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Chamonix-Trilogie 12.3.07 - Teil 2: Brévent-Flégère

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Chasseral
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Chamonix-Trilogie 12.3.07 - Teil 2: Brévent-Flégère

Beitrag von Chasseral » 19.04.2007 - 13:24

Chamonix-Trilogie, oder: Montaz-Ungeheuer in drei Teilen :wink:
Chamonix-Pistentag 12.3.2007, Teil 2 - Brévent-Flégère

Zur Tagesmitte: Mittelgrosses Gebiet - äusserst vielfältig


Der Skitag hatte in Vallorcine begonnen. Die Vorgeschichte und die Vorüberlegungen des Tagesablauf sind demnach im Balme-Bericht nachzulesen.

Nach der Busfahrt nach Chamonix und der Anmeldung im Bergsteigerbüro ging’s zu Fuss zur Talstation der altehrwürdigen Bahn nach Planpraz. Gut 5 Minuten hat der Fussmarsch ab dem Maison de la Montagne gedauert, aber es geht doch recht steil bergauf und bei mehr als 10 °C, satt brennender Sonne und dem schwarzen Skihelm gerät man doch mächtig ins Schwitzen. :twisted:

Nochmals kurz zur Erklärung der Planpraz-Bahn, die für mich einer der Gründe war, nach Chamonix zu kommen: 1928 als Pendelbahn gebaut und dem gegenüber gelgenenen Aiguille-du-Midi-Projekt mit seiner altertümlichen Konstruktion (niedrige Tragseilspannung!) locker die Show stehlend, war die Bahn damals technischer Vorreiter. Insbesondere die stützenlose 2. Sektion auf den Brévent war für damalige Verhältnisse eine Sensation. Aber auch die 1. Sektion war ein viel beachtetes Werk moderner Technik und hatte als Besonderheit gewaltige Betonstützen. Insbesondere sollten die Betonstützen die Fahrt mangels der in Stahlkonstruktionen üblichen Bewegungen und Resonanzen ruhiger gestalten. 1979 errichtete Montaz-Mautino dann anstelle der PB (1. Sektion) eine 6EUB und verwendete das Talstationsgebäude sowie 5 der 6 Betonstützen weiter. Das Talstationsgebäude dient nicht nur wie sonst üblich als Garage, sondern bekam die komplette EUB-Technik implantiert. Und Beton-Pendelbahnstützen für eine EUB sind gelinde gesagt unüblich und in Form dieser monumentalen Gestaltung in Kombination mit einer grazilen EUB optisch der Hammer. Die letzte Betonstütze wurde durch ein riesiges Stahl-Kuppengerüst überbaut und im unteren Bereich sind vor der ersten Betonstütze vier Montaz-Standard-Stützen errichtet worden. Alles in allem eine äusserst skurrile Konstruktion, die angeblich bis zum übernächsten Winter verschwunden sein soll. Gemäß französischem Forum sollen im Herbst 2007 die Fundamente für die künftige 8EUB gegossen werden und ab Spätsommer 2008 soll die neue EUB montiert werden und bis zum Winter 2008/2009 fertig sein. Im Forum wird noch darüber gestritten, ob die Betonstützen von 1928 unter Denkmalschutz stehen. Einige User behaupten dies, andere bezweifeln es. Fragt sich nur, was passiert, wenn hier wirklich der Denkmalschutz besteht. Wieder weiterverwenden oder neben dran bauen und die Dinger in der Gegend herumstehen lassen? Keine Ahnung. Ich gehe mal davon aus, dass sie abgebrochen werden. Auf jeden Fall war die Situation für mich Grund, diese skurrile Bahn noch mal ausführlich photographisch zu dokumentieren.

Aber um einen Überblick über das Gebiet zu verschaffen, bemühen wir zunächst wieder den Pistenplan:

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^^ Zum Vergrössern in separatem Fenster bitte anklicken
Das Gebiet teilt sich in die beiden Teilgebiete Brévent (mit Mittelstation Planpraz) links und Flégère rechts. Beide Teilgebiete sind durch eine stützenlose PB verbunden, die ein lawinöses Tal überquert. Unter anderem deshalb gibt es keine Verbindungspiste. Die drei langen Hauptanlagen, die ganz nach oben führen, sind die stützenlose PB Brévent (ganz links), die 6KSB Cornu (mitte) und die 6KSB Index (rechts). Die kurzen Sesselbahnen in mittlerer Höhe sind fix geklemmt. Beschneiung gibt es bislang keine (ausgenommen der Übungslift an der Planpraz-Talstation); bis in 2 Jahren sollen aber beide Talabfahrten beschneit sein.

Hier zum Vergleich nochmal den Flégère-Teil per Fotographie-Draufsicht vom Montets aus:

Bild
^^ Hier nochmal die Foto-Draufsicht des (rechten) Flégère-Teilgebiets, aufgenommen vom Gegenhang. Die lange Anlage ist die 6KSB Index, rechts der Bergstation ist noch das alte Bergstationsgebäude der Vorgänger-3KSB zu sehen. Unten rechts - zum Teil durch den Vordergrund verdeckt, ist die 4SB Trappe. Ganz links ist gerade noch die Verbindungs-PB zum Brévent-Gebiet zu sehen.


Dieses Skigebiet macht auf dem Pistenplan einen abwechslungsreichen Eindruck und dieser sollte sich durchaus betätigen. Zunächst geht es los an der 6EUB Planpraz, die ich aus den genannten Gründen etwas ausführlicher dokumentiert habe. Die weniger seilbahninteressierten Skifahrer mögen es mir bitte verzeihen.


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^^ Verdammt steile Trasse der 6EUB; macht 900 Höhenmeter auf 1800 Meter Länge. Vorn sind die "neuen" Montaz-Stützen zu sehen, im Hintergrund die berühmten Betonstützen von 1928.


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^^ Den Blick etwas nach links gewendet: "Frei im Himmel" schweben die beiden Kabinen der stützenlosen PB als 2. Sektion Planpraz-Brévent; auch ein Seilbahn-Highlight von 1929 - wurde 1987 von Montaz Mautino komplett erneuert, fährt 12 m/s. Der Brévent selbst sollte sich als exzellenter Skiberg erweisen.


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^^ Ausfahrt mit der 6EUB; die alte PB-Ausfahrt wurde mittels Holzverschalung "verkleinert".


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^^ Die letzte Montaz-Stütze, ausgeführt als Niederhalter - danach geht’s auf die Betonstützen :D


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^^ Das erste Beton-Monument rückt näher; rechts die in Chamonix übliche Betriebsseilbahn für das Personal.


Erdrückende Hässlichkeit oder Ästhetik? Ich bin mir ehrlich gesagt unschlüssig. Auf jeden Fall wecken die Stützen bei mir eine gewisse Faszination und ich begegne ihnen mit Respekt. Hier handelt es sich zweifelsohne um (noch) lebendige Industriedenkmäler, die wohl zeitlebens aussgerwöhnlich waren.

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^^ Blick zurück auf Chamonix; die durchschnittliche Steigung der Trasse beträgt 60%, die maximale (ist hier in diesem Bereich) liegt bei 100%!


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^^ Weiter oben: Vogelperspektive


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^^ Bergstation in Sicht. Die alte PB fuhr über die niedrige Betonstütze an den aussenliegenden Perron; eine Einfahrt in das Gebäude gab es nicht und das Tragseil hatte durchgehend eine erhebliche Steigung. Die Bergstation der EUB wurde auf das alte Gebäude postiert und das Kuppengerüst für die Einfahrt über die alte Betonstütze gestülpt. Darüber thront die offene Talstation der PB Planpraz-Brévent.


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^^ Kuppengerüst und Mont Blanc. Die 24 Seilrollen sind fest im Kuppengerüst gelagert, es gibt keine gelenkig gelagerten Wippen. Erstaunlicherweise ist der Fahrkomfort trotzdem ungetrübt. Es gab kein ungewöhnliches Geholper.


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^^ Kuppengerüst in Tele-Einstellung


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^^ Blick auf die Stützenlose PB Planpraz-Brévent, welche mit 12 m/s die schroffen Felsen dieses eindrucksvollen Skiberges erklimmt - unser nächstes Ziel. Diese PB ist eine der wenigen PB von Montaz-Mautino. Interessanterweise gibt es in diesem Skigebiet gleich zwei Anlagen dieser Spezies. Was man ganz unten rechts teilweise sieht, ist die Umlenkscheibe der kurzen 2SB Alt 2000.


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^^ Blick vom Brévent-Gipfel nach Nordosten: Man sieht hinten das Carving-Paradies Balme oberhalb Le Tour, das wir am Morgen besucht hatten. Die orange Pfeile kennzeichnen die wichtigsten Liftstationen des Gebietes. Links Tête de Balme (Bergstation der KSB), rechts oben Bergstation 4KSB Autannes, darunter Mittelstation Charamillon. Rechts unten im Bild auf dem Bergvorsprung an der Waldgrenze ist ein grosses Gebäude zu sehen; dies ist die Bergstation der zweiten Zubringerbahn zu diesem Skigebiet hier (PB Les Praz-Flégère - roter Pfeil).


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^^ Weiter rechts dann Blick auf den gewaltigen 2000-Höhenmeter-Skiberg Aiguille des Grands Montets, unser Ziel für den Nachmittag. Die drei orange Pfeile zeigen die Eckpunkte, welche den oberen Skigebietsbereich aufspannen: Mittelstation Lognan, Montets-Gipfel, Talstation Retour-Pendant. Über der Aiguille des Grands Montets thront die mehr als 4000 Meter hohe Aiguille Verte.


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^^ Imposanter Tiefblick auf Chamonix. Hinter Chamonix, eher links, sieht man die Maschinenschneebänder des Übungs-Skigebiets Les Planards, das durch eine Montaz-3SB und einen Schlepplift erschlossen wird. Vor Chamonix (auf unserer Talseite) das zweite kunstschneebestückte Übungsgelände - nahe der Talstation der Planpraz-Bahn.


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^^ Ausfahrende Kabine der 12-m/s-Bahn


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^^ Europameister unter sich: Der umtriebigste Skifahrer vor dem höchsten Berg (ja, ja ich weiss - der Elbrus und so weiter ...)


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^^ Offene Konstruktion


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^^ Blick nach Westen auf das fast schneefreie Hochsavoyen


Vom Brévent-Gipfel führt nur die schwarze Piste Charles Bozon (B1 / B1b) hinab. Diese führt erst mal nach Norden (hinter den Berg) und dann per Ziehweg in ein geschütztes Felskar. Diese Topographie hat uns feinsten Pulverschnee beschert.

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^^ Hier sind wir um den Berg herumgefahren und blicken wider auf Seilbahn und Mont Blanc. Gleich werden wir in die genialen offenen Hänge und Felskare einfahren. Hinter diesem Felstor teilt sich die Abfahrt in eine gewalzte Variante (B1) und eine naturbelassene (B1b). Beide sind äusserst abwechslungsreich trassiert, wir wechseln mehrmals zwischen beiden.


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^^ Zurück auf der Vorderseite musste ich mich auch mal mit "dem Höchsten" ablichten lassen. :wink:


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^^ Blick auf die gewalzte Hauptabfahrt, die in diesem Höhenbereich noch hervorragenden Schnee hatte. Unten ist das Übungs- und Trainingsgelände mit einigen Liften im Bereich der Mittelstation zu erahnen.


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^^ Snowotz in Aktion. Charakteristisch für das gesamte Gebiet rund um Chamonix sind die dunklen Felswände, wie sie hinten zu sehen sind. Mir persönlich gefallen helle Kalkfelsen zwar besser, aber imposant sieht das schon aus, da gibt’s ma nix!


Jetzt mal zur Abwechslung die offizielle ungewalzte Variante: Snowotz per Serienaufnahme in Aktion im gemässigten Beulenfeld.

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^^ In Richtung Flégère kommt man erst mal, ohne eine fixgeklemmte Bahn benutzen zu müssen. Die erste notwendige Auffahrt erfolgt mit der 6KSB Cornu, die zu dieser Saison neu errichtet worden ist, als Ersatz für eine 3SB. Rund um Chamonix sind auch Garagen üblich, was in Frankreich nicht die Regel ist. In diesem Fall handelt es sich um eine offene Garage in interessanter Winkelanordnung zur Kuppelstation. Nachdem der Pulverschnee kurz vor der Mittelstation firnig geworden war, ist er hier am Südhang auf 1800 Meter Höhe schon richtig sulzig. Die Abfahrt vom Brévent (gut 2500 m) bis hierher war jedenfalls abwechslungsreich und ganz grosse Klasse.


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^^ Über mehr als 500 Meter HD (Bergstation auf 2350 m) schwingt sich die neue 6KSB hinauf.


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^^ Bergstation in Sicht! hier hat man auch guten Einblick in die Pisten: Sehr abwechslungsreiche gewalzte Pisten werden durch stramm geneigte hors-piste-Varianten in Hangmulden und auf freien Hängen ergänzt. Diese Hänge unter der KSB und links der KSB führen zu deren Talstation zurück (Pisten B6, B7). Von dort kann man fixgeklemmt in Richtung Flégère weiterliften. Man kommt aber auch ohne zusätzliche Liftfahrt zur Verbindungs-PB, wenn man von der Bergstation Cornu nach hinten wegfährt und die rechts zu sehenden Felsen durch das hintere, unerschlossene Tal umrundet (Piste B8 / B8b - Charlanon).

Bereits die linken Hänge (B6, B7) bieten Abwechslung für viele Stunden. Auch wir haben es beim Anblick dieser Hänge nicht mehr so eilig und bleiben erst mal auf der linken Seite für Wiederholungsfahrten. Wir machen uns ja schliesslich keinen Stress beim Skifahren. :wink:

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^^ Piste B6


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^^ Blick auf die variantenreichen Hänge (krasser Gegensatz zum Balme-Gebiet) und auf das Übungs- und Trainingsareal im Bereich der Mittelstation Planpraz.


Anschliessend sind wir durch das liftfreie Tal (B8 / B8b) zur Verbindungs-PB gefahren, die Bilder erspare ich hier den Lesern. Diese Piste war wunderschön, aber der Sulz wurde aufgrund der Südlage und des unbarmherzig brennenden "Planets" schlimmer. Dies ist halt der Nachteil dieses Südhang-Gebietes zwischen 1800 und 2500 m.

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^^ Geschafft! Verbindungs-PB von Poma (stützenlos)


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^^ Als einzige fixgeklemmte Bahn benötigt man in diese Richtung die 3SB Evettes. Hier gab es etwa 2 Minuten Wartezeit - die einzige Wartezeit in diesem Gebiet und an diesem Tag. Da kann man nicht meckern. Dennoch vermute ich, dass es hier an Wochenenden und zu Stosszeiten voll werden kann. Hier könnte ich mir durchaus war 4er- oder 6er-mässiges vorstellen.


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^^ Von hier aus jetzt ein besserer Blick auf die schräg gegenüber liegenden Montests-Hänge mit den Fixpunkten Bergstation Gipfel-PB, Bergstation 15EUB Bochard, Mittelstation Lognan und Talstation 3SB Retour-Pendant. Alles was dazwischen liegt, ist im Prinzip komplett befahrbar.


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^^ In der 6KSB Index, der 2005 gebauten Schwesterbahn zur Cornu. Sie hat ebenfalls mehr als 500 m HD und führt bis auf 2400 m. Die Hänge sind im Vergleich zum Cornu etwas gleichmässiger geneigt, aber immer noch abwechslungsreich und mit mehreren hors-piste-Varianten. Je weiter man nach rechts kommt, umso steiler werden die Hänge (s. Anfangsbild unter dem Panorama). Hier zu sehen: Piste F5.


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^^ Hinter der alten Index-Bergstation (berühmte Doppelmayr-3KSB-Blechbüchse) zieht der Dreiecks-Tellerlift Floria von DM bis ganz hinauf (geschätzte 2500 m) und erschliesst die etwas abgelegenen Pisten F13 und F14, die nicht zur zentralen Station Flégère zurück führen, sondern zur Talstation der 4SB Trappe, welche neben ihrer Hauptfunktion als Beschäftigungsanlage für die grünen Übungspisten noch als Rückbringer für die genannten Pisten dient. Wir nehmen also den Floria-Lift; jeder der mich kennt, weiss, dass mich solch abgelegene Pisten geradezu magisch anziehen.


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^^ Mal blind nach hinten fotografiert - und prompt den Mont Blanc getroffen


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^^ F14: Wieder sehr variantenreiche Piste :D . Diese Floria-Abfahrt geht immerhin über 750 Höhenmeter.


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^^ Blick aus der 4SB Trappe zurück auf die Hänge im Bereich der 2SB Chavanne rechts des Index. Rechts ist die von uns gefahrene Floria-Route zu erkennen, die hier ein Felstor passiert.


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^^ In der 4SB Trappe zur Mittelstation; unten die grüne Anfängerpiste F7


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^^ Geschafft! Mangels Schnee auf der Talabfahrt (Beschneiung soll im Sommer 2008 kommen) gehts mit der Montaz-PB nach unten zur Skibushaltestelle.


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^^ Ein paar Minuten können wir den Fast-Sommer im Tal geniessen bis der Skibus kommt. Eindrucksvoll ragt die Aiguille du Midi in den Himmel.


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^^ Nochmal Blick ins Skigebiet mit der stützenlosen Verbindungs-PB Brévent-Flégère mit einer der beiden Kabinen (orange Pfeil). Hier sieht man das lawinöse Tal, das sich durch diese Konstruktion elegant überbrücken lässt.

Weiter geht’s nach 10 Minuten Busfahrt an der [Aiguille des Grands Montets] (Bericht wird verlinkt)


Zusammenfassend kann man feststellen, dass das Skigebiet Brévent-Flégère sich uns als aussergewöhnlich abwechslungsreich präsentiert hat. Die Pisten sind interessant trassiert, "gekrönt" durch die Charles Bozon, die durch wilde Felslandschaften am Brévent führt. Daneben stehen unzählige hors-piste-Varianten zur Verfügung in allen denkbaren Neigungen. Auch Anfänger- und Trainingsbereiche sind vorhanden, die grünen Pisten am Flégère dürften für das Üben mit Anfängern sogar ideal sein. Das Gebiet ist sehr zielgruppenneutral. In diesem Skigebiet kann es Jeder problemlos 2 Tage aushalten. Der entscheidende Nachteil dieses Gebiets ist zweifelsohne die Südausrichtung, welche fast alle Pisten betrifft. Pulvrige Abschnitte fanden wir nur auf der Charles Bozon. In die gleiche Kerbe haut der Umstand, dass es bislang keinerlei mechanische Beschneiung gibt. Allerdings gehört das schneereiche Mont-Blanc-Gebiet offenbar auch zu den wenigen Regionen der Alpen, wo dies oberhalb 1800 Meter (noch) nicht erforderlich ist. Selbst in diesem schneearmen Winter war bei unserem Besuch die Schneehöhe im Bereich zwischen Planpraz-Brévent-Flégère-Index mit zwischen 200 und 400 cm angegeben. Ich habe nicht nachgemessen, jedoch waren trotz des sulzigen Schnees keinerlei Anzeichen von Boden, Steinen oder sonstig unnützem Zeugs erkennbar. Die Schneelage war also überaus gut und die Werte tönen plausibel. Absolut wünschenswert ist die Beschneiung jedoch auf den beiden Talabfahrten, die in diesem Winter keinerlei Chance hatten in Betrieb zu gehen. Die höhenabhängigen Temperaturdifferenzen sind im Chamonix-Tal enorm und haben dies in den tiefen Lagen verhindert. Aber Licht am Horizont! Im Zuge des Neubaus der Planpraz-Zubringerbahn sollen beide Pisten im Sommer 2008 mit einer Schneianlage ausgerüstet werden.

Da es sich hier um das "Hausskigebiet" von Chamonix handelt und auch um das grösste (bezogen auf die Anlagenzahl) nehme ich mal bereits ein zusammenfassendes Chamonix-Fazit vorweg: Im Skiatlas fühlt man sich von Chamonix zunächst nicht so angezogen, weil grosse zusammenhängende Skigebiete fehlen und (meine Meinung) weil die Panoramakarten einfach lieblos und schlecht sind. Wenn man aber da war, ist man begeistert, weil es wohl nur wenige Gebiete gibt, die insgesamt eine solche Abwechslung bieten wie dieser zerstückelte Skigrossraum. Im relativ teuren Skipass Mont-Blanc-Unlimited sind enthalten:
-> Brévent-Flégère: Abwechslungsreiches Skigebiet für 1-2 Tage für alle Zielgruppen und Ansprüche, sonnige Südhange
-> Grands Montets: Der Ski-Berg schlechthin; 2000 m Höhendifferenz und zahllose Geländemöglichkeiten machen den Berg zu einem Super-Tipp für Freerider und bieten auch einem Pistenfahrer eine schönen Skitag mit langen Pisten, pulvrige Nordhänge
-> Balme: Das Carving-Paradies schlechthin
-> Aiguille du Midi - Vallée Blanche: Die grandiose Gletschertour ist auch für Skifahrer mittleren Könnens ein einmaliges Erlebnis und von den Anforderungen her beliebig steigerbar
-> Les Houches - Prarion/Bellevue: Ideales Ausweichgebiet für Schlechtwetter - viele Waldpisten (so etwas fehlt vielen Gebieten im Wallis und in Frankreich - das kann im Zweifelsfall sehr willkommen sein)
-> Courmayeur - Hauptskigebiet: Anscheinend abwechslungsreiches Pistengelände und interessante Tourenabfahrten (gemäss Berichte gerrit, helmut)
-> Courmayeur - Funivie Mont Blanc: Gemäss Gerrits Bericht eine Tourenabfahrt der Extraklasse, wie sie in den Alpen nicht soo oft zu finden ist (Routen an Bergbahnen).
-> Diverse Übungsgelände, erwähnenswert vor allem Les Planards mit 3er-Sesselbahn
-> 2SB Glacier de Bossons, bei der leider seit einigen Jahren kein Winterbetrieb praktiziert wird

Eine solche Auswahl an Gebieten mit völlig unterschiedlichem Charakter findet sich wohl nicht allzu oft. Das grosse Manko sind die fehlenden Liftverbindungen aber zumindest im Chamonix-Tal mildert ein perfektes Skibus-System dieses Manko merklich. Die 6 Skigebiete hier sind im Viertelstunden-Takt verbunden; die Talstationen liegen etwa 10 Minuten entfernt. Man kommt also im maximal einer halben Stunde ins nächste Gebiet. Weiterhin ist die Tal-Eisenbahn kostenlos, wenn man sein Quartier im Tal hat, ansonsten kann man sie für geringes Geld nutzen. Landschaftlich besticht das Gebiet durch die Kontraste zwischen weissem Schnee und schroffen, dunklen Felsen. Diese gipfeln teilweise in den berühmten Felsnadeln. Der Anlagenpark besteht aus allen erdenklichen Anlagentypen; nicht alles ist topmodern, aber die längeren Beschäftigungsanlagen sind inzwischen Kabinenbahnen und kuppelbare Sessellifte (Ausnahme Les Houches). Einen Aufenthalt hier kann man zielgruppenunabhängig empfehlen.



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Zuletzt geändert von Chasseral am 27.04.2007 - 14:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Rüganer » 19.04.2007 - 19:16

Wegen dieser großartigen Reportagen liebe ich dieses Forum !
Vielen Dank Chasseral ! Freue mich auf die nächsten Tage.

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Beitrag von Theo » 19.04.2007 - 19:28

Vor allem wegen der Brevent Bahn sollte ich da mal hin. Chamonix ist ja bloss 3 Stunden von hier.
Auch dieses Gebiet hat wieder die Grösse um einen Tag sehr viel Spass zu haben.
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Beitrag von Xtream » 25.04.2007 - 02:04

so so mit "dem höchstem" hast du dich ablichten lassen..... dafür gibts von mir "die höchste" bewertung! :D:D:D:D:D:D von :D:D:D:D:D:D für die tollen drei berichte..... :top: :wink:

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Beitrag von Maximus » 29.04.2007 - 18:54

Wirklich 4 super interessante Berichte. Vielen Dank schon mal dafür.
Mich würde das Skigebiet (oben links) in folgendem Foto interessieren, sofern es überhaupt eines ist. Vielleicht kann mir da jemand helfen?
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Chasseral
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Beitrag von Chasseral » 01.05.2007 - 21:48

^^ DAs Skigebiet, das da zu sehen ist, ist St. Gervais-Megève.
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