Mal etwas anderes sollte es sein ... ein Gebiet, das man i.d.R. rechts liegen lässt. Also haben wir uns entschlossen dem kleinen Örtchen Alberschwende ein Besuch abzustatten. Und es hat sich gelohnt!!!
Modernen Hochfrequenzanlagen oder modellierten Skipisten gibt es hier nicht. Das Gebiet besticht durch seine alten Anlagen aus den 60ern. Man hat das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben ist. War es vor 40 Jahren ein modernes Skigebiet, hat es sich seitdem zu einem historischen Schauplatz von Steurer und Doppelmayr entwickelt. Sobald man sich von den jeweiligen Bergstationen gelöst hat und sich auf die Pisten begibt, erlebt man eine Mischung aus überwiegend Waldabfahrten, die sich immer wieder mit Lichtungen wechseln. Das absolute Highlight auf den Abfahrten ist das komplett natürliche Gelände: Bodenwellen, hängendes Gelände, Kuppen, abenteuerliche Straßenkreuzungen sowie Pistenführungen ... und diesbezüglich nicht zu verachten die Straßen und Fahrwege, deren Absätze waghalsige Sprünge erlauben.
Alles weitere mit den Bildern, da es von Alberschwende noch keine Winterbilder in Forum gibt, folgt eine etwas ausführlichere Beschreibung des kleinen Gebietes, denn in meinen Augen ist es das wert!
Aber erstmal kurz die üblichen Fakten:
Wetter/Temperatur:
Ab und zu Sonne, meist war diese aber durch eine ganz dünne Wolkendecke etwas abgeschirmt
Tal: 0°C
Berg: - 2°C
Schnee:
Tal: 30 cm
Berg: 50 cm
Schnee/Pisten:
Griffiger Pulverschnee, die beschneiten Pisten waren in Top-Zustand. Teilweise kamen jedoch bereits Gras und Erde durch, besonders an Geländekuppen und Bremsstellen wie an Liftzufahren.
Pistenplan (1,7 MB):
Link
Lift- und Pistenstatus:
Gefahrene Lifte/Pisten:
alle geöffneten bis auf den Tannerberg Babylift und dessen Pisten
Wartezeiten
keine an den Liften (lediglich etwa 20 Minuten beim Kauf des Skipasses, weil die Einheimischen unbedingt Großaufträge an Saisonskipässen während des Skibetriebes aufgeben müssen)
Gefallen:
Nicht gefallen:
Bevor es die Bilder gibt ein paar erklärende Worte zum Skigebiet und den Liften:
Das Skigebiet von Alberschwende erstreckt sich von etwa 740 m bis auf 1.166 m und besteht genaugenommen aus drei Einzelgebieten: Brüggelekopf, Dresslerberg und Tannerberg. Insgesamt stehen 18 km Pisten zur Verfügung. Alle drei Gebiete sind durch Pisten verbunden und können über die „Große Rundfahrt“ entgegen dem Uhrzeigersinn abgefahren werden. Herzstück des gesamten Gebietes ist der Einersessellift Brüggelekopf (Baujahr 1967, Steurer), der seine Bergstation etwas unterhalb des Brüggelekopfes hat. Von diesem hat man zum einen einen tollen Panoramablick, unter anderem zur Damülser Mittagsspitze, Säntis und Bodensee sowie das Rheintal. Vom Brüggelekopf hat man dann die Möglichkeit auf die Rundfahrt zu gehen, direkt die Bühlerbergabfahrt zu machen oder nach einer kurzen Abfahrt mit dem Höhenlift (Steurer mit Doppelmayrgehängen) zur Greban-Abfahrt zu gelangen.
Aber der Reihe nach: Die Rundfahrt (Piste 3) leitet, wie der Name schon sagt, die Umrundung des Skigebietes ein. Größtenteils ist es ein Skiweg, den man sich mit Rodlern und Fussgängern teilt, aber zwischendrin hat es durchaus auch sehr anspruchsvolle Hänge. Die Piste endet in Nähe der Bergstation des Tannenbergliftes. Die zweite angesprochene Möglichkeit von der Bergstation des ESL ist die Bühlerbergabfahrt, die direkte Pistenverbindung von der Berg- zur Talstation. Nach dem kurzen Starthang folgt ein Skiweg hinein in den Wald und eine durchaus rassige Abfahrt über natürliches Gelände und spontane Richtungswechsel. Die dritte Möglichkeit ist die Greban-Abfahrt. Diese erreicht man aber nur über den Höhenlift, der auch eine kurze Piste erschließt. Von der Bergstation dieses Liftes gelangt man auf die Greban-Abfahrt. Diese stellt eine Abwechslung aus etwas ebeneren Pistenteilen und kürzeren Hängen dar, daher auch die Einstufung als blaue Pisten.
Hat man sich aber für die bereits angesprochene Rundfahrt entschieden, kommt man wie beschrieben zum Tannenberglift, ein Kurzbügler von Doppelmayr mit Liftomat in der Talstation. Die Trasse weist zwei Besonderheiten auf: Zum einen eine Skibrücke mit einer sehr steilen Rampe und gleich darauf eine Straßenkreuzung, mit einer sehr sporadischen Absperrung für den Straßenverkehr ... ein Band mit Dreieckswimpeln.
Von der Bergstation des Tannenbergliftes hat man dann die Möglichkeit entweder die Rundfahrt fortzusetzen und dem Skiweg zum Dresslerberglift zu folgen oder die Abfahrten am Tannenberglift selber zu genießen. Auch hier eine sehr schöne natürliche Piste, durchsetzt von ein paar Fahrwegen, die zu waghalsigen Sprüngen einladen.
Setzt man von der Bergstation jedoch die Rundfahrt fort, gelangt man wie angesprochen zum Dresselberglift, auch ein Kurzbügler von Doppelmayr, der keinen Liftomaten hat, aber ebenso eine Skibrücke aufweisen kann. Links und rechts der Schlepplifttrasse werden jeweils mittelschwere Pisten erschlossen, die aber auch als Leichte bezeichnet werden können.
Zwischen Tannenberg- und Dresselberglift befindet sind noch ein Tellerschlepper, der Tannenberg Babylift mit flachen, leichten Übungspisten.
Von der Bergstation des Dresslerberglifts kann man dann die Rundfahrt fortsetzen und folgt oben rechts aussteigend einen überwiegend flacheren Pistenabschnitt mit kurzen Hängen. Nach kurzer Zeit erreicht man einen kleinen Anstieg, der einen zurück zum Talstationsbereich führt.
Um das Portrait des Gebietes zu komplettieren fehlen noch zwei Anlagen: Der Sohmsbergschlepplift sowie der Zipfellift. Ersterer ist ein Kurzbügler von Steuer der mit die besten Pisten im Gebiet erschließt und kurz hinter der Talstation auf einer Brücke einen kleinen Bach überquert. Die Pisten am Sohmsberg führen durch verschiedene Waldschneiden, auf diesen kann man ordentlich Speed machen und carven.
Letzter Lift im Bunde ist der Neueste, der Zipfellift. Dabei handelt es sich um einen Tellerschlepper von Dopelmayr und wurde 2005 erbaut. Er erschließt keine eigenen Pisten und dient in erster Linie dem Übungsgelände sowie zur Beförderung von Rodeln für die kurze Rodelbahn in direkter Nähe.
Das einzige was etwas das Gefühl trübt in die 60er Jahre zurückversetzt zu sein sind die Schneekanonen. Es sind nicht viele, denn beschneit sind lediglich die Pisten am Sohmsberg und das Übungsgelände an der Talstation.
Am Tannerbergschlepplift besteht ferner die Möglichkeit von Nachtski.
So nun habe ich das Gebiet verbal vorgestellt und wie versprochen folgen nun die Bilder dazu ...
Bilder:
^^ Herzlich Willkommen in den 60er Jahren ... ESL Brüggelekopf und SL Sohmsberg
^^ Übungsgelände, rechts der Zipflelift
^^ Im ESL, unten die Talstation des Sohmsbergschleppers
^^ Blick zurück auf den Talstationsbereich
^^ Rechts die Trasse des SL Sohmsberg, unterhalb die Sohmsbergabfahrten
^^ Huhu Oscar
^^ Eine Waldvariante am Sohmsberg, der ESL geht nun in den Wald
^^ Blick zurück
^^ Betonstützen
^^ Blick zurück
^^ Das Steilstück, bevor es über die Kuppe geht
^^ Unten im Tal liegt Alberschwende, der ESL ist 1.538m lang
^^ Stützenkombi 14 – 17 am Geländeübergang
Handyclip an der Stützenkombi 14 - 17 mit historischer Geräschkulisse bei Stützenüberfahrt:
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^^ Blick auf den Höhenlift
^^ Kurz vor der Bergstation
^^ Tolles Panorama von der Bergstation, hinten links der Säntis, rechts der Bodensee. Vorne links die Talstation vom Höhenlift, in der Mitte die Bühlerbergabfahrt
^^ So sah in den 60ern eine UNI-G aus
^^ Oscar und Panorama nach Osten auf den Bregenzerwald
^^ Bergstation aus der Nähe
^^ Starthang, oben quert der ESL
^^ Bühlerbergabfahrt
^^ Ankunft oberhalb des Talstationsbereiches
^^ Im Zipellift
^^ Blick hinüber zum ESL und Sohmsbergschlepper
^^ Oscar am Ausstieg
^^ Schneekanone der allerersten Stunde
^^ Sohmsbergabfahrt am gleichnamigen Schlepplift, eine der besten Pisten dort
^^ dito, Blick bergwärts
^^ Unten quert der ESL
^^ Auch hier wurden gemäß Vorschrift die LED-Einrichtungen nachgerüstet
^^ Ausstieg
^^ Im Höhenlift, Oscar & Alpenfreak folgen
^^ Einstieg in die Greban-Abfahrt
^^ Ausstieg Höhenlift
^^ Auf der Greban-Abfahrt, hier der etwas flachere Pistenabschnitt
^^ Panorama auf Kanisfluh links und Damülser Mittagspitze (Bildmitte)
^^ Auf der „Rundfahrt“ mit Blick auf den Bregenzerwald
^^ Straßenquerung mit sporadischer Absperrung am Tannerberglift
^^ Tannerbergabfahrt
^^ Talstation Tannerberglift, Kurzbügler mit Liftomat
^^ Brücke über die Straße mit steiler Rampe
^^ Blick zurück, nach der Brücke gleich die Straßenkreuzung
^^ Ausstieg Tannerberglift
^^ Talstation Dresslerberglift
^^ Pistenbully
^^ Auch hier eine Skibrücke
^^ Hmmmm ...
^^ Kurzbügler mit Schrägstützen, am Ausstieg eine Portalstütze
^^ Dresslerbergabfahrt
^^ Wegweiser mit Band am Baum festgebunden ... passt einfach in Bild
^^ Skibrücke beim Sohmsbergschlepper
^^ PB 280 DW
Mit den beiden letzten Bildern ging ein toller Skitag zu Ende:
Fazit:
Solche kleinen Gebiete besucht man leider immer viel zu selten, lässt sie an der Seite liegen, wenn man doch wieder in die Größeren fährt. Ich bin froh, das Skigebiet von Alberschwende kennengelernt zu haben, denn es versetzt einen wirklich 40 Jahre zurück und ist somit schon ein Unikat. Es ist eigentlich schon wieder so alt, dass es einfach cool ist. Ein ESL der über die Stützen rumpelt und einen bei den Niederhaltern durchschüttelt. Lediglich das LED-Geraffel am Ausstieg erinnert einen, dass wir im 21 Jahrhundert sind und es wirkt wie ein Fremdkörper an dem Lift. Die anderen Lifte (den Zipfellift ausgenommen) haben ebenso Style, Kurzbügler in Reinkultur mit original Stahlseilen, an denen die ein oder andere Faser schon gerissen war.
Die naturbelassenen Pisten, die den Wald durchschneiden oder Lichtungen queren passen ins Bild des Gebietes. Keine künstlichen Carvingautobahnen, bei denen man eigentlich kein Skifahren mehr können muss. Keine stupiden 0815-Pisten. Nein, hier muss man noch Skifahren können ... spontane Richtungswechsel ohne Ankündigung meistern, Bodenwellen schlucken und Geländeübergänge sprungvoll meistern. Alles das, was man heute leider immer weniger findet. Aber das ist halt der Trend der Zeit, dieser ist aber bisher auf der B200 an Alberschwende vorbeigefahren und hat in den größeren Gebieten halt gemacht.
Zum Glück!!!
Also, wer ein richtig gemütliches Skigebiet erleben möchte inklusive einer Reise in die Vergangenheit, der sollte in Alberschwende einen Stopp einlegen.