Von Vor- nach Arlberg | September 2016 | Schnifis-Dünserberg
lsap-Begehung Schnifis/Dünserberg
Von der Zwischen-Unterkunft im Schwarzwald ging es früh morgens gute 150 Kilometer ostwärts am Bodensee entlang Richtung Vorarlberg. Ich hätte gegen 10 Uhr morgens an der Talstation der Schnifisbergbahn sein wollen - Schleicher im Rentner-mit-Hut-Stil auf der B31 sowie ein Unfall an anderer Stelle verzögerten meine Ankunft jedoch deutlich. Zudem fand sich dann an der Talstation kein Parkplatz und ich wich auf ein freies Fleckechen im Ort aus. Die Besitzer der Karossen am Seilbahnparkplatz standen selbstredened brav in langer Warteschlange, in die auch ich mich einreihte. Ab dem Zeitpunkt stand fest, dass ich mein wieder sehr/zu umfangreiches Tagesprogramm würde eindampfen müssen.
Die Schnifisbergbahn befördert seit 1961 mit ihren gemütlichen 5-Mann-Kabinen Anrainer, Wanderer - und am Tag meines Besuchs auch Jäger - von der kleinen Ortschaft Schnifis hinauf zum Schnifnerberg. Die Kleinpendelbahn macht dabei auf rund 1.700 Metern Strecke 625 Höhenmeter. Eine Zeit lang gab es oben ein kleines Skigebiet, das zunächst aus einem Seillift und später wohl auch aus einem Bügellift bestand. Wenige hundert Meter weiter westlich erschloß zudem etwa von den 1950ern bis in die 1970er die Dünserbergbahn ein ähnliches Gebiet aus Kleinpendelbahn und - in dem Fall - zwei Skiliften. Beides schaute ich mir im Laufe des Vormittags an.
Homepage Schnifisbergbahn
Blick auf Talstation und die gesamte Trasse der Schnifisbergbahn. Zu erkennen ist links oben auch der Sendeturm, bei dem sich die zwei Skilifte am Dünserberg befanden - mein späteres Ziel.
So sah es vor einigen Jahrzehnten von der gegenüberliegenden Talseite aus, als es noch beide Pendelbahnen gab.
https://pid.volare.vorarlberg.at/o:25173
Glück für die Betreiber, Pech für mich: Der Andrang an der Kleinpendelbahn war so hoch, dass ich knappe 30 Minuten warten musste - wegen der Förderleistung von 30 Personen pro Stunde hatte ich deutlich früher hier sein wollen. Zunächst ärgerlich an der Kasse war insbesondere, dass man dort nicht über die Hardware verfügte, um mir die
Montafoner Sommer-Mehrtageskarte zu verkaufen. Das hatte ich vorab vermutet, beim Tourismusverband angefragt und die Fehlauskunft bekommen, die Mehrtageskarte sei auch in Schnifis erhältlich. Ich kaufte das Wochenende über also jeweils Einzelfahrten, was im Nachhinein durch meine Programmänderung dann preislich auch in Ordnung war.
Wartend hatte ich Zeit für ein paar mäßige Zooms
Rund acht Minuten dauert die gemütliche Auffahrt in der 5er Kabine.
Dann ist die Bergstation an der Hensler Hütte erreicht. Ein feines Ausflugsziel, insbesondere...
...beim Blick zurück. Lieben Gruß ins Brandnertal
Dann begann ich meine lsap-Tour. Zunächst wurde oberhalb der Bergstation des Schnifisbergbahn nach Resten gesucht. Zum kleinen Skigebiet gibt es ein
uralt-Topic im Forum. Dort postete User
janky 2009 folgende Info:
janky schrieb:
die 4pb [Schnifisbergbahn, Anm. Zottel] ist noch in betrieb und wird von paraglidern stark frequentiert. früher gab es ander bergstation einen meingastseillift, der, nachdem der 2sl henslererrichtet wurde, seine verwendung als übungslift be der talstation der schnifisbergbahn seine verwendung fand. beide lifte sind mittlerweile lsap.
Wo genau der Hensler-Lift war, konnte ich vor Ort nicht feststellen. Zunächst vermutete ich die Talstation auf dieser auffällig planen Fläche.
Auf diesem 2005er Luftbild ist leider nichts zu erkennen.
https://pid.volare.vorarlberg.at/o:121136
Leichter Zoom nach oben. Schon möglich, dass dort oben mal der Lift hinaufführte.
Einige Schritte weiter Richtung Sender. Das sieht schon mehr nach Piste aus dort oben. Eigentlich hätte ich dort aufsteigen wollen - das Wissen um die laufende Jagd hielt mich ab.
Auf dieser undatierten Aufnahme ist wohl noch der kurze Seillift eingezeichnet.
https://pid.volare.vorarlberg.at/o:27726
Da hier nichts zu erkennen war, wechselte ich rüber ins zweite lsap-Gebiet Dünserberg. Über einen schön trassierten Waldwanderweg gelangte ich rauf zum
Sender Dünserberg (links außerhalb des Fotos). Laut Luftbildern könnte es wohl eine Verbindungspiste vom Sender rüber zum Henslerlift gegeben haben. Diese wäre zwischen den Tannen rechts abgezweigt.
Zur Orientierung: Die zweite Pendelbahn führte von Düns nach Dünserberg, dort ging es im Winter mit dem Älpele-Lift bis Älpele, wo sich ein weiterer kurzer Lift anschloß.
Hierzu gab es 2009 von
janky auch ein paar Infos:
janky schrieb:
von düns führte eine 4pb nach dünserberg/rongelonsch. in den 70igern ereignete sich ein tödlicher unfall, danach wurde personenbetrieb eingestellt und die bahn als msb noch weiterbetrieben ehe sie endgültig in den 80iger abgetragen wurde. von rongelonsch führte ein 2sl zum dünser älpele und dort oben gab es als "verlängerung" noch einen weiteren, wesentlich kürzeren, 2sl. beide lifte wurden in den 90igern abgebrochen, nach dem der erstgenannte lift bei einem wohnhausbrand erheblich beschädigt wurde.
Man darf sich auch vor getaner Arbeit etwas gönnen - zum Vorbeilaufen war das
Dünser Älpele einfach zu einladend.
Nach der kurzen Jause wurde es dann interessant. Blick auf das Dünser Älpele von der Seite. Rechts muss der lange Älpele-Lift geendet haben, dem sich dann der kurze obere Lift anschloß, den Fahrweg querte und links außerhalb des Bildausschnitts endete.
Vergleichsfoto von 1969, das meiner Meinung nach den kürzeren oberen Lift zeigt:
https://pid.volare.vorarlberg.at/o:18077
Das ist die Wiese oberhalb des Älpeles, wo der kurze obere Lift endete.
Blick vom Älpele auf den Ausstiegsbereich des Älpelelifts (Fundamente erkennbar: Bildmitte links). Rechts könnte die Talstation des kurzen Lifts gestanden haben.
Diese Aufnahme von 1969 zeigt das SL-Ensemble (Zoom nutzen).
https://pid.volare.vorarlberg.at/o:18074
Der Älpele-Lift ist eindeutig auszumachen

Linkerhand müsste irgendwo die andere Talstation gestanden haben.
Nun stieg ich die ehem. Älpele-Trasse hinab.
Diese ist erfreulicherweise gut dokumentiert, ebenfalls von 1969:
https://pid.volare.vorarlberg.at/o:18079
Links um die Alpe herum verlief die Piste, der Lift kam rechts der Alpe zwischen den Bäumen herauf. Man beachte auch das traumhafte Panorama
Vermutlich vergleichbarer Standort 1969:
https://pid.volare.vorarlberg.at/o:23733
Die Trasse ist noch gut erhalten, bisweilen aber ziemlich steil.
Fundamente sind ebenfalls noch vorhanden.
Blick auf die ehem. Mittelstation, also die Bergstation der Dünserbergseilbahn und der Talstation des Älpele-Lifts. Viel übrig geblieben ist leider nicht.
So sah es 1969 etwa vom gleichen Fotostandpunkt aus:
https://pid.volare.vorarlberg.at/o:18078
Die Talstation des Älpele-Lifts ist ebenfalls gut dokumentiert.
https://pid.volare.vorarlberg.at/o:18073
https://pid.volare.vorarlberg.at/o:18076
https://pid.volare.vorarlberg.at/o:15112
Von den Stationen scheint indes nichts mehr vorhanden zu sein. Auf dem Grundstück war leider niemand anwesend und herumschleichen wollte ich nicht.
Immerhin gibt es von der Dünserbergbahn diverse Aufnahmen:
https://pid.volare.vorarlberg.at/o:24560
https://pid.volare.vorarlberg.at/o:40611
https://pid.volare.vorarlberg.at/o:24576
Direkt am Weg fand ich dann zumindest diese beiden Relikte.
Rückblick: Links am Gebäude muss die Pendelbahn geendet sein. Wo jetzt der neue Holzschuppen steht, war vorher die Talstation des Älpele-Lifts.
Gemütlich ging es von dort aus zurück zur Schnifisbergbahn, wo ich genau die erste Fahrt nach der Mittagspause erwischte. Ein Eis in der Henslerhütte ging sich auch noch aus