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Bergamo | Oktober 2019 | Great Lakes-Tour X

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Zottel
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Bergamo | Oktober 2019 | Great Lakes-Tour X

Beitrag von Zottel » 19.05.2020 - 21:30

Bergamo | Oktober 2019 | Great Lakes-Tour X

Abschluss der Great Lakes-Tour mit Stops in Laveno, Aviatico, S.Pellegrino, Lecco sowie Como, Argegno, Lugano und Stresa.

Nach dem eigentlichen Tour-Ende in Stresa ergab sich am Folgetag noch etwas unverhofft ein Zwischenhalt in Bergamo. Die schöne Stadt hat für Seilbahninteressierte gleich drei Standseilbahnen zu bieten, die man gut miteinander kombinieren kann und die ich mir alle ansah.

Die letzte Meile der Anfahrt war nicht so einfach. Natürlich gab es laut Navi eine super Route, die mich direkt zur Talstation der Standseilbahn Colle Aperto - S. Vigilio bringen sollte. Recht bald stand ich allerdings vor einer der berüchtigten Tafeln Zona traffico limitato. In diesem Moment hatte sich das Überfliegen der italienischen Verkehrsregeln vor meiner ersten Südtirol-Tour vor einigen Jahren bezahlt gemacht. Denn ein Befahren einer ZTL kann ohne Erlaubnis teuer werden. In einem etwas größeren Bogen fand ich schließlich eine unbeschränkte Zufahrt, bei der ich sogar Altstadt-nah an einem kostenfreien Parkplatz auskam.

In nur wenigen Gehminuten hatte ich die imposante Talstation der beiden parallelen, autarken Standseilbahnen Bergamo Bassa - Bergamo Alta erreicht. Dieses Foto ist auf dem Rückweg entstanden.
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Die Doppelanlage ist etwas aus der Rubrik kurz und knackig: Auf 240 bzw. 236 Metern Kürze werden 85 Höhenmeter überwunden. Genau darin liegt die verkehrstechnische Funktion der Anlage(n), die man schon 1880 zu überwinden suchte. Wie Wikipedia weiß, litt damals die höher gelegene Oberstadt unter einer fehlenden Anbindung an die tiefer gelegene und expandierende Unterstadt. 1887 ging als Lösung die erste Standseilbahn auf dieser Strecke in Betrieb.

Weiter heißt es zur Anlage von 1887 bei Wikipedia:
Wikipedia hat geschrieben:Der Ingenieur Ferretti, der auch die Direktion der Pferdebahn der Unterstadt innehatte, verwaltete sie bis 1907, als die Leitung der Anlage durch eine Volksabstimmung an die Stadtverwaltung überging. Im Jahr 1921 wurde die Anlage durch zwei Schrägaufzüge ersetzt und die zwei Stationen umgebaut. Jeder der beiden Wagen wird nun unabhängig vom anderen an einem Seil den Berg hochgezogen, wobei das Seil in der Bergstation auf eine Trommel aufgewickelt wird.
Die Doppelanlage von 1921 ist nach einigen Umbauten 1954, 1963/64 und 1987 heute noch in Betrieb. Bei meiner Ankunft war nur die linke Linie in Betrieb, an der rechten wurde auf der Strecke gearbeitet.
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Die Standseilbahnen gehören zum ÖPNV Bergamos und sind dadurch sehr erschwinglich. Aber nicht nur deswegen lohnt sich eine Fahrt. Auch die Trassierung ist nett.
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Etwas für die Rollenfreunde
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Nach einer langgezogenen Linkskurve ist schon die Bergstation erreicht.
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Ein erhabener Bau, der Beschreibung nach noch von 1921.
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Eine tolle Architektur
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Außenansicht der Bergstation. Wenn man's nicht weiß, läuft man dran vorbei.
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Ankunft in der Altstadt. Kein halbes Jahr nach meinem Besuch ist Bergamo als Epizentrum der Corona-Pandemie in die Schlagzeilen geraten. Wenn ich daran denke, wird mir beim Betrachten meiner Fotos aus der vergnügten Zeit im Oktober 2019 ganz mulmig.

Der Weg zur dritten Standseilbahn Colle Aperto - S. Vigilio führt einen durch die schönen Gäßchen der Altstadt.
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Der Eindruck täuscht. Auf der Piazza Vecchia herrschte eine beschwingte spätsommerliche Atmosphäre, in den Cafés wurde Espresso und Caffè Americano getrunken. Die angenehm überschaubare Touristenschar deckte sich mit Postkarten und anderen Souvenirs ein - insgesamt eine schöne Stimmung.
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Dort entlang gehts zur nächsten Seilbahnfahrt.
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Die Standseilbahn Colle Aperto - S. Vigilio wurde 1912 in Betrieb genommen, stand von 1976 bis 1984 still und wurde von 1987 bis 1991 grundlegend saniert.
Die Tourismus-Seite hat ein paar weitere Details parat. Beispielsweise, dass auch für diese Anlage Alessandro Ferretti verantwortlich zeichnete, "einer der wichtigsten italienischen Ingenieuren der Zeit, der Dutzende von Standseilbahnen konzipiert und fünfzehn persönlich ausgeführt hat".

Weiter heißt es dort:
www.visitbergamo.net hat geschrieben:Die Anlage von San Vigilio entsteht um die Urbanisierung des gleichnamigen Hügel zu fördern in dem man ihn mit dem Rest der Stadt verbindet. Der mechanische Teil wurde von der Société des Usines L. de Roll aus Bern gebaut, während die ursprünglichen Wagen von der Fervet (Fabbricazione E Riparazione Vagoni E Tramway). Diese Firma ist in Bergamo März 1907 gegründet worden und wurde schnell zu einem der großen nationalen mechanischen Stahlunternehmen und hat Tausende Arbeitsplätze für Bergamasker, die heute noch mit Stolz behaupten seine Mitarbeiter gewesen zu sein, geschaffen.

Trotz dem Erfolg der Seilbahn von San Vigilio, muss die Firma, die ausschließlich für seine Konstruktion gegründet wurde, im Jahr 1918 schließen; sie wird von einer städtischen Gesellschaft bis 1976 übernommen, als ihre Lizenz ausläuft.

Im Jahr 1984 entscheidet die Verwaltungskommission, dass es Zeit für eine radikale Veränderung des Systems ist und im Jahr 1987 und startet die Renovierung: die beiden Wagen mit 32 Plätze werden durch eine neue mit einer Kapazität von 55 Personen ersetzt und der Teil der Strecke mit der Verdoppelung wird abgesetzt.
Die Talstation ist seitdem ein halboffener Zweckbau, die Bergstation versprüht hingegen noch den architektonischen Charme des sehr frühen 20. Jahrhunderts.
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Auf der Strecke verkehrt seit 1987 ein einzelner Wagen, ein eher klobiges Modell des späten 20. Jahrhunderts.
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Die Strecke hat Verschiedenes zu bieten. Etwa 3/4 führen zwischen Häusern und alten Mauern hindurch. Das letzte Viertel gibt den Blick frei auf Bergamos Altstadt und die umliegende Region.
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Das wär kein Job für mich: Tag ein Tag aus den Wagen die 630 Meter kurze Strecke hinauf und hinunter zu fahren.
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Hier befand sich bis zum Umbau die Ausweiche.
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Die Zielgerade vor der Bergstation. Nach vorn gerichtet ist der Blick wenig spektakulär.
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Daher sollte man sich einen Fensterplatz in Fahrtrichtung links ergattern.
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Ein Gang um die Bergstation herum lohnt sich.
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Dort hat man diesen grandiosen Blick auf Bergamo.
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Und in der entgegengesetzten Richtung blickt man in die Berge.
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An die Station schließt sich ein kleines Lokal an, sehr schön gelegen, aber sicher mit Touristen-Preisen.
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Zeit für die Talfahrt
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Vorbei an alten Wehranlagen, die Altstadt fest im Blick
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Hoffentlich wird es dort und auch überall anderswo bald wieder so belebt und fröhlich sein können wie vor Corona.
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Zurück an der Doppelanlage Bergamo Bassa - Bergamo Alta. Diesmal war nur die bergwärts gesehen rechte Linie in Betrieb.
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Unterhalb der Warte- und Einstiegshalle befindet sich der Maschinenraum, der teilweise einsehbar ist.
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Dann war es schon an der Zeit für die wirklich finale Seilbahnfahrt der Great Lakes-Tour.
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Wirkt fast wie eine gewöhnliche Stadt-/U-Bahn - wenn nur das Gefälle, die Rollen und Seile nicht wären.
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Re: Bergamo | Oktober 2019 | Great Lakes-Tour X

Beitrag von starli » 28.05.2020 - 12:34

Das wär kein Job für mich: Tag ein Tag aus den Wagen die 630 Meter kurze Strecke hinauf und hinunter zu fahren.
Aber sicher wesentlich interessanter als wenn die Bahn führerfrei fahren würde und man immer in der Station sitzen müsste ;)
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