Bei Heidi und ihren Nachbarn | Sommer 2018 | Flumserberg
Diesen Sommer unternahm ich weitere Ausflüge zu Heidi und ihren Nachbarn, mit denen ich dieses Topic fortsetze. Den Flumserberg mit seiner altehrwürdigen und ersatzgefährdeten Maschgenkammbahn wollte ich schon im letzten Jahr besuchen, verpasste den Start des Sommerbetriebs damals jedoch um wenige Wochen. Diesen Sommer war mein Timing besser und das Wetter ermöglichte einen schönen Tagesausflug am Berg.
Im Sommer sind sechs Anlagen am Flumserberg in Betrieb. Es gibt eine breite Auswahl an Tickets und Kombinationsmöglichkeiten (Tarife:
https://www.flumserberg.ch/Sommer/Bergbahnen/Tarife/Tarife-Bergbahnen); ich wählte selbstredend das
Heidi-Ticket (Tannenboden-Maschgenkamm-Prodkamm-Tannenheim für 30 Fränklins), ergänzt um die Fahrt Unterterzen-Oberterzen-Tannenbodenalp (zusätzlich 9,60 Fränklins) - preislich nicht günstig, aber im Rahmen.
Interaktives Sommer-/Wanderpanorama:
http://www.infosnow.ch/~apgmontagne/?lang=de&pid=37&tab=map-su#
Ich sparte mir die Fahrt mit dem Auto hoch nach Flumserberg und nahm stattdessen für einen Aufpreis die zwei EUB-Sektionen ab Unterterzen. Die Talstation ist wenige Meter vom Walensee entfernt - eine Seilbahn mit Strandblick sozusagen.
Gleich danach wird die Autobahn 3 überquert. Die Scheiben der Garaventa-EUB sind trotz Baujahr 2005 schon arg zerkratzt und fotografier-unfreundlich.
Durch die Lüftungslöcher ging es besser. Hier der Ausblick aus der zweiten EUB-Sektion auf die Churfirsten und den Walensee.
Die Vorgängeranlagen wären mir lieber gewesen (Pendelbahnen von 1955). Die Trasse der zweiten EUB ist aber schon recht beeindruckend. Nach einem gemächlichen Anstieg geht es sehr steil hinauf. Die meisten der über 700 Höhenmeter dürfte die Bahn auf dem Mittelteil machen, wo es diese Bergebahn gibt.
Nach dem Steilstück schwebt man gemütlich, mit Blick auf Churfirsten und Walensee, der Bergstation entgegen.
In der Bergstation Tannenbodenalp angelangt. Von dort sind es wenige Gehminuten bis zur Talstation der Maschgenkammbahn. Ruhe und Idylle finden dort abrupt ein Ende.
Dieser Teil des Berges ist leider sehr hässlich verbaut. Damit meine ich gar nicht mal unbedingt die recht groß geratene Talstation der Maschgenkammbahn links, diese hat als Funktionsgebäude zumindest noch ihre Daseinsberechtigung. Viel mehr störte mich der Parkplatz, die Touristenfallen (Ausflugsläden), die modernen Unterkünfte im Sommerschlaf. Links oben thront die Bergstation der 8-KSB Prodkamm, mit der es später hinab ging.
Nichts wie weg und rein in die Maschgenkammbahn! Über diese beinahe majestätisch anmutende Treppe gelangt man zum Einstieg.
Die alte 4-EUB soll ersetzt werden, angepeilt wird wohl ein Baustart im Sommer 2019. Zuletzt gab es Verzögerungen und Änderungen beim Projekt:
https://www.alpinforum.com/forum/viewtopic.php?f=12&t=1982&hilit=flumserberg&start=650#p5155348
So schaut es derzeit noch aus: Einstieg, Abspannung und Garagierung der Giovanola-Bahn von 1966.
Die Giovanola-Schwerkraftklemmen dürfen an dieser Anlage nicht fehlen.
Blick zurück auf den Rummel rund um die Talstation. Unterhalb der Bahn flitzt der Alpine-Coaster Floomzer, den ich später auch noch mitnahm.
Begleitet wird die EUB von drei aufeinanderfolgenden 4-KSBs (Chrüz, Stelli, Arve) aus den 1990er Jahren aus dem Hause Garaventa. Die hier sichtbare erste Bahn, Chrüz, bedient im Sommer den Coaster.
Seitenblick Richtung Walensee und Amden, wo ich letztes Jahr unterwegs war.
Die drei genannten 4-KSBs ersetzten jeweils Vorgängeranlagen auf ähnlicher Trasse. Rechts zu sehen die zweite Anlage, Stelli, mit den Talstationen der Vorgänger (vorne mittig SL, hinten mittig 2-KSB).
Exemplarisch im Nachfolgenden einige Links zu alten Ansichtskarten:
https://www.delcampe.net/de/sammler...genkamm-flumserberg-sessellift-622509655.html (zeigt die 2-KSB von Müller, 1951-1966)
https://www.delcampe.net/de/sammler...aechsmoor-flumserberg-bergheim-560260758.html
Hier kreuzt die Stelli-KSB, hinten im Kessel startet die dritte Anlage der Reihe, Arve. Weitere Fotos dieser und anderer Anlagen stelle ich bei Bedarf gern ein.
Vergleichsmotiv aus älteren Tagen:
https://www.delcampe.net/de/sammler...abfahrt-maschgenkamm-skifahren-622048627.html
Nach 20-minütiger Fahrt ist die Bergstation Maschgenkamm erreicht. Reichte unten im besten Sommerwetter noch ein T-Shirt, war es hier oben bei eisigem Wind Zeit für die so genannte Übergangsjacke.
Der Antrieb hier oben wummert ganz ordentlich und wäre beim Rummel an der Talstation besser aufgehoben.
Den fotogenen Drilling vor der Bergstation zoomte ich mir noch ein paar Mal heran.
Der Komplex von hinten. Na hoffentlich wird der Bau des Nachfolgers ansehnlicher als diese offene Beton-Optik der 6-KSB Panüöl rechts.
Hinter dem Gebäudekomplex ist das Bergstationsfundament des ex-Arve-SL noch sichtbar.
Der nächste Fund aus der Lsap-Kiste ist die nahegelegene Bergstation der DSB Seeben-Zigerboden, die 2015 stillgelegt wurde. Überhaupt scheint das Gebiet für Fundamenti-Jäger viel zu bieten zu haben.
Dieses Video (eines anderen Urhebers) stellt "Die Geschichte der Maschgenkammbahn am Flumserberg" sowie auch des Gebietes allgemein vor. Für Interessierte sehr empfehlenswert.
https://www.youtube.com/watch?v=3EdG3OKa0Ug
Dieser ältere Herr war mit seiner Technik schnell unterwegs Richtung Grosssee. Für mich ging es hingegen über den Gratweg zum Prodkamm.
Es ist eine kurze und leichte, aber landschaftlich sehr schöne Wanderung. Wer keine Lust auf die Systemgastronomie am Maschgenkamm hat, findet sicher etwas in der gemütlichen Hütte Maschgenlücke, die am Weg liegt.
Blick nach Süden
Der Weg wurde im weiteren Verlauf noch interessanter als es hier den Anschein macht. Links zu sehen ist mein nächste Ziel, die Bergstation Prodkamm.
Plötzlich wurde die inzwischen eingekehrte Stille wieder von einem durchgehenden Wummern unterbrochen. Ende der Mittagspause an der 4-EUB.
Interessante Gesteinsformationen. Die Steinexperten können sicher etwas dazu sagen.
Der Bereich am Prodkamm ist fest in der Hand der Biker. Ich verzichtete auf einen längeren Aufenthalt und fuhr mit der modernen 8-KSB gen Tal.
Blick auf die unspektakuläre Trasse. Vor der Kapazitätsschleuder standen dort unter anderem eine Poma-KSB und eine Habegger-DSB nebeneinander.
Vergleichsmotive aus älteren Tagen mit DSB und SL:
https://www.delcampe.net/de/sammler...portplatz-flumserberg-bergheim-562544400.html
https://www.delcampe.net/de/sammler...prodchamm-flumserberg-bergheim-561336426.html
Fotos von der 4-KSB mit DSB gibt es bei
liftworld:
https://seilbahntechnik.net/de/lifts/1157/datas.htm
Rund um die Talstation ist eine Vielzahl an Attraktionen für die jüngeren und jüngsten Bergbesucher aufgebaut. Dank umgebener grüner Wiesen und unaufdringlicher Gestaltung hat dieser Bereich aber zum Glück keinen Kirmes-Charakter. Wendet man dem Gewusel den Rücken zu, wird der Blick frei für das schöne Panorama.
In meinem Heidi-Ticket enthalten war auch die Talfahrt mit der EUB Tannenheim. Um zurück nach Tannenboden (Talstation Maschgenkammbahn) zu kommen, ist das eher ungünstig. Besser wäre es, über einen der Wanderwege von hier aus rüberzuqueren - was ich aber nicht tat.
Im Gegensatz zu heutigen Gondel-Designs sind die 12er-Stehgondeln dieser Pomabahn von 1992 noch richtige Klötze.
Auf dem Rückweg in den verbauten Teil des Berges.
Wie man den Stationen ansieht, gab es auch hier Vorgängerbahnen (Kombilift und DSB).
Vergleichsmotiv aus älteren Tagen:
https://www.delcampe.net/de/sammler...nheim-mit-churfirsten-bergheim-561352035.html
Von der Talstation Tannenheim fährt der (zusätzlich zu zahlende) Postbus in wenigen Minuten nach Tannenboden. Bei meinem Besuch war die Verbindung stündlich getaktet und der Bus kam nach wenigen Minuten - gefolgt von einer schwergepanzerten Luftabwehr-Einheit der Schweizer Armee. Auch bei Heidi ist nicht alles nur Idylle.
Zurück in Tannenboden entschied ich mich trotz des Wucherpreises von 20 Fränklins noch für eine Fahrt mit der Chrüz-KSB und dem Floomzer.
Mal wieder die Maschgenkammbahn, diesmal aus anderer Perspektive.
Start des Floomzers - ein teures aber lohnendes Vergnügen.
Vor der finalen Talfahrt zum Auto sah ich mich noch kurz in Tannenboden um. Runtergezogene Rolläden, geschlossene Läden, Geisterstadt-Flair - na immerhin haben sie die Bürgersteige nicht hochgeklappt.
"Leider total verbaut, aber gerade das macht dich aus", singt Herberg Grönemeyer über Bochum. Passt irgendwie auch zum Flumserberg, nur dass ich dem hier oben nichts romantisches abgewinnen kann. Bei der Aussicht halten sich auch die Churfirsten lieber bedeckt.
Ich widmete mich lieber dem letzten Lsap des Tages. Von Bergheim nach Tannenbodenalp gab es einst (in zwei Generationen) einen gleichnamigen Skilift samt Piste. Letztere sowie die alte Bergstation sind noch sichtbar. Ein Foto der Talstation gibt es bei den Schweizer Kollegen (
https://www.bergbahnen.org/seilbahn/2021/de/daten.php).
Zurück in der EUB nach Unterterzen, hier kurz vor dem Steilstück der zweiten Sektion, den Walensee immer im Blick.
Auf dem Parkplatz kam ich noch in den Genuss, dem Gespräch einiger Jugendlicher zu lauschen. Asi-Sprache auf Schweizerdeutsch - mir war zum Weinen und Lachen zumute.