
Nach der Südtiroler Liftesafari im letzten Jahr hatte ich für diesen Sommer auf Grund eines übervollen Reiseplans eigentlich gar keinen Platz für einen weiteren Abstecher in die Dolomiten eingeplant. Im letzten Winter wollte ich den Gebieten rund um Cortina eigentlich schon einen Besuch abstatten, hatte aber auch diese Idee irgendwann verworfen bzw. verwerfen müssen.
Und so haderte ich lange mit mir, war doch das Aufsuchen der zwei interessantesten Lifte mit Sommerbetrieb eine relativ anstrengende Tour, was ich normalerweise nicht gerne mache. Aber da es immer wieder Gerüchte über einen Ersatz gibt, wollte ich nicht zu lange warten und machte eine Ausnahme meiner Regel. Und so saß ich gestern morgen bereits sehr früh im Auto auf dem Weg nach Cortina. Rein von den Kilometern her ist es gar nicht so weit, aber die Fahrt über die Landstraßen (dank fehlender Vignette hatte ich mich für den Felbertauerntunnel entschieden) zieht sich doch extrem - gerade wenn man mit LKW, Wohnmobilen und den üblichen Schleichern zu kämpfen hat.
Das erste Ziel war das Cristallo-Gebiet mit seinem berühmten blauen Leitner zur Forcella Staunies. In Misurina dachte ich noch über einen kurzen Stopp für eine Fahrt mit der DSB nach, verwarf die Idee dann aber recht schnell wieder - die Zeit konnte ich gut gebrauchen Und so kam ich gegen halb zehn nach knapp 3,5h Fahrt am Parkplatz der 4KSB an.

Ein wenig nervös war ich schon, immerhin hatte man den Saisonstart um eine Woche nach hinten verlegt und vielleicht gab es heute wieder andere Probleme, die einen Betrieb der Bahn unmöglich machten. Aber die 4KSB Rio Gere - Son Forca von Agamatic lief bereits und so war ich nur noch einen Ticketkauf in Höhe von 21 Euro von der ersten Fahrt entfernt.

Es war noch recht ruhig, nur eine Handvoll Autos standen auf dem Parkplatz. Und so fuhr ich auch komplett alleine nach oben und wunderte mich ein wenig über die breite Schneise im Wald. Hatte man hier die Piste tatsächlich so brachial in die Natur gezimmert oder sah es nur auf Grund von Bauarbeiten so aus?

Entsprechend der Auslastung lief die Bahn auf Rentnermodus. Aber es war noch schön kühl und ich konnte mich nach der langen Autofahrt erstmal in Ruhe akklimatisieren.

Schöne Trasse. Erst flach durch den Wald, dann oben recht steil über die Felsen.


Oben angekommen ging es die paar Meter runter zur Talstation der Bahn. Daneben eine zweite, etwas neuere 4KSB. Die hat eine DSB ersetzt, oder? Bin mal gespannt, wie das Gebiet im Winter rüberkommt, wirklich interessant sieht jedenfalls bisher nur die Abfahrt an der DSB/Korb/Gondellift aus.

Schon auf den ersten Blick ist klar, diese Bahn ist etwas besonderes. Die Bahn an der Langkofelscharte war beeindruckend, aber hier wird alles nochmal übertroffen.

Ein letzter Blick auf den Schilderwald, dann kann es endlich losgehen.

Sieht zumindest auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus, alles recht gepflegt.

Das Einstiegsprozedere ist mittlerweile hinlänglich bekannt: auf die Markierung stellen, alles anspannen, losrennen, greifen, springen und Abfahrt.

Und dann rumpelt man nach oben. Die Kabinen haben ihre besten Tage schon lange hinter sich, außen verbeult, innen teilweise etwas notdürftig geflickt. Aber das bringt natürlich Bonuspunkte auf der Kultskala... der Vorteil gegenüber der Bahn an der Langkofelscharte ist, dass man hier - je nach Kabine - großzügig Fenster in verschiedene Richtungen öffnen kann.

Blick ins Innere - sogar zwei kleine Sitzplätze hat man hier noch untergebracht.

Ganz entspannt rumpelt die Bahn vor sich hin und so langsam wird mir klar: das hier wird in Zukunft nur schwer bis gar nicht mehr zu toppen sein. Alles in allem ist diese Bahn für mich mit die interessanteste bisher, was Lage, Flair und Kult betrifft.


Es geht in Richtung der hohen Felswände, die sich imposant neben der Bahn auftürmen.

15-20 Minuten dürfte die Auffahrt wohl dauern. Genug Zeit für ein paar Bilder und das Genießen der Fahrt. Zudem gibt es noch alte Fundamente und waghalsige Bergsteiger zu beobachten.

Manchmal kann man es kaum glauben, dass die Bahn noch steht, sind doch die Fundamente alle schon derart von der Zeit gezeichnet und die schmalen Stützen wirken ein wenig so, als würden sie bald nachgeben. Die Mittelstation macht auch einen leicht provisorischen Eindruck.

Direkt dahinter sind Fundamente der Vorgängeranlage zu erkennen, auch weiter oben sieht man ein mit dem Berg verbundenes Relikt. Ab hier geht die Trasse nun in das Steilstück über.

Ich hatte es mir zwar steiler vorgestellt, aber die Trasse zieht jetzt gut nach oben und man ist gut beeindruckt - wie so oft in den bildgewaltigen Dolomiten.

Zwei Bergsteiger rutschen unter der Trasse in den Steinen herum. Weiter oben kann liegt dann ein Stahlseil als Aufstiegshilfe, aber hier unten ist man auf sich selbst angewiesen. Das Fundament wenige Meter weiter macht einen ähnlich desolaten Eindruck wie die Kraxlhubers.

Ich weiß noch nicht, ob ich diesen Teil der Abfahrt im Winter riskieren werde (falls überhaupt geöffnet), aber es sieht nicht komplett unmöglich aus. Während ich über diese Frage ein wenig nachdenke, geht es auf den letzten Metern hoch zur Bergstation. Schon reißt die Tür auf, ein Arm packt nach mir und mit einem Sprung stehe ich im Freien. Mit einem Wort: angekommen.
Fortsetzung folgt...
























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