Gschwandtkopf | 04.02.2012 | Flotter Dreier im Schnee

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Zottel
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Gschwandtkopf | 04.02.2012 | Flotter Dreier im Schnee

Beitrag von Zottel »

Gschwandtkopf | 04.02.2012 | Flotter Dreier im Schnee

Mit Zyste hatte sich in den ersten beiden Februar-Wochen erneut hoher Besuch aus dem hohen Norden (aus bayerischer Sicht) angekündigt, münchner hingegen sollte erst über eine Woche nach der Anreise in das Geschehen eingreifen. Lange wurde geplant, wie die gemeinsamen Schitage gestaltet werden könnten, die Entscheidung für Tag 1 fiel schließlich auf eine Kombination aus Rosshütte und Gschwandtkopf in Seefeld. Einen Abend vorher stellte sich dann heraus, dass der Schlepplift Kalte Kuchl am Glungezer nach Jahrhunderten der Abstinenz wieder in Betrieb gehen würde, was den beiden Akteuren dieser Geschichte die Pläne gehörig durcheinanderwirbeln und um ein Haar den schlimmsten Schitag ihres Lebens beschweren sollte. Aber lassen wir sie selbst zu Wort kommen und das Erlebte - wie immer ausreichend durch Bilder unterlegt - beschreiben...

[münchner] Eigentlich sollten Zyste und ich schon viel früher den ersten gemeinsamen Schitag absolvieren, aber diverse andere Pläne verhinderten dies. Umso mehr freute ich mich, als es am Samstag dann endlich klappte. Und mit dem ESL am Gschwandtkopf war auch schnell ein erstes würdiges Ziel gefunden. Am Abend vorher schaute ich wie üblich mal wieder auf der Glungezer-Homepage vorbei und siehe da, der Kalte Kuchl war wieder auf Status grün. Das an sich war noch nichts besonderes, wurde der Status des Schlepper bereits öfter so ausgewiesen, dennoch war der Lift nie in Betrieb. Ich beschloss, den Glungezer als Option im Hinterkopf zu behalten...

[Zyste] Für die erste Tour zusammen mit münchner war zunächst ein (halber) Tag rund um Seefeld geplant, wir wollten uns aber auch die Option offen halten, ggf. ein weiteres Ziel in der näheren Umgebung anzufahren. Genau wie münchner, hatte ich die Tage zuvor immer mal wieder auf der Homepage des Glungezers gestöbert und hatte dort jeweils die Info erhalten, dass der SL Kalte Kuchl ausser Betrieb sei. Ohne den Kalte Kuchl Lift hätte ich den Glungezer wohl nicht angefahren, da ich die zweite interessante Anlage im Gebiet (Kombilift Glungezerbahn II) bereits im Sommer gefahren war. Der erste Treffpunkt jedenfalls war die Talstation des ESL am Gschwandtkopf, an welcher meine Begleitung und ich mit gehöriger Verspätung erschienen... Die wahnsinnigen Minustemperaturen von -25°C (am Morgen) hatten ihr übriges getan und neben dem Scheibenwischwasser auch alle Scheiben im Auto von innen frieren lassen, inklusive des Rückspiegels! Ich hätte nicht gedacht, dass es so nervig sein kann ein Auto von innen zu kratzen... Wie es dann bei Verspätungen so ist, standen wir später in Seefeld auch noch einige Minuten am Bahnübergang, da sowohl der Zug von Innsbruck nach München, als auch der Zug retour vorbeifuhren. Endlich am leeren Parkplatz angekommen trafen wir münchner, der mit seinen kältebedingt-zickenden Skischuhen kämpfte. Schnell hatte sich die Neuigkeit vom geöffneten Kalte Kuchl Lift rumgesprochen, ein Kontrollanruf meinerseits bestätigte dies erneut und so entschieden wir uns, lediglich eine Punktekarte für den ESL zu lösen und im Anschluss daran zum Glungezer weiterzufahren.



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^Z: Der morgendliche Blick aus der Ferienwohnung versprach tollstes Ski- und Fotowetter. Bereits nach dem ersten Meter jenseits der Haustür machte sich jedoch auch die beißende Kälte bemerkbar.^

[münchner] Für die Anfahrt von Holzkirchen nach Seefeld gibt es im wesentlichen drei Optionen: über Kochel, durch die Jachenau oder ganz hinten rum über die Mautstraße von Vorderriss. Letztere kannte ich nicht, war ich doch bisher nur von Vorderriss zum großen Ahornboden gefahren.
Es war dann allerdings nicht die beste Option, die Straße war nur minimal geräumt und eigentlich galt Schneekettenpflicht. Maut entfiel an diesem Tag, bei unter -25° verzichtete der Besitzer wohl darauf, sich in das karge Holzhäuschen zu setzen. Viele Verkehr war so früh auch noch nicht, nur zwei Autos begegneten mir insgesamt. Der Fahrer des ersten Wagens, ein VW Bus, raste wie ein Gestörter durch die Kurven und rechnete wohl nicht mit Gegenverkehr. Der Schreck, als ich plötzlich vor ihm auftauchte, war ihm ins Gesicht geschrieben, die Reaktion daraufhin gebe ich hier besser nicht wieder.

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m: Irgendwo im Nirgendwo, die Parkplätze waren alle bereits komplett zugeschneit

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^Z: Von Kälte zu sprechen wäre doch arg untertrieben... Nachdem ich das 'eingefrorene' Auto fahrtüchtig gemacht hatte (die Kühlflüssigkeit war zum Glück nicht eingefroren...) ging es endlich mit einiger Verspätung Richtung wartendem münchner.^

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m: Ich kam gegen 08:45 Uhr am Parkplatz an, niemand war da. Der ESL stand auch still und das Haus war leer. Sollten wir mal wieder im letzten Moment Pech haben?

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m: Die gespenstische Stille war etwas unheimlich, man hörte rein gar nichts hier oben.

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m: Es war der erste Ausflug bei den extremen Temperaturen, diesen Schneezustand hatte ich bisher so noch nicht erlebt. Beim Gehen gab er ein seltsames Quietschen von sich, war dafür aber ganz fein und mehr als nur pulvrig. Die Abfahrt später war schlicht ein Hochgenuss.

[münchner] Noch kurz vor Zyste rauschte plötzlich ein Allradler den leeren Parkplatz hoch und blieb direkt neben mir stehen. Drei Liftler sprangen raus - es war vielleicht so 9:15 Uhr - und machten sich auf den Weg zur Talstation. Man sei gleich einsatzbereit, hieß es noch. Kurze Zeit später erschien dann auch schon Zyste in gewohnt entspannten Art auf dem Parkplatz. Wir diskutierten kurz die Optionen, während meine Schischuhe die ganze Zeit im Kofferraum gefroren hatten. Den ersten Schuh bekam ich mit Müh’ und Not noch angezogen, beim zweiten war dann Schluss. Dazu riss mir noch die Zunge aus dem Innenschuh raus und das Chaos war perfekt. Also Innenschuh aus der Schale holen, Zunge fixieren, Innenschuh wieder rein und dann das Teil erstmal im Fußraum an die Heizung gestellt. Was ich bei der Kälte nicht bemerkte: die Schale hatte tiefe Risse in meiner Hand hinterlassen, es blutete wie verrückt. Ein paar Minuten später war ich dann verarztet, die Schuhe wieder warm und es konnte losgehen.

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^Z: Wer ebenfalls bei diesen eisigen Temperaturen unterwegs war kann nachvollziehen, wie quälend es schon war nur in die Skischuhe zu kommen. Ohne Handschuhe schmerzten die Hände nach wenigen Momenten, ganz zu schweigen vom eisigen Fahrtwind bei der Abfahrt... Als Großstadtweichei ist man halt nichts gewöhnt, ein paar Grad weniger und ich wäre an diesem Tag wahrscheinlich garnicht nach draussen gegangen. Ein erster Plan, sich auf einen Kaffee o.Ä. im Café der Talstation aufzuwärmen erübrigte sich, da dieses bereits "lsap" ist.^

m: Das Haus an sich - wenn niemand da ist - wirkt wie schon erwähnt ein wenig unheimlich. Man hat immer das Gefühl, hinter einem der Fenster einen Menschen vorbeihuschen zu sehen.

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m: Das „Happy“ hier ist etwas gewöhnungsbedürftig (es gibt auch den weltberühmten Happy Schleppi), aber das Logo ist kultig.

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^Z: Neben unseren beiden Autos und dem des Liftlers war der Parkplatz noch völlig leer.^

m: Ein perfekter Platz, um mit dem Auto mal ein wenig Spaß zu haben (gut, nicht mit unseren untermotorisierten Kisten).

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^Z: Dieser ESL von Wopfner von 1976 dürfte hier in der Umgebung der letzte seiner Art sein, nachdem es hier früher nur so davon gewimmelt haben muss.^

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^Z: Rechts des Kassencontainers ist das vernagelte Café erkennbar.^

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^Z: Bei all den Unannehmlichkeiten der Kälte war die Piste hingegen ein absoluter Traum! Die zwei Fahrten waren hierfür fast zu wenig...^

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^Z: Der ESL führt gemütlich und ohne viel Spektakel den Berg hinauf. Kurz vor der Bergstation endet rechterhand die Vierersesselbahn Gschwandtkopf, die hier die Hauptanlage im Gebiet ist.^

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m: Ich hatte mir heute testweise die GoPro von einem Kollegen ausgeliehen, der jedoch leider keinen Brustgurt hatte und ich so die Kamera mit dem Helmgeschirr befestigen musste. War nicht die beste Lösung, gab aber ein paar nette Videos - auch wenn ich am nächsten Tag eine Folie gegen die Helligkeit hätte brauchen können. So machte ich jedenfalls nur wenige Bilder im Lift.

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^Z: In dieser Blickrichtung sollte es dann im weiteren Verlauf des Tages noch weitergehen.^

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m: So, wie man an den Bäumen im oberen Bereich vorbeischwebte, hatte es was. Hier war dann auch bereits deutlich mehr los.

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^Z: Was Leute mit ihren Stöcken doch alles so anrichten... :wink: ^

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m: Ein kleiner ESL-Sesselzoom darf nicht fehlen.

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^Z: Die Bergstation des ESL ist schlicht gehalten, um den Antrieb hat man aber immerhin ein Gebäude errichtet (was war zuerst: Antrieb oder Gebäude? :lol: ). Wenn ich mich recht erinnere, hatte vovo bei seinem Besuch leichte Probleme mit einem unfotogenen Liftler dort. Bei unserem Besuch war mir der Liftler fast schon zu gesprächig und wollte uns vor lauter Begeisterung ob münchners Ausrüstung gar nicht mehr fahren lassen :lol: ^

m: Der Liftler war ein richtiges Original und wohl mal froh, mit jemand reden zu können. Ich habe das ganze Gespräch mit der GoPro aufgenommen, aber das bleibt unter Verschluss. ;)

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^Z: Der obere Teil der ESL-Strecke präsentiert sich vor einem tollen Panorama. Am linken Bildrand sieht man die Abfahrt an einer der KSBen der Roßhütte.^

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m: ich mag die Lichtstimmung, wenn es ganz leichte Schleierwolken hat, die aber nicht zu viel vom Licht wegnehmen. Dazu die Kälte, war wirklich schön.

Direktlink

Zum Abschluss noch ein knapper sechs Minuten Film mit der GoPro mit Lift- und Abfahrt.

Nach den beiden Abfahrten packten münchner und Zyste ihre Ausrüstung wieder zurück in die Autos und fuhren Richtung Glungezer. Beide waren gleichsam gespannt und etwas nervös, ob sich die Aussage der netten Dame am Infotelefon bezüglich des Betriebes am Kalte Kuchl Lift bewahrheiten sollte oder ob dieser Skitag für beide einen enttäuschten Nachgeschmack haben würde...
Zuletzt geändert von Zottel am 12.05.2012 - 12:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Gschwandtkopf | 04.02.2012 | Flotter Dreier im Schnee

Beitrag von Drahtseil »

Klasse Bericht :top: Wie lange fährt man mit dem ESL in etwa?
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Zottel
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Re: Gschwandtkopf | 04.02.2012 | Flotter Dreier im Schnee

Beitrag von Zottel »

Danke, ich geb das Lob auch gleich an münchner weiter :D

Die Auffahrt am ESL dürfte so etwa 8-10 Minuten dauern. Das Gebiet selbst besteht aber auch noch aus weiteren interessanten Anlagen, zu denen es in einem separaten Bericht mehr geben wird.
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Re: Gschwandtkopf | 04.02.2012 | Flotter Dreier im Schnee

Beitrag von Drahtseil »

Danke, eine frage hab ich noch. Ist der auch im Sommer offen?
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Re: Gschwandtkopf | 04.02.2012 | Flotter Dreier im Schnee

Beitrag von Zottel »

Nach der Beschreibung auf der Homepage eher nicht. Die 4-CLF liegt da einfach zentraler.
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Richie
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Re: Gschwandtkopf | 04.02.2012 | Flotter Dreier im Schnee

Beitrag von Richie »

Wieder einmal coole Bilder von Euch Beiden, wobei ich mal gespannt bin wie lange der ESL noch seinen Dienst tun wird. Es gab ja immer wieder Gerüchte über einen Ersatz!?
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