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Störungen bei der Hirzer Seilbahn

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Mr400Liter
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Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Mr400Liter » 07.06.2017 - 16:18

Was auch immer in Wahrheit dahintersteckt - ist doch eine relativ interessante Geschichte ;)

https://www.suedtirolnews.it/chronik/st ... erklaerung


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CV
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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von CV » 24.08.2018 - 22:24

.. und ein weiteres Mal. Auch einige Erklärungsversuche:
http://www.funivie.org/immagini_forum/1 ... hirzer.jpg
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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Lagorce » 24.08.2018 - 23:35

:)

Für solche Fehler braucht es hochkarätige Industrie-Spezialisten mit Praxiserfahrung sowie ggf. den entsprechenden Hilfsmitteln (z.B. schnelle Mixed-Signal Datalogger, Spektrumanalyzer, usw.). Akademische Theoretiker bringen da meist nicht viel.

Fehlersuche in komplexen Systeme ist in erster Linie Frage der Praxiserfahrung, Methodologie und verfügbaren Hilfsmitteln. Auf hohem Niveau handelt es sich allerdings annähernd um Kunst, da braucht es sowas wie Begabung (und/oder auch was Glück), dort wo Fachliteratur und Schulung nichts mehr bringen .

Leider liegen keine brauchbaren technische Infos vor.

Lagorce
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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Lagorce » 25.08.2018 - 02:30

Hier mal ein paar Vorbermerkungen. Kenne leider die Doppelmayr Seilbahnsteuerungen nicht direkt, da die meisten in etwa modernen Pendelbahnen in der Schweiz mit Steuerungen von Frey AG, Stans, mittlerweile von Doppelmayr übernommen worden, oder von Sisag AG stammen.

Da die besprochene Steuerung von Doppelmayr angeblich ca. 4 Jahre alt ist, wird die auf Sicherheits- sowie Normal-SPS beruhen, wobei ich leider keine Infos über die FUA habe.

Sofern Fehler nicht einigermassen rasch geortet werden kann, sollte man sehr strikte und formal vorgehen, und u.a. auch z.T. exotische, sprich sehr "unwahrscheinliche" Ursachen nicht vorab ausschliessen, sondern erst nach formaler Prüfung ausschliessen.
Beispiel aus der Praxis: Störungen von der Traktions-Leistungselektronik von E-Loks, Schalthandlungen im Mittel-, Hoch- sowie Höchstspannungsnetz, der Netzspannung übergelagerten Steuersignale (nicht nur klassische Tonfrequenz-Rundsteuersysteme), auch anscheinend harmlose Geräte wie z.B. Schaltnetzteile oder Schrankbeleuchtungen mit elektronischem Vorschaltgerät u.v.a. können als Übeltäter in Frage kommen, als nicht nur netz- oder motorseitige Inverter von FU, oder Stromrichter.

Auf steuerungs-internes Datenlogging (durch SPS und/oder PC) sowie insbes. Erstfehleranzeige sollte man sich im Zweifelsfalle nicht blindlings verlassen, vielmehr kann es sinnvoll sein, mit extern aufgeschalteter Hardware ein "objektives" (unbeeinflusstes) Datalogging durchzuführen, dies kann auch mit einer wesentlich genaueren Zeitreferenz für die Timestamps erfolgen.

Ob effektiv irgendeine Not-Aus Freigabe der FUA die echte Erstursache darstellt, kann man mittels Aufzeichnungen feststellen, wie dies ausgeführt wird, hängt vom Interfacing ab: bei diskreter Hardwaresignalverdrahtung loggt man am besten die Spannung, bei digitaler Kommunikation kann man das Protokoll analysieren (dabei wird ebenfalls aufgezeichnet). Ggf. müssen redundante Kanäle geloggt werden und u.U. auch ist die Taktung der sicherheitsorienten Signale genau zu kontrollieren (bei Querschlusserkennung durch Taktung).

Oft ist es sinnvoll, gleichzeitig verschiedene Signale mit hochgenauen Timestamps zu Loggen (kann man einfach mit GNSS auch örtlich völlig getrennt im sub-millisekunden Bereich synchronisieren), wichtig ist die genaue Zeitfolge der Flankenänderungen bei Digitalsignale. Analogsignale, auch z.B Transienten, sollte man ebenfalls mit einer verlässlichen Timestampreferenz Aufzeichnen damit eine aufschlussbringende zeitliche Korrelation zur Kausalitätsauswertung möglich ist.

Anhanden von solchen Aufzeichnungen kann man oft formell die Kausalität erkennen (sprich welches "externes" Signal hat als erstes die Sicherheits-SPS zur Einleitung eines Nothalts geführt?).

Jedenfalls ist es meist nicht am sinnvollsten, Hardwareabänderungen zu tätigen (z.B. Abschirmungen anders anschliessen, potentialausgleich oder Kabelführung abändern, Schränke abschirmen, usw.) bevor man die Fehlerursache kennt.

Ob die inudktiv gekoppelte FUA oder die (meist kapazitive) Zugseilüberwachung anspricht ist nicht klar, gem. Zeitungsausschnitt würde es sich eher um die FUA handeln.

Was mit "Die Linienüberwachung soll in eine andere Postition gebracht, [Filter eingebaut] werden" genau gemeint ist, bleibt unklar.
Streckenüberwachung als solche beschränkt sich bei Pendelbahnen auf die Tragseilentgleisungsüberwachung bei den Stützen- sowie Stationssätteln und dies ist trivial sofern Erdschluss erfolgt. Falls Telefonseilüberwachung zur Abschaltung führt wäre dies auch kein grösseres Problem (ferner kann z.B. Windmessungübertragung überlagert werden). Lediglich eine Abschaltung aufgrund FUA Not-Aus-Freigabe-Timeout (IIRC max. 500 ms gem. EN für CEN Bahnen) kann u.U. ziemlich heikel sein, da bekanntlich auch nicht unbedingt sehr nahe atmospherische Entladungen die Funktion einer FUA stören können.
Falls vorhanden ist die kapazitive Zugseilüberwachung eigentlich funktionell gesehen unabhängig von der FUA als solche und auch deren Funktionsweise ist relativ einfach. Für Testzwecke kann man auch unter bestimmten Voraussetzungen mit überbrückter Zugseilüberwachung fahren (jedoch natürlich nicht für den regulären Personentransport).

Elektromagnetische Störfelder kann man mit einer entsprechenden High-End Instrumentierungs-Suite à la Rohde & Schwarz oder Wandel + Goltermann (mittlerweile Viavi/JDSU) messen und mittels speziellen Systeme u.U. gar Orten. Entsprechende Messgeräte können jedoch ein paar hundert Tausend EUR kosten und müssen von HF Experten bedient werden.
Aus meiner Studienzeit erinnere ich mich an gewisse teure Laboreinrichtungen, die jedoch niemand wirklich professionnell bedienen konnte wie dies in der Industrie der Fall war.

Also m.E. sollte man zuerst mal die genauen Ursachen klären bevor man Änderungen tätigt. Gehe davon aus, dass möglicherweise mehrere Ursachen im Zusammenspiel von Bedeutung sein könnten. Erfahrungsgemäss sind "Kombi-Probleme" bei heiklen Pannen nicht so selten. Auch auf Wahrscheinlichkeiten sollte man sich bei einer Pannensuche nicht allzustark beruhen, habe selbst gewisse recht unkonventionnelle Pannen in Industrianlagen erlebt ("Sowas ist doch gar nicht möglich!!!!").

ThomaManuel
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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von ThomaManuel » 24.11.2018 - 17:13

Demnächst wird die gesamte Elektronik ersetzt:
https://www.tageszeitung.it/2018/11/09/ ... -im-april/

Lagorce
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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Lagorce » 24.11.2018 - 19:35

Ein solches Vorgehen ist m.E. sehr fragwürdig. Ich gehe davon aus, dass es weitaus sinnvoller wäre, den Fehler zu orten und erst danach entsprechende Massnahmen treffen. Steuerungsteile oder gar eine ganze relativ neue Steuerung auswechseln nur weil man unfähig ist, eine Fehlerdiagnose durchzuführen ist sowohl laienhaft wie auch kostspielig.

Abgesehen davon verfügen Hochschultheoretiker vermutlich nicht über die erforderliche Praxiserfahrung im Bereich der Wartung von solchen Steuerungen. Die Entpannung von sehr komplexen Steuerungsanlagen ist in erster Linie eine Frage jahrelanger Erfahrung und insgesamt gehören Seilbahnsteuerungen trotz FUA eher zu den einfacheren Steuerungen, dies i.Vgl. zu aufwendigen Maschinen sowie Prozessanlagen.

Bin dennoch sehr erstaunt, dass die internen Doppelmayr Spezialisten nicht in der Lage sind, die Fehler zu beheben. Allerdings muss man entsprechende Hilsfmittel, insbes. ggf. Datalogger einsetzen und zudem die SPS und SCADA Programme abändern da diese, wie branchenübergreifend allgemein üblich, bereits rein aus Zeitgründen kaum optimal für die Fehlerdiagnose programmiert wurden.

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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Christoph Lütz » 25.11.2018 - 07:03

Warum unterbreitest du der Hirzerbahn kein Angebot? Dein Lösungsansatz scheint doch wesentlich wirtschaftlicher zu sein, als eine völlig neue Steuerung zu bauen. Man könnte ja ein Erfolghonorar vereinbaren. Das Problem könnten allerdings bei einer öffentlichen Seilbahn hohe Schadenersatzforderungen sein, wenn die Steuerung plötzlich wieder spinnt.


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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von ThomaManuel » 25.11.2018 - 17:49

Angeblich ist die Steuerung ja vor 5 Jahren schon einmal ausgetauscht worden, was jedoch nichts gebracht hat. Bin mal gespannt, ob es diesmal was bringt. Aber was sollen sie machen, wenn es wieder nicht hilft? Man kann ja deshalb nicht gleich die komplette Bahn ersetzen.

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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Lagorce » 25.11.2018 - 18:34

Christoph Lütz hat geschrieben:
25.11.2018 - 07:03
Warum unterbreitest du der Hirzerbahn kein Angebot? Dein Lösungsansatz scheint doch wesentlich wirtschaftlicher zu sein, als eine völlig neue Steuerung zu bauen. Man könnte ja ein Erfolghonorar vereinbaren. Das Problem könnten allerdings bei einer öffentlichen Seilbahn hohe Schadenersatzforderungen sein, wenn die Steuerung plötzlich wieder spinnt.
Rein theoretischer Ansatz, haftbar ist man für Schäden, die man selbst verursacht. In einem solchen Falle übernimmt niemand eine garantieähnliche Haftung ausser man sei Steuerungslieferant und ersetzt die Steuerung.

Habe meinen längeren Beitrag oben nochmals kurt durchgelesen und dazu kann ich eigentlich nicht viel mehr hinzufügen. Massgebende brauchbare Informationen sind eigentlich keine vorhanden, der Gesamteindruck ist eigentlich, dass man da eher etwas wild herumgefummelt hat, als sehr systematisch vorzugehen. Aber eben, was genau wie gemacht wurde, ist nicht bekannt.

Gehen wir mal davon aus, dass es effektiv die FUA ist (ob dies zutrifft kann man aus der Ferne nicht beurteilen, gewisse Zusamenspiele sind recht komplex und können auch Experten irreführen).

Eine klassische Pendelbahn-FUA hat 4 Teilnehner:
- Antriebsstation;
- Gegenstation;
- 2 Fahrbetriebsmittel (Fahrzeuge, auch einfachhalber Kabinen genannt).

In gewissen Fällen gibt es Streckenüberwachungen mit Tragseilentgleisungsüberwachung mit Lokalisierung über FUA, ist jedoch selten.
Gegenstation muss nicht zwangsläufig mit der Antriebsstation über Zugseilübertragung verbunden sein, oft sind LWL (Glasfaser) Verbindungen zwischen den Stationen vorhanden.
Funk FUA gibt es ebenfalls, hier sprechen wir jedoch von einer klassischen FUA mit induktiv gekoppelter Kommunikation über die Zugseilschlaufe (wäre eine Funk FUA vorhanden, ist die ganze Diskussion ein Witz).

Wäre zuerst mal interessant zu wissen, ob genau und belegbar aufgezeichnet werden konnte, welcher FUA Teilnehmer den Not-Aus verursachte, und ob man für diesen Zeitpunkt mit DSO oder high-end Datalogger die Analogsignale der entsprechendenen Sende- sowie Empfangsspulen der FUA in den Stationen sowie in den FBM (Einzelheiten bei den FBM sind ggf. abhängig davon, ob Zugseil gespleisst ist, oder ob Seilköpfe vorhanden sind) mit entsprechend hoher Sampling Rate geloggt hat (bzw, entsprechend die Trigger eingestellt hat).
Vermutet man externe RFI Störfelder kann man zudem breitbandig messen, wie bereits aufgeführt kann dies jedoch nur durch HF-Experten mit sehr teurer Messgerät-Suite durchegeführt werden.
Wichtig ist, dass sämtliche Aufzeichnungen GNSS synchronsiert sind, war relativ einfach mit besser als +/- 1 ms möglich ist,
Zusätzlich kann man noch Transientenrecoder für die NS-Netzspannungen in der Antriebs- und Gegenstation einsetzen und dan später ggf. für die Überwachung der Steuerspannungen der Elektronik selbst (z.B. +5 VDC nach lokalem DC/DC Wandler, also nicht nur die üblichen verschiedenen 24 VDC der Automation).

Hier nur mal als Beispiel aufgeführt, wie man methodisch vorgehen kann. Sowas sollte man machen bevor man beginnt z.B. am Potentialausgleich und Abschirmungen herumzufummeln. Am besten ist es, zuerst bei der Anlage im Originalzustand den Fehler versuchen zu orten, da Abänderungen ein zusätzliches Potential für Fehlerquellen darstellen. Man vergleiche dies mit Softwarekorrekturen wo diverses abgeändert wird und dann irgendwie neue Fehlerbilder auftreten.

Was genau gemacht wurde, weiss ich nicht. Dass das Probleme seit Jahren besteht ist eher ein Beweis der Unkompetenz der Beteilgten. Bevor man das ganze auf den Kopf stellte hätte man es mal provisorisch (ohne öffentliche Personenbeförderung) mit einer Funk-FUA (in SIL 3/PL e/Kat. 4 bzw. entsprechenden AK gem. der eigenartigen Definition vom CEN/TC 242) versuchen können, dies wäre viel billiger, als den ganzen Kram en Bloc in Frage zu stellen.

Bestätigen kann ich lediglich, dass in anderen Bereichen auch sehr bekannte grosse Firmen in Projekte von mehreren hundert Mio. Euros Fehler machten, die sehr erfahrene Steuerungsspezialisten sofort bemerken (die, die amtlich anerkannte Abnahmen durchführen sind übrigen z.T. nicht so erfahren, habe ich selbst mehrmals mitverfolgen können, waren allerdings z.T. sehr spezielle Anlagen). Bei der Ausführung von Steuerungsanlagen können zudem gewisse anscheinend sekundäre kaum bemerkbare Einzelheiten einen massgebenden Einfluss auf die Zuverlässigkeit haben. Bekanntes Beispiel ist der Anschluss gewisser Abschirmungen. Schaltunterlagen alleine sind diesbzgl. nicht immer aufschlussreich. Gewisse wichtige Details sind nicht in den Unterlagen dokumentiert und sind in erster Linie erfahrungssache, z.T. widersprechen sie sogar dem, was man rationell aufgrund des Ingenieurwissens erwarten würde.

Zuerst sollte man sicherstellen, ob die FUA wirklich durch eine externe Beeinflussung (hier durch Übertragung über die Zugseilschlaufe gemeint) sporadisch einen Fehlauslösung des Nothalts auslöst.

Weiss jemand, ob Frey da bereits reingeschaut hat? Insbes. da ja von Doppelmayr übernommen. Die haben hochkarätige Spezialisten, die sich täglich mit FUA befassen. Sisag natürlich auch, da jedoch jetzt Frey bei Doppelmayr ist, weiss man nicht so genau wie die Zunkunft aussieht, Unterschied zu Frey ist, allerdings dass Sisag auch in anderen Bereichen als Seilbahnen tätig ist.

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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Harzwinter » 25.11.2018 - 21:43

Na, dann bin ich mal gespannt, ob die Luzerner die extern vermutete Störung über die angekündigten Maßnahmen tatsächlich in den Griff bekommen ... und ob wir das irgendwo zu lesen bekommen werden. Ich drücke die Daumen.

Aufgrund des Hinweises, dass das Problem gehäuft mittwochs auftritt, hoffe ich, dass bereits eingehend auf nicht-technischem Niveau analysiert wurde, z.B. zu Mitarbeitern, Lieferanten etc. und deren Zugang zum Seilbahngelände an bestimmten Wochentagen. Externe Störsignale können natürlich auch periodisch generiert werden, das möchte ich nicht in Frage stellen. Zum Humanfaktor als zumindest möglicher Störursache für unerklärliche Ausfälle der beschriebenen Art hier folgender Bericht eines ehemaligen Kollegen:
Der Kollege war in einem Vertriebs- und Projektleitungsteam eines großen deutschen Herstellers für roboterbestückte Fertigungsstraßen tätig. Eine solche computergesteuerte Fertigungsstraße dieses Herstellers fiel bei einem Produktionsunternehmen an einem bestimmten deutschen Standort unregelmäßig in größeren Abständen immer wieder aus - und nur dort. Natürlich wurde die Suche nach der Fehlerursache im technischen Bereich durchgeführt. Über den Zeitraum eines Jahres wurde die Steuerung ausgewechselt, tagelang die Versorgungsspannung gemessen, Steuerungssoftware und Komponenten getauscht usw.. All dies führte nicht zum Erfolg. Die Anlage fiel unregelmäßig weiter aus. Das Team, das lieferantenseitig für die Anlage zuständig war, stand unter wachsendem Druck.

Mit dem Produktionsunternehmen wurde vereinbart, dass das Lieferantenteam die Anlage während der Fertigungszeiten vor Ort lückenlos überwachen durfte. Dabei wurde auch die Anwesenheit der Produktionsmitarbeiter protokolliert. Natürlich beschränkte man sich zunächst auf Personen, die mit der Anlage in Kontakt waren - erfolglos. Erst nach mehreren Wochen Überwachung wurde nach einer Ausdehnung der Anwesenheitsprotokollierung festgestellt, dass Anlagenausfall und Anwesenheit eines Mitarbeiters zusammenfielen. Der Mann war Staplerfahrer und bewegte Fertigungsmaterialien durch die Produktionshalle. Mit der Anlage kam er gar nicht in Kontakt. Seine bloße Anwesenheit führte natürlich auch nicht zwangsläufig zum Anlagenausfall. Also sah man genauer hin.

Das Produktionsunternehmen hatte verschiedene Staplertypen im Einsatz. Die Ausfälle traten nur auf, wenn der Mitarbeiter einen bestimmten Staplertyp fuhr, mit dem normalerweise ein anderer Kollege unterwegs war. Der beobachtete Mitarbeiter war deutlich übergewichtig. Das identifizierte Staplermodell war das schwerste unter den verschiedenen Staplertypen. Die Staplerfahrstrecken querten die Stromzufuhr zur Fertigungsstraße.

So konnte letztlich ermittelt werden, dass die Stromversorgung der Fertigungsstraße für einen winzigen Sekundenbruchteil manchmal, aber nicht immer unterbrochen wurde, wenn der übergewichtige Mitarbeiter mit dem schwersten Stapler über das Versorgungskabel im Betonboden fuhr. Ab einer Gewichtsbelastung, die nur vom übergewichtigen Mitarbeiter plus schwersten Stapler erreicht wurde, konnte die Kabelquetschung zum Anlagenausfall führen. Der "Normalfall" der Gewichtskombinationen leichter Fahrer - schwerer Stapler und schwerer Fahrer - leichter Stapler quetschte das Kabel nicht stark genug und führte den Ausfall der Anlage nicht herbei. Nachdem das Kabel im Betonboden anders verlegt worden war, fiel die Fertigungsanlage auch nicht mehr aus.

Der Kollege meinte, er hätte damals seine grauen Haare bekommen ...
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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Lagorce » 25.11.2018 - 23:23

Danke für die interessante Geschichte.

Erstaunt mich eigentlich nicht, aus eigener Erfahrung im Bereiche von Industrieanlagen bin ich zum Schluss gekommen, dass gelegentlich auch extrem unerwartete Zusammenspiele von verschiednen Faktoren letztendlich zu Pannen führen können.

Ein externes Auge kann übrigens oft mithelfen, da man je bekanntlich betriebsblind werden kann. :)

Interessante Störungen hatte ich u.a. im Zusammenhang mit gewissen elektrischen Lokomotiven, die können relativ starke Beinflussungen verschiedener Art verursachen, sowohl galvanisch (Erdströme, usw.) wie auch RFI bedingt. Etwaiger Taktfahrplan kann da von Vorteil sein.

Auch Schalthandlungen beim EVU, usw.können Probleme bereiten, mit den mittlerweile gängigen Netzqualitätsanalysatoren ist es jedoch einfacher geworden, dem EVU nachzuvweisen, wann was netzseitig schief gelaufen ist. EVUs wissen zwar meist ganz genau aufgrund der eigenen Aufzeichnungen wenn was anormales passiert, nur wird kaum was bekannt gegeben bzw. Fehler eingestanden sofern man nicht kundenseitig Aufzeichnungen mit genauem Timestamp darlegen kann. Insbes. können auch zuviele kurz aufeinander wiederholte hoch- bzw. höchstspannungsseitige Wiedereinschaltversuche kundenseitige Anlageschäden verursachen.

Sporadische Fehlkontakte ("Wackelkontakte") in Steckverbindungen sowie Leitern gehören zu den Klassikern, ebenso Einzeldrähte von geflochtenen Stahlarmierungen und Kabelschutzschläuche, die gelegentlich die Aderisolation durchdringen und einen Erdschluss verursachen, bevor man dann vorort messen kann hat sich der Draht so bewegt, dass kein Erschluss mehr vorhanden ist. Metallspähne, die durch einen defekten Schutzschlauch und wegen fehlender Abdichtung im Klemmengehäuse einen Kurzschluss verursachten hatte ich auch schon. Auch Korrosionsschäden können sehr nette Fehler verursachen.
Usw. Da könnte man ganze Bücher füllen und dann hat man immer noch bei weitem nicht alles beschrieben.

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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Ram-Brand » 26.11.2018 - 18:49

^^ Gibt vieles.

Habe letztens in einem Magazin etwas über "Whisker" gelesen.
Noch nie davon gehört. Aber auch interessant:
https://www.elektro.net/92556/whisker-i ... ew=galerie
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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Roymarcoi » 31.07.2019 - 14:07

Scheinbar sind die Störungen noch immer nicht behoben.
Mittlerweile glaubt man schon fast an Geister :roll:

https://www.stol.it/Artikel/Chronik-im- ... r-Seilbahn


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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Lagorce » 31.07.2019 - 19:07

Tut mir leid, kann dies nicht anders als krasse Inkompetenz betrachten.

Für solche Probleme bringt es kaum was, praxisunerfahrene Akademiker einzusetzen, da muss man formal vorgehen, mit sehr viel Industrieerfahrung und die notwendigen Hilfsmittel müssen ebenfalls vorhanden sein.

Wetten, dass da bislang kaum formal methodisch vorgegangen wurde. Anders gefragt, sind allermindestens unabhängig (d.h. hier nicht durch die Steuerung sowie Antriebe selbst aufgezeichnet) mit genügend hoher Sampling-Rate (oder bzw. entsprechend getriggerte) Logging-Daten verfügbar, die relevante Signal-Timing-Korrelationen erlauben?
Anderswo in der Industrie wäre man schon längst rausgeflogen, wenn man so lange bei einer Panne am Zeug herumfummeln würde.

Mehr oder weniger blindlings Teile auswechseln oder Abänderungen ausführen, ohne dass man die effektiven Fehlerursachen-Kausalitäten kennt, ist auch nicht so eine geniale Idee. Bei komplexen Pannen erschwert man somit oft die Suche nach den effektiven Ursachen.

Sorry für den Klartext.

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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Mr400Liter » 07.08.2019 - 07:35

Interessant ist dabei aber, dass scheinbar die gesamte Elektrotechnik ausgetauscht wurde, die Störungen jedoch noch immer auftreten. Kann man eine Seilbahnanlage von außen so beeinflussen, dass derartige Ausfälle produziert werden?

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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Roymarcoi » 07.08.2019 - 08:43

Mr400Liter hat geschrieben:
07.08.2019 - 07:35
Kann man eine Seilbahnanlage von außen so beeinflussen, dass derartige Ausfälle produziert werden?
Die Frage habe ich mir auch schon gestellt. Ob nicht jemand die Bahn bewusst (aus welchen Gründen auch immer) manipuliert?!

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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Mr400Liter » 07.08.2019 - 15:34

Wenn tatsächlich die ganze E-Technik getauscht worden ist, kann es ja nur von außen kommen. Und dann stellt sich schon die nächste Frage: angenommen, die Störung kommt tatsächlich von außen, eben zB durch bewusste Manipulation - wie kann man auf die Anlage derart einwirken, dass über keine Sensoren / Überwachungseinrichtungen festgestellt werden kann, wo sich die Schwachstelle befindet und aus welchem Grund die Bahn nicht mehr in Betrieb genommen werden kann / ausfällt.

Mag ja sein, dass man vielleicht mal einen Fehler in einem System nicht findet bzw. feststellen kann, aber durch den Tausch der gesamten E-Anlage müsste das Problem doch behoben sein.

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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Theo » 07.08.2019 - 16:58

Ich habe noch keine Artikel gefunden wo etwas genaueres drin steht, was aber jetzt eh nicht verwunderlich ist. Ist nicht bös gemeint die Aussage.

Was betrifft es überhaupt? 1 Sektion, 2 Sektion, beide zusammen, tritt das Problem nur beim losfahren auf oder auch wenn die Bahn auf der Strecke ist und falls ja immer an der gleichen Position oder immer wieder verschieden, spinnt die FUA oder die eigentliche Steuerung
Je nachdem was man da mit ja oder nein beantworten kann weis man schon ob das Problem wetter abhängig sein kann, oder ob die Stromleitung wo direkt über die Talstation führt etwas damit zu tun haben kann, dies nur um zwei mögliche Einflüsse von aussen zu nennen.

An den Geist vom Erbauer glaube ich jedenfalls nicht
Bautagebuch 3S Bahn Klein Matterhorn
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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Theo » 07.08.2019 - 17:19

Einer unserer pensionierte Betriebselektriker hat immer den Satz gebracht: Die meisten elektrischen Probleme haben eine mechanische Ursache.
So auch bei unserer alten SSB wo der Zugseilpegel schon bei optimalen Umstanden ( kein Wasser im Tunnel ) immer weiter nach unten ging. Karten in der FUA und alles mögliche kontrolliert, schuld waren allerdings die mit der Zeit immer dreckiger gewordenen Plastikblöcke unter den Streckenrollen so dass diese nicht mehr genügen isoliert waren und so der Strom auf die Schwellen durchfliessen konnte.
Bautagebuch 3S Bahn Klein Matterhorn
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Re: Störungen bei der Hirzer Seilbahn

Beitrag von Mr400Liter » 09.08.2019 - 09:25

Ich glaube auch nicht an die Theorie mit dem Geist. Aber müsste man an einer neuen Steuerung nicht auslesen können, aus welchem Bereich der Anlage der Fehler kommt?


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