Schon als ich, nach viel zu kurzer Nacht, Richtung Schwyzer Talkessel losfuhr, zeichnete sich aber ab, dass der Wetterbericht einmal mehr kräftig danebengelegen hatte. Letztlich wurde der Tag wettermässig fast zu einer 1:1-Kopie meiner Davos-Expedition 5 Tage früher. Sonniges Traumwetter mit Pulverschnee, ab 14 Uhr dann rascher Bewölkungsaufzug, aber bis zum Abend trocken.
Auf die Gefahr hin, mit einem weiteren Mythenbericht unerwünscht viel Aufmerksamkeit auf dieses verkannte Juwel zu richten, möchte ich euch hier dennoch einige schöne Bilder und Eindrücke nicht vorenthalten
Eigenstiegen wurde natürlich in Rickenbach über die nigelnagelneue 8EUB Rotenflue. Eine tolle Bahn, auch wenn ich angesichts der geringen Förderleistung weit unter 1000 Personen/h schon grössere Wartezeiten befürchtete. Letztlich waren wir aber nach nur ca. 5 Minuten bereits in der Bahn. Die Tageskarte kostet übrigens gerade mal CHF43
8EUB Rotenflue, hinten der Namensgeber des Skigebietes
Bergstation
Blick von der Bergstation Richtung Osten
Der Schnee war wunderbar weich und in erstaunlich grosser Menge vorhanden. Denke da oben liegt bestimmt fast ein Meter, und selbst der Talboden war tief verschneit, obwohl nur auf 400 MüM gelegen.
Als erstes wurde die einzige schwarze Piste im Gebiet am Stägleren-Lift gefahren, danach gings via den Zwäcken rauf zum Brünnelistock.
Am Brünnelistock
Vom Brünnelistock führen Lifte und Pisten fast in alle Himmelsrichtungen. Wir fuhren zuerst eine der besten Pisten des Tages, die wunderbar geneigte Abfahrt am Grossenboden-Lift. Danach gings gleich weiter über die flache Piste bis ganz runter ins Handgruobi. Der ganze Hang hier mit immerhin insgesamt fast 500 Höhenmetern war wunderbar sonnig und perfekt zu fahren.
2SCH Handgruobi versus Urnersee
Voralpenidylle in Perfektion am Skilift Grossenboden
Nach den beiden langen Liften auf der Handgruobi-Brünnelistock-Achse fuhren wir zweimal die tollen, wenn auch etwas kurzen Pisten runter zur Ibergeregg. Hier wie überall kaum Wartezeiten und nur gering befahrene Pisten, schön coupiertes Gelände und Sonne satt
Skifahren ist hier aber schon noch Sport, denn eben, es gibt fast nur Skilifte und ab und zu muss auch mal kurz aufgestiegen werden, um eine Verbindungspiste zu erreichen, zum Beispiel wenn vom Brünnelistock zurück Richtung Holzegg gewechselt werden soll. Die Verbindungspiste Brünnelistock - Zwäcken - Stägleren erfordert zudem viel Schuss und ordentlich Saft in den Oberschenkeln
Am oberen Teil am Zwäckenlift liegts aber nicht, dieser ist schön geneigt und wäre auch für Wiederholungsfahrten geeignet, wozu wir aber keine Zeit hatten. Es sollte ja weiter Richtung Hagenegg im hintersten Teil des Gebietes gehen!
Talabfahrt Holzegg - Brunni. Schön, aber kaum frequentiert, da die Rückbringersituation mit der 15PB suboptimal ist.
Unten in Brunni mussten wir einige Dutzend Meter laufen, offenbar würde die blaue Abfahrt vom Zwäcken her direkter zur Hagenegg-Talstation führen. Ich gehe aber davon aus, dass die rote Abfahrt von der Holzegg attraktiver ist.
Die Hagenegg-Seite hat einen etwas anderen Groove, da sie von Zürich her direkter erreichbar ist. Entsprechend tummelten sich auf dem vollen Parkplatz sehr viele, sehr teure Autos mit ZH-Nummernschild, man hörte erstmals Hochdeutsch und gar Englisch und an beiden Hagenegg-Liften kam es zu kürzeren Wartezeiten von maximal etwa 3-4 Minuten. Die Pisten waren dennoch schön leer, da Skilifte halt keine sehr hohen Beförderungskapazitäten haben und zudem die meisten Lifte im Mythengebiet immer gleich mehrere Abfahrten bedienen.
2SCH Hagenegg 2, kurz vor der Bergstation
Hier am Brunni bin ich als Kind oft gefahren und so war es für mich sehr interessant, diesen Gebietsteil nach 20 Jahren wieder einmal zu sehen. Ich war erstaunt, wieviele schöne und interessanten Pisten es hier gibt! Sicher, die Einteilung in rote und blaue Pisten scheint rein willkürlich, aber die Neigung ist immer schön angenehm, ab und zu gibt es einen Steilhang oder ein flaches Stück und selbst Hintenrumvarianten sind im Angebot!
Eine weitere Stärke des Gebietes sind die vielen, vielen, sehr, sehr kleinen Beizen, wie dieses hier:
Vom Grossraumskigebietsrummel könnte man hier nicht weiter entfernt sein, und hat dennoch mindestens soviel Spass! In diesem Restaurant gabs übrigens genau 3 Tische. Alle voll... EInige Meter weiter unten gabs aber im Grillhüttli feine Bratwürste mit Suppe und einem Einsiedler Bier
Noch einmal 2SCH Hagenegg 2. Es zieht langsam zu.
Geniale Hintenrumpiste
Von der Bergstation Hagenegg wäre mit einem Swiss Knive Valley-Skipass für CHF53 übrigens der Wechsel zum Hochstuckli-Gebiet möglich. Hier im Forum kursieren ja einige wilde Geschichte über diese Verbindung, besonders über den Rückweg vom Hochstuckli her. Heute sah die Piste aber soweit gewalzt aus und ich denke, irgendwann muss ich das auch mal ausprobieren
Das Gebiet würde damit gleich noch einmal einiges weitläufiger.
Nach einigen weiteren Fahrten im überraschen vielseitigen Hagenegg-Bereich wechselten wir mit der 15PB Holzegg wieder in den Haupbereich zurück. Dies ging erstaunlich unkompliziert, es gibt eine Abfahrt direkt zur Talstation und wir erwischten gleich die zweite Gondel nach ca. 10 Minuten Wartezeit.
15PB Holzegg
Topaktueller Pistenplan in der Bergstation der PB Holzegg
Mittlerweilen hatte es nun zugezogen, der Kontrast war aber noch gut und wir fuhren nun einmal die Abfahrt zur Mittelsation der 8EUB Rotenflue. Sehr schöne, für das Gebiet lange und abwechslungsreiche Piste! Nur der Starthang war etwas vereist, sonst immer noch gute Verhältnisse.
Danach wechselten wir noch einmal rüber zum Handgruobi, denn die Schnappshütte hatte dort schon am Morgen unser Interesse geweckt
Näher am Skilift geht nicht: Terrasse der Schnappshütte
Zum Abschluss hatten wir uns noch die 1000 Höhenmeter-Abfahrt von der Rotenflue bis nach Rickenbach vorgenommen. Ab der EUB-Mittelstation handelt es sich um eine ungewalzte, teilweise sehr abenteuerliche Skiroute. War mehr Arbeit, als flüssiges Fahren, aber hat viel Spass gemacht und ich kam damit in diesem Winter schon zum zweiten Mal in den Genuss einer Abfahrt bis fast auf 500 MüM hinunter (nach der Beckenried-Abfahrt an der Klewenalp)! So kann es meinetwegen weitergehen, jetzt muss ich dann wohl mal wieder an den Pizol oder auf die Terza in den Flumserbergen
Ja, dies ist eine offizielle Skiroute...
Ich bin gespannt, ob die Route in den nächsten Jahren doch noch etwas ausgebaut wird, aber vorläufig kann man hier eine Abfahrt zwischen Obstbäumen, um Zäune herum und durch engste Waldpassagen geniessen. Wenn denn genug Schnee liegt...
Auch dieser Tag war wieder fast schon zu perfekt um wahr zu sein und das Mythengebiet hat mir, zugegebenermassen erwartungsgemäss, unheimlich gut gefallen. Nah, günstig, Top-Pano, klassische Voralpenidylle mit Güllen-Gestank und Abfahrten zwischen Bäumen und Bauernhöfen, Skilifte satt, interessante Abfahrten und kaum Wartezeiten. Ich werde wiederkommen!