Kaunertaler Gletscher (AT) / 05.04.05 / mit Mini-Skitour

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gerrit
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Kaunertaler Gletscher (AT) / 05.04.05 / mit Mini-Skitour

Beitrag von gerrit »

Kaunertaler Gletscher 5.4.05 incl. Miniskitour zum Weißseejoch

Anfahrt: von Serfaus bei sehr wenig Verkehr bis zum oberen Parkplatz ca. 1 h 15 min.
Wetter: wolkenlos, gegen Nachmittag etwas diesig
Temperatur: in der Sonne vor allem beim Aufstieg subjektiv ziemlich warm, objektiv wahrscheinlich etwas unter 0°
Schneehöhe: reichlich
Schneezustand: größtenteils pulvrig, letzter Teil der Ochsenalmabfahrt am Nachmittag sulzig, im Gelände etwas schwerer gesetzter Schnee, aber gut zu fahren
Geöffnete Anlagen: alle
Offene Pisten: alle
Meisten Gefahren mit: KSB Ochsenalmbahn, SL Weißseeferner
Wartezeiten: keine
Gefallen: Schönes Wetter, gute Schneeverhältnisse, keine Leute;
Nicht gefallen: verschwundene DSB Wiesjaggl zur schwarzen Piste
Fazit: 6 von 6 Maximalen.
Abzüge: keine

Sonstiges:
Im Rahmen eines knapp einwöchigen Aufenthalts in Serfaus wollten wir das gute Wetter am Dienstag zu einem Besuch des Kaunertaler Gletschers nutzen, da uns dieser wegen der breiten und meist menschenleeren Carving-Pisten und des tollen Panoramas schon vor 2 Jahren sehr gut gefallen hatte. Zudem spekulierte ich mit einer kurzen Skitour zur Weißseespitze mit Befahrung des Gepatschferners bis hinunter zum Fernergrieß an der Gletscherstraße, was immerhin 1500m Abfahrt mit etwas über 400m Aufstieg gewesen wäre. Allerdings hatte ich keine Ortskenntnis und auch noch keine Karte des Gebiets, wir planten daher, uns vor Ort zu informieren und dann zu entscheiden.
Die Kurvenorgie von Serfaus hinunter ins Tal hatten wir bald hinter uns gebracht, auch im Kaunertal ging es rasch dahin, und in Feichten machten wir einen Stop an der Touristeninformation, um uns bezüglich der geplanten Tour beraten zu lassen.
Der Angestellte des Tourismusverbandes erwies sich als sehr freundlich und riet uns, ebenso wie ein telefonisch kontaktierter Mitarbeiter der Gletscherbahnen, von der Besteigung der Weißseespitze und der Abfahrt zum Fernergrieß ab, erstens wäre der Aufstieg nur mit abgeschnallten Skiern über felsiges Terrain möglich (wir sind eher abfahrtsorientierte Tourengeher und daher immer mit Normalskischuhen unterwegs), zweitens wären die Schneeverhältnisse im unteren Teil nicht mehr so gut. Er empfahl uns als alternatives Ziel das Weißseejoch, das von der Gletscherstraße oder der schwarzen Abfahrt aus nach einem Aufstieg von ca. 400 HM erreichbar ist.
Wir kauften auch gleich einen Wanderführer mit beiliegender Karte, auf dem Ausschnitt kann man unsere Route gut erkennen. Die mittlerweile abgebaute DSB Wiesjaggl ist noch eingezeichnet, wir sind den obersten Teil der schwarzen Piste gefahren, vor der Kreuzung mit der Gletscherstraße (bei der 90° Kurve) nach links abgebogen und dann zum Joch aufgestiegen.
KTK
Bild

Auf diesem Bild sieht man die gesamte Tour, das Bild wurde am Nachmittag aus einem Sessel der KSB Ochsenalm gemacht. Man kann sehr gut unsere im Zickzack verlaufende Aufstiegsspur erkennen.
KT17
Bild

Nun aber wieder in chronologischer Reihenfolge:
Wie immer sehr beeindruckend war die Auffahrt über die Gletscherstraße, nahezu kein Verkehr, tolles Panorama, wir fuhren auf den oberen Parkplatz, der, ebenso wie der Parkplatz bei der Ochsenalmbahn, nur sehr schütter befüllt war.
Den Ausgangspunkt der Tour zu erreichen erwies sich als überraschend langwierig, da ich erstaunt feststellen musste, dass die DSB Wiesjaggl spurlos verschwunden war und der Weg zur schwarzen Piste damit viel umständlicher via SL Weißseeferner und SL Karlesspitz geworden ist. Wie auch immer, gegen 10:30 verließen wir die schwarze Abfahrt oberhalb der Kreuzung mit der Gletscherstraße nach links und zogen die Steigfelle auf, hier sind wir schon einige Minuten aufgestiegen, im Hintergrund sieht man fast die gesamte Strecke der KSB Ochsenalm.
KT1
Bild

Hier siehen wir unser Ziel, in sanften Wellen steigt das Hochtal bis zum Weißseejoch an, blauer Himmel und gleißende Sonne von links lassen das Alpinistenherz jauchzen und bringen Stirn und linkes Ohr zum glühen (bis in die nächsten Tage anhaltend).
KT2
Bild

Wir sind schon ein Stück weiter und blicken zurück zum obersten Stück der Gletscherstraße. im Vordergrund das flachere Mittelstück der Abfahrt vom Joch.
KT3
Bild

Ein kleiner Kameraschwenk nach rechts zeigt das umstrittene „Objekt der Begierde“, die Weißseespitze (3535m), links unten sieht man einen Teil der schwarzen Abfahrt.
KT4
Bild

Wir nähern uns unserem Ziel und freuen uns auf den Abfahrtsgenuß, wundern uns aber, dass wir zwar (relativ frische) Abfahrtsspuren, aber keine Aufstiegsspur sehen.
KT5
Bild

KT6
Bild

Das Ziel ist erreicht, vor allem die letzten Meter waren sehr schweißtreibend, insgesamt haben wir, allerdings mit Fotostopps und eher sehr gemütlich, 90 Minuten gebraucht. Hier der Blick zurück Richtung Skigebiet:
KT7
Bild

Und auf die andere Seite, hier erkennen wir auch, wo die Verursacher der Abfahrtsspuren hergekommen sind, sie müssen den Kamm im Bereich Dreiländerecke-Karlesspitze überschritten haben, die Verursacher sind 400m nach Westen abgefahren und dann von hinten zum Weißseejoch aufgestiegen, eigentlich sinnvoll, da man so zu insgesamt 800m Geländeabfahrt kommt. Naja, beim nächsten Mal vielleicht.
KT8
Bild

Wir genossen Ausblick und Ruhe weitab vom Skigebiet, verspeisten unsere Jause und machten uns dann an die Abfahrt.
Nun haben auch wir den Nordwesthang unterhalb des Jochs verziert.
KT9
Bild

Die Schneeverhältnisse waren oben sehr gut, unten wurde es dann – je nach Hangausrichtung – etwas harschig.

Der Nachmittag wurde dann (nach Skiwechsel am Parkplatz) zum Carven auf fast menschenleeren Gletscher- bzw. Ochsenalmpisten verwendet, ausreichende Kondition vorausgesetzt wäre ein durchgehendes Bretteln vom Falginjoch auf 3100m, der Bergstation des SL Weißseeferner, bis zur Ochsenalm auf 2150m möglich.
Hier das Panorama, die gelb eingezeichnete Tour zum Glockturm war nicht die, die wir gemacht haben, sondern verläuft 2 Nebentäler weiter unten und zweigt daher schon knapp nach der Ochsenalm rechts von der Gletscherstraße ab.
KTP
Bild
Hier die Bergstation des Weißseefernerlifts:
KT10
Bild

Der menschenleere Carvinghang am Weißseeferner
KT11
Bild

Der obere Bereich des SL Weißseeferner mit der vorderen Karlesspitze (3230m), unterhalb davon gutes Variantengelände
KT12
Bild

Hier der SL Nörderjoch 2, nicht zu glauben, dass früher eine 3.Sektion über den jetzigen Gletscherbruch hinaufging.
KT13
Bild

Im Vordergrund SL Weißseeferner, hinten SL Karlesspitz
KT14
Bild

Nun ein Bild vom oberen Bereich der Ochsenalmbahn
KT15
Bild

Blick hinüber zur schwarzen Abfahrt
KT16
Bild

Die leeren Pisten waren in absolut traumhaftem Zustand, pulvriger „Winterschnee“ bis ca. 100 Höhenmeter oberhalb der Ochsenalm, ab da wurde es etwas matschig. Vor allem im Vergleich zum Vortag, wo wir uns in Samnaun-Ischgl zwar weniger über den in der Früh noch pickelharten Zustand der Pisten, jedoch viel mehr über die vielen Menschen darauf, die damit nicht umgehen konnnten, geärgert hatten, waren wir absolut begeistert, sodaß der Kaunertaler Gletscher in unserem Ranking noch weiter nach vorne geklettert ist.


Fazit: absolut gelungener Skitag bei tollem Wetter und traumhaftem Schnee in einem fast leeren Skigebiet, zusätzlich noch eine nette Skitour am Vormittag.
Zuletzt geändert von gerrit am 10.05.2005 - 08:43, insgesamt 2-mal geändert.
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k2k
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Beitrag von k2k »

Super Bericht, ich glaub ich muß echt noch hin dieses Frühjahr.
da ich erstaunt feststellen musste, dass die DSB Wiesjaggl spurlos verschwunden war
Naja, das hättest du hier im Forum nachlesen können ;-)
Kleines Bildchen von der Sommertour vom Admin und mir, es wird gerade der letzte Rest auf einen tschechischen LKW verladen:

Bild
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Beitrag von Emilius3557 »

Toller Bericht, beeindruckende Bilder! Diese Kombination Piste-Tour wäre genau nach meinem Geschmack! Wie hoch lag denn die Lawinenwarnstufe an diesem Tag?
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gerrit
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Beitrag von gerrit »

Marius hat geschrieben:Wie hoch lag denn die Lawinenwarnstufe an diesem Tag?
Ich muß ehrlich zugeben, ich habe mich überhaupt nicht erkundigt! Aber aus den Bedingungen (schon lange kein Neuschnee, gut gesetzte Schneedecke, ziemlich kalt in der Nacht und nur mäßige Erwärmung untertags) kann man eine sehr geringe Lawinengefahr ableiten. Ich schätze mal Stufe 2.
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Beitrag von Schwoab »

Tolle Bilder, besonders die Skitour macht Appetit auf den Gletscher. der Kaunertaler steigt immer mehr in der Beliebtheitsskala von mir.
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Beitrag von Gletscherfloh »

Danke für diesen tollen Bericht und die appetitanregenden Fotos. Schmunzeln habe ich müssen (wie offensichtlich andere Forumsmitlieder auch :wink:) über deine Verwunderung des abegebauten 2SB Wiesejaggl. Darüber findet sich ja genug in den diversen Berichten über den Kaunertaler Gletscher hier.

Dein Bericht zeigt wieder einmal deutlich, dass gerade die kleineren Gebiete besonders lohnend sind und mit gegen Null gehenden "Warte"zeiten und leeren Pisten glänzen. Für mich ergeben sich durch diese Kombination meist schönere Skitage als wenn ich durch ein Grossraumskigebiet von A nach B hetze und dabei evtll. auch noch zahlreiche unergiebige Verbindungsabfahrten in Kauf nehmen muss.

Bemerkenswert finde ich auch die Auskunftsbereitschaft in bezug auf eure Tourenwünsche.
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Downhill
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Beitrag von Downhill »

Gletscherfloh hat geschrieben:Schmunzeln habe ich müssen (wie offensichtlich andere Forumsmitlieder auch :wink:) über deine Verwunderung des abegebauten 2SB Wiesejaggl.
Hm, ich sehe gerade, gerrit ist ja erst seit Dezember 2004 im Forum. Da hat er das wohl nicht mehr mitbekommen... bist hiermit entschuldigt :D

Klasse Bericht btw! Solche Tourenbeschreibungen sind immer interessant zu lesen. :gut:
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gerrit
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Beitrag von gerrit »

Downhill hat geschrieben:
Hm, ich sehe gerade, gerrit ist ja erst seit Dezember 2004 im Forum. Da hat er das wohl nicht mehr mitbekommen... bist hiermit entschuldigt :D
Na, da bin ich aber erleichtert.... :wink: .
Hab mich ja schon so geschämt. :oops: :oops:
Ich hab zwar nach meinem Einstieg im Forum einiges nachgelesen, aber da mit der DSB Wiesjaggl ist mir wirklich entgangen und so war ich dann wirklich überrascht, wie sie da so mit Stumpf und Stiel verschwunden war.
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Beitrag von gerrit »

Gletscherfloh hat geschrieben: Dein Bericht zeigt wieder einmal deutlich, dass gerade die kleineren Gebiete besonders lohnend sind und mit gegen Null gehenden "Warte"zeiten und leeren Pisten glänzen. Für mich ergeben sich durch diese Kombination meist schönere Skitage als wenn ich durch ein Grossraumskigebiet von A nach B hetze und dabei evtll. auch noch zahlreiche unergiebige Verbindungsabfahrten in Kauf nehmen muss.

Bemerkenswert finde ich auch die Auskunftsbereitschaft in bezug auf eure Tourenwünsche.
ad kleine Skigebiete:
Meine besten Skitage heuer waren (trotz Besuchs von St. Moritz, Serfaus und Ischgl)
am Loser, auf der Riesneralm bei Donnersbachwald, am Krippenstein und am Kaunertaler Gletscher!!!!

ad Auskunftsbereitschaft:
Auch ich war von der Hilfsbereitschaft im Tourismusbüro extrem angetan, der nette Mann hat sogar angeboten, ihn von oben aus anzurufen, fallls wir im Gelände Orientierungsschwierigkeiten gehabt hätten.
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Beitrag von stavro_ »

Downhill hat geschrieben:
Hm, ich sehe gerade, gerrit ist ja erst seit Dezember 2004 im Forum. Da hat er das wohl nicht mehr mitbekommen... bist hiermit entschuldigt :D
ehm ich hab das auch irgendwie verschlafen.
was war denn mit der dsb wiesejaggl ?
warum hat man sie wirklich abgebaut ?

ich war mal im sommer vor gut 15 oder 16 jahren da und bin damit
zu dem dreiländerblick oder so raufgefahren.
an eine seitliche stütze im fels kann ich mich aber nicht erinnern
hat da wer ein foto davon ??
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