zu beschreiten.
Zuletzt geändert von Kris am 25.01.2014 - 14:10, insgesamt 2-mal geändert.
>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<
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Re: Preisstrategie von Skigebieten

Beitrag von paso »

An dein Posting musste ich auch sofort denken. Kris, ich sehe Ruhm und Reichtum auf dich zukommen. Ischgl und der Arlberg werden sich sicher bald bei dir melden. 8O
Weiter im Angebot sind die herkömmlichen Standard-Tageskarten und die teuren Blueline-Tickets für 99 Fr. Bei Letzteren erhalten die Gäste einen reservierten Parkplatz, und sie dürfen bei den Anlagen einen separaten Zugang benützen. (NZZ)
Bei den heutigen Wartezeiten an den Seilbahnen scheint mir das bedingt attraktiv. Eine Lösung wäre eine Verknappung der Kapazitäten und Wartezeiten wie in den 80ern.
Generell geht hier aber noch mehr. Blueline-Kunden erhalten zukünftig Zugang zu exklusiven Ski-Lounges der Weissen Arena an markanten Punkten. Die exklusiv eingerichteten Lounges (Liegestühle by Porschedesign) verfügen über die beste Sicht auf die Schweizer Bergwelt (frei von Plebs und Pöbel) nebst eines Begrüßungschampagner. Stößchen.
In den Weisse Arena Aperes Ski Locations stehen VIP-Areas für Blueline-Kunden bereit und der OnlineCoach "iWedel" beantwortet kompetent Fragen zu Ausrüstung und Fahrtechnik. Im Blueline-Shop können exklusive Markenartikel (Ski, Mode) bestellt werden und werden direkt an die Piste geliefert. Gestürzte Blueline-Kunden rufen sich mittels App einen Servicemitarbeiter an die Unfallstelle und lassen sich in die Bindung helfen.

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