Es war nicht nur wegen des perfekten Wetters ein Traumtag – vielmehr gingen an jenem sonnigen Sonntag zwei lang gehegte Wünsche in Erfüllung. Zum einen gibt es ja da jenen Pendel-Schlepper in Seeg – ein Eigenbaulift mit Holzstütze – der mir schon seit geraumer Zeit als unbedingt zu fahren durch den Kopf gegeistert ist. Etliche Male habe ich bereits bei Schneefällen bis ins Flachland hinein die netten Mitarbeiterinnen der Seeger Tourismusinformation nach dem Liftstatus befragt, doch die letzten beiden Saisonen hatte ich jedes Mal Pech. Einmal fuhr ich auf gut Glück vorbei und fand den Lift verlassen in der Winterlandschaft vor.
Vor drei Wochen war ich wieder im Allgäu Ski fahren und rief vom Buchenberg aus in Seeg an – wieder kein Betrieb! Aber ich hatte nicht ernsthaft damit gerechnet, denn damals war die Naturschneedecke eher dürftig und am späteren Nachmittag bekam ich am Ilgenlift live vor Augen geführt, wie schnell das Weiß vom Hang geputzt ist und man eigentlich einpacken kann.
So wartete ich wieder den nächsten Wintereinbruch ab und hoffte am Samstag, Seeg aufsuchen zu können. Ich besuchte gerade den alten Heuss-Lift in Habach an der B472, als ich voller Hoffnung wieder die Mitarbeiter der Tourismusbehörde anklingelte. So bekam ich mitgeteilt, dass am nächsten Tag, also dem gestrigen Sonntag, der Lift in Betrieb gehen würde. Ich machte innerlich einen Luftsprung – endlich sollte es soweit sein und während ich den Samstag an der Brombergalm bei einem alten Stemag mit Kurzbügeln und Liftomat 2000 ausklingen ließ, musste ich die ganze Zeit an den Pendel-Schlepper zu Seeg denken.
Da der Lift eh erst ab 13 Uhr geöffnet sein sollte, bot sich für den Vormittag der Breitenberg in Pfronten an. Dort war ich immerhin seit 1994 nicht mehr Ski fahren und allein deswegen wollte ich mal wieder dort oben herumkurven und die herrliche Aussicht genießen. Außerdem – bei meinen Besuchen dort in der ersten Hälfte der 90er Jahre, schaffte ich es nie, den steilen Standardlift zu fahren. Meist lag keiner oder zu wenig Schnee. Ich war damals in einer Guppe unterwegs und da hätte ich auch nicht einfach mal alleine dort rüber fahren können. (Stattdessen fuhren wir den ganzen Tag den steilen, 1.400 m langen Aggensteinlift oder diese schreckliche, alte DSB mit so komischen Sitzen, die beim Ausstieg zur Seite wegklappen
Jedenfalls hab ich damals schon beim Vorbeifahren immer zum Lift hinaufgeschaut und mir vorgenommen, „wenn ich mal erwachsen bin“, wiederzukommen. Ein wenig verspätet (das Jugendstrafrecht kommt schon lange nicht mehr für meine Schandtaten zur Geltung
Ist er nicht steil?
Mitfahrvideo vom Pendellift in Seeg:
[EDIT: Film noch ergänzt, da ich ein paar Clips vergessen hatte]
Doch nun der Reihe nach...
Endlich in Pfronten angekommen – ich war von München aus gestartet und da zieht sich die Fahrt schon ein bisserl hin. Wenigstens ist die Strecke südlich von Marktoberdorf in den letzten Jahren ausgebaut worden. Verkehr hatte es so gut wie gar keinen – freie Fahrt auf der A96, der B12 und eben der gut ausgebauten Strecke ab MOD. In Höhe des Ammersees war die Sonne aufgegangen und hatte ihr Morgenlicht auf die Winterwunderlandschaft geworfen – später ging es dann bei blauem Himmel und glitzerndem Schnee durch die Dörfer des südlichen Allgäus – am liebsten wäre ich da schon immer wieder rechts ran gefahren und hätte geknipst. Doch ich wollte ja noch lieber schnell auf die Piste – bei so einem Schnee!
1994 beim letzten Besuch war die Girak-4EUB brandneu. Die Talstation der alten Umlaufbahn hatte man gebäudemäßig stehen gelassen.
Da geht es ganz schön steil hinauf – erst mal jedoch führt die Bahn relativ flach vom Parkplatz aus zum Berg hin So ähnlich wie früher bei der alten Brauneckbahn.
Nach 19 Jahren wieder...
Hier das erwähnte Flachstück.
Leider waren die Kabinen derart mit Raureif beschlagen, dass man nicht gescheit knipsen konnte. Also gab es erst an der Bergstation wieder Arbeit für den leidgeplagten Sensor...
Der Ausblick von dort oben ist wirklich gigantisch – 1994 als 14jähriger hat mich das irgendwie gar nicht so interessiert. (Am linken Bildrand müsste die Talabfahrt am Tegelberg zu sehen sein.)
Ein nettes, kleines Gebiet unterhalb des Aggensteins...
Leider bereits erneuert – aber wer noch so eine alte Bahn fahren will, bei der die Sessel am Ausstieg zur Seite wegklappen, muss eben nach Bad Kohlgrub. Die ist wenigstens auch länger und von der Trasse her interessanter als die alte Hochalpbahn.
Vom Schnee her herrschten wirklich 1A-Bedingungen da oben.
Die erste Fahrt gebührte dem Mittaglift. Der war bei den 90er-Jahre besuchen fast immer außer Betrieb, weil er ja auch keine separate Abfahrt bedient. Ich glaube, den bin ich seinerzeit nur ein einziges Mal hinauf.
Die restlichen Bilder werde ich im Laufe der nächsten Woche reinstellen...