Buchtipp: Die Kunst des Skifahrens

Medienberichte rund um den Wintersport: Aktuelle TV-Tipps, Presseartikel, Unfallmeldungen und Diskussionen zu Nachrichten aus der Alpinwelt.
Antworten
Benutzeravatar
snowflat
Moderator
Beiträge: 16035
Registriert: 12.10.2005 - 22:27
Skitage 25/26: 3
Ski: ja
Snowboard: nein
Hat sich bedankt: 249 Mal
Danksagung erhalten: 3471 Mal
Kontaktdaten:

Buchtipp: Die Kunst des Skifahrens

Beitrag von snowflat »

Klingt ja interessant, mal sehen ...
Buchtipp: Elegant in den Winter

Bald fällt der erste Schnee in den Bergen und Tälern, und sportliche Menschen wedeln wieder die Pisten hinab. Zum Auftakt der Saison eine kleine Geschichte über die Kunst des Skifahrens.

Von Bettina Seipp

Bild
Die Kunst des Skifahrens
Foto: Brandstätter-Verlag


Berlin - Der Erste Weltkrieg liegt erst drei, vier Jahre zurück, es ist Winter, und die Boulevards der europäischen Städte sind an den Wochenenden wie leer gefegt. Das gesellschaftliche Leben liegt buchstäblich auf Eis. Denn wer es sich leisten kann, verbringt die kalte Jahreszeit in St. Moritz, Garmisch-Partenkirchen, Chamonix oder Davos - und aufs Feiern versteht man sich dort auch: "Wenn es um das Gefühl von Entdeckung ging, um Exklusivität und Gesellschaftsleben, so waren die frühen Tage des Skifahrens wohl so etwas wie das Goldene Zeitalter", schreibt Jenny de Gex. Die Britin ist Reisebuchautorin und Sammlerin von Plakaten des frühen 20. Jahrhunderts, zwei Leidenschaften, aus denen sie ein faszinierendes Buch gemacht hat: "Die Kunst des Skifahrens", das eben im Buchhandel erschienen ist.

Es ist ein bewusst doppeldeutiger Titel, der beide Anliegen der Autorin fasst: Einen kurzen Abriss der europäischen und amerikanischen Skisportgeschichte zu geben und sie mit den besten Lithografien dieser Zeit zu illustrieren.

Das Ergebnis ist ein glamouröses Sittenbild der Roaring Twenties, einer Zeit, als sich das Reisen demokratisierte und zum Massenphänomen entwickelte. Als Reedereien, Bahnfirmen, Luftfahrtunternehmen, Kurorte und sogar einzelne Hotels begannen, massiv um die Gunst der Urlauber zu buhlen. Und die lautmalerische Bildsprache der Plakatkünstler entsprach genau dem Mitteilungsbedürfnis der erwachenden Touristikindustrie.

Schon bald genoss das Medium Plakat, das inzwischen auch die Politik für sich entdeckte (man denke nur an John Heartfield), inflationäre Verbreitung. Was dazu führte, dass die Grafiken immer plakativer, respektive moderner wurden. Der typische 20er-Jahre-Stil kristallisierte sich heraus, der wie kein anderer das mondäne, um nicht zu sagen dekadente Lebensgefühl dieser Generation ausdrückte.

So ziert das Buchcover eine Grafik Roger Broders', die verblüffend den Arbeiten von Tamara de Lempicka ähnelt. Die aus Polen stammende Künstlerin war als Art-déco-Malerin eine Berühmtheit im Paris der 20er-Jahre. Typisch für diese Zeit sind selbstbewusste, an kühle Filmdiven erinnernde Frauen mit Kurzhaarschnitt und ausgestattet mit "Insignien" des Wohllebens wie Champagner, Zigarette, Telefon - oder eben Ski. "Die einfallsreiche Eleganz dieser Zeit zeugt von einem Gefühl der Sorglosigkeit und bringt einen Mythos aus Träumen und Wünschen unter die Leute ...", kommentiert Jenny de Gex.

1933, drei Jahre nach der Plakatierung von Broders' genialer Lithografie, wurde die Fédération Française de Ski gegründet, womit die Franzosen das Skifahren erst ziemlich spät adelten. Es waren die Amerikaner, die 1867 den ersten Club in La Porte, Kalifornien, gründeten. Allerdings mit logistischer Unterstützung der Skandinavier, die als Einwanderer das Wissen, wie man Ski fährt, in die Neue Welt brachten. So wie nach Australien, wo 1876 der erste Ski- und Schneeschuhclub aus der Taufe gehoben wurde und damit ein Jahr früher als in Norwegen. 1901 formierte sich der erste italienische Skiclub in Turin, ab 1904 gab es schweizerische, deutsche und österreichische Skiverbände. Dann ging alles sehr schnell: 1924 wurden die ersten Olympischen Winterspiele in Chamonix ausgetragen und die Fédération Internationale de Ski (FIS) gegründet.

Die Entwicklung des Skifahrens weltweit, die Höhepunkte der Plakatkunst dieser Zeit und die Einflüsse von Politik und Gesellschaft auf den Sport - eine verwirrende Gemengelage, durch die sich Jenny de Gex sprachlich leicht und elegant arbeitet. Mit einer winzigen Einschränkung vielleicht: So stellt sie im Kapitel über Deutschland den Protest der Briten gegen die Ideologisierung des Sports während der Olympischen Winterspiele 1936 heraus, was zwar richtig ist, aber für die Geschichte unerheblich. Interessanter an dieser Stelle wäre der Hinweis gewesen, dass die Nazis bis zum Überfall auf Polen 1939 massiv um ausländische Devisenbringer warben und viele Plakate deshalb englisch verfasst waren.

Fazit: Mit dem Buch aus dem Wiener Christian-Brandstätter-Verlag (160 Seiten, 34 Euro) kann man sich stilvoll auf die kommende Wintersportsaison vorbereiten.

Artikel erschienen am 28.11.2006

Quelle: Welt
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!

Benutzeravatar
snowflat
Moderator
Beiträge: 16035
Registriert: 12.10.2005 - 22:27
Skitage 25/26: 3
Ski: ja
Snowboard: nein
Hat sich bedankt: 249 Mal
Danksagung erhalten: 3471 Mal
Kontaktdaten:

Beitrag von snowflat »

Aus der FAZ:
Plakate
Eine illustrierte Geschichte des Wintersports


Von Jakob Strobel y Serra

Es ist ein Kunststück, so formvollendet die Berge hinunterzuschweben wie das seltsame Paar, das auf einem Plakat aus der goldenen Frühzeit des Skifahrens für Chamonix und den Montblanc wirbt. Die Frau und der Mann sehen aus wie Hochseilartisten an der frischen Luft oder wie verirrte Turmspringer, sie könnten auch Vögel im Gleitflug sein oder Drachen im Wind, rätselhafte Wesen in unnachahmlicher Haltung - kein Mensch von Verstand jedenfalls würde so die Piste hinunterfahren.

Doch es geht hier um etwas anderes als Realismus: Es geht um Überhöhung und um die komplizenhafte Freude, mit der das Paar die Betrachter anblickt, als wollte es ihnen sagen: Nichts Schöneres gibt es auf Erden als die Verlockung des Schnees. Genau diese Begeisterung, die sich noch den Luxus der Naivität leistet, ist das Leitmotiv der meisten Plakate, die Jenny de Gex in ihrem fabelhaften Bildband zu einer illustrierten Geschichte des Skifahrens zusammengetragen hat.

Pathetisches Tremolo
Die Bilder aus der Zeit von 1890 bis etwa 1950 erzählen von verwegenen Pionieren und ihren eleganten Epigonen und sind dabei immer Kinder ihrer Zeit, geboren im Schoß der Kunststile, die gerade in Mode waren. So finden Expressionismus, Futurismus, Suprematismus, Bauhaus und Art déco ihren Weg auf die Piste.

Manchmal wird sie auch propagandistisch mißbraucht, etwa wenn Ludwig Hohlwein für die Olympischen Spiele von Garmisch-Partenkirchen 1936 einen Skifahrer den Arm heben und dabei offenläßt, ob es der Hitler-Gruß oder eine Siegesgeste ist. Der Text rekapituliert mit pathetischem Tremolo die Historie des Wintersports in Europa und Nordamerika, läßt alle Heroen noch einmal aufmarschieren, Sir Arnold Lunn, die Brüder Richardson, Mathias Zdarsky, natürlich den großen Hannes Schneider - und wirkt dabei immer wie ein Echo der Plakate.

Trost der Verklärung
Denn auch sie berauschen sich an Pathos und Heroik, schwelgen in Grandiosität, lassen sich bereitwillig überwältigen von der Bergwelt, denn das ist ihre Botschaft: Die schneeweiße Natur versetzt den Menschen in Hochstimmung, sie weckt vorbehaltlos Bewunderung, ein Gefühl, das in unserer technisierten Welt keinen Platz mehr hat. Heute sind die Berge verdrahtet, vertraut, heute ist man zu abgebrüht, um die Arme jubelnd in die Höhe zu werfen wie jene Italienerin mit gewagtem Dekolleté vor der Kulisse des Matterhorns, die auszurufen scheint: So wunderbar ist diese Welt, ich sehe sie zum ersten Mal.

Und deswegen wird wohl jeder sehnsüchtig beim Betrachten der Plakate. Es ist die Sehnsucht nach den Anfängen, der vermeintlichen Unschuld des Skifahrens, nach einer Zeit ohne Blechlawinen, Umweltdebatten und Ballermann-Partys, nach der Naivität der Kindheit, die nichts wiederbringen kann. Was uns bleibt, ist der Trost der Verklärung.
„Die Kunst des Skifahrens“ von Jenny de Gex, Christian Brandstätter Verlag Wien 2006, 160 Seiten, Gebunden, 49 Euro, ISBN 3-902510-77-3

Text: F.A.Z., 07.12.2006, Nr. 285 / Seite R8
Bildmaterial: Christian Brandstätter Verlag
Bild
So schön fliegen die Menschen nur auf Plakaten
© Christian Brandstätter Verlag

Bild
Ärmellos am Matterhorn: Plakat von 1953
© Christian Brandstätter Verlag

Bild
Norweger sind geborene Skiläufer: Plakat von 1951
© Christian Brandstätter Verlag

Bild
Eleganz in Vollendung: Österreich wirbt mit Ästhetik
© Christian Brandstätter Verlag

Bild
Das Ziel fest im Blick: FIS-Rennen in St. Moritz 1933
© Christian Brandstätter Verlag

Bild
Nicht der letzte Schrei der Wintermode, sondern wärmende Unterwäsche
© Christian Brandstätter Verlag

Bild
"Die Kunst des Skifahrens" von Jenny de Gex
© Christian Brandstätter Verlag
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
Benutzeravatar
GMD
Ski to the Max
Beiträge: 12604
Registriert: 25.02.2003 - 13:09
Skitage 25/26: 0
Ski: ja
Snowboard: nein
Hat sich bedankt: 39 Mal
Danksagung erhalten: 211 Mal

Re: Buchtipp: Die Kunst des Skifahrens

Beitrag von GMD »

Noch ein Buchtip.
Vom Pioniergeist zum Massensport - 100 Jahre Skisport im Montafon [Brugger]
Sachbücher/ Dokumentationen / Oesterreich [D - 2006]

Im Winter 1906/07 trafen sich in Schruns und Tschagguns eine Handvoll wintersportbegeisterter Männer, die zwei Wintersportvereine gründeten. Sie widmeten sich vor allem dem Rodelsport und wurden zu jener Zeit noch sehr oft milde belächelt. In der Zwischenkriegszeit begann der Skisport langsam Fuß zu fassen, der Durchbruch gelang jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg als auf Grabs in Tschagguns der erste Sessellift Vorarlbergs gebaut wurde und dort 1947 die ersten österreichischen Skimeisterschaften der Nachkriegszeit stattfanden. In den folgenden Jahrzehnten fanden immer wieder Skigroßveranstaltungen im Tal statt, wie beispielsweise die Internationalen 2-Pisten-Rennen in den 1950er Jahren und die Goldschlüsselrennen zwischen 1963 und 1983. Zudem stammen viele international erfolgreiche SkisportlerInnen aus dem Montafon. Die bekannteste von ihnen ist sicherlich die Olympia- und Gesamtweltcupsiegerin Anita Wachter.

Der Autor gibt in diesem Buch einen umfassenden Überblick über die Entwicklung der insgesamt neun Wintersportvereine und Skiclubs im Tal, denen seit 1949 der Skiclub Montafon als Dachverband übergeordnet ist.
Probably waking up
Antworten

Zurück zu „Medienberichte“