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Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 10.02.2020 - 14:31
von noisi
ski-chrigel hat geschrieben:
09.02.2020 - 22:34
Wenn ich mit dem Gletscherflieger wirklich weit weg von jeglicher Zivilisation lande, DANN empfinde ich das unberührt. Aber das sehen dann natürlich andere auch nicht so, weil ja der Flieger hinter mir steht. Ist also alles relativ...
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Hey, aber wenn du da landest dann ist das natürlich auch nicht mehr unberüht - ergo sollte es erlaubt sein da Lifte zu bauen. So ist zumindest die Logik mancher hier zu verstehen.

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 10.02.2020 - 14:33
von GIFWilli59
basti.ethal hat geschrieben:
10.02.2020 - 12:44
ski-chrigel hat geschrieben:
09.02.2020 - 22:50
für die Nutzung durch Tourengeher kann man sicherlich Lösungen finden.
Einen Tunnel bauen, dann sehen sie die Lifte nicht und sind zufrieden :twisted: :versteck:
Falls das Projekt zum Schutz der unberührten Landschaft am Fernerkogel tatsächlich abgelehnt wird, wäre für mich auch die logische Konsequenz, die Tourengeher von diesem Berg auszusperren.
Denn hier zeigt sich auch an anderen Beispielen, dass gerade diese Menschen sich nicht an definierte Skiräume halten können und somit die Landschaft und Tierwelt eben nicht unberührt bleibt.
Zumal die Schäden durch Tourengeher mindestens so groß sind, wie die durch die großen baulichen Eingriffe wären.

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 10.02.2020 - 14:50
von Julian96
GIFWilli59 hat geschrieben:
10.02.2020 - 14:33
Zumal die Schäden durch Tourengeher mindestens so groß sind, wie die durch die großen baulichen Eingriffe wären.
Setzt man den Schaden mal ins Verhältnis zur Personenzahl, die das Gelände im Falle einer Verbauung benutzen würden...die Tourengeher kämen vermutlich auf den Einzelnen bezogen sogar noch schlechter weg :lol:
Ändert natürlich nichts am absoluten Schaden.

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 10.02.2020 - 15:48
von MichiMedi
Die Verbindung für Skifahrer hat ein gewaltiges, ein nicht zu beschreibendes, öffentliches Interesse. Es geht hier um die Existenz eines ganzen Tals, während die Tourengeher ihre egoistischen Partikularinteressen befriedigen zu versuchen.

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 10.02.2020 - 15:51
von Pancho
Nüchtern betrachtet sind Skifahrer zunehmend eine Minderheit. Eine aussterbende dazu... :wink:

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 10.02.2020 - 16:00
von Wurzelsepp
MichiMedi hat geschrieben:
10.02.2020 - 15:48
Die Verbindung für Skifahrer hat ein gewaltiges, ein nicht zu beschreibendes, öffentliches Interesse. Es geht hier um die Existenz eines ganzen Tals, während die Tourengeher ihre egoistischen Partikularinteressen befriedigen zu versuchen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass das Tal (wohl Pitztal??) auch ohne Verbindung existieren würde... gut, mit Verbindung vermutlich auch.

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 10.02.2020 - 16:24
von wetterstein
Christian Heinrich hat geschrieben:
09.02.2020 - 22:08
Auf jeden Fall ist es eine der drei am häufigsten begangenen Skitourenrouten der Ostalpen.
Das wage ich zu bezweifeln. Gibt´s da eine Quelle?

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 10.02.2020 - 17:33
von Julian96
Pancho hat geschrieben:
10.02.2020 - 15:51
Nüchtern betrachtet sind Skifahrer zunehmend eine Minderheit. Eine aussterbende dazu... :wink:
Ich weiß nicht woher diese Information immer kommt :?: Die Skifahrerzahlen in den Alpen stagnieren seit Jahren, einen merklichen Rückgang gibt es bestenfalls mal sehr regional.
Im Gegenteil vielerorts steigt die Zahl der Wintertouristen.
https://www.snowplaza.de/weblog/16512-b ... sterreich/

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 10.02.2020 - 18:57
von kaldini
Zumal die Schäden durch Tourengeher mindestens so groß sind, wie die durch die großen baulichen Eingriffe wären.
welche Schäden? Co2 und Feinstaub/Microplastik bei der Anfahrt? Aber als Tourengeher musst du verdammt lang am Felsen mit deiner Skikante/Fell entlang schleifen, bis dass 40m Fels abgetragen werden.
Die Verbindung für Skifahrer hat ein gewaltiges, ein nicht zu beschreibendes, öffentliches Interesse. Es geht hier um die Existenz eines ganzen Tals, während die Tourengeher ihre egoistischen Partikularinteressen befriedigen zu versuchen.
öffentliches Interesse? Wieso? Wie hoch ist denn die Arbeitslosigkeit im Pitztal? Ich würde mal sagen, nicht viel höher als im Rest von Tirol. Und wer arbeitet denn aus dem Tal noch im Tourismus? Sind doch nur einige wenige! Wer kann, arbeitet lieber in Imst in einer "normalen" Jahresarbeitsstelle (also tagsüber arbeiten). Von Jerzens aus ist man doch leichter in Imst als hinten im Tal. In den Hotels arbeiten doch fast nur noch Leute aus dem europäischen Ausland.
Sölden ist eh schon sehr gut ausgebucht mit dem bestehenden Skigebiet.

Vielleicht solltens im Pitztal den Rifflsee besser an den Gletscher anbinden (vor allem für die Rückkehr), das würde das bestehende Gebiet auch schon aufwerten.

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 10.02.2020 - 20:12
von Schusseligkite
Christian Heinrich hat geschrieben:
09.02.2020 - 22:08
Auf jeden Fall ist es eine der drei am häufigsten begangenen Skitourenrouten der Ostalpen.
ahja, häufigste begangene Route = unberührte Natur.
Ja neee, is klar.

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 10.02.2020 - 21:40
von ski-chrigel
Der war sehr gut! :top: :lol:

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 10.02.2020 - 22:33
von Christian Heinrich
Sollen wir jetzt wirklich Skitouren und Pistenskifahren gegeneinander ausspielen? Ernsthaft? Bisher haben - auch in diesem Gebiet - beide sehr gut nebeneinander existieren können, ohne größere Probleme.
Übrigens sorgen Skitourengänger im Tal genauso für Wertschöpfung, wie Pistenskifahrer...
Schusseligkite hat geschrieben:
10.02.2020 - 20:12
Christian Heinrich hat geschrieben:
09.02.2020 - 22:08
Auf jeden Fall ist es eine der drei am häufigsten begangenen Skitourenrouten der Ostalpen.
ahja, häufigste begangene Route = unberührte Natur.
Ja neee, is klar.
Eine Skitourenaufstiegsspur ist ca. 50 cm breit und liegt auf unbearbeitetem Untergrund. Auf meterdickem Naturschnee überquert man unberührte Natur. Ja, die Abfahrtsspuren sind etwas verteilter, aber immer noch auf meterdickem Schnee. Skitourengehen, wenn es verantwortungsvoll gemacht wird (was alle Tourengänger, die ich kenne tun, auch wenn es natürlich Ausnahmen gibt, genauso wie auch einzelne andere Skisportler Mist bauen, z.B. in Wildschutzgebiete neben der Piste einfahren etc.), hinterlässt praktisch keine Rückstände in der Natur. Das ist (zumindest weitgehend) unberührte Natur.
Ich bin ja selbst auch leidenschaftlicher Pistenfahrer und fahre viel häufiger in Skigebieten Ski, als dass ich auf Touren gehe, aber die Eingriffe in die Natur der einen mit der anderen Sportart zu vergleichen, hinkt doch gewaltig.
wetterstein hat geschrieben:
10.02.2020 - 16:24
Christian Heinrich hat geschrieben:
09.02.2020 - 22:08
Auf jeden Fall ist es eine der drei am häufigsten begangenen Skitourenrouten der Ostalpen.
Das wage ich zu bezweifeln. Gibt´s da eine Quelle?
Statistik in einem der letzten DAV-Panoramen. Such selbst...

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 11.02.2020 - 00:02
von GIFWilli59
kaldini hat geschrieben:
10.02.2020 - 18:57
Zumal die Schäden durch Tourengeher mindestens so groß sind, wie die durch die großen baulichen Eingriffe wären.
welche Schäden? Co2 und Feinstaub/Microplastik bei der Anfahrt? Aber als Tourengeher musst du verdammt lang am Felsen mit deiner Skikante/Fell entlang schleifen, bis dass 40m Fels abgetragen werden.
Die Antwort war nicht so ganz ernst gemeint, ich dachte, das kommt raus...

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 11.02.2020 - 00:19
von Wooly
GIFWilli59 hat geschrieben:
11.02.2020 - 00:02
Die Antwort war nicht so ganz ernst gemeint, ich dachte, das kommt raus...
Mann du hast ja keine Ahnung ... Skitourengeher sind zu großen Teilen in linksradikal & stark kommunistisch unterwanderten sogenannten "Alpenvereinen" organisiert ... damit ist nicht zu spaßen und auch keinerlei Ironie angebracht ... das wirst du hier im Forum noch lernen ... der ökologische Fußabdruck EINES Skitourengehers ist acht Mal so groß wie der von 2000 besoffenen holländischen Skifahrern zusammen .... take CARE !!!

P.S. ich mach vorsichtshalber noch drei Ironiesmilies hin ... :wink: :wink: :wink:

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 11.02.2020 - 02:07
von L&S
Julian96 hat geschrieben:
10.02.2020 - 17:33
Pancho hat geschrieben:
10.02.2020 - 15:51
Nüchtern betrachtet sind Skifahrer zunehmend eine Minderheit. Eine aussterbende dazu... :wink:
Ich weiß nicht woher diese Information immer kommt :?: Die Skifahrerzahlen in den Alpen stagnieren seit Jahren, einen merklichen Rückgang gibt es bestenfalls mal sehr regional.
Im Gegenteil vielerorts steigt die Zahl der Wintertouristen.
https://www.snowplaza.de/weblog/16512-b ... sterreich/
Es gibt gleich viele Übernachtungen in Ö die letzen Jahre, aber die Anzahl der Skifahrer im Alpenraum ist definitiv gesunken.
Die die noch Skifahren gehen, gehen öfters, aber meist spontan und kurz Ski-Urlauben.
Die Masse der Familien kann sich schon seit 20 Jahren keine Familien-Skiurlaub mehr erlauben.
Gemeinsam mit dem Sterben der Dorf-Llifte und Mini-Skigebiete führt das dazu, dass auch im Alpenraum der Nachwuchs ausbleibt!

Die Zahlen Für Ö bleiben gut, weil man es bisher geschafft hat, den Schwund in den Kernmärkten mit eingeflogenen Touris von überallher auszugleichen.
Das ist aber auch schon das Schlimmste an der CO2-Bilanz des theoretischen durchschnittlichen Skifahrers..

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 11.02.2020 - 08:48
von Pancho
Wooly hat geschrieben:
11.02.2020 - 00:19
Mann du hast ja keine Ahnung ... Skitourengeher sind zu großen Teilen in linksradikal & stark kommunistisch unterwanderten sogenannten "Alpenvereinen" organisiert
Du hast „links-grün-versifft“ vergessen... :mrgreen: ;D

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 11.02.2020 - 12:28
von manitou
basti.ethal hat geschrieben:
10.02.2020 - 12:44
Falls das Projekt zum Schutz der unberührten Landschaft am Fernerkogel tatsächlich abgelehnt wird, wäre für mich auch die logische Konsequenz, die Tourengeher von diesem Berg auszusperren.
Denn hier zeigt sich auch an anderen Beispielen, dass gerade diese Menschen sich nicht an definierte Skiräume halten können und somit die Landschaft und Tierwelt eben nicht unberührt bleibt.
Basti bringt es auf den Punkt!
Die Gegner sollen mir mal die philosophische Frage beantworten, wann unberührte Natur noch unberührt ist, wenn Tourengehen sie durchkreuzen und Alpenvereine Berghütten darauf errichten?! Deren Argumentation in der BR-Doku zielt letztlich nicht auf den "Schutz unberührter Natur" hin, sondern auf einen Interessenkonflikt mit den Befürwortern des Zusammenschlusses: Abfahrtsskifahrer wollen ihrem Hobby auf Skipisten nachgehen, Tourengeher ihre Spuren in den "unberührten Schnee" ziehen.

Ich bin Abfahrtsskifahrer und Gegner des Projektes, weil ich gegen den Ski-Gigantismus bin zugunsten eines gesunden Mittelmaß! So schizoid, wie die Gegner ihre Argumentation gestalten bis ich dafür, dass niemand das Gebiet künftig anrührt. Es waren die Alpenvereine, welche vor 100 Jahren die Erschließung der "unberührten Natur" für ihre Interessen begonnen haben. Wir können auch eine Diskussion beginnen, ob es nicht viel zu viele Alpenhütten gibt, welche die Natur verschandeln. Gefühlt steht nämlich auf jedem 5. Gipfel eine. Statt Rückbau werden sie auch noch modernisiert mit Solar...etc - d.h. auch ausgebaut!
Wehret den Anfängen - in diesem Sinne dürfen sich die Alpenvereine nicht beschweren, wenn andere Interessengruppen die Erschließung der Berge ebenfalls für sich beanspruchen.
Wahrer Naturschutz und wahre Gegnerschaft würde daher das Gebiet für alle sperren - und diese Idee finde ich gut! Dann sollte aber konsequenterweise auch die Braunschweiger Hütte zurückgebaut werden, denn durch sie ist mit der Erschließung dieser unbegrührten Natur begonnen worden.

Mir gehen sowohl die "Natur-Fundis" wie auch die "Schneller-weiter-Höher Skifahrer" gewaltig auf den Keks.

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 11.02.2020 - 13:09
von simmonelli
L&S hat geschrieben:
11.02.2020 - 02:07
Julian96 hat geschrieben:
10.02.2020 - 17:33
Pancho hat geschrieben:
10.02.2020 - 15:51
Nüchtern betrachtet sind Skifahrer zunehmend eine Minderheit. Eine aussterbende dazu... :wink:
Ich weiß nicht woher diese Information immer kommt :?: Die Skifahrerzahlen in den Alpen stagnieren seit Jahren, einen merklichen Rückgang gibt es bestenfalls mal sehr regional.
Im Gegenteil vielerorts steigt die Zahl der Wintertouristen.
https://www.snowplaza.de/weblog/16512-b ... sterreich/
Es gibt gleich viele Übernachtungen in Ö die letzen Jahre, aber die Anzahl der Skifahrer im Alpenraum ist definitiv gesunken.
Die die noch Skifahren gehen, gehen öfters, aber meist spontan und kurz Ski-Urlauben.
Die Masse der Familien kann sich schon seit 20 Jahren keine Familien-Skiurlaub mehr erlauben.
Gemeinsam mit dem Sterben der Dorf-Llifte und Mini-Skigebiete führt das dazu, dass auch im Alpenraum der Nachwuchs ausbleibt!

Die Zahlen Für Ö bleiben gut, weil man es bisher geschafft hat, den Schwund in den Kernmärkten mit eingeflogenen Touris von überallher auszugleichen.
Das ist aber auch schon das Schlimmste an der CO2-Bilanz des theoretischen durchschnittlichen Skifahrers..
Und weil man auch den Nachbarländern (s. Schweiz) Gäste weggenommen hat. Dazu profitiert insbesondere Österreich von den Wohlfahrtsgewinnen in den ehemaligen Ostblockstaaten (kann man exemplarisch schön an Kärnten nachvollziehen https://touris.kaernten.at/news/statistik.html) - auch vor dem Hintergrund ist es mehr als nur Ironie wie sich mancher in A gegen die EU positioniert :roll:

Die Zahlen (Skibesuche) in den Alpen stagnieren im Prinzip seit 20 Jahren (https://www.vanat.ch/RM-world-report-2019.pdf S.15ff). In der Studie kommt man auch zu dem Schluss, dass ~25% der Skigebiete defizitär arbeiten.

In Summe geht es mit der Gletscherverbindung also nicht um das Bedienen von irgendwelcher Nachfrage, sondern um schlichten & simplen Verdrängungswettbewerb. Aus ökologischer Sicht wäre m.E. daher für die *gesamten* Alpen zu diskutieren, ob man nicht 10-20 Entwicklungscluster schafft (sprich es darf erweitert & verbunden werden), 50% des Rests Bestandsschutz & Modernisierungen zugesteht und die restlichen 49% schließt. Die Entwicklungsgebiete ließen sich dann auch viel effizienter an den ÖPNV anschließen.

Und ja die Gegenargumente: Unterkünfte, politische Abstimmungen etc. sind mir schon bewusst. Aber wenn man es in Tirol Ernst meint, könnte man ja mal vor eigener Haustür anfangen. Oder man macht ein Gesetz, dass für jeden Hektar neue Skifläche, 5ha woanders stillgelegt werden müssen. Das Ganze mit Bonus/Malus je nach Sensibilität des entsprechenden Naturraums. Wenn man das aber alles nicht macht, muss man sich auch nicht wundern, dass jede "Schleppliftmodernisierung" von den entsprechenden Verbänden angegangen wird.

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 11.02.2020 - 13:27
von simmonelli
Und noch ein interessantes Zitat: "Im strukturschwachen Pitztal glaubt man, dass nur die "Gletscherehe" den wirtschaftlichen und demografischen Niedergang aufhalten kann. Doch der Blick auf die Ötztaler Tourismushochburg Sölden ist verklärt: Sölden hat im vergangenen Jahrzehnt knapp ein Viertel seiner Einwohner verloren, der Profit kommt hauptsächlich Seilbahnern und Hoteliers zugute, während das Preisniveau für Einheimische gestiegen ist."

Quelle: https://www.zeit.de/2020/04/kaunertal-g ... al/seite-2

Ich bleibe also dabei: es ist gut, dass nicht im Tal, sondern weit weg, vor einem ordentlichen Gericht, über diesen Zusammenschluss entschieden wird. Allen Beteiligten vor Ort (und damit meine ich beide Seiten) fehlt es m.E. an Abstand und vor allem Objektivität.

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 11.02.2020 - 14:23
von Jan Tenner
Wahrer Naturschutz und wahre Gegnerschaft würde daher das Gebiet für alle sperren - und diese Idee finde ich gut!
Ich bin kein Tourengeher und gehe mit deiner grundsätzlichen Argumentation (Gigantismus usw.) grundsätzlich mit, aber im Bemühen, deine Verachtung für skitourengehende "Natur-Fundis" ausdrücken, verlierst du meiner Meinung nach total die Verhältnismäßigkeit bei deinen Argumenten.

Deine Argumente greifen nämlich nur, wenn man die "Unberührtheit" wirklich als schwarz.weiß-Zustand sieht, so als habe die Natur ihre Jungfräulichkeit verloren, wenn sie jemand betreten hätte. Nimmt aber die Spuren, die eine Nutzung der Gletscherfläche hinterlässt, als Maßstab nimmt, gibt das doch ein ganz anderes Bild. Wenn ein oder mehrere Skitourengeher zur Wildspitze wandern, dann hinterlässt das in der Natur Spuren bis zum nächsten Schneefall (Spuren jetzt nicht nur wortwörtlich gesehen). Eine Woche später, im Fühling, im Sommer oder wann auch immer ist die Natur in dem Sinne genauso unberührt, d.h. im selben Zustand, wie vorher.
Das ist doch bei einer Skigebietserweiterung ganz anders! Bebauung mit Liftanlagen, Pistenmodellierung, ggf Beschneiunsganlagen mit Speicherteichen usw. hinterlassen die Landschaft dauerhaft in einem ganz anderen Zustand.
Und das gilt besonders für die geplante Gletscherehe. Denn bei den Dimensionen der neuen Anlagen und vor allem, weil die Pisten in dem sich verändernden Untergrund (Gletscherrückgang usw) andauernd modelliert werden müssten, würde man die Landschaft (ob nun gänzlich unberührt oder nicht) auf Jahre wenn nicht Jahrzehnte hin in eine Großbaustelle verwandeln.
Auf diesen Unterschied wird doch ein naturschützender Tourengeher noch hinweisen können, ohne dass er gleich ein Fundi oder ein Pharisäer ist, oder?

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 11.02.2020 - 15:30
von jens.f
Jan Tenner hat geschrieben:
11.02.2020 - 14:23
Deine Argumente greifen nämlich nur, wenn man die "Unberührtheit" wirklich als schwarz.weiß-Zustand sieht, so als habe die Natur ihre Jungfräulichkeit verloren, wenn sie jemand betreten hätte. Nimmt aber die Spuren, die eine Nutzung der Gletscherfläche hinterlässt, als Maßstab nimmt, gibt das doch ein ganz anderes Bild. Wenn ein oder mehrere Skitourengeher zur Wildspitze wandern, dann hinterlässt das in der Natur Spuren bis zum nächsten Schneefall (Spuren jetzt nicht nur wortwörtlich gesehen). Eine Woche später, im Fühling, im Sommer oder wann auch immer ist die Natur in dem Sinne genauso unberührt, d.h. im selben Zustand, wie vorher.
Das stimmt so nicht - zumindest wenn man gleiche Maßstäbe ansetzt:
Solange nur ein paar Skitourengeher wandern, stimmt das Sicher - wenn aber auch pro Tage einige Zig-Tausend Leute darauf wandern und wieder abfahren, möchte ich nicht wissen, wie es dann im Sommer aussieht - insbesondere bei den Bereichen, die eben nicht auf den Gletscher sind sondern z.B. auf den Wiesen.

Man muß schon gleiches mit gleichem Vergleichen - sprich sich wirklich überlegen, was passiert, wenn die gleiche Anzahl von Leuten Skitouren geht wie auf den Pisten rumfahren.

Ich könnte mir gut vorstellen, das die Zerstörung der Berge und des Lebensraums sogar größer ist, wenn 10.000 Leute kreuz und quer Skitouren machen, also wenn 10.000 Leute definierte Pisten fahren.

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 11.02.2020 - 16:16
von Jan Tenner
Das stimmt so nicht - zumindest wenn man gleiche Maßstäbe ansetzt
Das ist genauso richtig, wie für die Praxis irrelevant!
Wenn die gleiche Anzahl von Leuten Skitouren geht wie auf den Pisten rumfahren.
Wir wissen beide, dass das fern jeder Realität ist. Es sind nunmal viel weniger Skitourengeher als Pistenfahrer und das wird auch immer so bleiben. Selbst man man hypothetisch alle Liftanlagen/Skigebiete per Verbot schließen würde, würden niemals die gleiche Anzahl der Leute plötzlich Tourengehen. Oder siehst du das anders?
Man muß schon gleiches mit gleichem Vergleichen
Muss man eben nicht, weil einem der Vergleich überhaupt nichts bringt, denn das hier:
Ich könnte mir gut vorstellen, das die Zerstörung der Berge und des Lebensraums sogar größer ist
geschieht nur in deiner Vorstellung :wink:
Und selbst wenn genauso viele Leute Tourengehen würden wie Pistenfahren, bräuchte man die ganzen Landschaftseingriffe für Liste, Beschneeiung, Pistenmodellierung nicht. Würde ich sogar in diesem hypothetgisvchen Fall als fraglich ansehen, dass dann die Zerstörung der Landschaft größer wäre.

Aber ich stimme vollkommen zu, dass die Lenkung der Massen auf begrenzte Pistenfläche grundsätzlich eine gute Sache ist. Das sieht aber sogar der Alpenverein so.

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 11.02.2020 - 16:22
von gerrit
Die Diskussion hier ist einerseits off topic und andererseits absurd. Ich war ja schon am linken Fernerkogel, wie ich ja weiter oben schon geschrieben habe, ich gehe viele Schitouren und benütze aber auch Aufstiegsanlagen und Pisten. Hier wird mit Begriffen herumgeworfen, ohne auch nur halbwegs zu definieren, was damit gemeint wird.
Wenn man meint, "unberührte Natur" besteht dann, wenn "keines Menschen Fuß" dort den Boden berührt bzw. berühren darf, dann gibt es in Österreich meines Wissens einen oder zwei kleine und sehr umschriebene Stellen irgendwo in Nieder- oder Oberösterreich, wo ein paar Hektar "Urwald" existieren, von dem man versucht, alle Menschen fernzuhalten. Bei dieser Definition gibt es außerhalb dieser Bereiche natürlich keine "unberührte Natur" mehr. Wenn ich aber darunter ein Gebiet verstehe, das frei zugänglich ist, aber gleichzeitig auch frei von baulichen Maßnahmen ist, dann vergrößert sich die davon betroffene Fläche natürlich. Allerdings gibt es menschliche Eingriffe oder bauliche Maßnahmen letztlich in nahezu allen Gebieten der Alpen, und zwar in Form von Wegen und natürlich auch von Hütten oder z.B. Gipfelkreuzen. "Unberührte Natur" kann daher nur ein relativer Begriff sein, und man muss definieren, in welchem quantitativen und qualitativen Ausmaß menschliche Spuren vorhanden sein dürfen. Ein Wanderweg auf einen Berg stellt zweifellos nur einen marginalen Eingriff in die Natur dar, der bei fehlender Benützung und Instandhaltung vermutlich nach kurzer Zeit nicht oder nur mehr schwer auszumachen ist, eine Aufstiegsanlage und eine trassierte Piste jedoch werden in einem "natürlichen" Prozess vermutlich mehrere Jahrzehnte oder Jahrhunderte brauchen, um durch "natürliche" Vorgänge zu verschwinden. Und ich möchte jedenfalls behaupten, dass unter Annahme einer nie erfolgten Erschließung von Ischgl/Samnaun auch 10000 oder 20000 Tourengeher täglich in diesem Gebiet es nicht schaffen würden, die Natur in dem Ausmaß zu verändern, in dem es die gebauten Aufstiegsanlagen und Pisten getan haben.

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 11.02.2020 - 16:31
von wetterstein
gerrit hat geschrieben:
11.02.2020 - 16:22
Die Diskussion hier ist einerseits off topic und andererseits absurd.
Yep. Es ist alles geschrieben worden, aber noch nicht von allen! :wink:

Re: Gletscherverbindung Pitztal-Sölden

Verfasst: 11.02.2020 - 22:52
von manitou
Jan Tenner hat geschrieben:
11.02.2020 - 14:23
Wahrer Naturschutz und wahre Gegnerschaft würde daher das Gebiet für alle sperren - und diese Idee finde ich gut!
Ich bin kein Tourengeher und gehe mit deiner grundsätzlichen Argumentation (Gigantismus usw.) grundsätzlich mit, aber im Bemühen, deine Verachtung für skitourengehende "Natur-Fundis" ausdrücken, verlierst du meiner Meinung nach total die Verhältnismäßigkeit bei deinen Argumenten.

Deine Argumente greifen nämlich nur, wenn man die "Unberührtheit" wirklich als schwarz.weiß-Zustand sieht, so als habe die Natur ihre Jungfräulichkeit verloren, wenn sie jemand betreten hätte.
Natürlich ist mein These provokant und polarisierend - aber das muss manchmal sein, um zum Nachdenken anzuregen. Ich habe ja zuvor die philosophische Frage gestellt, wann ist Natur unberührt bzw. nicht mehr. I.d.R. sind es die Fundies, die mit ihrer übertriebenen Argumentation suggerieren, dass die halbe Natur zerstört wird, wenn hier oder dort ein Lift modernisiert, eine Beschneiung ausgebaut oder eine Waldschneise für eine Piste gerodet wird und wollen folglich "unberührte Natur" schützen. Dem wollte ich einfach mal einen radikal konsequenten Spiegel vorhalten. Die polemisieren ja oft wahllos mit gleichlautenden Argumenten gegen jede Skigebietsmodernisierung - auch wenn ich im Falle des Pitztal sogar mit denen eine gemeinsame Gegenerschaft bilde. Das hält mich nicht ab, deren oftmals maßlosen Übertreibungen zu kritisieren. Was die Fundis im Sudeleld, im Harz am Fichtelberg o.a. anrichten, das sprengt jedes vernünftige kritische Maß. Insbesondere das Vorgehen des Alpenvereins am Sudelfeld hat mich fassungslos gemacht.
Auf der anderen Seite bin ich überrrascht, auf einmal Thanks von "Tiroler Oldie" zu bekommen, dessen gegenläufig fundamentale Argumentation ich ebensowenig akzeptieren kann. Ich nehme das "Thanks" nicht an um mich keiner unlauteren Zustimmungen zu bemächtigen.

Welche Maßstäbe wollen wir anwenden? Ziemlich klar ist der Maßstab, dass in Tirol nur noch Skigebietsverbindungen zulässig sind und keine Neuerschließungen: Die Sachlage ist für mich eindeutig, wie auch J. Kostenzer vom LUA Tirol in der BR-Doku erläutert - der Bauumfang ist eine Neuerschließung/Erweiterung getarnt als Verbindung. Eine reine Verbindung könnte man mit einer Bahn ohne Piste schaffen, ähnlich wie St.A/Zürs, Lech/Warth oder in Sölden der Gletscherexpress, aber das wollen Falkner/Rubatscher nicht. Sie wollen das größte Gletscherskigebiet - und dazu sage ich NEIN, weil es klare Maßstäbe verletzt - und unnötige Wettbewerbsverschärfungen befeuert!