Kommt da noch was?
Die Frage stellt sich mitunter in edlen Restaurants, wenn die Speisen in sehr überschaubaren oder gar homöopathischen Mengen nebst viel Tam Tam auf dem Tisch landen. In der Regel ist das dann Haute Cuisine oder Schnickschnack, aber immerhin handgemacht aus frischen Zutaten in der Küche. Ganz ähnlich ist es derzeit in den Bergen. Zu erklecklichen Preisen werden tollste Speisefolgen in Form exquisiter Pisten angeboten, doch heutzutage ist das i.d.R. Convenience Food in Form von Maschinenschnee, da die frischen Zutaten aus der Naturküche einfach nicht mehr kommen wollen oder die Produkte in Lagen unterhalb 1.500 Meter schneller dahingerafft werden, als sie fallen können. Das Haltbarkeitsdatum von Naturschnee nähert sich also dieser Tage in unteren und mittleren Lagen dem von frischem Tatar an. Schnell rein damit in die Plauze, bevor die Hackfleischverordnung greift. Was würde uns wohl Südtirol auftischen, lägen dort nicht tausende Kilometer Wasserleitungen unter den Almen? Der x-te viel zu trockene Winter südlich des Alpenhauptkamms bei teils grotesken Temperaturabweichungen nach oben - wo soll das hinführen? Ohne Kanonen könnten sie rund um Brixen oder Bozen die Törggelensaison von Oktober bis April laufen lassen. Die ausgeprägte und wiederholte Wintertrockenheit nimmt dort derweil sehr bedenkliche Züge an und wäre wohl ohne Kanonen nur im Dauerdelirium zu ertragen.
Und nördlich?
Der Dezember: nach gelungenem Start und viel Schnee -> zu warm
Der Jänner: nach warmem Start zwischenzeitlich schön kalt und dann doch wieder -> zu warm
Der Februar: startet auch (schon wieder viel) zu warm
Als kommt da noch was? In der Modellwelt ist im seriösen Zeitraum erst mal nichts, aber wirklich gar nichts Winterliches zu entdecken. Erst im bereits sehr unseriösen Zeitraum jenseits der 8 Tage sieht das US-Modell GFS die Rückkehr jahreszeitlich korrekten Temperaturen, freilich nördlich des Alpenhauptkamms mit eher bescheidenen Niederschlagssummen. Südlich hingegen soll es auf die brettharten Maschinenpisten eine veritable Naturschneelauflage geben. Aber wie oft hatten wir diese Prognosen schon seit Dezember und alles löste sich mehr oder weniger in Wohlgefallen auf?
Von all dem wollen die Konkurrenzmodelle nichts wissen. Nach kurzer Kühle gewänne laut dem EZ-Modell fix die Wärme wieder die Oberhand (wohl gemerkt im unseriösen Prognosefenster), vorher bliebe es sowieso viel zu warm, quer durch die Modellbank. Bemerkenswert: gestern zog eine „Kaltfront“ aus Nordwesten über die Alpen, die erst ab 1.500 Meter (Kosmetik-)Schneefall brachte, drunter schiffte es. Eine KALTFRONT am 1. Februar, also im Hochwinter, mit Regen bis 1.500m? WTF?
Ich weiß also auch nicht, ob da „noch was kommt“ und wenn, was es ist. Nochmal „richtiger Winter“ oder nur ein Snack, noch nicht mal biedere Hausmannskost? Ein Blick in die Prognosekarten ist wie ein Blick in die Speisekarte der Fast Food Ketten. Jede Menge Convenience, nichts Nahrhaftes zeigt sich da. „Der regelmäßige Verzehr von Fertiggerichten erhöht nachweislich das Risiko von Adipositas, Diabetes mellitus und Herzerkrankungen. Außerdem sind diese Lebensmittel möglicherweise nicht so nahrhaft wie frisch zubereitete Mahlzeiten und können dazu führen, dass wichtige Vitamine und Mineralien nur unzureichend aufgenommen werden“, schreibt das Untersuchungsamt für Lebensmittelüberwachung BaWü in einer Studie aus 2022. Zuviel davon führt also zum dickem Hintern, Zucker und geht aufs Herz. Letzteres will einem bluten, wenn man sich anschaut, was aus dem Winter in Mitteleuropa geworden ist.
Also kommt da noch was? Ja – und es wird uns nicht schmecken und schon mittelfristig böse auf den Magen und das Gemüt schlagen..
K.