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Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von Ram-Brand » 03.10.2018 - 16:05

Vermutlich sind die nicht aus Deutschland.
Die wissen gar nicht das heute Feiertag ist. ;-)
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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von Spezialwidde » 03.10.2018 - 16:51

Man wird wohl jede halbwegs gute Wetterperiode ausnutzen müssen, solche Arbeiten kann man wohl nicht mehr machen wenn das Wetter umschlägt, da kann man auf Sonn und Feiertage nur bedingt Rücksicht nehmen.
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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von lift-master » 04.10.2018 - 00:17

Das sind Männer der garaventa die werden das gute Wetter ausnutzen, im Augenblick zählt jede Minute vom guten herbstwetter…
...willst du die berge sehn,dann mußt du zum schi fahrn gehn...

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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von daGuschtl » 04.10.2018 - 12:25

Hi,

ich verfolgen den Unfall schon eine Zeit, folgende Fragen hätte ich.

Das Bergefahrzeug hängt in der Bergstation und wird mit einem Kettenzug auf die Tragseile abgelassen. Verfügt das Fahrzeug über einen autonomen Antrieb und Bremsen? Weil sonst müsste ja irgendwo von der Bergsation abgelassen werden können. Und in dem Fall hätte das Fahrzeug ja beim Reissen des Kettenzuges nicht "abhauen" können (da es ja noch an der Ablssvorrichtung gehangen hätte)? Oder das Fahrzeug wird erst nach "aufgleisen" an dieser Vorrichtung befestigt (so es keinen autonomen Antrieb/Bremse gibt) - hier würde ich das aber als gravierenden Mangel (Stichwort Fail-Safe) sehen, wenn das Ding beim Versagen nur eines Elements - im Worst Case - in eine voll besetzte Kabine krachen könnte? Und das mag sich ja keiner ausmalen, vermutlich hätte es dann einige Tote, Schwerstverletzte und eine unglaublich komplizierte Hubschrauber-Bergung gegeben.

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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von Spezialwidde » 04.10.2018 - 13:19

daGuschtl hat geschrieben:
04.10.2018 - 12:25
Verfügt das Fahrzeug über einen autonomen Antrieb und Bremsen?
Nein, tuts nicht. Das wird auf die Tragseile heruntergelassen und an eine separate Seilwinde angehängt. Mit der kann das Fahrzeug dann manövriert werden. Ohne das eingehängte Zugseil ist das Ding einfach nur ein hundsgewöhnlicher Rollwagen wenn ichs mal so nennen darf. Was ohne Seilkontrolle passiert haben wir ja alle gesehen.
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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von Christoph Lütz » 04.10.2018 - 13:58

Der Unfall mit dem Bergewagen erinnert mich irgendwie an den Unfall auf der Transrapid-Versuchsstrecke im Emsland. Die Entwickler der Magnetbahn haben immer stolz gesagt, dass eine Kollision von zwei gegenläufig fahrenden Fahrzeugen aufgrund der Führung der Fahrzeuge durch ein wanderndes Magnetfeld technisch ausgeschlossen ist. An das Wartungsfahrzeug auf Gummireifen hatte niemand dabei gedacht. Eines Tages hat es dann bei diesem Hightech-Produkt durch einen simpelen Fehler des Fahrdienstleiters gekracht.

Auch bei Pendelbahnen ist man bisher bei allen Sicherheitsbetrachtungen davon ausgegangen, dass es (im Gegensatz zu Umlaufbahnen im Stationsbereich) keine Kollisionsprobleme gibt, weil nur ein Fahrzeug auf der Trasse fährt. Jetzt wissen wir es besser. Selbst, wenn man den defekten Kettenzug mal außer acht lässt, ist ein an einem einfachen Windenseil fahrendes Bergungsfahrzeug ohne Tragseilbremse ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko. Ich bin sehr gespannt, wie die zuständige Aufsichtbehörde nun auf den Unfall reagiert. Einfach weiter so oder zusätzliche Sicherheitseinrichtungen...

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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von heikop » 04.10.2018 - 14:21

Eine Tragseilbremse hätte in diesem Fall allerdings auch nicht geholfen.

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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von Spezialwidde » 04.10.2018 - 14:28

Christoph Lütz hat geschrieben:
04.10.2018 - 13:58
Einfach weiter so oder zusätzliche Sicherheitseinrichtungen...
Ich gehe doch davon aus dass da was passiert. Sowas wird man nicht noch einmal zulassen. So eine Sicherheitsbremse wäre ja eigentlich leicht realisierbar, zb mit federbelastet vorgespannten Tragseilbremsen, die offen bleiben so lange an der Zugseilöhse eine Kraft anliegt. Fehlt diese Kraft, etwa weil kein Zugseil angehängt ist, lassen sich die Bremsen nicht öffnen bzw schnappen sofort zu. Denkbar wäre es natürlich auch es so zu lösen dass der eingehängte Zugseilschäkel den Bremsmechanismuss erst freigibt.
Aber nichts desto trotz, eine neue Risikobewertung wirs mit Sicherheit geben.
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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von Christoph Lütz » 04.10.2018 - 15:29

heikop hat geschrieben:
04.10.2018 - 14:21
Eine Tragseilbremse hätte in diesem Fall allerdings auch nicht geholfen.
Aber eine feste Parkposition für den Bergewagen auf den Tragseilen in Verbindung mit einer Tragseilbremse würde viele Risiken vermeiden. Mürren-Birg hat z. B. solche Parkpositionen für die Bergewagen.

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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von Theo » 04.10.2018 - 18:01

Endlich wieder an einem normalen PC, so dass ich auch wieder normal was schreiben kann.

Eine Parkposition direkt auf den Tragseilen ist wohl aus Platzgründen nicht möglich, deshalb wird das Bergefahrzeug angehoben damit die Kabine selber bei Bedarf einen genügend langen Längspendelweg hat.

Das Bergefahrzeug fährt den Block mit dem Mechanischen Endpuffer der Kabine. Nur so kann es gerade abgesenkt und wieder hoch gezogen werden. Nur so ist es auch möglich dass im Bergefall die Gäste überhaupt auf Perronhöhe aussteigen könnet. Weshalb an diesem Endpuffer diesem Endpuffer keine Wegrollsicherung ( in Form von einer verschiebbaren Metallplatte? ) vorhanden war ist unbekannt.

Die Hydraulische Verschiebeeinrichtung am Gehänge über die wir bisher nur rätseln ist wahrscheinlich nicht für die Parkposition gedacht sonder eher dazu da den Bergewagen beim Andocken an die Kabine von der Fahrposition in die Umsteigeposition mittig von der Kabine zu bringen.

Letzte Woche war hier in CH ein Kongress vom Technischen Kader der Seilbahnen. Dabei wurde die Aufprallgeschwindigkeit mit ca. 200km/h angegeben. Evt. wurde diese anhand eines Videos vom ganzen Vorgang ermittelt.
Was bisher auf keinem Bild zu sehen war: Die Kabine wurde beim Aufprall auch Talseitig bis an die Tragseile geschleudert. Es sind entsprechende Spuren an der Kabine vorhanden. Wahrscheinlich kam es dabei dann zu Seilschwingungen welche das Laufwerk von den Seilen abheben liess und die Landung ging dann eben daneben.

Am System der Parkposition vom bergewagen und dem ankoppeln ans Windenseil wird man nicht viel ändern können. Was man machen kann ist am Endpuffer eine Wegrollsperre einbauen und die bisher verwendeten Kettenzüge durch kleine Seilkräne mit mindestens drei Seilen ersetzten.
Bautagebuch 3S Bahn Klein Matterhorn
https://drive.google.com/drive/folders/ ... sp=sharing

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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von Lagorce » 04.10.2018 - 21:01

Hatte Anwort vor Theo's Message verfasst.
daGuschtl hat geschrieben:
04.10.2018 - 12:25
Das Bergefahrzeug hängt in der Bergstation und wird mit einem Kettenzug auf die Tragseile abgelassen. Verfügt das Fahrzeug über einen autonomen Antrieb und Bremsen?
Wie bereits beantwortete wurde: Laufwerk des besprochenen Bergefahrzeuges ist sehr einfach aufgebaut: 4 ungefütterte Tragrollen aus massivem Kunststoff sowie 4 kleine seitliche Führungsrollen, ebenfalls aus massivem Kunststoff.
Bei den einzigen ähnlichen Bergefahrzeuge, die über elektrisch angetriebene Tragrollen verfügen die ich kenne, dient Antrieb lediglich zum überwinden von kurzer horizontaler Strecke, Reibschluss ist jedoch viel zu klein, um bereits bei relativ geringer Tragseilneigung nicht durchzurutschen. Trotz Laufwerksrollen mit Gummiring ist Reibung dennoch gering, das vollverschlossenen Tragseile an der Oberfläche ziemlich glatt sind und auch noch mehr oder weniger gut eingefettet (je nach Zustand von schmierend bis klebrig oder ausgetrocknet).

Es wurden zwar vereinzelt sehr komplizierte (und m.E. auch meist eher unsichere) selbstfahrende (z.B. Dieselmotor und Hydrostatantrieb) Bergefahrzeuge gebaut, bei denen Laufrollen oder Umlaufketten (ähnlich wie Raupen von Baumaschinen oder Panzern) Tragseil(s) oder Förderseil klemmen. Insbes. ein durchfahren von Fahrbetriebsmittel-Klemmen oder Stützen (Förderseil-Rollenbatterien oder Tragseilsättel) ist m.E. recht heikel. An der Sicherheit solcher Konstrukte zweifle ich.

Bergebahn sollte möglichst einfach und zuverlässig aufgebaut sein (und selbstverständlich muss sie auch sicher sein obwohl dort wesentlich weniger Streng beurteilt wird als für eine "normale" Seilbahn).
Fangbremsen wären m.E. zu aufwendig und heikel und bei Bergebahnen (ausgenommen u.U. Standseilbahnen) nicht gerechtfertigt.

Weil sonst müsste ja irgendwo von der Bergsation abgelassen werden können. Und in dem Fall hätte das Fahrzeug ja beim Reissen des Kettenzuges nicht "abhauen" können (da es ja noch an der Ablssvorrichtung gehangen hätte)? Oder das Fahrzeug wird erst nach "aufgleisen" an dieser Vorrichtung befestigt (so es keinen autonomen Antrieb/Bremse gibt) - hier würde ich das aber als gravierenden Mangel (Stichwort Fail-Safe) sehen, wenn das Ding beim Versagen nur eines Elements - im Worst Case - in eine voll besetzte Kabine krachen könnte? Und das mag sich ja keiner ausmalen, vermutlich hätte es dann einige Tote, Schwerstverletzte und eine unglaublich komplizierte Hubschrauber-Bergung gegeben.
Dass Bergefahzeug nicht irgendwie gegen entlaufen gesichert ist, kann man als sehr erstaunlich betrachten, insbes. da dessen Laufwerk auf bereits talwärts geneigte Tragseile aufgegleist wird. Aufgrund des Runaway Risikos erscheint eine zusaätzliche Wegrollsicherung unadbdingbar. Dass dies bei der Plangenehmigung oder spätestens bei der Abnahme nicht beanstandet wurde, ist erstaunlich (siehe auch andere Punkte).

Sinnvoll wäre eine von Hand betätigte mechanische Wegrollsicherung wie (jedoch dort automatisch angesteuerte) im Gravity Max Roller Coaser Video weiter oben, dort kann man sich auch keinen Fall einen Wegroll-Fehler leisten.
Zudem wäre hinter dem Stationsendlagedämpfer genügend ideal platzierter Freiraum vorhanden (oberes Ende der obersten Laufwerkwippen (Abstreifer) sind in Kabinenendlage vermutlich etwas weiter oben als die Halterung des Endlagedämpfers das dieser auf das bergeseitige Ende de Hauptchassis des Laufwerks wirkt).

Sicher wäre es sinnvoll, das Bergeseil (Zugseil des Bergerfahrzeuges) vor dem Lösen der Parkaufhängung am Laufwerk des Bergefahrzeuges anzuschlagen, nur ist dies unpraktisch (hätte allerdings den Zwischenfall mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verhindert, meine Zweifel begrenzen ich auf die m.E. etwas fragwürdig ausgeführte Anbindung des Bergeseils (auf Biegung beanschpruchte Achse und möglicherweise für Schockbeslatung unterdimensioniertes Anschweissteil (das massive gabelförmiges Teil, 4 mal vorhanden, siehe die Beschädigung talseitig nach Kollision)).
Zugang ist heikel, möglicherweise könnte Laufwerk sich Drehen wenn jemand drauf sitzt oder daran zieht (kommt auf die Einstellung der Reibung der Längspendelbremse ein), was gefährlich wäre und möglicherweise noch das verglaste Dach beschädigen könnte.

Zudem ist ja nur eine Bergeseil vorhanden. Wäre dieses am Bergefahrzeug der "falschen" Spur angeschlagen müsste man es zuerst auf die andere Spur führen und während dieser Zeit müsste man noch mit dem Herunterlassen des Bergefahrzeugs warten.

Sinnvoll wäre ein solider Anschlagpunkt oben am Gehängerohr der Zugkräfte in allen Richtungen aufnehmen kann an dem man das Bergefahrzeug bis es Fahrbereit mit anschlagenem Zugseil bereit ist gesichert lassen kann (also wie eine zusätzliche Sicherung zu Parkaufhängung, Elektrokettenzug sollte man nicht unter Zug für langzeitig hängende Lasten einsetzen, u.a. wegen Materialermüdung sowie möglicher Spannungsrisskorrosion). Anderes Ende des Sicherung könnte man u.U. an einem getrennten Strukturteil verankern, z.B:. am Stationssattel.

Die seitliche Verschiebung des Gehänges, falls nicht während dem Einsatz Verschiebung erfolgt, würde ich in der Endlage für Fahrstellung zusätzlich formschlüssig verriegeln und die Hydraulik mit mechanisch betätigtem Ventil blockieren.

Edit bzgl. Theo's Anmerkung oben:
Transport der Bergungskabine zur Bergstation Zugspitze
https://www.youtube.com/watch?v=n0j9RwMFLrQ

In diesem bereits früher erwähnten Video sieht man die Lage der Umsteigerampe, die sich talseitig am Korb befindet, und zwar etwa in der Mitte der Spurachse (d.h. theoretisch mittig unter dem Zugseil) bei Laufwerk in Endposition gegen Gehänge (d.h. Hydraulikteleskopzylinfer für seitliche Verstellung eingefahren).
Zu beachten ist, dass Video die Transportfahrt im Schlepptau zeigt, im effektiven Einsatz befindet sich die Bergekabine stets zwischen der Bergsation und der Kabine, niemals darunter wie im Video ersichtlich.
Die nach innen aufklappbare bergseitige Fronttür der Kabine ist mittig angeordnet. Demnach sehe ich eigentlich keinen Grund weshalb man da irgendwas seitlich beim Gehänge des Bergerfahrzeugs verstellen müsste. Zwar kann sich die Schwerpunktlage je nach Besetzung des Korbes und/oder Einstellung der Gehängelänge geringfügig seitlich verschieben, dies stellt jedoch kein problem dar.
Kenne kein anderes Bergefahrzeug mit in Bezug auf das Laufwerk seitlich verstellbarem Gehänge. Frage mich sogar, ob da irgendwie noch so eine Art seitliche Aufhängung weiter unten, ca. 1.8 - 2 m über Oberkante des Korbbodens vorhanden ist, in der man das Gehänge sichert (siehe Video bei ca. 00:02:24, Teil mit dem Bolzen kann jedoch auch der Führung des Gehänges dienen (für das Teleskopieren).

Zudem würe ich die Befestigung des Bergeseils komplett anders ausführen. Also keine derart im Überhang auf Biegung beanspruchte Teile.
Steckbolzen (drehgesichert) unverlierbar sichern (z.B. mit kurzen ünnem Stahlseil) und mit selbsttätiger formschlüssiger erster Verriegelungsstufe sobald er vollständig (oder zumindest genügend) eingeführt ist wobei eine zusätzliche Sicherung am Einsteckende des Steckbolzens, wie z.B. Federstecker (unverlierbar an kurzem dünnem Stahlseil gesichert) vorhanden sein muss.
Die jetzige Lösung mit Sechskantmuter und Federstecker betrachte ich sicherheitstechnisch als etwas fragwürdig.
(und zudem sind beide "verlierbar" falls man was fallen lassen würde).

Ferner würde ich einfache Tragseilfänger vorsehen, damit beim Versagen einer oder mehrere Laufwersrollen (sowie seitlicher Führungsrollen) keine unmittelbare Entgleisungs- oder gar Absturzgefahr entsteht.

Ausführung der Abstreifer könnte verbessert werden, d.h. schräg orientieren jedoch so geschützt, dass keine "Unterfahren" der beiden bergseitigen Laufwerksrollen der Pendelbahn möglich ist.


Edit:
Habe anfangs mal das Thema der Videoüberwachung angesprochen, weiss jedoch nicht genau was die Videokameras sehen und was wie aufgezeichnet wird.
Vermute dass Bereich der Stationsbuchten inkl. Strecke talwärts aufgezeichnet werden. Ob allerdings der Bereich des Bergefahrzeugs in Videoüberwachungsaufzeichnung erscheint weiss ich nicht.

Bei 280 m Fahrweg und 45° konstanter Seilneigung wäre Höhenunterschied ca. 198 m. Ohne Reibung würde man etwa 62.3 m/s (um die 224 km/h) erreichen.
Da jedoch die Seilneigung unterhalb des Bergsationssattels progressive abnimmt ist der effektive Höhenunterschied etwas geringer und Reibungseffekte sind ebenfalls zu berücksichtigen.
Eine genauere Einschätzung könnte man anhanden des Längsprofils der Bahn sowie der aerodynamischen Daten des Bergefahrzeuges machen wobei gewisse Einflüsse wie Schwingungseffekte, "Flattern", usw. kaum eingeschätzt werden können. Da müsste man das verbleibende Bergefahrzeung heruntersausen lassen und genau messen. :)
200 km/h erscheinen jedoch recht realistisch (lag viel zu tief mit meiner ersten Einschätzung, hatte das Ausmass der Schäden nicht richtig gesehen.

[Edit: Text korrigiert.]

Edit:
Auf einem Foto der talseitigen Schäden an der Kabine ist die obere Eindrückstelle ersichtlich, dabei wurden möglicherweise auch die [oben angeordneten] Scharniere der talseitigen mittig angeordneten sich nach oben innen öffnende Klapptür forciert, was das Fehlen dieser Tür erklären könnte (wurde m.E. beim Tragseilaufprall nach innen weggedrückt in dann in den Fahrgastraum geschleudert).
Interessant ist zudem, dass nicht nur eine Eindrückstelle an der oberen Kante des Kabinendaches erkennbar ist, sondern ebenfalls unterhalb der Tür (ziemlich genau auf der Länge und Höhe der Aufschrift "Zugspitze"). Was man links (von der Talstation aus her gesehen) in der Kabine sieht ist möglicherweise die nach innen weggedrückte bergseitige Fronttür, zwar nicht klar zu erkennen.
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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von heikop » 04.10.2018 - 21:33

Neue Stellungnahme der BZB zum Unfall:
https://zugspitze.de/de/sommer/aktuell/ ... tze_n34366
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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von Kris » 04.10.2018 - 23:15

heikop hat geschrieben:
04.10.2018 - 21:33
Neue Stellungnahme der BZB zum Unfall:
https://zugspitze.de/de/sommer/aktuell/ ... tze_n34366
Überraschend klares Statement. Lobenswert.
Und es hat den Anschein, als ob die Verantwortlichen hier aufmerksam mitgelesen hätten, denn einzelne Aussagen scheinen einige hier diskutierte Feinheiten zu adressieren.

Bspw. meinte Theo ja, dass der Kettenzug zuvor zB. beim (Stahl-)bau unsachgemäss und u.U. durch fremdes Personal zum Einsatz gekommen sein könnte. Rein Zufällig findet sich in der Aussendung der BZB der Passus "...Kettenzug wurde durch die Fachkräfte des Seilbahnherstellers Garaventa montiert und erstmalig in Betrieb genommen".

Wie dem auch sein, heute mag man Dankbar sein, relevante Informationen über Ereignisse zu erhalten, die nicht von PR-Media-Managern getextet wurden. Ich erinnere mich noch an das Unglück an der Schwarzen Schneid Gondelbahn: Erste Maßnahme war dort, die am hohen Masten heruntergefallene zertrümmerte Kabine abzutransportieren, zu verstecken, und erst mal still zu halten (ok, das wäre hier nicht so möglich gewesen...). Leider hatte damals bereits fast jeder ein Handy...

Auch wenn im BZB Text noch weitere Details über die Umstände des Kettenrisses wünschenswert gewesen wären (War Bergefahrzeug bereits aufgegleist? ).

Die Zweifel von Lagroce, dass ein Kettenzug nicht einfach so aus heiteren Himmel reißen könne wurden eher nicht ausgeräumt...
>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<

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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von daGuschtl » 05.10.2018 - 00:04

Ich habe gerade die FAQ der BZB gelesen, die beantworten meine Fragen haargenau (fast unheimlich, lesen die hier mit 8O ).
Übrigens sehr lobenswert wie ich finde, keine Euphemismen, sondern klare Worte :)
Eine Sicherung des Bergewagens beim Senken oder Heben mittels des Elektrokettenzugs ist nicht vorgesehen.

Es muss eine Lösung gefunden werden, die ein Abstürzen des Bergefahrzeugs über den Tragseilen der Bahn ausschließt und die Zustimmung bei den Sachverständigen und der Aufsichtsbehörde findet.
Genau das meine ich auch! Wobei man wie ich finde noch eine Sicherung (Redundanz) installieren sollte, wenn der Bergekorb an der Winde hängt. Weil wenn da was reisst, haut das Ding wieder ungebremst ab.

PS: Falls es jemand interessiert, hier wurden die Bergekörbe installiert:

Bergekorb 1 - Tal:
https://www.foto-webcam.eu/webcam/bzb-t ... 11/22/1430
Bergekorb 2 - Tal:
https://www.foto-webcam.eu/webcam/bzb-t ... 11/22/1810
Bergekorb 1 - Stütze:
https://www.foto-webcam.eu/webcam/bzb-s ... 11/22/1550
Bergekorb 1 - Gipfel:
https://www.foto-webcam.eu/webcam/bzb-g ... 11/22/1620
Bergekorb 2 - Gipfel:
https://www.foto-webcam.eu/webcam/bzb-g ... 11/22/2030
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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von Lagorce » 05.10.2018 - 00:46

daGuschtl hat geschrieben:
05.10.2018 - 00:04
Ich habe gerade die FAQ der BZB gelesen, die beantworten meine Fragen haargenau (fast unheimlich, lesen die hier mit 8O ).
Übrigens sehr lobenswert wie ich finde, keine Euphemismen, sondern klare Worte :)
Lob ebenfalls von meiner Seite.

Da wurde sicherlich hier mitgelesen, da es ja eigentlich auch weit und breit die einzige ausführliche Fachdiskussion zum Thema ist.

Man muss auch zwischen PR/Management und der Technik unterscheiden. Technisch orientierte Leute sind weniger polemik-orientiert und versuchen eher möglichst sachlich und offen über Zwischenfälle zu diskutieren, alles andere als Journalisten, usw. Nur dürfen sich die Technik-Mitarbeiter nicht direkt äussern (was auch verständlich ist).

Hier auf Alpinforum konnte sachlich und formal ohne Schuldzusprüche und ohne Behauptungen (lediglich sprach man von Vermutungen und was als mehr oder weniger wahrscheinlich betrachtet werden kann) ruhig diskutiert werden, und sowas ist gar nicht so selbstverständlich.

Betreiberin kann sich aus diversen gerechtfertigten Gründen zu gewissen Einzelheiten nicht äussern, insbes. auch was Punkte betrifft, die zurzeit noch Gegenstand von Untersuchungen sind.

Nochmals grosses Lob für die unüblich klare Kommunikation ab dem ersten Tag. Es wurden sofort offizielle Bilder veröffentlicht, die Webcams blieben eingeschalten. Archivierte Webcambilder wurden nicht gelöscht, öffentlicher Zugang zu Terrasse wurde nicht unterbunden, usw.
Also gar nicht selbstverständlich so ehrlich zu kommunizieren. In Frankreich hätte man da alles zensuriert und nur das allerwenigste kommuniziert.

Eine Sicherung des Bergewagens beim Senken oder Heben mittels des Elektrokettenzugs ist nicht vorgesehen.

Es muss eine Lösung gefunden werden, die ein Abstürzen des Bergefahrzeugs über den Tragseilen der Bahn ausschließt und die Zustimmung bei den Sachverständigen und der Aufsichtsbehörde findet.
Gewisse Punkte beurteilt man dennoch subjektiv. Im Industriemaschinenbereich habe ich einiges betriebsintern im Bereich Sicherheit nach eigenem Masstab beurteilt, denn es gibt zwar endlos viele Normen, Vorschriften, usw. man kann dennoch nicht alles objektiv beurteilen.
Z.B. hätte ich selbst die Befestigung des Bergeseils oder das Fehlen von Tragseilfängern (sehr einfach ausgeführter Entgleisungsschutz) am Laufwerk des Bergefahrzeuges als Sicherheitsrisiko eingestuft; auf derart dramatische möglichen Folgen eines Lastkettenversagens wäre ich hingegen auch nicht so direkt gekommen. Im Nachhinein weiss man immer alles besser.


Besten Dank für die Webcam Links vom 2017-11-22. Etwas später am selben Abend sieht man wie das Bergefahrzeug mit dem Turmdrehkran der Baustelle von den Tragseilen vorübergehend abgehoben wird. Damit konnte die Kabine talwärts fahren und Bergefahrzeug dann wieder auf die Tragseile abgesenkt werden und dann auf den Seilsattel hinaufgezogen werden.
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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von Spezialwidde » 05.10.2018 - 09:22

Ein Schaden im Millionenbereich wegen einer gerissenen Kette, echt heftig 8O 8O 8O Aber das Statement liest sich echt belastbar, direkt und ehrlich. Das muss ich sagen. Sonst wird ja immer so drumrumgeredet.
Genieße den Winter solange es ihn noch gibt

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br403
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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von br403 » 05.10.2018 - 11:18

Die BZB (und viele andere Seilbahnbetreiber) lesen hier natürlich mit, das ist ja bekannt. Vielen Dank für die ausführliche Stellungnahme!

freerider13
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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von freerider13 » 05.10.2018 - 12:27

Schön, dass ein so klares Statement veröffentlicht wird. Selten heutzutage, viel zu selten.
Aber auch dringend notwendig und vernünftig an dieser Stelle:
Es geht ja nicht nur um Leute wie hier im Forum, die sich eher von der technischen Perspektive oder aus Interesse an Seilbahnen mit dem Thema befassen - es geht vor allem um die Touristen aus aller Welt, denen man jetzt das Vertrauen in die Sicherheit dieser Bahn wiedergeben muss.
Da ist die jetzt stattfindende Kommunikation genau richtig!


Gut, was wir hier schon als Fakt festgestellt hatten weiß die BZB auch - der Kettenzug ist gerissen. Und sie wissen auch, dass dieses Szenario in der Planung nicht berücksichtigt wurde, wollen hier nachbessern. (Irgendwie muss ich hier schmunzelnd an den alten Satz denken: Und das letzte was ich hörte bevor die Welt explodierte waren die Worte des Experten, der da sagte: "Das ist technisch unmöglich!")

Nachdem Gottlob keinem was passiert ist darf man ja auch mal schmunzeln...

Ich bin gespannt, warum die Kette tatsächlich gebrochen ist. Mal sehen, wann das Ergebnis vom Gutachter veröffentlicht wird. Ist natürlich auch in Sachen Haftung für die BZB äußerst interessant - insbesondere, da ein Bedienungsfehler ja bereits ausgeschlossen wurde.
Zum Schluss wird irgendjemand die Zeche zahlen müssen. Und so wie ich die Veröffentlichung lese wird das wohl weniger die BZB sein...

Schöne Grüße,
Jan

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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von joshi04 » 05.10.2018 - 12:49

Apropos Gutachten, für mich als Fachfremden, gibt es eigentlich für den Betrieb bzw. die Zulassung für den Betrieb von Seilbahnen ebenfalls eine Art von nationaler Überwachungsbehörde (natürlich gibt es eine, aber welche wäre das?) bzw. eine Untersuchungsbehörde, die unabhängig untersucht, falls es zu Vorfällen kommt, so wie es bei Schiffs- oder Flugunfällen ist?

Und falls ja, sind solche Berichte üblicherweise dann öffentlich einsehbar, wenn eine Untersuchung abgeschlossen ist?

ps: Sehr interessant, der sachlichen Diskussion hier zu folgen. Danke an alle!

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Paccodeluxe
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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von Paccodeluxe » 05.10.2018 - 13:11


heikop
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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von heikop » 05.10.2018 - 13:26

Paccodeluxe hat geschrieben:
05.10.2018 - 13:11
Damit passiert nichts mehr
Stimmt, die ist auch längst verschrottet.

Lagorce
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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von Lagorce » 05.10.2018 - 14:00

WICHTIG: Edit:
Gehängeseitig liegt Stationssattel-Podest ist nicht direkt am Tragseilsattel, dazwischen ist genügend Zwischenraum für das Gehänge des Bergefahrgzeuges.
Bei Endlage der Kabine befindet das Geghänge der Pendelbahn vor dem Ende dieses Podests, da Zwischnraum zu schmal als Durchlass für das Gehänge wär.
Demnach bitte entsprechenden Kommentar bzgl. Begründung der seitlichen Verschiebung des Gehänges des Bergefahrzeuges ignorieren.
Kris hat geschrieben:
04.10.2018 - 23:15
heikop hat geschrieben:
04.10.2018 - 21:33
Neue Stellungnahme der BZB zum Unfall:
https://zugspitze.de/de/sommer/aktuell/ ... tze_n34366
Überraschend klares Statement. Lobenswert.
Und es hat den Anschein, als ob die Verantwortlichen hier aufmerksam mitgelesen hätten, denn einzelne Aussagen scheinen einige hier diskutierte Feinheiten zu adressieren.
Sorry, habe möglicherweise oben falsch zitiert.

Habe übrigens aus Versehen auf den "Danke" Button geklickt, nicht dass das ensprechende Post es verdiente oder nicht, gebe eigentliche nirgends "Likes", usw. ab und validiere auch keine "Friends" oder ähnliches, weiss nicht einmal ob's auf Alpinforum sowas gibt.

Und nochmals Danke für Deine Fotos Kris, die es erlaubten einige Einzelheiten besser zu sehen und auch Dank an Theo, für das Teilen exklusiver Infos sowie and alle hier an der Diskussion beteiligten AF-Mitglieder.

Dass Elektrokettenzug wochenlang an Ort und Stelle hangen blieb und erst jetzt untersucht wird, finde ich nach wie vor erstaunlich, habe es bereits mehrmals erwähnt. Entscheide diesbzgl. werden jedoch von den Behörden oder, dann ggf. Versicherungen gefallen.

Bspw. meinte Theo ja, dass der Kettenzug zuvor zB. beim (Stahl-)bau unsachgemäss und u.U. durch fremdes Personal zum Einsatz gekommen sein könnte. Rein Zufällig findet sich in der Aussendung der BZB der Passus "...Kettenzug wurde durch die Fachkräfte des Seilbahnherstellers Garaventa montiert und erstmalig in Betrieb genommen".
Eigentlich für uns hier nichts überraschendes. War ja logisch, davon auszugehen, dass Elektrokettenzug Bestandteil der Elektromechanik der Seilbahn war und als solcher wurde er auch vom Seilbahnhersteller oder in dessen Auftrag geliefert, montiert und in Betrieb genommen.

Ferner sieht man spätestens in den Videos, die kurz vor der Inbetriebnahme gedreht wurden, dass ein Monteur (?) den Kettenzug bedient. Vorgehen entspricht dabei m.E. Montage und/oder Tests, da u.a. die kleine Lasttraverse am Gehänge mit den zwei kleinen Schäkel fixiert ist, im Normalfall wird Gehänge bei den zwei kleinen Schäkel ausgehängt und die kleine Lasttraverse wird dabei nicht von Anschlagseil der Parkaufhängung beim grossen unteren Schäkel gelöst.
Kleine Lasstraverse wäre eigentlich als Bestandteil der Parkaufhängung zu betrachten, falls man sie bei montierten klenen unteren Schäkel vom grossen oberen Schäkel löst, kann sie nicht sauber auf dem Gehänge aufliegen und dabei die Feuerverzinkung durch Reibung beschädigen. Beim seitlichen hydraulischen Verstellen des Gehänges kann sie allerdings mit Bezugnahme auf das verfügbare Bildmaterial glaub nicht eingeklemmt werden.

Auch wenn im BZB Text noch weitere Details über die Umstände des Kettenrisses wünschenswert gewesen wären (War Bergefahrzeug bereits aufgegleist? ).
Ich vermute, dass das Ganze durch die Videoüberwachung aufgezeichnet wurde.

Betone: Bleibt eine Vermutung, würde jedoch einiges erklären, u.a. auch weshalb man eigentlich nichts von einer grösseren Untersuchung vorort (insbes. aufwendige Spurensicherung mit vielen Fotos) bemerken konnte.

Die Steuerung selbst hat lediglich aufgezeichnet, wann Bergefahrzeug seine Parkstellung verlassen hat, oder falls nicht direkt Lage erfasst wird, z.B: wann codiertes Steckteil von Hand vom Schalter herausgenommen wurde (könnte auch beim Zwischenfall ohne Eingriff vom Personal herausgezogen worden sein). Wie genau elektrisch die Parkstellung überwacht wird, sieht man nirgends, möglicherweise ist das rote quaderförmige Teil mit Elektrokabelanschluss am Geländer der aussenliegenden Stationssattelpasserelle Bestandteil (Siehe Screen Caps von YouTube Video) dieser Überwachung denn entsprechende Sicherheitsüberwachungsschalter sind traditionsgemäss oft rot.

Edit:
Folgenden Abschnitt bitte ignorieren, da aussenseitiges Stationssattel-Podest nicht direkt am Stationssattel angebaut ist, dazwischen befindet sich der notwendige Zwischenraum für das Gehänge der Bergefahrzeuges. Ferner haltet die Pendelbahnkabine bevor dessen Gehänge den Bereich des aussenliegendn Stationstragseilsattelpodests erreicht.


Italic (kursive) Font bitte ignorieren:
Aussenliegende (d.h. auf Seite des Gehänges) Stationssattel-Passerellen (Podeste) sind übrigens selten, oft ist (ausser bei geschlossenem Gehänge bei gewissen Bahnen ohne Stützen) nur innenseitige Podeste vorhanden. Die Breite dieser Passerelle könnte evtl. die seitliche Verstellung des Gehänges des Bergefahrzeuges erklären, m.E. hätte man dennoch eine seitlich nicht verstellbares Aufhängung aber mit dementsprechend längerem Gehängetragrohr einsetzen können und ggf. wie bereits erläutert die seitliche Lage des Schwerpunkts mit Ballastierung unter dem Korbboden korrigieren können, damit Bergefahzeug-Gehänge bei leerem Bergefahrzeug etwa senkrecht hängt.
Bei der 120+1 Kabine spielen die paar cm der Podestbreite keine Rolle, da Gehängetragrohr onehin viel länger als das des Bergefahrzeugs ist, zudem wird dessen elastische Durchbiegung sehr wahrscheinlich mit DMS (Dehnungsmessstreifen) zur Lastmessung erfasst, ist sehr üblich da man sich 4 Lastmessdosen oder 4 Lastmessbolzen bei der Kabinenaufhängung ersparen Kann.
Auch Kabinen ist für eine 120+1 Kapazität etwas breiter als üblich, jedoch entsprechend etwas kürzer da Netto-Bodenfläche kapazitätsabhängig ist und nicht beliebig gewählt werden kann (siehe glaub irgendwo in der EN 13796-1:2017 von März 2017, die die vorherige Version von Mai 2005 ersetzt).


Bzgl. Aufgleisen betrachte ich es nach wie vor als eher unwarscheinlich, dass bei einem Herunterfallen ausser aus sehr geringer Höhe, ein "zufälliges" sauberes Aufgleisen erfolgte und dann hätte man vermutlich zudem auch mindestens Spuren an gewissen seitlichen Führungsrollen sehen können.

Die Zweifel von Lagroce, dass ein Kettenzug nicht einfach so aus heiteren Himmel reißen könne wurden eher nicht ausgeräumt...
Lagroce = La grosse ? = Die Dicke [Frau]. :) :)

Mein Standpunkt war stets, dass "allerhöchst"-wahrscheinlich Elektrokettenzug inkl. Lastkette bei Auslieferung vom Hersteller LIFTKET völlig in Ordnung war. Übrigens vermute ich, dass eine RUD Kette installiert war, RUD Personal spielt jährlich gegen LIFTKET Personal Fussball (ist so in Firmenzeitschrift von RUD erwähnt und RUD ist onehin der bekannteste und etablierteste Lastkettenhersteller in Europa)..

Bahnbetreiberin betont auch richtigerweise, dass man als Benutzer nicht verpflichtet ist, ein solches Hebezeug vor dem Ersteinsatz nach dem Kauf als Neugerät irgendwie speziell zu prüfen [ausser der üblichen Routinen-Kontrollen durch den (End-)Benutzer, die in der Betriebsanleitung vorgeschrieben werden].
Externe periodische Prüfung ist formal vorgeschrieben, die Frist für die erste Nachprüfung war jedoch noch nicht abgelaufen.
Formal gesehen müsste man jedoch noch genau sehen, welcher Zeitpunkt für die Inbetriebnahme gilt, rein theoretisch könnte man vertraglich vorsehen, dass Frist erst ab definitiver Abnahme der Anlage läuft, was voraussetzen würde, dass Bahnhersteller eine vorgezogene periodische Prüfung hätte durchführen müssen, was ich jedoch als unwahrscheinlich betrachte.
Die Frage der Garantielaufzeiten ist dabei ein unabhängiges Thema (bei Grossprojekten sind Werksverträge sehr aufwendig punkto Garantieleistungen formuliert, dies überlasse ich gerne den Juristen).

Bzgl. Vorbeschädigung der Lastkette muss man unterscheiden zwischen Überlast bei sonstig korrekt eingesetzter Lastkette oder unter weiteren unzulässigen Bedingungen und ganz insbes. das führen der Lastkette über eine Kante. Wird ein Lastkettenglied über eine Kante überbeanprucht kann dies zu weitaus grösseren Schäden an der Lastkette führen als wenn dieselble (Über-)last auf eine normal "gestreckte" Lastkette wirkt.
Wären zwei Glieder über diese Kante gebogen worden, wäre es nachvollziebar dass genau diese zwei Kettenglieder zuerst versagen würden und demnach könnte evtl. das restliche Teilstück der Lastkette aus der Hakenflasche herausfallen und irgendwo in der Felwand enden (kann man sehr einfach aufgrund der Längen der restlichen zwei Kettenstücke überprüfen).

Insofern hatte man grosses Glück, dass Lastkette nicht versagte, als sich jemand auf dem Bergefahrzeug oder in der Gefahrenzone unterhalb befand.
Siehe z.B. dieses bereits mehrmals erwähntes Video vom Bau (wurde nach dem Seilzug aufgenommen, also mit bereits beschädigter Lastkette):
Betriesbsleiter der Bayerischen #Zugspitzbahn Martin Hurm über die #Weltrekordbahn
https://www.youtube.com/watch?v=go_ICHtuXyg
ab ca. 00:01:56: Monteur auf der Leiter des Gehänges des Bergefahrzeuges, dass nur am Elektrokettenzug hängt. Kleine Lasttravers ist noch nicht mit Anschlagseil der Parksicherung mittels grossem Schäkel verbunden.

Dass Lastkette soweit oben brach ist dennoch etwas unerwartet: geht man davon aus, dass nur ein einziges Glied versagte, würde dies voraussetzen, dass sich die Hakenflasche sehr nahe an der oberen Endlage befand als Kettenglied beschädigt wurde.
Nun erscheint es etwas unüblich (jedoch nicht unmöglich), dass die Lastkette (oder zumindest ein Strang davon) auf einer so kurzen ausgefahrenen Kettenlänge über eine scharfe Kante geführt wurde.
Schwarzer Gummipuffer oben an der Hakenflasche hätte sich dann vielleicht etwa (grob abgeschätzt) auf der Höhe der Mitte des Kettenspeichers (rechteckiger schwarzer hängender Sack). Siehe sehr interessantes Nahaufnahme des Elektrokettenzugs von Kris weiter oben.
Diese Lage würde eigentlich eher einer in der Praxis üblichen oberen Endlage der Hakenflasche entsprechen (bei normaler Bedienung stoppt man man den Einzug der Kette bevor Hakenflasche das Geräte berührt. Falls man dies nicht macht klemmt das Gerät die Hakenflasche nach oben bis Überlastsicherung Zug begrenzt (oder falls nicht vorhanden Motor abgewürgt wird). Elektrische Endlageüberwachung schaltet Motor mit etwas Kettenreserve vorzeitig ab, ist jedoch nur bei gewissen Elektrokettenzüge vorhanden.

Wie Kettenzug eingesetzt worden ist, damit man bei nahezu in der oberen Endlage der Hakenflasche ein Kettenglied über eine scharfe Kante führen kann, wäre interessant zu sehen Punkto Anordnung.
Ich bestreite keinesfalls die Schilderung von Theo, betrachte es lediglich als unüblich, dass sowas bei nahezu voll eingezogener Lastkette passiert ist.
Ob zwei Glieder versagten und somit ein Teil der Lastkette rausfiel kann ich nicht beurteilen, meinte jedoch eher, dass nur ein einziges Glied versagte und dies wäre auch kompatibel mit den ähnlich langen überbleibenden Lastkettenstränge (aber eben nur sofern Kette nachträglich nicht eingezogen wurde).
Dass jedoch Bergefahrzeug aus voller Höhe heruntergefallen wäre scheint wiederum unwahrscheinlich, das wären Tragrollen, Führungsrollen, usw, beim Aufprall auf die Tragseile oder Stationssattelteile massiv beschädigt worden und ein zufälliges Aufgleisen beim Herunterfallen aus dieser Höhe wäre unwahrscheinlich gewesen. Da keine Schäden am Laufwerk des Bergefahrzeuges auf sowas hindeuten gehe ich eher davon aus, dass entweder Lastkette nach dem Zwischenfall wieder eingezogen wurde, oder Lastkette an zwei Stellen brach wobei dann es auch als Zufall erscheinen würde, das beide Kettenstränge nachher etwas genau gleich lang sind (ausser man hätte auch in diesem Falle Lastkette nachträglich wieder eingezogen). Wären zwei Kettenglieder über Kante beschädigt worden, ist wiederun merkwürdig. dass diese dann soweit auseinander liegen würde (Lastkette hätte man dann vielleicht ca. 3.5 bis 5 m ausfahren müssen damit Laufwerk des Bergefahrzeugs nur aus geringer Höhen fiel, oder ggf. bereits aufgegleist war...

Irgendetwas erscheint mir nach wie vor nicht vollständig geklärt. Die geschilderten Ereignisse stelle als solche nicht in Frage, nur erscheinen mit gewiesse Einzelheiten unklar, inbes. die "Kettenreaktion" (wörtlich von den Medien übernommen).

Interessant ist, dass Betreiberin bereits klarstellt, dass absolut kein Bedienfehler seitens des Seilbahn-Personals vorliegt (Aussage stelle ich als solche absolut nicht in Frage, dazu kann ich mich mangels Infos nicht äussern da der wirklich detailierte Ablauf des Zwischenfalls zurzeit unbekannt ist).

WICHTIG: Edit:
Siehe Anfang des Posts.
Zuletzt geändert von Lagorce am 06.10.2018 - 15:34, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von Ram-Brand » 05.10.2018 - 18:17

Einfach mal abwarten. Vielleicht gibt es noch weitere Infos, wenn der Kettenzug fertig untersucht wurde.
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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von Lagorce » 06.10.2018 - 01:33

Muss nochmals betonen, dass das offizielle Statement der Betreiberin der Seilbahn sehr sachlich und offenlegend verfasst wurde, also alles andere als die sonst bei Zwischenfällen üblichen Pressemitteilungen bei denen man brauchbare technische Infos vergebens sucht und die meist durch PR-Leute mit absolut null Anhung von der Technik verfasst wurden (nationale Eisenbahnbetriebe, EVU und Kraftwerksbetreiber sind da z.B. führend).

Gehe davon aus, dass zum geeigneten Zeitpunkt dann weitere Infos folgen werden, die können jedoch zurzeit aus formalen Gründen noch nicht veröffentlicht werden, insbes. da Untersuchungen noch im Gange sind.

Der Zwischenfall als solcher entspricht objektiv betrachtet einem sehr unwahrscheinlichen Szenario.
Dass die Lastkette eines Elektrokettenzugs unter diesen Voraussetzungen (neues Hebezeug, etablierter renommierter deutscher Hersteller, Lastkette vermutlich vom etablierten und bekanntesten deutschen Hersteller, grosszügige Dimensionierung (ca. 50 bis 65 % der SWL Safe Working Load (öfters auch WLL, Working Load Limit genannt, gemeint damit ist die erlaubte effektive am Haken senkrecht frei hängende maximale Last)) versagt, ist eigentlich total unerwartet.

Das Versagen von Lastketten ist zwar als solches nicht so selten, in den weitaus allermeisten Fällen (ausser vielleicht für Hebezeuge von fragwürdiger Billigstproduktion stammend) ist jedoch menschliches Versagen die Ursache, wie z.B. Fehlbedienung, schlechte Wartung, Betrieb trotzt Korrosion, Abnützung, usw.

Selbstverständlich geht man hier davon aus, dass weder Gerät noch dessen Lastkette irgendwie, irgendwo, irgendwann bei irgendeinem früheren Einsatz vor Inbetriebnahme der Seilbahn beschädigt wurden und dabei die effektive Bruchlast der Lastkette derart massiv reduziert werden konnte.

Wie man dieses Szenario (Lastkettenbruch oder ggf. sonstiges Versagen eines Hebehilfsmittels) in der Risikoanalyse betrachtete, hängt von sehr vielen hier unbekannten Einzelheiten, sowohl konstruktiver/technischer wie auch organisatorischer Natur, ab.
Da müsste man ganz genau Planzeichnungen sowie Bedienvorschriften überprüfen, die Anlage besichtigen und Prozesse im Detail evaluieren. Ob im Rahmen der Risikoanalyse diesbezüglich ein Fehler gemacht wurde, kann man so von aussen nicht beurteilen.
Ferner sind sich im Bereich von probabilistischen Risikoanalysen selbst Experten auch nicht immer so einig, u.a. wenn es um die Quantifizierung von Eintrittswahrscheinlichkeiten geht.

Um den Elektrokettenzug nicht unnötigen Belastungen auszusetzen, wäre es dennoch empfehlenswert, dessen Lastkette nicht zu spannen, jedoch falls als Sicherung eingesetzt wird, ohne Schlaffkette zu erlauben.
Ferner bleibe ich der Meinung, dass für eine langzeitige [Park-]Aufhängung Teile aus massivem Stahl besser geeignet sind als konfektionierte Anschlagseile aus Stahl, diese sind zwar sehr zuverlässig, sind jedoch aufwendiger punkto vorgeschriebenen periodischen Kontrollen.

Die Beurteilung des Runaway-Risikos ist ebenfalls nicht so einfach, klar dass viele im Nachhinein der Meinung sind, dass von Anfang an eine mechanische Blockierung "hätte vorgesehen werden müssen". Aber auch hier kann man nicht einfach so dem Hersteller Fahrlässigkeit vorwerfen. Auch hier müsste man das Ganze sehr genau beurteilen bevor man sich sachlich dazu äussern kann.

Allerdings betrachte ich wie bereits mehrmals erwähnt, die Ausführung des Anschlagsystems für das Bergeseil (Zugseil des Bergefahrzeuges) als eine aus sicherheitstechnischer Sicht fragwürdige Konstruktion. Entgleisungsschutz habe ich ebenfalls mehrmals angesprochen. Diese zwei Punkte kann man ohne grossen Aufwand verbessern, dies ohne, dass aufwendige Nachberechnungen und Risikoanalysen erforderlich werden.
Zu betonen ist dennoch, dass auch scheinbar sehr kleine Abänderungen an einer bestehenden Seilbahn sehr formal und genau sicherheitstechnisch beurteilt werden müssen und dabei spielt m.E. die Praxiserfahrung der involvierten Sachverständigen eine massgebende Rolle.

System mit Elektrokettenzug würde ich grundsätzlich beibehalten, was passiert ist, ist sehr aussergewöhnlich und sollte als Zwischenfall nicht das allgemeine Vertrauen in Kettenzüge in Frage stellen. Massgebend sind erstklassige Hebezeuge, korrekte Einsatzbedingungen und enstprechend ausgebildetes (d.h. auch entsprechend trainiertes) Seilbahnpersonal sowie ggf. eine zusätzliche Absicherung und jedenfalls eine mechanisches von Hand bedienbares Hindernis, das ein Entlaufen der Bergefahrzeuges verhindert.

Sicherlich sind gewisse relativ geringfügige Anpassungen (m.E.) erforderlich. Basis-Konzept mit Bergefahrzeug, ausziehbarem Gehänge, Zugseil ab Trommelwinde (Bergewinde gemeinsam für beide Fahrspuren), usw., hat sich jedoch bei zahlreichen Seilbahnen bewährt und sollte also solches nicht grundlegend in Frage gestellt werden.
Gewisse Ausführungseinzelheiten betrachte ich zwar als Schnickschnack der nur die Technik unnötig komplexer macht, mit dem muss man allerdings zurecht kommen, da man keine Zeit hat, um Bergefahrzeug zu überdenken, da dies wiederum aufwendige Analysen und Berechnungen voraussetzen würde und auch u.U. zusätzlich Zeit für die Abnahme in Anspruch nehmen könnte.

Als Behelfsmassnahme könnte man eventuell ein Höhensicherungsgerät für entsprechende Lasten einsetzen, z.B. sowas wie hier (bis 5'000 kg verfügbar):
http://www.neofeu.com/
oder ähnlich wie PSA aufgebaute Geräte (gekapselte Höhensicherungsgeräte für hohe Lasten, mindesten bis 3'000 kg verfügbar, vemutlich auch höher, habe nicht länger online gesucht).
Zu beachten ist jedoch u.a. gesamter Bremsweg und welche maximale Absenkgeschwindigkeit im Einsatzfall erreicht wird.
Man müsste zudem sehr genau abklären, ob Vereisung, usw. die Funktionstüchtigkeit beeinträchtigen könnte, habe selbst noch nie solche Geräte in derart hohen Lastbereichen eingesetzt deshalb kann ich nicht beurteilen, ob diese Lösung hier sinnvoll ist oder nicht.

Wenn alles Gut läuft könnte man vielleicht mit einer Wiederaufnahme des Betriebs kurz vor Weihnachten rechnen. Termin würde ich als realistisch betrachten, ist jedoch wiederum eine reine Vermutung.
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Re: Grainau: Zugspitzbahn steht still - Gondel bei Übung beschädigt

Beitrag von NeusserGletscher » 06.10.2018 - 09:33

Falls wie von mir vermutet das Rettungsfahrzeug aus der Parkposition auf die Tragseile gefallen ist, hätte eine mechanische Sicherung auf dem Tragseil gegen Wegrollen vermutlich auch nicht viel bewirkt. Aber anstelle des Zugseils kann man eine permanente Sicherung anbringen, solange sich das Fahrzeug in der Station befindet. Besser noch an einem separaten Anschlagpunkt, damit das Fahrzeug bis zum Absenken auf die Tragseile stets doppelt gesichert ist. Und die Konstruktion mit dem auf Scherung belasteten Bolzen sollte besser auch noch mal überdacht werden.

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