Die Kampenwand zählt sicherlich zu den urigsten und kultigsten Schigebieten in Oberbayern. Dass es so etwas überhaupt noch gibt – das Gebiet ist so etwas wie ein Museum des Schifahrens der 60er und 70er Jahre. Wer auf Nostalschi steht, sollte unbedingt mal dorthin fahren, denn in jenem Areal fehlt eigentlich alles, was es in den modernen Massengebieten so gibt. Keine Beschneiung, keine Geländeplanierungen, keine modernen Ersatzanlagen, keine lärmenden Aprés-Schi-Schirme.
Hingegen kommt der Freund naturbelassener Pisten und alter, interessanter Lifte dort voll auf seine Kosten. Bereits vor drei Jahren hatte ich an der Kampenwand einen tollen Schitag verbracht und wollte seitdem immer wieder nach Aschau. Nun – am letzten Januarwoche sollte dies endlich einmal klappen.
Zusammen mit Forumskollegen Zyste verabredete ich mich dort und trotz des kalten Nebelwetters verbrachten wir einige nette Stunden im „Freiluft-Lifte-Museum“.
Kurzer Schreck beim Gang über den bereits gefüllten Parkplatz – doch nur die LSAP-Anlagen waren als „Außer Betrieb“ gekennzeichnet. Bei den Brandnerliften handelt es sich um zwei Seillifte im Tal, während der Weiße-Wanne-Lift hinter der Bergstation der Kampenwandbahn einen kurzen Hang erschloss und seit Jahren vor sich hin rottet. Im LSAP-Forum müsste es hierzu noch Infos und Fotos geben...
Nachdem ich Eintritt für einen halben Tag – Zyste wollte am Nachmittag noch zum Kaiserblicklift nach Sachrang und ich zum Teisenberglift an der A8 bei Neukirchen – gezahlt hatte, konnte es mit der Museumsbesichtigung losgehen. Hier die 4ZUB Kampenwandbahn von 1957.(2.480 m lang, Hersteller Hasenclever) Einen kultigeren Einstieg gibt es kaum...
Ich hatte mich mit Zyste, der noch unterwegs war, beim Steinlingalmlift verabredet und so zwängte ich mich in eine der bunten Kabinen. Leider herrschte dichter Nebel auf der Strecke und ich erinnerte mich wehmütig an meinen ersten Tag hier im Februar 2009, als schönes Wetter herrschte.
Oben angekommen. Zyste war noch im Auto unterwegs, so dass ich noch Zeit für ein paar Fotostopps hatte, ehe es zum Steinlingalmlift gehen sollte.
Die bunten Gondeln haben natürlich was – mir fällt gerade keine urigere Kabinenbahn ein. Vielleicht die am Wolfgangsee? Ich war noch nie dort, so dass ich keinen Vergleich aufstellen kann.
Unterwegs kam ich am ESL Roßleiten vorbei, einer Pohlig-Anlage von 1960. (875m lang...) Doch zunächst wollte ich erst einmal zum Schlepplift, um dort einige Runden zu fahren, ehe Zyste eintreffen würde.
Zuerst musste ich mich jedoch durch den Nebel kämpfen und versuchte, mich auf der Piste zu halten. Aber wenigstens waren noch ein paar andere Schifahrer unterwegs, denen ich nachfahren konnte. Die meisten tummelten sich tagsüber auf der Talabfahrt – am ESL oder am Schlepper musste man kaum anstehen. Auch an der DSB ging es immer recht flott – mehr als drei Sessel Wartezeit mussten wir nicht erdulden.
Am Steinlingalmlift eingetroffen. Leider war die hammersteile Trasse wegen des Nebels nicht zu sehen.
Aber auch bei schlechtem Wetter gefiehl mir dieser Klassiker eines Schleppers. Ehe Zyste eintraf, unternahm ich hier zwei, drei Fahrten. Man wird zunächst in flottem Tempo über die Bergwiesen gezogen, ehe dann später eben die steile Auffahrt durch den Wald kommt.
Das Baujahr weiß ich nicht – Hersteller ist PHB. Liftlänge lt. Liftworld 900 m bei einer Höhendifferenz von 400 Metern.
Bei einer späteren Fahrt war dann der Steilhang ganz gut einzusehen. Geht ganz schön hoch!
Blick zurück..
Kurzbügel mit Überziehern. Ich weiß aktuell grad gar nicht, warum man das so macht...
Zyste meldete sein Eintreffen am Lift, so dass ich meine Fotografiererei sein ließ und die Naturschneepiste zur Talstation hinabfuhr. Oberhalb der Bergstation des Schleppers machte sich indes eine Gruppe auf, um durchs weiße Nichts zu wandern...
Wir unternahmen gleich nochmal eine Schlepperfahrt – der Nebel hatte sich zwischenzeitlich auch ein kleines bisserl gelockert.
Um dann doch wieder dichter zu werden...
Zyste fuhr das erste Mal hier Schi und freute sich natürlich über das Freiluft-Lifte-Museum. Nach der Schlepperfahrt besuchten wir den 52 jahre alten ESL.
Neben Kranzberg noch der einzige ESL im Winterbetrieb in den bayrischen Alpen, oder?
Weiter hinten verschwindet die Trasse im Nebel – der Lift erschließt einen Steilhang, von dem eine nicht präparierte, SCHWARZE Abfahrt – das Kanonenrohr – hinabführt. Außerdem dient der ESL als Rückbringer zur Bergstation der Kampenwandbahn. 2009 war die Talabfahrt geschlossen und ich musste dann noch vom ESL-Ausstieg zur Bahn weiter laufen. Heute konnten wir mühelos bis Aschau hinunter fahren. Es hat ja genug geschneit...
ESL-Vergnügen. 2011 hat es ja leider viele dieser Anlagen „erwischt“...
Fahrt durch den nebelverhangenen Bergwald – das hatte was. Aber natürlich wäre schönes Wetter besser gewesen. An den Stützen befinden sich sogar Leuchtröhren...
Das Kanonenrohr. Einige schmiss es im steilen Gelände, wie hier vom ESL aus gezoomt.
Oben angekommen. Sogleich zogen wir die Fotoapparate, um Station & „Einfahrtstützen“ zu knipsen
Toter Baum am Kanonenrohr.
Hier geht’s runter – nicht ganz einfach, aber ich mag so was. Ist doch langweilig, immer nur auf Pistenautobahnen hinabzucarven. Hier muss man noch richtig Schi fahren!
Nachdem wir den Steilhang ohne Stürze gemeistert hatten, ging es an der Bergstation der DSB Kaltwasser vorbei zum oberen Teil der Talabfahrt.
Auf halber Strecke bringt einen die DSB wieder nach oben. Ein reiner Rückbringer-Lift also, um den ich 2009 froh sein konnte, denn damals ging (wie so oft bei der geringen Höhenlage vermutlich) die Abfahrt bis ganz runter nicht, während man die obere Hälfte eben wunderbar fahren konnte.
Die 740m lange Trasse führt durch einen Bergwald und liegt tief zwischen hohen Bäumen und Felswänden versteckt. Doch zunächst geht es – wie hier im Nebel kaum zu sehen – über die Talabfahrt drüber.
Jetzt wäre ein Glühwein nicht schlecht gewesen...
Da wäre ich nicht unbedingt im Nebel mit den Kindern runter gefahren. Aber wenn was passiert, verklagt Papi dann sicherlich die bösen Bahnbetreiber...
Nach dem Ausstieg fuhren wir nochmal mit dem ESL, ehe gegen Mittag zur Talstation der Kampenwand ging. Die Abfahrt ab der Talstation der DSB Kaltwasser bis ins Tal kannte ich ja auch noch nicht...
Die Strecke führt vollständig durch den Laubwald, ehe man dann noch ein Flachstück zur Talstation – vorbei an den LSAP Brandnerliften – zu bewältigen hat.
Nachdem wir mittags am Berg oben auf der Sonnenalm eingekehrt waren (guter Germknödel!), machten wir uns auf die letzte Abfahrt und tobten uns fotografiermäßig noch ein bisserl am Ortsrand von Aschau aus...
LSAP-Talstation der Brandnerlifte...
Die Brandnerlifte verliefen links parallel zur 4ZUV bis zum Waldrand hoch.
Diese Stützen sind absolut interessant...
Am Parkplatz verabredeten wir uns noch für den nächsten Tag – an jenem Montag sollte es nach Imst gehen. Dann trennten sich unsere Wege. Zyste fuhr noch nach Sachrang, ehe es dann weiter zum Urlaubsquartier in Tirol gehen sollte, während ich mich für einen Besuch am Teisenberglift entschied.
So war jener nebelverhangene, kalte Sonntag ein ereignisreicher, interessanter Schitag, wenn auch zuweilen einem die Kälte unangenehm hochkroch und man nichts mehr ersehnte, als strahlenen Sonnenschein. Nun – denn sollte es dann beim nächsten Schitag mit Zyste dann auch geben...