Tuxer Seven Summits oder von Tulfes bis Tux 25.-27.8.2009

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Emilius3557
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Tuxer Seven Summits oder von Tulfes bis Tux 25.-27.8.2009

Beitrag von Emilius3557 » 06.09.2009 - 00:47

„Der nachmalige israelische Ministerpräsident Menachem Begin wurde 1913 im russischen Brest-Litowsk geboren… Kissinger handelte das Sinai II-Entflechtungsabkommen 1975 aus…“

Als ich die Rückseite meiner groben Tourenplanung von vor acht Jahren betrachtete, hatte ich einen Probedruck meiner Facharbeit in der Hand. Ursprünglich hatte ich vor nach dem Abi diese Tour zu gehen, aber aus vielerlei Gründen kam es bislang nie dazu. Man sieht aber, wie lange ich mich schon mit Gedanken an diese Überschreitung getragen habe.

Im großen Maßstab betrachtet führt uns unsere dreitägige Tour von Nordwesten (vom Inntal bzw. das Mittelgebirge bei Tulfes) nach Südosten durch die Tuxer Alpen und in ihr Herz, die Wattener Lizum, über ihre höchsten Gipfel (Geierspitze und Lizumer Reckner) ins Tuxer Tal bis nach Hintertux. Der Reiz liegt am ersten Tag im weitum berühmten Zirbenweg zwischen Tulfeinalm und Boscheben am Patscherkofel, im mehr als 2000 m tiefen Blick ins Inntal und auf die Bandstadt Innsbruck-Hall sowie in der „Wolkenhaus“-Übernachtung in der 2600 m hoch gelegenen Glungezerhütte. Am zweiten Tag erfolgt dann der „Seven Summit“-Teil mit einer fast einmaligen Gipfelsammelmöglichkeit und über fünf Stunden Weg höher als 2500 m. Am dritten Tag schließlich das furiose Finale mit den höchsten Gipfeln der Tuxer Alpen und dem Proszeniumslogen-Blick auf die immer noch imposante Gefrorene Wand mit der gleichnamigen Spitze und dem alles überragenden Olperer.

1. Tag: Dienstag, 25.8. 2009: Tulfes – Glungezer Hütte

Der erste Tag ist als gemütliches Eingehen und Akklimatisieren gedacht im eindeutig am stärksten erschlossenen Abschnitt der Route. Eigentlich machen wir die große Tour zu Zweit, „der Seebär“ (Seilgefährte an der Weißseespitze und Hochfeiler, Val Tho-Mitfahrer von 2003) und ich, für den ersten Tag hat sich aber auch trimalchio noch angeschlossen, der uns dankenswerterweise nach Tulfes gefahren hat und am Nachmittag wieder von der Hütte absteigt, da berufliche und familiäre Verpflichtungen warten.

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Tulfes und Bettelwürfe im Karwendel

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Kleiner und Großer Bettelwurf (2725 m)

Wir sind kurz vor 8 im Südosten von München losgefahren und haben gut 1 ½ Stunden bis nach Tulfes gebraucht. Mit der DSB und dem Kombi-ESL (im Winter SL) der Glungezerbahn geht es in zwei Sektionen von 950 auf 2060 m, was viele Stunden Aufstieg mit schweren Rucksäcken erspart, gemütliche Konversation und einen Einblick ins traditionsreiche Skigebiet am Glungezer ermöglicht. Schon erstaunlich, wie eines der besten Gebiete des Jahres 1970 (wenn man Walter Pause Glauben schenken darf) heute auf der Liste der von Einstellung gefährdeten Gebiete ganz weit oben steht (letzte Investition vor 25 Jahren mit der DSB Schartenkogel). Dabei sehen die Pisten ganz und gar nicht langweilig aus, insbesondere der Parade-Hang zum Halsmarter an der 2. Sektion. Laut einem Einheimischen, den wir später auf der Hütte kennengelernt haben, hat die 1. Sektion eine Betriebserlaubnis bis ins Jahr 2018 bekommen. Wie es danach weitergeht? Die Söhne des Eigentümers scheinen nicht gerade viel Herzblut für ihr Skigebiet aufzubringen.

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ESL (Kombilift) Glungezer II und Abfahrt "Halsmarter"

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Letzte Stützte des ESL. Mit großem Rucksack leider unbequem zu fahren, man sieht nach vorne recht wenig... ;-)

Vom ESL der 2. Sektion bieten sich insbesondere während der langen Querfahrt vor der Bergstation bereits wunderschöne Ausblicke auf das Karwendel und die darunter liegende Agglomeration Innsbruck. „Die Stadt im Gebirg“ wird so erst ins rechte Licht gerückt, wenn man sie von oben betrachtet und die Nähe der hellen Kalkmauern gewahrt.

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Das mittlere Inntal von Hall bis Jenbach.

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Flachstück des ESL und schmale Passage der Halsmarter-Abfahrt. Insgesamt aber wohl gut an die Liftkapazitäten angepasste Pisten hier.

Für uns beginnt nun endlich die Wanderung (ca. 10.30 Uhr) an der Tulfeinalm auf dem berühmten und gut frequentierten Zirbenweg hinüber zur Bergstation der Patscherkofelbahn.

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Tulfeinalm, 2050 m, im Vordergrund die DSB Schartenkogel

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Abfahrt zum SL Tulfeinalm und zur DSB Schartenkogel

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Innsbruck vom Zirbenweg, dahinter die Nordkette.

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Flughafen Innsbruck und Martinswand

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Patscherkofel vom Zirbenweg

Wir gehen aber nicht einmal bis zum Gasthaus Boscheben, sondern wenden uns an der Abzweigung wieder nach Osten in Richtung Viggarspitze, 2308 m, dem ersten Gipfel der Tour wo wir Mittagsrast halten und den Tiefblick auf Innsbruck genießen, den freien Blick nach Westen über den markanten Patscherkofel ins Stubaital, auf die Eisfelder des Zuckerhütls und des Gletscherskigebiets, nach Süden auf den bekannten Skitourenberg Morgenkogel sowie nach Südosten auf die Tour von Morgen, den Gratübergang vom Glungezer zur Kreuzspitze.

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Viggarspitze, 2308 m von Westen

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Patscherkofel, 2246 m, von Osten

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Das Zuckerhütl, 3507 m und der Sulzenauferner. Rechts die Schaufelspitze, 3333 m

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Das Zuckerhütl im Zoom

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Glungezer und Sonnenspitze von der Viggarspitze. Unten der Weiterweg hinauf zur Glungezerhütte

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Kreuzspitze, 2746 m und Verbindungsgrat zum Glungezer

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Aufstiegsroute zur Glungezerhütte von der Viggarspitze aus gesehen

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Zoom auf Innsbruck

Über den unmarkierten Ostgrat der Viggarspitze kürzen wir ab zum Panoramaweg der direkt zur Glungezerhütte führt und der bis auf den Schlusssteilhang immer angenehm und gut zu begehen bergan führt. Wir steigen nicht direkt zur Hütte sondern nehmen die fünf Minuten Umweg zum nahen Gipfel der Sonnenspitze (2639 m) in Kauf, erreichen dann gegen 15.00 Uhr die Hütte, auf der wir heute beinahe die einzigen Übernachtungsgäste sind, was sich sehr positiv auf die Stimmung und den Zusammenhalt auswirkt. Offenbar hat die gewitterträchtige Wettervorhersage andere Aspiranten für die Gratüberschreitung abgeschreckt. Trimalchio verabschiedet sich gegen 15.30 Uhr um die 550 Hm zur Tulfeinalm und zum Lift abzusteigen, SeeBär und Ich verbringen den Rest des Tages auf der Terrasse mit Lesen, Kartenstudium und Gesprächen.

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Ostgrat der Viggarspitze. Ist leichter als es aussieht.

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Viggarspitze von Osten, 2308 m. Schöne Pyramide

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Aufstieg zur Glungezerhütte

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Glungezerhütte, ÖAV Hall, 2610 m

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Intensiv agrarisch genutzte Flächen bei Thaur (Thünen´sche Ringe)

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Nordflanke des Glungezers mit viel Blockschutt und der Militärseilbahn. Rechts die Bergstation Schartenkogel und die Pisten

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Der Olperer, 3476 m von der Sonnenspitze gesehen

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Innsbruck 2100 m tiefer als die 2639 m hohe Sonnenspitze

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Gipfelbereich Glungezer mit ÖAV-Hütte, Militärstation (setzt sich unterirdisch unter dem Gipfel fort) von der Sonnenspitze

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Glungezer Nordflanke mit Hall i. Tirol

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Patscherkofel und Viggarspitze von der Sonnenspitze

Nach dem Abendessen steigen wir noch kurz in 5-10 min auf den Glungezergipfel um den Sonnenuntergang hinter Wolken zu verfolgen und die schöne Abendstimmung auf diesem Eckpfeiler der Gebirgsgruppe auf uns wirken zu lassen. Im Süden schimmert der Tuxer Ferner uns bereits entgegen und weist den Weg für die beiden folgenden Tage, im Westen blättert sich das Stubai auf wie ein großes Buch, hinter dem Zuckerhütl geht der Mond auf und man fragt sich, welches Paradies hier oben hinter den Firnfeldern des Sulzenauferners liegen mag. Im Osten liegt eine Gewitterzelle über dem Inntal aus der es immer wieder wetterleuchtet, was beeindruckend ist, da man sie quasi von der Seite sieht und die Blitze innerhalb des Wolkenturms schön sehen kann. Der Glungezer genießt seinen exzellenten Ruf als Aussichtsberg aller ersten Ranges also nicht zu unrecht.

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Glungezer Gipfelkreuz, 2677 m

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Ausblick vom Glungezer nach Osten. Eindrucksvoll die Wolken auf gleicher Höhe wie wir.

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Stubaier Hauptkamm vom Glungezer. Von links: Zuckerhütl, Gletscherskigebiet, Ruderhofspitze, Schrankogl

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Gefrorene Wand Spitze und Olperer vom Glungezer

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Stubaier Alpen vom Glungezer. Serles und Habicht im Mittelgrund
Zuletzt geändert von Emilius3557 am 06.09.2009 - 01:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Tuxer Seven Summits oder von Tulfes bis Tux 25.-27.8.2009

Beitrag von Emilius3557 » 06.09.2009 - 01:03

2. Tag: Mittwoch, 26.8.2009: Glungezer Hütte – „Seven Summits“ – Lizumer Hütte

Die Wettervorhersage für diesen Tag war alles andere als günstig: Regenschauer den ganzen Tag über, Gewittergefahr. Wir waren ziemlich skeptisch und wenig optimistisch. Der Einheimische Berg- und Skiführer vom Vorabend meinte jedoch es würde schon gut werden, wir sollten eben früh aufbrechen um vor dem Nachmittag die Gipfel hinter uns zu bringen, die zweite Hälfte des Weges sei die leichtere und schneller zu bewältigen. Für seine günstigere Wetterbeurteilung sprachen neben seiner Lokalkenntnis auch der ruhige Verlauf der Nacht und die gut sichtbaren Sterne. Trotzdem war ich nervös: die Grattour ist mit 8 Stunden reiner Gehzeit angegeben, was wenn dort oben ein Gewitter losbricht? Über Stunden gibt es keinen Unterstand und keinen schnellen Notabstieg in eines der Täler, man bewegt sich zwar im eisfreien Gelände, aber über Stunden höher als 2500 m, die Gipfel sind fast 2800 m hoch. Wir standen also um 6.30 Uhr auf, Frühstück ab 7.00 Uhr, Abmarsch kurz vor 8 Uhr. Außer uns ist eine einzige Teilnehmerin für die heutige Route übriggeblieben – sehr mutig, im Alleingang würde ich so eine lange Tour eigentlich nicht gehen wollen.

Für den ersten Teil der Tour bis zur Kreuzspitze, der dem Gratverlauf vom Glungezer direkt nach Süden folgt, sind drei Stunden veranschlagt. Das Wetter ist gut: sonnig, einige Wolken, kaum Wind. Wir halten uns auf den ersten Gipfeln so gut wie gar nicht auf, machen keine größere Rast. Die obligatorische „Startbanane“ gibt es für mich erst auf der Kreuzspitze. Der „Weg“ ist gut markiert, trotzdem nicht immer leicht zu finden, man geht, steigt, springt, kraxelt durch und über einen riesigen, unsortierten Blockhaufen, meistens direkt auf dem Kamm, was ein wundervolles, erhabenes Gefühl des Schreitens und Bewegens im Raum eröffnet. An einigen Stellen ist leichte Blockkletterei und Einsatz der Hände gefragt, sehr wenige Stellen sind auch drahtsteilgesichert. Ausgesetzt ist die Route eigentlich nirgends, auszurutschen und abzustürzen sollte man dennoch vermeiden.

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Ausblick vom Glungezer nach Süden auf den Grat zur Kreuzspitze

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Patscherkofel und Viggarspitze vom Grat Glungezer-Kreuzspitze im Morgenlicht

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Grataufschwung in Richtung Glungezer (Blick entgegen der Laufrichtung)

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Patscherkofel und Viggarspitze vom Weg zur Kreuzspitze

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Glungezer von Süden

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Blockgelände auf der Gamslahnerspitze

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Blockkletterei an der Gamslahnerspitze, 2681 m. Dieses Bild findet sich auch in einige Wanderführern.

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Kreuzjöchl, 2575 m, Kreuzspitze, 2746 m und Rosenjoch 2796 m

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Gamslahnerspitze, 2681 m von Süden

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Morgenkogel (ganze rechts) , 2607 m vom Aufstieg zur Kreuzspitze

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Gamslahnerspitze, 2681 m

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Kreuzspitze Nordgrat

Nach zwei Stunden stehen wir auf der 2746 m hohen Kreuzspitze, erste Rast, etwa eine Viertelstunde lang. Inzwischen hat der Wind aufgefrischt, etliche dunkle Wolken nicht weit über uns treibt der starke Südwind – haben wir etwa Südföhn, nur im Gegensatz zum letzten Jahr zu unseren Gunsten? Es scheint so, denn die Sonne kämpft sich immer wieder durch, es sieht den ganzen Tag nie nach Gewitter aus und tröpfelt auch nicht. Da es in der Höhe im Wind sehr rasch kühl wird, ziehen wir die Anoraks an und teilweise auch Mützen/Stirnbänder.

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Grat Kreuzspitze bis Glungezer

Der Weiterweg zum höchsten Punkt des heutigen Tages ist klar vorgezeichnet, wir sehen das Rosenjoch schon vor uns, 1 Stunde Wegstrecke laut Wegweiser. Von der Kreuzspitze geht es kurz und knackig nach unten, dann wieder auf breitem Schuttkamm nach oben. Nach einer halben Stunde der nächste Gipfel, der Sturmwind weht uns quasi nach oben.

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Kreuzspitze, 2746 m, Südgrat

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Kreuzspitze, 2746 m vom Rosenjoch

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Grat Kreuzspitze bis Glungezer vom Rosenjoch (2796 m)

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Breiter Nordwestgrat auf das 2796 m hohe Rosenjoch

Der Ausblick wandelt sich: weg vom Inntal und den hellen Kalkmauern des Karwendels, dafür öffnen sich die langgestreckten rauen, einsamen Täler der Tuxer Alpen, im Norden das Voldertal, im Westen das Arztal.

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Rosenjoch Gipfelkreuz. Mit 2796 m der höchste der "Tuxer Seven Summits"

Wir halten uns wieder nur kurz auf dem Gipfel auf, die praktisch gleich hohe Grünbergspitze (2790 m) wartet, 90 Hm steiler Ab- und Aufstieg trennen uns, im Abstieg gibt es eine ausgesetztere und gesicherte Stelle. Langsam zehrt das durchgehend hihe Tempo des Vormittags an unseren Kräften, wir trinken häufiger und rasten auf jedem Gipfel länger.

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Grünbergspitze, 2790 m vom Rosenjoch aus gesehen

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Südgrat des Rosenjochs mit einer versicherten Stelle

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Rosenjoch, 2796 m von der Grünbergspitze, 2790 m

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Malgrübler, 2749 m über dem Voldertal

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Tuxer Hauptkamm hüllt sich in Wolken

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Von der Grünbergspitze sieht man die Naviser Sonnenspitze (vorne links), das Mölsjoch mit der Fahrstraße, die Kalkwand (hinten) und die Lizumer Sonnenspitze

Zur Grafmartspitze (2720 m) leitet ein kurzer Schotterhang mit kaum Gegenanstieg, im Süden zeigt sich mit dem Navisertal wieder so etwas wie Zivilisation.

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Grafmartspitze, 2720 m und Olperer

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Oberes Voldertal mit der Steinkaseralm

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Naviser Sonnenspitze, 2619 m und Geier-Reckner-Gruppe (rechts hinten)

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Grafmartspitze, 2720 m, Gipfelkreuz. Hinten die 70 m höhere Grünbergspitze

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Tuxer Hauptkamm von der Grafmartspitze

Abstieg zum Naviser Jöchl, 2479 m, der Halbzeit der Tour und ausgedehnte Mittagspause. Hier fällt die Spannung ab, die Gipfel liegen hinter uns, jetzt folgt nur noch gemütlicher Jochbummel über Möls- und Klammjoch bis zur Lizum. Bis hierher haben wir etwa 4 ½ Stunden gebraucht.
Wir beschließen die nahe Naviser Sonnenspitze, 2619 m, noch schnell mitzunehmen, die Kompass-Karte zeigt einen direkten Abstieg in der Südflanke der ohne Umweg zur Hauptroute führt. In 20 min sind wir oben, auf diesem Gipfel mit markantem Felsturm, der den langen Kamm mit Malgrübler (2749 m) an den Hauptkamm anschließt und einen ersten guten Einblick ins Geier-Reckner-Massiv bietet.

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Naviser Sonnenspitze, 2619 m, mit dem Gipfelkreuz auf einem exponierten Felsturm

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Mölsjoch (vorne), Lizumer Sonnenspitze, Reckner und Geierspitze (v.l., hinten)

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Lizumer Reckner, 2886 m und Geierspitze, 2857 m von Westen

Leider ist der in der Karte verzeichnete Abstieg nirgends zu finden, nirgends eine Markierung. Wir wollen dummerweise nicht zurücksteigen und suchen uns einen Weg durch eine mit Felsen durchsetzte sehr steile Grasflanke. Habe ich bisher schon ein ungewohntes Ziehen im rechten Knie verspürt, fängt das Knie nun hier an wirklich mit jedem Schritt zu schmerzen. Das kann ja heiter werden, der Weg zur Lizum ist noch weit und Morgen erst!
Endlich sind wir wieder auf dem Hauptweg, der hier als harmloser Wanderweg und ab Mölsjoch als breite Militärschotterstraße zur Lizum führt. Auf ausgeräumten Wegen geht es mit dem Knie, dafür fordert nun die lange Route ihren Tribut, ich bin zunehmend müde und erschöpft.

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Blick ins Mölser Tal nach Norden

Als wir uns etwa unterhalb der Mölser Sonnenspitze befinden kommt als deus ex machina das österreichische Bundesheer zu Hilfe, in Gestalt eines Jeeps, der uns abholt. Wie kommts? Im Truppenübungsplatz Wattener Lizum finden unterhalb des Klammjochs Schießübungen mit Panzerabwehrgeschützen zur „Munitionsvernichtung“ (O-Ton des Fahrers) statt. Wir Zivilisten sollen da nicht im Schussfeld herumlaufen, weshalb er uns in rascher aber holpriger Fahrt bis in etwa zur Bergstation des Militär-Schleppliftes in die Lizum fährt. Sehr nett und hilfreich, danke! Von hier aus waren es nur mehr 20 min bis zur Lizumer Hütte, die wir gegen 16 Uhr erreichen, nach fast exakt 8 Stunden unterwegs.

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Bundesheer Lages Lizum und Militär-SL

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Kalkwand, 2826 m über der Lizum

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Kalkwand und Lizumer Hütte, 2019 m

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Lager Lizum und Skitourengipfel Torspitze, 2663 m in der Mitte hinten

Fazit des zweiten Tages: das Wetter hat Gott sei Dank gehalten und war viel besser als prognostiziert. Klarere Sichtbedingungen wären für Ausblicke und Photos natürlich toll gewesen, aber die Freude und der Stolz es geschafft zu haben überwiegen, wobei das bei jeder Treppenstufe schmerzende Knie leider auf der negativen Seite zu vermerken ist und wohl dem steten Auf- und Ab und den teilweise großen Schritten und Sprüngen im Blockgelände geschuldet ist. Mal sehen, wie es Morgen geht… Insgesamt eine sehr beeindruckende und zu empfehlende Tour. So nahe an Innsbruck und trotzdem so einsam, und das zur Hochsaison im August! Für Trekking braucht man also nicht unbedingt nach Neuseeland oder Kanada fliegen, 1 ½ Stunden von München aus gibt es das mindestens so eindrucksvoll und erlebnisreich.
Die Lizumer Hütte ist seit unserer Skitourenwoche dort 2005 sehr schön renoviert und auch erweitert worden.

Im Winter sieht es in der Wattener Lizum folgendermaßen aus (Skitourenwoche 2005):
http://www.alpinforum.com/forum/viewtop ... um#p165774
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Re: Tuxer Seven Summits oder von Tulfes bis Tux 25.-27.8.2009

Beitrag von Wiede » 06.09.2009 - 10:45

Emilius3557 hat geschrieben:aber die Freude und der Stolz es geschafft zu haben überwiegen, wobei das bei jeder Treppenstufe schmerzende Knie leider auf der negativen Seite zu vermerken ist und wohl dem steten Auf- und Ab und den teilweise großen Schritten und Sprüngen im Blockgelände geschuldet ist. Mal sehen, wie es Morgen geht… Insgesamt eine sehr beeindruckende und zu empfehlende Tour. So nahe an Innsbruck und trotzdem so einsam, und das zur Hochsaison im August! Für Trekking braucht man also nicht unbedingt nach Neuseeland oder Kanada fliegen, 1 ½ Stunden von München aus gibt es das mindestens so eindrucksvoll und erlebnisreich.
Die Lizumer Hütte ist seit unserer Skitourenwoche dort 2005 sehr schön renoviert und auch erweitert worden.

Im Winter sieht es in der Wattener Lizum folgendermaßen aus (Skitourenwoche 2005):
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Sehr beeindruckende Bilder - ein Dankeschön dafür! :D

Es ist natürlich schade wenn man Schmerzen hat, aber die Ansichten und die Stille die Du geniessen durftest, die haben sicherlich für vieles entschädigt... :wink:

PS: der ESL mit den Portalstützen hat ja absuloten Kult-Faktor :D
Hoffentlich bleibt der auch noch eine Weile (über 2018 hinaus) bestehen...

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Re: Tuxer Seven Summits oder von Tulfes bis Tux 25.-27.8.2009

Beitrag von Emilius3557 » 06.09.2009 - 11:18

3. Tag: Donnerstag, 27.8.2009: Lizumer Hütte – Hintertux

Am vergangenen Nachmittag hatte es kurz getröpfelt, am Abend hatten sich aber alle Wolken verzogen und eine kühle, sternenklare Augustnacht war angebrochen. Trotz der Militär-Infrastruktur ist die Wattener Lizum wie im Winter ein abgeschiedener, ruhiger, weiter Platz mit den wahren Hausherren, den überall grasenden Almviechern.

Nachdem das Knie beim morgendlichen Treppensteigen nichts Gutes verheißt entscheiden wir uns trotzdem gegen eine Aufgabe (Taxi-Transfer nach Wattens zum Bahnhof), ich versuche auf die Zähne zu beißen, denn auf Geier und Reckner sind wir 2005 mit der Skitourengruppe nicht gekommen, zu viel Lawinengefahr.

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Lizumer Hütte, 2019 m, ÖAV Hall

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Lizumer Sonnenspitze, 2831 m und Wegweiser an der Hütte

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Talschluss der Wattener Lizum und den Pluderlingen, 2778 m

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Wegweise an der Lizumer Hütte: Venedig 20 Tage!

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Hänge in Richtung Klammjoch mit dem Militär-SL

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Lizumer Sonnenspitze, 2831 m

Um 8.15 Uhr brechen wir bei wundervollem Wetter auf, verlieren aber beim 850 Hm Anstieg zur Krone der Tuxer Alpen den Wettlauf mit der Quellbewölkung (wie schon 2004 beim Rastkogel). Die erste Stunde zieht der Anstieg zum Geier und Junsjoch sehr angenehm und kontinuierlich flach ansteigend bis in den Talschluss. Keine großen Stufen, gut gehbar für mein Knie.

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Aufstieg in Richtung Junsjoch und Geierspitze, eine sanfte Rampe bis zum Talschluss

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Wattener Lizum und Mölser Berg, 2479 m

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Wattener Lizum mit flachem Talboden

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Aufstieg zur Geierspitze

Danach geht es allerdings unerbittlich steile Schuttfelder nach oben, jeder Schritt schmerzt und wird zur Qual. Auf 2600 m machen wir eine kürzere Essensrast. Die Gegend ist eine trostlose Schuttwüste, der Anstieg zum Geier will nicht enden, bis man die breite Gipfelkuppe dieses merkwürdigen Berges betritt sieht man sie während des Anstiegs nicht.

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Ab hier geht der Aufstieg zum Geier in einen sehr steilen Schuttbereich über

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Wattener Lizum. Vorne die Rampe mit der Aufstiegsroute, hinten Hirzer (li.), Hippold unE Eiskarlspitze

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Ein Eindruck von der trostlosen Geröllhalde beim Aufstieg zum Geier

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Verschiedenfarbige Felsbereiche auf ca. 2650 m unterhalb des Pluderlingsattels. Rechts geht es hinauf in Richtung Geier

Leichter wird es, sobald wir die Höhe des Übergangsjochs ins Tuxer Tal erreicht haben, denn von jetzt sehen wir wieder weit, im Talschluss liefern sich Olperer und Gefrorene Wand Spitzen einen Wettlauf mit Nebelfetzen und Wolken. Jetzt erst sind wir ihnen wirklich nah.

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Erster Blick auf den Tuxer Ferner vom Pluderlingsattel aus

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Gamskar- (rechts) und Gschützspitze (links) vom Geier gesehen, dahinter der Tuxer Ferner

Nach gut 2 ½-¾ Stunden erreichen wir schließlich den 2857 m Geier, den zweithöchsten und zentralen Gipfel der Tuxer Alpen, ohne Kreuz, eine vulkanisch anmutende breite Schuttkuppel. Ohne Knieschmerzen schafft man den Aufstieg aus der Lizum sicherlich schneller.

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Gefrorene Wand von der Geierspitze gesehen

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Kalkwand von der Geierspitze

Schmerzen hin oder her, Mittagsrast hin oder her, wir wollen auf den höchsten Gipfel. Der spitze Serpentin-Felszahn des 2886 m hohen Lizumer Reckners nebelt sich ein und enthüllt sich. Wir steigen die kurzen Schuttserpentinen zum Einstieg hinunter, ca. 40 Höhenmeter mit Kletterei bis Schwierigkeitsgrad II sind zu bewältigen, dazu einige Drahtseilversicherungen. Die Route ist gut markiert und in 15 min bergauf zu bewältigen. Ich bin länger nichts mehr derartiges geklettert, so dass mir in den Schlüsselstellen das Adrenalin schon gut einschießt, dass die Konzentration schärft: immer gut festhalten, sauber gehen, nur nicht loslassen, keinen Fehler machen. Oben ist nicht viel Platz am Kreuz, Wolken wabern umher, von umfassender Aussicht kann nur theoretisch und schemenhaft die Rede sein. Der Tuxer Gletscher zeigt sich visionsartig vor dem Geiergipfel. Am Nachmittag sollen sich laut Vorhersage die Wolken lichten, dann sind wir sowieso nochmals näher. Vorsichtiger Abstieg und Gegenanstieg zum Geier, lange Mittagspause.

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Gipfelplateau der Geierspitze und im Nebel der Lizumer Reckner. Hinten die Lizumer Sonnenspitze

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Gefrorene Wandspitze von der Geierspitze, 2857 m

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Lizumer Reckner, 2886 m, höchster Gipfel der Tuxer Alpen

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Lizumer Reckner, 2886 m vom Einstieg in die Kletterpassagen

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In der drahtseilversicherten Schlüsselstelle zum Lizumer Reckner

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Geierspitze, 2857 m und Gefrorene Wand vom Lizumer Reckner

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Geierspitze, 2857 m und Gefrorene Wand vom Lizumer Reckner im Zoom

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Kalkwand, 2826 m, vom Lizumer Reckner

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Schwarzer Serpentin-Fels an der Schlüsselstelle zum Lizumer Reckner

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Lizumer Reckner, 2886 m von der Geierspitze, 2857 m. Im Hintergrund die 2831 m hohe Lizumer Sonnenspitze

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Kalkwand und Pluderlinge, 2778 m von der Geierspitze. Hinten der Penken und das Lämmerbichl Gebiet (mit Speicherteich-Baustelle?)

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Skigebiet Rastkogel von der Geierspitze

Uns graut es vor den insgesamt 1300 Hm Abstieg nach Hintertux. Wie soll das mit den kaputten Knien gehen? Der Weg vom Geier in Richtung Tuxer-Joch ist sehr viel schöner als der Aufstieg auf ihn: kurzer Abstieg zum Joch, dann eine sakrisch steile Schutthangquerung und man steht oberhalb des sehr blauen hochalpinen Junssees.

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Junssee (höher als 2600 m!)

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Junssee im Zoom

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Pluderling und Junssee

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Sehr steile Hangquerung Pluderling-Junssee

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Weg Geier-Gschützspitzsattel

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Geierspitze, 2857 m von Süden

Unterhalb der 2700er Sägenhorst, Kristallner und Gamskarspitze quert der gute Weg die grasige Hochebene der Toten Böden überragt von der dolomitenartigen Kalkwand (2826 m). Hier will man nicht glauben wie nah das umtriebige Tuxer und gar erst das Zillertal sind: einsam, ruhig, verlassen, öde, karg. Dabei sind einige fiese Steilabstiege nicht zu vermeiden bevor es mäßig und nur zum Schluss sehr steil zum 2657 m hohen Gschützspitzsattel hinaufgeht, dem letzten Joch unserer Tour.

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Pluderlinge und Kalkwand von Süden

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Gamskarspitze, 2750 m von Norden

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Kalkwand, 2826 m von den Toten Böden aus gesehen

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Gschützspitzsattel, 2657 m vom Nordaufstieg aus betrachtet. Unglaublich feiner Schieferplattenschutt hier

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Geierspitze und Tote Böden

Hier steht man nun endlich Auge in Auge der Gefrorenen Wand gegenüber, dem Ortskundigen bieten sich instruktive Einblicke in den Zustand des Gletschers und der Lift- und Pisteninfrastruktur. Für Nichtkundige ein immer noch 6 km² großes Eisfeld überragt von eindrucksvollen 3000ern. Von hier haben wir zwei Möglichkeiten nach Hintertux zum Bus (nicht zum „Gletscherbus“) zu kommen: Querung zur Wandspitze und Abstieg über Kellenspitze und Bichlalm oder ein Direktabstieg den riesigen grasigen Steilhang ins Weitental und am Wasserfall vorbei, die Schwarze Pfanne-Abfahrt querend direkter zur Talstation. Wir entscheiden uns aus Zeitgründen für die zweite Variante. Noch 1-2 Gipfel wären beim immer besser werdenden Wetter und den grandiosen Ausblicken sehr schön gewesen, die Erfahrung mit dem fehlenden Abstiegsweg von gestern Nachmittag hat uns aber geschreckt und ins weglose Steilgelände möchte ich mit dem Fuß derzeit nicht.

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Tuxer Hauptkamm vom Gschützspitzsattel, 2657 m, der lang ersehnte Blick

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TFH vom Gschützspitzsattel aus

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Gefrorene Wand Kees vom Gschützspitzsattel aus

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Gamskarspitze, 2750 m, vom Gschützspitzsattel aus

So machen wir uns an die lange Hangquerung (hier Ausrutschen wäre auch nicht gut, 500 Hm hohe haltlose Grassteilhänge) und steigen Serpentine um Serpentine den guten Wanderweg ab, immer die kühne Hornspitze am Tuxer Joch und den Gletscher in unterschiedlichen Perspektiven vor Augen. Schließlich letzte Rast am Wasserfall und in 45 min hinunter ins Dorf rennen, sehr zum Schaden des Knies, Bus um 2 min verpasst, Apfelschorle an der beliebten Aprèsski-Lokalität (was ist egtl. „Apre´s ski“?) und bloß keinen Meter mehr gehen müssen. Sind also gut 8 ½ Stunden aus der Lizum gegangen, wegen kaputtem Fuß aber kein Maßstab, würde wohl schneller gehen, denn die Route ist kürzer als die gestrige.

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Gschützspitze vom gleichnamigen Sattel

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Hangquerung Gschützspitze in Richtung Abstieg Weitental

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Der Gschützspitzsattel von unten: hier besser nicht ausrutschen

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Olperer und Großer Kaserer mit den Kaserer-SLten

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Hornspitze, 2650 m von Norden. Unten der Fahrweg im Weitental zum Tuxer Joch

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Tuxer Joch im Mittelgrund mit Bergstation 4-KSB und Speicherteich, dahinter Frauenwand, Lärmstange und Kleiner Kaserer

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Oberhalb von ca. 3100 m hat es noch Firnbereiche am Kaserer

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Talstation Gletscherbahnen von oben

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Gefrorene Wand Spitze (3286 m) und TFH-Hang von Norden gesehen

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Gefrorene Wand und Schwarze Pfanne

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Wasserfall im Weitental

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Die Hornspitze vom Weitental. Von hier aus führt der Fahrweg hinauf zum Tuxer Joch

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Gefrorene Wand und Talabfahrt "Schwarze Pfanne"

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Interessanterweise hat man von weiter unten fast bessere Einblicke

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Massive Lawinenverbauung am Schmittenberg

In Hintertux ist doch einiges los an diesem heißen Augusttag, wie üblich nach wenigen Tagen Einsamkeit kommt man sich an solchen intensiv touristisch genutzten Orten erst einmal fehl am Platze vor. Der SeeBär wird von einer Busfahrerin die er nach dem nächsten Bus in Richtung Mayrhofen gefragt erst einmal angeschnauzt „Ja, kannst net auf die Uhr schauen?“ (muss so etwas sein?).

Reibungslose Busfahrt nach Mayrhofen, Zillertalbahn nach Jenbach, Regionalzug nach Rosenheim, RE nach München-Ost (von Hintertux 17.10 Uhr bis München Ost 21.10 Uhr gute vier Stunden). Sehr schön, man sieht v.a. auf der Zugfahrt im Zillertal vieles, was einem auf der Autofahrt so entgeht. Das erste Mal im Sommer im Tuxer Tal, beeindruckend die harte Abend der Bergbauern die in Handarbeit und mit Spezialmaschinen die steilen Hänge bearbeiten. Schön, dass wir nicht mehr Auto fahren müssen, ein idealer Ausklang für diese Tour.

Fazit: wer das Tuxer Tal und Hintertux auf Skitourismus und den Gletscher reduziert greift viel zu kurz. Trotz der intensiven Erschließung sind große Gebiete frei von Infrastruktur und nur dem tüchtigen Bergsteiger offen, bieten dann aber umso mehr: Anstrengung, Ausblicke, Einsamkeit. Gerade in Kombination mit dem Ganzjahresskilauf, den Bahnen als Starthilfe und dem exquisiten Beherbergungsangebot ein attraktives Paket für mehrere Tage Urlaub im späten Frühjahr oder frühen Herbst. Wer wie ich den Tuxer Gletscher sehr gern hat wird den Blick vom Geier oder von der Wandspitze auf ihn ebenso sehr schätzen. Das schmerzende rechte Knie ist leider ein großer Wermutstropfen, v.a. am dritten Tag waren viele Partien mehr Krampf und Kampf als lockeres Umherwandern, es gibt mir schon zu denken, wie der Körper anfängt abzubauen, aber ansonsten hat die Kondition gepasst, denn Muskelkater hatte ich keinen. Also: das nächste Mal bei klarem Herbstwetter und mit ohne Knieschnackler! Au revoir, à bientôt!
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Re: Tuxer Seven Summits oder von Tulfes bis Tux 25.-27.8.2009

Beitrag von k2k » 06.09.2009 - 14:21

Tolle Tour, wohl auch und gerade wegen des Panoramas. Täuscht es, oder verliert das Zuckerhütl auch so langsam seinen Zucker? Vor genau 10 Jahren war ich oben, Anfang August in frischem Pulverschnee. Kann man sich irgendwie angesichts der heutigen sommerlichen Gletscherbilder kaum mehr vorstellen.
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Re: Tuxer Seven Summits oder von Tulfes bis Tux 25.-27.8.2009

Beitrag von kaldini » 06.09.2009 - 15:58

Coole Tour! Aber für mich und mein Rad wohl nix! Wobei wir uns ja nur um 1 Woche verpasst haben!
Das Gefühl, wenn man aus der Ruhe und Stille wieder in den Trubel kommt kenn ich. Ist irgendwie immer komisch.

Hast Du vielleicht ein Bild vom Junsjoch? Und der Weg von der Lizumer Hütte bis zum Abzweig Junsjoch, glaubst Du der ist fahrbar? Hab da gerade ein paar nette Routen entdeckt :-)

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Re: Tuxer Seven Summits oder von Tulfes bis Tux 25.-27.8.2009

Beitrag von billyray » 06.09.2009 - 17:59

Wow, cool.

Ich hab's diesen Sommer endlich auch endlich mal in die Toten Böden geschafft, aber nur für eine Tagestour... daher umso mehr meinen Respekt.

Kleiner Tipp fürs nächste Mal :) : Vom Junssee aus hättet ihr zur Junsalm ("Stoankasern") absteigen können, von da gibt es Gruppentaxis. Aber natürlich wäre euch dann der Gletscherblick vom Gschützspitzsattel vorenthalten geblieben...

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Re: Tuxer Seven Summits oder von Tulfes bis Tux 25.-27.8.2009

Beitrag von starli » 11.09.2009 - 17:24

@Knie: Ich hab in letzter Zeit immer öfters Probleme beim Absteigen, inzwischen reichen schon 200 Höhenmeter und mein rechtes Knie schmerzt bei jedem Schritt - aber wenn's dann wieder bergauf geht, geht's wieder, also wirklich nur Abwärts... ist echt nervig, hab schon etliches probiert - 1 oder 2 Stecken, mit oder ohne orthopädischer Einlage, diverse Schrittvarianten, ...

@Glungezerhütte: Wo schläft man da eigentlich, soweit ich das auf den Bildern seh, ist die nur 1 Stockwerk hoch?
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Re: Tuxer Seven Summits oder von Tulfes bis Tux 25.-27.8.2009

Beitrag von jony » 11.09.2009 - 18:33

Schöner Bericht !!
Solche Knieschmerzen beim Bergab hatte ich mit 55 - 60 Jahren auch. Habe dann eine Tablettenkur mit Dona gemacht und man war wieder ein paar Jahre jünger!!
Man sollte dann wohl einen Arzt konsultieren.
MfG
jony
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Re: Tuxer Seven Summits oder von Tulfes bis Tux 25.-27.8.2009

Beitrag von Emilius3557 » 11.09.2009 - 22:31

Vielen Dank für die vielen positiven Rückmeldungen zum Bericht bislang!

Hier noch zur besseren Nachvollziehbarkeit eine Karte mit dem Gebiet der Tour (zugegebenermaßen etwas älteren Datums wie der Kenner feststellen wird...)

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Topographische Karte Westliche Tuxer Alpen, Maßstab 1:100.000
@Glungezerhütte: Wo schläft man da eigentlich, soweit ich das auf den Bildern seh, ist die nur 1 Stockwerk hoch?
Die Hütte ist recht geschickt in die Mulde gebaut (häufige, starke Stürme). Tatsächlich schläft man im 1. Stockwerk oberhalb des Speiseraums.
Vom Junssee aus hättet ihr zur Junsalm ("Stoankasern") absteigen können, von da gibt es Gruppentaxis.
Ja, vielen Dank, das wusste ich nicht (mit den Taxis). Das Junsjoch als kürzesten Weg ins Tuxer Tal hatte ich mir auf der Karte auch angesehen, nur wollte ich diesmal unbedingt auf Geier und Reckner. Ist ja nochmal gut gegangen...
der Weg von der Lizumer Hütte bis zum Abzweig Junsjoch, glaubst Du der ist fahrbar?
Hmm, mir fehlt es da an Einschätzungsfähigkeit. Wahnsinnig steil ist es nicht, aber doch für ein paar Meter in einem Bach(bett), dann wieder kleinere Felsstufen... Würde sagen eher nein. Vielleicht hilft eine Nachfrage beim Hüttenwirt oder der Sektion Hall, die müssten das besser wissen.
oder verliert das Zuckerhütl auch so langsam seinen Zucker?
Das täuscht wohl leider nicht, wie der Bericht aus dem Stubaital hier zeigt. Ein wirklich sehr schöner, großer Berg.
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