Sturmskifahren - ein Erlebnisbereicht
Auch wenn einiges bei den Bergbahnen aktuell nicht so läuft, wie es sollte, etwas kann man ihnen im Gegensatz zu manch anderer Bergbahn nicht unterstellen: Sie schalten Anlagen nicht wegen Wind übervorsichtig früh aus. Im Gegenteil. Dass mir beim Sesselbahnfahren etwas mulmig wird, braucht schon was...
Vor der eigentlichen Front, die ja hoffentlich Neuschnee bringen wird, wollte ich noch eine Runde drehen und habe mir deshalb die Skier bereits um 08.30 Uhr vor der Haustüre angeschnallt. Gemeldet waren zu diesem Zeitpunkt alle Anlagen offen ausser Chälen. Ich staunte schonmal nicht schlecht, als es die Gondeln auf halber Strecke zur Stockhütte bereits begann im Wind zu schaukeln. Oben am Twäregg dann bereits ein ausgewachsener Sturm. Dennoch fuhr ich zum Aengi-Lift, der still stand. Als ich dort gegen 08.50 Uhr ankam, kam der Mitarbeiter raus, sagte es sei halt stürmisch, aber noch gehe es und schaltete den Lift ein. Knapp unterhalb der Krete begannen die Sessel heftig zu schaukeln. Das Handy wollte ich nicht hervornehmen, einen Film wäre es aber wert gewesen. Hinter mir wurde der Lift dann auch sofort wieder abgestellt. Und so ging es dann auch weiter: Wie ich beobachten konnte, lief der Sessel immer nur, wenn einer der sehr seltenen Gäste kam.
So fuhr ich zum stillstehenden Ergglen-Schlepper. Ich dachte, einem SL kann der Wind ja nichts anhaben. Die Talstation war nicht besetzt, aber videoüberwacht. Kaum stellte ich mich auf das Trassee, wurde der Lift eingeschaltet. Bei den wild schaukelnden Bäumen dachte ich, wie viel Wind es wohl haben müsse, bis so eine Tanne auf den Lift knicke... Es tat schon sehr heftig, auch wenn dies auf dem Bild nicht zu erkennen ist:
Ich fuhr also nochmal zum Ergglen runter. Die Piste hervorragend, die Sicht völlig in Ordnung, wenn nicht grad eine Schneeverwirbelung um ein rum blies. Auf der Hälfte der zweiten Fahrt dann plötzlich Stillstand, nachdem unglaublich starke Böen mit völligem Whiteout durchzogen. Nach 5min warten bügelte ich ab und musste glücklicherweise nur wenig aufsteigen, um an den Klewenboden-Tellerlift zu gelangen. Von nun an lief der Ergglen nicht mehr und auf der Homepage wurde gemeldet:
Sesselbahn Chälen und Skilift Ergglen aufgrund starken Windes geschlossen.
Weitere Anlagen in Betrieb sofern vom Wind her möglich. Es muss mit Wartezeiten oder kurzfristigen Schliessungen gerechnet werden.
Ich war also heute der einzige Gast auf diesem Lift
Via Junior-Teller gelangte ich zur Klewenstock-DSB, nachdem ich sah, dass diese, wenn auch in gemächlichem Tempo, noch lief. An der Talstation kam der Mitarbeiter raus und entschuldigte sich, dass er eventuell teilweise langsamer fahren oder gar kurz unterbrechen müsse, wenn Windböen kämen. Kaum war ich aufgestiegen, beschleunigte er aber auf Vollgas und behielt dies bei. Vermutlich nach dem Motto "besser, wenn der schnell wieder oben ist". Kaum war ich ausgestiegen, verlangsamte er wieder.
Und dieses Spiel wiederholte sich dann noch fünf weitere Male, resp. einmal, als noch ein anderer Skifahrer kam, war die Schnelllaufzeit etwas länger. Vom Klewenstock aus konnte ich auch gut beobachten, dass Aengi und Ergglen weiterhin nicht liefen:
Durch den Wind etwas ausgekühlt, freute ich mich auf ein Frühstück. Tannibüel und Tipi waren wegen der geschlossenen Chälen ja nicht offen und der Klewenstock hat, wie oben erwähnt, die ganze Saison zu. Die Bergbahnbeizen zu unterstützen, liegt mir im Moment fern. Also bleibt nur das Alpstubli.
Anschliessend fuhr ich noch zwei weitere Male den Klewenstock. Bei der letzten Fahrt wurde es mir aber wind und weh. Die Bahn musste mehrfach anhalten, die Sessel schwankten heftig und die Bäume verbogen sich bedrohlich. So war mein Entschluss gefasst, nun den Heimweg anzutreten. Und weil der fast einzige Gast nun auch weg war, wurde kurze Zeit später auf der Homepage gemeldet:
Sesselbahn Chälen und Klewenstock und Skilift Ergglen aufgrund starken Windes geschlossen.
Weitere Anlagen in Betrieb sofern vom Wind her möglich. Es muss mit Wartezeiten oder kurzfristigen Schliessungen gerechnet werden.
Ich staune dann auch nicht schlecht, wie heftig es mittlerweile auf der Twäregg tut. Dort waren doch einige Skifahrer unterwegs.
Mittlerweile ist die Talabfahrt wieder geschlossen. Zu Recht. Nachdem die Abfahrt am Samstag Abend noch optimal war, hat der gestrige Tage immensen Schaden angerichtet: viele apere Stellen und pickelhart. Ein Murks.
Auf dem See ist der Wind auch gut zu erkennen.
Der letzte Hang hat nun sehr viel Dreck und man kommt nicht mehr ohne Bodenkontakt durch. Aber nichts desto trotz kann ich immer noch bis 10m vor meine Haustüre fahren.
Mittlerweile ist der Sturm bis ins Tal gekommen und riegelt an den Fensterläden meines Hauses.
Es gibt tatsächlich weniger spannende Skitage als diesen
