

Gleich am allerersten Skitag der neuen Saison klappte es mit der Erfüllung eines lang gehegten Wunsches. Die Galsterbergalm interessierte mich schon in den 80ern und 90ern, als ich als Kind bzw. Jugendlicher jedes Jahr an Ostern den Skiurlaub im Ennstal verbrachte.
Doch in jenen Jahren besuchten wir fast immer nur die Reiteralm und wenige Male ging es ans Hauser Kaibling, die Planai oder Hochwurzen – die Verbindungsbahnen existierten damals ja nur zwischen den beiden letztgenannten Bergen, sodass man ohne Auto oder Skibus nicht wechseln konnte.
Auf die Galsterbergalm hatten meine Eltern keine Lust und ich schaffte es nicht, sie ihnen schmackhaft zu machen. „Musst halt selber mal hinfahren, wenn du groß bist“, hieß es nur.
Die Galsterbergalm hatte anfangs nur drei Schlepper aufzuweisen. Der Pirklift (460m) verlief im Mittelteil des Berges. Ganz oben schließlich noch der Galsterbergalmlift (500m) sowie der Kaltecklift (670 m) auf den gleichnamigen Gipfel hinauf. Diese beiden müssten 1963 errichtet worden sein, der Pirklift vermutlich auch irgendwann danach. Eine Zubringerbahn vom Tal herauf gab es zunächst keine – man musste selbst hinauffahren (oder vmtl. mit dem Skibus) – das wollte sich der Rest der Familie natürlich nicht antun.
So blieb mir nichts anderes übrig, als jenes ominöse Schleppergebiet später als Erwachsener einmal zu besuchen. Zwischenzeitlich tat sich oberhalb von Pruggern aber einiges – eine Gruppenumlaufbahn wurde ins Gebiet hinauf gebaut (1990) und sechs Jahre später hat man den Kaltecklift mit einer 4SB auf vollkommen anderer, nach unten verlängerten Trasse ersetzt. Danach hat man irgendwann den Pirklift im mittleren Bereich des Berges aufgegeben und in den LSAP-Himmel geschickt...mein Interesse blieb dennoch bestehen.

Nach langer, 2:45 min dauernder Anfahrt endlich angekommen. Es zieht sich schon ziemlich hin, bis man endlich in Pruggern hinten angekommen ist (von der Tauernautobahn aus betrachtet). Man muss dann noch in den Ort hinunter fahren und auf der anderen Seite schließlich ein ganzes Stück den Berg hinauf, ehe man die Talstation der GUB Galsterberg erreicht. Warum man 1990 die Bahn nicht bis ganz runter gebaut hat, weiß ich nicht. Vielleicht aufgrund der geringen Höhenlage unten? Oder wahrscheinlich eher aus Kostengründen, denn der Massentourismus dürfte hier noch nie Einzug gehalten haben. Auf gleicher Höhe hier „in der Mitte“ des Berges startete früher auch weiter rechts der GUB einst der Pirklift, aber dazu später mehr.

Außer einem Skilehrer und einer Skilehrerin war niemand zu sehen. So konnte ich ganz gemütlich die Karte kaufen, mit der Frau an der Kasse noch schwatzen und schon mal die Nikon aufwärmen...

Gegenüber herrschte an den grünen Hängen gewisse Frühlingsidylle. Links sieht man den Stoderzinken.

Ich ergatterte eine Kabine für mich und wie immer, wenn es galt, ein Skigebiet neu für sich zu entdecken, herrschte eine große Vorfreude.

Die Talabfahrt hatte nicht offen. Schade, denn die Piste schein recht lang zu sein, aber in Anbetracht der prekären Schneesituation war ich erst einmal froh, überhaupt ein Ziel für jenen Montag gefunden zu haben. Auf Pitztaler Gletscher oder so hatte ich irgendwie keine so rechte Lust gehabt...

Blick Richtung Haus im Ennstal – unten sieht man die Bergwiese, auf der einst der Pirklift endete. Vermutlich müsste dort links vom Gasthof, wo die Grabung zu sehen ist, die Umlenkung gestanden haben. Bei Googleearth ist der Lift noch zu sehen (er kam parallel der GUB von rechts unten über die Bergwiese herauf).

Das grasgrüne Ennstal an jenem 14.12.2015

Eigentlich mag ich diese Gruppenumlaufbahnen nicht so recht und traure der im gleichen Jahr wie diese hier errichteten Gipfelbahn Hochwurzen keine Träne nach. Aber hier fand ich die Trasse und die Ausblicke aus der Kabine ganz nett...

Die Bahn ist wahnsinnig lang – lt. altem Prospekt 3.250 m – und ich möchte gar nicht wissen, was das früher für eine Gurkerei war, bis man dann ganz oben bei den beiden Schleppern angekommen war. Vor allem im Hochwinter... Aber andererseits war das dann sicherlich auch urig hoch zehn dort hinten oben abseits vom Schuss.

Zweimal bleibt die Bahn stehen, wenn wieder eine Kabinengruppe die Berg- und ihr „Gegenüber“ die Talstation erreicht hat. Zeit für ein paar Schnappschüsse...


Weiter geht’s...

Nach diesem Steilhang geht die Bahn über die Bergkuppe rüber und wieder ein Stück nach unten, ehe die Bergstation erreicht ist.


Blick von der Bergstation zur Bahntrasse...


Gleich mal rüber zum Galsterbergalmlift, den man gerade anschmiss. Ich war offenbar der einzige Skigast hier oben und sollte erst später ab und an andere Personen (außer den Liftlern) erblicken. Den alten Schlepplift hat man offenbar frisch gestrichen, so dass er noch nicht auf der Ersatzliste zu stehen scheint.

Zwar nur 500 m lang, aber mit steiler Trasse durch den Wald, dazu offenbar alte Leitner-Stützen, was will man mehr?

Antrieb, Tellergehänge und später auch die Umlenkung sahen mir jetzt nicht so nach Leitner aus, offenbar hat man den Schlepper irgendwann mal generalüberholt und umgebaut. Vielleicht wie einst den Märchenwieslift auf der Planai – bis 1989 ein Dieselantrieb, dann der Umbau (neuer Antrieb am Berg, lediglich die Stützen wurden beibehalten).

Ach wie habe ich das Schlepperfahren vermisst...

Am Schluss zieht der ganz nett hoch und dazu hatte man den Lift auch noch für sich allein...


Für Leitner sprechen übrigens auch die Infotafeln im Gebiet, auf denen historische Bilder zu sehen sind. Ich habe sie lieber mal nicht veröffentlicht, werde mich aber mal erkundigen, ob es hier im Forum ggf. möglich sein wird (im LSAP-Teil). Jedenfalls gibt es dort ein altes Skipanorama, auf dem Leitner als Hersteller ausgewiesen ist.

Hier kommt der Galsterbergalmlift herauf...

An der Galsterbergalm oben hatte es dan so etwas wie eine Winteridylle...und das im Dezember!!!

Außer dem Liftler in seinem Häusl und mir kein anderer Mensch weit und breit...ich genoss erst mal noch ein wenig die gute Luft und die schönen Ausblicke, ehe es an die erste Abfahrt der Saison gehen sollte.







Bis 1996 ging es hier mit dem anfangs sehr steilen und oben flach auslaufenden Kaltecklift weiter (670m lang). Die alte Trasse kann man wegen der dünnen Schneedecke unschwer erkennen.

Am einer der Hütten hier oben (wo lt. Schild zwei Wildschweine leben sollen) fand ich zu meiner großen Entzückung eine Tafel mit historischen Aufnahmen vor. Das könnte es doch in jedem Skigebiet geben! Jedenfalls hängen da ein paar alpinforumsverdächtige Schnappschüsse des Kaltecklifts..
Der Kaltecklift war stützenmäßig baugleich der Doppelschleppliftanlage in Grasgehren – also Leitner, dunkelgrüne Stützen mit roten Rollen und anscheinden (im Hintergrund nur verschwommen zu sehen) einer typischen Leitner-Antriebsstation im Tal – freistehend ohne Gebäude. Auf den älteren Bildern hatte er Kurzbügel und später lange.
Es handelte sich aber nicht um einen wirklichen Doppelschlepplift wie in Grasgehren oder etwa dem Muldenlift, denn die rechte Seite war unbenutzt und nur die linke war entsprechend bestückt. Irgendwie auch wieder interessant.

Leider verpasst, aber wenigstens den Galsterbergalmlift noch erwischt...

Hier sieht man noch die Trasse direkt frontal – leider standen genau an jener Stelle Bäume im Weg.

Später weiter oben geknipst...dort verlief der Kaltecklift recht flach.

Dort kam er in der Mitte vom Steilstück am Anfang herauf...

Von dem kleinen Skigebiet hat man immer wieder recht gute Ausblicke auf das Tal weiter östlich...


Dann zur Gipfelbahn Vorderkar, die 1996 den Kaltecklift ersetzt hat. Eine weitere enorme Aufwertung des Gebiets, das ohne den Bau der GUB und dieser 4SB sicherlich längst LSAP wäre. Recht viel Piste haben die beiden Schlepper ja nicht hergegeben, denn an der Mitte der Abfahrt neben der 4SB hat man ja früher erneut nach drüben zum Galsterbergalmlift wechseln müssen, um wieder hinauf zu gelangen. Durch die Sesselbahn ergibt sich so halt eine wirklich gescheite Abfahrtslänge für Wiederholungsfahrten. Jahrelang war an dieser Stelle in den Skipanoramen übrigens schin ein geplanter Lift – allerdings ein Schlepper – eingezeichnet gewesen.


Ganz allein in der 4SB – hier sieht man auch, dass ohne den Kunstschnee gar nichts gegangen wäre...


Die Bahn ist zwar fixgeklemmt, aber es ging dank Förderbandeinstieg doch recht gut voran.


Oben war ich dann schon recht baff ob des genialen Rundblicks. Ich vergaß erst mal das Skifahren, knipste und genoß die weite Aussicht. Die lange Anfahrt von München hier her hatte sich gelohnt...








Zoom in ein mir unbekanntes Skigebiet weiter nördlich...



Stoderzinken gegenüber...


Ich erinnerte mich irgendwann wieder an den Grund meiner langen Autofahrt und bei diesen Pistenverhältnissen gab es dann noch besten Skigenuss...


Zoom in den Frühling wie es scheint...

Nochmals ein paar Fahrten im Galsterbergalmlift...dann ging es gegen halb zwölf mit der GUB wieder nach unten, denn am Nachmittag wollte ich mir noch wie bereits erwähnt das Hauser Kaibling „geben“...

Zoom ins Skikursareal, wo gähnender Leere herrschte...

Hab ich noch vergessen...in der Früh unternahm ich noch eine Fahrt mit einem kleinen Tellerlift unterhalb des Galsterbergalmlifts...eigentlich nicht weiter der Rede wert...


Wieder in der GUB...Blick zurück ins Gebiet, wo die Gipfelbahn Vorderkar läuft...



Der obere Zwischenhalt...


Im oberen Bereich sah die Talabfahrt noch gut aus...aber unten fehlte einfach zu viel, sodass man eben nicht abfahrten konnte. Aber ich hatte dennoch einen sehr schönen Vormittag dort oben verbracht.


Hoffentlich gibt es Anfang 2016 dann gescheite Schneefälle...




Dieses milde, weiche Wintersonnenlicht...das hat immer wieder was, wie ich finde...

Das Bergdorf hier oben für die Touristen scheint ganz nett zu sein...besser als diese Hotelklötze anderswo.


Zurück am Parkplatz...viel los war wirklich nicht. Eigentlich fast ein Privatskigebiet....

Abstecher zum Pirklift, von dem gar nichts mehr übrig zu sein scheint. Warum man den wohl abgebaut hat, obwohl hier ja nebenan etliche Ferienhäuser stehen? Vielleicht wegen der Höhenlage?

Dort muss die Talstation gestanden haben – auf einer Fototafeln im Gebiet oben sind auch Aufnahmen vom Pirklift. Hersteller DM und grüne T-Masten – der Antrieb befand sich ein einem kleinen Häusl mit der Umlenkung (auf den Bildern noch in rostschutzrot) davor im Freien. Diesel offenbar.
Entzückt von diesen kleinen Skigebiet fuhr ich wieder ins Tal hinab, durchquerte Pruggern und begab mich standesgemäß zur Schladminger Tauern Seilbahn, um mir noch ein paar Stunden das Hauser Kaibling zu gönnen.