Schwindener Permafrost wird gefährlich-Seilbahnen betroffen

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Jay
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Schwindener Permafrost wird gefährlich-Seilbahnen betroffen

Beitrag von Jay »

Die Sonntagszeitung berichtet:
» Der Bund hat erstmals die Übersicht, wo der schwindende Permafrost gefährlich wird

Von Matthias Halbeis und Simon Bärtschi

Zürich - Rekordtemperaturen lassen den seit Jahrtausenden gefrorenen Untergrund in den Alpen, den so genannten Permafrost, auftauen. Wo dies passiert, drohen Steinschlag, Felssturz oder Murgänge.

Jetzt liegt erstmals eine genaue Übersicht jener Permafrostgebiete vor, deren Auftauen Gefahren birgt. Die Zusammenstellung haben drei Ingenieurbüros gemeinsam mit dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) mittels Modellierungen gemacht. «Die Erkenntnisse werden wir an die Kantone weitergeben, damit diese ihre Gefahrenkarten überprüfen und allenfalls anpassen können», sagt Hugo Raetzo von der Bafu-Abteilung Gefahrenprävention.





Laut Naturgefahrenexperte Wilfried Haeberli, Professor an der Uni Zürich, nimmt die Wahrscheinlichkeit für Grossereignisse mit Schäden in besiedeltem Gebiet zu (siehe Interview). Besonders gefährdet sind folgende Regionen (siehe Karte):

q Saas Balen VS: Auftauender Permafrost macht den Rand eines Gletschersees oberhalb des Dorfes instabil. Es besteht die Gefahr von Flutwellen.

q St. Moritz GR: Im Norden des Nobelorts und am gegenüberliegenden Hang befindet sich Permafrost. Beim Aufschmelzen drohen Steinschlag und Murgänge. q Stausee Grand Dixence VS: Von den Hängen oberhalb kann Material in den See stürzen. Es kann zu Flutwellen mit fatalen Folgen für die unterhalb des Sees liegenden Siedlungen kommen.

q Zermatt VS: Das Dorf ist auf drei Seiten von Permafrosthängen umgeben, die in kurzer Distanz zum Siedlungsgebiet liegen.

q Oeschinensee ob Kandersteg BE: Eisabbrüche aus fünf Gletschern können eine Flutwelle verursachen. Folgen für Kandersteg können laut einer Studie der Uni Zürich nicht ausgeschlossen werden.

Der überdurchschnittliche Sommer 2006 beschleunigt die Entwicklung. «Die Temperaturen an vier ausgewählten Stationen oberhalb von 2000 Metern über Meer liegen etwa 3,5 Grad über dem langjährigen Durchschnitt», sagt Meteo-Schweiz-Mitarbeiter Thomas Schlegel. Auf dem Gütsch in der Zentralschweiz wurde mit 8,7 Grad die zweithöchste Tagesmitteltemperatur seit Messbeginn 1981 registriert. Auch auf dem Säntis war es mit 6,6 Grad ausserordentlich warm.

Ein Dutzend Luftseilbahnen gelten als problematisch

Das Auftauen des Eises hat auch für die Bergbahnen Folgen: Die Stationen oberhalb von 2500 Metern über Meer rutschen auf dem instabilen Untergrund weg. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) stuft wegen des schwindenden Permafrosts rund ein Dutzend Luftseilbahnen als problematisch ein. Welche es sind, will das BAV nicht sagen.

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Stefan
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Beitrag von Stefan »

ein bisschen Spekulation:
Felskinn/Saas Fee (?);
Schilthorn (?);
und definitiv der Corvatsch:

aus http://www.wissenschaft-online.de/abo/ticker/845815:
Knapp zehn Prozent aller Seilbahnen der Schweiz sind zudem über Permafrost gebaut: Standorte, die zukünftig vermehrt wackelig sein dürften. Experten rechnen allein bei den Corvatschbahnen in den kommenden zehn Jahren mit zehn Millionen Franken Zusatzkosten durch Schäden an den Anlagen - nicht eingerechnet mögliche Verluste im Tourismusgeschäft. Die Betreiber vertrauen jedoch auf vollständige Handhabbarkeit dieser Schwierigkeiten.

und von http://www.sonntagszeitung.ch/dyn/news/ ... 46219.html:
Die Wärme setzt auch dem nicht sichtbaren Eis in den Bergen zu, dem Permafrost in den Böden. Auf dem Schilthorn im Berner Oberland war die Schicht, die 2003 auftaute, neun Meter tief statt fünf Meter wie früher. «Der Sommer 2003 bewirkte Veränderungen, die auch 2004 noch nachwirkten», sagt der Permafrost-Experte Daniel Vonder Mühll. Weil es im Herbst 2003 früh schneite, blieb die Wärme unter der Schneedecke in den Böden gespeichert. 2004 taute der Boden auf dem Schilthorn bis in eine Tiefe von 6,8 Metern auf.

Die Folgen des Auftauens sind bekannt; die Beispiele von Grindelwald lassen sich ergänzen: Es gab Felsabbrüche am Matterhorn und am Piz Bernina; Wege im Matter- und im Saastal mussten neu gelegt, die Bergstation der Lagalbbahn in Pontresina GR frisch verankert werden. In Engelberg OW bangt man ums Sommerskigebiet auf dem Titlis.
Wombat
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Beitrag von Wombat »

@Stefan
Mit 3020m gehört der Titlis sicher auch zu den gefärdeten Stationen.
Und am Gemstock mussten sie ja auch schon sicherungs Masnahmen ergreifen. Die Frage ist: reicht das.

Aber mir kommen weiter in Sinn die evtl. gefärdet sind.
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Am Hohsaas haben sie hoffentlich die neue Station am richtigen Ort gebaut.
JB007
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Beitrag von JB007 »

Stefan hat geschrieben:Schilthorn (?);
Wenn ich richtig informiert bin, ist denen vor Jahren mal der Boden der Raupen-Garage weggerutscht, da war am nächsten Tag einfach nur ein Loch. Außerdem wurden meines Wissens vor nicht allzu langer Zeit die Seilverankerungen der Bahn repariert, nehme mal an, dass das ebenfalls mit dem schwindenden Permafrost zu tun hat.
Jay
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Beitrag von Jay »

Die Sonntagszetung berichtet:
»Betreiber weichen Experten-Warnungen aus - und damit millionenteuren Sanierungen

Von Simon Bärtschi und Matthias Halbeis

Zürich/Bern Schweizer Bergbahnbetreiber ignorieren die Probleme, welche das Auftauen des Permafrostes in den Alpen verursacht. Diesen Vorwurf erheben zwei Naturgefahren-Experten, die Bergbahnen beraten. «Es gibt Berufsoptimisten unter den Betreibern, die Schwierigkeiten negieren. Ich gehe davon aus, dass zehn Luftseil- und Sesselbahnen wirklich Probleme haben», sagt Felix Keller, Leiter des Instituts für Tourismus und Landschaft an der Academia Engiadina in Samedan. Auch Geophysiker Daniel Vonder Mühll von der Universität Basel warnt: «Die Bahnen fürchten neue Investitionen und Imageeinbussen. Sie wollen die Probleme nicht wahrhaben.» Um welche Bahnen es sich dabei handelt, wollen die Experten nicht sagen.





Wie Experte Keller stuft auch das Bundesamt für Verkehr (BAV) ein Dutzend Bahnen als problematisch ein, ohne konkrete Angaben zu machen. «Die Probleme offenbaren sich meistens im September. Wir werden speziell ein Auge darauf richten», sagt BAV-Sprecher Davide Demicheli.

Der Verband Schweizer Seilbahnen (SBS) weist die Vorwürfe der Experten aber zurück. «Wir haben weder ein Sicherheitsproblem noch Mitglieder, welche die Schwierigkeiten herunterspielen», sagt Peter Vollmer, Direktor des SBS. Man nehme die Entwicklung sehr ernst und erwarte, dass sich sämtliche Bahnen an die Sicherheitsrichtlinien hielten. Die Aufsicht indes liege letztlich beim Bund.

Wenns bröckelt, müssen Millionen investiert werden

Schmelzendes Eis in den Bergkuppen führt dazu, dass Fundamente der Bergstationen in Bewegung sowie Stützen und Pfeiler aus der Ideallinie geraten.

Bröckelt der Berg, helfen nur noch millionenteure Sanierungen. Das zeigen folgende Beispiele:

- Corvatsch GR (siehe Bild): Die Bergstation liegt auf zerklüftetem Fels. In zwei Jahren soll für 12 Millionen Franken ein Neubau entstehen. Die Verantworltichen erwogen einen alternativen Standort für den Neubau, dieser wurde aber aus Kostengründen verworfen. Die Station muss ständig überwacht werden.

- Gemsstock UR: Betonmörtel, sechs Meter lange Felsanker und Armierungsnetze befestigen die Station. Die Anlage steht ebenso unter ständiger Beobachtung.

- Zermatt VS: Bei zwei Bahnen (BlauherdRothorn) und (Gant Hotälli) rutschen Masten. Jetzt sollen verschiebbare Fundamente helfen.

- Lagalb GR: Die Bergspitze hält dank 700 Tonnen Stahl und Beton. Sanierungskosten: eine Million Franken.

Einen aktuellen Überblick über die Permafrost-Situation bei den insgesamt 2400 Bergbahnen gibt es nicht. Die letzte wissenschaftliche Untersuchung stammt aus dem Jahre 1998. Die Studie zeigt: Jede siebte Berg- oder Sesselbahn liegt im Permafrost. Das EU-Projekt «Europerm», das eine Bestandsaufnahme bei den Bahnen im Alpenraum zum Ziel gehabt hätte, kam wegen fehlender Finanzen im Dezember 2004 nicht zu Stande.

In der Seilbahnbranche spricht man trotz Beteuerungen von Verbandsdirektor Vollmer höchst ungern über die wegrutschenden Hänge: «Ein heisses Eisen», sagt ein Walliser Bergbahnchef.
Michael Meier
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Beitrag von Michael Meier »

Crans Montana hat keine Probleme, denn die Funitel Bergstation steht nicht auf Permafrostboden. Allerdings erhebliche Probleme hat die Gemsstock Bergstation. Zwischen dem Dach und der Wand im Hinteren teil der Station klüftet ein 8cm grosser Spalt. Armierungen mussten abgetrennt werden.
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Theo
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Beitrag von Theo »

Da wäre ich jetzt erstaunt gewesen wenn unsere zwei Bahnen nicht aufgelistet worden wären.
Das Problem war bei uns allerdings schon beim Bau bekannt.
Höhtällibahn Stütze 1 ist in Rutschgebiet, allerdings ist es dort sehr flach und nicht direkt auf Felsen. Stütze 2 wurde auch so plaziert wo am wenigsten Gefahr bestehen sollte, Stütze 3 hat Felsanker.
Bei der Rothornbahn ist Stütze 1 leicht in Bewegung. Hier hat jedes der vier Stützenfundamente je drei Felsanker welche 30m tief in den Boden gehen.
Stütze 1 hat sich bis jetzt ca. 6cm bewegt. Das ist also recht wenig für 10 Jahre. Ein bisschen ein problem ist, dass nicht alle vier Fundamente gleich viel bewegten.

ich will jetzt nicht behaupten wir hätten keine Probleme und werden nie welche bekommen, wenn man aber schon beim Bau sich mit sowas befasst erlebt man später aber auch keine bösen Überraschungen mehr.
Wombat
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Beitrag von Wombat »

Michael Meier hat geschrieben:Crans Montana hat keine Probleme, denn die Funitel Bergstation steht nicht auf Permafrostboden.
Die Bergstation steht doch auf ca. 3000m oder? Und da soll es keinen Permafrost haben? Auch wenn die Station auf Fels steht, heisst das noch lange nicht, dass es keine Probleme gibt, siehe Corvatsch.
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Beitrag von Michael Meier »

2900 und ein paar zerquätschte. Ist aber ein reiner Südhang. Da gibts schon lange kein Permafrost mehr. Der ganze Berg da oben ist schon zerbröselt. Die Funitel hat einen 25m tiefen Spannschacht bekommen ohne dass man auf Permafrost gestossen ist.

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snowflat
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Beitrag von snowflat »

Zum Thema schwindender Permafrost:
Permafrost: Der Kitt der Alpen löst sich langsam auf

Am Mittwoch stürzten am Ötztaler Gletscher 15.000 Kubikmeter Fels und Stein in die Tiefe.

Bild
^^ Zerbröselnde Berge gefährden Tirols Gletscherskigebiete.
Bild: Böhm


Dass die Alpen auftauen, ist in Tirol schon seit geraumer Zeit zu beobachten. Beispiel Weißseespitze im Kaunertal: "Die Nordflanke zerbröselt regelrecht. Aber auch andere Gipfel und steile Felsflanken sind betroffen", weiß a.o. Univ.-Prof. Karl Krainer vom Institut für Geologie und Paläontologie der Universität Innsbruck.

Beton-Spritzen für Berg
Ähnliches kann Josef Essl von der OeAV-Abteilung Raumplanung berichten: "Der Übergang von der Neuen Regensburger Hütte zur Dresdner Hütte in den Stubaier Alpen musste wegen ständigen Steinschlags teilweise verlegt werden."

Noch massivere Maßnahmen waren am Sonnblick-Gipfel in den Hohen Tauern in Salzburg notwendig: Nur Betoninjektionen verhinderten dort, dass Gebäude in die Tiefe abrutschten.

Viele Ereignisse, die eine Frage berechtigt erscheinen lassen: Drohen die Alpen zu zerbröseln? Ja, lautet Univ.-Prof. Karl Krainers Antwort.

Grund ist einmal mehr die Klimaerwärmung: Diese würde nämlich nicht nur Gletscher schwinden lassen, sondern auch den Permafrost zum Auftauen bringen. Dabei handelt es sich um ständig gefrorene Böden oder Felsgesteine, die in Tirol ab einer Höhe von 2400 Metern auftreten - "und beträchtliche Flächen ausmachen", wie Krainer betont.

Mehr Steinschlag
Schmelzen Permafrostbereiche, hat das schwerwiegende Auswirkungen. So rechnet Krainer damit, dass sich in Tirol durch die instabil gewordenen Gebiete Steinschlag- und Felssturzereignisse häufen werden.

Möglich seien zudem Vermurungen bis in Siedlungsräume durch den "höheren Wasserabfluss". Auch die fünf Tiroler Gletscherskigebiete könnten zusätzliche Probleme bekommen: "Wird der Untergrund instabil, kann das den Skilauf gefährden", sagt Krainer.

"Die alpinen Gefahren werden zunehmen", blickt Josef Essl ebenfalls sorgenvoll in die Zukunft. So müsste man nicht nur damit rechnen, dass OeAV-Hütten aufgrund des dahinbröckelnden Untergrunds unsicher werden.

"Wer weiß, ob man in einigen Jahren noch alle hochalpinen Touren im Sommer machen kann", weist Essl auf Steinschlag und Felsstürze hin.

Unwissenheit als Gefahr
Doch der auftauende Permafrostboden stelle nicht nur wegen der unangenehmen Folgen eine Gefahr dar: "Anders als in der Schweiz oder in Südtirol wissen wir in Österreich nicht genau, wo es Permafrostböden gibt. Das Problem wurde bislang kaum untersucht und daher oft unterschätzt", sagt Karl Krainer. Felsstürze, Steinschlag und Muren könnten also auch dort auftreten, "wo man es nie vermuten würde". Krainers Vorschlag: "Das Land Tirol sollte wie zum Beispiel in Südtirol derartige wissenschaftliche Untersuchungen durchführen lassen."
Quelle: TT
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TITLIS
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Beitrag von TITLIS »

Wombat hat geschrieben:@Stefan
Mit 3020m gehört der Titlis sicher auch zu den gefärdeten Stationen.
Der Titlis ist nicht gefärdet weil die Station Abseits des Permafrostgebietes gebaut wurde. Desswegen hat man schon beim Bau darauf geachtet wo man die Bergstation hinstellt MFG TITLIS
Jay
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Beitrag von Jay »

Ein Bericht aus der Jungfrau Zeitung:
«Wir hatten einen zu starken Glauben in die Technik»
Peter Feuz über mögliche Folgen des Permafrost-Schmelzens am Schilthorn
Peter Feuz, Direktor der Schilthornbahn AG, ist Mitglied der glaziologischen Kommission. Er äussert sich in dieser Zeitung über mögliche Folgen und Probleme, die sich stellen, wenn der dauerhaft gefrorene Boden weiter schmilzt.

Franziska Gertsch: Permafrost ist heute in aller Munde. Inwiefern ist die Schilthornbahn davon betroffen?
Peter Feuz: Permafrost ist ganz klar ein Problem, auch für die Schilthornbahn. In der Öffentlichkeit wird das Thema jedoch allzu sehr dramatisiert. Eigentlich handelt es sich um nichts anderes als um ein Baugrundproblem. Und daraus ergibt sich für viele Betroffene erst das eigentliche Problem.

Und das wäre?
Während des Bergbahnen-Booms zwischen 1960 und 1975 wurden in den betroffenen Lagen ab einer Höhenlage von 2400 Metern über Meer viele Bergbahnen und Gebäude auf Permafrost errichtet. Das Problem ist, dass sich nun der Boden dort zu bewegen beginnt, wo er vorher noch stabil war. Aus diesen Bewegungen ergeben sich oft erhebliche Schäden an bestehenenden Bauten. Und Baugrundschäden können – im Gegensatz zu Schäden, die durch Naturkatastrophen verursacht werden – nicht versichert werden. Der Klimawandel und das Schmelzen des Permafrosts könnten also zu einer betriebswirtschaftlich relevanten Komponente werden.

Hat man früher nichts gewusst oder schlicht und einfach blauäugig gebaut?
In den vergangenen Jahrzehnten hatten wir einen zu starken Glauben in die Technik. Langfristige Einflüsse wurden vielleicht zu wenig berücksichtigt. Gewusst hätten wir schon damals von der Verbreitung des Permafrosts. Im Nachhinein ist man schlauer und hätte vielleicht von Anfang an die möglichen Szenarien miteinbezogen.

Und die Schilthornbahn...
...war sich von Anfang an dieser Problematik bewusst. Beim Bau der Bahn wurde bereits ein Geologe beigezogen. Es wurden schon 1964 Bohrungen vorgenommen, um die Beschaffenheit des Baugrundes zu ergründen. Wir haben von Anfang an mögliche Risiken einkalkuliert. Die Lawinenverbauungen etwa wurden zwar in Permafrost gebaut, jedoch mit den nötigen baulichen Massnahmen. Grundsätzlich lagen die gesamten Baupläne der Erkenntnis zugrunde, dass es auf dem Schilthorn eine starke Permafrostverbreitung gibt. So haben wir den Gipfel mit einem doppelten Fundament gebaut. Zwischen den zwei Fundamenten gibt es einen Hohlraum, in dem die Temperatur mittels Luken, die beliebig geöffnet werden können, möglichst tief gehalten werden kann.

Und trotzdem hatten Sie vor einigen Jahren einen Schadensfall.
Weil der Berg abgesunken ist und an Volumen verloren hat, hatten wir im 2001 plötzlich Risse in der Garage für das Pistenfahrzeug. Der technische Leiter der Schilthornbahn, Ruedi Lauri, hat mich mich eines Tages angerufen und gesagt, er sehe durch den Garagenboden bis nach Thun. Das war der Zeitpunkt, in dem wir handeln mussten. Wir haben nun eine in 13 Meter Tiefe verankerte Stahlkonstruktion unter die Betonplatte montiert, die sich dynamisch den Bewegungen des Berges anpasst.

Was passiert mit dem Schilthorn, wenn der Permafrost weiter schmilzt?
Es wäre mit Bewegungen am Berg zu rechnen. Da wir uns jedoch weitgehend darauf vorbereitet haben, passiert uns nichts. Und dann hoffen wir darauf, dass die klimatischen Bedingungen stimmen. Nicht gut ist es etwa, wenn es im Herbst bereits schneit. Schnee isoliert und der Berg würde schlechter abkühlen. Einzelne Wärmeperioden hingegen sind kein Problem, wenn ihnen auch immer wieder Kälteperioden folgen.

Besteht Gefahr für Menschen und Anlagen?
Wir fühlen uns sicher. Die Seilachse bei der Bahn wird zum Beispiel dauernd vermessen. War dies früher mit Messpunkten noch eine aufwändige Sache, werden diese Daten jetzt per Satellit übertragen. So sind wir über die kleinste Bewegung informiert. Grundsätzlich müssen wir mit dem Permafrost und dem Klimawandel, der ihn zum schmelzen bringt, leben. Wichtig ist einfach, die Schwierigkeiten zu erkennen, darauf einzugehen und konkrete Massnahmen zu treffen. Bergbahnunternehmer sind sich bewusst, dass sie auf risikoreichem Gelände bauen und zusätzliche Auslagen für unvorhersehbare Ereignisse haben. Damit müssen sie leben. Die Öffentlichkeit hingegen müsste begreifen, dass ein Bergbahnticket gar nicht so viel kostet, wenn man den Aufwand der Betreiber miteinbezieht. Die Passagieren zahlen vor allem für ihre eigene Sicherheit.
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snowflat
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Beitrag von snowflat »

Vom ORF:
Permafrost: Naturgefahren: Risiken und Raumplanung

Durch die Klimaerwärmung schmilzt der Permafrost und lässt Berge regelrecht zerbröckeln. In Tirol wird dieses Phänomen seit Jahren untersucht. Beim "Geoforum Umhausen" präsentierten Wissenschafter ihre Forschungsergebnisse.

Paradefall Weißseespitze
Tirol besitzt ein Paradebeispiel für das Permafrost-Phänomen. Die Weißseespitze am Kaunertaler Gletscher ist so etwas wie ein Pionierberg. Vor neun Jahren begann dort das Eis zu schmelzen, sodass die Nordflanke bis zu 1,40 Meter am Tag in Richtung Tal glitt, so Landesgeologe Gunther Heißel.

Gunther Heißel: "Völliges Neuland"
"Zum ersten Mal seit dem Mittelalter taute hier Permarost auf. Mit diesen Dimensionen und Effekten hatte niemand gerechnet, das war wirklich Neuland für uns uns." In nur neun Jahren hat sich die Nordflanke gravierend verändert: Ein Hanggletscher ist abgebrochen. Die Gletscherskipiste hat sich abgesenkt und weiter unten im Tal um 80 Meter wieder aufgewölbt.

Bedeutsame Forschungsergebnisse
Heute ist dieser Prozess abgeschlossen und brachte wichtige Ergebnisse: Etwa ob solche Hänge schnell nach unten gleiten oder nach unterirdischen Drehbewegungen einfach abbrechen. Erkenntnisse die für den gesamten Alpenbogen bedeutsam sind und die auch Maßnahmen erfordern, so Christian Weber von der Wildbach- und Lawinenverbauung.

Christian Weber : "Bereiche kartieren"
"Man wird die Bereiche, die Permafrost bergen und wo Permafrost aufgehen kann, kartieren müssen. Angefangen dort, wo Infrastrukturen in der Nähe sind um mögliche tief greifende Veränderungen frühzeitig erkennen zu können."

Konsequenzen für den Tourismus
Weil das Hochgebirge immer mehr für Skifahrer und Wanderer erschlossen wird, muss sich laut Heißel auch der Tourismus auf den Permafrost einstellen. Wer in solchen Regionen bauen will, müsse sich darauf einstellen, dass die Berge auch teilweise auseinanderfallen könnten, so der Landesgeologe

Wann der Permafrost aufhört zu schmelzen, traut sich derzeit niemand zu sagen.
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Beitrag von snowflat »

ORF dazu:
PERMAFROST SCHMILZT: Mehr Muren und Felsstürze erwartet

Durch die Klimaerwärmung schmelzen im Hochgebirge die dauernd gefrorenen Böden - Permafrost genannt. Als Folge werde es mehr Muren, Felsstürze und Hochwasserschäden im Tal geben, betonen Wissenschafter.

Gebiete über 2.300 Metern betroffen
Bei einer Fachtagung im Messezentrum Salzburg sollen im kommenden Jahr die Folgen der Klimaerwärmung diskutiert. Zu diesem Zweck war der Schweizer Gletscherforscher Felix Keller schon jetzt in Salzburg.

Im Allgemeinen ist der Permafrost in den Gebieten über 2.300 Metern Seehöhe zu finden - in der Schweiz sind das fünf Prozent der Staatsfläche, in Österreich etwas weniger. Das im Boden gefrorene Wasser hält Felsen und lockeren Schutt zusammen.

"Kritische Bereiche" tauen auf
Die kontinuierliche Klimaerwärmung taut hier immer mehr auf, sagt Keller: "Einerseits werden Felspartien aktiv - und zwar nicht alle, sondern genau die, die in dem kritischen Bereich von etwa minus 1,5 Grad Celsius hineinkommen."

Im Permafrost sei zurzeit sehr viel Schutt gebunden: "Wenn der Permafrost verschwindet, kann dieser Schutt beim nächsten Hochwasser die Ausmaße wesentlich vergrößern."

Riesige Schäden möglich
In der Schweiz wird deshalb die Gefahr, die das Auftauen der Dauerfrostböden im Gebirge bringt, genau erforscht. In Pontresina im Engadin wurde in einer 330.000 Euro teuren Forschungsreihe das Gefahrenpotenzial durch die auftauenden Gebirgsstöcke bestimmt - danach wurden um 5,3 Millionen dann Schutzbauten vor drohenden Geröll- und Felslawinen errichtet.

Die Schweizer haben auch den möglichen finanziellen Schaden einer solchen Katastrophe im Gebiet von Pontresina berechnet - und der liegt mit 200 Millionen Euro 40 bis 50 Mal höher als die getätigte Investion.

In der Schweiz gibt es eine Gefahrenkarte
Zudem haben die Wissenschaftler eine Karte entwickelt, die für die ganze Schweiz jene Flächen ausweist, wo der auftauende Dauerfrostboden gefährlich werden kann.

In Österreich liegen dagegen bisher noch kaum Daten dazu vor.
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Beitrag von KnM »

Man muss sich allerdings auch bewusst sein, dass eine Station (oder Stütze) nicht zwingend gefährdet sein muss, wenn der Permafrost schwindet. Es kann auch sein, dass der relevante Teil des Bergs auch ohne Permafrost zusammenhält.

Die Gefahrenkarte sieht für die Schweiz folgendermassen aus:

Gefährdete Gebiete: Oberengadin rund um St.-Moritz; Surselva rund um Disentis sowie beide Vispertäler (nach Zermatt und Saas Fee)
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