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Patagonienreise 22.11.-16.12.19

Dieses Jahr fällt meine alljährliche Graubünden-Tirol-Tour zu Gunsten einer Patagonienreise aus. Nachdem einige AF-Mitglieder fragten, ob ich darüber auch einen Bericht schreibe, will ich diesem Wunsch gerne nachkommen, auch wenn das Alpinforum hierfür eigentlich falsch benannt ist. Es müsste ja Andinforum heissen. :wink:

22.-23.11.19: Zürich - Santiago de Chile
Endlich geht es um 22.40 Uhr los auf die seit fast einem Jahr geplante, lange Reise. Mit SWISS fliegen wir von Zürich nach Sao Paulo und mit LATAM weiter nach Santiago de Chile. Für die Flugplanänderung, die uns zu einer Nacht im Flughafenhotel in Santiago zwingt, sind wir durchaus dankbar. Unser Reiseprogramm ändert dadurch kaum. Statt dass wir spätabends noch nach Punta Arenas fliegen, kommen wir frühmorgens dort an. Und dasselbe wird dann auch auf der Rückreise so sein.
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Die vier Stunden Pause auf dem Flughafen Guarulhos in Sao Paulo sind insbesondere für meinen Lebenspartner Andy, einem aktiven Planespotter, durch einen perfekten Wartebereich mit unmittelbarer Sicht auf die beiden Pisten kurzweilig.
Der anschliessende Alpenflug, äh Andenflug ist wunderschön und wir staunen, wie tief unsere A-320 da im Anflug auf SCL drüber fliegt.
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Das Flughafenhotel liegt nur wenige Schritte vis a vis des Terminals. Wirklich perfekt. Es ist komfortabel, hat sogar ein Hallenbad und wir konnten doch tatsächlich noch auf der Terrasse in Badehosen die Sonne geniessen, was auf dieser Reise vermutlich einmalig bleiben wird.
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8.12.19: Pingüneria Cabo Vírgenes
Dass wir zwei Nächte im hässlichen Rio Gallegos verbringen, hat einzig und alleine damit zu tun, dass der Besuch der Magellan-Pinguin-Kolonie bei Cabo Vírgenes sehr zeitintensiv ist. Die 110km lange Fahrt über eine schlechte Schotterpiste verschlingt drum locker 2 1/2 Stunden pro Weg. Aber es hat sich alleweil gelohnt. Schaut selber!
Es sind tausende Pinguine in dieser Kolonie. Pinguine sind paarweise unterwegs (es gibt auch schwule!). Der/die eine holt Nahrung im Wasser und macht sich dann auf den doch mit bis zu 600m recht langen Heimweg zum Nest. Die zwei nachfolgenden Filme (das heutige WLAN ist ausnahmsweise sehr gut) zeigen die „Hauptverkehrsachse“. Wenn man auf dem für Besucher offiziellen Wanderweg die Pinguinweg kreuzt, sprich näher als 5-10m herankommt, kommt der Pinguinstrom kurz zum Erliegen und es entsteht ein Stau auf beiden Seiten.
Andy hat seine Kamera mit Fernauslösung mitten in den Weg gelegt. Anfänglich machen alle einen grossen Bogen drum. Dann hat sich aber offenbar „rumgesprochen“, dass das schwarze Teil harmlos ist, sodass sie wieder auf gewohntem Weg marschieren, wenn auch nie ganz zur Kamera hin. Die letzten vier Bilder stammen aus diesem Versuch.
Wir geniessen das Treiben für über zwei Stunden und treffen nur auf einen einzigen anderen Besucher. Und das Picknick verzehren wir ebenfalls direkt an der Hauptverkehrsachse.
Ein weiterer eindrücklicher Tag!

Zeitraffervideo:
https://vimeo.com/378153864?utm_source=email&utm_medium=vimeo-cliptranscode-201504&utm_campaign=29220

Echtzeitvideo:
https://vimeo.com/378154452?utm_source=email&utm_medium=vimeo-cliptranscode-201504&utm_campaign=29220

Beim Nest:
https://vimeo.com/378155785?utm_source=email&utm_medium=vimeo-cliptranscode-201504&utm_campaign=29220

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9.12.19: Rio Gallegos - Rio Grande (Feuerland)
Der heutige Tag ist ein Reisetag, der insofern etwas verlängert wird, als dass wir zwei Mal die Grenze und die Magellanstrasse per Fähre passieren müssen. Chile hat sich bei den komischen Grenzverhandlungen 1881 die Magellanstrasse komplett unter die Nägel gerissen, sodass man auf dem Landwege von Rio Gallegos (Argentinien) nicht nach Feuerland (auch Argentinien) kommt, ohne für knapp 215km plus eine Fährüberfahrt oder anders gesagt für etwas weniger als fünf Stunden nach Chile einreisen zu müssen. Und dass dies ja nicht ganz unkompliziert ist, wissen wir ja bereits...
Kurz vor der chilenischen Grenze besuchen wir aber noch den Lago Azul, einen Kratersee eines ehemaligen Vulkans. Es ist extrem windig, auch im Krater drin.
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Nur 10min nach dem Lago Azul kommen wir an den Grenzposten. Pflichtbewusst wie wir sind, steigen wir aus und wundern uns, dass er nur auf der Fahrspur nach Argentinien einen Eingang zu den Grenzschaltern hat. Den ersten Beamten fragen wir darum, ob wir hier für Richtung Chile richtig seien, was er verneinte. Dafür müssten wir noch einige hundert Meter weiter. Dort staunen wir, dass (die immer noch eher verstrittenen) Argentinier und Chilenen unter dem gleichen Dach, ja fast Schulter an Schuler abarbeiten. Und dass es jetzt 5 statt der uns bekannten 4 Schalter sind. Aber alles läuft flüssig und in 15min sind wir und unser Auto abgestempelt. Auch die anschliessende Durchsuchung des Autos vor der Barriere dauert nicht lang. Die Antwort, dass wir aus „Suiza“ kommen, lässt die Beamtin dann die Suche nach Früchten, Fleisch, Drogen und Waffen sofort abbrechen.
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Rund eine halbe Stunde später erreichen wir den Fährhafen an der Magellanstrasse. Wir staunen über den starken Wind und das entsprechende Anlegemanöver ohne irgendwelche Bauten, die das vereinfachen würden. Quasi einfach am Strand mit einer asphaltierten Fahrspur ins Wasser. Und das bei 60 km/h Seitenwind. Die Fahrt ist dann ebenfalls holprig und lustig, fährt das Schiff doch stetig gegen den Wind und lässt sich einfach nur seitlich ans andere Ufer schieben. Entsprechend dauert die Überfahrt 45 statt 20minuten. Das Video vom Anlegemanöver ist ebenfalls sehenswert. Und dass uns Tonina-Delphine mit ca. 1.70m begleiten, ist ein zusätzliches Erlebnis.

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https://vimeo.com/378416681?utm_source=email&utm_medium=vimeo-cliptranscode-201504&utm_campaign=29220

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Danach folgt die Fahrt auf chilenisch guten Strassen durch die Pampa.

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Mittlerweile haben wir bereits gelernt, dass Zoll nicht gleich Zoll ist, sondern es an jedem Grenzübergang etwas anders läuft. Beim chilenischen San Sebastian reisen wir aus.
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Danach geht es 14km zum argentinischen San Sebastian. Der effektive Landeswechsel ca. in der Mitte des Niemandslandes ist unübersehbar: der Asphalt hört auf. Generell erscheint uns Chile deutlich weiter entwickelt und näher an europäischen Standards als Argentinien. Dort erwartet uns eine lange Kolonne, doch werden wir der Busreisegruppe dankenswerterweise von einem Wachmann vorgezogen, sodass wir die zwei Schalter in lediglich 15min absolviert haben. Back in Argentina!
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Die Weiterfahrt nach Rio Grande, das viel hübscher ist als Rio Gallegos, ist unspektakulär. Überraschenderweise steht bei der Stadteinfahrt auch erstmals in Argentinien keine Polizeikontrolle, sondern nur ein ausgedienter Kampfjet der argentinischen Luftwaffe.
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Insgesamt sind wir für die 380km hierher rund 7 1/2 Stunden unterwegs, wobei für die Pause am Lago Azul rund 45 Minuten abzuziehen ist. Und wir bedauern nicht, dass wir die noch fehlenden 2:45 nach Ushuaia nicht auch noch angehängt haben. Zumal das 4*-Hotel & Casino Status hier - das wohl beste Hotel in der Stadt - mit gerade mal CHF 34.-/Person inkl. Frühstück ein absolutes Schnäppchen ist. Manch österreichisches Hotel würde ob diesem Pool neidisch werden.
Einmal mehr sind die Preise an dieser Ostküste fast nicht zu glauben. Das Corona, das wir uns aus der Minibar „leisten“, kostet gerade mal CHF 1.30!
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TripAdvisor rät uns, nicht im Hotel zu essen, sondern beim Italiener Don Peppone gleich um die Ecke. Nach den vielen Steaks undargentinischen Eintöpfen ist doch mal eine Pizza und ein Caprese-Salat auch nicht falsch.
Leider hat das Casino hier keine Tischspiele, nur Automaten, was uns nicht wirklich interessiert.
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Betreffend Englisch: Sowohl in Rio Gallegos, als auch hier ist Englisch inexistent. Auch an Receptionen und in Restaurants, niemand spricht mehr Englisch. Wir schlagen uns aber tapfer durch. Meisten klappt es mit italienischen Wörtern „verspanisiert“. Sie korrigieren das dann gerne. Und verstehen geht auch immer besser.

Edit: Bilder sind korrigiert. Das Forum hat sich da sehr eigenwillig verhalten und Bilder mit verschiedenen Namen als gleiche Bilder gepostet. Hat mich fast zur Verzweiflung gebracht, aber jetzt sollte alles stimmen.
 

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ski-chrigel schrieb:
Meisten klappt es mit italienischen Wörtern „verspanisiert“.
Das hatte ich mir bei meinem bisher einzigen Urlaub in Spanien auch gedacht, ob ich nicht einfach italienische / französische Wörter spanisch klingend aussprechen soll (bzw. in Rumänien entsprechend italienische Wörter) ..
 
Danke für den Bericht:) interessant ist wie trocken die Ostküste Patagoniens doch ist.
 
Das kommt vom stetigen Föhneffekt. Schon wenige Kilometer östlich der Anden ist es bereits sehr trocken, weil der Wind stetig von Westen bläst und somit sehr trocken im Lee ankommt.
 
10.12.19: Rio Grande - Ushuaia
Nach vier Tagen ödem Flachland wird die Szenerie wieder interessanter. Zuerst beginnt es mit (teils abgebrannten) Wäldern, dann kommen Berge und Seen (Lago Fagnano, Lago Escondido) dazu. Irgendwie kommt uns dabei immer wieder Kanada in den Sinn. Auch noch ein Land, das wir mal bereisen möchten. Dann schlängelt sich die Strasse den Bergen entlang zum Passo Garibaldi hoch. Kurz danach erreichen wir das Skigebiet Cerro Castor. Das erste Skigebiet, das wir auf unserer Reise in direkt beim Grenzübergang Rio Turbio angetroffen hatten, habe ich vor lauter Zoll-Stress damals vergessen zu fotografieren. Dies soll mir heute nicht passieren. Ich setzt mich schon mal auf den lahmen Poma-Sessel und warte auf den Saisonbeginn :-)

Kurz danach erreichen wir unser südlichstes Ziel. Schon vor vielen Jahren fasste ich den Vorsatz, dass wenn ich mal nach Ushuaia reise, dann sicher auch in die Antarktis fahre... doch leider kam es anders. Etwas wehmütig schaue ich die Expeditionsschiffe im Hafen an. Nach dem Check-In im Hotel, ein paar Schritten am sehr windigen Ufer (das METAR des Flugplatzes meldet ca. 60 km/h) und einem feinen Stück Fleisch in einem Restaurant geht es auf eine 2 1/2 stündige Rundfahrt auf dem Beagle-Kanal, wo wir Kormorane, Seelöwen und allerlei Vögel sehen und wunderschöne Blicke auf Ushuaia haben.

Unser (auch hier recht günstiges) 5*-Hotel am Hang oberhalb der Stadt überzeugt, auch wenn die Zimmer etwas altmodisch und abgewohnt sind. Und die Wellnessanlage ist die erste, die mit Saunas und Whirlpools überzeugt. Das Abendessen ist sehr exklusiv mit Blick auf den Beagle-Kanal. Beim Wein könnte man meinen, dass er von hier wäre... besser nicht, heute war mit 12° ein für Ushuaia heisser Tag ;-)
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PS: Einmal mehr hat die nervige Mobilseite de AF die Bilder einfach wild durcheinander gemischt und ich musste wieder mühselig und zeitaufwändig sortieren. Irgendwann verleidet es mir...
 
11.12.19: Tren del Fin del Mondo & Tierra del Fuego Nationalpark
Die 600mm breite Spur des ehemaligen Gefangenenzuges ist heute ein Touristenbähnli durch den Nationalpark, das wir natürlich nicht auslassen möchten. Anschliessend erkunden wir den Park, der ausser Wäldern, Seen und Meer nicht allzu viel zu bieten hat, per Auto und zu Fuss.
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Hier noch einige Videos vom heutigen Tag:

Auf der Strecke unterwegs:
https://vimeo.com/378876597?utm_source=email&utm_medium=vimeo-cliptranscode-201504&utm_campaign=29220

Rangierarbeiten am Ende der Strecke:
https://vimeo.com/378876905?utm_source=email&utm_medium=vimeo-cliptranscode-201504&utm_campaign=29220

Vorbeifahrt eines anderen Zuges:
https://vimeo.com/378877066?utm_source=email&utm_medium=vimeo-cliptranscode-201504&utm_campaign=29220

Übrigens: Wir betrachten es mittlerweile schon fast als selbstverständlich, ist es aber eigentlich gar nicht: Das schöne Wetter! Ushuaia und Patagonien überhaupt sind nicht grad für allzu viele Sonnentage bekannt. Wir treffen sie. Wenn Engel reisen... 8)
 
12.12.19: Ushuaia (ARG) - Lago Blanco (CHL)
Hat uns unser Wetterglück verlassen? Wir stehen um 8 Uhr auf und staunen nicht schlecht, dass es draussen schneit! Doch das dauert zum Glück nicht lange. Schon beim Verlassen Ushuaias bessert es und nach dem Passo Garibaldi kommt schon wieder die Sonne hervor.
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Nach rund 2 1/2 Stunden Fahrt verlassen wir die gute und asphaltierte Strasse No.3, die bis nach Buenos Aires führt, und zweigen auf die Piste B ab, die uns nun für über 100km durch die Pampa führt. Nach 70km kommen wir zum Grenzübergang in the middle of nowhere. Beim argentinischen Zollhaus kommt uns der Immigrationsbeamte entgegen und führt uns zum Zollgebäude. Vorher aber muss er noch seinen Kollegen vom Zoll aus seinem Haus holen, der offenbar grad beim Mittagsschlaf ist. Wir staunen nicht schlecht, als wir ersterem beim Fotografieren unserer Pässe mit seinem Samsung-Handy helfen müssen. Pässe halten und mithelfen, dass das Bild beim dritten Versuch mal endlich scharf wird :-)))). Englisch ist natürlich fehl am Platz, aber das klappt auch so. Mittlerweile ist der Zöllner auch eingetroffen und hat an seinem computerlosen Arbeitsplatz Platz genommen. In einem grossen Buch schreibt er unsere Daten ein. Wenn ich richtig geschaut habe, sind wir die ersten Grenzübertreter heute. Kein Wunder, muss der alte Mann, der wohl Bauer hier ist und im Nebenamt Zollabfertigungen macht, erst mal auf Touren kommen, bis die Stempel auf unserem Auto-Zollpapier prangen. Die Szene ist unbeschreiblich. Sowas muss man erlebt haben! Wenn man dürfte, hätte ich das gefilmt.
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Anschliessend sind wir sehr froh, hat der argentinische Staat vor kurzem eine Brücke über den Grenzfluss gebaut hat. In den Reiseberichten, die wir während der Vorbereitung gelesen haben, stand drum, dass eine Zusatzaufgabe des Zöllners sei, einem zu empfehlen, wo man den unmittelbar hinter dem Zollhaus fliessenden Fluss durchfahren soll. Sooo wirklich grosses Vertrauen hätten wir in unseren Nissan XTrail dann doch nicht gehabt.
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Bei den Chilenen rund ein Kilometer nach der Brücke braucht es sogar drei Leute, den Immigrationsbeamten, den Zöllner und den Kontrolleur vom Landwirtschaftsministerium, der schaut, dass man keine frischen Lebensmittel einführt (wie wir erst im Nachhinein erfahren, hätten wir auch unsere Schokoriegel deklarieren müssen...). Die drei haben wir offensichtlich beim Mittagessen gestört und müssen zuerst mal warten, bis sie ins Büro kommen. Dieses verfügt aber sogar über einen Computer. Muss es auch, ist es doch in Chile Pflicht, immer das ausgedruckte PDI (so ein Einreisezettelchen auf Thermodruckpapier - das hier verwendete Papier ist schon stark vergilbt, vermutlich benötigt man an diesem Grenzübergang nur alle paar Jahre mal eine neue Rolle) mitzuführen und in jedem Hotel vorzuweisen. Dann nämlich muss man als Ausländer auch keine Mehrwertsteuer bezahlen, immerhin 19%. Die Durchsuchung des Autos geht rasch von statten - wir befürchteten schon, dass dies länger dauern könnte, wenn sie sonst schon nichts zu tun haben - sodass wir nach rund einer halben Stunde in Chile eingereist sind.
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Die restlichen 30km zur ebenfalls im völligen Nirgendwo liegenden Hosteria Las Lengas sind schnell bewältigt. Eine etwas einfache, aber teure und nicht ganz saubere Unterkunft, jedoch herzig und freundlich. Mein Spanisch wird immer besser und es ist alles kein Problem. Zudem wir sind die einzigen Gäste.
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Die anschliessende Wanderung am menschenleeren Lago Blanco ist wunderbar. Und dass wir ein windgeschütztes, selbstverständlich einsames Plätzchen zum Sünnelen etc. finden, ist das Sahnehäubchen oben drauf... ;-)
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Ein weiterer wunderbarer Tag geht zu Ende. Die Stimmung ist unbeschreiblich schön. Sonnenuntergang ist erst gegen 21.45 Uhr!
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Noch ein kleiner Nachtrag: Am 30.11. fragten wir uns, ob Saunas in diesen beiden Ländern nackt oder mit Badehose benützt werden. Gestern erhielten wir die Antwort auf die direkte Frage an die Wellnessmitarbeiterin mit fürchterlichem Entsetzen: Unbedingt MIT Badehose. Was für eine Frage. Es ist ja schliesslich eine gemischte Sauna!!! Ich musste mich für diese obszöne Frage geradezu entschuldigen und war froh, dass die gute Frau nicht grad in Ohnmacht fiel. :-)

PS: Die mobile Seite macht wieder mal, was sie will. Mir zeigt es Bilder mit verschiedenen Dateinamen doppelt an. Hoffe bei Euch nicht. Ansonsten werde ich das dann zu Hause korrigieren.
 
13.12.19: Lago Blanco - Punta Arenas
Es gibt sie also doch, die Regentage. Macht aber nichts, da heute ausser der Pingüneria Rey nichts anderes als Auto- und Fährefahren anstehen. Google Maps veranschlagt uns 5 1/2 Stunden Fahrt auf den Schotterstrassen nach Porvenir. Um die Fähre Abends sicher zu erreichen, machen wir uns bald nach dem für uns persönlich zubereiteten Frühstück auf den Weg. Der nasse Schotter ist heute sehr rutschig, dennoch geht es mit 60 bis 70 km/h gut voran, sodass wir unser letztes Highlight dieser Reise nach zwei Stunden erreichen: Die Königspinguin-Kolonie bei Onaisin. Sie existiert erst seit wenigen Jahren und ist die einzige am Festland. Alle anderen Königspinguinie, die bis 25 Jahre alt, 15kg schwer und 1.20m gross werden, befinden sich auf den Inseln Richtung Antarktis. Hier an der Bahia Inutil haben sie sich wegen des flachen Wassers niedergelassen. Momentan ist Brutzeit. Im Gegensatz zu den Kaiserpinguinen, die in der Antarktis wohnen, brütet hier nicht nur das Männchen (!) dauerhaft die Eier, sondern wechseln sich Weibchen und Männchen alle sechs bis sieben Tage ab. Die Kolonie ist nicht sehr gross und man kann auch nicht so nahe hingehen, wie bei den anderen Pinguinen, die wir besucht haben. Dass die Besucherplattformen gedeckt sind, kommt uns heute bei diesem Regen entgegen, damit Kamera und das grosse Objektiv nicht nass werden. Aber selbst mit dem iPhone gelingen einige Zoom-Aufnahmen/-filme.
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Mit Andys Nikon haben wir auch einen Zoom-Film gedreht: https://vimeo.com/379425686?utm_source=email&utm_medium=vimeo-cliptranscode-201504&utm_campaign=29220

Nach erfolgtem Besuch stellen wir die Unfähigkeit von Google Maps in dieser Region erneut fest. Wir sind viel zu schnell. Wenn wir wie geplant nach Porvenir fahren würden, müssten wir dort rund fünf Stunden auf die Fähre nach Punta Arenas warten, die nur ein bis zwei Mal täglich fährt. Also beschliessen wir, den 200km asphaltierten Umweg zu machen und mit der gleichen Fähre wie vor einigen Tagen über die Magellanstrasse zu setzen. Einzig die Frage nach dem Benzinvorrat müssen wir noch stellen, denn ohne Nachtanken würde das ziemlich knapp werden. Doch die Dame am Ticketschalter der Pingüneria kann uns, wenn auch nur auf Spanisch, helfen. In Cerro Sombrero stillt unser Nissan, der mittlerweile schon über 4000km mit uns absolviert hat, seinen Durst.
Anders als letztes Mal ist es heute windstill und die Fähre dadurch viel zu schnell am anderen Ufer, sodass sie nicht anlegen kann. Zwei andere Fähren müssen zuerst noch anlegen und entladen. Fährenstau! Zeitverlust ca. 30min. Aber wir haben es ja nicht eilig. Und trotzdem erreichen wir unser Hotel in der Stadt fünf Stunden früher als geplant.
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Kurz nach Verlassen der Fähre kommt die Sonne dann auch schon wieder hervor. So wie es sich für unser dreiwöchiges Wetterglück gehört ;-)
Von unserem Hotel in Punta Arenas haben wir einen schönen Blick auf die Magellanstrasse. Der Kreis unserer Rundreise hat sich also geschlossen. Ein vorgezogenes Fazit ziehen wir bereits heute: Die Reise war super, ausser der Auto-Zollgeschichte hat alles wie geplant geklappt und unser Programm hat sich bewährt. Nirgendwo hatten wir das Gefühl, zu wenig Zeit gehabt zu haben, aber auch nie mussten wir was auslassen, was wir noch gerne gemacht hätten. Wir sind sehr zufrieden!
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Über die Bürokratie in diesen beiden eng miteinander verzahnten Ländern kann man nur kopfschüttelnd staunen:
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14.12.19: Punta Arenas - Santiago de Chile
Die Wartezeit bis zu unserem Abendflug in die chilenische Hauptstadt verbringen wir - wie es sich für einen richtigen Alpinforümler gehört ;-) - mit einer Sesselbahnfahrt! Die doch sehr alte und heruntergekommene Poma-DSB erschliesst das Stadtskigebiet von Punta Arenas. Mit nur einer Bahn (nebst einem kleinen Übungslift) sind zahlreiche Pisten zu erreichen.
Auf der Homepage des Club Andino finde ich keine Angaben zu den Öffnungszeiten, doch Google Maps meint, dass der Lift von November bis Mai täglich ausser am Montag jeweils von 10 bis 18 Uhr in Betrieb sei. Als wir ankommen, läuft gar nichts. Wir fragen mit unseren Brocken Spanisch im Restaurant. Dort nimmt man sich unserem Anliegen an und klärt es ab. Ja, sie nehmen die Bahn in Betrieb, aber nur wenn mindestens vier Personen kommen würden. Da wir sowieso noch zu viele bare Pesos haben, leisten wir uns den Luxus und bezahlen 56‘000.- für eine Retourfahrt für vier Personen.
Schnell sind zwei Mann organisiert, die die Bahn in Betrieb nehmen können. Einer fährt einige Sessel vor uns hoch. Hoffentlich hält die rostige Kiste. Sie fährt erstaunlich zügig. und das Umlenkrad an der Bergstation ist ja mal ein coole Sache! Der Mitarbeiter führt uns dann zum Aussichtspunkt und meint, dass wir in 15min wieder bei der Station sein sollen, wenn wir nicht runterlaufen möchten.
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Drei Zeittaffer-Videos von Berg- und Talfahrt:
https://vimeo.com/379548566?utm_source=email&utm_medium=vimeo-cliptranscode-201504&utm_campaign=29220
https://vimeo.com/379548609?utm_source=email&utm_medium=vimeo-cliptranscode-201504&utm_campaign=29220
https://vimeo.com/379548666?utm_source=email&utm_medium=vimeo-cliptranscode-201504&utm_campaign=29220

Anschliessend fahren wir auf der Routa 9 bis an den südlichsten, mit einem Auto erreichbaren Punkt Kontinentalamerikas. Feuerland ist natürlich noch südlicher, aber ist ja vom Kontinent abgetrennt und nur per Fähre erreichbar.
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Danach ist es Zeit, an den Flughafen zu fahren und unseren Nissan, der die 4500 Kilometer teils unter harten Bedingungen ohne zu Murren absolviert hat, zu retournieren. Bei einer kleinen Diskussion wegen dem fehlerhaften Permiso Argentino erreichen wir unsere Ziel, dass wir dieses USD 248.- abzockerteure Dokument nicht bezahlen müssen. Der damalige Zollbeamte hatte uns ja geraten, da noch zu märten.
Am kleinen Flughäfelchen geht das Check-In und die Security schnell und bald schon besteigen wir unsere LATAM A321 für den Flug nach Santiago de Chile, wo wir wiederum im Flughafenhotel übernachten. Eigentlich wären wir aber lieber mit diesem süssen Pinguin-Flieger geflogen. Aber immerhin sehen wir unterwegs den Lago Pehoé mit unserer Unterkunft, die wir bis heute nicht bezahlt haben (deren Puff ist wohl so gross, dass sie auch vergessen hatten, die Rechnung zu mailen) und weiteren Punkten im Torres del Paine NP, die wir besucht hatten. Und auch den Perito Moreno Gletscher, auf dem wir wanderten, können wir erkennen. Die Erinnerungen an diese tollen Ferien werden uns noch lange erhalten bleiben!
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15.12.19: Santiago de Chile - Sao Paulo (Brasilien) - Transatlantikflug
Nachdem wir gestern Abend (oder besser heute Morgen) im Restaurant bis 1.30 Uhr noch was gegessen hatten, lassen wir das Frühstück heute aus und spazieren frühzeitig die wenigen Schritte vom Hotel zum Terminal. Ich kann mich auch beim zweiten Mal kaum erholen, dass es auf einem grossen Flughafen ein derart nahes Hotel gibt. Das ist sicher weltweit einzigartig.
Dass wir früh dran sind, sollte sich bewähren: Ich hatte es aufgrund des LATAM-Apps schon vermutet: Wir können den Anschlussflug Sao Paulo - Zürich weder im Latam-App, noch im Swiss-App, noch am Computer im Terminal einchecken. Folglich auch keine passende Gepäckettikette ausdrucken. Zu einem Schalter lassen sie einem ja nur mit Boardingkarte. Also Hilfe holen, dann doch an einen Schalter und dort versuchen sie zu dritt (!) das Problem zu lösen. Nach einer halben Stunde hat die eine Mitarbeiterin dann schweissgebadet eine Lösung.
Und schon gestern klappte es nicht ohne Hilfe von PUQ nach SCL, weil der Self-Check-In Computer den Koffer partout nach GRU statt nur nach SCL senden wollte.
Aber jetzt haben wir unser letztes PDI abgegeben und sind einstiegsbereit.
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Lustig, dass die vor Jahren aus LAN (Chile) und TAM (Brasilien) fusionierte LATAM weiterhin drei unterschiedlich beschriftete Flugzeuge betreibt. LAN, TAM und LATAM. Heute haben wir erstmals eine TAM.
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Wow, unser normaler Eco-Platz in der hintersten Reihe 40 der B-767 hat einen speziellen Stuhl mit sehr viel Platz. Fast wie Business. Schade ist das nur für 4 Stunden statt für die anschliessenden 11.
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In Sao Paulo wartet schon ein Stück Heimat auf uns. Nun ist es nicht mehr weit bis nach Hause ;-)
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16.12.19: Ankunft in der Schweiz
40 Minuten zu früh landen wir in Zürich. Die gleichen Plätze 50A+B wie auf dem Hinflug haben sich bewährt, aber mühsam ist es trotzdem.
Nun geht es noch mit dem Zug und Posti nach Hause und dann bleiben nur noch die Erinnerungen an diese tolle Reise.
Vielen Dank allen für‘s Mitlesen und die Feedbacks. Wir freuen uns nun auf baldige Skitage, auch wenn wir offenbar die warmen Temperaturen aus Patagonien hierher mitgebracht haben.
Liebe Grüsse
Andy & Chrigel

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Danke dir für diesen wundervollen Bericht mit wundervollen Bildern!

Ich hoffe, du kannst die ausgefallenen Skitage noch kompensieren ;-)
 
Danke.
Nein, das wird nicht zu kompensieren sein. Aber es hat sich gelohnt.
 
Auch von mir noch mal ein herzliches Dankeschön für den Bericht Deiner Patagonienreise :top:! Hat Lust gemacht, da vielleicht mal selbst hinzufahren. Das beste Bild fand ich ja das vom Grenzübergang Chile - Argentinien, wo alle Stempel irgendwie raufgeklatscht worden sind :lol:...
ski-chrigel schrieb:
Über die Bürokratie in diesen beiden eng miteinander verzahnten Ländern kann man nur kopfschüttelnd staunen:
Anhang anzeigen 141966
 
Danke für die coolen Beiträge, habe mich schon jeden Tag auf den nächsten gefreut.
Chile steht bei mir auch noch auf dem Programm, mein bester Freund ist ja gebürtiger Chilene und hat auch noch Familie dort. Wir sind uns aber noch uneinig ob Sommer oder Winter dorthin ...
 
maba04 schrieb:
Auch von mir noch mal ein herzliches Dankeschön für den Bericht Deiner Patagonienreise :top:! Hat Lust gemacht, da vielleicht mal selbst hinzufahren. Das beste Bild fand ich ja das vom Grenzübergang Chile - Argentinien, wo alle Stempel irgendwie raufgeklatscht worden sind :lol:...
ski-chrigel schrieb:
Über die Bürokratie in diesen beiden eng miteinander verzahnten Ländern kann man nur kopfschüttelnd staunen:
Anhang anzeigen 141966
Auch von meiner Seite ein herzliches Danke schön für die tollen Bilder von dieser beeindruckenden Reise...
Dieses Roadbook hier, wird sicherlich für Euch auch immer wieder eine schöne Erinnerung an diese Tage am anderen Ende der Welt darstellen... :D
und ich kann mir vorstellen, das es sicherlich bei den teilweise schwankenden WIFI Möglichkeiten nicht immer einfach war, dieses so hinzubekommen ... :biggrin:
Wenn man diesen Bürokratismus sieht, dann merkt man erst, wie weit man in Europa inzwischen doch schon gekommen ist...
man stelle sich nur einmal vor, die Grenzgänger zwischen der Schweiz und Deutschland, müssten täglich diesen Aufwand betreiben.... :biggrin:
 
Ja, Grenzgänger zwischen Chile und Argentinien gibt es wohl keine. Aber selbst schon jeder Truck, Arbeiter oder Private, der innerhalb von Argentinien zB. von Rio Gallegos nach Rio Grande oder Ushuaia muss, muss zwei Mal über den Zoll. Mühsamer geht’s fast nicht.
Seit unserer Rückkehr geniessen wir die schnellen WLANs und 4G-Netze. In Patagonien steht zwar auch 4G auf dem Handy, ist aber nicht annähernd so schnell wie bei uns. Und ja, teilweise war das Hochladen der Berichte eine arge Geduldsprobe.
 
Ich bedanke mich auch noch recht herzlich für die schönen Berichte. Ich habe alle gelesen und war sehr interessiert, da ich im Februar 2017 auch für gut 3 Wochen in Patagonien war. Ganz so gut war das Wetter bei mir allerdings nicht - aber es ging. Ich war nicht exakt im selben Gebiet sondern auch teilweise weiter nördlich an der Carretera Austral unterwegs. Ich bin mir sicher Ihr schwelgt noch in herrlichen Erinnerungen.
 
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