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Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 12.02.2020 - 09:42
von Mt. Cervino
Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete
In den Alpen macht sich der Gigantismus breit: Skigebiete werben mit unendlichen Pistenkilometern, immer mehr neue Zusammenschlüsse entstehen. Die Betreiber verteidigen den XXL-Trend - trotz Klimawandel. Doch wem nutzen Skiresorts mit Hunderten Kilometern Piste überhaupt?

https://www.focus.de/reisen/winterurlau ... 53105.html

Warum da in der Überschrift und dem Teaser das Thema Klimawandel wieder mal bemüht werden musste ist mir komplett unklar. Das Thema bleibt in dem weiteren Artikel komplett außen vor, bringt aber vermutlich wieder mal mehr Klicks.
Im Kern geht es in dem Artikel darum, ob Skigebiete mit mehr als 250 Pistenkilometer überhaupt vom Skigast sinnvoll genutzt werden können, und was passiert, wenn ein Skigast am Abend nicht mehr zu seinem Ausgangspunkt zurückkommt.
Die Diskussion ist genauso überflüssig wie die Diskussion über ein Shoppingcenter mit 300 Geschäften. Bringt so ein riesen Komplex einen Mehrwehrt zu einer kleinen Stadt mit beispielsweise 10 Geschäften. Ich denke klar JA aber nicht in jedem Fall. Beide haben ihre Berechtigung. Ebenso wie kleinen Skigebiete genauso ihre Relevanz haben wie Megaskigebiete über mehrere Täler hinweg.

Re: Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 12.02.2020 - 10:27
von Pancho
Ich hoffe, dass die Vielfalt der Skigebiete erhalten bleibt. Größe ist nicht alles, sie muss auch entsprechend gut durchdacht und organisiert werden, das bleibt mir manchmal etwas auf der Strecke.

Re: Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 14.02.2020 - 13:03
von Florian86
Guter Punkt, Pancho.

Und es kommt tatsächlich auf die "Verzahnung" auch ein Stück weit an. Eine Fahrt von Warth bis zum Rendl und zurück fand ich zwar gut machbar, ist aber durchaus vom Zeitdruck her etwas schwierig, gerade wenn viel los ist und man an den Liften lange wartet.

Ganz anders in den Trois Vallées, hier sind die Talübergänge viel "kompakter", und das ganze Gebiet hat für die Pistenkilometer eine eher geringe flächige Ausdehnung. So ist es dort - für gute Skifahrer - kein Problem, am Vormittag in Les Menuires zu starten zwei Stunden in Thorens/Orelle zu fahren, und dann am Nachmittag bis Courchevel 1550 zu kommen, was fast schon ganz am anderen Ende des Gebietes ist. Es gibt auch oftmals mehrere Möglichkeiten, um von A nach B zu kommen: ist an Pas du Lac in Mottaret viel los (letzte Woche zwei mal erlebt), gehts halt über dem Combes-Sessel bzw. die Truite weiter nach Meribel Centre, und dann über die Rhodos- bzw. Saulire-Gondel weiter nach Courchevel. Und an vielen Stellen brauch ich tatsächlich nur 2 - 3 Lifte, um von einem Tal ins Nächste zu kommen, wenn ich das will. So hat man eben die Wahl, ob "schnell und direkt" oder "langsamer und indirekt".

Das in den Trois Vallées ist superpraktisch, andererseits macht es schon auch viel Spaß, wenn man tatsächlich eine große Strecke auf der Karte zurücklegt und das Skigebiet "linearer" aufgebaut ist, z.B. Ski-Ausflüge in den Dolomiten. Da wechseln dann eher mal die Landschaftstypen und man hat am Ende des Tages ein anderes Gefühl des zurückgelegten Weges.

Re: Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 14.02.2020 - 13:19
von Pancho
Florian86 hat geschrieben:
14.02.2020 - 13:03
Es gibt auch oftmals mehrere Möglichkeiten, um von A nach B zu kommen: ist an Pas du Lac in Mottaret viel los (letzte Woche zwei mal erlebt), gehts halt über dem Combes-Sessel bzw. die Truite weiter nach Meribel Centre, und dann über die Rhodos- bzw. Saulire-Gondel weiter nach Courchevel.
So ist das natürlich optimal. Die Flaschenhälse, typischen Rückkehrer-Tragödienhänge und überbevölkerte Ameisenstraßen kommen so nicht zu Stande. Geht halt nicht überall...

Re: Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 14.02.2020 - 13:37
von Mt. Cervino
Florian86 hat geschrieben:
14.02.2020 - 13:03
Das in den Trois Vallées ist superpraktisch, andererseits macht es schon auch viel Spaß, wenn man tatsächlich eine große Strecke auf der Karte zurücklegt und das Skigebiet "linearer" aufgebaut ist, z.B. Ski-Ausflüge in den Dolomiten. Da wechseln dann eher mal die Landschaftstypen und man hat am Ende des Tages ein anderes Gefühl des zurückgelegten Weges.
Gerade das fasziniert mich an den großen Skigebieten. Weite Skireisen zu machen und dort völlig unterschiedliche Szenerien und Landschaften zu genießen. Wenn dann die einzelnen Teile der Skigebiete noch völlig unterschiedliche Charakter haben, dann ist es ideal. Wenn dann noch ein wenig Nervenkitzel dazukommt, dass man nicht immer 100% weiß ob man wieder zu seinem Ausgangspunkt zurückkommt (exponierte Übergänge etc.) wird es richtig spannend.
Beispiele für solche Skigebiete sind z. B. Cervinia/Valtournenche/Zermatt, Pra Loup/Val d´Allos, La Rosiere/La Thuile.

Re: Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 25.02.2020 - 17:32
von fettiz
Gebe euch recht, aber der Titel des Artikels ist Unsinn. Es gibt keine Bezug zwischen Klimawandel und Großskigebieten. Außer das Großskigebiete durchschnittlich höher sind und durch Kunstschneeanlagen besser auf den Klimawandel vorbereitet als kleine Talskigebiete. Aber weder fördern Großskigebiete den Klimawandel, noch fördert der Klimawandel Großskigebiete. Und auch haben Skigebietserweiterungen, - Verbindungen nichts mit dem Klimawandel zu tun. Sondern mit Landverbrauch. Und das Skiurlaub eine durchaus brauchbare ökologische Urlaubsform ist (im vergleich zum sonstigen Urlaubsverhalten mit Mallorca, Kreuzfahrten und Überseereisen), hat der WWF schon 2009 festgestellt. Die Ergebnisse aber gern verschwiegen. Lieber haut man auf Kunstschnee, Recycling-Schnee in Kitzbühel etc. rum. Würde der Focus die Großskigebiete mit Landverbrauch in Beziehung setzen, würde wenigstens eine Story draus...

Re: Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 29.02.2020 - 18:00
von j-d-s
Man muss hier mal festhalten, dass es bis heute _kein einziges_ Skigebiet gibt, in dem man nicht innerhalb eines Tages (also 7-8 Stunden, wo die Lifte offen haben) vom einen Ende zum anderen und wieder zurück kommen könnte (jedenfalls wenn alle notwendigen Lifte/Pisten offen haben und nicht wegen Witterung geschlossen werden müssen).

Insofern ist es also grober Unsinn, überhaupt zu postulieren, man köne die "Giga-Skigebiete" gar nicht nutzen, weil die zu groß seien. Ganz im Gegenteil werden gerade die Hauptrouten sehr stark genutzt (siehe: Sellaronda, "Run of Fame" am Arlberg usw.) und vor allem belegen die allermeisten Zahlen zu den Skigebeitszusammenschlüssen der letzten Zeit starke Zuwächse der Gästezahlen durch ebendiese Zusammenschlüsse.

Re: Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 01.03.2020 - 08:56
von Chense
j-d-s hat geschrieben:
29.02.2020 - 18:00
Man muss hier mal festhalten, dass es bis heute _kein einziges_ Skigebiet gibt, in dem man nicht innerhalb eines Tages (also 7-8 Stunden, wo die Lifte offen haben) vom einen Ende zum anderen und wieder zurück kommen könnte (jedenfalls wenn alle notwendigen Lifte/Pisten offen haben und nicht wegen Witterung geschlossen werden müssen).

Insofern ist es also grober Unsinn, überhaupt zu postulieren, man köne die "Giga-Skigebiete" gar nicht nutzen, weil die zu groß seien. Ganz im Gegenteil werden gerade die Hauptrouten sehr stark genutzt (siehe: Sellaronda, "Run of Fame" am Arlberg usw.) und vor allem belegen die allermeisten Zahlen zu den Skigebeitszusammenschlüssen der letzten Zeit starke Zuwächse der Gästezahlen durch ebendiese Zusammenschlüsse.
Dann will ich sehen wie du von Percha aus bis raus nach Alleghe und zurück fährst ... darfst sogar statt dem Skibus das Auto nutzen

Re: Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 01.03.2020 - 14:42
von ski-chrigel
Chense, ich bin ja kein j-d-s-Fan, aber so lieferst Du unserem Lieblingstroll ja unnötig Nahrung... Percha bis Alleghe ist kein zusammenhängendes Skigebiet. Dein Argument ist nichtig, weil Dolomitisuperski nur ein Skikartenverbund ist. Man kann ja auch einzelne Gebiete lösen.
Mit meinem Snowpass Graubünden habe ich ja auch nicht den Anspruch, von Andermatt bis Ischgl alles in einem Tag zu fahren.
Insofern hat j-d-s (ausnahmsweise) Recht.

Re: Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 01.03.2020 - 15:22
von Pancho
j-d-s hat geschrieben:
29.02.2020 - 18:00
...und vor allem belegen die allermeisten Zahlen zu den Skigebeitszusammenschlüssen der letzten Zeit starke Zuwächse der Gästezahlen durch ebendiese Zusammenschlüsse.
...und diese starken Zuwächse wollen alle Skifahren auf Pistenflächen, die nicht entsprechend wachsen (können).
Dass sich u.U. Betreiber und bestimmte Touristikunternehmen eine goldene Nase verdienen, ist unbestritten und ja gerade der Motor der Entwicklung.

Re: Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 02.03.2020 - 12:25
von Chense
ski-chrigel hat geschrieben:
01.03.2020 - 14:42
Chense, ich bin ja kein j-d-s-Fan, aber so lieferst Du unserem Lieblingstroll ja unnötig Nahrung... Percha bis Alleghe ist kein zusammenhängendes Skigebiet. Dein Argument ist nichtig, weil Dolomitisuperski nur ein Skikartenverbund ist. Man kann ja auch einzelne Gebiete lösen.
Mit meinem Snowpass Graubünden habe ich ja auch nicht den Anspruch, von Andermatt bis Ischgl alles in einem Tag zu fahren.
Insofern hat j-d-s (ausnahmsweise) Recht.
Es wird aber indirekt so beworben schliesslich sind sowohl der Skibus Kronplatz - Hochabtei also auch die Skibusse auf der Guerra keine SAD-Busse sondern DS-Busse.

Wie würdest du es denn aufteilen? Nach Gesellschaften sind es zig Kleinstgebiete, nach Tälern auch nicht sinnvoll weil die Ronda ja wohl auch nach deinen Kriterien zusammenhängend sein dürfte. Selbst ohne Skibusse dürfte es aber Schwierig sein alles an einem Tag abzufahren von Ulrich über Marmolada, Armentarola und Gran Risa + Rückweg

Re: Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 02.03.2020 - 12:44
von ski-chrigel
Per Ski zusammenhängend scheint mir eine sinnvolle Definition. Von Wolkenstein bis Marmolada und weiter bis St.Croce und zurück nach Wolkenstein ist an einem Tag mit wenig Leuten durchaus machbar.

Re: Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 02.03.2020 - 12:53
von Theo
Zusammenhängen ist es für mich von Buffaure Tal in Pozza bis La Crusc Berg in Pedratsches, ca. 35 - 40 Liffahrten also. Interessanterweise ist das aber dann ausgerechnet ein Skigebiet welches grösstenteils historisch gewachsen ist und dort wo es in neuerer Zeit verbunden wurde dies im Talbereich geschehen ist und nicht in vermeintlich schneesicheren Höhen. Dies gilt übrigens für viele Skigebiete. Die Verbindungen wurden meist im unteren oder mittleren Höhenbereich geschaffen, in der oberen Höhenlage nur in wenigen Fällen. Insofern haben die neu erschaffenen Verbindungen eher weniger mit Schneemangel zu tun als mit anderen Dingen.

Re: Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 02.03.2020 - 15:39
von Chense
ski-chrigel hat geschrieben:
02.03.2020 - 12:44
Per Ski zusammenhängend scheint mir eine sinnvolle Definition. Von Wolkenstein bis Marmolada und weiter bis St.Croce und zurück nach Wolkenstein ist an einem Tag mit wenig Leuten durchaus machbar.
Also zmd ab St.Ulrich musst du dann schon rechnen - Die U-Bahn ist ja eine Liftanlage und sonst wäre die Runde z.b. auch durch den Arabba Fly unterbrochen

Re: Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 02.03.2020 - 15:42
von ski-chrigel
Auch das müsste möglich sein.

Re: Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 02.03.2020 - 21:02
von Wurzelsepp
Knapp werden könnte es auch in den Portes du Soleil (wenn man den kurzen Fussmarsch durch Morzine "toleriert"), also etwa von Torgon oder Chapelle d'Abondance bis nach Chéry Nord (oder auch nur Ranfolly, damit der sehr kurze Marsch durch Les Gets nicht auch noch dazukommt) und zurück.

Re: Wintersport und Klimawandel: Sinn und Unsinn der neuen Giga-Skigebiete

Verfasst: 02.03.2020 - 22:50
von j-d-s
Nein, Fußmärsche durch Ortschaften sind natürlich keine Skigebiets-Verbindungen und Busse oder Eisenbahnen schon dreimal nicht (SSBs dagegen schon).

Klar gibts Grenzfälle, man sollte sinnvollerweise eine Grenze in Metern definieren.

Wolkenstein sind ca. 80 Meter (Ende der Dantercepies-Abfahrt zur EUB Ciampinoi, Ende der Plan de Gralba-Abfahrt zur KSB Costabella ist auch ca. 80 Meter)
St. Ulrich sind ca. 300 Meter (Ende der Rollsteige zur Talstation der EUB zur Seiser Alm)
Morzine sind ca. 500 Meter (Talst. EUB Super Morzine zur Talst. EUB Pleney)
Les Gets sind ca. 350 Meter (Front de Neige Chavanne zur Talst. EUB Mont Chery)

Bei Abfahrten, welche nur in eine Richtung funktionieren, aber man mit Zug/Bus zurück muss, kann man da von einer Verbindung sprechen?

Dort ist iirc aber eine Seilbahnverbindung meist auch geplant, wie die Hahnensee-Bahn in St. Moritz oder die Viehhofen-Bahn in Saalbach.