Am letzten Tag meines Urlaubs mit Quartier in Prad im Vinschgau war ich in Schöneben am Reschenpass. Zu diesem Gebiet wurden in dieser Saison ja schon einige Berichte geschrieben. Die Autoren dieser Berichten kamen dabei zu unterschiedlichen Meinungen zu diesem Skigebiet. Die einen sprachen von einem schönen Skigebiet mit gut präparierten, vielseitigen Pisten, die anderen erlebten den Skitag in Schöneben eher als langweilig.
Beide Meinungen sind durchaus nachvollziehbar. Einerseits findet man auf einen kompakten Bereich eine große Vielfalt an Pisten vor: Der ganze Bereich von sanft geneigten Abfahrten bis zu sportlichen Abfahrten mit Steilhängen und hängenden Passagen wird abgedeckt. Auf der anderen Seite enden die Sesselbahnen weit unterhalb der Kammregionen im Gelände knapp oberhalb der Baumgrenze. Deshalb wirkt Schöneben von allen Skigebieten in der Umgebung am wenigsten hochalpin und das Panorama ist eingeschränkt, auch wenn man durchaus einen schönen Blick auf die Berge um das Langtauferer Tal mit der Weißseespitze als höchsten Gipfel hat und auch das Rojental landschaftlich durchaus reizvoll ist. Mit Ausnahme der Talabfahrt sind alle Hänge Nordhänge zwischen 1950 Meter und 2400 Metern Seehöhe. Dadurch sind gute Bedingungen auch spät in der Saison gewährleistet. Was im April ein Vorteil ist, ist natürlich im Dezember / Januar eher ein Nachteil, weil dann mit viel Schatten zu rechnen ist.
Hier mal ein Pistenplan:
Das Skigebiet gliedert sich in drei Abschnitte. Erster Abschnitt ist die 6EUB mit ihrer rot eingestuften Waldtalabfahrt von 2150 Meter auf 1500 Meter über den Meeresspiegel. Zweiter Abschnitt ist der Bereich bei den beiden 6KSB Jochbahn und Fraiten. Dort sind breite blaue Pisten zum Carven und Genusskifahren. Die Pisten dort sind eher kurz. Die beiden Bahnen bewältigen nur 200 Meter bis 250 Meter Höhenunterschied. Der dritte Bereich sind die Pisten in das 1950 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Rojen hinunter an der 4KSB Rojen und der 3SB Zwölferkopf.. Die Pisten dort sind deutlich
anspruchsvoller und auch etwas länger.
6 EUB und Talabfahrt
Letztes Stück der Talabfahrt. So wie es aussieht, können sie bis Saisonschluss am 30. 4. Vollbetrieb anbieten. Lediglich an der letzten Kurve der Talabfahrt könnte es eng werden mit dem Schnee.
Blick aus der 6EUB auf einen Ausschnitt des Reschensees.
oberer Teil der EUB mit Bergstation
EUB
Talabfahrt nach etwa einem Drittel. Eher Zufall ist es, dass so viele Leute auf dem Bild zu sehen sind. Insgesamt war das Gebiet an diesem Tag recht ordentlich besucht, ohne das es zu voll gewesen wäre.
Talabfahrt im Mittelteil
Nach etwa zwei Dritteln führt die Talabfahrt über eine Brücke über die Straße, auf der man von Reschen ins Rojental fahren kann.
Die Talabfahrt war überraschender Weise auch am Nachmittag noch gut zu fahren, wenn man mit weichem Schnee zurecht kommt. Die Abfahrt ist abwechslungsreich mit flachen und mittelsteilen Abschnitten und einigen Kurven.
Sesselbahnen Jochbahn und Fraiten
In der 6KSB Jochbahn. An der von unten aus gesehen linken Variante sind im unteren Bereich die einzigen kleineren braunen Stellen im Skigebiet.
Jochbahn oberer Teil mit sehr gut präparierter Piste
Piste im oberen Bereich der 6KSB Fraiten
Zwischen den beiden 6KSBs befindet sich ein Funpark
Blick über die Piste zur Bergstation der 4KSB Rojen. Bis etwa 11.00 Uhr, also so lange die Piste noch hart war, wurde die Piste dort zum Stangentraining benutzt.
Foto aus der Fraitenbahn
Fraitenbahn oberer Teil
Trainingspiste nach Entfernung der Stangen am Nachmittag
Gute Firnbedingungen am Nachmittag
Sesselbahn Fraiten von oben
Blick Richtung hinteres Rojental
Die Abfahrten in diesem Bereich sind trotz ihres nur sanften Gefälles interessant, da sie einige Wellen und Kuppen haben und nicht wie man andere blaue Pistenautobahn ist, wo solche Unebenheiten wegmodelliert wurden. Leider sind sie ziemlich kurz.
Rojen
Oberer Teil der Piste an der 4KSB Rojen. Im oberen Teil ist die Piste noch nicht besonders steil. Vielleicht etwas steiler als der Bereich Fraiten/Jochbahn und ebenfalls mit natürlichen Unebenheiten versehen.
Nach einem guten Drittel teilt sich die Piste auf. Die linke Variante führt mit gleichmäßigen Gefälle durch eine nicht allzu breite Waldschneise, bevor sie dann am Talboden flach zur Talstation ausläuft. Die rechte Variante hat zunächst noch einmal ein kurzes Flachstück. Dann kommt ein stark hängender Abschnitt. Anschließend fährt man den steilsten Hang des Skigebietes, bevor man im Talboden wieder zur Talstaion der Sesselbahn gelangt.
Die Abfahrten dort waren am Vormittag noch knüppelhart. Erst mittags begannen sie, aufzufirnen und waren vor allem im unteren Teil selbst am Nachmittag noch wunderbar zu fahren.
Zunächst betrachten wir die rechte Variante:
Steilhang oberer Teil
Steilhang unterer Teil und Auslauf zur Talstation
Steilhang von unten
Leichter Zoom auf den Steilhang. Sicher handelt es sich um keinen Steilhang mit Harakiri-ähnlichem Gefälle. Eine schwarze Einstufung ist für diese Variante aber auf jeden Fall gerechtfertigt. Dagegen ist die ebenfalls schwarz bezeichnete Abfahrt an der 3SB Zwölferkopf für mich rot. Bei der anderen Variante an der 4KSB Rojen handelt es sich meiner Ansicht nach um einen Grenzfall zwischen schwarzer und roter Piste.
Steilhang bei mehr Sonne
Kommen wir nun zur linken Variante
Bei dieser Variante ist das steilste Stück unmittelbar nach der Verzweigung. Das kann bei dem einen oder anderen, der zum ersten Mal nach Rojen hinunterfährt, zu einer Fehleinschätzung darüber führen, welche der beiden Varianten schwieriger ist.
Danach geht es mit gleichmäßigem Gefälle durch die Waldschneiße.
Mittelteil dieser Schneise.
Die Südhänge gegenüber sind im unteren Bereich (ca 2000 m bis 2400 m) schon fast völlig schneefrei.
Im Talschluss des Rojentals regiert dagegen noch der Winter. Die Gipfelhöhen dort sind bei 2800 m bis 2900 m .
Die nächsten Bilder sind im Umfeld der 3SB Zwölferkopf:
3SB Zwölferkopf mit Piste
Talstation der 3SB Zwölferkopf
Blick von der Sesselbahn auf die Abfahrt
Blick von Sesselbahn auf die Abfahrt, diesmal hangabwärts
ähnlicher Blick, diesmal allerdings von der Piste aufgenommen.
Blick aus der Bahn hinüber zur 4KSB Rojen
oberer Teil der Sesselbahn mit Blick auf den schneearmen Gegenhang.
3SB Zwölferkopf von der Piste mit namensgebenden Berggipfel im Hintergrund
Die nächsten Bilder sind aus der 4KSB Rojen aufgenommen worden:
Blick von der 4KSB Rojen zur 3SB Zwölferkopf
Zwölferkopf und Elferspitze
Zwölferkopf . Man beachte die Lawine knapp links der Bildmitte !
4KSB Rojen und Zehnerkopf. Diese Bahn ersetze vor etwa 10 Jahren einen Tellerschlepplift und war die erste kuppelbare Sesselbahn in dem Gebiet. Da die Pisten dort anspruchsvoller sind, ist dort eigentlich nie viel Betrieb.
Blick von der Bergstation zum Skigebiet Nauders
Zoom auf die Pisten in Nauders. Gut erkennbar als Schneebänder sind die Abfahrten an der Tscheyeckbahn und am Almschlepplift. Während in Schöneben noch Vollbetrieb war, konnte in Nauders nur eingeschränkter Skibetrieb angeboten werden.
Äußerer Nockenkopf (Mitte) und Piz Lad (rechts). In der Nähe des Gipfels vom Piz Lad befindet sich das Dreiländereck Österreich/Schweiz/Italien(Südtirol).
Blick zur Weißseespitze. Im Vordergrund die Bergstation der 6KSB Fraiten. Leider war es sehr dunstig an diesem Tag, so dass die Weißseespitze nicht so zur Geltung kommt.
Der hintere Gebietsteil mit den Abfahrten ins Rojental ist für den sportlich ambitionierteren Skifahrer das Highlight des Gebietes. Das gilt vor allem für die Abfahrten an der 4KSB Rojen. Besonders die von oben aus betrachtet rechte Variante gehört für mich zu den sportlichsten und schönsten Abfahrten der gesamten Ortler Skiarena.
Insgesamt war es für mich ein toller Frühlingsskitag in Schöneben, der mit den Skitagen zuvor in den deutlich hochalpineren Gebieten Sulden und Schnalstal mithalten kann. Am Nachmittag kam fast schon ein bisschen lässiges Sommerschifeeling auf.
Ich halte Schöneben für eine hervorragende Ergänzung zu den anderen Skigebieten der Ortler Skiarena, da die Stärken des Gebiets in anderen Bereichen liegen.
Wer gerne gemütliches oder sportliches Pistenskifahren in einem relativ kompakten Gelände auf abwechslungsreichen Pisten mag, dabei den Vorteil moderner Bahnen zu schätzen weiß, gleichzeitig aber auf Menschenansammlungen wie auf der Idalpe in Ischgl, im Zillertal oder am Münchner Stachus verzichten will, der ist meiner Ansicht nach in Schöneben richtig. Für mich besteht in Schöneben eine ausgewogene Mischung aus Modernität und Gemütlichkeit. Wer das Bergerlebnis in hochalpiner Umgebung schätzt, der wird mit anderen Gebieten in der erweiterten Nachbarschaft besser bedient. Beides kann man haben, wenn man einen Mehrtagesurlaub im oberen Vinschgau verbringt und dabei an verschiedenen Tagen unterschiedliche Skigebiete ansteuert.