Das Ziel der Reise war irgendwann gleich mal klar: Schweiz. Klar - woanders (außer im "Heimatland" Österreich) lässt sich diesen Winter ja keine wirkliche Skireise unternehmen. Aber geplant, wurde zunächst anders. Da wir schon desöfteren von einer Tour entlang der Achse Chur - Martigny träumten, war das Reisemittel Zug eine sehr verführerische Option. Viele der größeren Skiorte lassen sich zwischen Graubünden und Wallis perfekt mit dem Zug ansteuern. Manche Skiorte wie die Aletsch Arena oder auch Andermatt Sedrun sind so sogar am besten anzusteuern. Allerdings waren die Reisebestimmungen mit dem Zug deutlich ungünstiger als mit dem Auto (Registrierung) und während einer Pandemie bleibt man ja möglichst flexibel. Daher entschieden wir uns dann doch für das Auto. Hier nochmal ein großes Dankeschön an eure zahlreichen Tipps für das Reisen in der Schweiz mit dem Zug. Aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben.
Hier nun die Reiseroute der Grand Tour 2021:
Einmal direkt vom Arlberg durch Graubünden Richtung Zermatt und über Engelberg zurück. Dabei 3x Autoverladung über den Oberalppass und dem Furka-Basistunnel. Eine schöne Reisestrecke - und noch dazu eine wirklich lohnende!
Somit besuchten wir an insgesammt 8 Skitagen 6 größere Skigebiete:
- Skiarena Andermatt Disentis Sedrun
- Andermatt Gemsstock
- Saaß-Fee
- Zermatt (3 Tage)
- Aletsch Arena
- Engelberg
Heute starten wir also mit dem Bericht mit dem Skigebiet Skiarena Disentis Sedrun Andermatt
Generell stand Andermatt schon länger auf unserer Liste. Der Zusammenschluss im Jahr 2018 mit Sedrun und Disentis war nicht der ausschlaggebende Grund. Denoch wollten wir uns diese beiden Orte doch auch mal anschauen, hört man doch aus den bekannten Kreisen nur gutes über die kleineren "Brüder" von Andermatt. Nachdem mein Kollege am Mittwoch Nachmittag in Lech, starteten wir am Donnerstag via Liechtenstein und Chur Richtung Sedrun. Das Auto haben wir dann bei der Verbindungsgondel Cuolm da Vi parkiert. Von dort haben wir uns dann einmal Richtung Disentis und zurück über Sedrun, Zug Richtung Oberalppass und den Skiern weiter bis nach Andermatt und wieder zurück nach Sedrun geschaukelt. Alles in allem ein wunderbarer, ja sogar sensationeller Start in die Grand Tour 2021.
^^ Gewohntes Bild von meinen Skireisevorbereitungen...ich packe meinen Koffer und nehme mit!
^^ Anreise Sedrun. Zu Beginn kommt einen dieser hässliche Bau entgegen. Da gibt es schönere Orte in Graubünden.
^^ Leerer Parkplatz an der Verbindungsbahn Cuolm Da Vi. Sie fährt alle 15 Minuten. Erträglich bei dem Andrang.
^^ Erster Blick über Sedrun Richtung Dieni.
^^ Wir warten gespannt auf unsere erste Liftfahrt von unserem Tripp. Schlichtes Stationdesign. Gefällt mir.
^^ Und es geht hoch auf Cuolm Da Vi auf 2.203m.
^^ Der Blick Richtung Süden mit hohen Bergen, Gletschern und durchaus skibahren Gelände.
^^ Bergstation Cuolm Da Vi. Auch schlicht...gefällt mir aber definitiv besser als eine Station a la Trockener Steeg in Zermatt.
^^ Um überhaupt ins Skigebiet einsteigen zu können, benötigen wir zunächst den Kurventellerlift "Skilift Cuolm da Vi". Die andere Möglichkeit wäre der 3er Sessel Parlet, der ist aber außer Betrieb.
^^ Im Skilift. Iwie geil, so in den Tag zu starten.
^^ Tiefblick ins Tal auf Sedrun und Dieni. Danach beginnt die Bahnstrecke Richtung Oberalppass.
^^ Blick in die andere Richtung, von der wir gekommen sind. Irgendwo da vorne befindet sich das Skigebiet von Obersaxen - habe ich ja im Vorfeld von der Liste gestrichen.
^^ Skilift Cuolm Da Vi mit der gleichnamigen Bergstation der Seilbahn. Dahinter die wunderschönen Bündner Berge.
^^ Und es geht genauso gemütlich weiter. Der Skilift Dadens erschließt eine einsame Geländekammer. Das ist Skifahren! Uns hat es sofort gefallen.
^^ Habe ich bei meiner Recherche im Vorfeld mal gesehen: Der wohl einsamste Arbeitsplatz der Alpen.
^^ Corona-Ski 2021 - allein, allein!
^^ Einzelne Tourengänger ziehen hier ihre Spuren. Muss wohl eine Tourenabfahrt unterhalb vom Oberalpstock ins Val Strem sein?
^^ Angekommen in Caischavedra - der Bergstation der Seilbahn von Disentis auf 1.863m.
^^ Wir machen natürlich die (bereits geschlossene) schwarze Talabfahrt 130 nach Disentis.
^^ Unten erreicht man diesen Wiesenhang mit dem Blick auf Disentis und der Talstation der Luftseilbahn Caischavedra.
^^ Mächtigeres Bauwerk als in Sedrun. Schaut aber aufgrund der Verkleidung doch passend aus.
^^ Und es geht wieder zurück ins Skigebiet.
^^ Weiter geht es mit der Sesselbahn Gendusas.
^^ Liebliche Alblandschaft hier oben mit genügend Schnee.
^^ Sesselbahn Gendusas mit seinen blauen, gemütlichen aber sehr guten Carvingabfahrten. Schöne Hügel hat es da zwischendurch drin.
^^ Seitenblick auf die wagemutige Trasse der geschlossenen 3er Sesselbahn Parlet.
^^ Das beste in dem Teil vom Skigebiet: Die Abfahrten von Lai Aiv zu Caischavedra. Schöne 750 Höhenmeter Pistenspaß.
^^ Hier oben auf Lai Aiv befindet sich auch die Abzweigung zurück Richtung Sedrun.
^^ Traumhafte Kulisse hier in Disentis.
^^ Nochmal der Blick auf die geschlossene Sesselbahn Parlet. Übrigens der einzige Lift, im ganzen Gebiet, der heute zu war.
^^ Es geht Richtung Sedrun Tal - wir nehmen die Route direkt ins Tal.
^^ Da kommt man natürlich an der schönen Seilbahn vorbei.
^^ Verbindungsseilbahn Cuolm Da Vi. 70er Kabinen. Gebaut im Jahr 2019.
^^ Wie oft diese Route ins Tal wohl durchgängig befahrbar ist hängt vor allem an diesem kurzen Engstück oberhalb von Cungieri ab.
^^ Ok, ganz kurz mussten wir auch abschnallen. Aber wirklich nur GANZ kurz.
^^ Hier befinden wir uns schon auf dem Schlusshang oberhalb von Sedrun.
^^ Ende der Abfahrt vor dem ehemaligen (?) Sessellift Richtung Cungieri.
^^ Ski the world! Die Eisenbahn ist zum Glück in der Schweiz allgegenwärtig.
^^ Die letzten Meter geht es zu Fuß Richtung Bahnhof Sedrun. Im Skipass inbegriffen ist die Fahrt zwischen Sedrun und Oberalppass. Wie geil ist das denn?
^^ Erstes (Teil-)Gebiet geschafft. Prost!
^^ Im Zug ist Zermatt bereits allgegenwärtig. Jaaaa - wir kommen ja noch zu dir! Hier lässt sich übrigens auch erkennen, wie gut man diesen Teil der Schweizer Skigebiete mit dem Zug bereisen könnte...
^^ Die Bahnfahrt Richtung Oberalppass war für uns mit das Highlight in der Skiareana.
^^ Überall Spuren auf den Hängen gegenüber der Bahntrasse. Hier zu sehen der Staudamm von "Lai da Curnera".
^^ Und nach 20 Minuten gemütlicher Bahnfahrt steigst du einfach mit deinen Skiern auf 2.044m wieder aus. Die Schweiz ist genial!
^^ Ok, in Österreich wäre hier ein Förderband. Aber wir sind ja zum Glück nicht in Österreich...
^^ Erster Blick auf das Bindglied zwischen Andermatt und Sedrun: Die EUB "Schneehühnerstock" schloss 2018 die Lücke zwischen diesen Gebieten.
^^ Für mich, die beste Bahn im Gebiet, erschließt sie doch einen komplett fahrbahren Hang zwischen 2.500 und 2.000 Metern.
^^ Von jetzt an schaukeln wir uns Richtung Andermatt. "Schaukeln" ist auch das richtige Wort. Die Verbindung zwischen Schneehühnerstock und Gütsch ist für mich ganz eindeutig die Schwachstelle des Gebiets. Hier zu sehen, die 6KSB "Schneehühnerstock-Flyer". Sind wir hier in Flachau?
^^ Angekommen am Gütsch. Viele Skigebiete mit Windanlagen wird es wohl auch nicht geben...
^^ Und da ist es, das erste mal in voller Pracht, das Lebensziel aller Freerider, in voller Größe: Der 2.961m hohe Gemsstock.
^^ Die (durchwegs) blaue Talabfahrt vom Gütsch Richtung Andermatt - kein Wunder. Es ist ja auch eigentlich eine Passstraße...
^^ Andermatt kommt näher - und damit auch das für mich schreckliche Immobilienprojekt rund um den Investor Sawiri. Hier zeigt sich, was passiert, wenn alteingesessene Orte ihre Würde für wenig Geld verkaufen müssen...
^^ Schnell haben wir uns zurück in Richtung Sedrun geschaukelt. Eine einzige extra Abfahrt haben wir am Schneehühnerstock-Flyer eingelegt. Alles andere sind (leider) nur Ziehwege von A nach B. Die Verbindungspiste zum Oberalppass 30 ist schon den ganzen Winter geschlossen. Wir fahren abseits über die Hänge zum Hochgebirgspass. Dieses Gelände muss bei richtigen Temperaturen und Neuschnee ein Spielplatz sein!!
^^ Blick zurück auf die Hänge unterhalb vom Schneehühnerstock. Man kann wählen zwischen richtig steil und gemütlich. Genial!
^^ Der 2.044m hoch gelegene Oberalppass mit dem dazu gehörigen Restaurant "Piz Calmot". Was mag hier im Sommer los sein?
^^ Piz Calmot mit Take Away im Winter 2021. Gemütlicher geht es wohl kaum!
^^ Gegen 14:45 machen wir uns endgültig auf den Rückweg Richtung Auto in Sedrun. Der Oberalp-Flyer erinnert vom Namen her an Flachau - ist aber als Bartholet Anlage eine schöne Anlage.
^^ Oberalp-Flyer mit dem Gelände rund um den Oberalppass.
^^ Hier sitzen wir bereits im "Cuolm Val Flyer". Der Name stammt sicher aus der Zeit des Zusammenschluss. Früher hatte die Bahn sicher einen würdigeren Namen. Generell ist diese Ecke aber sicher die Schwachstelle im Gebiet, wenn denn überhaupt mal viel los ist?
^^ Bergstation am Cuolm Val auf 2.215m. Mir macht die fixgeklemmte Verbindungsbahn nichts aus. Iwie passt es auch hierher. Schließlich wechselt man somit wieder in das ruhigere, beschaulichere Sedrun.
^^ Und wieder streift der Blick über die (befahrenen) Hänge auf der gegenüberliegende Talseite.
^^ Allein, allein geht es über die Carving-Autobahnen Richtung Dieni.
^^ Die Talabfahrten hier sind ein Traum. Ok, wir sind ganz alleine, aber trotzdem. Bei dem Gefälle, kann es nur gemütlich sein!
^^ Schließlich erreichen wir (eigentlich pünktlich) den Bahnsteig in Dieni. Allerdings hat man uns Deutschen als Kind das Zugfahren nicht beigebracht. Von daher standen wir dummerweise am falschen Bahngleis...
^^ Also fuhr der Zug an uns vorbei. Zum Glück ist der Sessellift nicht weit vom Bahnsteig entfernt, so dass wir als Zugabe nochmal die Talabfahrt entlang der Milez-Bahn machen durften.
^^ Jetzt aber! Zurück in Sedrun. Nach kurzem Fußmarsch holten wir das Auto oben an der Seilbahn um uns anschließend dem Apres Ski zu widmen.
^^ Apres Ski Corona-Style. Geht`s noch entspannter?
^^ Schließlich kommt der Autozug über den Oberalppass. Es passen eigentlich nicht mehr als 10 Fahrzeuge drauf und er fährt nur mehr 3x am Tag. Die Schafferin im Zug sagte uns, dass es wohl die letzte Saison sein. Das wäre extrem schade!
^^ Gegen 18 Uhr überqueren wir samt Auto im Zug den Oberalppass erneut. Es herrscht eine einzigartige Stimmung.
^^ Erneut erblicken wir den Gemsstock. Er wird uns am darauffolgenden Tag nicht enttäuschen!
^^ Vorbei am Nätschen geht es Richtung Andermatt.
^^ Angekommen in Andermatt. Diese Art der (Auto-) Reise ist sensationell. So schön entspannt gelangt man in ein anderes Alpental.
^^ Unsere erste Unterkunft der Tour ist erreicht: Das Hotel "Skiklub". Liegt perfekt in der Nähe der Gemsstockbahn und dürfte dem Namen gerecht werden.
^^ Glücklicherweise durften wir hier als Hotelgäste sogar essen. Ich kann mir vorstellen, dass das Restaurant in normalen Saison knackevoll ist.
^^ Zur Feier des Tages gleich mal ein Cordon Bleu. Ausgezeichnet.
Fazit:
Alles in allem konnten uns die beiden kleineren Brüder von Andermatt absolut überzeugen. Ich versuche das Ganze mal mit Bulletpoints zusammenzufassen:
- Ein sehr weitläufiges, landschaftlich attraktives Gebiet oberhalb der Baumgrenze
- Die Verbindung via Skizug ist genial. Eine für mich einzigartige Art, zwischen zwei Skigebieten zu wechseln.
- Bettenkapazität in den Orten dürfte deutlich geringer sein als die Liftkapazität in den Gebieten Sedrun und Disentis
- verschlafene Ecken im Bereich Cuolm da Vi
- Höhenmetermäßig lange Abfahrten in Disentis
- Zug Richtung Oberalppass ist landschaftlich einmalig
- Ecke Schneehühnerstock dürfte mit die beste Neuerschließung in den Alpen der letzten Jahre sein.
Minus: - Die Verbindung zwischen Schneehühnerstock und Gütsch ist wirklich nur eine Verbindung.
- Talabfahrt nach Andermatt ist wirklich mehr als blau - ok - es gäbe noch eine direkte Variante aber die dürfte auch selten gut gehen.
- Die Orte Sedrun und Disentis hätten mehr Flair verdient
Weiter geht es am Tag darauf mit dem Gemsstock. Es war kein Powderday, aber ein grenzgenialer Tag. Und eigentlich, wenn wir ehrlich sind, mit einer der besten der Saison 2020/2021!