Anfahrt: von Serfaus bei sehr wenig Verkehr bis zum oberen Parkplatz ca. 1 h 15 min.
Wetter: wolkenlos, gegen Nachmittag etwas diesig
Temperatur: in der Sonne vor allem beim Aufstieg subjektiv ziemlich warm, objektiv wahrscheinlich etwas unter 0°
Schneehöhe: reichlich
Schneezustand: größtenteils pulvrig, letzter Teil der Ochsenalmabfahrt am Nachmittag sulzig, im Gelände etwas schwerer gesetzter Schnee, aber gut zu fahren
Geöffnete Anlagen: alle
Offene Pisten: alle
Meisten Gefahren mit: KSB Ochsenalmbahn, SL Weißseeferner
Wartezeiten: keine
Gefallen: Schönes Wetter, gute Schneeverhältnisse, keine Leute;
Nicht gefallen: verschwundene DSB Wiesjaggl zur schwarzen Piste
Fazit: 6 von 6 Maximalen.
Abzüge: keine
Sonstiges:
Im Rahmen eines knapp einwöchigen Aufenthalts in Serfaus wollten wir das gute Wetter am Dienstag zu einem Besuch des Kaunertaler Gletschers nutzen, da uns dieser wegen der breiten und meist menschenleeren Carving-Pisten und des tollen Panoramas schon vor 2 Jahren sehr gut gefallen hatte. Zudem spekulierte ich mit einer kurzen Skitour zur Weißseespitze mit Befahrung des Gepatschferners bis hinunter zum Fernergrieß an der Gletscherstraße, was immerhin 1500m Abfahrt mit etwas über 400m Aufstieg gewesen wäre. Allerdings hatte ich keine Ortskenntnis und auch noch keine Karte des Gebiets, wir planten daher, uns vor Ort zu informieren und dann zu entscheiden.
Die Kurvenorgie von Serfaus hinunter ins Tal hatten wir bald hinter uns gebracht, auch im Kaunertal ging es rasch dahin, und in Feichten machten wir einen Stop an der Touristeninformation, um uns bezüglich der geplanten Tour beraten zu lassen.
Der Angestellte des Tourismusverbandes erwies sich als sehr freundlich und riet uns, ebenso wie ein telefonisch kontaktierter Mitarbeiter der Gletscherbahnen, von der Besteigung der Weißseespitze und der Abfahrt zum Fernergrieß ab, erstens wäre der Aufstieg nur mit abgeschnallten Skiern über felsiges Terrain möglich (wir sind eher abfahrtsorientierte Tourengeher und daher immer mit Normalskischuhen unterwegs), zweitens wären die Schneeverhältnisse im unteren Teil nicht mehr so gut. Er empfahl uns als alternatives Ziel das Weißseejoch, das von der Gletscherstraße oder der schwarzen Abfahrt aus nach einem Aufstieg von ca. 400 HM erreichbar ist.
Wir kauften auch gleich einen Wanderführer mit beiliegender Karte, auf dem Ausschnitt kann man unsere Route gut erkennen. Die mittlerweile abgebaute DSB Wiesjaggl ist noch eingezeichnet, wir sind den obersten Teil der schwarzen Piste gefahren, vor der Kreuzung mit der Gletscherstraße (bei der 90° Kurve) nach links abgebogen und dann zum Joch aufgestiegen.
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Auf diesem Bild sieht man die gesamte Tour, das Bild wurde am Nachmittag aus einem Sessel der KSB Ochsenalm gemacht. Man kann sehr gut unsere im Zickzack verlaufende Aufstiegsspur erkennen.
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Nun aber wieder in chronologischer Reihenfolge:
Wie immer sehr beeindruckend war die Auffahrt über die Gletscherstraße, nahezu kein Verkehr, tolles Panorama, wir fuhren auf den oberen Parkplatz, der, ebenso wie der Parkplatz bei der Ochsenalmbahn, nur sehr schütter befüllt war.
Den Ausgangspunkt der Tour zu erreichen erwies sich als überraschend langwierig, da ich erstaunt feststellen musste, dass die DSB Wiesjaggl spurlos verschwunden war und der Weg zur schwarzen Piste damit viel umständlicher via SL Weißseeferner und SL Karlesspitz geworden ist. Wie auch immer, gegen 10:30 verließen wir die schwarze Abfahrt oberhalb der Kreuzung mit der Gletscherstraße nach links und zogen die Steigfelle auf, hier sind wir schon einige Minuten aufgestiegen, im Hintergrund sieht man fast die gesamte Strecke der KSB Ochsenalm.
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Hier siehen wir unser Ziel, in sanften Wellen steigt das Hochtal bis zum Weißseejoch an, blauer Himmel und gleißende Sonne von links lassen das Alpinistenherz jauchzen und bringen Stirn und linkes Ohr zum glühen (bis in die nächsten Tage anhaltend).
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Wir sind schon ein Stück weiter und blicken zurück zum obersten Stück der Gletscherstraße. im Vordergrund das flachere Mittelstück der Abfahrt vom Joch.
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Ein kleiner Kameraschwenk nach rechts zeigt das umstrittene „Objekt der Begierde“, die Weißseespitze (3535m), links unten sieht man einen Teil der schwarzen Abfahrt.
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Wir nähern uns unserem Ziel und freuen uns auf den Abfahrtsgenuß, wundern uns aber, dass wir zwar (relativ frische) Abfahrtsspuren, aber keine Aufstiegsspur sehen.
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Das Ziel ist erreicht, vor allem die letzten Meter waren sehr schweißtreibend, insgesamt haben wir, allerdings mit Fotostopps und eher sehr gemütlich, 90 Minuten gebraucht. Hier der Blick zurück Richtung Skigebiet:
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Und auf die andere Seite, hier erkennen wir auch, wo die Verursacher der Abfahrtsspuren hergekommen sind, sie müssen den Kamm im Bereich Dreiländerecke-Karlesspitze überschritten haben, die Verursacher sind 400m nach Westen abgefahren und dann von hinten zum Weißseejoch aufgestiegen, eigentlich sinnvoll, da man so zu insgesamt 800m Geländeabfahrt kommt. Naja, beim nächsten Mal vielleicht.
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Wir genossen Ausblick und Ruhe weitab vom Skigebiet, verspeisten unsere Jause und machten uns dann an die Abfahrt.
Nun haben auch wir den Nordwesthang unterhalb des Jochs verziert.
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Die Schneeverhältnisse waren oben sehr gut, unten wurde es dann – je nach Hangausrichtung – etwas harschig.
Der Nachmittag wurde dann (nach Skiwechsel am Parkplatz) zum Carven auf fast menschenleeren Gletscher- bzw. Ochsenalmpisten verwendet, ausreichende Kondition vorausgesetzt wäre ein durchgehendes Bretteln vom Falginjoch auf 3100m, der Bergstation des SL Weißseeferner, bis zur Ochsenalm auf 2150m möglich.
Hier das Panorama, die gelb eingezeichnete Tour zum Glockturm war nicht die, die wir gemacht haben, sondern verläuft 2 Nebentäler weiter unten und zweigt daher schon knapp nach der Ochsenalm rechts von der Gletscherstraße ab.
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Hier die Bergstation des Weißseefernerlifts:
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Der menschenleere Carvinghang am Weißseeferner
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Der obere Bereich des SL Weißseeferner mit der vorderen Karlesspitze (3230m), unterhalb davon gutes Variantengelände
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Hier der SL Nörderjoch 2, nicht zu glauben, dass früher eine 3.Sektion über den jetzigen Gletscherbruch hinaufging.
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Im Vordergrund SL Weißseeferner, hinten SL Karlesspitz
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Nun ein Bild vom oberen Bereich der Ochsenalmbahn
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Blick hinüber zur schwarzen Abfahrt
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Die leeren Pisten waren in absolut traumhaftem Zustand, pulvriger „Winterschnee“ bis ca. 100 Höhenmeter oberhalb der Ochsenalm, ab da wurde es etwas matschig. Vor allem im Vergleich zum Vortag, wo wir uns in Samnaun-Ischgl zwar weniger über den in der Früh noch pickelharten Zustand der Pisten, jedoch viel mehr über die vielen Menschen darauf, die damit nicht umgehen konnnten, geärgert hatten, waren wir absolut begeistert, sodaß der Kaunertaler Gletscher in unserem Ranking noch weiter nach vorne geklettert ist.
Fazit: absolut gelungener Skitag bei tollem Wetter und traumhaftem Schnee in einem fast leeren Skigebiet, zusätzlich noch eine nette Skitour am Vormittag.