Das Aversertal befindet sich im südlichen Teil Graubündens. Um dahin zu gelangen, muss man zuerst Richtung San Bernardino/Tessin fahren. Nach Andeer (Schmasertal), in der Roflaschlucht, befindet sich die Ausfahrt, die in dieses wilde, natürliche Tal führt. Zuerst gehts durch die beiden Ferreras (Inner- und Ausserferrera), welche noch zum Schams gehören. Danach beginnt das Aversertal mit seinen vielen kleinen Fraktionen. Ganz zuhinterst befindet sich die europaweit höchsgelegenste Siedlung, die ganzjährig bewohnt wird: Avers Juf auf 2129 m.ü.M. Weiter vorne befindet sich der hauptort dert Gemeinde, Avers Cresta mit seinem schönen Edelweisskirchlein. Zwischen Juf und Cresta befindet sich Avers Juppa auf etwa 2000 m.ü.M. Hier befindet sich das Skigebiet, bestehend aus 2 Skiliften und einem Ponylift. Insgesamt 8 Km Pisten stehen zur Verfügung, wovon mindestens Zwei Drittel schwarze Pisten sind. Ansonsten gint es noch zwei leichte blaue Pisten. Rote hat es nicht.
Samstag, 16.2.08
Ich habe gerade die Ausfahrt ins Aversertal genommen und fahre jetzt auf einer recht gut ausgebauten Strasse ins Tal hinein. Zwischendurch gelangen ein paar Sonnenstrahlen durch die hohen Bäume ringsumher ins Auto. Nach kurzer Fahrzeit komme ich in Ausserferrera an, ein kleines, idyllisches Örtschen mit knapp 50 Einwohnern. (Gut, in diesem Tal gibts nur idyllische Dörfchen...). Ausserferrera und Innergerrea haben übrigens kürzlichst fusioniert. Eine Weile später gelange ich zu Innerferrera, ebenfalls ein kleines Dörfchen mit knapp 50 Einwohner (sogar weniger). Hier startet eine Kraftwerksbahn, auf welche ich später zurückkommen werde.
Es geht weiter. Um Kurven, mal durch Wald, mal durch Fläche. Kurz vor der Brücke, die das Ferreratal vom Aversertal abgrenzt, wird es sehr felsig. Unten sprudelt der Averserrhein, gegenüber beginnt der Tunnel, der uns aus diesem wilden, feligen und steil ins Wasser fallende Loch herausbringt. Der Tunnel ist auch ein uriges Produkt: Durch den Fels bohrte man blos ein grobes Loch, nichts ist verputzt, überall, oben, und auf der Seite, ragt Stein hervor.
Danach wird es etwas flacher, und nun erreichen wir die erste Fraktion von Avers: Avers Campsut. Eine kleine Siedlung mit ca. 10 Häusern. Während ich daran vorbeifahre, frage ich mich, wie lange das hier noch bewohnt sein wird...
Eine weitere Weile, viele Kurven und Bäume weiter, erreiche ich nun das Hochplateau. Die Bäume auf der Sonnenseite werden rar, während sie auf der Nordhanglage viel weiter hoch führen - typischens Merkmal für landwirtschaftliche Nutzung. Nun kommt langsam Avers Cresta, die Hauptfraktion der Gemeinde Avers (181 Einwohner) in Sicht. Cresta liegt auf der Südseite des tales, hier befindet sich bis in Hohe Höhen hinauf fast kein Schnee mehr. Ich beginne mich zu fragen, ob man so hier überhaupt skifahren kann...
Am schönen Edelweisskirchlein vorbeigefahren (eine Renovation der Kirche wäre nicht schlecht...), sehe ich das restliche Plateau vor mir. Das nächste Örtlein ist Avers Am Bach, kurz danach folgt endlich Juppa. Hier wird jetzt parkiert.
Der erste Blick auf den Skilift Tscheischa wirkt ernüchternd: Viel Schnee wurde fortgeblasen...
Dummerweise liegt zwischen Parkplatz und Talstation Skilift der Averserrhein. Zuerst muss man hinunterfahren (oder laufen, wie es einem genehm ist), über die Brücke und danach wieder hochsteigen (Wie wärs mit einem Zauberteppich? Wär doch was!). Endlich an der Kasse angekommen, kaufe ich mir eine Tageskarte (Dank meinem Skipass Plus kostet es nur halb so viel). Dann wünscht mir das freundliche Personal einen schönen Tag - ab gehts.
Ich bügle mich an. Zuerst überwindet der Lift direkt einen Steilhang - es beginnt also alles andere als gemütlich... Danach folgt ein kleines, flacheres Stück, bevor der Skilift brutal steil wird. Und das wird so bis zum Ausstieg bleibebn. Da verwundert es mich nicht, dass der Lift in 1500m Länge satte 566 Höhenmeter überwindet!
Oben bügle ich mich ab und schaue gespannt auf die Bergstation - ich hoffte auf eine Brändle-Konstruktion. Doch leider wurde die Bergstation durch eine Umlenkstation jüngerer Bauart Garaventa (ziemlich sicher aus den 90er-Jahren) ersetzt. Dasselbe bei den Stützen: von insgesamt 9 Stützen sind 5 von Garaventa, 4 von Brändle.
Der Antrieb befindet sich in der Talstation. Die Talstation dürfte noch original von 1968/69 sein.
Der obere, steilste Teil des Skiliftes besitzt noch die Brändlestützen.
Hier bei der Bergstation öffnen sich drei Möglichkeiten: Entweder ich gehe nach rechts und Überquere die Ausstiegsstelle, oder ich gehe nach links aussen. Die dritte Möglichkeit verläuft parallel zum Skilift. Ich entscheide mich für die Dritte. Da das Skigebiet relativ steinig ist, fahre ich noch vorsichtig, um keinen zu erwischen. Glücklicherweise erwische ich keinen. Im unteren Teil muss ich nach links abbiegen, denn die Piste, die weiterhin parallel zum Lift verlaufen würde, ist relativ steinig und der Schnee verblasen. Leider wird der Schnee bei diesem Lift gerne fortgeblasen, sodass man mit Vorsicht fahren soll. Dass das Gebiet dazu noch steinig ist, verbessert die Lage auch nicht gerade. Im oberen Teil hat man deshalb Zäune hingebaut, die den fortgeblasenen Schnee aufhalten. Hier bildet sich dann ein Schneehügel, bei dem man bei Mangel evtl. Schnee für die Pisten nimmt.
Der Skilift Cavetta befindet sich immer noch im Schatten, es ist nun auch schon 10:45. Der Skilift Tscheischa befindet sich schon ganz in der Sonne.
Weil die Piste so schön war, geht es gleich nochmals mit dem Skilift auf 2500 m.ü.M. hinauf, diesmal soll die ganz links vom Lift verlaufende Piste drankommen.
Kurz vor dem Ausstieg.
Die Piste ganz links ist zuerst flach. Hier ragen an ein, zwei Orten ein paar Steine hervor, zum Glück sind sie sichtbar und somit umkurvbar. Danach fahre ich weiterhin ganz links. Blöderweise habe ich den Pistenplan bis jetzt nicht gross angeschaut, und umso erstaunter war ich, als ich weiter unten eine weitere Piste kreuzte! Komisch... Ich habe ja nirgends eine Piste, die links (von oben gesehen) abzweigt? Beim nächsten Mal werde ich hier mal nachschauen.
Die angesprochene, plötzlich auftauchende Piste. Hinten links die von mir gefahrene Piste. Übrigens: Auch wenn rundumher Steine herausragen: Auf den Pisten waren die Steine überraschenderweise eine Seltenheit!
Es geht ein weiteres Mal mit dem Skilift Tscheischa aufwärts. Momentan herrscht hier Betrieb, fast alle Bügel sind besetzt. Bei der dritten Fahrt will ich nun die dritte Piste fahren: die rechts des Liftes.
Bevor es steil wird... Links die dem Lifttrassee parallel gelegene Piste mit der steinigen Varianten unten. Rechts erkennt man knapp die Piste, die ich nun bfahren werde.
Nachtskifahren? Start einer Rennpiste? Weiss jemand etwas darüber?
Nach einer weiteren Fahrt mit dem Lift (die rechte Piste, Nr. 3, gefiel mir ganz besonders) entscheide ich mich für den Besuch des Skilifts Cavetta. Dafür muss man die Verbindungspiste benutzen. Sie beginnt bei der Piste 1 und kreuzt dann alle weiteren Varianten links des Liftes. Plötzlich endet die Präparierung, und es ist nur noch ein kleines, befahrenes Skiweglein. Links und rechts gucken Alpenrosen aus dem Schnee heraus, und dazwischen hindurch führt dieses Miniweglein. Infolge Verblasung, nehme ich mal an...
Danach benötige ich ein wenig Schwung, und schon erreiche ich den Skilift Cavetta. Er ist mit Baujahr 1991 recht neu. Seine Pisten sind eher langweilig: flach und breit. Das richtige für Kinder und Anfänger, mir als Fortgeschrittener (
Idylle pur, Blick ins Bregalgatal.
Die Bergstation ist lawinensicher untergebracht.
Flache Strecke mit flachen Pisten am Skilift Cavetta. Im Hintergrund Avers Juppa mit dem Skilift Tscheischa.
Talstation. Die Bügel sind leider sehr unbequem und sehr widerständig, vor allem beim ausziehen des Bügels.
Die Talstation wird in Pilzform gehalten.
Cavetta und im Hintergrund das Bregalgatal. Damit könnte man eigentlich Werbung machen.
Der Rückweg zum Skilift Tscheischa erweist sich als etwas mühsam. Zwischen den beiden Liften steht ein Ponylift von Städeli, der hauptsächlich dazu da ist, den mühsamen Weg etwas zu entschärfen. Hoffnungsvoll benütze ich ihn - ein wenig Schwung habe ich danach, nützen tut dieser aber nicht viel. Der Ponylift selbst ist auch schwach frequentiert - erscheint es mir wenigstens. Schlussendlich erreiche ich den Skilift Tscheischa wieder - betreffend Verbindung Cavetta - Tscheischa könnte man aber noch etwas mehr machen.
Im Gegensatz zum Skilift Cavetta sind die Bügel hier viel benutzerfreundlicher - Da muss man nicht extra fest daran ziehen.
Es beginnt sogleich mit einem Steilhang, bevor es kurzzeitig etwas flach wird.
Piste 1. Wie ein unregelmässiger Teppich. Schön auch, dass hier wirklich nur die Könner fahren und die Anfänger sich beim Skilift Cavetta befinden!
Bei der nächsten Fahrt entschliesse ich mich, nun einmal den kritischen Teil der Piste 1 zu fahren. Ich werde bis zum Ende des Tages der einzige sein, der dieses Stück befahren hat... Obwohl, wenn man gut aufpasst, kommt man auch hier ohne Probleme durch - Ich erwischte nur einen einzigen kleinen Stein.
Wenn man gut aufpasst, sind die Steine umkurvbar.
Der Skilift Tscheischa ist definitiv einer der steilsten Skilifte, die ich bis jetzt gefahren bin.
Ich fahre nun die Piste 2, die rechts vom Lift verläuft. Meiner Meinung nach ist sie die abwechslungsreichste der drei schwarzen Pisten am Tscheischa. Auch weil sie irgendwo andershin führt, auch wenn sie sich am gleichen hang wie der Skilift befindet.
Die Piste 2. Oberer Streckenteil.
Blick zur höchstgelegenen, ganzjährig bewohnten Siedlung Europas: Avers Juf auf 2126 m.ü.M. Hinter diesen Bergen befindet sich Bivio.
Die Talstation.
Mir macht das Skifahren hier wahrlich Spass. Ich beschliesse jetzt aber, essen zu gehen. direkt neben dem Parkplatz befindet sich ein Restaurant. Hier bestelle ich leckere Alplermaccaroni. Das Restaurant erscheint mir etwas urig, aber heimelig. Der lange, aber in der Breite nicht gerade überzeugende Balkon wird als Terrasse genutzt.
Ein supertolles Skigebiet am Fusse des Dreitausenders Tscheischhorn (3019 m.ü.M.) gelegen...
Ich wollte ein weiteres Mal die Piste 3, ganz links aussen, fahren. Diesmal, um die Varianten zu fahren, deren Zugang ich heute morgen nirgends entdeckt habe. Weil ich gut aupasste, entging mir ein Skiweg nicht - ich kam an einer Lawinensprengbahn vorbei - und plötzlich sah ich vor mir diese bestens präparierte Piste - Fragt sich, wieso die Verbindung nicht präpariert wurde. Egal - Genau solche Sachen mag ich: Nichts ist pingelig genau gemacht oder praäpariert, und trotzdem überzeugt das Skigebiet. Nach der nächsten Fahrt mit dem Skilift Tscheischa stieg ich zur Bergstation hoch, um sie ein wenig zu begutachten.
Traumhaftes Bregalgatal - nberührt und natürlich geblieben, abseits der Menschenagglomeration gelegen.
Die Bergstation ist eine neuere Umlenkstation von garaventa. Hinten ist die Ausstiegsstütze erkennbar.
Weil es mir gefällt, mache ich gleich noch eins.
Bei einzelnen Streckenabschnitten des Skilifts Tscheischa wird es langsam schattig (es ist erst etwa 14:30 Uhr). Der Grossteil der Menschen verzieht sich nun zum Skilift Cavetta, der noch lange in der Sonne stehen wird. Ich bleibe aber bis zum Schluss beim Skilift Tcheischhorn.
Bei der jetzigen Fahrt hatte ich den ganzen, 1500m langen Skilift nur für mich! Hinter und vor mir war keine Menschenseele zu erkennen. Dieses Gefühl fühlt sich wie eine Mischung zwischen Einsamkeit und Beeindruckung aus. Der Skilift fährt zügig in die Höhe, hie und da lärmt ein Mast, ansonsten ist es vollkommen still um mich herum.
Talstation, diese wird noch eine Weile in der Sonne bleiben...
...währenddessen der Schatten die Strecke zwischen Einstiegsstütze und Stütze Nr. 1 schnell erreicht.
Der Skilift Cavetta, am Fusse des Wengenhorns gelegen (2883 m.ü.M.) steht noch lange in der Sonne...
Ich entscheide mich, eine letzte Fahrt mit dem Skilift zu machen. Als Abschlusspiste wähle ich die Piste Nr.2, also die rechts vom Lift.
Mein Lieblingsbild: Die Ausstiegsstütze. Eine stolze Brändlestütze, die hoffentlich noch lange hier stehen wird.
Der Ausstieg.
Mit dem Skilift Tscheischa wurde ein ganz, ganz toller Skilift errichtet.
Die Talstation vom Parkplatz aus gesehen.
So steige ich ins Auto und entschwinde dem Aversertal.
Ein kleines Fazit:
Für mich fällt das Skigebiet eindeutig in die Kategorie "unbedingt wieder!" Genau solche Skigebiete entsprechen meinen Anforderungen. Es sind zwar Leute da, aber nicht übermässig viel. Es besitzt abwechslungsreiche Pisten. Es besitzt eine interessante Anlage. Und nich zuletzt: Es bietet etwas für Kleine (Cavetta) und etwas für Grosse (Tscheischa). Was will ich mehr?
Doch mein Tag ist betreffend Seilbahnen noch nicht beendet. Ich statte der schon eingangs erwähnten Kraftwerksbahn in Innerferrera einen Besuch ab. Sie ist von Bell (Davon gibts nicht mehr viele). Ganz interessant...
Die Talstation ist in Wellblechform gehalten.
In der Talstation.
Sie besitzt Portalstützen, was mich im Sommer dazu verleitete, sie fälschlicherweise als Brändlebahn zu interpretieren (Ich sah sie nur aus der Ferne).
Die Kabine von vorne. Ich nehme an, dass sie von CWA sind. Weiss jemand das Baujahr der Anlage?
Der Antrieb befindet sich in der Talstation.
Noch mehr Bilder des Skigebiets und der Pendelbahn findet Ihr hier: http://www.mircotscharner.ch/galerie/th ... p?album=44
Danach verlasse ich auch das Ferreratal, das im Schatten düster und geheimnisvoll wirkt. In der Roflaschlucht angekommen, das gleiche. Ein finsteres Loch...
Erst im Domleschg erreichen die Sonnenstrahlen wieder die Strasse.
Mein Urteil ist ganz klar:
Ich komme wieder. Nächstes, spätestens übernächstes Jahr.