11.12.2016 Sacro Monte di Varallo, Val Sesia

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ATV
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11.12.2016 Sacro Monte di Varallo, Val Sesia

Beitrag von ATV » 13.12.2016 - 19:43

11.12.2016 Sacro Monte di Varallo, Val Sesia
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Varallo liegt im Val Sesia nördlich von Novara im Piemont. Der Ort liegt am Fluss Sesia auf einer Höhe von 450 m über Meer.
1886 wurde eine Eisenbahnlinie von Novara nach Varallo Sesia eröffnet. Die Linie führt über 55 Kilometer von Novara nach Romagnano Sesia, Borgosesia, Prato Sesia, bis Varallo im Val Sesia.

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Grundsätzlich ist Italien in Sachen Eisenbahn ein Drittweltland. Der gesellschaftliche Stellenwert tendiert gegen Null. Vor allem Nebenlinien haben seit dem Ende des 2 WK zu kämpfen, wurden systematisch heruntergewirtschaftet und eingestellt. Dieses Schicksal hat nun auch die Bahnlinie ins Val Sesia ereilt.

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Die Bahnlinie wurde 2004 nochmals mit viel EU Fördergelder renoviert, aber wie es in Italien so ist, sobald der letzte Cent gerollt ist, wird der Pickel hingeworfen und alles sich selbst überlassen. Mit der Wirschaftkrise 2012 und den Sparmassnahmen des Italienischen Staates wurde beim öffentlichen Verkehr in der Lombardei grossflächig der Rotstift angesetzt.

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12 Eisenbahnlinien wurden gestichen, die Schiffahrt auf dem Lago Maggiore drastisch reduziert und ein halbherziger Busersatz, welche die notorisch überfüllten Strassen in der Lombardei zusätzlich noch blockiert eingerichtet.

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Jedenfalls ist die Bahnlinie ins Val Sesia seit 2014 wiedermal nicht mehr in Betrieb. Des einen Leid, des anderen Freud, 2013 wurde die Fondazione FS Italiane ein Verein zur Erhaltung von historischem italienischen Rollmaterial. Dieser organisiert nun Touristische Sonderfahrten, Teilweise mit Dampftraktion ins Val Sesia.

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Ein Wunder, dass man sowas in Italien noch gründen kann.

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Am 11.12.2016 war es die FS 640.143 aus dem Jahre 1907. Die von Breda Milano gebaute Dampflok mit Zweizylinder (innenliegend) ist eine Schnellzuglok bis 100km/h

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Der Zug verkehrte mit ca 40min Verspätung direkt ab Mailand. Aufgrund fehlendem ETCS wurde der Zug aus Milano bis nach Viginale mit einer E646 geschleppt.

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Bergauf ins Val Sesia bekam die Lok Schubunterstützung durch eine Reggiane FS D.345 von 1974 welche auch sonst Sonderfahrten mit Touristenzügen ins Val Sesia macht.

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Zum Abschluss des Eisenbahnteils nochmals die 640.143. Etwas ungewähnlich, dass die Zylinder innen liegen gibt der Lok einen ziemlich hochgebocktes Erscheinungsbild.

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Nun zu Varallo. eine historische Kleinstadt mit vielen alten und sehr alten Häusern. wurde glücklicherweise von 2WK praktisch verschont.

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Leider sind auch an der Stadt selber die Spuren des wirtschaftlichen Abschwungs im Val Sesia nicht vorbei gegangen.

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Hier ist das zweite Ziel schon zu sehen. Der Sacro Monte, Heiliger Berg.

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Rund 200 Höhenmeter Höher auf einem Felsvorsprung liegt der Sacro Monte di Varallo (Heiliger Berg)ein christlicher Wallfahrtsort Als einer der Sacri Monti wurde er 2003 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

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Seit 1935 ist der Sacro Monte seilbahntechnisch erschlossen. Die erste Bahn wurde von der Firma Ceretti & Tanfani aus Mailand gebaut. Sie besass 2 Tragseile und 2 Zugseile. Mit einer Steigung von 100% war sie seinerzeit die steilste Luftseilbahn der Welt.

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Die nur gerade 200m lange Trasse führt über 130 Höhenmeter auf einen Felsvorsprung des Sacro Monte. Die fahrt dauert lediglich 1min und 30 Sekunden.

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Im Jahre 2002 wurde die Bahn durch eine neue Anlage mit nur noch einem Tragseil ersetzt. Die Kabinen fassen je 15 Personen.

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Stützen besitzt die Bahn aufgrund der steilen Trasse und der kürze der Strecke keine.

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Mit der Errichtung des aus 45 einzelnen Bauwerken bestehenden Wallfahrtsortes auf dem Sacro Monte di Varallo begann man im Jahre 1491 auf Veranlassung des Franziskanerbruders Bernard Caimi; der heilige Berg von Varallo ist damit der älteste seiner Art. Fr. Caimi war zuvor Rektor der heiligen Stätten in Palästina und spanischer Botschafter gewesen.

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Er wollte Jerusalem für jene erbauen, die nicht ins Heilige Land pilgern konnten.

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Die Kapellen bestehen aus einem kleinen Vorraum, in den man eintreten kann. Von dort aus kann der Besucher die jeweilige Szenerie betrachten.

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Um 1650 war die Anlage weitgehend vollendet. In den Bauwerken befinden sich 600 lebensgroße Figuren aus Holz und Terrakotta und über 4000 gemalte Figuren, die dem Betrachter vor allem das Leben und Sterben Jesu Christi vor Augen führen sollen.

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Die Kapellen weiter unten zeigen Darstellungen, die der Geburt Christi vorangingen, etwa der Sündenfall und die Verkündigung des Herrn.

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Ein zweiter Bereich, den man durch das sogenannte Goldene Tor betritt, versinnbildlicht Stätten im antiken Jerusalem. Hier findet man neben anderen Darstellungen des Letzten Abendmahls, der Passion und der Auferstehung Christi wie auch die Aufnahme der Jungfrau Maria in den Himmel.

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Der Jungfrau Maria ist die Wallfahrtskirche aus dem 15. Jahrhundert geweiht, die zur Basilica minor erhoben wurde.

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200m weiter unten Köchelt gemütlich die 640.143 ihren Tee in der Abendsonne.

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Nach eine extrem kurzen Talfahrt ging es wieder Richtung Bahnhof und Mailand.

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Oder doch lieber Alagna? :lach:

Video:

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Video vom Zug:

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Re: 11.12.2016 Sacro Monte di Varallo, Val Sesia

Beitrag von intermezzo » 13.12.2016 - 22:34

Netter Bericht, coole Anlage. So kurz, schon genial, dass früher solche Bahnen in Betracht gezogen und schliesslich auch realisiert wurden.

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