Lange war diese Tour geplant und am Samstag, den 06.08.2011 sollte es endlich so weit sein – Zyste stattete Münchner und meiner Wenigkeit einen Besuch in Bayern ab.
Die beiden Wochen zuvor wurden noch eifrig Depechen ...äh...Emails ausgetauscht und als Ziele eine ESL-Fahrt an der Winklmoosalm incl. eines Treffens mit einem dort ansässigen, allseits bekannten Seilbahner sowie ein anschließender Abstecher zum Predigtstuhl vereinbart. Doch leider schwebten schlechte Wetteraussichten wie ein Damoklesschwert über Zystes „Staatsbesuch“. Ausnahmsweise sollten in jenem traumhaften Sommer 2011 Gewitter und Regengüsse an jenem Großkampftag bevorstehen. Doch wir blieben optimistisch und legten fest, zur Not einen dritten Teil der von Münchner ins Leben gerufenen Oberbayrischen Schlechtwetterliftesafaris zu veranstalten. Doch je näher der Tag X kam, desto besser wurden die Wetteraussichten und so stand dieser Tour nichts mehr im Wege.
Unglück im Glück – bei mir brach am Freitag eine Erkältung aus und Münchners auserwählter Schlitten (ich kenn mich mit diesen italienischen Herstellern als Renault-Fahrer nicht so aus
Morgens in München...
Wenn es in die Berge geht, fällt mir das Aufstehen normalerweise sehr leicht – auch nach nur wenigen Stunden Schlaf. Aber am Samstag musste ich mich trotz genügender Schlafstunden ein bisserl aus dem Bett quälen. Die Nase lief und der Hals schmerzte. Doch wenn einmal hoher Besuch ins Haus steht, kann man ja nicht einfach so liegen bleiben. (Nur wegen Münchner wäre ich nicht aufgestanden und hätte lieber meine Erkältung auskuriert
Nach einem Kaffee ging es wieder ein bisserl besser und ich machte mich auf zur Donnersberger Brücke, um einen Herrn ohne Auto aus Starnberg in Empfang zu nehmen...
Nun – der Mittlere Ring und die A8 ließen sich an jenem Morgen recht zügig befahren und so trafen wir pünktlich in Siegsdorf ein. Kurz nach uns erschien Zyste auf der Bildfläche und stieg zu uns um.
Wir erfuhren, dass außer der Erkältung bei mir und dem Auto-Streik bei Münchner das Schicksal noch einen dritten Artillerieangriff auf unsere Tour absolviert hatte. Zyste wusste von Seilbahner, dass auf der Winklmoosalm in der Nacht zuvor ein Unwetter niedergegangen und die ganze Stromversorgung buchstäblich abgesoffen war. Scheibenkleister!
Ein erster Zwischenstopp an Deutschlands modernstem ESL (so von 2004, glaube ich), der an der Schisprungschanze in Ruhpolding steht. Der einzige ESL, den ich kennte, der diese modernen Sessel besitzt. (Am Kellerjoch die beiden 80-Jahre Anlagen mit den Rundrohrstützen haben bzw. hatten (Sektion 1) ja noch die alten Sessel von den Vorgängern.) Wird wohl auch mal Deutschlands letzter ESL so in 20 Jahren sein...
Wir fuhren trotzdem zur Winklmoosalm hinauf und setzten unsere Hoffnung auf die Jungs von EON, damit der ESL an diesem Tag noch fahren würde. Oben kam die Sonne raus und es war recht dampfig.
Nachdem wir unsere Kontaktperson wg. des schlechten Handynetzes nicht erreichten, beschlossen wir, es gleich mal beim ESL zu versuchen. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Unterwegs kamen wir noch an der ehemaligen Talstation eines der beiden Schlepper hier oben vorbei. (Illmauer und Knauerlift hießen die und sorgten in der guten, alten Zeit dafür, dass man rüber zum ESL kam.)
Die Bergstation stand oben rechts von der Tanne – Fundamente waren außer diesem hier keine mehr zu sehen. Der andere Lift kam auf der anderen Seite der Anhöhe rauf. Zyste kennt sich hier dank zahlreicher Urlaube recht gut aus, während ich erst einmal – im Februar 2007 – hier oben gewesen bin. (2009 dann noch mal von der Steinplatte aus kurz den Kurvenlift und den Scheiblberglift besucht.)
Münchner hatte in weiser Voraussicht ob der vom Regen vollgesaugten Almwiesen seine neuen Wanderschuhe dabei
LSAP-Fotografie...
Kaum ging es bergan, fühlte ich mich wie ein 70jähriger, der seit 50 Jahren Kette raucht – verdammte Erkältung! Aber trotzdem war es schön, sich an frischer Luft in den Berg zu bewegen und Gespräche über Schlepper, Seilbahnen und Co. zu führen.
Seitenblick
Blick vom Ausstieg auf die vorhin gezeigte Ex-Talstation
Es wurde nun recht warm und ein weißblauer Himmel spannte sich über der stromlosen Winklmoosalm...
Beim ESL angekommen – diese Garage hätten wir woanders mit ganz anderen Augen gesehen. Aber hier wussten wir ja, dass da nie was anderes stand.
Das ist einmal ein Plan!
Der ESL stand natürlich noch.
Wir näherten uns dem Einstieg.
Zwei ältere Liftler saßen auf einer Bank und grantelten daher, aber sie ließen uns gewähren und so konnten wir ein paar Fotos von der stillstehenden Bahn einfangen...
Hach, so ein alter ESL...
Da sich hier nichts bewegte, versuchten wir wieder, den Seilbahner anzutreffen.
SL und 4KSB
Hier geht im Sommer nix – die neue EUB zur Winklmoosalm rauf.
Das Pferd unten döste in der Sonne und gab ein nettes Motiv ab.
Nun trafen wir Seilbahner an, der aber wg. des Unwetters verständlicherweise sehr beschäftigt war. Nach einem kurzen Gespräch beschlossen wir drei, noch einen kleinen Abstecher zur Kurve des Zigeunerlifts zu absolvieren.
Irgendwie war es wg. der Luftfeuchte recht drückend und so unterließen wir einen Gang zur Talstation und machten uns gleich zur Kurve auf.
Eine Wolke spendeten kostbaren Schatten..
Noch gefunden (und liegen gelassen!)...
Netter Lift und auf der Winklmoosseite der schönste Hang.
So genug genknipst...
Wir machten nun einen Fehler – anstatt die Lifttrasse wieder hinunter zum TROCKENEN Wanderweg zu laufen, nahmen wir die Abkürzung über die Piste und stellten nach einigen Metern fest, dass trockene Bodenerosion mittelfristig sicherlich kein Problem auf der Winklmoosalm sein wird. Aufgrund des starken Regens lief man entweder direkt im Matsch oder – was aber dann wenigstens was hatte – auf mit Wasser vollgesaugten Wiesen, die richtig „federten“.
Solch nasse Hosen hatte ich schon seit den ganz frühen 80ern nicht mehr
Wieder bei Lift und Bahn angelangt – leider fehlt mir noch eine Fahrt mit dem Kurzbügler.
Dank Seilbahner durften wir noch dem Innenleben der Schlepplifttalstation einen Besuch abstatten. An dieser Stelle noch einmal Dankeschön!
Wir erfuhren nun zu unserer großen Freude, dass der ESL wieder in Gang gesetzt werden konnte. Also nichts wie hin!
Holzlehnen – Nostalgie pur...
Erinnerte mich an eine unlängst vorgenommene Fahrt mit der DSB Mittag II in Immenstadt, wo auch zahlreiche Kühe direkt unterhalb des Lifts weideten.
Was ist das eigentlich?
Liftler mit Hut auf'm Kopf – 2011 auch schon ein Nostalgiefaktor.
Direkt an der Grenze zu Österreich. Unter uns müsste das Schigebiet Heutal sein.
Blick Richtung Kitzbühler Horn.
Zoom zur Waldschneise des Scheiblberglifts.
Wir fanden einen guten Platz vor der Hütte neben der Bergstation und machten erstmal Brotzeit. Wegen meiner Erkältung musste ich einen Tee bestellen, während sich die anderen halt ein kühles Bier gönnten...
Also im oberen Teil scheint die Schiabfahrt hier oben recht gut gewesen zu sein.
Blick zum Lift – trotz des ESL kamen hier die Leute aller Altersgruppen unbeschadet herauf und erfreuten sich am schönen Bergblick. Geht also auch ohne 8EUB mit Sitzheizung...
Es ging wieder zurück nach unten – wir wollten ja noch zum Predigtstuhl und der Nachmittag war schon angebrochen...
Schöner Ausblick am Ausstieg...
Weiter in den Alpen drinnen türmten sich schon ein paar Gewitterwolken, doch sie sollten noch eine ganze Zeit auf sich warten lassen...
Neu und Alt.
Kurz vorm Ende einer ESL fahrt.
So – nun endlich auch mal gefahren!
Münchner liebäugelte schon wieder mit einem Fahrzeugkauf, doch wir zogen ihn weiter – der Predigtstuhl rief!
Doch leider wurde uns bei der Abfahrt auf der Straße nach unten wieder ein Stein in den Weg gelegt. Plötzlich bremste mein Vordermann jäh ab und eine lange Kolonne kam hinter der Kurve zum Vorschein, die in Zeitlupentempo den unglaublich steilen, gefährlichen, schmalen Pass hinunterfuhr. Grund war das Auto an vorderster Front, dessen Fahrer wohl besser mit der Bahn in den Urlaub gefahren wäre. Echt ohne Sch... - fast im SCHRITTTEMPO rollte der den Berg hinab. Natürlich schlug er auf der Landstrasse dann auch die gleiche Richtung ein, die wir zu fahren hatten. Dort beschleuntigte er mit einem Urknall auf sagenhafte 60 Stundenkilometer. Wo gibt es nur dieses Auto vom James Bond zu kaufen, das über einen integrierten Raketenwerfer verfügt?
Einen Herzinfarkt später sicher in Bad Reichenhall angekommen, das ich das erste Mal überhaupt besuchte.
Nostalgie-Flair auch auch – auch, wenn man die Talstation von innen betrachtet. Viele Malte-Kevins von heute dürfen sich mit so was sicherlich nicht mehr die Zähne verkleben, sondern bekommen statt dessen eine „Möhre“ vom Basic...
Die Bahn hat eine ähnlich spektakuläre Trasse wie jene am Eibsee. Aber der Umstand, dass dieses Ding hier bereits in den 20ern errichtet worden ist, macht das ganze noch mal beachtlicher. (So ohne Hubschrauber, Taschenrechner, etc...)
Weiter geht’s mit meinem Retro-Rundgang...
Ab nach oben!
Hoch überm Gelben Fluss
Oben gibt es noch einen LSAP-Handschuhmörder...
Trasse des Lifts...
Wir liefen gleich zum Schlegelmuldenalmlift hinter...
Blick Richtung Nordosten...
ESL Schlegelmuldenalm, der 1972 einen Schlittenlift auf gleicher Trasse ersetzt hat.
Bitte nicht abbauen!
Sieht noch ganz gut aus für LSAP...
Nebenbei bemerkt – die Gewitterwolken türmten sich in den Bergen drinnen schon zusammen und es war unangenehm, ja drückend heiß. Wir wünschten uns zumindest den September bzw. Oktober herbei, wenn man in angenehm frischer Luft herrliche Wanderungen ohne bevorstehende Gewitter unternehmen kann. Bald ist es ja wieder so weit! Wenn morgens sich noch der Nebel hält und langsam auflöst und die Blätter sich verfärben – auch vom Fotografischen her wird es dann interessanter als mitten im Hochsommer.
Der untere ESL, der bereits in den 50ern gebaut worden ist und 2007/08 nochmal gelaufen ist. Dass ich damals es nicht geschafft habe, mal hier her zu fahren – drei Selbstmordversuche hat mich das gekostet...
Ob der nochmal läuft? Ich fürchte eher das, was am Wank eingetreten ist – Kahlschlag...
Irgendwas stimmt an diesem Bild nicht...
Auf dem Weg zur Bahn zurück...
Da oben schlich noch so ein Fotograf herum
LSAP-Hotel?
Leider gilt das nur für Blumenpflücker und nicht für Leute, die ESLs und steile Schlepper abholzen.
Im Bergbahnmuseum gibt es interessante Bilder und Plakate – kann man sehr empfehlen.
Man beachte den allerletzten Satz - „moderner Sessellift“
Auch noch aus der guten, alten Zeit...
Nach 1994 nicht mehr! (Stillegung der ESLs)
Warten auf die Gondel...
Früher hat man auch an so was gedacht.
Wir hatten Glück und ein sächsischer Familienvater ließ uns direkt neben sich aus dem Fenster fotografieren.
Der Gelbe Fluss ist doch in Bayern! Und mir hat mein Erdkundelehrer das damals Anfang der 90er nicht geglaubt!
Vierzig Jahre zuvor...
Münchner und Zyste waren plötzlich verschwunden, doch da ich der Fahrer war, konnten sie mich ja schlecht ausschließen, wie es mir immer früher auf Klassenausflügen erging
Die beiden zoomten noch zur Bergstation und ich nahm hingegen Außenaufnahmen der Talstation vor.
Danach wollten wir noch sehen, ob man noch Überreste des Stadtberglifts entdecken konnte, dessen Schneise man ja links der Predigtstuhlbahn weithin erkennen kann. Nach einer kleinen Odysse fanden wir einen Parkplatz am ungefähren Standort der Talstation und liefen – total k.o. - in der drückenden Hitze der Abendsonne herum.
Entdeckung Nr. 1
Entdeckung Nr. 2
Dank Internetempfang auf Zystes Handy konnten wir die Trasse lokalisieren, doch es gab vor Ort nichts zu sehen. Wir vermuteten, dass die Talstation wohl erhöht auf einem Felsen gestanden haben muss. Dies bestätigte sich am Sonntag, als ich mich daheim an den Rechner setzte und mein Archiv durchwühlte. Dort fand ich noch alte Aufnahmen und tatsächlich zeigte eine davon die Talstation ein ganzes Stück oberhalb des Parkplatzes auf einem Felsen. Man musste erst einige Treppenstufen hochkraxeln, ehe man mit dem Lift fahren konnte. Na ja – in den 50ern hat man so was bestimmt nicht bedauert und war froh, überhaupt einen Lift zu haben. Leider hat man den ESL ja dann 1984 stillgelegt und 1997-1999 abgebrochen. Übrig ist außer der Waldschneise wohl nix mehr...
Im angrenzenden Biergarten ließen wir unseren ersten Trio-Ausflug ausklingen und schworen uns hoch und heilig, dass es nicht der letzte gewesen sein sollte...
Nachdem wir Zyste am Wolfsberglift rausgelassen und uns unter Tränen verabschiedet hatten, zogen in Höhe des Chiemsees plötzlich dunkle Gewitterwolken auf und ab Frasdorf gab es dann auch noch einen elenden Stau. Auch bei Münchner machte sich nun eine Erkältung bemerkbar, die er sich offenbar am Arbeitsplatz eingehandelt hatte, während meine eigene sich wieder verschlimmerte. Aber trotzdem herrschte gute Laune – ein schöner Tag lag hinter uns und viele Fotos waren im Kasten.
An einem Autobahnparkplatz irgendwo in Höhe Holzkirchen machten wir nochmal Pause – das Gewitter war vorübergezogen und hatte die schwüle, drückende Luft mit sich gerissen. So ließ es sich schon leichter Auto fahren...
Endlich in München angekommen. Mein Kopf dröhnte, die Nase triefte und der Hals kratze. Aber wenn schon mal hoher Besuch ansteht! Zumal es sich ja, wie die Bilder zeigen, gewiss gelohnt hat, in der Früh aufzustehen und den Bergen wieder einmal einen Besuch abzustatten.