Marvin schrieb:
Natürlich hat Riesch Schild in einzelnen Slaloms geschlagen, aber das Gesamtbild (was Slalom angeht) spricht eine deutliche Sprache
Es war nicht irgendein Rennen, sondern für beide mit das wichtigste ihrer Karriere, nämlich die Entscheidung über Gold in Vancouver. Das hat mehr Gewicht wie WC-Rennen.
Genauso sieht es beim Vergleich zwischen Shiffrin und Schild aus. „Dynamik“ ist wieder so ein selektives Kriterium, um eine bestimmte Läuferin hervorzuheben. Holdener ist auch dynamischer als Shiffrin, aber es würde niemand auf die Idee kommen, dass sie besser sei. Insgesamt besteht doch kein Zweifel daran, dass Shiffrin die bessere Slalomläuferin als Schild ist. Sie hat mit 24 bereits mehr Rennen und Slalomkugeln gewonnen als Schild in ihrer gesamten Karriere.
Du bist Shiffrin-Fan, stimmt's? In Ordnung, sie ist ja klasse und kommt auch als Person gut rüber, keinerlei Starallüren, eher bescheiden und natürlich. Aber wer weiß, wenn Schild eine solche Gegnerin gehabt hätte, vielleicht hätte es sie motiviert, noch mehr an sich zu arbeiten. Dass ich mal für eine ÖSV-Läuferin eintrete, kommt nicht oft vor

Holdener kann man sowieso nicht ernsthaft mit Schild vergleichen. Sie lebt hauptsächlich von ihrer Kraft, genauso wie Vhlova, Schild aber hatte Kraft
und überragende Technik. Sie konnte wie ein Mann die Schwünge auf dem Innenski fahren, so wie keine andere Läuferin, die ich kenne. Ich bin überzeugt davon, dass sie die beiden schlagen würde, ob mit Vorsprüngen wie Shiffrin, sei mal dahingestellt. Eigentlich ist es müßig darüber zu streiten, weil es ein theoretischer Vergleich ist und wie es in Wirklichkeit wäre, ist völlig ungewiss
Aber eines will ich nochmals ansprechen, nämlich die Erfolgsstatistiken. Ich finde sie überbewertet. Die Anzahl der Siege sagt eben nicht alles, weil eine Reihe von Umständen eingehen wie:
- ob man von schweren Verletzungen verschont bleibt, mit dem Verlust ganzer Saisonen
- generelle körperliche Robustheit
- anhaltende hohe Motivation, die Gier nach immer weiteren Erfolgen
- Niveau des Skirennsports zu der Zeit
- Niveau der Konkurrenz
- Dauer der Karriere
So relativiert sich Einiges. Katja Seizinger z.B. ist mit 36 Siegen die erfolgreichste deutsche Alpine, aber ihre Karriere war mit 25 effektiv zu Ende. Sie verletzte sich schwer und trat in der Folge zurück. Und nochmals Riesch. Die beiden Kreuzbandrisse bedeuteten den Verlust von fast zwei Saisonen und danach brauchte sie zwei Jahre, um ihr altes Niveau wieder zu erreichen (nachweislich!). Mit 29 trat sie auch relativ früh zurück, noch bei voller Leistungsfähigkeit. Berücksichtigt man, dass sie bereits mit 19 Siege in Technik
und Speed hatte (einzigartig!), kann man für einen optimalen Karriereverlauf 60 und mehr Siege hochrechnen.