Neues am Kaunertaler Gletscher

Diskussionen über neue Lifte, Pisten, Restaurants, Beschneiung etc.
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Beitrag von starli » 27.04.2004 - 19:26

grad kam auf "Tirol Heute" ein Bericht drüber, mit geilen Luftaufnahmen ..

Sorry für die schlechte Qualität, habs nur schnell abfotografiert :)

Rechter (südlicherer) Teil Gepatschferner:
Bild
(mitte links - ist da diese brandenburger hütte zu sehen?)

.. etwas mehr einblick in den nördlichen Teil des Gepatschferners
Bild

.. etwas weiter links, ganz links hinten wär das kaunertal:
Bild

.. und nochmal:
Bild

Mist, von dem TV-Bericht von der Brandenburger Hütte letztens hätte man da sicher mehr gesehen (da war sicher mal die Weißseespitze + Gepatsch zus ehen ...)
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Beitrag von Tyrolens » 27.04.2004 - 19:44

Steil ist er wirklich nicht, der Gepatsch Ferner, allemal für Anfänger geeignet.

Ob Sommerskilauf dort überhaupt möglich ist? Wer fährt im Sommer rauf, und macht Photos? Starli???

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Beitrag von starli » 27.04.2004 - 19:47

Ich kann erst Fotos machen, wenn die Gondel in Betrieb ist :) Bin ja kein Tourengeher...
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Beitrag von Tyrolens » 27.04.2004 - 20:16

dann werde ich wohl herhalten müssen. Werde aber eher per pedes raufgehen.

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Beitrag von Michael Meier » 27.04.2004 - 20:18

Hmm das ist twas zu hoch für meine Spionagerakete. 150m währe OK.

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Beitrag von Emilius3557 » 27.04.2004 - 22:23

@Starli: nein, den Bericht habe ich gesehen, da war nur ein ganz kurzer Blick auf diese riesige, noch unberührte (!) Eisfläche, in der Bergsteigerliteratur "Riesen-Eissumpf" genannt. Ansonsten war nur die Hütte viel im Bild, beeindruckende Sache.

Also ein paar möglichst objektive Kommentare zu diesem Thema:

Ich bin eher gegen diese Erschließung, unter anderem aus folgenden Gründen:

- der Gepatsch-Ferner ist der zweitgrößte Gletscher der Ostalpen und ein großes Stück unberührter Natur
- es gibt genügend Gletscherskigebiete: okay, im Herbst ist manchmal viel los, aber schaut euch den Rest des Jahres an?
- glaubt ihr, dass wegen einer PB und zwei SLten plötzlich alle ins Kaunertal und nicht mehr ins Stubaital fahren, das für die Süddeutschen-Ausflügler sehr viel günstiger liegt? Tux, Sölden und Stubai, Kitzsteinhorn sind nach wie vor besser technisch ausgerüstet und bieten im Hochwinter mehr. An der peripheren Lage ändert auch die Weißseespitzgipfelbahn nichts, ebenso wenig wie das meiner Ansicht nach die Anbindung an das Langtauferer Tal beheben würde, das ja auch nicht gerade dicht an den nachfragerelevanten Metropolen liegt.
- das Zugangsproblem (lange Straße, nächste Übernachtungsmöglichkeit in Feichten etc. dort nicht viel los (vgl. zu Sölden oder Tux) wird nicht gelöst
- von der PB Hoher Zahn eine Abfahrt zum Parkplatz wird schwierig (steil, Spalten, Eisbrüche, Gelände in Bewegung)
- natürlich liegt das Ding sehr hoch, landschaftlich bei tollem Wetter sicherlich genial => kann man heute schon haben, von der Bergstation SL Weißsee ca. 1-1 1/2 h über den Westgrat, soll nicht schwierig sein
- wenn ich auf hochgelegenen Gletschern fahren will die nicht steil sind, kann ich das heute schon besser in Zermatt, Les Deux Alpes und am Stilfserjoch. Die Weißseespitze wird gletscherskitechnisch auch keine Offenbarung bedeuten.
- Sommerski wird auch in den nächsten Jahren wohl eher nicht zum Trendsport werden
- natürlich wird man dort oben eine tolle Aussicht haben, kein Widerspruch, aber mit diesem Argument könnte man auf sehr viele Alpengipfel eine Seilbahn und Schlepplifte bauen. Ihr werdet das sicher auch so sehen, dass Aussicht allein kein Argument für Skierschließung ist, weil wg der Aussicht könnte man meintwegen auch zu Fuß gehen, wozu gibt es Leute wie einheimische Berg- und Skiführer?
- der Aufwand und der Schaden, der dabei entsteht wird wohl nicht ganz dem Nutzen entsprechen.
- Ihr könnt mir gerne Inkonsequenz vorwerfen, im Pitztal habe ich mich ja zu einem JEIN entschlossen, aber ich denke, dass die Fernerkogel-Pläne samt Talabfahrt samt Ausbau des bestehenden Gebietes samt Sölden-Verbindung insgesamt mehr bringen
- der Arbeitsplatzeffekt: das ist doch kein Argument zu sagen, wenn wir nicht erschließen sind die Arbeitsplätze futsch. Das hätte man sich vielleicht vorher überlegen sollen, oder nicht? Mit einer Vorwärts-Strategie kommt man nicht immer weiter. Die haben in den 1980er Jahren leider schon den Trend verschlafen und zu lange am reinen Sommerskigebiet festgehalten. Wenn ich mich recht erinnere haben die schon zu dieser Zeit Staatsbeihilfen bekommen (@Tyro: kann das sein? Habe ich irgendwo gelesen...) Wenn ein Unternehmen defizitär produziert (und Bereitstellung touristischer Dienstleistung ist auch eine Art Produktion), dann kann es doch nicht in jedem Fall sagen: okay, wir erschließen jetzt mal die und die neuen Märkte und starten 5 neue Produkte, das wird uns dann schon retten...
- das bestehende Gebiet könnte durchaus besser genutzt werden, Stichwort 4 KSB Karlesspitze: von mir aus sofort, das bringt wirkliche Verbesserungen

P.S. Ich sehe gerade, dass ich nicht wirklich objektiv geblieben bin, ist aber auch nicht ganz einfach. Ich wünsche eine spannende und anregende Diskussion, ich bin euch ja übrigens noch "meinen Ausbauplan" Kaunertal+Gepatsch schuldig... :wink: :D

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Beitrag von Emilius3557 » 27.04.2004 - 22:47

lt. Karte ist der bei weitem nicht so flach, wie hier immer dargstellt wird. sogar einige gletscherspalten sind meiner Karte eingezeichnet.
Es hat eben wenig mit der Steilheit des Gletschers zu tun ob er spaltenreich ist. Ich hab aus einigen Bergsteigerberichten sogar entnommen, dass das Gipfelplatt der Weißseespitze sogar eher spaltenreich ist, obwohl man bei der Höhe in normalen Sommer die ganze Zeit Firn haben sollte (= Nehrgebiet). In dem Bericht übers Brandenburger Haus war leider auch von tödlichen Spaltenstürzen letzten Sommer die Rede und dort oben ist es total eben! Zur Demonstration ist der Hüttenwirt (auch Bergführer) mit dem Filmteam auf den Gletscher gestiegen und gleich massiv eingebrochen, das war ein einziger Schweizer Käse, der Gletscher!
Die Gefrorene Wand ist ja auch steil und hat im Bereich der SLte so gut wie keine Spalten, das müsste keiner besser wissen als du, weil du als einziger von uns im August dort oben herumfährst, Starli.


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Beitrag von Tyrolens » 27.04.2004 - 22:54

Marius hat geschrieben: Wenn ich mich recht erinnere haben die schon zu dieser Zeit Staatsbeihilfen bekommen

Ohne Beihilfen gäb?s die Gletscherbahnen wahrscheinlich heute gar nicht mehr. Meines Wissens wurde das ganze Projekt größtenteils vom Land finanziert und vor ein paar Jahren nocheinmal mit einer großen Finanzspritze vor der Insolvenz bewahrt.
Aus diesem Blickwinkel stellt sich natürlich auch die Frage, ob man aus wirtschaftlicher Sicht die Gletscherbahnen überhaupt bauen hätte dürfen.

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Beitrag von Emilius3557 » 27.04.2004 - 22:59

Aus diesem Blickwinkel stellt sich natürlich auch die Frage, ob man aus wirtschaftlicher Sicht die Gletscherbahnen überhaupt bauen hätte dürfen.
Meines Wissens war die Kaunertaler Erschließung explizit eine regionalpolitische Maßnahme, eben um dem Tal wirtschaftlichen Auftrieb zu verschaffen. Als solche war sie dann aber doch mehr oder weniger erfolgreich, oder?

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Beitrag von Tyrolens » 27.04.2004 - 23:39

Da bin ich mir nicht so sicher. Wenn man nicht im Tourismus arbeiten möchte, hat man im Kaunertal noch immer keine Chance Tourismusfremde Jobs gibt?s dort kaum.
Und die große Kohle streichen ohnehin nur einige wenige ein. Klar, zum Überleben reicht?s, aber das ist heute einfach zu wenig. Die Menschen wollen sich ihre Jobs aussuchen können.

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Beitrag von k2k » 27.04.2004 - 23:49

Marius hat geschrieben:Also ein paar möglichst objektive Kommentare zu diesem Thema:

Ich bin eher gegen diese Erschließung, unter anderem aus folgenden Gründen:

- der Gepatsch-Ferner ist der zweitgrößte Gletscher der Ostalpen und ein großes Stück unberührter Natur
- es gibt genügend Gletscherskigebiete: okay, im Herbst ist manchmal viel los, aber schaut euch den Rest des Jahres an?
- glaubt ihr, dass wegen einer PB und zwei SLten plötzlich alle ins Kaunertal und nicht mehr ins Stubaital fahren, das für die Süddeutschen-Ausflügler sehr viel günstiger liegt? Tux, Sölden und Stubai, Kitzsteinhorn sind nach wie vor besser technisch ausgerüstet und bieten im Hochwinter mehr. An der peripheren Lage ändert auch die Weißseespitzgipfelbahn nichts, ebenso wenig wie das meiner Ansicht nach die Anbindung an das Langtauferer Tal beheben würde, das ja auch nicht gerade dicht an den nachfragerelevanten Metropolen liegt.
- das Zugangsproblem (lange Straße, nächste Übernachtungsmöglichkeit in Feichten etc. dort nicht viel los (vgl. zu Sölden oder Tux) wird nicht gelöst
- von der PB Hoher Zahn eine Abfahrt zum Parkplatz wird schwierig (steil, Spalten, Eisbrüche, Gelände in Bewegung)
- natürlich liegt das Ding sehr hoch, landschaftlich bei tollem Wetter sicherlich genial => kann man heute schon haben, von der Bergstation SL Weißsee ca. 1-1 1/2 h über den Westgrat, soll nicht schwierig sein
- wenn ich auf hochgelegenen Gletschern fahren will die nicht steil sind, kann ich das heute schon besser in Zermatt, Les Deux Alpes und am Stilfserjoch. Die Weißseespitze wird gletscherskitechnisch auch keine Offenbarung bedeuten.
- Sommerski wird auch in den nächsten Jahren wohl eher nicht zum Trendsport werden
- natürlich wird man dort oben eine tolle Aussicht haben, kein Widerspruch, aber mit diesem Argument könnte man auf sehr viele Alpengipfel eine Seilbahn und Schlepplifte bauen. Ihr werdet das sicher auch so sehen, dass Aussicht allein kein Argument für Skierschließung ist, weil wg der Aussicht könnte man meintwegen auch zu Fuß gehen, wozu gibt es Leute wie einheimische Berg- und Skiführer?
- der Aufwand und der Schaden, der dabei entsteht wird wohl nicht ganz dem Nutzen entsprechen.
- Ihr könnt mir gerne Inkonsequenz vorwerfen, im Pitztal habe ich mich ja zu einem JEIN entschlossen, aber ich denke, dass die Fernerkogel-Pläne samt Talabfahrt samt Ausbau des bestehenden Gebietes samt Sölden-Verbindung insgesamt mehr bringen
- der Arbeitsplatzeffekt: das ist doch kein Argument zu sagen, wenn wir nicht erschließen sind die Arbeitsplätze futsch. Das hätte man sich vielleicht vorher überlegen sollen, oder nicht? Mit einer Vorwärts-Strategie kommt man nicht immer weiter. Die haben in den 1980er Jahren leider schon den Trend verschlafen und zu lange am reinen Sommerskigebiet festgehalten. Wenn ich mich recht erinnere haben die schon zu dieser Zeit Staatsbeihilfen bekommen (@Tyro: kann das sein? Habe ich irgendwo gelesen...) Wenn ein Unternehmen defizitär produziert (und Bereitstellung touristischer Dienstleistung ist auch eine Art Produktion), dann kann es doch nicht in jedem Fall sagen: okay, wir erschließen jetzt mal die und die neuen Märkte und starten 5 neue Produkte, das wird uns dann schon retten...
- das bestehende Gebiet könnte durchaus besser genutzt werden, Stichwort 4 KSB Karlesspitze: von mir aus sofort, das bringt wirkliche Verbesserungen
Das entspricht nahezu 100% den Gedanken, die ich in meinem Beitrag weiter oben andeuten wollte.
"Seilbahnen sind komplexe technische Systeme. Sie sind Werke innovativen vielschichtigen Schaffens und bilden ein spannungsvolles Zusammenspiel technischer und wirtschaftlicher, politischer, sozio-kultureller und landschaftlicher Faktoren." (Schweizerisches Bundesamt für Kultur)

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Beitrag von trincerone » 28.04.2004 - 00:06

Als kleine Anmerkung ausschließlich zu der Frage, wie gut oder schlecht der Gletscher zu erreichen ist: die Aussage, er sei von Deutschland aus schlecht zu erreichen trifft nur für den Raum München zu. Vom Großraum Stuttgart ist man an keinem Gletscher so schnell wie am Kaunertaler! Vom gesamten würtembergischen Raum würde man eh über den Arlbergtunnel fahren, und dann kommt man genau am Kaunertal raus. Demnächst ist die Autobahn über den Arlberg ziemlich durchgehend und im Anschluss daran gibt es ja jetzt schon den Tunnel um Landeck rum. Also für Oberschwaben liegt das Gebiet sehr gut. Und selbst übern Fernpass kommt recht gut hin (allerdings ebenso ins Pitz- und Ötztal). Beide sind aber so lang, dass es mich immer am Tagesausflug gehindert hat - noch dazu, weil man imPitztal so beschissen raufkommt.

Ich wundere mich auch sehr, warum der Kaunertaler so gern als per se zum Scheitern verurteilt hingestellt wird. Abgesehen, dass er landschaftlich deutlich mehr zu bieten hat als die meisten seiner Konkurenten, finde ich ihn auch sportlich durchaus gleich oder sogar interessanter als die meisten anderen der Region.

Lassen wir mal den im Prinzip uninteressanten Sommerschi raus und konzentrieren uns aufs Früjahr und den Herbst - da wo's interessant ist.

Im Verhältnis zum Pitztal gewinnt der Kaunertaler bei mir schon sofort wegen seiner wesentlich besseren Anbindung. In der Zeit, die man im Pitztal bis zum Pitzexpress fährt ist man im Kaunertal schon lange auf den Schiern. Dasselbe gilt in jedem Fall fürs Stubaital und - beim Tagesausflug - auch für Sölden. Um erstmal beim Pitztal zu bleiben: Nachteile dort sind bekanntermaßen der gesamte Bereich Mittelbergjoch I und II, weil zu flach. Ganz o.k. ist der Brunnenkogelschlepper. Ein echtes Highlight dagegen die tollen Hänge, die die Pitzpanoramabahn erschließt. Im Vergleich hierzu im Kaunertal: Weißsseefernerhänge als sehr platte Pisten sind vergleichbar mit dem Mittelbergjoch im Pitztal. Brunnenkogel und Karlesspitze lassen sich auch vergleichen, letzterer ist sogar nach meiner Erinnerung oben steiler. Für die Pitzpanoramabahn gibt es nichts vergleichbares im Kaunertal - hier hat der Pitztaler einen Vorteil. Allerdings könnte das durch eine Weißsseespitzbahn wett gemacht werden. Allerdings bietet der Kaunertaler mit der Piste vom Nörderjoch zut Ochsenalmbahn I eine extrem lange Piste mit großem Höhenunterschied, die im oberen Bereich durchaus nicht langweilig ist (finde ich). Trotzdem sind die Pisten vom hinteren Brunnenkogel schon spektakulärer. Ungeschlagegen dagegen am Kaunertaler die Hänge, die vom Wiesjaggllift erschlossen werden - die schwarze ist der Hammer und die Tiefschneehänge rundrum machen auch spaß - sowas gibts am Pitztaler nicht. Schlussendlich ist aber schlichtweg die Tatsache, dass der Pitztaler Gletscher nicht über auch nur im mindesten effiziente Liftanlagen verfügt und das Gebiet noch dazu sehr zerfällt in den Bereich Mittelbergjoch und Brunnenkogelund schließlich die Tatsache, dass man in keinem Schigebiet so lange warten muss, dass man wieder runterdarf, für mich immer Ausschlussgrund gewesen dort nochmal hinzufahren. Sei die Fernerkogelbahn auch eine Verbesserung - die lahmen und schwachen Lifte oben ersetzt sie nicht (vor allem Pitzpanoramabahn und DSB Gletschersee, die dann wohl ganz zusammenbricht). Also im Vergleich Pitztal-Kaunertal gewinnt letzterer für mich sofort.

Im Vergleich zum Stilferserjoch überzeugt der Kaunertaler ebenso durch bessere Erreichabrkeit, weit bessere Lifte und überwiegend sportlichere Pisten.

Im Vergleich zum Söldener hats der Kaunertaler schwerer. Seit den letzten Neuerungen ist der Sölden Gletscher Lifttechnisch besser ausgebaut. Gegen den Tagesausflug spricht die ewig lange Fahrt durchs Ötztal. Objektiv kann man jedenfalls nicht sagen, dass der Ötztaler Gletscher jetzt deutlich schlechter wäre als der Kaunertaler, höchstens, dass man am Kaunertaler tendenziell besseres Wetter hat. Im Pistenvergleich schneidet für mich der Rettenbachferner nicht so gut ab, allerdings bietet die Schischaukel mit dem Tiefenbahferner eine interessante Abwechslung. Es mangelt dem Söldener aber ein bisschen an langen Pisten mit großem Höhenunterschied gegenüber dem Kaunertaler.

Der große Unterschied aber zwischen beiden ist das Ambiente und das Klientel: Sölden ist berühmt berüchtigt, das ist ja kein Geheimnis. Am Kaunertaler ists ruhiger und alternativer. Ein großer subjektiver Pluspunkt für alle, die darauf Wert legen.

Im Vergleich zum Stubaital schneidet der Kaunertaler Lift- und Pistentechnisch deutlich schlechter ab. Mit einem ruhigen Tag am Stubaier kann der Kaunertaler im Prinzip nicht mithalten. Allerdings bietet er auch hier weider dann die bessere Alternative, wenn man nicht auf Mallorca-Techno und Volllaufenlassen am Pistenrand steht. Außerdem muss man nur mal eine Stunde unten gestanden haben, um sich gewisse Vorteil in der Erschließung des Kaunertalers klar gemacht zu haben. Schließlich wieder siond auch die leereren Pisten am Kaunertaler eines dieser subjektiven Argumente, sowie eventuell der Preis. So bin ich öfter am Kaunertaler gewesen, aber durchaus mal ins Stubaital gefahren.

Den Hintertuxer kenn ich nicht gut genug für ein Urteil, ich denke hier wirds der Kaunertaler schwer haben, wobei ich nicht weiß, wie das mit dem Ambiente am Hintertuxer ist. Könnte also auch wieder subjektiv interessanter sein, wobei da auch die Abwägung eine Rolle spielt.

Kitzsteinhorn kenn ich überhaupt nicht - mir ist auch noch nicht ganz klar, warum es so beliebt fährt, ich hab wiederholt überlegt hinzufahren, hab aber nie was interessantes darn gefunden. Vielleicht leigt das aber auch gerade daran, dass ich es nicht kenn.

Die Sommerschigebiete der Westalpen lasse ich außen vor, weil sie anfahrtechnisch für den Wochenendtrip aus unseren Breiten ebenso wie die der Südalpen nicht zur direkten Konkurenz des Kaunertalers gehören.

Fazit:

Dem Stilfserjoch und dem Pitztaler ist der Kaunertaler m.E. überlegen. Im Verhältnis zum Söldener kommts so ein bisschen drauf an, was man will. Dem Stubaier und Hintertuxer ist er unterlegen. Wenn man jedoch das Publikum abgreift, dass eh eher etwas anderes sucht als das typische Ambiente am Stubaier Gletscher, insbesondere wenn man entsprechende Nischen abgreift und das mit einem entsprechnden Marketing verbindet, ist der Kaunertaler glaub ich nicht so hoffnungslos nicht konkurentfähig, wie das gerne dargestellt wird. Klar, Stubai ist größer und besser erschlossen. Trotdem wird der Kaunertaler m.E. meist unterschätzt. Es scheint mir, als dass ein besseres Marketing hier schon einiges bewirken könnte. Insbesondere in Verbindung mit einer Bahn zum Gepatschfern und Rückkehrmöglich vom Stausee zur Ochsenalmbahn I. Eine enormlange Piste mit 1500m HU - das wär schon was. Gleichzeit müsste man versuchen sich ein stärkeres Profil zu geben - etwas indem versucht bewusst mehr Freerider und Boarder anzuziehen, entsprechnde Events organisiert oder preisgünstigere Studenten- und Familienskipässe verkauft oder sowas. Ich bin Marketingexperte, aber mir schint dem Kaunertaler fehlt vor allem das Image und das Profil.

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Beitrag von k2k » 28.04.2004 - 00:27

Nur ein Kritikpunkt an deinen Ausführungen: Aus der Oberschwaben- und Bodenseeregion mag das mit der Attraktivität für Tagesausflüge noch passen. Aber wenn du nur über die Alb drüber in die dichter besiedelte Region Stuttgart und etwas südlich davon gehst, da trifft das schon kaum noch zu. Das Maximale, was da noch z.B. bei Tagesausfahrten im Reisebus (was hier recht beliebt ist) angeboten wird, ist Ischgl. Und das sind dann schon die berüchtigten 24h-Tagesausfahrten wo du morgens ewig früh losfährst und spät in der Nacht (meist besoffen) wieder heim kommst.
Sämtliche Gletscher werden dagegen nur fürs ganze Wochenende angeboten - und da stört es dann nicht mehr, ob man jetzt 50 km weniger ins nächste Tal fährt oder nicht.
Und für private Fahrten sieht das sicher nicht viel anders aus, ich kenne jedenfalls niemanden der von hier aus Tagesausflüge auf die Tiroler Gletscher unternimmt.
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Beitrag von Emilius3557 » 28.04.2004 - 00:37

Ein paar Bemerkungen hierzu:

In allen Ehren deine Sympathie fürs Kaunertal, Christian, aber jetzt legst du einige Argumente schon sehr stark zu dessen Gunsten aus!
Grundsätzlich stimme ich dir zu, dass Marketing/Image-mäßig sicher noch einiges machbar wäre.
die Aussage, er sei von Deutschland aus schlecht zu erreichen trifft nur für den Raum München zu. Vom Großraum Stuttgart ist man an keinem Gletscher so schnell wie am Kaunertaler!
Das mag stimmen. Nur, warum ist dann im Kaunertal so wenig los? Zumindest für die Münchner/Oberbayern ist es langwierig zu erreichen, frag mal Raimund/Lootragi, der war im Januar dort und hat 4 (!!!) Stunden gebraucht. Nach Hintertux fährt er die Hälfte.
Nachteile dort sind bekanntermaßen der gesamte Bereich Mittelbergjoch I und II, weil zu flach
Nein! Das oberste Stück Mittelbergjoch I ist flach, aber nicht zuuu flach. Danach kommt ein hübscher Steilhang von ca. 300 Hm, den du geflissentlich unterschlägst, genauso wie die oftmals unpräparierte schwarze Buckelpiste und die hübsche "Macho Macho". Vom Mittelberg II aus kann man den "Schweizer Weg" erreichen. Frag mal Starli, ich glaube der findet diese schwarze Abfahrt nicht zu flach bzw. langweilig. Laut seinen Photos hat das "Bellecôte"-Charakter, vor allem die Startrinne.
Brunnenkogel und Karlesspitze lassen sich auch vergleichen, letzterer ist sogar nach meiner Erinnerung oben steiler[/img]
Das auf jeden Fall, nur: Brunnkogel steht bis auf 2 Stützen noch im Gletschereis und ist ab Ende September in Betrieb, Karlesspitze nicht.

Die gesamte Kritik am Pitztaler (Wartezeiten, Liftkomfort, keine langen Abfahrten im Hochwinter => geschenkt, kritisiere ich auch alles, vgl erste Seiten des News am Pitztaler Topics)
höchstens, dass man am Kaunertaler tendenziell besseres Wetter hat.
Puh, manchmal lehnst du dich, finde ich, recht weit aus dem Fenster. Rein logisch betrachtet müsste es umgekehrt sein. Kaunertal liegt an der Nordwestseite der Ötztaler Alpen = Wetterseite. Rettenbach/Tiefenbach liegt recht geschützt im Inneren.
Im Pistenvergleich schneidet für mich der Rettenbachferner nicht so gut ab, allerdings bietet die Schischaukel mit dem Tiefenbahferner eine interessante Abwechslung. Es mangelt dem Söldener aber ein bisschen an langen Pisten mit großem Höhenunterschied gegenüber dem Kaunertaler.
Was ist mit dem Weltcup-Hang? Seiterjöchl? Sölden hat immerhin das gesamte Winterskigebiet mit 110 km Piste "in der Hinterhand"

Und noch ein recht gewichtiges Argument:
ich habe in einem Topic hier mal die Besucherzahlen der großen sechs österreichischen Gletscherskigebiete verglichen. Rate mal, wer am schlechtesten abgeschnitten hat? Irgendeinen Grund muss das doch haben, oder? Sei es jetzt Erreichbarkeit, das Pisten- und Liftangebot, die Orstnähe/-ferne etc.
Nur zur Größenordnung: der Pitztaler hat etwa doppelt so viele Besucher wie das Kaunertal, der Ötztaler dreimal so viel, Stubai, Tux und Kitzsteinhorn fünfmal so viel. [/quote]

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Beitrag von trincerone » 28.04.2004 - 00:48

Äh... wir haben das gemacht! 8O Aber gut, ich dachte immer, alle Stuttgarter machen das so... Aber auch fürs WE gilt: wenn man nur einmal übernachten will (Sa -> So), lohnt es sich schon, sich ein Schigebiet rauszusuchen, dass nicht so weit weg liegt. Ich bin oft morgens um 6 in Stuttgart los, dann ist man meist in 1,5 h in Lindau und von da nochmal zwei Stunden bis zur ersten Liftfahrt - spätestens 10 ist man dann auf der Piste gewesen. Im Pitztal gings - wegen des langen Tals und des Pizexpresses - selten vor 11 oder noch später. Da muss man dann erst wieder vom Parkplatz zur Stollenbahn und alles. Im Kaunertal hab ich immer gern an dem kleinen Parkplatz oberhalb der Ochsenalmbahn 2 gehalten. Sschisachen hatte ich schon an - Skier aus dem Skisack, Schischuhe, Schier 2 Meter getragen, Abfahrt zum Lift und los. Keine Schlangen an der Liftkasse, keine ewigen Wartezeiten an der Zubringerbahn, keine Shibusse vom Parkplatz zur Bahn ... ... .. ich fand das immer super.

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Beitrag von k2k » 28.04.2004 - 00:57

Naja, also aus deinen Beiträgen hier im Forum lässt sich auch rauslesen, dass du ganz gerne Auto fährst. Das ist nicht bei jedem der Fall, wenn's ums Skifahren geht erst recht. Ich z.B. könnte nicht 4 Stunden Auto fahren, dann 6-7 Stunden skifahren und danach wieder 4 Stunden heim gondeln.
Und 1,5 Stunden Stuttgart-Lindau sind IMHO auch ne ordentliche Leistung, das ist auch morgens um 6 nicht immer machbar.
"Seilbahnen sind komplexe technische Systeme. Sie sind Werke innovativen vielschichtigen Schaffens und bilden ein spannungsvolles Zusammenspiel technischer und wirtschaftlicher, politischer, sozio-kultureller und landschaftlicher Faktoren." (Schweizerisches Bundesamt für Kultur)

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Beitrag von trincerone » 28.04.2004 - 01:51

@Marius:
In allen Ehren deine Sympathie fürs Kaunertal, Christian, aber jetzt legst du einige Argumente schon sehr stark zu dessen Gunsten aus!
Na ja, das war ja keine empirsche Untersuchung, sondern mein Eindruck, den ich mir so gebildet hab.
Das mag stimmen. Nur, warum ist dann im Kaunertal so wenig los? Zumindest für die Münchner/Oberbayern ist es langwierig zu erreichen, frag mal Raimund/Lootragi, der war im Januar dort und hat 4 (!!!) Stunden gebraucht. Nach Hintertux fährt er die Hälfte.
Bestreite ich gar nicht (hab ich auch oben schon gesagt), aber Deutschland besteht nicht nur aus Oberbayern Was glaubst wie lang man von Stuttgart zum Hintertuxer fährt? Das hab ich einmal gemacht - besten Dank. Da bin ich sogar über München zurückgefahren, weil ich hoffte, dass es schneller ginge als der Hinweg durch das blöde Inntal.


Nein! Das oberste Stück Mittelbergjoch I ist flach, aber nicht zuuu flach. Danach kommt ein hübscher Steilhang von ca. 300 Hm, den du geflissentlich unterschlägst, genauso wie die oftmals unpräparierte schwarze Buckelpiste und die hübsche "Macho Macho". Vom Mittelberg II aus kann man den "Schweizer Weg" erreichen. Frag mal Starli, ich glaube der findet diese schwarze Abfahrt nicht zu flach bzw. langweilig. Laut seinen Photos hat das "Bellecôte"-Charakter, vor allem die Startrinne.
Als ich dort war, hatte nur eine Piste auf, die bergwärts rechts vom Lift war. Am Mittelberg II ebenfalls nur parallel zum Lift. Gut, vielleicht sind meine Kenntnisse da nicht umfassend. Aber unten muss man doch wieder über das ewig flache Stück im Bereich um die Talstation. An einen Steilhang in der Mitte kann ich mich nicht mehr erinnern, allerdings geb ich zu, dass die Flachstücke eher am Anfang und am Ende liegen und da muss man so oder so rüber. Und der Einstieg am Weißsseeferner oben ist auch nicht ohen - allerdings sind das eher 100 - 150 HM, wenn ich es recht in Erinnerung hab - jedenfalls keine 300.
Das auf jeden Fall, nur: Brunnkogel steht bis auf 2 Stützen noch im Gletschereis und ist ab Ende September in Betrieb, Karlesspitze nicht.
Na ja, die Jahre, wo ich es verfolgt hab, war der Karlesspitzelift m.E. immer Ende Oktober, spätestens Anfang November offen. War oft am 2. oder 3. Novemberwochenende am Kaunertaler und da lief immer schon Ochsenalm II, einmal sogar Ochsenalm I!
Rein logisch betrachtet müsste es umgekehrt sein. Kaunertal liegt an der Nordwestseite der Ötztaler Alpen = Wetterseite. Rettenbach/Tiefenbach liegt recht geschützt im Inneren.
Na ja, vielleicht war es irreführend, dass ich das Argument unter dem Vorzeichen "objektiv" hab laufen lassen. Ich meinte damit nur, dass es nicht geschamcklich geprägt ist. Ich habe keine statitischtischen Untersucheungen darüber, wie oft wo die Sonne scheint. Aber nach meiner Erfahrung ist gerade im Bereich der hohen Berge der Ötztaler Alpen am Alpenhauptkamm immer deutlich schlechteres Wetter als im Bereich davor oder dahinter (das kommt dann darauf an, ob wir eine Nord- oder Südwetterlage haben). Umgekehrt reißt es bekanntlich über großen Tälern immer eher auf. Ich weiß nicht, ob das meteorologisch haltbar ist, aber m.E. sorgen die Täler vor und hinter dem Reschenpass schon für eine leichte Wetterbesserung. Jedenfalls hab ich es wiederholt erlebt, dass im Kaunertal im Bereich Karlespitze die Sonne schien (also immer wiedermal zwischen durch), während das Nörderjoch schon im Schatten lag und über dem Grenzkamm zum Pitzal die Supper hing. Von der Bergstation des Karlesspitzelifts kann man dann auch sehen, dass das Wolkenloch lokal sehr eingegrenzt ist.

Das hab ich wie gesagt mehr als einmal erlebt und zwar an Tagen, wo in den anderen Gletscherschigebieten Suppe war - dazu kommt, dass man im Kaunertal auch recht tief rumfahren kann, was im Pitztal und in Sölden nur begrenzt geht. Im Stubaital profitiert man auch davon, dass unterhalb des Eisgrats manchmal kein Nebel ist, während alles oberhalb in den Wolen ist.
Puh, manchmal lehnst du dich, finde ich, recht weit aus dem Fenster.
Das würde ich sehr bedauern, ich bitte um weitere Beispiele. Ich gebe mir i.A. große Mühe, meine Beiträge durchaus überlegt zu schreiben. Vielleicht gelingt es mir nicht immer, persönliche Eindrücke präzise genug von empirisch nachweisbaren Fakten abzugrnezen?


Was ist mit dem Weltcup-Hang? Seiterjöchl? Sölden hat immerhin das gesamte Winterskigebiet mit 110 km Piste "in der Hinterhand"
Sorry, aber ich fands da eher unspektakulär und vom Seiterjöchl rüber zum Rettenbachparkplatz hab ich als nervig in Erinnerung. Ich war allerdings auch im Winter da und es war saukalt. Ich kann mich jedenfalls auf dem Rettenbach an keine Piste erinnern, die ich besonders interessant fand. Oben an den beiden Schleppern wars nur windig und nicht sehr steil und unten gab es so eine riesige Kurve von Weg, auf dem man zur Talstation gefahre ist. Mit der WEltcupabfahrt hast Du im Prinzip recht - an die kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Kann sein, dass ich die nicht gefahren bin, aber ich war immer an 3 von 6 Tagen auf dem Gletscher oben.

Was das Winterschigebiet angeht - sorry, aber das kann man in Zusammenhang mit dem Gletscher m.E. vergessen. Der spannende Teil ist doch der am Gaislachkogel und das lohtn kaum, den mit dem Gletscher zu verbinden - dann lieber 2 Tage. Und außerdem kommt man auch im Herbst nicht rüber. In Hochsölden gibt es sehr wenige spannende Pisten wie ich finde - mir fallen nur zwei ein. Die Verbindung runterzum Tal Richtung Gaislachkogelgebiet fand ich aufgrund fer Länge ganz nett, und der Sessellift, der auf der Hälfte des Golde Gate quer hochgeht erschlißet auch eine nette Piste. Der ganze Teil des Goldengate taugt meines Erachtens überhaupt nichts und auch rund um Hochsölden ist nicht viel spektakuläres zu finden! Auch ist das Golden Gate so lang atmig, dass es isch kaum lohtn, damit Zeit zu verschwenden, wenn eh nur einen Tag da ist. Schließlich muss es abgesehen davon auch erstmal geöffnet sein, und das ist - oder irre ich mich? - nicht vor Ende November / Anfang Dezember der Fall.

ich habe in einem Topic hier mal die Besucherzahlen der großen sechs österreichischen Gletscherskigebiete verglichen. Rate mal, wer am schlechtesten abgeschnitten hat? Irgendeinen Grund muss das doch haben, oder? Sei es jetzt Erreichbarkeit, das Pisten- und Liftangebot, die Orstnähe/-ferne etc.
Na ja, dass er am wenigsten Besucher hat, hab ich ja nicht bestritten. Ich find aber nicht, dass man daraus schließen kann, dass das Schiegebiet überhaupt nichts taugt - und das war ja mein Ausganspunkt im betrachteten Posting.

Ich hab nie bezweifelt, dass mindestens Stubai und Tux vom Schigebiet her mehr bieten, erschließungstechnisch auch das Ötztal. Das hab ich ja gerade geschrieben. Na klar ziehen die dann auch mehr Leute. Saalbach zieht auch mehr Leute als Gressoney - das heißt ja nicht, dass letzeres als Schigebiet nichts taugt, sondern nur dass ersteres geschmacklich einem größeren Teil von Menschen - aus welchen Gründen auch immer - besser gefällt.

Insbesondere beim Kaunertaler kommt dann dazu, dass es genau denen aber nicht gelingt, eben ihre strukturellen Nachteile dadurch auszugleichen, dass die alternaitc Kunden werben, indem sie sich eben auf Vorteile berufen, die andere nicht haben und sich ihre Nische suchen. Das funktioniert bei anderen kleinen Schigebieten doch auch (zumindest in Maßen). Sei es südtiroler Familienambiente oder der Freeridegeist von La Grave - wenn man nicht durch drei Funitels und 100km Pisten bestechen kann, muss man sich halt was anderes suchen, was einen für Besucher attraktiv macht. Und genau das tun die Kaunertaler nicht! Und das dürfte in meinen Augender Grund sein, warums es denen deutlich schlechter geht als manchen anderen. Dass auch mit perktem Marketing nicht ans Stubaital rankommen werden, ist mir auch klar. Hab ich aber auch nie behauptet. Natürlich sind die strukturellen Schwachstellen des Gebiets der Grund für die geringen Besucherzahlen - der Effekt müsste aber nicht so extrem ausfallen, wenn man sich mehr sein Nische suchen würde.

Jedenfalls belich ich bei meiner Ansicht, dass es übertrieben ist, dass Kaunertaler Gletscherschigebiet als total langweilig darzustellen und dass dieses Schigebiet sich durchaus mit anderen Gletscherschigebieten messen kann - aber sicherlich nicht in allen Punkten.


P.S. Dies ist bewusst nicht Teil meiner Argumentation, weil solche "alle Leute, die ich kenne"-oder-"ich kenn wen, der kennt wen"-Argumentationen in meinen Augen unsachlich sind. Trotzdem folgender Epilog: Fast alle Leute, die ich meiner Zeit in Schwaben und Oberschwaben kennengelernt hab, sind zum Schifahren im Herbst ausschließlich ins Pitztal gegangen - höchstens ein Viertel ins Kaunertal. (Alle anderen Gletscher aufgrund der Distanz so gut wie gar nicht). Weil mich das sehr überrascht hat, hab ich oft nachgehakt und meistens so eine Antwort bekommen, wie "wir fahren eigentlich immer zum Pitztaler und das ist doch ganz nett da". Einige davon hab ich dann mal überreden können zum Kaunertaler mit zu kommen und die waren jedesmal positiv überrascht! Natürlich haben sie danach nicht den Pitztaler verteufelt, aber bei einigen weiß ich, dass die jetzt auch schon öfter beim Wochenendtrip einen Tag Kaunertal / einen Tag Pitztal gemacht haben - vor allem, weil man dann nämlich auch bei der Anreise aus Oberschwaben am Samstag früher Skifahren kann. Am Sonntag ist es dann egal, weil man ja eh schon im Gebiet ist, da kann man dann gut zum Pitztaler rüber (am besten schon Sa Abend). Ich habs beim Kaunertaler jedenfalls überdurchschnittlich oft erlebt, dass der aufgrund der langen Gletscherstraße und bestimmter struktureller SChwachpunkte unterschätzt wurde. Das ändert zwar nicht an den Strukturschwächen und mag sich sicher nicht verallgemeinern lassen, zumal der WE Trip ja eh nur aus dem schwäbischen Raum in Frage kommt - es sollte aber auch nur ein kleiner Epilog als Zusatz sein.

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Beitrag von trincerone » 28.04.2004 - 02:14

Ja gut, ich mach auch WE Skitrips von Hannover aus - ist mir schon klar. dass ich da wohl ziemlich allein bin. Aber Sa / So in die Alpen von Suttgart aus - da hab ich einige kennengelernt, die das gemacht haben. Aber das waren tendenziell auch eher Skifreaks. Eine bekannte (eine Französin) ist sogar fürs WE ins Stubaital gefahren und fürs verlängerte nach Chamonix!

Na ja, für Gletscher WE von Stuttgart aus, ist das Problem ja wieder das gleiche wie für einen Tagestrip: wenn man erst Samstag anreist, kann man schon deutlich früher an dem gleichen Tag skifahren, wenn man ins Kaunertal fährt. Würde man nach Hintertux wollen, müsste man schon Freitag anreisen.
Und 1,5 Stunden Stuttgart-Lindau sind IMHO auch ne ordentliche Leistung, das ist auch morgens um 6 nicht immer machbar.
Na ja, es geht ja um Samstag morgen. Da kommt man den Drackensteiner meist problos rauf und auch das Alpstück danach um Ehingen ist frei. Hinter Ulm ist es ja dann eh kein Ding mehr.

Du hast sicher recht, wenn Du sagst, dass das nicht jedermanns Sache ist. Ich bin halt in meiner Stuttgarter Zeit eigentlich jedes Wochenende nach Hannover gefahren und dann - als hier wieder hier wohnte - auch noch lange alle 14 Tage zu meiner Freundin nach Ravensburg, von wo wir dann oft Sa / So in die Alpen sind und ich dann Sonntagnacht wieder rauf bin. Da gewöhnt man sich an die Distanzen un ich fahre wirklich gern. Ich fahre auch sehr gerne nachts, und dann, wenn es Straßen und Verkehrsverhälnisse erlauben, 200 km / h. Mittlerweile - seit Ines nach Hannover gezogen ist - fahre ich in erster Linie nur noch zu Konzerten und wegen Filmsachen etc runter oder aber um Ines' Eltern mit ihr zu besuchen. Dadurch ist das weniger geworden - ich bin aber im Schnitt bis zu meinem Motorschaden Ende letzten Jahres immer noch jeden Monat einmal im Süden gewesen. Der April wird jetzt der erste Monat seit langem, wo ich nicht in Süddeutschland war.

Na ja, plötzlich werden die Distanzen so dann relariv gesehen kleiner.... ;)

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Beitrag von Emilius3557 » 28.04.2004 - 09:25

Ich find aber nicht, dass man daraus schließen kann, dass das Schiegebiet überhaupt nichts taugt
Ja, da hast du Recht. Ich sehe das genauso.
Nur, wenn der Kaunertaler wie du sagst, mit den anderen Gebieten durchaus mithalten kann, wodurch erklären sich dann die vergleichsweise niedrigen Besucherzahlen?
Fast alle Leute, die ich meiner Zeit in Schwaben und Oberschwaben kennengelernt hab, sind zum Schifahren im Herbst ausschließlich ins Pitztal gegangen
Das ist ein sehr interessantes Beispiel. Warum? Machen die Kaunertaler zu wenig Werbung, haben keine Publicity? Oder liegt es an der begrenzten Wahrnehmung der Kunden? (keine vollkommene Information)
zumal der WE Trip ja eh nur aus dem schwäbischen Raum in Frage kommt
naja, aus dem Münchner Raum käme er schon in Frage, nur alle anderen Gebiete sind entweder kürzer zu erreichen und bieten im Zweifel eher mehr.
Jedenfalls belich ich bei meiner Ansicht, dass es übertrieben ist, dass Kaunertaler Gletscherschigebiet als total langweilig darzustellen und dass dieses Schigebiet sich durchaus mit anderen Gletscherschigebieten messen kann - aber sicherlich nicht in allen Punkten.
Ja, vollkommen richtig.
Zitat:
Puh, manchmal lehnst du dich, finde ich, recht weit aus dem Fenster.
Das würde ich sehr bedauern, ich bitte um weitere Beispiele.
Das "manchmal" bezog sich auf die Verallgemeinerung des Wetter-Vergleichs. :D
Wenn man viel schreibt und nicht nur schreibt "ja, ich bin für dieses Projekt etc. oder "Scheiß Grüne"..." liegt man mit Vergleichen od. Ä. halt manchmal daneben, geht mir ja noch viel mehr so.


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Beitrag von billyray » 28.04.2004 - 09:49

Alles, was Marius gesagt hat.

Außerdem möchte ich mal ganz ketzerisch die Hypothese in den Raum stellen, dass es wirtschaftlich - und damit arbeitsmarkttechnisch - für die Region sinnvoller wäre, das gut erreichbare und für seine Größe offenbar recht gut angenommene Winterskigebiet in Fendels auszubauen als den Gletscher...

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Beitrag von d-florian » 28.04.2004 - 14:59

@marius:
Den schweizer weg kannst du seit dieser saison nur noch über das Pitztalerlebnis erreichen! Der obere teil vom schweizer weg ist nicht mehr ausgesteckt!!! wobei als tiefschneeabfahrt ist der obere teil auch sau geil zum fahren gewesen!
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Beitrag von Emilius3557 » 28.04.2004 - 15:15

wobei als tiefschneeabfahrt ist der obere teil auch sau geil zum fahren gewesen!
Genau das meinte ich! Werden uns das am So - brauchbares Wetter vorausgesetzt - sicherlich mal aus der Nähe ansehen!

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Beitrag von d-florian » 28.04.2004 - 15:17

wobei der einstieg oben ist schon ziemlich dumm, weil man vom mittelbergjoch 2 en stück hochlaufen muss ud dann zwischen den felsen runterklettern muss um auf die piste zu gelangen! Aus diesem grund wurde sie wohl auch net ausgesteckt dieses jahr! aber dafür sau geil für tiefschnee! :lol:
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Beitrag von Alpi » 28.04.2004 - 16:20

von orf.at
Umweltfront gegen Seilbahninteressen
In ihren Plänen zur Erschließung des Gepatschferners fühlen sich die Kaunertaler durch die geplante Novellierung des Naturschutzgesetzes bestätigt. Umweltanwalt und Alpenverein wehren sich dagegen.


Trumpfkarte UVP
Für Landesumweltanwalt Siegbert Riccabona wäre die Erschließung des Gepatsch-Ferners ein verhängnisvolles Signal, er will sie auf jeden Fall verhindern. Riccabonas Trumpfkarte heißt Umweltverträglichkeitsprüfung: Sie ist aus seiner Sicht notwendig weil es sich um eine Neuerschließung handelt. Und in dieser sogenannten UVP wird die gesamte Belastung der Umwelt genau diskutiert.

Für den Landesumweltanwalt geht es nicht nur um eine Bewahrung von Trinkwasserreserven sondern auch um Argumente wie die Aussicht:

Beeindruckende Landschaftsbilder
"Diese Ausblicke auf die Gletscher sind die beeindruckendsten Landschaftsbilder, die wir in Tirol haben. Mit diesen Werten sollte man sehr sorgfältig umgehen. Das wird in einer UVP eingehend geprüft werden."




Alpenverein vermutet fixe Zusagen
Dass die Betreiber des Erschließungsprojektes im Kaunertal jetzt neuen Aufwind bekommen haben, ist für Peter Hasslacher vom Alpenverein nicht nur eine Folge der geplanten Novellierung des Naturschutzgesetzes in dem der Gletscherschutz aufgeweicht werden soll. Er vermutet, dass es hinter den Kulissen auch weit handfestere Zusagen gibt: "Wir nehmen an, dass es von politischer Seite ein Einverständnis gibt, dass man im Pitztal und im Kaunertal weitere Erschließungen durchführt. Wenn die Betreiber der Gletscherbahnen in diese Situation kommen, dann werden sie die Chance zu einer Erschließung ergreifen."

Ein Teil liegt im Natura 2000 Gebiet
Auch wenn der Alpenverein in einer Umweltverträglichkeitsprüfung keine Parteistellung hat so sieht Hasslacher für sich doch einige Möglichkeiten gegen die Gletschererschließung aktiv zu werden: "Uns ist in dieser Situation zum Heulen. Wir setzen auf eine ganze Reihe von Aspekten, die von einer derartigen Erschließung abraten. Ein Teil des Gepatschferners liegt im Natura 2000 Gebiet. Wenn das Projekt angegangen wird, wird es zu einer EU-Beschwerde kommen."


Zudem gebe es in der Alpenkonvention einige Paragrafen und letztlich sei abzuwarten, wie scharf die Seilbahngrundsätze für Tirol formuliert werden, ergänzt Hasslacher.

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Beitrag von trincerone » 28.04.2004 - 16:30

Zitat:
Fast alle Leute, die ich meiner Zeit in Schwaben und Oberschwaben kennengelernt hab, sind zum Schifahren im Herbst ausschließlich ins Pitztal gegangen


Das ist ein sehr interessantes Beispiel. Warum? Machen die Kaunertaler zu wenig Werbung, haben keine Publicity? Oder liegt es an der begrenzten Wahrnehmung der Kunden? (keine vollkommene Information)
Na ja, zum einen ist der Kaunertaler wohl schon der unbekannteste der Tiroler Gletscher. Nach meiner Erfahrung führen sowohl der Kaunertaler wie auch der Pitztaler hinter den drei großen so ein bisschen ein Schattendasein, wobei aber dann speziell im oberschwäbischen Raum der Pitztaler der Gletscher überhaupt zu sein scheint. Ich hab das immer auf die räumliche Nähe zurückgeführt. Das erklärt aber genau nicht, warum der Kaunertaler so wenig gefragt ist. Ich meine es liegt, daran, dass z.T. sogar die Existenz des Gletscherschigebiets gar nicht bekannt war bzw. oft die Leute das Gebiet eben nur vom Hörensagen oder aus dem Skiatlas kannten. Ich kenne Alagna seit über 10 Jahren aus dem Skiatlas und weiß zumindest seit 2000 durch Skipass.com, dass es eine Legende ist. Trotzdem hat es bis 2003 gedauert, dass ich mal hingefahren bin und selbst da wars eher mal so, um mir endlich ein Bild zu machen. Dass es so unglaublich cool ist, war mir - trotz einer gewissen Erfahrung bezüglich Schigebieten - schlichtweg nicht klar gewesen. Dieser Effekt dürfte bei Leuten, die sich vielleicht weniger intensiv mit Schigebieten auseinandersetzen und die weniger den Anspruch erheben möglichst viel zu kennen, noch ausgeprägter sein. Ich bin das erste Mal im Herbst 1999 am Kaunertaler gewesen. Ich war mit dem Zug aus den Dolomiten nach München gefahren, um mir da einen Mietwagen zu nehmen als mich ein Freund aus Hannover anrief er sei gerade zum Zelten mit ein paar Kumpels bei Montepellier (hinter Marseille) und ob ich vorbeikommen wolle. Ich hab ja gesagt, auf die Karte geschaut, und der kürzeste Weg schien mir am Reschenpass lang Richtung St. Moritz, dann Malojapass, Comer See, Milano -> Genua ... So kam ich denn hinter Landeck in der Abenddämmerung am Abzweig zur Gletscherstraße vorbei und erinnerte mich, dass ich mal gelesen hatte, dass diese sehr schön sein solle. Da es gerade so ein geiles Licht hatte bin ich halt raufgefahren und war sehr sehr beeindruckt von der Größe und Weite des Tals (vorallem im Vergleich zum Pitz- Ötz und Stubaital, die ich alles als tendentziell sehr eng und düster empfinde). Der See, der Blick zum Gepatschferner, die kleine Straße mit den Almen links und rechts ohne viele Hotels - das war halt anders als die anderen Tiroler Gletschertäler. Da hab ich mich in das Tal verliebt! Das es so schön ist. was mir halt vorher aus dem Skiatlas auch nicht klar.

Um auf das Thema zurückzukommen: meines Erachtens ist eben generell so, dass die Leute tendenziell nicht einfach in ein Gebiet fahren, was sie nicht kennen. Und dann hat das Kaunertal ja viele Fakten, die auf dem Papier abschrecken, wie z.B. die lange Gletscherstraße, die sich dann aber wenn man erstmal da ist als gar nicht so schlimm herausstellt. Dazu muss man aber erstmal da sein. (Also ich find sie jedenfalls nicht schlimm).

Dann hatte ich den Eindruck - obwohl man mit solchen Pauschalurteilen sehr vorsichtig sein muss - dass insbesondere im oberschwäbischen Raum sehr sehr viel über Mundpropaganda passiert (was der Schwab it kennt, frischt er it ;) ) - überdurchschnittlich viel. Eigentlich gibts da neben den kleinen Allgäuer Schigebieten zwei Lieblingsgebiete: Warth-Schröcken und den Pitztaler. Zumindest im Winter gibts eine Menge Schigebiete, die mehr bieten als Warth, die nicht viel weiter weg sind, aber trotzdem fahren immer alle nach Warth...... :?:

Also im Fazit: Es mangelt den Kaunertalern anscheinend an der Bekanntheit und vor allem am Ruf - der Gletscher scheint imer noch kein etabliertes Gebiet zu sein. Er ist nie im Fernsehen, es gibt keine Events und Veranstaltungen dort (wo sich das bei dem großen Parkplatz doch geradezu anbieten würde) - die Leute wissen höchstens, dass er existiert, aber sicherlich selten, warum es sich lohnt, den Gletscher anzusteuern, wenn man doch den Pitztaler hat, der gefällt (dass es z.B. am Kaunertaler viel leerer ist und dass er besser zugänglich ist, scheint kaum jemand klar zu sein).
Nur, wenn der Kaunertaler wie du sagst, mit den anderen Gebieten durchaus mithalten kann, wodurch erklären sich dann die vergleichsweise niedrigen Besucherzahlen?
Ich verweise ansonsten nochmal auf meinen Schluss, vor dem Epilog, in dem zitierten Posting. Man darf halt nicht vergessen, dass der Kaunertaler GLetscher Schigebietstechnisch im Vergleich zum Stubaitaler und Tuxer und Lifttechnisch auch zum Ötztaler weniger bietet. Schon dass führt natürlich zu einer geringeren Besucherzahl. Auch darf man nicht vergessen, dass der Großraum München wohl Besuchermäßig eine größere Rolle spielen dürfte als der schwäbische Raum und dadurch die in Bezug auf München schlechtere Lage eine gewisse Rollte spielt. Aber: den Teil Besucher der genannten Schigebiete, die der Kaunertaler vielleicht mit sowas wie "Klasse statt Masse" oder einem bestimmten Image von den drei großen Gletschern weglocken könnte erreicht er in meinen Augen schon mal nicht. Und: Vor allem im Vergleich zum Pitztaler, mit dem er m.E. Schigebietstechnisch in jeder Form mithalten könnte, schafft der Kaunertaler es nicht, sich Imagemäßig abzuheben und einen ausreichend hohen Bekanntheitsgrad zu erzielen. Und das ist der Bereich, wo man vor allem was machen könnte. Es mangelt dem Gebiet eben am Profil und speziell dieser Gletscher muss glaub ich auch erstmal von einem besucht worden sein, damit man ihn wirklich schätzen lernt! Gerade deshalb ist es wichtig, dass es die Betreibergesellschaft schafft, dass die Leute überhaupt erstmal herkommen und ihn sich ansehen. Schon ein Weltcuppiste könnte da was machen - das Gebiet käme ins Fernsehen, neue Besucherkreise würden erschlossen. Oder aber - und das fände ich gut - der Gletscher würde von seinem alternativen Ruf mehr profitieren, indem er mehr Richtung Freeride und Boarden anbietet, von mir aus auch ein HipHop Konzert auf dem Parkplatz oder weiß der Geier - für sowas gibts ja Marketingexperten.

Zitat:
zumal der WE Trip ja eh nur aus dem schwäbischen Raum in Frage kommt


naja, aus dem Münchner Raum käme er schon in Frage, nur alle anderen Gebiete sind entweder kürzer zu erreichen und bieten im Zweifel eher mehr.
Meint ich doch;)


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