
Hochkönig-Massiv, März 2020

Talstation Tennengebirgsbahnen, Zaglau, März 1995
„So long ago … Was it in a dream? Was it just a dream?” (John Lennon, “#9 dream”, https://www.youtube.com/watch?v=7zZsKOvXiFo)
Diese melancholisch-verträumten Zeilen samt musikalischer Umsetzung habe/höre ich im Kopf wenn ich an die Werfenweng denke. Dies liegt daran, dass es inzwischen wirklich sehr lange her ist, dass ich dort gewesen bin, für eine Woche Schul-Skilager im März 1995! Also ziemlich exakt vor einem Vierteljahrhundert, ich war zwölf Jahre alt und in der siebten Klasse und hatte relativ rezent das Album „Shaved Fished“ von John Lennon gekauft als Einstieg in seine Solo-Arbeiten. Das war damals natürlich ziemlich anachronistisch, denn es war gut 20 Jahre alt, aber aus heutiger Sicht wäre das so, als wenn ich z.B. Santanas „Super Natural“ oder „Californication“ von den Chili Peppers (beides von 1999) jetzt kaufen würde. Verrückt wie die Zeit vergeht! Vor allem, wenn man bedenkt, dass seither mehr Zeit vergangen ist, als die Musik damals alt war. Gut, bei einigen Songs wie „Instant Karma“ (1970) liegt quasi unser Skilager genau in der Hälfte der seither vergangenen Zeit… (https://www.youtube.com/watch?v=xLy2SaSQAtA)

Dieser Bericht wird sich also viel mit Erinnerungen und heutigen Erfahrungen beschäftigen und weniger die Strukturen eines klassischen Skiurlaub-Berichtes aufweisen. Natürlich spielt der Wandel des kleinen Skigebietes auch eine wichtige Rolle, den ich zu großen Teilen aus der Erinnerung beschreiben muss, da ich nur noch einem kleinen Teil des Gebietes damals Photos gemacht habe.
Pistenplan Werfenweng 1998 (und auch 1995)
1995 stellte sich das Skigebiet Werfenweng wie folgt dar: Es gab zwei Einstiegsbereiche, Zaglau (975 m), wo wir damals im Barabarahof direkt an der Talstation logierten, und Wengerau, wo eine Doppelsesselbahn startete (dazu später mehr).

Damalige Unterkunft heute. Links Talstation 8-EUB Ikarus, rechts SL Zaglau/Barbara. Wir hatten ein Zimmer an der Südostecke mit sehr gutem Blick auf die Talstation der Doppelsesselbahn

Talstation DSB Zaglau, März 1995

In der DSB Zaglau, März 1995
In Zaglau starteten die Tennengebirgsbahnen, wie sie ganz klassisch genannt wurden, mit einer 1,8 km langen Doppelsesselbahn Zaglau, die als Besonderheit Bubbles bei jedem dritten Sessel aufwies. Erst flach die ideale Übungswiese des Schleppliftes Zaglau oder Barbara querend, dann steiler, schräg durch dichte Bergfichtenwälder zog diese Bahn sehr lang hinauf zur Strussingalm auf etwa 1500 m. Wenn ich „#9 dream“ im Ohr habe, dann denke ich an die langen Fahrten (die einem mit zwölf Jahren sicherlich länger vorkamen als mit Mitte/Ende 30) in diesem Lift durch tief verschneite Winterwälder, stark wolkenverhangene Berge.


Trasse DSB Zaglau, März 1995
Dort hieß es aussteigen und eine kurze Kurve nach unten fahren zu den Talstationen der parallelen Einer- und Doppelsesselbahn Bischling I und II, die durchweg steil, aber mit ca. 900 m Länge viel kürzer auf die 1836 m hohe Bischlinghöhe führen. Bei unserem Skilageraufenthalt war, auch wegen des Wetters, wenig los und so war immer nur die ESL in Betrieb (leider kein Photo).

So sieht es an der ehemaligen Mittelstation heute, 2020, aus. In diesem Bereich querte die DSB Zaglau die beiden Lifte der Sektion II und den kurzen Hang musste man hinunter zu den Talstationen der Sektion II – zumindest meiner Erinnerung nach
In dem ESL fahrend verlor Mitschüler M. (von dem noch die Rede sein wird; nein, nicht ich

Auf der Bischlinghöhe, am Start der Panorama-Abfahrt nach Zaglau mit der heute noch existierenden Hütte. Im Bereich links mit den Bäumen ist jetzt eine Art kleiner Abenteuerspielplatz, Stichwort „Möblierung der Landschaft“… aber ohne Murmeli, die gibt’s nur in Tirol…

Gipfelhaus heute, März 2020
Von der Bischlinghöhe kommt man via Piste 2 (eine dem Berg durch erhebliche Planien abgerungene Zufahrt) zum Sattel zwischen Bischlinghöhe und dem nördlich gelegenen Ladenberg. Von dort kann man entweder nach Nordwesten zur Strussingalm hinunter oder per Ziehweg zum Skigebietsteil Ladenberg weiterfahren.

Abzweigung. Geradeaus in Richtung Ladenberg via Ziehweg, links via Piste 2 zur Strussingalm und zur alten Mittelstation

Piste 2 zur Strussingalm und zur alten Mittelstation, aufgenommen von der Abzweigung in Richtung Ladenberg
Direkt nach Süden startet von der Bischlinghöhe die sogenannte Panoramaabfahrt (Piste 1), nach manchen Angaben 4,5 km lang, das Gusto-Stück des Skigebietes und für mich eine der besten und schönsten Talabfahrten, die ich kenne (zumal wir die Abfahrt selbst am recht vollen Sonntag (8.3.) nie voll erlebt haben). In dieser Hinsicht hat sich meine Erinnerung von vor 25 Jahren komplett bestätigt. Hat mir damals sehr gut gefallen und heute nach wie vor. So frei nach den Beach Boys „will I dig the same slopes as a grown-up that I liked as a boy?” (Beach Boys, “When I grow up (to be a man)”
Die Abfahrt zieht sich in einem sehr weiten Bogen als Hintenrum-Abfahrt von der Bischlinghöhe, 1836 m zur Talstation nach Zaglau, 975 m. Zunächst geht es immer nach Süden ausgerichtet mit großartigen Nah- und Fernblicken in mäßiger Steigung über verschiedene Wellen nach unten. Dieser Abschnitt endet mit einem richtigen flachen Schuss-Stück durch verschneiten Winterwald bevor es spiralförmig (innen sehr steil, außen mäßig) zum Sattel geht.

Starthang der Panoramabfahrt 1 von oben

Rückblick auf die Einfahrt zur Panoramaabfahrt

Starthang der Panoramabfahrt 1 von unten. Wunderschöne Hänge!

Piste macht ihrem Namen alle Ehre. Blick in Richtung Osten, Richtung Bischofsmützen und Dachsteinmassiv

Blick in Richtung Süden, Richtung Hohe Tauern. Markant die Waldschneisen von Wagrain-Grießenkar, vorne der landschaftlich sensibel eingepasste Speicherteich

Blick zum besagten Speicherteich

Im Zoom. Auch ein Landschaftselement, das noch 1995 wohl ziemlich undenkbar für alle Beteiligten gewesen sein dürfte. Ob es mir mit 12 Jahren aufgefallen wäre, sei dahin gestellt…

Weiterer Verlauf der Piste 1 im oberen Abschnitt bis zum Flachstück


Ab hier wird die Piste 1 dann immer flacher bis zu einem veritablen Flachstück, auf dem man es zumindest ordentlich Laufen lassen muss oder auch im Schuss durchbrettern kann
Dort am Sattel dreht die Abfahrt dann nach Nordwest und stürzt sich in den schwarz markierten Steilhang (innen, rechts tatsächlich sehr steil, außen, links, eher rot). Der Steilhang kam mir damals 1995 gar nicht steil vor, zumindest habe ich es nicht in Erinnerung, dass er mir damals steil vorgekommen wäre, sagen wir es so.
Im Steilhang genieße ich ein tolles Fahrgefühl: jeder Schwung sitzt in meiner Wahrnehmung, die Verhältnisse sind ideal, der Hang ist wirklich steil, man sieht die Welt von der Seite, ich fühle mich aber sehr sicher und gut, obwohl ich kaum Fahrpraxis habe in den letzten Wintern. Ich bin voll konzentriert und ganz bei mir. Das ist es unter anderem, warum ich so gerne Ski fahre, weil es mir dieses Einheitsgefühl mit mir selbst und der Welt verschafft. Bin ich sonst sprunghaft und schweift mein Geist sehr schnell von einem zum nächsten, ist dies hier nicht der Fall.
Am Sattel zweigt auch die Ziehweg-Umfahrung ab, die gleichzeitig die Verbindung zum Rosnerköpfl und dem Ortszentrum von Werfenweng darstellt. Die Ziehwegumfahrung hat meine Gruppe damals nicht gemacht, nur irgendwelche Mitschüler, die Anweisungen ignoriert haben und dann ganz wo anders herauskamen. Wie sie wieder zurückkamen, weiß ich nicht.
Der Steilhang wird dann nach unten hinaus langsam und dann zunehmend flacher und zieht mit einer leicht hängenden, sehr schnell zu nehmenden Querung, gekrönt von einem rasanten Schussstück nach Zaglau zu den Übungswiesen. An diese rasante Ausfahrt kann ich mich gut erinnern, die hat mir damals schon sehr gut gefallen.
Von der Strussingalm führte aber noch ein Schlepplift (Ladenberg 3? https://www.lift-world.info/de/lifts/12509/datas.htm) zum Joch zwischen Bischlinghöhe und Ladenberg als zusätzlicher Zubringer in den hinteren Skigebietsteil, als Beschäftigungsanlage für die Piste 2 und als Entlastung für die Sessellifte. An diesen kann ich mich leider nur schlecht erinnern, obwohl wir ihn mehrfach genommen haben. Führte er am östlichen (Wald)Rand der Piste 2 nach oben? Oder mitten über die heutige Piste? Trassenspuren bei Google Maps deuten auf ersteres hin. Weiß es jemand? Oder hat jemand gar ein Photo? Von der DSB Zaglau aus muss er unkompliziert erreichbar gewesen sein.

Piste 2 zur Strussing-Alm/alte Mittelstation. Führte der SL Ladenberg 3 hier ganz links am Waldrand entlang hinauf zum Sattel? Ich kann mich nicht mehr erinnern
Den hinteren Teil des Skigebietes ignorierte meine Kursgruppe bis auf den letzten Tag (ich war in der Renngruppe der Langsamste, aber wir fuhren bizarrerweise irgendwie vor allem am Schlepplift Zaglau und nur ab und an die Panoramaabfahrt und den Strussing-Hang), es war der Freitag, der Abreisetag, der einzige Schönwettertag dieser Woche. Daher nur sehr verschwommene Erinnerungen. Der Ladenberg, ein sanfter Almhügel angesichts der kalkalpinen Wände des imposanten Tennengebirges, war mit zwei parallelen Doppel-Schleppliften erschlossen (Ladenberg 1 und 1a) sowie dem längeren, flacheren SL Ladenberg 2, der stärker nach Nordost ausgerichtet war.

Winteridylle März 2020 an der Talstation SL Ladenberg II

Talstation SL Ladenberg II

SL Ladenberg II an der Bergstation

Skigelände am Ladenberg mit Tennengebirge
Ein bisschen ähnlich dem Sudelfeldkopf (den ich damals gar nicht kannte, denn ich war erst im Winter darauf 1995/96 das erste Mal auf dem Sudelfeld, man lese und staune) weist der Ladenberg sehr viel Pistenfläche in weitgehend sanftem Terrain mit vielen Verzweigungen, Baumgruppen und Hütten auf, was für Abwechslung sorgt.

Breites Almwiesen-Gelände à la Sudelfeld am Ladenberg
Von der Talstation der beiden Ladenberg-SLte 1 und 1a erreichten wird dann den nordwestlichsten Teil des damaligen Skigebietes, das Gebiet Schnapfenriedl und Wengerau. Zunächst führt die blaue Piste 6 als Ziehweg nach Westen. Bevor der Ziehweg noch den Talstation des kurzen und steilen Schleppliftes Schnapfenriedl erreicht…

Talstation SL Schnapfenriedl und Piste 6 rot

Schnapfenriedl-Piste Piste 6 rot von der Ziehweg-Einmündung

Blick zurück zum vom Ladenberg kommenden Ziehweg 6c blau
…kam man zur zweiten Bergstation der ungewöhnlichen Doppelsesselbahn Wengerau (Baujahr 1982, https://www.lift-world.info/de/lifts/12464/datas.htm). Bei dieser Bergstation stiegen wir ein um zur Talabfahrt in die Wengerau zu gelangen. Ja, richtig gelesen, erst musste man ein Stück hinunter in einen Graben und wieder hinauffahren (vielleicht jeweils 70 Hm laut der Open Ski Map Karte) bevor man an der Mittelstation aussteigen konnte und auf die in S-förmigen Waldschneisen angelegte Talabfahrt in die Wengerau starten konnte, die den Liftdaten zu Folge immerhin 460 Hm gehabt haben dürfte.

Blick von der Zufahrt Schnapfenriedl in etwa in Richtung der ehemaligen Trasse der DSB Wengerau. Der Graben ist jedenfalls gut erkennbar

Idyllisch hier hinten, Schnapfenriedl, direkt an den Südabstürzen des Tennengebirges
Ich habe sie als recht positiv in Erinnerung, aber eben auch die lange anschließende Liftfahrt zurück ins Hauptgebiet (wird sind nur einmal gefahren). Sprich: für diese eine zusätzliche Piste musste man von Zaglau aus kommend ganz schön viel Liftfahren (wegen der Grabenquerung). In der Wengerau gab es laut Pistenplan 1998 noch zwei weitere Schlepplifte, die wir damals aber nicht gefahren sind und an die ich auch keinerlei Erinnerung habe.
















































