Historisches aus Arosa und dem Schanfigg

alles über: geschlossene Skigebiete/Lifte; alte, nicht mehr existente Hersteller etc.
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Basalt
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Re: Historisches aus Arosa und dem Schanfigg

Beitrag von Basalt »

Ja die Lawinenbilder vom Obersäss kenn ich auch. Du entpuppst dich ja als echter Experte in dem Gebiet. :D :top:

Darf ich fragen, woher du das Modell hast? Warst du mal bei Städeli tätig?
Montani Semper Liberi

Weisshorn
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Re: Historisches aus Arosa und dem Schanfigg

Beitrag von Weisshorn »

Neinein, kein Experte. Aber Arosa kenn ich von damals schon noch ein bisschen.

Das Bänkli Modell gehört nicht mir. Das war mal bei einer Ausstellung zu sehen. Bei den meisten offenen Städeli-Antriebs-Spannstationen aus jener Zeit wurde auf das Zierdach verzichtet. In Arosa legte man aber ziemlichen Wert drauf. Original sah das so aus:
Sesselbahn Bänkli Talstation.jpg
Sesselbahn Bänkli Talstation.jpg (72.3 KiB) 3248 mal betrachtet
Und Bänkli Berg mit dem Kurzausstieg am komischen Ort so (Quelle Wikipedia):
Sesselbahn_Bänkli_Arosa.jpg
Sesselbahn_Bänkli_Arosa.jpg (192.39 KiB) 3248 mal betrachtet
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Basalt
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Re: Historisches aus Arosa und dem Schanfigg

Beitrag von Basalt »

Danke für deine spannenden Inputs. Falls du noch mehr Material zu diesem Topic hast: Jederzeit! Gerne gebe ich daher noch kurz meinen Senf dazu. :wink:
Weisshorn hat geschrieben: 21.06.2024 - 13:30 Dann war da aber noch die lange Bänkli Sesselbahn ab Plattenhorn Tal Richtung Weisshorn Südwestflanke. Die war gleich alt wie Obersäss und technisch sehr ähnlich aber endete an einem ganz komischen Ort mit viel zu kleiner Ausstiegsfläche.
Blick vom Weisshorn im Jahr 1982 auf die Sesselbahn Bänkli mit dem komischen Ausstiegsort, die Sesselbahn Öbersäss, die 1981 erweiterte Carmennahütte und den Plattenhornlift. Im Hintergund zudem gerade noch erkennbar die alte Hörnlibahn und der Skilift Hörnli.
Bildnachweis und Lizenz: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich) / Com_C11-109-002-007 / CC BY-SA 4.0
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Im Vordergrund die unpräparierte FIS-Abfahrtspiste vom Weisshorn. Der orange-schwarze Richtungsweiser ist unten mit einer blau-weissen „FIS“-Plakette versehen. (Die Skibob-Piste am Hörnli war übrigens ähnlich gekennzeichnet). Am unteren Bildrand rechts der überwächtete Grat, wo heute die Sesselbahn Carmenna endet. Das „Bänkli“ (die alte Sitzbank, siehe hierzu unten) stand gleich dahinter, ungefähr beim mittleren der drei Skifahrer. Von der Bergstation Obersäss führte damals bei guter Schneelage noch eine hier sehr gut sichtbare Piste direkt Richtung Plattenhorn-Flanke, die sogenannte Züri-Piste, benannt nach dem Zürcher Skiclub ZüriLeu, der damals im Februar oft dort trainierte.

Hier das ganze noch mit etwas Zoom.
Bildnachweis und Lizenz: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich) / Com_LC2106-004-006 / CC BY-SA 4.0
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Am unteren Ende des verbuckelten Pistenbereichs erkennbar die markante Pistenbullyspur, die damals standardmässig rechts rüber zur heutigen Piste 8a Richtung Carmennahütte führte. Viele Skifahrer querten jeweils direkt unter den Plattenhornfelsen rüber zur Obersäss Bergstation und weiter zum Hörnlilift. So konnte man an stark frequentierten Tagen das mühsame Anstehen am Plattenhorn- bzw. Obersässlift vermeiden. Links von der Doppelstütze des Bänklilifts die frisch gewalzte und heute ebenfalls nicht mehr existente Variante der Piste 9.

Da der Bänkli- und der Obersässlift vor allem Entlastungsanlagen zum Plattenhornlift waren, wurden beide mit dem Neubau der Plattenhornsesselbahn 2002 überflüssig und daher nicht ersetzt. Der Bereich Bänkli wird zudem seit 2000 mit der Sesselbahn Carmenna direkt vom Bergkirchli her erschlossen.
Bänkli war aber ein kompletter Neubau, keine Occasion. Ich wunderte mich über den etwas läppischen Namen. Warum nicht Sesselbahn Weisshorn?
Der Name Bänkli kommt von einer hochgelegenen Aussichtsbank, die es schon lange nicht mehr gibt. Der Skiclub Arosa wollte im Dezember 1961 bei schlechten Schneebedingungen ein Slalomrennen durchführen und fand nach längerem Suchen eine improvisierte Skipiste mit Start beim besagten „Bänkli“. Vom Skiclub gelangte dieser neue "Flurname" via Pistendienst ins Vokabular der Aroser Verkehrsbetriebe (AVB) und schliesslich sogar in die Landeskarten von Swisstopo. Allerdings stand besagte Sitzgelegenheit nicht bei der Bergstation der Sesselbahn Bänkli sondern ein gutes Stück weiter oben am Ausläufer des Weisshorngrats am Wanderweg Carmennapass - Weisshorn.

https://map.geo.admin.ch/?zoom=11.04421 ... 1184011.04

Die AVB achteten darauf, wenn möglich nicht denselben Namen für mehrere Seilbahnen zu verwenden. Da „Carmenna“ und „Weisshorn“ 1978 bereits vergeben waren, wählte man für die beiden neuen Sesselbahnen „Obersäss“ bzw. „Bänkli“.

Der Grund, weshalb die Bänkli Sesselbahn nicht ganz bis zur erwähnten Sitzbank hochgezogen wurde, waren übrigens die internationalen Abfahrtsrennen, die man damals auf der FIS-Piste Weisshorn - Bergkirchli durchführte. Der Bänklilift wäre der Abfahrtspiste im Bereich des Sprungs „Toblerkante“ im Weg gestanden, weshalb man die Verlegenheitslösung weiter unten am Grat wählte. Nachdem dann die alpinen Weltcuprennen Anfang der 90er-Jahre definitiv aufgegeben worden waren, stand dem Neubau der Carmenna Sesselbahn keine Rennpiste mehr im Weg. Der Name „Bänkli“ wäre so gesehen für die neue Bahn einiges treffender gewesen als für die 2002 abgerissene Zweiersesselbahn.
Montani Semper Liberi
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Re: Historisches aus Arosa und dem Schanfigg

Beitrag von Basalt »

Zum heutigen 50. Todestag der Skilegende Roger Staub hat der Blick einen interessanten Rückblick verfasst mit bisher kaum bekannten Bildern und Hintergrundinformationen.

Zwar leider grundsätzlich hinter einer Paywall, aber zumindest eben noch in vollem Umfang einsehbar.

https://www.blick.ch/sport/ski/vor-50-j ... 98160.html
Die beiden Tausendsassas Roger Staub (rechts) und Toni Sailer 1964 beim Looping am Tschuggen bei Aufnahmen für einen Fernsehfilm. Im Hintergrund die Seile der Weisshornbahn 1 und der Skilift Prätschli (Tomeli). Bildnachweis und Lizenz: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich) / Com_L13-0003-0002-0007 / CC BY-SA 4.0
Die beiden Tausendsassas Roger Staub (rechts) und Toni Sailer 1964 beim Looping am Tschuggen bei Aufnahmen für einen Fernsehfilm. Im Hintergrund die Seile der Weisshornbahn 1 und der Skilift Prätschli (Tomeli). Bildnachweis und Lizenz: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich) / Com_L13-0003-0002-0007 / CC BY-SA 4.0
Zuletzt geändert von Basalt am 09.08.2024 - 13:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Historisches aus Arosa und dem Schanfigg

Beitrag von Weisshorn »

Basalt hat geschrieben: 30.06.2024 - 13:02 Der Grund, weshalb die Bänkli Sesselbahn nicht ganz bis zur erwähnten Sitzbank hochgezogen wurde, waren übrigens die internationalen Abfahrtsrennen, die man damals auf der FIS-Piste Weisshorn - Bergkirchli durchführte. Der Bänklilift wäre der Abfahrtspiste im Bereich des Sprungs „Toblerkante“ im Weg gestanden, weshalb man die Verlegenheitslösung weiter unten am Grat wählte. Nachdem dann die alpinen Weltcuprennen Anfang der 90er-Jahre definitiv aufgegeben worden waren, stand dem Neubau der Carmenna Sesselbahn keine Rennpiste mehr im Weg.
Das Problem wäre denke ich eher die Bergstation selbst oben an der FIS gewesen. Schau dir nochmals das Bild an, von 1982, richtig?
FIS Bänkli Plattenhorn.jpg
Siehst du das planierte Schneebödeli ganz rechts vor den drei Skifahrern? Dort wäre ca. die Endstation Bänkli gewesen, am selben Ort wie heute Carmenna. Den Bereich Toblerkante hätte der Bänklisessel problemlos überfahren können.

Im Februar 1982 war in Arosa eine Weltcup Doppelabfahrt der Damen. Wir waren mit der ganzen Familie zuschauen. Es gab zwei Doppelsiege, einmal durch die Ami-Girls und einmal durch die Schweizerinnen. Auf dem Schneebödeli war der Start, die Zufahrt vom Gipfel für das Publikum gesperrt. Im Steilhang Oberhalb Endstation Bänklisessel die Abfahrtspiste als Traverse. Die Toblerkante war harmlos, weil dort das Tempo nach der kurzen U-förmigen Anfahrt noch tief war. Von da weg ging es aber zur Sache.

Hat man die FIS eigentlich je in ganzer Länge, also mit Start am Weisshorngipfel, rennmässig genutzt? Nur dann hätte eine Bergstation oben an der FIS effektiv gestört.
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Re: Historisches aus Arosa und dem Schanfigg

Beitrag von Basalt »

Weisshorn hat geschrieben: 13.07.2024 - 10:54 Das Problem wäre denke ich eher die Bergstation selbst oben an der FIS gewesen. Den Bereich Toblerkante hätte der Bänklisessel problemlos überfahren können.
Das ist natürlich richtig. So war mein Hinweis eigentlich auch gemeint.
Im Februar 1982 war in  Arosa eine Weltcup Doppelabfahrt der Damen. Auf dem Schneebödeli war der Start.
Stimmt, gut beobachtet. :D War mir auf dem Bild gar nicht aufgefallen. Nach den Weltcuprennen 1982 fanden vor Ort ja auch noch die Schweizermeisterschaften der Damen statt. Das Bild entstand sehr wahrscheinlich nach den SM, da sämtliches für die Rennen benötigte Material bereits weggeräumt scheint.
Im Steilhang Oberhalb Endstation Bänklisessel die Abfahrtspiste als Traverse. Die Toblerkante war harmlos, weil dort das Tempo nach der kurzen U-förmigen Anfahrt noch tief war. Von da weg ging es aber zur Sache.
Korrekt. Die Toblerkante bekam ihren Namen übrigens von einem gleichnamigen Appenzeller, der hier bei einem Herrenrennen schwer stürzte. Vorbild für die Bezeichnung war die „Minschkante“ auf der Lauberhornstrecke in Wengen. Die Herren starteten allerdings von weiter oben und hatten daher bei der Toblerkante eine deutlich höhere Geschwindigkeit als die Damen (siehe dazu weiter unten). Nach der Toblerkante ging's über eine schwierige Rechtskurve in den unteren Teil des Steilhangs mit viel Tempo auf den Ober Tütschboda runter zum Kollerhupf (wo ein weiterer Appenzeller namens Koller einen Abflug machte). Von dort verlief die Piste über den Unter Tütschboda zur Kante am Nervahügel und dem Tusslisprung bei der Arlenwaldstrasse als Hauptattraktion. Weiter ging es in einem weiten Linksbogen ins kurze Flachstück bei den Gadastett und schliesslich über den Zielsprung runter zum Kirchlistall.
Abfotografierte Ansichtskarte von ca. 1975 mit Eindrücken der FIS-Abfahrtspiste. Von oben rechts im Uhrzeigersinn: Zielsprung, Rechtskurve im Steilhang unterhalb der Toblerkante, Tusslisprung und die Kulmwiese in Innerarosa, wo heute die Skicrossbewerbe stattfinden.
Abfotografierte Ansichtskarte von ca. 1975 mit Eindrücken der FIS-Abfahrtspiste. Von oben rechts im Uhrzeigersinn: Zielsprung, Rechtskurve im Steilhang unterhalb der Toblerkante, Tusslisprung und die Kulmwiese in Innerarosa, wo heute die Skicrossbewerbe stattfinden.
Arosa Skirennen.jpg (80.7 KiB) 2682 mal betrachtet
Die FIS-Abfahrtspiste wurde übrigens 1973 gebaut. Sie ist 3350 Meter lang und überwindet vom Weisshorngipfel bis zum Bergkirchli 750 Höhenmeter. Es wurden vom Gipfel bis zum Kollerhupf umfangreiche Planierungen vorgenommen, die mit Fr. 180’000 zu Buche schlugen. Der Bürgergemeinde Chur als Grundeigentümerin ging die Bautätigkeit allerdings zu weit; sie liess die Übung nach einem Augenschein beim Kollerhupf abbrechen, obwohl die Traverse zum damaligen Carmennalift ebenfalls einen Ausbau verdient gehabt hätte.
Hat man die FIS eigentlich je in ganzer Länge, also mit Start am Weisshorngipfel, rennmässig genutzt? Nur dann hätte eine Bergstation oben an der FIS effektiv gestört.
Meines Wissens fanden nur zwei FIS-Herrenabfahrten auf der Weisshornstrecke statt, aber keine Welt- oder Europacuprennen. Der Start war jeweils etwas weiter oben als der Damenstart, am von unten gesehen rechten Pistenrand bei der 9. Markierungsstange (Zählung von unten).
Bildnachweis und Lizenz: Wikimedia Commons / Fotograf: Andreas Passwirth / CC BY-SA 3.0. Blick von der Carmenna-Endstation ("Bänkli") zum Weisshorngipfel.
Bildnachweis und Lizenz: Wikimedia Commons / Fotograf: Andreas Passwirth / CC BY-SA 3.0. Blick von der Carmenna-Endstation ("Bänkli") zum Weisshorngipfel.
Von ganz oben wurde nie gestartet. Man hätte die Rennstrecke praktisch nur in der Falllinie ausflaggen können, das Tempo von ca. 140 km/h beim „Bänkli“ unten wäre Richtung Toblerkante fahrtechnisch nicht zu meistern bzw. pistentechnisch aufgrund der knappen Platzverhältnisse kaum zu drosseln gewesen, wie man anhand des nachstehenden Bilds gut erahnen kann.
Bildnachweis und Lizenz: Wikimedia Commons / Fotograf: Roland Zumbühl / CC BY-SA 3.0. Blick auf den obersten, schmalen Teil der FIS-Abfahrtspiste bis zum Bereich der heutigen Carmenna-Endstation, der in einem 180-Grad Bogen umfahren wurde.
Bildnachweis und Lizenz: Wikimedia Commons / Fotograf: Roland Zumbühl / CC BY-SA 3.0. Blick auf den obersten, schmalen Teil der FIS-Abfahrtspiste bis zum Bereich der heutigen Carmenna-Endstation, der in einem 180-Grad Bogen umfahren wurde.
Arosa-Weisshorn-03.jpg (83.64 KiB) 2682 mal betrachtet
Zum Zeitpunkt des Baus 1973 hätten auf der FIS-Piste rein theoretisch auch Weltcupabfahrten der Herren durchgeführt werden können. Ein paar Jahre später erhöhte die FIS jedoch die minimale Höhendifferenz für Herren-Weltcupbewerbe auf 800 Meter. Dies hätte eine Verlängerung der Rennstrecke via Chilchbüdemji/Chilchlimulde runter zur Eisbahn Innerarosa (wobei man das Schmidsch Huus wohl hätte entfernen müssen) oder via Donauwellen - Emsla zur Kulmwiese nötig gemacht. Für Damenrennen waren die gut 600 Höhenmeter Bänkli - Bergkirchli bei einem reglementarischen Minimum von 500 Metern mehr als ausreichend. Die Abfahrt war denn auch sehr attraktiv und bei den Athletinnen beliebt. Ein Jammer, dass man sie aus dem Weltcup-Rennkalender hat streichen lassen.
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Re: Historisches aus Arosa und dem Schanfigg

Beitrag von Basalt »

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Re: Historisches aus Arosa und dem Schanfigg

Beitrag von Basalt »

Ich bin auf ein paar frühe Bilder des Skilifts Plattenhorn gestossen, die ich bisher nicht kannte und euch nicht vorenthalten möchte. Da mir die Lizenz für eine weitere Veröffentlichung nicht ganz klar ist, füge ich hier allerdings nur die Links zur offiziellen Quelle ein. Das dort angegebene Aufnahmedatum (22.09.1965) ist offensichtlich unrichtig.

Der Plattenhornlift wurde im Sommer 1966 für rund Fr. 500’000.-- von der Firma Oehler gebaut und im Dezember desselben Jahres in Betrieb genommen. Bereits im Vorfeld hatten Ortskundige auf die lawinengefährdete Lage der Endstation hingewiesen, sie fanden jedoch in der Chefetage der damaligen Aroser Verkehrsbetriebe (AVB) kein Gehör.

Die Endstation wurde daher zunächst in leichter, offener und lawinentechnisch völlig ungesicherter Bauweise erstellt. Links davon befand sich ein Liftlerhäuschen aus Holz. Die Station war ursprünglich so ausgestaltet, dass ein Seilscheibenausstieg nicht möglich war.

https://memobase.ch/de/object/vks-002-V ... position=0
https://memobase.ch/de/object/vks-002-V ... position=1
https://memobase.ch/de/object/vks-002-V ... position=0

Erst 1968 anerkannte die AVB die problematische Nähe zum Lawinenhang. Der Verwaltungsrat erklärte allerdings lapidar, „es liegen Zusicherungen vor, dass nichts passiert“ (!). Wenn Gefahr droht, könne man die Skifahrer etwa 200 m weiter unten aussteigen lassen. Walter Flüeler von der Gemeinde meinte hingegen damals, dass hier angesichts der grossen Gefahr nur ausgewachsene Lawinenverbauungen wie etwa auf Seta oberhalb von Langwies zielführend seien.

Zu solch umfassenden Verbauungen kam es dann an der Plattenhorn-Südflanke allerdings nicht. Die AVB entschieden sich stattdessen dazu, die Umlenkstation in eine massive Stahl-Holzhülle zu packen. Oberhalb der Station wurde zudem ein einzelner Querriegel aus Stahlträgern platziert. Die neue Baute beinhaltete unten rechts den Liftlerraum und war auf der linken Seite mit einem kurzen Ausfahrtunnel versehen, sodass die Skifahrer im Normalbetrieb wie beim Skilift Hörnli bis in die Station hineinführen und die Schleppbügel einem bei der Umlenkscheibe stehenden Abbügler übergaben.

download/file.php?id=270302&mode=view

Die Idee, den Ausstieg bei Lawinengefahr einfach weiter talwärts zu verlegen, setzte man hingegen tatsächlich um. Das nachfolgende Bild, das von der letzten Stütze Nr. 14 aus gemacht wurde, zeigt den gefährdeten obersten Bereich des Lifts sowie neben der Stütze Nr. 10 die bei Lawinengefahr benutzte Liftlerhütte, die erst 1978 nach dem Bau der Sesselbahn Obersäss entfernt wurde; fortan konnte man den verkürzten Plattenhornlift-Ausstieg auch von deren etwas weiter oben befindlichen Endstation aus überwachen.

https://memobase.ch/de/object/vks-002-V ... position=2

Als der Plattenhornlift 2002 durch die heutige Vierersesselbahn Plattenhorn ersetzt wurde, baute man deren Endstation rund 150 m weiter südlich, womit die Lawinenexponiertheit weitgehend gebannt werde konnte.
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Re: Historisches aus Arosa und dem Schanfigg

Beitrag von Weisshorn »

Danke werter Kollege. Und dabei meinte ich bis heute, dass die grosse Endstation immer so war. Als ich in den 80ern für eine Saison bei den AVB bügelte, sagte mir der Anlagenchef mal, dass der Plattenhorn eigentlich zum Doppellift ausgebaut werden sollte. Am Platten gab es an schönen Tagen ja Wartezeiten ohne Ende. Weisst du dazu mehr?

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Re: Historisches aus Arosa und dem Schanfigg

Beitrag von Basalt »

Ja. 1977 sah das ein Entwicklungskonzept der AVB vor. Neben dem Plattenhornlift sollten auch der Hörnlilift und der Skilift Tschuggen Ost als Doppelschlepplifte ausgebaut werden. Zudem war eine Sesselbahn Krähentschuggen ab Talstation Carmennalift (!) in Planung (diese entstand ja dann 1985 als erste Vierersesselbahn der Schweiz ab Talstation Riedlift) und die beiden Sesselbahnen Maran - Fuchs und Chessi - Brüggerhorn. Der Bau der beiden letzteren Bahnen wurde jedoch von der Bürgergemeinde Chur „aus forstwirtschaftlichen Gründen“ abgelehnt.

https://map.geo.admin.ch/#/map?lang=de& ... fo=default
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Re: Historisches aus Arosa und dem Schanfigg

Beitrag von Basalt »

Heute vor 84 Jahren, im Jahr 1941, war Karsamstag. An jenem Osterwochenende erlebte das noch winterliche Arosa einen regelrechten Saisonend-Ansturm von Skifahrern aus dem Unterland, worüber die Schweizer Filmwochenschau ein paar Tage später berichtete. Mitten im 2. Weltkrieg handelte es sich bei den Gästen offenkundig praktisch ausschliesslich um Inländer.

https://memobase.ch/de/object/bar-001-S ... sition=616

Auch in den folgenden Jahrzehnten waren die Osterwochenenden bei guten Wetterbedingungen in Arosa jeweils ähnlich gut ausgelastet wie Weihnachten/Neujahr.

In jüngster Zeit hat sich das allerdings markant verändert, vor allem bei späten Osterterminen wie z.B. heuer: Nicht zuletzt aufgrund des Klimawandels mit häufig milden Temperaturen im Flachland und attraktiven Frühlingsangeboten am Meer verspüren heute die meisten Schweizer/Innen keine Lust mehr auf ein verlängertes Wochenende im Schnee. Im für Arosa wichtigsten Auslandmarkt Deutschland verhält es sich zudem ganz ähnlich; wer es dort an Ostern trotzdem nochmals wissen will, zieht i.d.R. die für sie meist nähergelegenen und günstigeren Skigebiete im Tirol vor. Daher lohnt sich dort ein Vollbetrieb bis Ostern (und teils sogar darüber hinaus) eher noch als bei uns, wo sich das wirtschaftlich aufgrund mangelnder Nachfrage schon seit Jahren nicht mehr darstellen liesse.
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Re: Historisches aus Arosa und dem Schanfigg

Beitrag von Weisshorn »

Danke für den Link. Coole Aufnahmen vom alten Carmennalift. Das mit dem Ostergeschäft kann ich bestätigen. Als ich in den 80ern einmal einen Winter in Arosa arbeitete, war der Ort über Ostern praktisch nochmals ausgebucht. Damals war ja auch Sommerskifahren überall gross in Mode. Die Zeiten ändern sich halt, nicht nur wegen dem Klimawandel.
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Re: Historisches aus Arosa und dem Schanfigg

Beitrag von Å¡vi-nigel »

Genial merssi. Mit dem alten Constam Lift wär ich auch mal gerne gefahren. :D
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