Backup-Optionen bei Seilbahnen

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Lagorce
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Re: Backup-Optionen bei Seilbahnen

Beitragvon Lagorce » 13.11.2017 - 14:10

Eine Antwort ist während dem verfassen irgendwo verlorengegangen.

Also hier nochmals:
Ob, formal in den EN sowie nationalen Richtlinien was bzgl. Intervalle zum Start des Dieselmotors sowie zum Test mit Bewegung der Bahn vorgeschrieben ist, weiss ich nicht.

Jedenfalls sind die Betriebsvorschriften des Herstellers massgebend.

IIRC wird mindestens monatlich einen Testlauf mit Diesel und Inbewegungssetzung der Bahn vorgeschrieben.
Zahlreiche Tests werden bein Seilbahnen onehin monatlich durchgeführt (z.B. gewisse Bremstests, usw.).
Täglich sind es eher routinenmässige Sichtkontrollen (und mit den Ohren :) ) vorgeschrieben. Gewisse Checklistenpunkte werden ggf. wöchentlich geprüft.
Falls erforderlich wird auch zwischendurch zusätzlich noch kontrolliert.
Massgebend bzgl. Sicherheit ist allerdings gut ausgebildetes, motiviertes, verantwortungsbewusstes Personal.

Dieselmotoren können jedoch je nach Bedingungen und Anlagen wöchentlich bis sogar täglich angelassen werden, wobei meistens dann jedoch die Bahn nicht gefahren wird. Theoretisch verlangen gewisse Herstellervorschriften einen täglichen Motorstart-Test, z.B. bei tiefen Temperaturen.

Bin zwar der Meinung, dass zu oft für kurze Zeit den Diesel im Leerlauf laufen lassen sowohl Motor wie Batterie unnötig strapaziert. Würde es als sinnvoller betrachten, einen Satz vollgeladene Reserve-Batterien (in gutem Zustand) in einem gewärmten Raum aufzubewahren und ggf. ein spezielle langes Überbrückungskabel zu konfektionieren, damit man die Batterien auf dem Boden lassen kann.
Erfahrungsgemäss sind zahlreiche Startproblemen auf die Batterien zurückzuführen.
Die Batteriespannung wird zwar von der Steuerung überwacht, diese Messung ist jedoch nicht aussagekräftig zur Strombelastbarkeit während des Starts. Die Temperatur spielt auch eine Rolle. Bei tiefen Temperaturen sind Bleibatterien unbedingt geladen zu halten da sich der Elektrolytgefrierpunkt ladezustanabhängig ist (wurde bereits im Forum diskutiert, sowie die Thematik Dieselpest, die zu Common Cause Versagen mehrere Diesel führen kann, z.B. in Datacenters, Spitälern, usw.).

Vorwärmung ist eigentlich standard bei Seilbahndieselmotoren. Die effektive Standby-Temperatur wird jedoch meist nicht überwacht. Getriebe, Hydrauliken und Elektromotoren können ebenfalls je nach Anlage mit elektrischen Stillstandsheizungen ausgettatet sein.

Bei gewissen Ersatzstromgeneratoren (Netzersatzanlagen, NEA, Notstromaggregate, in CH auch Notrstromgruppen genannt) wird batteriegsepiesene Ölpumpe sofort bei Netzausfall gestartet, während Motor meist mit einer kurzen Zeitverzögerung (z.B. 5 s) gestartet wird.

Bei Seilbahn-Dieselmotoren kann man starten und ein paar Minuten im Leerlauf vorwärmen bevor man auf Nenndrehzal rauffährt. Bei Ersatzstromanlagen wird innert Sekunden auf Netzfrequenzdrehzal (bei 50 Hz 1500 U/mn bis etwa 2800 kVA (teilweise auch darüber bis 4000 kVA), darüber werden meist langsamere Motoren eingesetzt) hochgefahren und zudem je nach Anwendung quasi sofort voll belastet.
Angegebene Motorleistungen sollte man vorsichtig vergleichen, da je nach Betriebsart verschiendene Leistungen angegeben werden. Prime Power (Dauerlast 24/24 7/7 für Monate) ist eine in etwa vergleichbare Angabe. Emergency Power kann je nachdem wie berechnet wird, variieren. Nostrom-Leistung ist höher als Prime Power langzeit Dauerleistung (Schiffe, Bohrinseln, Dieselmotoren-Kraftwerke, usw.).

Gestartet wird je nach Motorleistung und Anwendung meist:
- Elektrisch (klassischer Anlasser, bei grösseren Motoren, mehrere): Bis ca. 2800 kW, z.T auch etwas höher.
- Druckluft direkt: Grosse Motoren (Schiffsmotoren, AKW-NEA, usw.), dabei wird Druckluft ab Druckbehälter eingeblasen
(siehe Video hier: https://www.youtube.com/watch?v=UnrJYcxfrTA ).
- Druckluft mit Turbine ((Startermotor ist Druckluft-Turbine anstelle Elektromtor) kenn ich nicht gut, z.T nicht so zuverlässig).
- Hydraulisch (Hydromotor mit Druckspeicher, kann ggf. mit Handpumpe geladen werden; eigentlich die einzige Art, grössere Dieselmotoren von Hand zu starten, wird z.B. in CH Zivilschutzanlagen eingesetzt).

Kurze Laufzeiten sowie längere Leerlauf-Laufzeiten sind nachteilig für die Motorlebensdauer. Zudem sollte man ausser im Notfall, den Motor mit reduzierter Drehzahl lastlos etwas nachlaufen lassen.

Netzparallelbetriebfähige Ersatzstromaggregate kann man unter Last (je nach Belastung der Notnetzschiene) Testen, gute Steuerungen erlauben eine Rücksynchronisation, damit bei Netzrückkehr unterbrechungslos von Notstromgenerator wieder auf das Netz umgeschaltet werden kann. Die Überlappzeit ist dabei aus Sicherheitsgründen sehr kurz, unterhalb einer Sekunde.

Übrigens setzen zahlreiche EVU mobile sychronisierbare Diesel-Generatoren ein, damit z.B. ein Netztrafo für die angeschlossenen Verbraucher unterbruchsfrei ausgetaucht werden kann (z.B. von Polyma).

Zum Thema USV und Notstromaggregate könnte man noch vieles beitragen, das bedienen grosser Dieselmotoren ist nett, ebenso die Geräuschkulisse (mit Gehörschutz geniessen). :)

Bin persönlich total gegen die zwar in grossen Data Centers verbreiteten dynamischen Schwungrad USV. Meist wird zwar in n+1 Redundanz ausgeführt, bin jedoch stets der Meinung, dass die Fehlstartwahrscheinlichkeit bzgl. ersten Startversuch des Dieselmotors unterschätzt wird. Gehe davon aus, das die Erststartversagensquote etwa 0.5 bis 2 % beträgt (oder höher).
Bei einer normalen USV mit Batterien kann man locker mehrer Starversuche durchführen und sogar noch ein Techniker vorort kann manuell eingreifen, da die Überbrückungszeit bei Volllast typischerweise einige Minuten beträgt.
Bei dynamischen Schwungrad-USV stehen bei Volllast und üblicher Dimensionierung weniger als eine Minute als Überbückungszeit zur Verfügung (manchmal nicht einmal 30 Sekunden).
Steht Notstrom innerhalb dieser Zeit nicht bereit bricht die Stromversorgung zusammen.
Aber eben, viele Datacenter Kunden verstehen nix von Stromversorgungen, Redundanz, usw.
Kenne Datacenter im >20 MW Bereich die mittelspannungsseitig von Feldern in der gleichen Reihe gespiesen werden, bzw. mit mehreren MS Leitungen, die aber EVU-seitig auf dem selben HS/MS Trafo aufgeschaltet sind, usw. Auch die ganze USV Stromverteilung muss richtig ausgeführt sein damit wirklich die Redundanz das bringt was man behauptet.

IMO sind nur effektive Online Double Conversion USV sinnvoll, habe auch in meinen Industrieprojekte ausschliesslich solche Geräte eingesetzt (grössere mit jeweils 3 getrennten Haupt-Einspeisungen: USV, statischer Bypass, Revisions-Bypass).
Billige USV für Heimgebrauch können übrigens die Ausfallwahrscheinlichkeit eines PC-Ausfalls im Vgl. zu direktem Netzanschluss erhöhen. Eigentlich sollte man eine gute USV oder keine USV einsetzen (meine ist etwa 80 kg schwer und arbeitet im Double Conversion Online Mode, bei Inbetriebnahme habe ich sie unter Volllast getestet, jedoch die Batterien nicht voll heruntergefahren).

Hier sieht man die Timings (500 kVA Notstromaggregat Test):
In diesem Beispiel:
- Startverzögerung ab Netzausfall: 5 s
- Stabiliserungszeit vor Zuschaltung Notnetz: ca. 10 s
- Nachlaufzeit: 180 s
https://www.youtube.com/watch?v=SS_aHWdLH54

Und hier ein grösseres Aggregat (alleine die Raumlüfter sind extrem laut, Kühlluft- und Verbrennungsluftdurchsätze sind sehr hoch):
https://www.youtube.com/watch?v=XxqTLwpTpq8

Gewisse Seilbahnen sind mit Ersatzstromanlagen ausgestattet, z.B. in der Tortin - Col des Gentiane Antriebsstation sind 3 Stk. 450 kVA Dieselgeneratoren (war zwar schon lange nicht mehr dort, weiss nicht, ob dort was abgeändert wurde; werden paralell auf gemeinsame Notromschiene synchronisiert).

Bei den Glacier 3000 125+1 PB sind folgende Diesel im Einsatz:
- Hydrostat Sektion 1 (umschaltbar auf Sektion 2)
- Hydrostat Sektion 2 (umschaltbar auf Sektion 1)
- Bergebahn Sektion 1 (in Antriebssation Cabane)
- Bergebahn Sektion 2 (in Gegenstation Scex Rouge)
- Gebäude-Notstromgruppe AS Cabane (Antriebsstation Sektion 1 und Sektion 2)
- Gebäude-Notstromgruppe GS Scex Rouge (Bergstation Sektion 2)
(Gebäude-Notstromgruppen können Hilsbetriebe PB speisen, sind jedoch nicht erforderlich. Wurden nicht spezifisch für die PB installiert.)

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Re: Backup-Optionen bei Seilbahnen

Beitragvon Spezialwidde » 13.11.2017 - 20:43

Was dabei vielleicht noch anzumerken ist: Stationäre Dieselmotoren die immer in Bereitschaft gehalten werden, gerade bei Netzersatzanlagen die sofort belastet werden, können auf einer Grundtemperatur gehalten werden. Dazu kann der Motor über den Kühlkreislauf beheizt werden. Bei Gebäudegroßaggregaten zb in Krankenhäusern wird das generell so gemacht, da zweigt man meist etwas Wärme von der Zentralheizung ab. Ob das jetzt bei Seilbahnnotantrieben auch gemacht wird kann ich nicht sagen, bei kleineren Motoren und Direktantrieben wohl eher nicht. Wenn einer größeren Station noch beheizte Räumlichkeiten angeschlossen sind wäre es zumindest eine Option die Startbereitschaft zu verbessern und Probestartintervalle zu verlängern.
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Re: Backup-Optionen bei Seilbahnen

Beitragvon Ram-Brand » 13.11.2017 - 20:55

Es gibt aber auch Schnellstarteinrichtungen für Generatoren.

Da wird die Schwungmasse permanent von einem Drehstrommotor angetrieben.
Bei Stromausfall wird dann sofort über eine Schnellkupplung der Diesel mit der Schwungmasse verbunden und das Ding rennt los.

Der Diesel wird natürlich durch eine Heizung vorgewärmt.

Das ist aber bei Seilbahnen nicht notwendig. Eher bei Versammlungsstätten mit großen Menschenansammlungen.
Die kann man nicht so einfach 5s im Dunkeln stehen lassen.
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Re: Backup-Optionen bei Seilbahnen

Beitragvon Spezialwidde » 13.11.2017 - 21:13

Ram-Brand hat geschrieben:Es gibt aber auch Schnellstarteinrichtungen für Generatoren.

Da wird die Schwungmasse permanent von einem Drehstrommotor angetrieben.
Bei Stromausfall wird dann sofort über eine Schnellkupplung der Diesel mit der Schwungmasse verbunden und das Ding rennt los.

Dieses System kannt ich auch mal aber macht man das heutzutage noch? Sowas hab ich schon ewig nicht mehr gesehen, ich kenne nur noch Batteriepuffersysteme die die Stromversorgung übernehmen bis der Diesel hochgelaufen ist. Wenn ein Stromausfall nicht unmittelbar lebensbedrohlich ist kann die Beleuchtung auch so ausgelegt sein dass sie mit Gleichstrom betrieben werden kann, dann spart man sich für die Notbeleuchtung sogar den Umrichter. Ich komme sogar noch aus der Zeit wo in Neonröhrenleuchten extra Glühbirnen verbaut waren die mit dem Gleichstrom der Notbatterie betrieben wurden. Was ist zb wenn der Diesel aus irgendeinem Grund nicht gleich zündet und die Schwungmasse stehen bleibt? Soll ja bisweilen vorgekommen sein. Sorry ich schweife vom Thema ab ist bei Seiöbahnen ja jetzt wirklich nicht das Problem :D
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Lagorce
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Re: Backup-Optionen bei Seilbahnen

Beitragvon Lagorce » 14.11.2017 - 09:50

Gar nicht so OT, gewisse Seilbahnen verfügen über grosse Notstromaggregate. In CH nicht sehr gängig, in Frankreich gibt es mehrere Beispiele (Pic und/oder Aiguille du Midi, verwechsle die stets); in USA gibt's ebenfalls Beispiele (z.T. auch Umlaufbahnen mit 2 Dieselmotoren am gleichen Getriebe, usw.).


Eine Antwort ist während dem verfassen irgendwo verlorengegangen. :(

Also hier nochmals:
Ob, formal in den EN sowie nationalen Richtlinien was bzgl. Intervalle zum Start des Dieselmotors sowie zum Test mit Bewegung der Bahn vorgeschrieben ist, weiss ich nicht. Die EN kauf ich mir nicht, die sind zu teuer und leider findet man die nicht online.

Jedenfalls sind die Betriebsvorschriften des Herstellers massgebend.

IIRC wird mindestens monatlich Testlauf mit Diesel und Inbewegungssetzung der Bahn vorgeschrieben. Zahlreiche Tests werden bei Seilbahnen onehin monatlich durchgeführt (z.B. gewisse Bremstests, usw.). Täglich sind eher routinenmässige Sichtkontrollen (und mit den Ohren) vorgeschrieben. Gewiss Checklistenpunkte werden ggf. wöchentlich geprüft.

Dieselmotoren können jedoch je nach Bedingungen wöchentlich bis sogar täglich angelassen werden, wobei meistens dann jedoch die Bahn nicht gefahren wird. Theoretisch verlangen gewisse Herstellervorschriften einen täglichen Motorstart-Test, z.B. bei tiefen Temperaturen.

Bin zwar der Meinung, dass zu oft für kurze Zeit den Diesel im Leerlauf laufen lassen sowohl Motor wie Batterie unnötig strapaziert. Würde es als sinnvoller betrachten, einen Satz vollgeladene Reserve-Batterien (in gutem Zustand) in einem gewärmten Raum aufzubewahren und ggf. ein spezielle langes Überbrückungskabel zu konfektionieren, damit man die Batterien auf dem Boden lassen kann.
Erfahrungsgemäss sind zahlreiche Startproblemen auf die Batterien zurückzuführen.
Die Batteriespannung wird zwar von der Steuerung überwacht, diese ist jedoch nicht aussagekräftig zur Strombelastbarkeit während des Starts.
Die Temperatur spielt auch eine Rolle. Bei tiefen Temperaturen sind Bleibatterien unbedingt geladen zu halten da der Elektrolytgefrierpunkt ladezustanabhängig ist (wurde bereits im Forum diskutiert, sowie die Thematik Dieselpest, die zu Common Cause Versagen mehrere Diesel führen kann, z.B. in Datacenters, Spitälern, usw.).

Vorwärmung ist eigentlich standard bei Seilbahndieselmotoren. Die effektive Standby-Temperatur wird jedoch meist nicht überwacht. Man findet sowohl Dauerlauf wir thermostatisch kontrollierte Stillstandsheizungen (auch bei Thermostatversagen würde die Heizleistung nicht ausreichen, um gefährliche Temperaturen zu erreichen, nur eine Energieverschwendung).
Getriebe, Hydrauliken und Elektromotoren können ebenfalls je nach Anlage mit elektrischen Stillstandsheizungen ausgettatet sein (wobei nicht heikle Hydrauliksysteme einen recht grossen Temperaturbereich erlauben ohne Vorwärmung des Öls).

Bei gewissen Ersatzstromgeneratoren (Netzersatzanlagen, NEA, Notstromaggregate, in CH auch Notstromgruppen genannt) wird eine batteriegsepiesene Ölpumpe sofort bei Netzausfall gestartet, während Motor üblicherweise mit einer kurzen Zeitverzögerung (z.B. 5 s) gestartet wird (eine kurze Verzögerung findet man eigentlich immer, damit nicht bei einem zu kurzen Netzunterbruch für nichts gestartet wird).

Bei Seilbahn-Dieselmotoren kann man starten und ein paar Minuten im Leerlauf vorwärmen bevor man auf Nenndrehzal rauffährt. Bei Ersatzstromanlagen wird innert Sekunden auf Netzfrequenzdrehzahl (bei 50 Hz 1500 U/mn bis i.d.R. etwa 2800 kVA, darüber werden meist langsamere Motoren eingesetzt) hochgefahren und zudem je nach Anwendung quasi sofort voll belastet.
Angegebene Motorleistungen sollte man vorsichtig vergleichen, da je nach Betriebsart verschienden Leistungen angegeben werden. Prime Power ISO 3046 (IIRC Dauerlast 24/24 7/7 für Monate) ist eine in etwa vergleichbare Angabe. Emergency Power kann je nachdem wie berechnet wird, variieren. Nostrom-Leistung ist höher als Prime Power langzeit Dauerleistung (Schiffe, Bohrinseln, Dieselmotoren-Kraftwerke, usw.).

Gestartet wird je nach Motorleistung und Anwendung meist:
- Elektrisch (klassischer Anlasser, bei grösseren Motoren, mehrere): Bis ca. 2800 kW.
- Druckluft direkt: Grosse Motoren (Schiffsmotoren, AKW-NEA, usw.), dabei wird Druckluft ab Druckbehälter eingeblasen
(siehe Video hier: https://www.youtube.com/watch?v=UnrJYcxfrTA ).
- Druckluft mit Turbine (kenn ich nicht gut, z.T nicht so zuverlässig).
- Hydraulisch (Hydromotor mit Druckspeicher, kann ggf. mit Handpumpe geladen werden; eigentlich die einzige Art, grössere Dieselmotoren von Hand zu starten, wird z.B. in CH Zivilschutzanlagen eingesetzt).

Kurze Laufzeiten sowie längere Leerlauf-Laufzeiten sind nachteilig für die Motorlebensdauer. Zudem sollte man ausser im Notfall, den Motor mit reduzierter Drehzahl lastlos etwas nachlaufen lassen.
Moderne Aggregate werden oft über CAN von spezialisierten Steuerungen angesteuert, über die SAE-normierte Schnittstelle werden auch Daten von der ECU (Engine Control Unit) ausgelesen und können im Display dargestellt werden (z.B. einzelne Zylinderkoptemperaturen bei grösseren Motoren).
Seilbahn-Diesel werden ebenfalls z.T. über CAN angesteuert, hängt von der Motorengeneration ab. Interfacen kann man mit speziellen "Mobile" Controllern (sowas wie vereinfachte programmierbare rüttelfeste klein-SPS) oder auch via SPS (ggf. muss man Treiber schreiben).

Netzparallelbetriebfähige Ersatzstromaggregate kann man unter Last (je nach Belastung der Notnetzschiene) Testen, gute Steuerungen erlauben eine Rücksynchronisation, damit bei Netzrückkehr unterbrechungslos von Notstromgenerator wieder auf das Netz umgeschaltet werden kann. Die Überlappzeit ist dabei aus Sicherheitsgründen sehr kurz, unterhalb einer Sekunde.
Damit bei Netzausfall bei Netzparallelbetrieb das Aggregat den Generatorschalter öffnet sollten gute Aggregatsteuerungen oder spezielle Schutzerlais eingesetzt werden.

Übrigens setzen zahlreiche EVU mobile synchronisierbare Diesel-Generatoren ein, damit z.B. ein Netztrafo für die angeschlossenen Verbraucher unterbruchsfrei ausgetaucht werden kann (z,B. von Polyma).

Zum Thema USV könnte man noch vieles beitragen.
Bin persönlich total gegen die zwar in grossen Data Centers verbreiteten dynamischen Schwungrad USV. Meist wird zwar in n+1 Redundanz ausgeführt, bin jedoch stets der Meinung, dass die Fehlstartwahrscheinlichkeit bzgl. den ersten Startversuch des Dieselmotors unterschätzt wird. Gehe davon aus, das die Erststartversagensquote etwa 0.5 bis 2 % liegt.
[Habe gerade gesehen, dass gem. IEEE mit statistich 1 Fehlstart auf 74 Starversuche gerechnet wird.]
Den MTBF Berechnungen traue ich nicht so gut und es nicht so einfach objektive Daten zu finden.

Bei einer normalen USV mit Batterien kann man locker mehrer Starversuche durchführen und sogar noch ein Techniker vorort kann manuell eingreifen, da die Überbrückungszeit bei Volllast typischerweise einige Minuten beträgt.
Bei dynamischen Schwungrad-USV stehen bei Volllast und üblicher Dimensionierung weniger als eine Minute als Überbückungszeit zur Verfügung (manchmal nicht einmal 30 Sekunden).
Steht Notstrom innerhalb dieser Zeit nicht bereit bricht die Stromversorgung zusammen.
Wird wie hier gestartet können Schwungrad-USV nicht weiterhelfen, während klassische Batterie-USV noch locker überbrücken. Zudem gewähren die auch längere Zeit zu herunterfahren der Rechner falls aus irgendeinem Grund die Diesel nicht starten oder falls Treibstoff irgendwann ausgeht. Bei Schwungrad reicht die Zeit oft nicht mehr aus, die Rechner noch herunter zu fahren.
https://www.youtube.com/watch?v=OEzGZAMyTwM

Aber eben, viele Datacenter Kunden verstehen nix von Stromversorgungm Redundanz, usw. Kenne Datacenter im >20 MW Bereich die mittelspannungsseitig von Feldern in der gleichen Reihe gespiesen werden, bzw. mit mehreren MS Leitungen, die aber auf dem selben HS/MS Trafo im Unterwerk aufgeschaltet sind, usw. Auch die ganze USV Stromverteilung muss richtig ausgeführt sein damit wirklich die Redundanz das bringt was man behauptet.

IMO sind nur effektive Online Double Conversion USV sinnvoll, habe auch in Industrieprojekte ausschliesslich solche Geräte eingesetzt (grössere mit jeweils 3 getrennten Einspeisungen: USV, statischer Bypass, Revisions-Bypass).
Billige USV für Heimgebrauch können übrigens die Ausfallwahrscheinlichkeit eines PC-Ausfalls im Vgl. zu direktem Netzanschluss erhöhen. Eigentlich sollte man eine gute USV oder keine USV einsetzen.

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Re: Backup-Optionen bei Seilbahnen

Beitragvon Lagorce » 14.11.2017 - 10:06

Hier noch ein unüblich grosses Aggregat für 1500/1800 U/mn:
https://www.youtube.com/watch?v=XxqTLwpTpq8

Caterpillar (CAT) C175-20
Daten für 1500 U/mn 50 Hz 11 kV 4000 kVA Version bei Volllast:
Standby Power (Notstrom): 4000 kVA
Hubraum: 105.8 l
Vorwärmung elektrisch: 9 kW
Anlasser: 2 Stk. je 7 kW 24 V
Batterien: 2x 2 Stk 12 V je 210 Ah (total 24 V 420 Ah)
LxBxH: 6643x2243x2225 mm (ohne Kühler)
Masse: 24500 kg
Treibstoffverbrauch: 788 l/h
Kühlwasser: 440 l
Schmieröl (bei Ölwechsel): 675 l
Verbrennungsluft: 267 m3/mn
Abgas: 652 m3/mn

Wärmeabgabe:
- Kühlwasser: 1613 kW
- Abgas: 2762 kW
- Aftercooler: 373 kW
- Motorabstrahlung: 183 kW
- Generatorabstrahlung: 165 kW
- Lautstärke: ca. 128 dB

In der Westschweiz ist "irgendwo" bei einer Firma (kein Datacenter) ein Notstromaggregat dieser Grössenordnung installiert, kann vom EVU ferngsteuert für Netzparallelbetrieb angelassen werden (in Schallschutzcontainer in einem Gebäude untergebracht, nahezu unbekannt und heutzutage vermutlich unmöglich zu besuchen).

Allein die Frischluftventilatoren sind recht laut, um die Abwärme abzuführen wird ein grosser Volumenstrom Frischluft benötigt und zudem kommt je nach Ausführung noch die Verbrennungsluft dazu (kann jedoch auch extern angesaugt werden, gibt verschiedene Varianten).

Bei gewissen Diesel wird Öl in kleinen Mengen mit dem Diesel dosiert eingespritzt und kontinuirlich entsprechend durch frisches Öl ersetzt.

Edit:
Hier noch 15 der 34 Stk. C175-20 Motoren unter einem Dach in Brasilien bei Oliveira Energia in der Nähe von Boa Vista. Hier wurden klassische Kühler eingesetzt.

Image Link vom Caterpillar Website:
http://s7d2.scene7.com/is/image/Caterpillar/C10882878

Bei uns sieht man kaum Motorenkraftwerke, in gewissen Ländern sind solche verbreitet, da einfach bzgl. Planung, Bau und Betrieb. Gas- und Dampfturbinen sind wesentlich heikler.

Lagorce
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Re: Backup-Optionen bei Seilbahnen

Beitragvon Lagorce » 14.11.2017 - 11:03

Und hier noch was zum Thema Erdbeben (Cummins 2750 kW QSK 78 Aggregat, nicht im Betrieb):

https://www.youtube.com/watch?v=5uSqI7kSYE4

Prüfung ist recht hart und vermutlich für Zertifizierung im nuklearen Bereich. Weiss nicht mehr auswendig, ob nicht nukleare Tests so hart sind (z.B. Bellcore Zone 4). Habe mich mal mit der Erdbebensicherheit von Schaltanlagen befasst, ist aber ein paar Jahre her.

Weiss nicht so genau was passieren würde, wenn Seilbahn-Stationen und -Stützen solchen Beschleunigungsspektren ausgesetzt würden (unter Berücksichtigung der jeweiligen Bodeneffekte).


Zum Thema Hydraulik: Vermutlich die grösste Ölhydraulik Anlage ist in Japan (4x 4000 PS Erdgas-Motoren, 750 m3 Öl, 206 bar).

Edit:
Hier noch eine PB mit grossen Dieselgeneratoren (über 2000 kVA), man beachte die Creissels'che Komplexität der Anlage:
https://www.remontees-mecaniques.net/bd ... -1000.html

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