Tag 3 – Ich bin ein bisschen schockiert
Am dritten Tag stand Hochzillertal auf dem Programm. Ich habe dort in der Skischule Optimal Skifahren gelernt und fühle mich diesem Gebiet seit jeher besonders verbunden – auch wenn es inzwischen zu ein Insduskigebiet gehört. Das gilt wohl für viele große Skigebiete. Hat diese Entwicklung also noch einen negativen Beigeschmack? Ich glaube nicht.
Wir bezahlten 70 € für die Taxifahrt von Mayrhofen nach Kaltenbach (fünf Personen). Kurz vor 8:00 Uhr erreichten wir die Talstation Kaltenbach. Das neue Parkhaus und die neue Fassade des alten Parkhauses haben die Situation zwar etwas verbessert, doch morgens herrscht dort nach wie vor reines Chaos.
Eigentlich wollte ich mit der roten Gondel hinauffahren weil die im Zukunft ersetzt wird, doch dort standen bereits etwa fünf Gondeln wartezeitan. Deshalb entschied ich mich für Hochzillertal 3. Nach wenigen Minuten Fahrt öffnete sich der Blick auf Mountain View, und wir waren oben. Wie bei fast allen anderen war auch für uns die erste Fahrt der Sonnenjet. Von den Gondeln direkt Richtung Neuhütten zu fahren, fühlt sich immer noch unlogisch an und erfordert deutlich mehr stochern als der Weg zum Sonnenjet.
Gesamteindruck Hochzillertal
Insgesamt war ich vom Zustand des Hochzillertals schockiert. Ich verfolge das Gebiet intensiv über Webcams und das Alpinforum und denke oft über logistische Verbesserungen nach. Bereits zuvor war mir aufgefallen, dass sich hinter der Marendalm viel Platz eröffnet hatte. Ich vermutete daher, dass hier eine Umgehung angelegt wurde, um den Verkehr zwischen Zentralstation, Mizunbahn, Wimbachexpress und Schnee Express zu entflechten.
Diese Vermutung bestätigte sich vor Ort: Beim Vorbeifahren an der Marendalm steht tatsächlich ein entsprechendes Pistenschild.
^ Linksum zum Mizunbahn en Co!
Genau das ist typisch für das Vorgehen: Symptombekämpfung statt struktureller Lösung. Das eigentliche Problem liegt in der viel zu engen Passage zwischen der Talstation Sonnenjet und der Marendalm. Das hat zwei Ursachen:
- Die Skiständer stehen zu dicht,
- und viele Gäste stellen ihre Ski gar nicht erst in die Ständer.
Die einfachste Maßnahme wäre, mehr Skiständer aufzustellen und deutlich zu kennzeichnen, dass sich dieser Bereich auf einer Piste befindet.
Sollte die Talstation Sonnenjet irgendwann ersetzt werden (2031?) durch ein 8CLD (?), müsste sie weiter nach Westen verlegt werden, um den Skifluss zu verbreitern. Bei einem Neubau der Marendalm wäre eine Verlagerung nach Osten sinnvoll. Mir ist allerdings bewusst, dass dies mittelfristig kaum realisierbar ist.
Sonnenjet – zwei Auffälligkeiten
Am Sonnenjet sind mir zwei Dinge besonders negativ aufgefallen:
- Jeder Stützenmast ist mit riesigen Revolut-Aufklebern beklebt. Ich fühlte mich eher an ein französisches Dorf mit überbordender Außenwerbung erinnert als an ein Premiumskigebiet.
- Der Zustand der Haubenbeklebung ist inakzeptabel.
Viele Hauben haben gar keine Aufkleber mehr, bei anderen sind sie nur noch fragmentarisch vorhanden. In einem Gebiet mit Namen wie Mountain View, Albergo, Kristall und Wedelhütte ist das schlicht unwürdig. Wie viel Aufwand kann es sein, diese Aufkleber in einem Sommer vollständig zu entfernen?
Pisten und Präparierung
Nach der Bergfahrt fuhren wir über Piste 5 zurück zum Sonnenjet und anschließend über Piste 6 Richtung Schnee Express. Auffällig war, dass ab der Hälfte der unteren Abfahrt die Piste 6 nicht mehr präpariert war. Das hat mich schockiert, zwischen 8:00 und 8:30 Uhr erwarte ich frisch präparierte Pisten.
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8.30/8.45 Uhr Piste 6
Wir wechselten anschließend mit dem Schnee Express auf die Südseite des Hochzillertals. An der Talstation fiel mir auf, dass sich auch hier die Aufkleber bereits ablösen. Nach 20 Jahren ist das nicht ungewöhnlich – für ein Gebiet der Schultz Group allerdings schon. Positiv fiel immerhin auf, dass der Schnee Express rechts mit einem Haltegriff für Kinder ausgestattet ist. Skigruppen verteilen sich deshalb bewusst und nutzen nicht ausschließlich die Mizunbahn.
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Weiss Jemand die Liftnahme?
Oben sahen wir eine Skigruppe, die die rote Piste 8 hinunterfuhr, ebenfalls noch nicht vollständig präpariert.
Nebenbei: Laut OpenSkiMap ist die blaue Piste 9 eigentlich rot markiert.
Wir querten die Pisten 8, 9 und 10 zum Kristall Express. Auch der untere Teil der Piste 10 war nicht präpariert, stellenweise ragten sogar Grasbüschel aus dem Schnee. Wäre es nicht an der Zeit für einen zusätzlichen Speicherteich im südlichen Hochzillertal?
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Piste 10 am KristallExpres
Abgesehen von diesen Punkten waren die übrigen Pisten insgesamt in gutem Zustand. Wir nahmen erneut den Kristall Express für die schwarze Piste 8, anschließend den Schnee Express und den Wimbach Express. Oben im Albergo tranken wir Kaffee. Ich war zuvor noch nie im Albergo gewesen, da ich es für extrem teuer hielt. Es war zwar nicht günstig, aber auch nicht übertrieben teuer. Während wir dort saßen, landete der erste Hubschrauber im Funpark – bereits der x-te in dieser Woche.
Übergang nach Hochfügen / Achterjet
Nach dem Kaffee fuhren wir zurück Richtung Sonnenjet, um den Übergang nach Hochfügen zu machen. Die Gruppe, die zum ersten Mal in Kaltenbach war, merkte bereits an der Wedel-Express an, wie kalt dieser Lift sei. Damit bestätigte sich für mich ein schon länger gehegter Verdacht:
Warum so viele Skifahrer den Übergang von Kaltenbach nach hinten kaum nutzen, liegt nicht an der Topografie, sondern an den Menschen selbst. Die meisten sind eben Schönwetter-Skifahrer. Über Piste 1 in Hochfügen und anschließend Piste 3 gelangten wir zur Holzalm.
(Grundsätzliche Frage: Wäre es nicht sinnvoll, Hochzillertal und Hochfügen – eventuell auch Spieljoch – neu zu nummerieren, sodass jede Pistennummer nur einmal im gesamten Verbund vorkommt?)
Die Pisten an der Holzalm präsentierten sich überraschend gut. Da die Holzalm lange geschlossen war, hatte ich ursprünglich in Erwägung gezogen, direkt von Piste 1 zur Achterjet weiterzufahren, doch das war nicht notwendig. Deshalb nahmen wir die Holzalm noch mit.
An der Achterjet angekommen, stand eine deutlich sichtbare Warteschlange, beginnend bereits am Eingang. Rechts fiel mir auf, dass der Pfaffenbühel nahezu leer lief. Ich achtete gezielt auf die Auslastung der Achterjet-Gondeln – und stellte fest, dass nahezu keine einzige Gondel voll mit acht Personen nach oben fuhr. Auch der Zustand der Gondeln fiel mir negativ auf. Für eine Anlage, die 2014 in Betrieb genommen wurde, wirken sie überraschend heruntergekommen – nahezu auf dem Niveau von Hochzillertal 1+2, die bereits seit 1997 laufen.
Oben angekommen fuhren wir Richtung Waidoffen, um über Piste 13 zurück ins Tal zu gelangen. Hinter mir kollidierten zwei Personen miteinander, sodass zwei Leute aus meiner Gruppe Hilfe leisteten. Das gab mir die Gelegenheit, eine kleine Stichprobe zur Gondelauslastung zu machen:
Von etwa zehn Gondeln fuhr nur eine einzige voll besetzt nach oben, der Rest mit sechs oder maximal sieben Personen.
Unten im Tal standen wir erneut vor der Entscheidung: Pfaffenbühel oder Achterjet?
Da die Wartezeit an der Achterjet aufgrund der Mittagszeit deutlich kürzer geworden war, gingen wir davon aus, dass wir mit beiden Varianten ungefähr gleich schnell an der Position der Pfaffenbühel-Bergstation ankommen würden – und entschieden uns erneut für die Gondel. Über Piste 10 und die schwarze 6 erreichten wir den Zillertal Shuttle und traten den Rückweg Richtung Kaltenbach an. An der Talstation der Achterjet fiel mir dabei eine sehr alte Pistenkarte auf: Weder Mizunbahn noch Kristall-Express waren darauf verzeichnet. Diese Karte stammt also mindestens aus der Saison 2012/2013.
Wenn man sich als Skigebiet ernst nimmt, ersetzt man so etwas. Das ist weder kompliziert noch teuer.
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Karte alter wie 2012/2023
Über den Topjet – über den sich einige Gäste beschwert hatten – fuhren wir anschließend über Piste 4 zur Platz Alm. Dort fanden wir einen Platz mit Blick nach Osten und Aussicht auf die Zentralstation.
Nachmittagsrunde
Nach dem Mittagessen fuhren wir über die blaue Piste 3 zur Neuhüttenbahn. Fast alle Aufkleber an den Sesseln fehlten – nur zwei oder drei waren noch beklebt. Ich frage mich ernsthaft, was dort passiert ist und warum der Sonnenjet nicht schon deutlich früher gereinigt wurde. Mir ist bekannt, dass die Neuhüttenbahn 2020 bei einem Sturm einige beschädigte Hauben hatte – das erklärt jedoch nicht, warum nahezu alle ersetzt wurden.
Wir entschieden uns anschließend für die Talabfahrt zur Mittelstation. Diese wurde letzten Sommer an mehreren Stellen angepasst, was ich grundsätzlich positiv sehe. Die Piste ist nun gleichmäßiger breit, und ich kann mir vorstellen, dass sie in den Ferien entspannter zu fahren ist.
Kurz oberhalb des Skistadl kreuzt ein schmaler Weg die Gondeltrasse. Ich befürchte jedoch, dass dieser Pfad künftig verschwinden wird. Auffällig – fast schon unheimlich – ist, wie bodennah sich Hochzillertal 2 dort anfühlt.
An der Mittelstation mussten wir unter der roten Gondel hindurch. Ich habe mich innerlich ein wenig verabschiedet: Ich weiß nicht, ob Hochzillertal 1+2 nächstes Jahr noch stehen werden – und ebenso wenig, ob ich selbst nächstes Jahr wieder hier sein werde. Der Kommentar eines Mitfahrers zu diesem dunklen Betonbau namens Mittelstation war entsprechend eindeutig.
Insgesamt ist es höchste Zeit, Hochzillertal 1+2 zu ersetzen – insbesondere angesichts der Premium-Positionierung des Gebiets durch Schultz.
Letzte Stunde
Von der Mittelstation ging es zurück Richtung Sonnenjet, um Piste 5 erneut zu fahren. Die Gruppe sammelte sich unten, um Richtung Postalm weiterzufahren. Meine letzte Stunde war angebrochen. Ich drehte noch eine Runde über Schnee Express, Kristall Express, Hirschbichllift, Wimbach Express und Sonnenjet, bevor ich über die Pisten 4 und 3 ins Tal abfuhr.
Mich erstaunt immer wieder, wie viele Gäste die Piste Z an der Mittelstation zur Talabfahrt nutzen. Sie ist langsam, überfüllt und extrem zäh. Über Piste 3 gelangt man deutlich angenehmer ins Tal.
Allein zu fahren hat einen großen Vorteil: Man wartet auf niemanden. Also fuhr ich weiter bis nach Kaltenbach und beobachtete dabei auch die Brückenverbreiterung sowie weitere Anpassungen der Talabfahrt. Im unteren Bereich gibt es einige ungewöhnliche Höhenunterschiede, wie bereits im News-Thread diskutiert – überrascht war ich daher nicht.
Gegen 16:00 Uhr war ich wieder unten in Kaltenbach.
Fazit Hochzillertal
Zusammenfassend bin ich vom Zustand des Skigebiets Hochfügen-Hochzillertal stark schockiert:
- Hochzillertal 1+2 und der Achterjet sind stark heruntergekommen und weit von ihrer theoretischen Kapazität entfernt.
- Die Haubenbeklebung des Sonnenjets löst sich auf; bei der Neuhüttenbahn drehen nur noch zwei oder drei beklebte Sessel.
- Am Schnee Express ist an Tal- und Bergstation nicht mehr eindeutig erkennbar, um welchen Lift es sich handelt.
- Im Gebiet hängen noch veraltete Pistenpläne.
- Die Pistenpräparierung auf den Pisten 6 und 10 war mangelhaft bis nicht vorhanden.
- Trotz der enormen Kapazität auf der Kaltenbachseite wird die Ofelerbahn in der Hochsaison vermutlich weiterhin benötigt, damit Anfänger auf der blauen Piste 9 üben können – die laut OpenSkiMap ohnehin rot ist.
Kleines Detail am Rande:
Die rot markierte Abzweigung auf Piste 1 ist deutlich schwieriger als die eigentliche schwarze Hauptpiste, die eher rot wirkt. Wie passt das zusammen?
Und selbst das beleuchtete Hochzillertal.com-Schild an der Talstation funktioniert inzwischen nicht mehr: