christopher91 schrieb:
Der 12er GFS Hauptlauf mal mit einer sehr ausgefallenen Idee. Leider ein Ausreißer.
Faxen

.
Aber: hieran kann man auch sehr schön erkennen, wie mehr oder weniger alles, was sich jenseits der 6/7 Tage troposphärisch abspielt, zu einer Frage der Lotterie wird.
An diesen Grafiken des US-Modells GFS kann man das schön anschaulich machen.
Ich habe mir den Gitterpunkt Davos/CH herausgesucht und in der Grafik werden die Temperatur in der Fläche 850hPa (ca. 1.500m) und die Niederschlagssignale aufgetragen. Was man sieht sind alle sog. "Läufe" des Modells, auch Ensemble genannt. Die rote Line stellt das Mittel der Temperatur in der Fläche 850hPa im Zeitraum 1981-2010 dar.
Die fette grüne Linie ist der sog. Hauptlauf (Oper) des Modells, die blaue Linie der sog. "Controller". Vereinfacht gesagt bekommen beide Läufe im Rechner "das beste Datenfutter" als Ausgangsmaterial, [

], alle anderen "P1 - P30" gegenüber Hauptlauf und Controller leicht verschobene Ausgangswerte, die dann gerechnet werden.
In der ersten Grafik aus dem Lauf von heute Nacht 00.00UT sticht der "Hauptlauf (grün)" insoweit heraus, als das er zum Ende hin in warme Höhen entschwebt, der sog. Controller (blau) zieht dabei sogar größtenteils mit. Das Mittel aller Läufe jedoch (weisse Linie) nähert sich nahezu exakt dem eingangs erwähnten längjährigen Mittel 1981-2010.
12 Stunden später sieht das wieder völlig anders aus. Während der "Hauptlauf" in der oben gezeigten 00.00UT-Variante am Vorfrühlung schnupperte, taucht er 12h später in sibirische Gefilde ab und will Davos schockfrosten. -18°C in 1.500m würde am Boden bei Schneebedeckung und Aufklaren in einem alpinen Hochtal mal schnell unter -25°C bedeuten. Mindestens. Der blaue "Controller" hingegen bleibt bei seiner Haltung von 00.00UT, quasi diametral entgegen dem Hauptlauf, und will es in der Höhe weiter warm. Veränderte Ausgangsdaten, teils komplett neue Ergebnisse (im Hauptlauf), aber: das sog. Ensemble-Mittel (weisse Linie) hat sich gegenüber der 00.00h-Rechnung nur marginal verändert:
Was kann man daraus u.a. ableiten:
1. ... niemals nur auf den sog. "Hauptlauf" starren. Der steht zwar gerne prominent im Vordergrund, bildet aber niemals eine verlässliche Prognose ab für ferne Zeiträume. Wie überhaupt alles jenseits der 7 Tage keine verlässliche Prognose sondern allenfalls Trends abbildet.
2. ... immer ein Auge auf das sog. Ensemble-Mittel haben, also das, was sich als Mittel aller Läufe über den Zeitraum X herausbildet. Das relativiert die Modell-Faxen mit ihren bizarren Ausschlägen nach "oben oder unten" ganz schnell.
Von Scharlatanen und Click-Bait-Kaspern wird freilich der Hauptlauf gerne herangezogen, um frostige Russenpeitschen oder glühende Sahara-Öfen auf das sensationsgeile Boulevard- und Social-Media-Gefolge loszulassen. Mitdenken ist da äußerst hilfreich, was bisweilen aber nicht jedem Insta-Jünger, Fratze-Book-Adepten oder TicToc-User gelingen will.
K.
Edit: Das Europäische Modell EZ hält übrigens von all dem, was das GFS da ausspuckt, recht wenig. Im Gegenteil,. von Winterrückkehr in den Bergen keine Spur, es soll sogar zur Wochenmitte in der 2. Jänner-Dekade nordalpin wieder bis weit hinauf schiffen und nicht schneien.
