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Jura bis Vogesen I: Toboroule 8.8.14

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Jura bis Vogesen I: Toboroule 8.8.14

Beitrag von flyer » 16.09.2014 - 08:35

Am 8.8. machten Julian und ich uns auf kleine Rodelbahntour vom Jura durch die Vogesen.

Nach 420km Anfahrt lag das erste Ziel im schweizer Jura: Die Schienenrodelbahn Toboroule bei Porrentruy.
Genau pünktlich zu Öffnung kamen wir dort an und waren offenbar die ersten Fahrgäste. Bezahlt werden kann problemlos auch in Euro und dann kann´s losgehen…
Die Station liegt oben auf dem Berg, nahe der Passhöhe Montvoi (und in Sichtweite zur französischen Grenze):
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So sehen die Bobs aus:
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Die Schiene besteht aus einem U-Profil aus Alu, auf dem die Bobs zwangsgeführt fahren.

Beginn der Strecke (wer genau hinschaut, sieht dass der Wagen mit Metallbügeln beladen ist. Wofür die gut sind, wird sich nachher herausstellen):
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Der Anfang der Strecke führt zunächst parallel zur Straße und in den Wald hinein:
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Dort schließen sich ein paar Kurven an.
Kurz darauf folgt dann der erste Jump. Wegen der noch recht mäßigen Geschwindigkeit ist der aber harmlos. Es folgt etwas weitere Strecke und eine Wende:
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und dort kommt bereits der zweite Jump, der ein wenig größer ist:
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Der macht schon Spaß und danach zuckt man doch schon zur Bremse. Denn die Bobs haben offenbar keine Fliehkraftbremsen. Das gemeinsam mit dem nicht vorhandenen Banking der Kurven führt doch zu gewaltigen Fliehkräften. Apropos Kurven und Fliehkräfte: In den Kurven kippeln die Bobs ein wenig nach außen und schleifen dann irgendwo an der Schiene, was zu etwas unausgewogenem Fahrverhalten führt. Außerdem ist das Alu der Schiene recht weich, so dass diese (während der Fahrt merklich) sich verbiegt und sich zusätzlich nach außen verwindet. In diese Konstruktion Vertrauen zu finden mit Vollspeed zu fahren ist gar nicht so einfach…
Dabei war die Strecke bis hier hin doch noch fast „normal“ Das brutalste folgt jetzt erst: Ein riesiger Jump hinunter in einen Folientunnel:
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Wir haben den natürlich recht flott angefahren, allerdings wie bereits erwähnt, schon nicht mehr ungebremst. Und dort wird einem der Bob unterm Hintern regelrecht weggerissen, heftigste Airtime also. Und man hängt 2-3m lang komplett im Hüftgurt. Ich hatte den glücklicherweise recht eng gezogen, so dass ich nicht besonders weit von der Sitzfläche abheben konnte. Julians Gurt war ein wenig lockerer, so dass sein Einschlag auf dem Bob im Tal wohl ungleich heftiger war… Seine Wirbelsäule hat sich gefreut…
Gut, dass sich das Mikrofon der Kamera vorne befindet und die Fahr- und Windgeräusche recht laut sind. Da hört man meinen Aufschrei nicht auf dem Video ;)

Weiter führt die Strecke flott durch den Wald und über einen Teich:
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Einige Kurven später ist dann die Talstation erreicht:
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Dort sitzt ein Mitarbeiter, der dann bei jedem ankommenden Bob einen Bügel in den Bremshebel einhängt, der so die Bremsen blockiert, damit niemand auf die Idee kommt, im Lift zu bremsen:
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Der Lift ist dann auch direkt die nächste Kuriosität dieser Bahn: Denn hier wird ein Kleinschlepplift verwendet. Dessen Seil läuft in einem Kunststoffrohr neben der Schiene:
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Am Seil sind kleine Bügel befestigt:
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Und hinten an den Bobs eine entsprechende Auflagefläche:
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Beginn des Lifts:
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Im richtigen Moment, wenn gerade ein Bügel kommt, schiebt einen der Mitarbeiter in den Lift. Der Bügel ragt durch den Schlitz aus dem Kunststoffrohr hinaus und schiebt dann den Bob bergauf:
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Falls das mal schief geht, gibt es auch Rücklaufsperren:
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Lift im Zoom ;)
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Gleich st wieder die Bergstation erreicht:
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Der Kleinschlepplift mit Elektroantrieb:
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Die Reibräder neben der Schiene bremsen die Bobs ein wenig ab, so dass man dann absteigen kann:
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Hier gibt es die ganze Fahrt im Video:
https://www.youtube.com/watch?v=R96pZUzCsAM

Lutig ist auch, wie auf dieser Bahn Kinder mitgenommen werden: Diese sitzen in einem Bob hinter dem Erwachsenen und deren Bremshebel wird mit einer Stange mit dem vorderen Bob verbunden:
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Etwas Ähnliches habe ich aber auch schon mal bei einer Brandauer-Bahn gesehen.

Bis vor wenigen Jahren gab es nebenan auch noch einen Skilift. Bzw. den Lift gibt es immer noch, aber er wird nicht mehr betrieben. Außerdem gibt es noch eine bewirtete Hütte.
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Die Toboroule sollte man unbedingt mal ausprobieren, wenn man irgendwie in der Nähe ist. Die Bahn ist ein absolutes Unikat (und Gebastel), das man gesehen haben muss. Vom Fahrkomfort kommt sie zwar an die modernen Schienenbahnen nicht heran, aber insbesondere der dritte Jump ist unerreicht…
Wer der Hersteller der Bahn ist, weiß ich leider immer noch nicht. Es hat aber noch mindestens zwei sehr ähnliche Bahnen gegeben: Eine fast baugleiche Rodelbahn auf der Turracher Höhe mit einem Sessellift zum Bergauftransport, und der Bobrun auf dem Heimwehfluh in Interlaken. Dort gab es meines Wissens aber keine Bremsen, so dass die Bahn eher Achterbahnartig mit drei Kettenliften betrieben wurde. Die Toboroule ist aber die einzige dieser Anlagen, die noch in Betrieb ist.
Diese Bahn soll übrigens ursprünglich in Torgon gestanden haben. Das müsste so um 1980 herum gewesen sein. Damals gab es dort dann eine riesige Pleitewelle (man hatte sich mit dem Resort und den ganzen Imobilien usw. wohl massiv übernommen), so dass die Rodelbahn (allerdings ohne den dort dafür genutzten Skilift) verscherbelt wurde. Die Einzelteile kamen dann nach Porrentruy, wo die Bahn als Toboroul mit dem selbstgebastelten Lift wieder aufgebaut wurde.

Nach 2 bzw. 3 Fahrten auf dieser irren Bahn machten wir uns anschließend wieder auf den Weg zurück nach Frankreich…
http://www.soroda.de
Die Sommerrodelbahn-Datenbank


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Re: Jura bis Vogesen I: Toboroule 8.8.14

Beitrag von salvi11 » 22.09.2014 - 21:59

Geniale Bahn, da muss ich unbedingt auch mal hin. Eindeutig, schon nur wegen dem Skilift, bevor er abgetragen wird. Die Bahn hat ja sogar eine Website http://www.toboroule.ch/

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Re: Jura bis Vogesen I: Toboroule 8.8.14

Beitrag von Laura79 » 02.10.2014 - 13:11

tolle bilder!

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