Weiterhin nach dem Motto "besser spät als nie", setzen wir unsere Reihe mit Teil 15 fort. Vielleicht eine ganz willkommene Abwechslung im Sommerloch.
Aufgrund von Zeitmangel werden bis zu den letzten beiden Teilen wieder einige Tage ins Land streichen.
[n]: Seit einigen Jahren, genaugenommen dem Winter 2008/2009 gehört mindestens ein Zugspitzbesuch pro Saison für mich dazu, so auch in diesem Jahr. Da der sonst übliche Frühjahrsurlaub (in den Bergen) in diesem Jahr leider entfallen musste, gab es so eine kleine Premiere: Mein erster Besuch auf Deutschlands höchstem Gipfel in den Wintermonaten.
[n]: Schon am frühen Morgen, auf dem Balkon unsere FeWo in Farchant lacht mir das Wettersteinmassiv entgehen. Das Wetter schickt sich an schön zu werden, die wenigen Schönwetter- und Schleierwolken können den Gesamteindruck nicht trüben. Es verspricht ein toller Tag zu werden. Dieser wäre nach all den Unwägbarkeiten am Vortag im Garmischer Classic Gebiet auch bitter nötig.
Also Sachen gepackt, ins Auto, noch kurz beim hiesigen Bäcker verpflegt und auf zum Eibsee – rauf auf den Berg.
DgJwij4LToT - Die große „Jo wos is jetzt“ 4 Länder Tour ohne Titel (Bald mit….)
Teil 15 – Zugspitze - Mythos
Daten & Fakten
Wetter: Kaiserwetter bei etwas Dunst.
Schneelage: Pulver im dreistelligen cm bereich
Pistenzustand: Pulver, gewalzt
Wartezeiten: zunächst kaum bis keine, gegen Mittag dann voller
Anlagenstatus:
100 PB Tiroler Zugspitzbahn
100 PB Gletscherbahn
44 PB Eibsee-Seilbahn
6KSB Sonnenkar
6KSB Wetterwandeck
2SL Schneefernerkopf I
2SL Schneefernerkopf II
2SL Weißes Tal
2SL Brunntal (entsprechend Super-G und Brunntalabfahrt)
Homepage
Pistenplan
[n]: Die Zugspitze, der Berg, das Skigebiet – der Mythos. Schon seit Jahren verschlägt es mich regelmäßig hierher. In letzter Zeit zwar immer seltener aber dennoch - die Region zieht mich regelrecht an. Wirklich begründen kann ich das nicht, ich nehme es einfach hin und folge dem Ruf.
Deutschlands höchster Berg. Die bewegte Geschichte seiner Erschließung, das Skigebiet am Zugspitzplatt, künftige und fiktive Baumaßnahmen und die Tücken von Wetter und Klima. Die Zugspitze bietet immer wieder die Grundlage für reichlich Zündstoff. Auch ich kann mich dem nicht oder nur schwer entziehen
DIE Seilbahn
[n]: Am Eibsee angekommen, der Blick schweift hinauf zum Gipfelaufbau der Zugspitze fast 2000m über uns. Links, kaum auszumachen, der Ostgipfel samt Kreuz. Daneben die Gipfelinfrastruktur - elegant sieht anders aus, dennoch irgendwie sehenswert und vom Tal aus, mit menschlichen Auge nicht in dieser Form auszumachen. Die Bergstation der Eibsee-Seilbahn, immer noch eine der faszinierendsten Anlagen überhaupt, sticht sofort hervor. Trotz ihres betagten Alters und der arg beschränkten Förderleistung auch heute noch eine technische Meisterleistung. Gerade vor dem Hintergrund der damaligen technischen Möglichkeiten.
Wie auch immer - die Tage der aktuellen Eibsee-Seilbahn scheinen gezählt zu sein. Für die oft geforderte 3S ist jedenfalls mehr als ausreichend Platz vorhanden, zumindest auf einem gesprengtem und planierten Ostgipfel
Wir sind früh dran. Obwohl wir nicht die erste Bergfahrt erwischen, ist auch unsere Gondel nicht voll besetzt. Noch 10 Minuten bis zum Gipfel.
[n]: Zunächst über Bergwaldwipfel, dann fast senkrecht die Feldwand hinauf. Z hörte gar nicht mehr auf zu knipsen...
[Z]:..die Erstbefahrung will schließlich gut dokumentiert sein... Eine beeindruckende Anlage – mehr braucht man da nicht zu sagen.
[n]: Dem kann ich, nicht gerade seilbahnaffin, nur beipflichten. Typisch wortkarg auf den Punkt gebracht.
[n]: Die Bergstation wirkt wie an den Fels geklebt - nur noch wenige hundert Höhenmeter.
[Z]: Man hat hier die Bezwingung des Berges wahrlich erzwungen! Auch wenn mir die restliche Bebauung dort wenig gefällt, die Bergstation ist ganz großes Kino.
[n]: In der Bergstation. Blick zurück zum Eibsee. Fast senkrecht bricht die Felswand ab. Die ersten Bäume stehen auf 1800m. Kaum zu glauben, dass sich die Talstation fast 2000m (2 Kilometer!) unter uns befindet.
DER Gipfel
[n]: Die Zugspitze, mit Ausnahme des Ostgipfels von oben eher unansehnlich, seit vielen Jahren mit Sprengstoff malträtiert und mit zahlreichen Bauten zugepflastert, bietet heute Platz für drei Seilbahnstationen. Darunter mit der Tiroler Zugspitzbahn, vor allem aber der Eibsee-Seilbahn zwei ziemlich spektakuläre Zubringerbahnen. Hinzu kommt die kurze Gletscherbahn, welche für die Verbindung zum Skigebiet sorgt. Eine markierte Abfahrt durch die steile und felsige Südwand gibt es nicht. Am Platt endet heute die nostalgische, nicht weniger geschichtsträchtige Zahnradbahn. Alles in allem gut dokumentiert beim sogenannten „Freaktreffen“ vor einigen Jahren. Da ich selbst aber weniger Technik- und Seilbahnbegeistert bin, sind für mich eigentlich nur zwei Dinge wesentlich. Die Umwelt bzw. Landschaft, Panorama & Co. sowie das Skifahren an sich. Ersteres ist hier oben unstreitbar, das Skifahren schon eher.
Wie auch immer, der Gipfelaufbau hat auch etwas positives (neben der Tatsache nicht hochkraxeln zu müssen) - die große Aussichtsplattform. Da die Lifte auf dem Platt noch nicht in Betrieb sind, ja zum Teil nicht einmal ausgaragiert sind, nehmen wir uns die Zeit für einen Besuch. Von der Eibsee-Seilbahn geht es mit Deutschlands höchstem Aufzug
[Z]: Das Innehalten, Gucken und Genießen hab ich mir von dir (glücklicherweise) mittlerweile abgeguckt! Viel zu schnell und blind bin ich sonst des öfteren durch die Gegend gejagt...
[n]: Trotz bereits zahlreicher Besuche hier oben - ich werde und würde immer wieder Zeit dafür haben. Die Fernblicke auf das Alpenmeer, den Garmischer Talkessel und das weite Alpenvorland - nie im Leben könnte ich mich daran satt sehen. Es gibt in den Alpen wohl nur wenige Aussichtsberge, dazu noch Seilbahntechnisch erschlossen, dieses Kalibers.
Hinten das altehrwürdige Münchner Haus. Kaum zu glauben, das der Großteil des Gebäudes noch aus dem 19. Jahrhundert stammt. Nicht auszudenken welcher Arbeitsaufwand damals, noch ohne Seilbahn oder gar Hubschrauber, nötig war um es zu errichten.
[n]: Fernblick nach Norden - immer wieder schön
[n]: Blick rüber zur Grubigstein mit der neuen Gondelbahn. Analog zum Gletscher mit dem großen Z kommt man hier fast nur mit EUBs durchs ganze Skigebiet. Wer es mag…
[Z]: ESL wären mir sehr viel lieber
[n]: Nun aber runter ins Skigebiet, zumindest in den geöffneten Teil.
[Z]: Tolle Stimmung am Morgen. Ausschlafen ist halt doch nicht alles
[n]: Überredet, fahren wir nächsten Winter eben drei Wochen
Das Skigebiet
Das kleine Skigebiet an der Zugspitze, genauer gesagt am schüsselförmigen Zugspitzplatt südlich des Gipfels, ist das höchstgelegenste der Republik – kann aber mit den sonstigen Superlativen hier oben nicht mithalten.
Abgesehen von den dreien, teils spektakulären Pendelbahnzubringern sowie der historische Zahnradbahn, erschließen bis zu sechs Skilifte maximal 15km Abfahrten zwischen 2700 und 2300m Seehöhe, im oberen Bereich teilweise auf den kümmerlichen Resten eines Gletschers gelegen.
Das Skigebiet ist aus sportlicher Perspektive wenig spektakulär, ja teils langweilig und trotz der fortgeschrittenen Saison und der Höhenlage immernoch nicht zur Gänze geöffnet. Ein gutes halbes dutzend Abfahrten, weder besonders breit und lang noch mit sonstigen Highlights aus skifahrerischer Perspektive gespickt, durchzieht das Platt. Dazu ist das Skigebiet für sich eine echte Hochpreisinsel. Über 40€ für eine Tageskarte sind für ein Wintersportgebiet dieser Größe nicht wirklich günstig, ganz im Gegenteil. Was spricht also überhaupt für einen Skitag hier oben?
Aus meiner Perspektive wäre zum einen die Höhe des Berges - höher hinauf gehts in Deutschland nur mit dem Flugzeug. Zum anderen das für die nördlichen Kalkalpen und den gesamten bayrischen Alpenanteil eher untypische, hochalpine Ambiente. Das imposante, schroffe Wettersteingebirge überragt den Garmischer Talkessel um mehr als 2000 Höhenmeter. Das ganze schlägt sich auch in der Schneequalität wieder. Während man in vielen Kilometern Umkreis nur auf abgerutschten Alt- und Kunstschneedecken unterwegs ist, findet sich hier oben, weit über der Baumgrenze, traumhafter Pulverschnee. Auch das Auge wird von der beeindruckenden Naturkulisse beglückt, vom Skigebiet aus schweift der Blick auf das Alpenmeer und das tiefeingeschnittene, vom Menschen nahezu unberührte Reintal. Flachlandblick - Fehlanzeige. Derartiges ist in Deutschland einmalig. Trotz aller technischen Einrichtungen und sonstiger Infrakstruktur - die typisch bayrische Gemütlichkeit, (fast) ohne die üblichen Unannehmlichkeiten des heutigen Winter-Massentourimus, ist auch hier oben zu spüren. Die bewegte Geschichte der Erschließung des Berges und des Skigebiets tragen zu einem nicht unbedeutendem Teil des Mythos Zugspitze bei. Weiterhin war auf dem nördlichen Schneeferner, in besseren Tagen, sogar Sommerskibetrieb möglich. Wie auch immer, das Virus Zugspitze hat mich voll und ganz infiziert - nicht erst seit diesem Besuch.
[Z]: Kann mich dieser ausführlichen Darstellung im wesentlichen anschließen, auch wenn mich die Superlative ‘höchster Berg’ etc. ansich nicht so beeindrucken. Die Zugspitze strahlt einfach eine eigene Magie aus - und mit der Eibseebahn empfand ich sie noch intensiver als von der TZB aus kommend.
[n]: Sonnenkar mit gleichnamiger Abfahrt. Toll präpariert, schöner Pulverschnee - macht Laune. Leider nur in der Früh, danach ist dieser Hang schnell zerfahren.
[Z]: Auch unverständlich, dass es durchaus viele Anfänger hier hoch zieht. Ist mir nicht nur jetzt bei der sonst schwierigen Schneelage aufgefallen, sondern auch bei meinem ersten Besuch mit sonst auch durchschnittlich guten Bedingungen im Tal.
[Z]: Bei aller Kritik am Brunntal sind das dann wohl die ersten Zeichen der Stilllegung. Ganz wahrscheinlich baut man den Lift nun stückweise von der Berg- zur Talstation zurück. So kann man bei ausreichender Schneelage dann zumindest das verbliebene Teilstück in Betrieb nehmen
[n]: Das Beschneiung hier oben schwierig, ja vielleicht sogar mit vertretbaren technischen Aufwand nicht möglich ist, geht in Ordnung. Wieso man aber dort unten keine Abfahrt in den Fels modelliert ist mir ein Rätsel. Auf einer planierten Abfahrt käme man mit deutlich weniger Schnee aus als heute nötig ist und könnte in jedem (Früh-) Winter problemlos öffnen. Alle anderen Pisten auf dem Platt führen entweder über planierte Felsen oder modellierten Moränenschutt - wieso also nicht auch im Brunntal? So ist das Platt seiner schönsten Abfahrt beraubt und das ohnehin nicht große Skigebiet ein ganzes Stück kleiner. Ganz davon abgesehen, dass es schon Winter mit weniger Schnee gab. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg (Schneeverschieben). Bei der Schneelage in den umliegenden Skigebieten, eine Etage tiefer, hat man es scheinbar nicht nötig. Die Gäste kommen von allein.
[n]: Weils so schön ist, gleich wieder rauf. Rechts die Abfahrt "Aspen Run", die ganz nach meinem Geschmack ist und wesentlich weniger frequentiert wird als die weitgehend paralelle
Sonnenkarabfahrt.
[Z]: Befand sich links im "Tunnel" die Bergstation des Sonnenkarlifts?
[n]: Das ist ein Notausgang des Gletscherbahnhofs der Zahnradbahn....
[n]: Standardbild Weißes Tal
[n]: Abfahrt Weißes Tal. Schön trassiert, toll präpariert und wenig frequentiert. Neben der Aspen Run und der geschlossenen Super G eine der wenigen wirklich tollen Abfahrten hier oben - aber was solls
[n]: Pulverschnee, zwar leicht verharscht aber im Vergleich zu den Vortagen.... ist gekauft.
[n]: Weißes Tal gen Schneefernerkopf....
....und gen Höllentalspitzen. Mir gefällts - auch der Hüpfer über die Schlepptrasse
[Z]: Du bist da doch im Schneckentempo rüber!
[n]: Man kann über orangene Bubbles sagen was man möchte.... fotogen sind sie.
[n]: Ausblick vom Wetterwandeck über das Platt zur Südwand der Zugspitze. Schöne Schneeschüssel.
[Z]: Beim lsap ist noch alles beim Alten, nur die Pistenstangen fehlen.
[n]: Alt & Neu
[n]: Wetterwandeckbahn mit Abfahrt über den grausigen Flachstück - auch ansonsten ziemlich flache und auch recht langweilige Angelegenheit. Hat mir zu Schleppertagen noch wesentlich mehr zugesagt, aber da fiel das Flachstück auch weg.
[Z]: Wo soll man da unten überhaupt Skifahren können? Da liegt ja sogar am Nebelhorn weniger Geröll!
[n]: Wo kann man da unten denn überhaupt Skifahren? Ist lange her....
[n]: Vergleichsbild Schneeferner mit quasi nur noch einer, kläglichen Abfahrt.
[Z]: Die letzten Gletscherlifte hier oben. Sicher die nächsten Kandidaten, die gestrichen werden. Abgesehen vom zeitversetzten Teilrückbau am Brunntal natürlich!
http://noisi.bplaced.net/filemanager/al ... tze/23.JPG
[n]: Mittlerweile schien halb Ehrwald auf dem Platt zu sein.
[Z]: Gegen Mittag wurde es dann zunehmend voller, bei schlechter werdendem Schnee. Wir entschieden uns für die Talfahrt mit der PB. Wartezeiten gab es (noch) keine
[n]: Ein halber Tag ist am Platt eigentlich auch völlig ausreichend - zumal ohne Brunntal...
[Z]: Berg- und Talfahrt nehmen sich nichts. Beide sind ein tolles Erlebnis! Die Abfahrt links wurde übrigens am Morgen präpariert, vllt. klappts ja beim nächsten Mal.
[n]: Riffelriss? Warum erfahr ich davon erst jetzt? Die fehlt mir noch!
[Z]: Hast dich vom Panorama und dem andern Gedöns zu sehr ablenken lassen!
[Z]: 'Viel Spass da oben'
[Z]: Der Eibseelift lief auch nicht, noch ein Grund für einen weiteren Besuch
[n]: Läuft sicher wenn man Lust dazu hat.
[Z]: 2 Lifte statt eines langen - früher war halt doch alles besser!
Schlussfazit:
[n]: Ich hatten schon schönere und schlechtere Skitage auf dem Platt. Auch wenn ich inzwischen hier und da einen Abstrich machen muss. Das Skigebiet samt dem Mythos Zugspitze ist mir immer wieder einen Besuch Wert. Nächstes mal dann aber lieber wieder zum Saisonfinale - hoffentlich mit dem Brunntal.
[Z]: Für einen Tag zu lang, zum ausgedehnten Gastrobesuch zu teuer - aber für die Seilbahnfahrt immer eine Reise wert