Baqueira/Beret (ES), März 2015 - Vielfältig und schneereich

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Schneeloewe
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Baqueira/Beret (ES), März 2015 - Vielfältig und schneereich

Beitragvon Schneeloewe » 04.03.2016 - 23:19

Baqueira / Beret ist schon was besonderes unter den spanischen Skigebieten. Und hier meine ich jetzt nicht, dass hochpreisigen Hotels oder königlicher Besuch häufiger als anderswo in den Pyrenäen zu finden ist.
Seine Lage in den Pyrenäen macht es unter den spanische Skigebieten einzigartig, denn es liegt auf der "falschen" sprich eigentlich französischen Nordseite der Pyrenäen und profitiert damit von dem erheblich schneereicheren Klima.
Auch ansonsten kann das Skigebiet mit einer Vielzahl Pisten und meist modernen Liften in einer sehr abwechslungsreichen Landschaft punkten.
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Das Skigebiet bietet definitiv für jeden etwas. Anfänger, Fortgeschrittene, Tiefschnee- und Buckelpistenliebhaber sowie Funparkspezialisten haben alle Ihre Reviere, in denen sie sich tummeln können.
Es gibt allerdings eine Ausnahme: Liebhaber von schwarzen präparierten (!) Pisten kommen zu kurz, denn die wenigen schwarzen Pisten sind zwar steil und gekennzeichnet, aber halt nicht präpariert.

Kurzbeschreibung:
Anreise:
Der Ort ist über Vielha sowohl von Frankreich (Talstraßen) als auch von Spanien aus (Tunnel de Vielha) gut zu erreichen.
Die Straße hinter Baqueira über den Pass Port de la Bonaigua hat dagegen meist Wintersperre.
Allerdings scheint man heutzutage vom dahinter liegenden Val d'Àneu zumindest die Lifte am Pass meist erreichen zu können, da das eigentliche Problemstück die stark lawinengefährdete Zufahrt bei Baqueira zu sein scheint.

Skipass:
Tageskarte kostet 49 Euro.
Das Skipasssystem ist etwas umständlich. Die Pässe haben eine Barcode, der an Liften in Straßennähe, also knapp der Hälfte, den mit Handscannern bewaffnetem Liftpersonal gezeigt werden muss.

Lifte / Pisten:
34 Lifte erschließen 150 km Pisten. Das Verhältnis Pisten-km zu Lift ist sehr gut.

Offizielle Pistenpläne:
http://baqueira.es/estacion/mapa-pistas/
Im Vergleich dazu ein alter Pistenplan aus dem Jahr 1989:
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Offene Lifte:
Alle mit Ausnahme der reinen Verstärkerlifte 2SB La Choza, 3SB Solei, 4KSB Bosque und 3SB Argulls, die bei Bedarf, z.B. am Wochenende, fuhren.
Der Verstärker-KSSL Tuc de la Llanca 1 war dauerhaft defekt.

Offene Pisten:
Alle, nur waren sie nicht immer alle präpariert.
Schwarze Pisten waren in meiner Woche nicht gewalzt und wurden vermutlich auch sonst nie gewalzt.
Blauen und roten Pisten waren nur am ersten und letzten Tag komplett gewalzt, ansonsten nur knapp zur Hälfte.
Grund waren vermutlich Kapazitätsprobleme bei den Pistenbullys, die sich bei den heftigen Schneefällen auf die Hauptpisten (ca. 50 %) konzentrierten.
Hat mich jetzt nicht gestört...

Wetter:
Fast die ganze Woche wars in den Pyrenäen stark bewölkt und es schneite fast täglich. Die wenigen Sonnenstunden konnte man zählen. Die Bilder sind an verschiedenen Tagen aufgenommen worden.

Baqueira ist eine neu gebaute Hotel- und Apartmentsiedlung, die sich zum Teil sehen lassen kann.
Außer dass hier alles etwas größer gebaut wurde unterscheidet es sich nicht allzu sehr von den Orte unten im Tal.
Beispielhafter Ort unterhalb Baqueira:
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Hauptkirche im größten Talort Vielha:
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In Baqueira geht man zu Fuss zu den Liften oder nutzt die eng getaktete Bimmelbahn, die zwischen kostenlosem Hauptparkplatz am Ortsanfang und der EUB verkehrte.
An den Liftstationen im Ort selber gibt es keine Parkplätze.
Untere Talstation der EUB Baqueira in Baqueira-Ruda:
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Blick von Baqueira-Ruda gen 2. Talstation:
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Am oberen Ortsrand liegt die zweite Talstation mit Durchfahrbetrieb. Die Bimmelbahn stellt die Verbindung zum kostenlosen Hauptparkplatz her:
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Vom Hauptparkplatz kann man gut die Pisten und Lifte 6EUB Baqueira sowie 4KSB Bosque am Fuße des Hausberges Cap de Baqueira erkennen:
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Ortsansicht von der Piste aus mit der 4KSB Bosque im Vordergrund, die nur am Wochenende in Betrieb war:
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Die Ortschaft Baqueira-Tanau hat einen eigenen Zubringerlift, die 2SB Esquiros:
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Cap de Baqueira:
Die obere Häfte des Hausberges gliedert sich in einen weiten offenen Hang rechts und ein etwas zerfurchtes Gelände links:
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Für unsere Liftinteressierten etwas genauer:
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Die im obigen Bild von ganz links kommende 2SB gibt es seit dieser Saison (15/16) nicht mehr. Zuletzt noch als Verstärker tätig wurde sie mit den ganzen Liftneubauten überflüssig.

Ganz Links an der Flanke des Hausberg entlang führt die sehr lange 6KSB Jorge Jordana bis zum Gipfel hoch und erschließt m.M.n. den schönsten Bereich am Berg:
Rote Piste Tamara mit dem Blanhiblar im Bereich Beret im Hintergrund:
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Der mittleren Abschnitt mit kaum präparierten Pisten:
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Die Flanke von der nördlichen Seite (Beret) aus gesehen:
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Beret:
Die damals nagelneue 4KSB Jesús Serra stellt an der Talstation des 6KSB Jorge Jordana den Anschluss Richtung Beret her. Rechts sieht man noch die Reste des Vorgängerliftes:
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Auf halber Strecke liegt rechts der neue Schlepplift Saumet. Er erschließt von der präparierten Notspur abgesehen ausschließlich Tiefschneehänge.
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Zentrale und populärste Anlage in Beret ist die 6KSB Dera Reina. Oben sind die wenigen Pisten steil und überlaufen, nach unten verläuft es sich dann auf den weiten flachen Hängen.
Hier befindet sich auch der Funpark. Der parallele und neue Schlepplift ist ganz auf die Rennläufern hier zugeschnitten.
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Die schnelle 4KSB Blanhiblar erschließt auf der anderen Seite des Passes überwiegend sonnige, leichte bis mittelschwere (Tiefschnee-) Hänge:
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Der lange und leider langsame Schlepplift Costaruas bildet das zweite Glied der Liftkette und erschließt zusätzlich ein riesiges Gebiet am Nachbarberg Richtung Pass:
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Vom Blanhiblar aus hat man einen schönen Überblick auf die andere Seite des Passes wie hier mit der 3SB Clot de Beret (links) und der 6KSB Dera Reina (rechts):
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Das hintere Eck in Beret wird von den beiden 3SB Clot der Os und Pla de Beret erschlossen. Hier gibt's traumhafte Carving- und Anfängerpisten.
Leider sind beide Bahnen sehr, sehr langsam. Die längere von beiden benötigt im Schongang 20 Minuten rauf. Runter fährt man gemütlich und ohne Pause in 5 Minuten...
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Im hintersten Eck befindet sich die lieder langsame 3SB Dossau, die m.M.n. den schönsten Teil von Beret erschließt.
Lange leichte bis dunkelrote Pisten findet man hier und jede Menge Tiefschnee dazu:
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Das Gelände von oben aus; Notiz an unsere Fangzaunallergiker: Wenige Tage später fanden hier Rennen statt:
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Bonaigua:
Der Bereich beginnt hinterm Hausberg, im Hochtal von Argulls.
V.r. die 3SB Solei (Verstärker), v.l. 3SB Manaud, mittig 3SB Argulls (Verstärker) und wunderschön am Bergrücken entlang geführt 3SB Teso dera Mina:
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Die beiden 3SB Solei und Manaud zurück Richtung Hausberg:
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Die beiden KSSL Tuc dela Llanca, von denen nur der hintere funktionstüchtig war während der vordere sich dauerhaft in "Reparatur" befand.
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Die einzig interessante Piste hier ist die Muntanyd Richtung Pass. Die Fahrt mit der KSSL lohnt sich allein schon wegen der Piste zumal die beiden Alternativen Richtung Bonaigua überlaufen und nicht so gut trassiert sind.
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Blick auf den hintersten Berg im Skigebiet Cap de la Peülla, im Vordergrund der Pass Bonaigua 2072m:
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Um dahin zu kommen muss man am Pass die flache Tal-Berg-Berg 2SB Cap del Port nehmen und ggf. auch zurück, wenn man nicht schieben will.
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Der gesamte Lift im Überblick, links der Pass und rechts die zweiten Bergstation:
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Der Skiberg Cap de la Peulla wird von der lange 6KSB La Peülla erschlossen, die bis auf den Gipfel führt:
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Der Lift erschließt schöne und überwiegend mittelschwere Pisten, die meist leer sind.
An der Verzweigung rote Peülla links und schwarze Gerber geradeaus hat man einen guten Blick ins Val d'Aneu:
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Meine Lielingspiste Peülla ein paar Meter weiter:
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Die blaue Piste Pieta del Duc, Mittig der Pass und links der Ort Baqueira womit auch am Ende bin:
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Fazit: Gerne mehr! Trotz kleinerer Mankos wie die langen fixen Sessellifte oder die fehlenden echten schwarzen Pisten hat es Spass gemacht hier eine Woche zu verbringen.

Noch ein kleiner Nachtrag:
La Tuca:
Von 1972 bis 1989 gab es oberhalb von Vielha und Betren noch ein zweites Skigebiet. Alle Versuche einer Reaktivierung schlugen fehl.
Hier die letzten Spuren im Tal:
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Ein Kurzbeschreibung und Pistenpläne findet man auf Nevasport Teil 1 und Teil 2.
Eine Beschreibung der einzelnen Liftruinen aus dem Jahr 2012 findet man hier: http://www.remontees-mecaniques.net/bdd/station-la-tuca-399.html

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Re: Baqueira/Beret (ES), März 2015 - Vielfältig und schneere

Beitragvon Petz » 06.03.2016 - 04:29

Danke für den detaillierten Bericht; ganz offensichtlich sind die Spanier bei ihren Modernisierungen mehr betriebswirtschaftlich orientiert weil sie dort auf kuppelbare Anlagen verzichten wo es ne fixe SB auch noch tut und daher vernünftiger agieren.
Grüße von Markus

Modelliftseite Petz: http://www.modellseilbahnen.com

Man muß im Leben für seine Erfahrungen bezahlen, wenn man Glück hat bekommt man manchmal Rabatt (Oskar Kokoschka)

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Re: Baqueira/Beret (ES), März 2015 - Vielfältig und schneere

Beitragvon Kaliningrad » 06.03.2016 - 08:27

Danke für den ausführlichen Bericht mit schönen Aufnahmen!
Meine Güte, wie sehr sich die Gegend verändert haben muss...ich war im Dezember 1978 dort und konnte mich jetzt beim Anblick der Bilder an kaum etwas erinnern.

Schneeloewe
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Re: Baqueira/Beret (ES), März 2015 - Vielfältig und schneere

Beitragvon Schneeloewe » 06.03.2016 - 23:19

Danke an beide!

Kaliningrad hat geschrieben:Danke für den ausführlichen Bericht mit schönen Aufnahmen!
Meine Güte, wie sehr sich die Gegend verändert haben muss...ich war im Dezember 1978 dort und konnte mich jetzt beim Anblick der Bilder an kaum etwas erinnern.

Das war zwar mein erster Besuch hier in dem Gebiet aber was ich so weiß ist dass es sich an beiden Enden doch stark vergrößert hat. Und dazu kommen noch die zahlreichen Modernisierungen in den letzten Jahren in denen sich vor allem der zentrale Bereich oberhalb vom Ort verändert hat.

Petz hat geschrieben:Danke für den detaillierten Bericht; ganz offensichtlich sind die Spanier bei ihren Modernisierungen mehr betriebswirtschaftlich orientiert weil sie dort auf kuppelbare Anlagen verzichten wo es ne fixe SB auch noch tut und daher vernünftiger agieren.

Die fixen Sessellifte stammen mit einer Ausnahme alle von vor 1989. Danach wurden nur noch kuppelbare Sessellifte gebaut.
Und wenn ich ehrlich bin sollten m.M.n. von den drei fixen Sesselbahnen in Beret die beiden längsten ersetzt werden, denn die 20 minütige Fahrt kam mir wie eine Ewigkeit vor. Das ist höchstens bei Sonnenschein ein Vergnügen.
Aber grundsätzlich gebe ich Dir recht. Manchen Luxus finde auch definitiv zu viel des Guten.
Das hier in den letzten Jahren allerdings noch etliche Schlepplifte gebaut wurden hat mich dann auch etwas überrascht.
Vermutlich war neben den Kosten auch die Zielgruppe ausschlaggebend wie Renn- oder Tiefschneefahrer, da man heutzutage den normalen Skifahrer mit Schleppliften aus Tiefschneehängen, von schwierigen Pisten oder auch Anlagen für den Rennbetrieb fernhalten kann.

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Re: Baqueira/Beret (ES), März 2015 - Vielfältig und schneere

Beitragvon starli » 10.03.2016 - 12:51

Scheint ein paar nette Ecken dort zu geben.. nur etwas schade, dass der eine neue Freeride-SL da nicht als KSSL gebaut wurde ;-)
Da ich das neue, unübersichtliche Alpinforums-Design boykottiere, werde ich bis auf weiteres hier nichts mehr lesen oder schreiben -> meine Berichte könnt ihr weiterhin auf sommerschi.com oder meiner Seite blog.inmontanis.info lesen.

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Re: Baqueira/Beret (ES), März 2015 - Vielfältig und schneere

Beitragvon Ram-Brand » 29.05.2016 - 11:03

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Interessant das man für die Gondelbahn nur ein Abstellgleis ohne Überdachung gebaut hat.

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Anscheinend sind die Stützen im unteren Bereich wie bei den Eibergbahnen in der Skiwelt.
"OCTOPUS-LIFT" :-)
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