
im Verwall - Blickrichtung Süden ins Fasultal, etwas nördlich der Fasulhütte
Über 2 Monate nach der Tour habe ich nun beschlossen, doch noch einen Bericht zu verfassen. Hüttentourberichte finden sich ja eher spärlich im Forum und ich denke, dass unsere Route ganz interessant war
Anfang des Jahres entstand die Idee, mit einem Freund eine Hüttenwanderung in den Alpen zu machen. Nach längerem Suchen und Überlegen hatten wir uns entschieden, eine Alpenüberquerung zu machen, jedoch nicht auf dem E5, sondern auf einer selbst ausgesuchten Route. Wir wollten keine zu schwierigen Wege, gern auch mal allein unterwegs sein und durch alle 4 Länder in der Gegend. Geplant war:
Tag 1: Anfahrt (per Zug) nach Oberstdorf
Tag 2: Aufstieg von Oberstdorf zur Rappenseehütte
Tag 3: Von der Rappenseehütte über die große Steinscharte und abwärts durch das Hochalptal ins Lechtal, dort bis Steeg und noch hinauf nach Kaisers zum Edelweißhaus
Tag 4: Vom Edelweißhaus durch das Almajurtal zur Erlachalpe und über das Valfagehrjoch zur Ulmer Hütte
Tag 5: Abstieg ins Verwalltal und dort dann hinauf bis zur Konstanzer Hütte
Tag 6: Durchs Fasultal und über das Schafbicheljoch zur Friedrichshafener Hütte
Tag 7: Abwärts nach Valzur, dann durch das Lareintal und über das Ritzenjoch zur Heidelberger Hütte
Tag 8: Über die (?) Forcla Davo Lais und die Fuorcla Champatsch quer durch das Skigebiet nach Scuol
Tag 9: Bis Sur En am Inn entlang, dann hinauf durch das Val d’Uina zur Sesvennahütte
Tag 10: Abstieg nach Mals und Fahrt bis Meran
Tag 11: Heimfahrt (Zug)
Wir haben im Voraus auf allen Hütten reserviert, bei einigen war es im Nachhinein sinnvoll, andere hätten noch Platz genug gehabt.
Los ging es für mich am 22. Juli mit dem Zug nach Freiburg zu meinem Freund. Dank eines Stellwerkausfalls in Höhe Göttingen hatte ich 180 Minuten Verspätung, immerhin bekam ich dann die Hälfte des Fahrpreises wieder.
Am 23.7. fuhren wir dann auf der landschaftlich wunderschönen Strecke von Freiburg via Basel, Friedrichshafen, Lindau und Immenstadt nach Oberstdorf.

Unsere Rucksäcke am Freiburger Hauptbahnhof
Am 24.7. nahmen wir noch den Bus bis Birgsau, und dann ging es los.
Im südlichsten Zipfel Deutschlands ging es erst durch den Wald, an Einödsbach vorbei zur Petersalpe und dann steil durch Gestrüpp am Hang hinauf zur Enzianhütte. Nach kurzer Pause wanderten wir in Begleitung eines Einheimischen, den wir auf der Hütte getroffen hatten, weiter den Hang entlang und zum Schluss erneut ordentlich nach oben, zur Rappenseehütte. Unser Mitwanderer ging dann noch weiter, seine Tagestour führte ihn noch über ca. 3 Gipfel und eine Nachbarhütte wieder zurück nach Oberstdorf...
Wir richteten uns derweil auf der größten Alpenvereinshütte des DAV in einem riesigen Matrazenlager ein.

Vermutlich zwischen Birgsau und Einödsbach

Etwa in Höhe Einödsbach

Hinter dem Weiler geht es kurz steil hinunter, um einen Bach zu überqueren


Auf dem Weg zur Enzianhütte



Die schwierige Querung des großen Allgäuferners


Man sieht, dass ein ganzes Stück der Hang gequert wird - hinten die Enzianhütte

Der nächste Tag, der 25.7., war ein absoluter Traumtag, sowohl vom Wetter als auch von der Route her. Vom Abzweig hinter der großen Steinscharte bis zur Einmündung in den Lechweg, etwa 1100 Höhenmeter tiefer, trafen wir keine einzige Menschenseele und genossen den traumhaften Abstieg durch das wunderschöne Hochalptal, auch wenn es sich am Ende ziemlich zog. Dann ging es ein Stück im Tal weiter richtung Steeg. Spätestens jetzt war ich eigentlich total platt, doch da der Bus nach Kaisers grad weg war und der nächste, letzte, erst 2 Stunden später fuhr, überzeugte mich mein Freund, den Aufstieg über die Straße noch anzugehen. Ich glaube wir haben, mit einigen längeren Pausen und nicht im schnellsten Tempo, etwa 9 Stunden gebraucht.

links Rotgundspitze, rechts Hochgundspitz

Die Hütte war ziemlich voll - aber bis auf uns waren alle auf dem Allgäu-Rundweg unterwegs - ein Großteil lief mit uns bis zur großen Steinscharte, um dann aber weiter zu Wandern richtung Kemptner Hütte

Rappenseekopf, Hochrappenkopf, Kleiner Rappenkopf

Die Rappenseehütte mit dem kleinen Rappensee, im Hintergrund die Schafalpenköpfe?

es geht hinauf

die Scharte kommt näher, die Sonne auch

schöner Schuttkegel

Blick zurück, ein kleiner Teil des großen Rappensees ist zu sehen

Hochgundspitz

Auf der Scharte

Hier sind wir abgebogen

Blick ins Hochalptal, im Hintergrund bereits die Lechtaler Alpen

Eine Herde Gemsen

Da es zunächst nicht so steil abwärts ging, kamen wir schnell voran

Das müsste die Rückseite des Rappenseekopfes sein

Dann kommt dieses Steilstück mit einem tollen Blick hinunter

DIe zerfallene Trudihütte/Hochalpe

im steilen Stück

unter diesem Wasserfall haben wir Pause gemacht und sind ein bisschen herumgeklettert - müsste der unterhalb der Trudihütte sein, falls jemand parallel auf eine Karte schaut

ein ganzes Stück weiter unten

nun kann man ins Lechtal schauen, Steeg liegt direkt hinter der Kurve

Querung des Steinetals, nicht ohne, auch ein Stück weiter oben waren einige Stücke gefährlich am Steilhang lang.

Hübsch hohe Brücke...

...wir sind dann über eine ältere Brücke, über die auch der Lechweg führt, gelaufen

Der junge Lech
Nun folgte der 26.7., der uns einen Wetterumschwung brachte. Im Nachhinein gesehen hätten wir wohl auf der Hütte bleiben sollen, aber da es morgens nur bedeckt und die Sicht sonst ganz gut war, brachen wir auf.
Zwei Bilder aus dem vorderen Almajurtal, ca. 45 Minuten von Kaisers, den restlichen Tag haben wir keine Fotos mehr gemacht:


Etwa nach dem Passieren der Bodenalpe, wo der Fahrweg zur Erlachalpe steiler wird, begann es zu regnen. Nachdem wir dort noch einmal kurz pausiert hatten, begannen wir den Anstieg zum Valfagehrjoch. Dieser erwies sich, insbesondere auch durch die Nässe, als ziemlich heftig. Knapp nach dem Durchsteigen des steilsten Stückes, noch lange vorm Knoppligsee, der eher Klettern denn Wandern war, erreichte uns der immer tiefer sinkende Nebel. Zum Glück gab er immer mal wieder die Sicht frei und wir kämpfen uns am See vorbei durch den Schutt und zum Schluss über mehrere Schneefelder nach oben.
Doch oben, direkt unter dem Vallugalift stehend, nahm uns der Nebel jegliche Orientierung. Wir entschieden uns zum Glück für die richtige Richtung und landeten schließlich nach einem heftigen Abstieg irgendwie an der Ulmer Hütte. Diese Etappe hatte uns über unsere Grenzen gebracht, völlig durchnässt sind wir etwa 9 Stunden nach Aufbruch angekommen.
Aufgrund der beiden hinter uns liegenden Etappen und dem immer noch vorherrschenden Nebel entschieden wir uns für die Talfahrt mit der Galzigbahn, um dann gemütlich von St. Anton zur Konstanzer Hütte zu gelangen. Im Laufe des Mittags klarte es dann schließlich auf, und wir kamen im Sonnenschein auf der Hütte an, die uns von allen am besten gefallen hat.

Na, was haben wir da unterquert?

Verwallstausee

Der Patteriol hüllt sich in Wolken

Branntweinhütte und Konstanzer Hütte kommen in Sicht
Der 28.7. war der zweite Traumtag auf der Tour. Wieder waren wir die gesamte Tour durch das Tal alleine unterwegs. Auf der Friedrichshafener Hütte hatten wir sogar das ganze Matrazenlager auf dem Dachboden für uns.

Rechts Patteriol, links die Bergspitzen um die Kuchen- und Küchlspitze

Ein Stück bergauf

Blick zurück

Beim Kugelten Stein - hier zweigt der Weg zum Wannenjöchli ab (Blick zurück)
Hier ist jetzt chronologisch das Titelbild einzuordnen

Weiter oberhalb der Fasulhütte fliesst der Fasulbach immer abwechselnd durch flacheres Gebiet und solche Minischluchten



Sieht ein bisschen aus wie Rohan in Mittelerde

Fasulferner

Oberes Fasultal

Rückblick

Die Valluga ist aus dem Tal fast immer zu sehen

Schottensee unterm Fasulferner

Vom Schafbichljoch haben wir einen kurze 5-Minuten-Schlenker auf den Vertinespleiskopf genommen, den höchsten Punkt unserer Tour (2706m) - Blick in die Silvretta oberhalb des Paznauns, gut zu erkennen ist das Jamtal, links davon liegt das Lareintal, das vom leicht in Wolken gehüllten Fluchthorn überragt wird.

Friedrichshafener Hütte

Blick vom Schafbichljoch in das Kar unterhalb des Grauen Kopfes
Da laut Plan nun am 29.7. die längste aller Etappen vor uns lag, wir bisher immer länger gebraucht hatten als wir gerechnet hatten und uns außerdem wieder Nebel und Regen am Morgen erwartete, entschieden wir, nicht durch das Lareintal zu wandern, sondern von Valzur den Bus nach Ischgl zu nehmen, die Silvrettabahn bis zur Mittelstation zu fahren und dann durch das Fimbatal bis zur Heidelberger Hütte zu laufen. Der Plan erwies sich als vernünftig, etwa ab der Bodenalpe wurde das Wetter besser.

Auf dem Weg talwärts von der Friedrichshafener Hütte

Kann mir einer mal sagen, welche Funktion dieser Schlepper hat?

Die Bodenalpe kommt in Sicht

Vorbei an der Gampenbahn

Etwa auf halbem Weg zwischen Gampenbahn und Schweizer Grenze

Bergstation Gampenbahn - coole Monsteranlage

Blick ins hintere Fimbatal - die Steinmauer ist die ursprüngliche Weidegrenze zwischen Schweiz und Österreich, glaub ich. Dort, wo die Straße grad ausgeht, kann man in der Mitte einen Parkplatz ausmachen - dort ist die Schweizer Grenze, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.

Wie viel Seiten hat diese Bahn wohl im Infrastruktur-Topic der Silvretta Arena gefüllt...
Am nächsten Tag, dem 30.7., hatte sich das Wetter nicht gebessert, im Gegenteil, wieder Nebel und Regen. Wir entschieden uns wieder gegen die höherliegende Route und nahmen die auch von anderen Wanderern benutzte Route über den Fimbapass richtung Zuort und Ramosch. Nach einer halben Stunde bekam ich mehrmals kurz hintereinander heftig Nasenbluten, was sehr ungewöhnlich für mich ist. Wir entschieden etwa nach 2/3 des Weges zum Pass, umzudrehen und überlegten während einer Pause zurück auf der Heidelberger Hütte Alternativen: Abbrechen? Mit dem Bus via Landeck nach Scuol? Die Wettervorhersage sagte die nächsten Tage Regen für das Unterengadin an. Etwa im Bus nach Landeck waren wir uns dann einig, dass es keine Sinn mehr machte, weiterzufahren/gehen und nahmen spontan den Zug via Zürich und Basel nach Freiburg.
Leider hatten Wetter und meine anscheinend empfindliche Nase zu einem abrupten Tourende geführt, doch im Rückblick war es eine unfassbar geile Tour. Vielleicht beenden wir nächstes Jahr, was wir angefangen haben.
Im Nachhinein muss ich sagen, dass einige Etappen durchaus (über)ambitioniert waren. Dadurch, dass wir von Gebirgsgruppe zu Gebirgsgruppe "gesprungen" sind, waren wir fast immer die einzigen, die die Route genommen haben - das hat uns gut gefallen, da wir durchaus auf der Suche nach Einsamkeit waren (darum auch nicht E5).
Das wars
Ich bin gespannt auf euer Feedback und hoffe, das euch Bilder und Bericht gefallen.