Auflistung aller Pendelbahnlaufwerke
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Super, vielen Dank für die ausführliche Beschreibung. Leider kann man als aufmerksamer Beobachter von außen nur die visuellen Unterschiede der Laufwerke ausmachen. Schön wenn dann jemand was zu den technischen Details sagen kann.
"Seilbahnen sind komplexe technische Systeme. Sie sind Werke innovativen vielschichtigen Schaffens und bilden ein spannungsvolles Zusammenspiel technischer und wirtschaftlicher, politischer, sozio-kultureller und landschaftlicher Faktoren." (Schweizerisches Bundesamt für Kultur)
- Christoph Lütz
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Abheben des Laufwerks
Das sind keine Stangen, sondern Kettenglieder. Ohne die Stabilisierung mit den Stahlseilen würde die Kabine sich auch seitlich bewegen. Die Kettengliederelemente sind sehr dünn, aber noch mit einem Teleskop-Kunststoffrohr ummantelt. Diese Ummantelung fehlte damals noch bei der Bahn in Samnaun.
Stell dir mal vor, die Kabine fährt über einen Stützensattel (Kuppe mit Ausrundung R=36m) zu Tal, und das berseitige Zugseil reisst. Durch die gespannte Zusseilschleife verbleibt ein Restseilzug, der sofort das Laufwerk in Richtung Tal zieht. Wenn der Massenschwerpunkt in der Kabinenebene ist, dreht sich das Laufwerk um diese und hebt ab. Die Kettenglieder verhindern dieses aber.
In Italien hat man die Einfallzeit der Fangbremsen auf 0,2 sec begrenzt. Dadurch ist aber eine Abstufung der Bremskraft nicht möglich und die Bauteile des Fahrzeuges, z.B. das Gehängetragrohr werden bei Einfall der nicht abgestuften Tragseilbremse sehr stark belastet. Bei kleineren Kabinen ist das nicht so problematisch, aber in der Schweiz sind diese oft sehr groß (mehr als 100 Pers./Kabine).
In den achziger Jahren haben die Franzosen begonnen, auf eine Tragseilbremse zu verzichten. Diese Seilbahnen haben eine durchgehend gespleißte Förderseilschleife, wie eine EUB. Man sagt, diese kann besser magnetinduktiv geprüft werden. Außerdem entfällt der größte Schwachpunkt, die Zugseilbefestigung am Laufwerk. Falls ein Fahrzeug blockiert, z. B. auf einem Stützensattel, kann eine Befestigung mittels Klemmbacken durchrutschen und zusätzliche Kräfte aufnehmen.
Seilbahnen ohne Tragseilbremse können zudem schneller fahren (bis 12,5 m/s). Mit Tragseilbremse sind max. 11 m/s möglich.
Inzwischen ist es auch in der Schweiz möglich, auf eine Tragseilbremse zu verzichten.
Von diesen Argumenten halte ich aber nicht viel!
Stell dir mal vor, die Kabine fährt über einen Stützensattel (Kuppe mit Ausrundung R=36m) zu Tal, und das berseitige Zugseil reisst. Durch die gespannte Zusseilschleife verbleibt ein Restseilzug, der sofort das Laufwerk in Richtung Tal zieht. Wenn der Massenschwerpunkt in der Kabinenebene ist, dreht sich das Laufwerk um diese und hebt ab. Die Kettenglieder verhindern dieses aber.
In Italien hat man die Einfallzeit der Fangbremsen auf 0,2 sec begrenzt. Dadurch ist aber eine Abstufung der Bremskraft nicht möglich und die Bauteile des Fahrzeuges, z.B. das Gehängetragrohr werden bei Einfall der nicht abgestuften Tragseilbremse sehr stark belastet. Bei kleineren Kabinen ist das nicht so problematisch, aber in der Schweiz sind diese oft sehr groß (mehr als 100 Pers./Kabine).
In den achziger Jahren haben die Franzosen begonnen, auf eine Tragseilbremse zu verzichten. Diese Seilbahnen haben eine durchgehend gespleißte Förderseilschleife, wie eine EUB. Man sagt, diese kann besser magnetinduktiv geprüft werden. Außerdem entfällt der größte Schwachpunkt, die Zugseilbefestigung am Laufwerk. Falls ein Fahrzeug blockiert, z. B. auf einem Stützensattel, kann eine Befestigung mittels Klemmbacken durchrutschen und zusätzliche Kräfte aufnehmen.
Seilbahnen ohne Tragseilbremse können zudem schneller fahren (bis 12,5 m/s). Mit Tragseilbremse sind max. 11 m/s möglich.
Inzwischen ist es auch in der Schweiz möglich, auf eine Tragseilbremse zu verzichten.
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JB007
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Klasse, vielen Dank für die ausführliche Erklärung!
Naja, irgendwie muss das Seil ja befestigt sein. Und jede Befestigung kann versagen, insofern finde ich es falsch, die Fangbremsen wegzulassen.Christoph Lütz hat geschrieben:Außerdem entfällt der größte Schwachpunkt, die Zugseilbefestigung am Laufwerk.
- Christoph Lütz
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Abstufung der Tragseilbremse
^^ Das von mir oben beschriebene Beispiel ist nicht der ungünstigste Fall. Wenn die Kabine bergwärts fährt, und das bergseitige Zugseil reisst, neigt das Laufwerk noch viel stärker zum Entgleisen. Die Hauptmasse (Kabine) bewegt sich bergwärts, während das Laufwerk von dem talseitigen Zugseil nach unten gezogen wird.
Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass bei modernen Laufwerken die Bremsbacken verzögert schließen (Abstufung), wenn das jeweils in Fahrrichtung vordere Zugseil reißt. Diese Abstufung wird bei Garaventa-Laufwerken dadurch realisiert, dass das talseitige Bremsbackenpaar in diesen Fällen verzögert einfällt, indem das Hydrauliköl aus dem Öffnungszylinder über ein Elektroventil nur gedrosselt abgeleitet wird.
Dies ist in dem hier beschriebenen Fall zutreffend, so dass der Effekt noch verstärkt wird.
Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass bei modernen Laufwerken die Bremsbacken verzögert schließen (Abstufung), wenn das jeweils in Fahrrichtung vordere Zugseil reißt. Diese Abstufung wird bei Garaventa-Laufwerken dadurch realisiert, dass das talseitige Bremsbackenpaar in diesen Fällen verzögert einfällt, indem das Hydrauliköl aus dem Öffnungszylinder über ein Elektroventil nur gedrosselt abgeleitet wird.
Dies ist in dem hier beschriebenen Fall zutreffend, so dass der Effekt noch verstärkt wird.
- Christoph Lütz
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^^Der Verzicht auf eine Tragseilbremse ist aus meiner Sicht auch nicht richtig. Auch bei einem durchgehen gespleißten Zugseil kann die Zugseilbefestigung am Laufwerk oder die Bremsen auf der Treibscheibe in der Antriebsstation versagen.
Man stelle sich vor, durch einen elektrischen Defekt fallen bei voller Fahrt Betriebs und Sicherheitsbremse ein und die Fütterung der Seilscheibe bricht. Bei einer Umlaufbahn besteht dann immer noch die Chance, dass eine der vielen Fahrzeuge auf der Strecke an einer Stütze blockiert, und das Gesamtsystem bremst.
1999 gab es am Pic de Bure in Frankreich ein Seilbahnunglück mit 20 Toten, wo eine Kabine auf den Tragseilen ungebremst zu Tal rauschte und irgendwann entgleiste. Das durchgehend gespleiste Zugseil war aber nicht gerissen. Ob die Bremsen in der Antriebsstation oder die Zugseilbefestigung versagte, weiß ich nicht.
Eine Tragseilbremse hätte das Unglück verhindert, denke ich.
Man stelle sich vor, durch einen elektrischen Defekt fallen bei voller Fahrt Betriebs und Sicherheitsbremse ein und die Fütterung der Seilscheibe bricht. Bei einer Umlaufbahn besteht dann immer noch die Chance, dass eine der vielen Fahrzeuge auf der Strecke an einer Stütze blockiert, und das Gesamtsystem bremst.
1999 gab es am Pic de Bure in Frankreich ein Seilbahnunglück mit 20 Toten, wo eine Kabine auf den Tragseilen ungebremst zu Tal rauschte und irgendwann entgleiste. Das durchgehend gespleiste Zugseil war aber nicht gerissen. Ob die Bremsen in der Antriebsstation oder die Zugseilbefestigung versagte, weiß ich nicht.
Eine Tragseilbremse hätte das Unglück verhindert, denke ich.
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Noch zwei Laufwerke von mir.
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