Vorabbemerkung:
Aufgrund der Vielzahl der Skigebiete um und in Zakopane werde ich diesen Bericht in zwei Teile aufsplitten.
Die durch verschiedene internationale Sportwettkämpfe bekannte Stadt Zakopane (rund 30.00 Einwohner auf 838 Meter ü. NN) stellt das Herzstück des polnischen Wintersporttourismus dar. Die Stadt liegt sehr schön eingerahmt von den Bergen der hohen Tatra rund 110 km südlich von Krakau. Die große Beliebtheit der Stadt resultiert nicht nur aus den Möglichkeiten zum alpinen Skilauf, sondern ergibt sich auch aus der Vielzahl an sonstigen Wintersportmöglichkeiten. Ich denke, dass in den Ferien mindestens die Hälfte der Touristen nicht zum Skifahren sondern zum Winterwandern oder zum „Gesehen-werden“ kommt, nicht umsonst gibt man Zakopane oft den Beinamen „St. Moritz des Ostens“.
Die für mich schönsten Wanderziele um Zakopane herum sind die z.T. relativ weit in die Hohe Tatra hineinreichenden Gebirgstäler (Achtung im Winter zwingend festes und schneefestes Schuhwerk erforderlich, da hier zum Glück längst nicht alles geräumt wird) und der Gebirgssee Morskie Oko (Meeresauge) unterhalb des höchsten polnischen Berges, des Rysy (2.499 m). Falls Ihr mal zum Morskie Oko wollt, nehmt bloß nicht die Abzocke Pferde-Kutsche zum See sondern wandert die rund 9 km (schätzungsweise 400 hm). Mit einigen Abkürzungen durch den Wald kann man dabei den Weg deutlich verkürzen und die Steigungsprozente deutlich erhöhen. Übrigens: Selbst an schönen und relativ warmen Wintertagen blässt am Morskie Oko oft ein kühler (eher eiskalter) Wind – ich habe da ganz schön gebibbert...
Der Morskie Oko im Sommer: Quelle: http://pl.wikipedia.org.pl
Wie sooft in Polen gibt es „das“ Skigebiet Zakopane nicht, sondern es gibt vielmehr viele kleinere Skigebiete in und um Zakopane herum, die natürlich nicht untereinander verbunden sind und nur selten mit einem gemeinsamen Skipass befahren werden können.
Das krasseste Beispiel hierfür ist die Gubalowskie-Gebirgskette, die im Norden der Stadt den letzten mittelgebirgsähnlichen „Hügel“ (bis 1160 Meter im Gipfel Butorowy Wierch) vor den ca. 6 km weiter südlich steil aufsteigenden Bergen der hohen Tatra darstellt.
Auf der Gubalowskie-Gebirgskette kann man einen schönen Gipfel-Panoramaweg mit Blick auf die Hohe Tatra entlang gehen (ultraleichter Spazierweg – trotzdem sehr zu empfehlen). Dieser Panoramaweg führt auch an den Bergstationen der einzelnen Skigebiete an der Gubalowskie-Gebirgskette vorbei. Die allesamt südseitig ausgerichteten Skigebiete sind die von Gublalowka, Polana Szymoszkowa und das bisher von mir nicht besuchte Gebiet Butorowy Wierch.
Wie schon gesagt, sind die drei Skigebiete nicht miteinander verbunden, was sich aber durch den Neubau von nur 2 Liften (4 wären allerdings besser dann wären die dazugehörigen Pisten nicht so flach) problemlos beheben lassen könnte, wenn man sich nur mal einig wäre. Aber das mit der Einigkeit hatten wir ja schon bei Szczyrk…
Dieses ist vor dem Hintergrund, dass die beiden „äußeren“ Skigebiete Gublalowka und Butorowy Wierch von der gleichen Gesellschaft betrieben werden umso ärgerlicher.
Im Osten des Bergrückens der Gubalowskie-Gebirgskette liegt das gleichnamige Gubalowka-Skigebiet.
(Quelle der Panoramakarte: [url]http://www.narty.l.pl )
Das Gublalowka-Skigebiet (Quelle der Bilder http://www.pkl.pl) wird von einer Standseilbahn und einem Schlepplift erschlossen.
Standseilbahn
Die moderne Standseilbahn überwindet dabei einen Höhenunterschied von rund 300 Metern und erschließt eine zwar in Summe leichte, aber dennoch nicht uninteressante Abfahrt. Im oberen und untere Bereich kann man sich auf dem breiten Hang schön austoben. Im schmaleren und etwas steileren Mittelteil wird dabei die Standseilbahn unterquert. Gerade im oberen Pistenabschnitt kann man bei gutem Wetter ein tolles Panorama genießen.
Unterer Teil der Piste, nach der Unterquerung der Standseilbahn, da heißt es Schuss fahren…
… um bei der Talstation anzukommen
Wandert man auf dem oben beschriebenen Panoramaweg rund ca. 500 Meter Richtung Westen erreicht man die Bergstation des nächsten Skigebiets: Polana Szymoszkowa
(Quelle der Panoramakarte und Bilder: http://www.szymoszkowa.pl
Der von einer Doppelmayr 6 KSB-B (ich kenne keinen weiteren Bubble 6er in Polen) und einer 4SB (ohne Fußstützen) erschlossene Hang gefällt mir persönlich nicht so sehr. Direkt unterhalb der Gipfelstation der 6KSB–B (HU: 261 Meter / Länge 1291 Meter) gibt es einen -je nach Schneezustand- super tollen steileren Einstieg bzw. mit tennisballgroßen Eisklumpen übersähten katastrophalen Einstieg in die Abfahrt, eher die Piste zum Ende immer mehr und mehr abflacht. Die 4 SB, die nur den untersten Hangabschnitt bedient, überwindet auf 360 Meter Länge sage und schreibe 60 Höhenmeter. Ich kann mich an die Preise hier nicht mehr genau erinnern, weiß nur noch, dass es für polnische Verhältnisse schon ziemlich teuer war. Dennoch habe ich hier einmal Wartezeiten von mehr als 20 Minuten erlebt, was auch für polnische Verhältnisse äußerst ungewöhnlich lang ist (allerdings war das in den Weihnachtsferien, wenn halb Polen in Zakopane ist).
Extrem „steiles“ Gelände unterhalb der 4 SB… und das Foto stellt das Gelände noch mindestens doppelt so steil dar, wie es ist.
Der schon flache Mittelteil der Hauptpiste
Toller Blick auf die Hohe Tatra
für Bully-Freunde
Nochmals rund 600 Meter weiter auf dem Panorama-Wanderweg erreicht man den Skihang des Butorowy Wierch.
(Quelle der Panoramakarte: http://www.narty.l.pl
Über diesen Hang kann ich nichts weiter sagen, da ich ihn noch nicht gefahren bin. Beim Sparziergang auf dem Panoramaweg sah er nach nichts Besonderem aus, ohne das ich genauer hingeschaut habe. Da es Sommer war, wollte ich lieber ein paar Runden auf der Sommerrodelbahn an der Gubalowka-Standseilbahn drehen.
Fazit:
Die oben dargestellten Einzelskigebiete muss man nicht unbedingt gesehen haben, bieten aber für 2-3 Stunden Spaß. Eine Verbindung der einzelnen Skigebiete der Gubalowskie-Gebirgskette würde ein interessentes mittelgroßes Gebiet ergeben, wird –so befürchte ich- wohl aber ein Traum bleiben. Der gesamte Bergrücken würde denke ich noch 3-4 Sesselbahn hergeben (wovon nur 2 für die Verbindung der einzelnen Gebiete zwingend notwendig wären). Ein Abstecher nach Zakopane sei dennoch jedem schon jetzt empfohlen. Die Landschaft mit dem Übergang vom Hügel- ins Gebirgsland ist wirklich schön und das Freizeitangebot über das Skifahren hinaus ist groß. Touristisch ist Zakopane für alle Geldbeutel gut erschlossen. Aber auch skifahrerisch hat Zakopane noch mehr zu bieten.
Doch dazu mehr demnächst in der Fortsetzung: Zakopane Teil 2 mit dem höchsten Skiberg Polens, der mich bisher im Winter einfach nicht haben wollte (vielleicht ist deshalb Zakopane nicht meine Nr. 1 oder Nr. 2 in Polen), sowie einer schwarz-grünen Skigebietskoalition, und mit einem tollen interaktiven Skipanorama, welches die Qualität des Skigebiets leider übertrifft.
Bei Fragen… natürlich gerne.
Liebe Grüße
Skilinde