Wer Sarn heute zum ersten Mal hört, soll sich nicht schämen. Sarn ist ein kleines Bergdörfchen am Heinzenberg, hoch über Thusis und Cazis (Domleschg) gelegen. Etwas oberhalb Sarn befindet sich ein kleines, und wie so oft ein feines Skigebiet, bestehend aus einer Sesselbahn und einem Skilift. Mit diesen zwei Anlagen werden satte 20 km Pisten auf stein- und teilweise baumfreiem Gelände erschlossen. Tönt gut, nicht? Kein Wunder, dass ich mich auf den Weg nach Sarn machte. Dass ich dieses Skigebiet aber bei den wohl wunderbarsten Verhältnissen seit langem antreffen würde, war mir nicht bewusst.
Verzeiht mir den Blauton der Bilder, ich habe mit dem falschen Weisabgleich fotografiert.
Wir schreiben den 13.1.08. Tags zuvor und über die Nacht hatte es kräftig geschneit, in ganz Graubünden fiel Neuschnee. Obwohl es momentan noch stark bewölkt ist, steige ich ins Auto und fahre durchs Churer Rheintal Richtung Domleschg. Auch hier ist alles noch bewölkt und düster. Hm... ich fange an zu zweifeln, obs der richtige Tag ist, bei diesem Wetter... Eingeschneit bis ins Tal. Stark bewölkt. Keine Zeichen einer Wolkenauflösung. Alles ist still, man sieht kaum Autos auf der Strasse.
Ich nehme die Ausfahrt nach Thusis und schon bald befinde ich mich auf einer Strasse, die sich den Heinzenberg hoch schlängelt. An der Kreuzung, wo man sich zwischen die Richtung Tschappina oder Sarn entscheiden muss, nehme ich den Weg nach Sarn. Weil ich mich hier noch nicht auskenne, fahre ich einfach der Strasse nach. Auch an Sarn selbst fahre ich vorbei, die Sesselbahn startet weiter oben. Es geht weiter und weiter. Hä? Habe ich den Wegweiser verpasst? Auf dem Pistenplan siehts ja gar nicht so extrem aus?! Ich verliere tatsächlich die Orientation - sowas kommt bei mir relativ selten vor. Ich fahre hier durch einen stark verschneiten Wald, die Strasse wurde gerade geräumt. Trotzdem hängen die Wolken direkt über mir. Etwas unheimlich. Und nirgends diese verflixte Sesselbahn!
Doch plötzlich stehen der Parkplatz und die Talstation der Sesselbahn vor mir. Bei der Heimfahrt kam mir die Strecke dann viel kürzer vor - logisch, nicht? Wenn man die Strecke kennt, gehts ja immer schneller...
Hier an der Talstation der Sesselbahn die gleiche Beschreibung: Alles eingeschneit, immer noch bewölkt. Erst wenige Autos, ich höre da und dort das Klappern eines Sessels. Ich kaufe mir eine Tageskarte. Hier vertraut man den Gästen noch, es ist bloss ein Pappkärtchen.
(Steht bei der Talstation, habs abfotografiert)
Kurze Zeit später fahre ich durch den stark verschneiten Wald, durch welchen die Sesselbahn führt. Alles ist still, die Bäume wirken starr. Kein Wind, nichts. Plötzlich Lärm... Bergstation in Sicht!
Es ist eine ältere Sesselbahn von Garaventa, welche in Lizenz von Doppelmayr gebaut wurde. Früher stand sie in Savognin, beim Neubau der dritten Sektion auf den Piz Martegnas 1998 wurde sie abgerissen. Im Jahr darauf baute Garaventa die Bahn hier in Sarn wieder auf, und ersetzte damit einen Skilift von Städeli ersetzte. Dessen Bergstation steht noch inklusive Antriebsscheibe.
Aus der Sesselbahn ausgestiegen schaue ich mich erstmal ein wenig um. Die Nebeldecke liegt höher als erwartet. Die Zweifel nagen wieder an mir. Ich hoffe, sie löst sich überhaupt auf!
Blick ins tief verschneite Domleschg. Endlich gibt es die ersten Anzeichen der Wolkenauflösung.
Gleich daneben startet der Skilift Alp Sarn, der auf die Sarnerhöhi, dem höchsten Punkt des Skigebietes, führt. Der Skilift ist endlich wiedermal einer der klassischen Sorte, steil, führt durch ein baumloses Gebiet, das Trassee ist teilweise handgemacht. Hehe, genau meine Art. Momentan bekomme ich von der Strecke so gut wie nichts mit: Der Skilift führt geradeaus in den Nebel. Na toll, hoffentlich ist es bei der Bergstation anders.
Tatsächlich löst sich der Nebel auf, je höher der Skilift hinaufführt. Genau beim Ausstieg befindet sich die Nebelgrenze. Hier scheint die Sonne, die frisch verschneiten Berge erstrahlen im Sonnenlicht.
Der Ausstieg befindet sich knapp oberhalb der Nebelgrenze. Kurze Zeit später steigt der Nebel wieder, danach sinkt die Grenze wieder.
Die Bergstation befindet sich etwas weiter oben, aufgrund Platzmangel.
Die letzten zwei Stützen, die Bergstation befindet sich weiter oben. Ich komme später dazu.
Die Stimmung hier ist einmalig. Kaum Menschen, immer wieder taucht ein Bügel in den Nebel hinein. Auch hier, alles wirkt steil, eingefroren, tief verschneit. Es ist auch hier sehr still, ich höre bloss das Ratteren, wenn ein Bügel die Rollen passiert. Ich geniesse diese beeindruckende Stimmung.
Blick zum Piz Beverin, dem Thusner Hausberg.
Die Piste ist noch nicht schön zu fahren, im Nebel sehe ich kaum meine Hand vor Augen. Wie bei mir üblich, rege ich mich bei solchen Sachen relativ schnell auf. Bringt bekanntlich auch nichts, so "fahre" (ich glaube, stolperfahren wäre ein besserer Ausdruck) ich weiter die Piste hinunter. Ich bin froh, unten angekommen zu sein. Allerdings fahre ich gleich nochmals hinauf, in der Hoffnung, dass diese einmalige Stimmung immer noch besteht. Wunderbarerweise sinkt die Nebelgrenze langsam, aber stetig, sodass ich oben diese Stimmung wiederfinde.
Zoom zur Bergstation.
Ein wahres, patriotisches Bild: Viva la Grischa!
Der Skilift Alp Sarn mit der einen roten Piste. Im Hintergrund die Mittelbündner Berge.
Eine weitere Piste führt aussenrum. Hier mit Blick zum Piz Beverin.
Blick zurück zum Skilift.
Das ist doch ein herrlicher Beginn!
Die Talstation befindet sich noch leicht unter der Nebeldecke. Diese wird aber mehr und mehr von der Sonne durchlöchert, sodass die ersten Strahlen auch Dultschegnas erreichen.
Blick auf die Strecke des Skilifts Alp Sarn. Ein langer, schneller und steiler Skilift mit anständigem Höhenunterschied!
Da sich die Wolken zurückziehen, entscheide ich mich für eine Talabfahrt zur Sesselbahn. Es ist herrlich. Niemand weit und breit, links und rechts von mir eine Menge verschneiter Bäume... Allein durch den Wald zu fahren ist immer ein Erlebnis. So sehe ich ein Eichhörnchen durch den frischen Schnee rennen. Schlussendlich taucht auch schon die Talstation der Sesselbahn Dultschegnas auf. Auch mitten im verschneiten Wald...
Talstation der Sesselbahn Lescha von Garaventa.
Talstation und Strecke. Ganz typische Garaventaanlage (in Lizenz von Doppelmayr).
Das einzige, was die Ruhe stört, ist das Klappern der Sessel, wenn sie die Stütze passieren. Gemütliche fahrt durch den Wald...
Etwas stört die Idylle doch: Der Schnee auf den Rollen und der Stütze schmilzt langsam, bei der Stützenüberfahrt wird man bespritzt - und das Fett (oder Öl, was das auch immer ist) das hinuntertropft, macht die Sache nicht gerade besser. Das ist natürlich ganz toll. Sich aber deswegen unnötig aufzuregen, bringts ja wohl auch nicht! Ich werde wohl erst nachmittags wieder mit der Sesselbahn fahren.
Wieder in Dultschegnas angekommen, werfe ich mich erstmal in den Schnee und reibe mir die Fetttröpfchen ab. Dann gehts weiter mit dem Skilift Alp Sarn. Der Lift ist von Städeli und besitzt eine hohe Geschwindigkeit. Interessanterweise besitzt er Stützen, die Städeli ansonsten bei Sesselbahnen verwendete - mir ist nur der ehemalige Skilift Pizzet bekannt, der auch diese Stützen besass.
Oben angekommen, fasse ich den Entscheid, die paar Höhenmeter zur Bergstation zu bewältigen. Vielleicht bietet sich von da oben auch ein Blick ins Safiental, das mich schon seit Ewigkeiten fasziniert?
Zuerst stolpere ich mal den anfangs steilen Hang hinauf. Danach wirds flach. Direkt neben der Bergstation befindet sich eine ganz kleine Anhöhe. Die Sarnerhöhi? Egal, da gehts hinauf. Von hier habe ich einen krassen 360°-Blick: Vor mit das wilde Safiental mit dem majestätischen Piz Fess. Rechts der Rhätikon, die Bergkette des Prättigaus, und die Bergstation. Hinter mir die fantastische Aussicht in Mittelbünden. Links von mir der Piz Beverin, der Thusner Hausberg und Chef der Domleschger Berge. Was will ich mehr? Hier oben werde ich jetzt erstmal eine Weile bleiben und Fotos schiessen.
Blick hinunter nach Tenna und dem Skilift Blachtaboda von Städeli.
Das Safiental. Bei diesem Blick frage ich mich, warum dieses einmalige Tal nur zwei kleine Gemeinden besitzt.
Solche Perspektiven gibt es auch nicht täglich. Bergstation Skilift Alp Sarn. Links die Präzerhöhi. In der Mitte hinten erkennt man die Rhätikonkette, insbesondere die Drusenfluh und die Drusenfluh.
Ach, ich will diesen Tag am liebsten nochmals erleben... Soo ein geniales Skigebiet!
So, nun hätten wir den Piz Fess auch abgelichtet. Eindrücklicher Berg mit 2880 Höhe.
Die Bergstation, daneben die kleine Anhöhe.
Nach diesem genialen Besuch der Sarnerhöhi gehts wieder zurück ins Skigebiet. Inzwischen geht es lebendig zu und her. Wer will schon so einen Skitag verpassen?
Dultschegnas im Überblick.
Unendliche Weiten am Heinzenberg! Wie sagte es einmal eine bekannte Persönlichkeit? Der Heinzenberg sei der schönste Berg der Welt.
Sarn ist ein wahres Freerideparadies. Das Gelände lädt förmlich zum Tiefschneefahren ein...
Ein typisches Beispiel eines Städeli-Skiliftes. Der Skilift Alp Sarn.
Langsam, aber sicher endet der Skitag für mich. Nach unendlich vielen Fahrten mit dem Skilift Alp Sarn gehts nun hinunter nach Lescha.
Die Sesselbahn Dultschegnas im Abendlicht.
Mein Fazit fällt ganz klar aus: Sarn gehört eindeutig zur Kategorie "unbedingt wieder". Wer würde dies nicht sagen, wenn das Skigebiet super abwechslungsreiche Pisten anbietet, top Tiefschneevarianten anbietet? Das Skigebiet gab mir das Gefühl als wäre ich ein alteingesessener Sarner - absolut heimelig. Genau deshalb bevorzuge ich Kleinskigebiete - weil ich mich hier stark mit den Einheimischen verbinden kann.
Wer alle Bilder anschaue will, der kann hier klicken: http://www.mircotscharner.ch/galerie/th ... p?album=38
Der Parkplatz in Lescha ist inzwischen gut gefüllt. Ich erinnere mich kurz an den Tagesbeginn, welche Stimmung hier herrschte - inzwischen erinnert nichts mehr daran. Es geht auch hier unten lustig-fröhlich zu. Ich schaue nochmals zurück auf die Sesselbahn, drehe mich um und steige ins Auto. Gleichzeitig geht die Sonne unter.