
Neben unserem großen Urlaub in diesem Jahr waren wir lange Zeit auf der Suche nach einem zweiten Ziel für einen Kurzurlaub. Skandinavien war eine Option, aber auch viele andere Länder fielen uns ein. Doch dann erinnerte ich mich an einen Bericht im Fernsehen über die Seilbahn zur Insel Dursey in Irland und so war relativ spontan ein Ziel gefunden.
Nach diversen Recherchen im Forum, etc. war ich eigentlich der Meinung, dass es wirklich der einzige „Lift“ in Irland war, doch wie so oft tauchte direkt nach dem Vorabbericht der erste Hinweis von Pilatus auf einen weiteren Lift auf. Mangels Internet in unserem B&B fand ich erst relativ spät die ersten Infos dazu - leider lag der Sessellift in Bray bei Dublin zu weit weg von unserem Aufenthaltsort, so fiel dieser LSAP-Trip (der Lift wurde wohl ca. 2000 abgebaut) leider aus. Dennoch hier noch ein paar Information zum „Chairlift to Bray's Head“, die auch uwater weiter unten teilweise angibt:
Thema in einem irischen Forum
Diskussion über eine Wiedereröffnung
Informationen in einem Dokument über Bray:
http://braytowncouncil.ie/media/documents/planning/Bray%20Head%20SAAO%202007%20Protected.pdf hat geschrieben:eagles nest
In 1932 the Eagles Nest ballroom and Café was built near the summit of the Head. The Eagles Nest was for many years the scene of popular dances and entertainment for locals and visitors alike. In 1946, Irish Holidays Limited bought the Eagles Nest and under the directions of Eamon Quinn built the Chairlift. The Chairlift ran from just above Fiddler’s Bridge to the Eagles Nest a height of 450 feet above sea level. The carrying capacity was 300 people per hour each way.
Bild vom Betrieb - Blick auf Bray
Aussicht von Bray's Head
LSAP-Bergstation
Bild vom Betrieb - unterer Teil der Trasse
Weiteres Bild
Fundamentreste an der Talstation
Bekanntes Bild von 1964 einer Coca Cola Lieferung (allerdings auf der Talfahrt) mit dem Sessellift
Trasse (gezeichnet von uwater)
Noch eine Postkarte...
Aber genug der Infos, es geht eigentlich um eine ganz andere Bahn.
Bei den diversen Berichten im Fernsehen sah es immer so aus, als würden sich nur einige wenige überhaupt ans Ende der Beara-Halbinsel verirren und ein kleiner Rest davon noch mit der Bahn fahren. Entsprechend nervös war ich die Tage vorher, ob es überhaupt mit einer Fahrt klappt. Am Vorabend in unserem B&B ergab sich dann ein ganz anderes Bild: die Bahn wird in allen Broschüren, Reiseführern, etc. erwähnt und ist - gerade in der Hochsaison - ein bekanntes touristisches Ziel. Anfang Juni hat man aber in Irland noch seine Ruhe, die Massen kommen erst Juli und August.
Nachdem wir für irisches Verhältnisses geradezu außergewöhnliches Wetter hatten (sonnige 25° lösen dort eher negative Bemerkungen aus, man hat es gerne mild und misty), fuhren wir direkt am ersten Tag von Glengarriff aus in Richtung Dursey Island los. Bis Castletownbere war die Straße in einem sehr guten, teilweise fast schon Autobahn-ähnlichem Zustand. Doch danach wurde es schlagartig eng, aber vielen Autos begegneten wir nicht mehr. Nach mehreren Kurven tauchte dann endlich die Bahn vor uns auf, der Parkplatz war fast leer und die Gondel hing an der Station.
Wir parkten und ich machte zuerst ein paar Bilder der Trasse, während oben schon der Liftler auftauchte und uns eine Fahrt anbot.

Ich versuchte, mit dem Liftler ins Gespräch zu kommen, um kurz den Antriebsraum besichtigen zu können. Aber er war relativ unbeeindruckt von meiner Geschichte, dass ich u.a. wegen der Bahn nach Irland gekommen bin. Er meinte, dass er so viele Anfragen von Fernsehteams hat (alleine im Herbst kommen zwei deutsche Produktionen) und den Trubel um die Bahn gewohnt ist, so dass ich gerne einen Blick ins Innere werfen kann. Vorbei am Schaltschrank und Steuerpult (alles relativ neu, die Bahn wurde erst vor einiger Zeit modernisiert) kommt man zum Antriebsschuppen:

Unten rechts stand der alte Motor, den man durch eine kleinere Version vorne an der „Umlenkscheibe“ ersetzt hat. Links in gelb steht noch Generator zur Notstromversorgung. Das Zugseil wird durch zwei Löcher ins Innere geleitet:

Da die Bahn am Vormittag nur bis 10:30 Uhr fährt und wir nicht bis zum Nachmittag auf Dursey bleiben wollten, mussten wir nun die erste Überfahrt in Angriff nehmen. 8 Euro return kosten zwei Tickets, dann geht es los...

Beim Start rumpelt es relativ stark, da die Kabine über die Halterungen fahren muss, danach hört man aber nur noch wenig...

Nach dem Überfahren der Stützen beginnt das große Spannfeld, welches etwa eine Höhe von 30m hat. Im Meer unten gibt es starke Strömungen, abstürzen möchte man hier nicht. Es ist auf jeden Fall ein Erlebnis, mit einer Seilbahn über das Meer zu fahren (eine DSB würde die Sache noch aufregender machen)

Blick aus dem Fenster zur Verbindung des Zugseils

Blick zurück zur „Talstation“ mit Parkplatz und Stütze

Sobald die Kabine die Position erreicht hat, stoppt die Bahn automatisch und die Halterung oben gibt die Türen frei.

Detailbild

„Bergstation“, hier verbleibt die Kabine auch, wenn die Bahn nicht in Betrieb ist. Die Straße verläuft einige Zeit über die Insel zur einzigen Siedlung auf Dursey, wo aktuell noch drei Familien leben...

Die Bahn machte sich direkt wieder auf den Rückweg, da mittlerweile vier Wanderer auf der anderen Seite angekommen waren

Die Wartezeit auf die Rückfahrt verkürzte ich mir mit der Suche nach Überresten...

...und dem Fotografieren der Bahn

Ein altes Tragseil lag einfach im Gras herum...

Die Bahn näherte sich wieder und so konnte wir bald die Rückfahrt antreten.

Haltepunkt mit elektronischer Überwachung


Detailblick auf die Sicherung der Türen

Wir kommen sicher wieder und werden dann einen halben Tag auf Dursey verbringen, doch heute hatten wir noch andere Ziele auf dem Programm (u.a. die LSAP-Minen auf der Halbinsel).

Blick in die Kabine

Abspannung - Gewichte Fehlanzeige

Austrittsöffnung für das Zugseil

Im Detail

Ein paar Bauern von Dursey nutzen zwischenzeitlich die Bahn, um Nahrungsmittel und andere Sachen auf die Insel zu transportieren. Es gibt zwar auch eine Fähre, doch verkehrt diese nur sehr selten. Der Liftler steht - während die Bahn läuft - in der Sonne und genießt den Ausblick. Nach Schichtende radelt er dann einfach ins nächste Dorf. Dann noch die üblichen Geschichten: Einheimische und Tiere haben Vorrang vor Touristen (von denen es wohl im Sommer sehr viele gibt), die Überfahrt dauert ca. 7,5 Minuten.

Ein letzter Blick zur Station

Und ein allerletzter Blick zurück auf den Dursey Sound....
