Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

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TPD
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von TPD »

Auf dem aktuellen Luftbild von SwissTopo kann man noch die Bergstation erkennen. Aber die Stützen sind vermutlich weg. Kann da noch die Fundamente erahnen aber es gibt keinen Schatten.
Aber sieht schwer danach aus, als wurde der Skilift Opfer der Klimaveränderung.
https://www.skichablais.net, seit 20 Jahren über Bergbahnen der Region Chablais und Umgebung.

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gerrit
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von gerrit »

Nocki hat geschrieben: 27.03.2024 - 22:39 Heißt das, der Lift (den ich bis gerade nicht gekannt habe...) ist LSAP??? :(
Im Internet ist ja nicht viel neues über ihn zu finden.
Ja, der Lift ist leider Geschichte. Aber man kann doch so einiges darüber finden..... :biggrin:

3 A - Mythos in eisigen Höhen (2005): literarische Aufarbeitung der abenteuerlichen Reise zweier Forscher auf der Suche nach einem vergessenen Gletscherlift an der italienisch schweizerischen Grenze

[AAA] - Sommerski Siedel-Gletscher - Rif. 3A [Juni 2007]: Gemeinschaftsbericht im Nachbarforum

Wenn Du das noch nicht kennst, dann nimm Dir mal einen Abend Zeit...... :wink:
Erinnerungen: meine Berichte seit 2005 (bzw. 1983)
Daß wir echt waren, werde ich auch noch erfinden! (Josef Zoderer)
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von Relax »

Schön, dass die Legende weiterlebt
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GMD
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von GMD »

Auf den Luftbildern ist vom Gletscher nur noch ein paar kleine Firnfelder übrig. Kein Wunder gibt es den Lift nicht mehr.

Es gab also an der schweizerisch-italienischen Grenze auf italienischem Staatsgebiet gleich zwei dieser mysteriösen, schwer zugänglichen Gletscherlifte: 3 A und Scerseren. Beide sind inzwischen Geschichte.
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intermezzo
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von intermezzo »

Ja, schon lange Geschichte, diese denkwürdigen Lifte. 3A ist gut dokumentiert, wie wir wissen.

Scerscen auf der Bernina-Rückseite war auch ein eindrücklicher Lift. Im Sommerschi-Forum gibts dazu einige Bilder und Hintergrundinfos:

http://www.sommerschi.com/forum/reporta ... s-t68.html
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von Chlosterdörfler »

Erste Skipisten und tausende Skifahrer, aber "jetzt bleibt nichts mehr". Die Geschichte der "drastischen Auflösung" des Scerscen-Gletschers.

Die Reflexion des Schriftstellers Luca Rota:
Auf dem Scerscen-Gletscher gab es etwa dreissig Jahren lang ein beliebtes Gletscherskigebiet: "Von den 1970er bis in die 1990er Jahre aktiv, erreichte man es, indem man mit einem Jeep eine waghalsige Schotterstrasse entlangfuhr, die an manchen Stellen nicht wenige einschüchterte, bis auf etwa 2.750 m Höhe. Dann musste man zu Fuss einen ebenso kurvenreichen Weg hinaufsteigen, um die Entova-Berghütte zu erreichen, die am Rand des Gletschers gelegen war und die einzige Unterkunft in der Gegend war, während die Skier und das Gepäck mit einer Seilbahn hinauftransportiert wurden. Es gab zwei Skilifte, die keine einfachen Pisten bedienten und vor allem in einem hochalpinen Szenario lagen, das schlichtweg atemberaubend war, mit Blick auf die höchsten Gipfel des Bernina".

Dies war "einst", denn heute sind das Skigebiet und sein Schnee "verschwunden": "Leider hat der Scerscen-Gletscher einen raschen und drastischen Schwund erlitten: Einst einer der grössten der Zentralalpen, bildete er zusammen mit dem oberen Scerscen Gletscher eine einzige Eismasse, aus der eine Gletscherzunge hervorging, die bis auf fast 2.100 Meter hinabstieg, ist er heute auf einen grauen Eiskörper reduziert. Der immer stärker von Balken und Felsrippen durchzogen ist, die an der Oberfläche wieder auftauchen, selten mit einer Schneedecke bedeckt ist und häufig von zahlreichen epiglazialen Bächen durchzogen wird", schliesst Rota und erzählt indirekt auch die Geschichte vieler anderer Gletscher, wie dem der Marmolada, die zum Verschwinden bestimmt sind.
Text Quelle: https://www.ildolomiti.it/montagna/2023 ... i-scerscen
Der zweite beschrieben Lift fand ich hier nur als Linie eingezeichnet (Das zweite letzte Bild): https://lucarota.com/2023/09/05/cera-un ... -scerscen/
Wenn man sich die abgeschmolzene Gletscherfläche zudenkt, auf diesen Bild, dann kann man sich auch der Pistenverlauf vorstellen.
Interessant ist das Bild mit dem Gletschervergleich von weiter oben: https://www.servizioglaciologicolombard ... tografici/

Luftbilder aus dem Jahr 2016 (Zeitbedarf: 2:12 Minuten)


Direktlink


Und so müsste sich der Aufstieg angefühlt haben. Ein paar Kästle Tourenski sind oben geblieben. Dieser Film ist im Jahr 2022 entstanden. (Zeitbedarf: 13:57 Minuten)


Direktlink

Das Gebäude (Entova-Berghütte) war von 1980 bis 1985 in Betrieb. Quelle: https://www.cima-asso.it/blog/category/ ... inferiore/
Sehr intensiv und ununterbrochen war der Rückzug dieses Gletschers, der während der kleinen Eiszeit die geneigte Ebene westlich des Pizzo Tremoggia vollständig bedeckte. Seine Zunge erstreckte sich in das Scerscen-Tal, wurde aber von der Masse des oberen Gletschers behindert und vollzog eine plötzliche Abweichung von über 90°, wodurch er den rechten Teil bedeckte und manchmal sogar einige Hügel und das Tal, das von der Force herabführt, in Gegenneigung bedeckte. An dieser Stelle bildete sich ab 1910 an der rechten Seite der Zunge ein Gletscherrandsee, der Lago dei Seracchi, in dem zahlreiche Eisberge trieben. Nach 1920 erreichte der See seine maximale Ausdehnung, aber da er nur von der seitlichen Wand der sich verringernden Zunge gestützt wurde, entleerte er sich teilweise in der Nacht zwischen dem 1. und 2. August 1923. Er bildete sich dann in den beiden folgenden Jahren wieder und entleerte sich am 10. August 1927 vollständig aufgrund eines wahrscheinlichen Ablösens des Eises vom Felsboden. Die Schäden waren beträchtlich: Das Wasser des Sees, das auf eine halbe Million Kubikmeter geschätzt wurde, zerstörte beim Abstieg durch die darunterliegende Schlucht Hütten und Brücken bis nach Lanzada (988 m), wo es die Talsperre eines Wasserkraftwerks wegspülte. Die Flutwelle war bis nach Sondrio zu spüren (Corti, Nangeroni, 1929). Letzterer beschreibt die Front im Jahr 1928 als ziemlich gegliedert, mit zwei Hauptzungen, die noch mit der des oberen Gletschers zusammenflossen. Die Trennung erfolgte in der Mitte der 1940er Jahre und die Messungen an der rechten Zunge begannen 1950 durch Riva und später durch Saibene, Smiraglia, Catasta; seitdem hat sich diese Front ohne Unterbrechungen bis heute um insgesamt etwa 900 m zurückgezogen. Der rechte Teil des Gletschers hat die grössten Veränderungen erfahren, mit der Bildung einer anderen Zunge, die sich von 1989 bis 1990 um beeindruckende 216 m zurückzog, während der linke Teil geringere Reduktionen zeigte, eine kleine positive Pulsation in der Mitte der Front nach 1963 - in der Mitte der Front kam ein See zum Vorschein.
Quellen: https://www.cima-asso.it/blog/category/ ... inferiore/
https://www.researchgate.net/publicatio ... a_italiano

Erster Weltkrieg:
Am 1. und 2. April 1917 ereignete sich im oberen Valmalenco eine Tragödie, die 24 jungen Alpini das Leben kostete. Am 1. April wurden bei der Alpe Musella-Hütte 8 Alpinisten der 5. Staffel von einer Lawine überwältigt, die vom Sasso Nero oberhalb abbrach. Einem überlebenden Alpinisten gelang es, die Marinelli-Hütte zu erreichen, wo eine Abteilung alpiner Skifahrer stationiert war. Am 2. April 16 brachen 16 Alpensoldaten auf, um Musellas Kameraden im Scerscen-Tal auf 2.370 Metern Höhe Hilfe zu leisten. Sie wurden ihrerseits von einer Lawine getroffen, die von der Bocchetta delle Forbici abbrach und ihnen kein Entrinnen liess. Am Ort der Tragödie wurde ein kleiner Friedhof mit Grabsteinen und einem Kreuz angelegt. (Auf dem Schwarzweissfoto 1917 sieht man, wie weit der Gletscher damals herunterging.)

Info: https://www.ecomuseovalmalenco.it/perco ... scen-1917/

Was mir aufgellen ist, dass selbst die Pistenraupen wieder, den weg ins Tal fanden. Anderorts wurden diese Maschinen einfach zurückgelassen. Dass die Berghütte nicht solo überlebte, dürfte an der Konkurrenz liegen.
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Mt. Cervino
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von Mt. Cervino »

Danke für das Zusammentragend dieser sehr interessanten Infos, Links, Bilder und Videos.
Besonders die Gletschervergleichsbilder haben es mir angetan. Sie zeigen aber auch deutlich, dass die Gletscherschmelze nicht nur ein Phänomen der letzten 30 Jahre ist...
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von Chlosterdörfler »

Entova-Berghütte

Die Hütte wurde wahrscheinlich bis Mitte der 90 Jahre im letzten Jahrhundert bewirtet und danach aufgegeben.
Quelle: Verzeichnisse von Alpenvereine, es wurde auch eine Telefonnummer dort angegeben.
L’idea del rifugio, come appoggio per lo sci estivo sul ghiacciaio, nasce negli anni ’70 grazie all’ambizioso progetto concepito dai maestri di sci della Valmalenco insieme alle guide alpine.

Die Idee einer Berghütte als Stützpunkt für das Sommerskifahren auf dem Gletscher entstand in den 1970er Jahren dank des ehrgeizigen Projekts, das von den Skilehrern des Valmalenco gemeinsam mit den Bergführern entwickelt wurde.
So kam es zu dieser Berghütte, zuerst dürfte eine einfache gestanden haben. Erst danach gab es diese mit mehr Komfort, um so mehr Skifahrer anzuziehen. Schade, hatten sie kein Geld für eine Personenseilbahn zur Berghütte hinauf. Von der Aussicht hätte es Potenzial gehabt.

Zwei neue Ideen für touristische Nutzungen.

(2017) Eine Hypothese für die Umgestaltung des Scerscen 3000 in Valmalenco, als ein innovatives Modell des alpinen Tourismus. Info: https://webthesis.biblio.polito.it/secu ... act_IT.pdf

(2020) Presseartikel: https://www.laprovinciaunicatv.it/stori ... 350049_11/
Ein neues Hochgebirgsszenario für den Scerschen Gletscher (Planung eines festen Biwak- und Bergführerzentrums). Mit Bildern auch von damals aus dem Stadtarchiv Sondrio und Private: https://issuu.com/matteofancello/docs/book_tesi

Gemäss Foto waren auch Schweizer Ski Athletinnen dort im "Höhenlager" am Trainieren (Seite 62-63).

PS: Es gibt ein Thread zum Thema Sommerski Scerscen [Wer hat hier wohl die Steine verloren?]: viewtopic.php?t=36093
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von Chlosterdörfler »

Gemäss den Aussagen in diesem Film wurde das Sommerskifahren nach dem Jahr 1995 beendet. Da ich im andren Thread nicht fündig wurde, wo die Bergstation vom untern Skilift war. War die Bildszene in der Minute 10:29 aufschlussreich dazu. Sie wurde auf dem Grat errichtet. Die vom oberen und längeren Skilift wurde dagegen im Gletschereis verankert. In einem Kommentar zum Film wurde erwähnt, dass die Piste mit der "gelben" Raupe gemacht wurde. Wie auch das Ausrichten von den Skiliften im Gletschereis. Nur auf den Bildern, wo man im Netz findet. Kann man den Typ nicht erkennen, ob es sich um eine Baumaschinenraupe oder eine Pistenraupe handelt :?:

Da in der Swisstope Karte Zeitreise nur ein Skilift eingetragen ist. So gehe ich davon einmal aus das der unter Lift früher aufgegeben wurde. Was aber die Karte bestätigt ist, dass die Berghütte nach den Skiliften errichtet wurde. In der Karte, wo im Jahr 1971 publiziert wurde. Findet man keine Anhaltspunkte, von einem Sommer Skigebiet dort :!:
(Kartenwerk Landeskarte der Schweiz 1:25’000 (LK25)
Blattnummer: 1277
Blattbezeichnung: Piz Bernina
Datenstand: 1985)


Zeitbedarf: 17:08


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Kris
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von Kris »

Eine geniales Italienisches Abenteuer. war das dort!

Auf der Swisstopo Zeitreise ist einer der zwei Lifte eingezeichnet. Erstmalig im Kartenwerk von 1979, und dann auf leicht versetzter Linie nochmals 1991. In der Ausgabe 1998 war der Lift dann weg.

https://s.geo.admin.ch/uomdmisrib6y

Der erste Lift hatte eine Länge von etwa 560 Metern, also recht kurz in Relation zur riesigen Gletscherfläche dort. Überwunden wurden dabei etwa 150 Höhenmeter, was auf eine eher einfache Abfahrtspiste schließen lässt. Der zweite Lift kam später hinzu, und war wohl nur wenige Jahre in Betrieb. Dieser startete etwas unterhalb auf 2850m, und endete am Grat auf knapp 3000m. Er war damit etwas steiler, mit etwas mehr Nagler Feeling. Wobei der Grat selbst nur bei guter Schneelage erreichbar gewesen sein dürfte, sonst war wohl Abbüglen weiter unten am Bergschrund angesagt.


Ebenso auf Luftbildern von 1979 (und weiteren): Am Schattenwurf ist 1979 erkennbar, dass das Hotel noch in Bau war (oder eine Erweiterung hiervon).
https://s.geo.admin.ch/k55wrcddbmml

Im letzten Luftbild mit Lift von 1991 ist einerseits zu erkennen, wie der Gletscher unterhalb des "Talstation" spaltig ausgeapert ist, und der zweite Lift somit nicht mehr Betriebsfähig war. (der zweite Lift ist auf den Luftbildern nicht erkennbar, da außerhalb der dort endenden Luftbilder abgeschnitten). Jetzt ist da kein Eis mehr.

Auch wurde in dieser Zeit offenbar die Skifläche per Ratractshuttle bis unter den Gipfelaufstieg des Sasso d'Entova in die Höhe erweitert. Der Höhenbereich erstreckt
sich somit von etwa 2850m Meter liftmäßig bis 3050 Meter, und dann weiter per Ratrac au 3200 Meter. Somit ergeben sich 200+150 Meter Höhendifferenz. Das erscheint mir immer erstaunlich wenig, um dort oben ein Hotel mit 150 Betten Sommerfüllend betreiben zu wollen (da ich mal drinnen war, möchte ich es als "Hotel", und nicht als "Rifugio" bezeichnen).
Anderseits ließen sich für 150 Gäste kaum größere Aufstiegsanlagen begründen, Tagesgäste wird es ja kaum gegeben haben.
Wobei der unumgängliche Todesstoß für das Hotel auch der abziehende Permafrost war, was zu einer instabilen Bodenplatte des Gebäudes geführt hat, welches von großen Rissen durchzogen ist.

https://s.geo.admin.ch/uvciwlhd4gpy

1992 müsste der letzte Sommer für das Hotel gewesen sein.
>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von Chlosterdörfler »

Gemäss dieser Quelle auf Seite 20 war das Berghotel nur recht kurz in Betrieb :!:

Das stimmt mit den Luftbildern für das Berghotel überein. Auch wurde auf diesen Zeitpunkt vom Hotelausbau der Parkplatz vergrössert. Bei der Grösse des Hotels dürften dort oben regelmäßig Nachwuchstrainingsgruppen untergebracht gewesen sein. Der eigentliche Todesstoss war die frühe Ausaperung des Gletschers im Bereich des Skiliftes. Dadurch wurde ein entsprechender Trainingsbetrieb dort oben verunmöglicht.

Auf dem Luftbild von 1998 ist nur noch Gletschereis im Bereich der Skipiste zu sehen. Spätere Aufnahmen zeigen auch Felsbänder dort.

Anno di costruzione 1986
Anno di dimissione 1993

Quelle: https://www.legambiente.it/wp-content/u ... sa2024.pdf
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von Chlosterdörfler »

Hier habe ich noch ein Bild gefunden, mit einem Hubschrauber, Aufnahmezeitraum: 1975 - 1979. Bildbeschreibung: "Transport des Materials per Helikopter zum Bau der Scerscen Hütte".

Zum Bild: https://www.lombardiabeniculturali.it/f ... t=sort_int

Ich habe das Bild nur per Zufall aufgestöbert. Das, weil ich nach Bildern vom Rifugio Longoni gesucht habe. Mir ist aufgefallen, dass zu diesem Rifugio eine Materialseilbahn gehört.
Die Talstation befindet sich an der Bergstrasse zum ex. Parkplatz vom Gletscher Skigebiet. Auf der Schweizerlandkarte ist diese Materialseilbahn nicht eingetragen. Ich hoffe auf das sie auf einer Flugkarte eingezeichnet ist.

Seite Rifugio mit Bildern: https://www.caiseregno.it/rifugi/longoni
Bericht aus dem Jahr 2022: https://www.ilcittadinomb.it/news/sport ... almalenco/
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von intermezzo »

Vielleicht ist neben dem Scerscen auch das von Interesse: Ganz in der Nähe davon gab es mal Pläne, ein Sommerskigebiet am Pizzo Scalino zu installiieren.

http://www.sommerschi.com/forum/viewtop ... t=scerscen

Einen zwar nicht unmittelbar mit dem Thema zusammenhängenden, aber höchst spannenden Bericht von Harzwinter aus der Ecke (mitsamt Piz Scerscen und Pizzo Scalino) gibt es hier im AF:

viewtopic.php?p=4977849&hilit=scalino#p4977849
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GMD
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von GMD »

Der Heli ist eine S.319 Alouette III des französischen Herstellers Sud Aviation (später Aérospatiale). Ich meine da auf den Stabilisatoren am Heck ein Schweizerkreuz zu erkennen. Schade kann man die Registrierung nicht sehen.
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von Chlosterdörfler »

So jetzt hatte ich Zeit das Fotoarchiv Betreff: Biblioteca di Chiesa in Valmalenco (SO) durchzusehen.

Angeseilt über den Gletscher, aufgenommen vor 1970 (Hintergrund Pizzo Malenco und Lace Tremoggia): https://www.lombardiabeniculturali.it/f ... 1-0000268/

Strasse zum Parkplatz ob der Waldgrenze (1970-75). Anmerkung: Die Strasse, die zum Scerscen-Gletscher Parkplatz führte. Camilla sagt, dass der Schnee so reichlich war, dass er einen Tunnel graben musste, um mit dem Jeep hochzufahren.
Schneetunnel: https://www.lombardiabeniculturali.it/f ... 1-0000197/

Drei stolze Männer mit einem Paar Ski vor einem Jeep (1975-80): https://www.lombardiabeniculturali.it/f ... 1-0000294/

Bauzustand vom Berghotel im Jahr 1975, im Vordergrund Bauunterkunft. Was nicht ersichtlich ist, ob es eine provisorische Materialseilbahn gab.
Anmerkung: Gruppenfoto einiger Mitglieder der Genossenschaft, die das Scerscen Refugium gebaut hat. https://www.lombardiabeniculturali.it/f ... 1-0000024/

Zustand vom Berghotel vor dem Ausbau (1980-85). Persönlich hat mir diese Fassadengestaltung besser gefallen, samt den roten Fensterläden. Anmerkung: Das Berghotel wurde 1979 vor dem Sommerskifahren auf dem Scerscen-Gletscher eingeweiht. Nach dem Saisonschluss im Jahr 1992 gab man die Bewirtung auf. https://www.lombardiabeniculturali.it/f ... 1-0000030/

Was ich in diesem Bildarchiv nicht fand, waren aufnehmen von den Gletscher Skilifte.


Weitere Aufnahme aus der Region.

Hinweis: Teilnehmer eines Skirennens in Caspoggio im Jahr 1920: https://www.lombardiabeniculturali.it/f ... 1-0000553/

Hinweis: Die Einersesselbahn in Caspoggio in den 50er Jahren, sie waren zusammen mit dem Primolo Skilift die ersten Anlagen im Valmalenco Tal. https://www.lombardiabeniculturali.it/f ... 1-0000550/

Hinweis: Skilift in Barchi, das Lifttrasse fährt unmittelbar neben der Alp vorbei (1965-70). https://www.lombardiabeniculturali.it/f ... 1-0000297/

Hinweis: Es gab auch italienische Seilhersteller für Luftseilbahn (1966). https://www.lombardiabeniculturali.it/f ... 1-0000283/

Hinweis: Bau der Bogenstütze von der Luftseilbahn Palo in den Jahre 1962-64: https://www.lombardiabeniculturali.it/f ... 1-0000298/

Hinweis: Die Stütze einer Bau-Materialseilbahn (1963). Die Auflagefläche für das Seil sorgten dafür, dass der Abrieb vom Seil erheblich war: https://www.lombardiabeniculturali.it/f ... 1-0000289/
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von GMD »

Resepekt und vielen Dank, dass du dich da durchgewühlt hast!
Chlosterdörfler hat geschrieben: 06.04.2024 - 00:32 Drei stolze Männer mit einem Paar Ski vor einem Jeep (1975-80): https://www.lombardiabeniculturali.it/f ... 1-0000294/
Das sieht mir eher nach einem britischen Land Rover als ein amerikanischer Jeep aus. Aber der Landy ist auch ein exzellenter Geländewagen.

Chlosterdörfler hat geschrieben: 06.04.2024 - 00:32Bau der Bogenstütze von der Luftseilbahn Palo in den Jahre 1962-64: https://www.lombardiabeniculturali.it/f ... 1-0000298/
Alleine wegen der Passage dieser Monsterstütze dürfte eine Fahrt in beide Richtungen ein Erlebnis gewesen sein.

Chlosterdörfler hat geschrieben: 06.04.2024 - 00:32Die Stütze einer Bau-Materialseilbahn (1963). Die Auflagefläche für das Seil sorgten dafür, dass der Abrieb vom Seil erheblich war: https://www.lombardiabeniculturali.it/f ... 1-0000289/
Nun, war ja nur eine provisorische, temporäre Anlage. Die FBM müssen aber ganz schön geschwankt haben!
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von Chlosterdörfler »

Viele von euch werden den berühmten "Bernina Express" kennen, der von Tirano aus über ein spektakuläres Streckennetz durch das Valposchiavo und den Berninapass nach St. Moritz führt.

Weniger bekannt ist jedoch, dass das ursprüngliche Eisenbahnnetzprojekt zwischen dem schweizerischen Engadin und der Veltlin. Das 1903 von Ingenieur Orsatti ausgearbeitet wurde, eine andere Route vorsah. Die Sondrio und St. Moritz durch das Valmalenco Tal verbinden sollte. Nachdem der Zug den Ort Chiesa passiert hätte, wäre er bis zu den Wiesen von San Giuseppe gestiegen und dann bis nach Entova geklettert. Bevor er in einen Tunnel (3 km) in etwa 2000 Metern Höhe bei der Alpe Fora unter dem Piz Tremogge eingefahren wäre und auf der Schweizer Seite in Plan Vadret, im Fex Tal, wieder auftauchen würde. Von dort ging es nach Sils hinunter und entlang vom Silvaplanersee bis nach St. Moritz.

Oder anders ausgedrückt, eine Geschichte und eine wirtschaftliche, touristische, kulturelle Entwicklung - die wahrscheinlich sehr unterschiedlich zu denen gewesen wären, die diese Region der lombardischen Alpen tatsächlich geprägt haben. Stattdessen begannen 1906 entlang des Valposchiavo die Arbeiten an der Strecke mit Endpunkt Tirano, die schliesslich am 5. Juli 1910 in ihrer Gesamtheit eingeweiht wurde.

Quellen: https://www.ecomuseovalmalenco.it/de/pf ... almalenco/
https://www.ecomuseovalmalenco.it/de/pf ... s-projekt/
https://www.ecomuseovalmalenco.it/de/pf ... legenheit/
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von GMD »

Ein typisches Projekt des Bergbahnfiebers, welches zwischen 1875 und 1914 in den Alpen grassierte. Viele davon reine Hirngespinste, aber die Euphorie war dermassen gross, dass sogar dafür von den Zulassungsstellen Konzessionen erteilt wurden. In der Regel scheiterte es dann an der Finanzierung. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges brachte dann ein abruptes Ende dieser Phase. Wie so oft brachte der Krieg grosse technische Fortschritte. Im konkreten Falle bei der Entwicklung des Automobils, welches nach dem Krieg zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten der Eisenbahn entwickelte. Ebenfalls im ersten Weltkrieg wurde erstmals im grossen Umfang in den Bergen gekämpft. Was, und das ist für uns hier im Alpinforum wichtig, zu grossen Fortschritten beim Seilbahnbau führte. Erwähnt sei nur die Entwicklung der stark abgespannte Pendelbahn durch Luis Züegg aus Südtirol. Damals natürlich noch zu Österreich-Ungarn gehörend.
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von ATV »

Die Materialseilbahn ist auf der schweizer Karte schon drauf:
https://map.geo.admin.ch/mobile.html?la ... air=marker
-> meine Fotos könnt ihr weiterhin auf meiner Webseite --> www.stahlseil.ch ansehen.
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von Chlosterdörfler »

ATV hat geschrieben: 07.04.2024 - 16:59 Die Materialseilbahn ist auf der schweizer Karte schon drauf:
https://map.geo.admin.ch/mobile.html?la ... air=marker
Das Rifugio Longoni verfügt auch über eine Materialseilbahn, ich meinte diese hier. https://www.openstreetmap.org/?mlat=46. ... 281/9.8213

Auf der Map von OpenTopo ist die Materialseilbahn eingetragen zum Rifugio Longoni. Ebenso so sind auf dieser Map zusätzlich Hochspannungs-Freileitungen und Wasserleitungen für die Stromproduktion mit eingetragen. https://opentopomap.org/#marker=15/46.32829/9.82118

Beim Kartenprodukt von Fatmap ist, sie nicht vorhanden, aber dafür sind andre interessante Information vorhanden, je nach Layer. https://fatmap.com/waypoint//Lombardei_ ... er?fmid=cp

Dass man mindestens eine Materialseilbahn zum Berghotel brauchte, wird auf diesem Foto deutlich. Denn nach diesem Aufstieg brauchte man kein Aufwärmtraining mehr. http://www.paesidivaltellina.it/forcaentova/fe3.jpg
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von Chlosterdörfler »

intermezzo hat geschrieben: 05.04.2024 - 15:38 Vielleicht ist neben dem Scerscen auch das von Interesse: Ganz in der Nähe davon gab es mal Pläne, ein Sommerskigebiet am Pizzo Scalino zu installiieren.

http://www.sommerschi.com/forum/viewtop ... t=scerscen
Das Landesverkehrsamt Sondrio hat den Prospekt "Sci estivo in Valtellina" im Jahr 1975 veröffentlicht. http://www.harzwinter.de/alpinforum/vel ... t_1975.pdf
Auf der 3 letzte Seite wurde es erwähnt. Was auffällt, dass das Scerscen Sommerskigebiet im Bau damals dort verschwiegen wurde.

Der Pizzo Scalino ist auf diesem Foto der höchste Berg, am Fuss ist der zugehörige Gletscher erkennbar. https://www.sac-cas.ch/de/huetten-und-t ... skitouren/
Foto Impressionen einer Sommerbegehung im Jahr 2018 mit Besteigung. https://www.skiforum.it/board/index.php?threads/91352/
Hier gibt es noch weitere Bilder. http://www.paesidivaltellina.it/pizzoscalino/index.htm


Klar ist, dass man dieses Projekt mit dem Zeitgeist von 1970- 80 bewerten muss. Weiter klar ist, dass diese Idee Umsetzung um einiges technischer aufwendiger wäre. Gemäss der Fotos und der Geologie käme eine direkte Bergerschliessung vom Pizzo Scalino nicht in Betracht. Was von Vorteil ist, die Ausrichtung vom Gletscher Richtung Norden. Das hätte eine länger Sommernutzung ermöglicht als beim Scerscen.
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von kaldini »

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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von GMD »

Ist allerdings auf der anderen Seite des Berges.
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von markus »

Das ist wieder so ein Typisches KI Video. Super Recherchiert. Die Vajont Longarone Katastrophe war z.B. nicht 1936 sondern 1963.
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Re: Vergessenes Sommerskigebiet an der schweizer.-ital. Grenze

Beitrag von Chlosterdörfler »

Grosser Bergsturz am Piz Scerscen auf der Schweizerseite

Am 14.04.2024 um 06.56 Uhr hat sich ein grosser Bergsturz (über eine Million Kubikmeter Fels und Eis) in der Nordwestwand des Piz Scerscen ereignet. Der Abrauch ereignete sich unterhalb vom Gipfel. Der Schuttstrom erstreckt sich über mehr als 5 km bis hinunter ins Val Roseg.
kaldini hat geschrieben: 16.04.2024 - 14:21 Passt teilweise hier rein https://www.merkur.de/welt/italien-am-p ... 2461.html
markus hat geschrieben: 16.04.2024 - 21:45 Das ist wieder so ein Typisches KI Video. Super Recherchiert. Die Vajont Longarone Katastrophe war z.B. nicht 1936 sondern 1963.
Entweder liegt es am Arbeitsdruck oder es wurde nicht mit der nötigen Sorgfalt gearbeitet. Die KI nimmt zwar Arbeit ab, aber man muss noch aufpassen mit der Compliance-Anforderungen. Das gilt nicht nur im medizinischen Bereich.

Zu einem Bergsteigerbericht: https://www.lacrux.com/alpinismus/gewal ... -scerscen/
SAC Zustandswarnungen mit einem weiteren Bild von den Materialablagerungen auf dem Gletscher nach dem Abbruch: https://www.sac-cas.ch/de/huetten-und-t ... warnungen/
20 Minuten erreicht Ursula Schranz von der Chamanna Coaz-Hütte. Sie sagt: «Die Situation bei uns ist stabil.» Der Hauptzugang im Winter sei die Corvatschbahn, weswegen es keine grossen Einschränkungen beim Zugang durch den massiven Felssturz gebe.
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