Silberbergabfahrt Brandenberg - Fotobericht vom 26. Oktober 2013
Eigentlich könnte ich diesen Post genau so gut unter "Sommerberichte" einstellen, aber dann würde er von diesem sehr speziellen Topic getrennt, darum befindet sich diese Dokumentation mit 46 Fotos hier. Ich bitte um Nachsicht. Interessierte Leser möchte ich auf die oben eingestellte Dokumentation der Deutschen Skimeisterschaft 1968 in Todtnau hinweisen, die ein Foto der Silberbergabfahrt mit eingetragener Trassenführung enthält. -
Am 26. Oktober 2013 nutzte ich den letzten "Sommertag" des Jahres für eine Rundwanderung im Hochschwarzwald. Von der Stollenbachhütte ging es über den Toten Mann und die Zastlerhütte zum Feldberg, weiter zum Seebuck und zur Feldbergpasshöhe. Eigentlich wollte ich von dort über die Grafenmatte zum Herzogenhorn und die ganze Strecke wieder retour laufen. Vom Seebuck aus sah ich jedoch rechts des Herzogenhorns den Silberberg liegen und erinnerte mich an die Diskussion hier. Also wurde umgeplant. Über Grafenmatt sollte es nunmehr auf den Silberberg gehen, gefolgt vom Abstieg über die ehemalige DSV-Rennabfahrt mit ihren 640 Höhenmetern nach Brandenberg und dem Rückweg per Feldbergstieg über Fahler Wasserfall, Todtnauer Hütte und St. Wilhelmer Hütte und schließlich den Toten Mann zurück zur Stollenbachhütte. Auf meiner Kompass-Wanderkarte Südschwarzwald ist ein entsprechender Wanderweg von der Feldbergpasshöhe bzw. der Grafenmatte zum Silberberg eingetragen. Die Karte enthält jedoch zu den meisten der o.g. Etappenziele keine Höhenangaben, sonst wäre ich die Tour wohl kaum gelaufen.
An der Feldbergpasshöhe ist am Beginn des Aufstiegs zur Grafenmatte sogar ein Wanderweg zum Silberberg ausgeschildert, jedoch in die genau falsche Richtung, nämlich nach Osten statt nach Westen (?). Am Leistungszentrum auf Grafenmatt fehlt dann jegliche Ausschilderung zum Silberberg. Also folgte ich den Wiesenpfaden über das sanfte Gelände der Hinterwaldabfahrt (= Hinterwaldweide), bis ich nach einigem Hin und Her meinte, den richtigen Pfad getroffen zu haben. Dieser wand sich noch einige Male um die Vorkuppen des Silberbergs, führte mich aber schließlich doch auf dessen Gipfelkamm.
Den Gipfelkamm des Silberbergs fand ich von länger zurückliegenden Forstarbeiten verwüstet vor. Vergeblich suchte ich zunächst talseitig nach einer Abfahrtsschneise und wollte schon aufgeben, als ein paar Schritte weiter plötzlich das ehemalige Starthäuschen der Silberbergabfahrt zwischen den Bäumen auftauchte. Es wurde wohl zuletzt 1988 genutzt und ist doch - bis auf den fehlenden Boden - noch in gutem Zustand. Das hatte ich nicht erwartet. Vielleicht wurde das Starthäuschen noch kurz vor der Stilllegung der Abfahrt erneuert, das wäre nichts Ungewöhnliches.
Vom Starthäuschen aus führt eine breite Schneise sehr steil in Richtung Brandenberg zu Tal, dies aber nur etwa 150 Meter weit. Dann steht man vor mannshohem, dichtem Jungfichtenwald. Irritiert stieg ich das steile Stück wieder auf, doch ein anderer Starthang war nicht auszumachen. Beim grübelnden Blick auf die Vegetation löste sich aus ihr irgendwann die Silhouette ... eines grau lackierten Fangnetzhalters! Also doch richtig. Noch nicht einmal angerostet war seine Metallstange. Fortgesetztes konzentriertes Betrachten des Starthanges machte weitere Fangnetzhalter und hölzerne Stromkabelmasten ausfindig, denen ich folgte. Sie führten mich erneut in den Jungfichtenwald, der somit als Aufforstungsfläche auf der alten Abfahrtstrasse enttarnt war. Steil ging es zwischen weiteren Fangnetzhaltern und hölzernen Strommasten hinab über die aufgeforstete Trasse der alten Silberbergabfahrt bis zur Verlängerung des Hangweges, der vom Bernauer Kreuz kommt. Hier ist mir die nächste Fortsetzung des Trassenverlaufs nicht ganz klar. Auf der direkten, theoretischen Fortsetzung des Trassenverlaufs stehen Bäume, die älter sind als die o.g. Aufforstungsfläche. Das Vorhandensein von alten, hölzernen Strommasten und einigen Fundamenten von Fangnetzhaltern lässt - wahrscheinlicher - darauf schließen, dass die Rennläufer aus dem Steilhang kommend nach links für ca. 100 m auf den Hangweg abbiegen mussten, bevor die Silberbergabfahrt versetzt weiter zu Tal führte.
Ab der Verlängerung des Hangweg vom Bernauer Kreuz ist die alte Silberbergabfahrt heute nach wie vor eine offizielle Tourenabfahrt. Am Hangweg steht sogar ein entsprechendes Markierungsschild. Die zwischenzeitlich wohl zugewachsene Trasse wurde sichtbar vor nicht allzu langer Zeit ausgeholzt, dies aber nur auf der Hälfte der Breite der alten DSV-Abfahrts-Schneise. Nach wie vor stehen auch auf diesem Teil der Silberbergabfahrt sporadisch Fangnetzhalter und hölzerne Strommasten an der Strecke. Unterhalb des Hangwegs ist die Abfahrt nicht mehr so steil wie im oberen Teil. An manchen Stellen sind am Boden Geländekorrekturen durch Schotteraufschüttung erkennbar. Die Trasse war bei meinem Besuch abschnittsweise mit 70-100 cm hohen, verblühten Wiesenblumen bestanden, die ihre löwenzahnähnlichen Flugsamen verteilten.
Die Silberbergabfahrt passiert in ihrem Verlauf einige steile Hangwegkanten und verlässt oberhalb Brandenbergs schließlich den Wald, um in steiler werdende Wiesenflächen überzugehen, von denen man die Turmspitze der Brandenberger Kapelle erkennt, wo die Abfahrt beschreibungsgemäß endet. Ab dem Waldende fehlen jegliche alte Fangnetzhalter. Auch Fundamente habe ich keine gefunden. Die hölzernen Strommasten ziehen sich am von oben gesehen linken Waldrand entlang, was auf offener Wiesenfläche aber nicht repräsentativ für den Verlauf der Abfahrt ist. Die von oben gesehen linke Wiesenhanghälfte wird erneut sehr steil und endet vor einer Reihe älterer Laubbäume. Hier kann kein Auslauf für die Rennläufer gewesen sein. Also führte die Abfahrt nach Verlassen des Waldes wohl über die von oben gesehen rechte Wiesenhanghälfte, heute eine Pferdeweide. Das hätte auch den Auslauf der Silberbergabfahrt in einer Kurve vor der Brandenberger Kapelle ermöglicht. Der Abgleich der heutigen topografischen Verhältnisse mit dem Trassenbild aus dem Heft der Rennorganisation von 1968 ist nicht eindeutig, weil die Hänge oberhalb Brandenbergs damals weniger bewaldet waren als heute.
Natürlich hatte ich durch die ungeplante Expedition zum Silberberg und den Abstieg nach Brandenberg bis hinunter auf nur 750 m den Zeitplan meiner Wanderung überstrapaziert und schaffte es nach erneutem Anstieg über Fahl zum Feldberg (St. Wilhelmer Hütte) gerade noch in der Abenddämmerung bis zum Auto an der Stollenbachhütte. Inklusive aller Zwischenanstiege und mehrfachen kurzfristigen Verlaufens ergaben sich so versehentlich rund 1500 Höhenmeter ... meine nächste Südschwarzwald-Wanderkarte wird - im Gegensatz zur aktuellen - vollständigere Höhenmeterangaben aller Talorte und Berghöhen zwecks besserer Tourplanung haben.
Noch eine Anmerkung: Im Thread oben wird die Verlegung des Starthangs der Silberbergabfahrt angesprochen. Der ursprüngliche Starthang der Abfahrt war angeblich von Todtnau aus zu sehen, muss also in Richtung Südwesten trassiert worden sein, woraus sich Schneeprobleme ergaben. Von ihm ist heute nichts mehr auszumachen, wenn man auf dem Silberberg steht. Der von mir begangene Starthang blickt nach West-Nordwesten über das Wiesental auf einige Höfe oberhalb Brandenbergs. Somit ist er die grüne Schneise auf dem Foto auf S. 1 dieses Topics. Die weiße Schneise auf dem selben Foto blickt nach Norden in Richtung Fahl, ist also weder der ursprüngliche noch der von mir begangene Starthang. Für eine mittlerweile komplett zugewachsene, andere Trassierung des ursprünglichen Starthangs spricht die von mir oben beschriebene Verschwenkung der Silberbergabfahrt am vom Bernauer Kreuz kommenden Hangweg.
46 Fotos zur Dokumentation der Silberbergabfahrt:
Dieses Motiv kennt jeder, der am Feldberg Ski fährt: Bergstation 4KSB Rothausbahn. Kein Sommerbetrieb. Das in die Landschaft gestellte Auto gehörte zum Forstamt Reutlingen. Zwei Mitarbeiter waren damit beschäftigt, auf einer Freifläche Pflanzenteile oder Käfer in eine Box einzusammeln (???). Von hier führt der Wanderweg zum Leistungszentrum am Herzogenhorn.
Leistungszentrum mit dem Herzogenhorn im Hintergrund. Ein wenig ansehnlicher Bau, den ich bis heute nicht mag. Von hier aus führt ein Wiesenpfad an einem Hüttchen vorbei in Richtung des Pfades zum Silberberg.
Wiesenpfad durch die Hinterwaldweide zum Silberberg.
Rückblick zum Feldberggipfel.
Einsamer Ski-Wegweiser auf der Hinterwaldweide.
Der Pfad windet sich einige Male um die Vorkuppen des Silberbergs.
Der Silberberg ist die hinterste der aufeinanderfolgenden Kuppen, die von hier schlecht zu unterscheiden sind. Ganz rechts hinten der Belchen.
Der Pfad nähert sich der Südseite des Silberbergs.
Auf dem Gipfelkamm des Silberbergs. Forstliche Verwüstung der gewohnten Art. Ständig hielt ich nach rechts in Richtung Tal Ausschau, konnte aber keinen Starthang ausmachen und wollte schon aufgeben ...
... bis ich am Ende des Gipfelkamms unerwarteterweise das Starthäuschen der Silberbergabfahrt entdeckte. Links schaut der Belchen durch die Fichten.
Das Starthäuschen befindet sich nach 25 ungenutzten Jahren in erstaunlich gutem Zustand, lediglich der Boden fehlt.
Durch die Öffnung begaben sich die Rennläufer auf die 640 Höhenmeter der Silberbergabfahrt.
Der sehr steile Starthang der Silberbergabfahrt. Hinten der Feldberg, darunter eine Serpentine der Feldbergpassstraße. Ja, was steht denn da links vor den Fichten ... ??
Genau - ein Fangnetzhalter! Rostfrei, wie erst gestern aufgestellt.
Blick aus dem Starthang der Silberbergabfahrt zurück zum Starthäuschen. Rechts daneben noch ein Fangnetzhalter, den ich vorher übersehen hatte.
Ein weiterer Fangnetzhalter am linken Abfahrtsrand. Ich habe gewiss nicht alle Fangnetzhalter gefunden bzw. gesehen. Einige werden zugewachsen sein.
Am von oben gesehen rechten Abfahrtsrand stehen in regelmäßigen Abständen diese alten, hölzernen Strommasten ... sofern sie nicht umgefallen sind. Darüber wurde die Zeitmessung des Starthäuschens mit Strom versorgt.
Der Starthang endet nach nur rund 150 Metern an einem Jungfichtendickicht. Hier wurde die Trasse der Silberbergabfahrt aufgeforstet. Der alte, rechte Abfahrtsrand ist hinten an den hohen Bäumen. Rechts wieder ein Fangnetzhalter.
Auch er ist nach Jahrzehnten im rauen Klima rostfrei.
Vor dem Jungfichtendickicht findet sich erneut einer der hölzernen Strommasten. Hinten links wieder der Belchen.
Im aufgeforsteten, oberen Bereich der Silberbergabfahrt. Ab zwei Meter Schnee sind die meisten Bäumchen vollständig bedeckt.
Auch im aufgeforsteten Bereich stehen noch die Fangnetzhalter.
Blick aus dem aufgeforsteten, oberen Steilstück der Silberbergabfahrt auf den Hangweg, der vom Bernauer Kreuz kommt. Von hier sieht man, dass die Rennläufer ein Stück Hangweg befahren mussten, um auf die Fortsetzung der Abfahrtstrasse zu gelangen, deren linker Rand an den höheren Bäumen zu erkennen ist. Wahrscheinlich ist das eine Folge der Verlegung des obersten Abfahrtsteils, der früher südwestseitig ausgerichtet war.
Nochmal der Blick aus dem aufgeforsteten Teil auf den Hangweg vom Bernauer Kreuz. Erneut der Belchen im Hintergrund.
Rückblick vom Hangweg aufs aufgeforstete Steilstück der Silberbergabfahrt. Am rechten Rand ein Fangnetzhalter.
Auf dem Hangweg in Richtung Bernauer Kreuz. Rechts schemenhaft ein schiefer Strommast. An der verblühten Blumen unterhalb der Bildmitte schwenkt die Abfahrt wieder in Richtung Tal.
Am Hangweg finden sich noch solche Relikte ...
Ab dem Hangwegvom Bernauer Kreuz kann die Silberbergabfahrt bei ausreichend Schnee nach wie vor offiziell als Tourenabfahrt befahren werden.
Rückblick nach oben. Von dort kam das oberste Stück der Silberbergabfahrt herunter, bevor es von Südwest- auf West-Nordwestausrichtung verlegt wurde. Wie man sieht, ist davon nichts mehr zu sehen.
Start der offiziellen Tourenabfahrt, leider unscharf. Ungefähr die Hälfte der ehemaligen Breite der Silberbergabfahrt wird frei gehalten. Die Trasse wird hier flacher.
Etwas weiter unten auf dem Tourenabfahrtsteil der Silberbergabfahrt. Nach wie vor stehen in unregelmäßigen Abständen Fangnetzhalter und Strommasten. Hier müsste mal wieder ein wenig ausgeholzt werden.
Am etwas zugewachsenen Stück. Links ein Strommast.
Rückblick nach oben. Wer sieht den Fangnetzhalter?
Anschließend wird die Trasse noch etwas flacher ...
... und führt noch etwas flacher ...
... weiter hinab durch schönes Gelände.
Nach einem weiteren Flachstück erkennt man hinten schon den Austritt der Silberbergabfahrt aus dem Wald auf die Wiesenfläche. 1968 war das Gelände hier waldfrei, wenn ich das alte Rennstreckenbild richtig einordne.
Rückblick ins unterste Waldstück der Silberbergabfahrt.
Austritt der Silberbergabfahrt ins Wiesengelände, das mittig durch einen kleinen Graben getrennt wird. Die Strommasten ziehen sich an den Fichten links der Bildmitte zu Tal.
Blick auf die von oben gesehen linke Wiesenhanghälfte ...
... mit den Strommasten an der Waldkante, die hier sogar ein Kabel tragen. Der Hang ist schön steil, aber ... :
Wären die Rennläufer hier herunter gekommen, wären sie unten in die Laubbaumreihe gedonnert. Es fehlt ein Auslauf. Unten die Dächer von Brandenberg.
Also wurde wohl die von oben gesehen rechte Wiesenhanghälfte für die Silberbergabfahrt genutzt, die nach Queren des Hangwegs ...
... über eine Pferdeweide führt und vor Erreichen der Talstraße den Schwenk nach links zum Auslauf an der ...
... Brandenberger Kapelle ermöglicht.
Rückblick von der Brandenberger Kapelle zum Schlusshang der Silberbergabfahrt. Ende der Fotodokumentation.