Zonenüberwachung bei Umlaufbahnen

Fachforum für Seilbahntechnik: Technische Diskussionen zu Kuppelsystemen, Steuerungen, Seilrechnung und Innovationen im Seilbahnbau.
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ATV
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Re: Zonenüberwachung bei Umlaufbahnen

Beitrag von ATV »

Das Poti bestimmt nicht die Fahrgeschwindigkeit sondern nur den Programmablauf in %. Damit lässt sich dann aber dennoch die Fahrgeschwindigkeit ändern. Die Pendelbahn besitzt im Gegensatz zur Umlaufbahn ein festes Fahrprogramm. Die Bahn beschleunigt, reduziert über die Masten und fährt danach wieder langsam in die Station ein. Das Poti bestimmt, wie schnell dieses Programm abgefahren wird. eine Bahn mit 10m/s fährt mit Poti 100% das Fahrprogramm mit maximal 10m/s ab. Stellt man das Poti auf 50% fährt die Bahn das gleiche Programm mit 50% also maximal 5m/s ab. Ist die gleiche Bahn nur eine mit 5m/s fährt sie bei 100% mit 5m/s ab und bei 50% halt nur noch mit maximal 2,5m/s. Das Fahrprogramm wird vom Kopierwerk überwacht, zusätzlich bestimmt die Position im Kopierwerk auf den Standort der Masten und Stationseinfahrten. Der Sollwert, eine Spannung von 0-10V wird in 0-120% eingeteilt. 100% liegt demnach bei 8,33V. Ohne die Steuerung in den Prüfmodus zu setzen, kann mit dem Poti nur ein Sollwert zwischen 0 und 8.33V bestimmt werden. Für den Übergeschwindigkeitstest 120% wird der bereich bis 10V freigegeben. Das Fahrprogramm wird mit 120% ausgeführt, die Bahn beschleunigt also maximal bia 12m/s, aber nur an Stellen an denen voll gefahren werden kann, also nicht in den Einfahrten oder auf den Masten. Den Rest kennst du ja. Glang Biiiiuuuuuuuuuu.
Selbiges gilt auch für Umlaufbahnen. Nur dass deren Fahrgeschwindigkeit konstant ist.

Zum Einschalten der Testfunktionen muss die Bahn stillstehen. Steht man den Schlüsselschalter während der Fahrt wird NHBB eingeleitet und die Bahn unsanft gestopt. Angefahren wird mit eingeschaltetem Prüfmodus erschwert, also mit Poti 0. Mit dem Schalter 110% oder 120% kann der Prüfmodus gewählt werden. Bei letzterem ist der elektrische 110% deaktiviert. Jetzt kann das Poti auf 120% gedreht werden. Die Bahn beschleunigt auf 120% bis der Fliehkraftregler das Schnellablassventil öffnet und sich die SB schliesst und so die Bahn stoppt. Natürlich kann man den Ort der Auslösung selber etwas bestimmen indem man in heiklen Passagen mit 100% fährt und erst danach beschleunigen lässt. Währe aber nicht das erste mal, dass sowas zu Zugseilüberwürfen führt. Funktioniert das, wird der Regler abgeklebt der ausgelöst hat und die Fahrt wiederholt um den zweiten Regler zu testen. Bremskurven werden gespeichert und ausgedruckt.


Für Fahren mit Überbrückung/tw. Ersatzsteuerung wird der Sollwert auf 2m/s begrenzt.

Bild

Vielleicht kann und Seilbahner mal schildern wie ddas in DE gemacht wird bzw einer der Mods das mal abspalten.
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Lagorce
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Re: Zonenüberwachung bei Umlaufbahnen

Beitrag von Lagorce »

Nochmals besten Dankfür diese detailierte Erklärung.

Die Drucktaster "Schneller" und "Lagsamer" des Kabinensteuerstandes haben in dem Fall die gleiche Funktion wie eine (elektronisch durch die SPS emulierte) Ansteuerung einer virtuellen Version des Potis?

Irgendwie muss ich was verwechselt haben, u.U. mit dem Diesel-Notantrieb, da dort glaub ich direkt die Geschwindigkeit mit dem Poti (oder gar per Hubvertsellventilhandotbetätigung vorort direkt von Hand). gesteuert wird.


D.h., dass man beim Hauptantrieb gar nicht direkt die Geschwindigkeit für Testfahrten von Hand steuern an (so gemeint, dass zwar die Geschwindigkeit effektiv direkt vom Poti vorgegeben wird, jedoch mit "Plafonierung" gem. maximal zugelassenen Geschwindigkeiten je nach Streckenabnschnitt (Stützen, Einfahrten usw.). od., als variante, Anhalten der Bahn falls die Geschwindigkeit mit dem Poti nicht entsprechend führ genug zurückgenommen wird, also nicht als Multiplikationsfaktor für das Fahrprogramm)..

Gibt auch Bahnen ohne Fahrautomatik, bei denen nur von Hand die Geschwindigkeit vorgegeben werden kann wobei lediglich die Vmax-Überwachung die Bahn anhält wenn bei Stützenüberfahrten und Staionseinfarhten die Fahrgeschwindigkeit nicht entsprechend von Hand zurückgenommen wird.

Weisst du zufällig, ob es unter den sehr alten rudimentären Militär-PB solche gab, die gar keine Geschwindigkeitsüberachung hatten? Soviel ich mir erinnere, ist aber schon lange her und hatte damals nicht so genau hingeschaut, war alles manuell und sah so aus als gäbe kaum meher als Pufferendschalter..


Jedenfalls nochmals Danke für die Erläuterungen.
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ATV
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Re: Zonenüberwachung bei Umlaufbahnen

Beitrag von ATV »

Richtig. Kabinensteuerstellen haben die gleiche Funktion wobei immer die niedrigste Vorrang hat. Aktiv aber nur bei Fahren im Modus "Fern" oder "Dienst" muss auch einen Schlüssel stecken in der Kabine.
Notantrieb ist relativ Banal.

Gibt Bahnen ohne Fahrautomatik.. Sicher! Du bist ja selber mit einer oder sogar 2 gefahren. Die Luftseilbahn Gossalp-Oberalp besitzt nicht mal eine Fahrgeschwindigkeitsanzeige. Man muss schätzen wie schnell die Bahn fährt. Gar nicht so einfach. Dementsprechend zahlreich sind die Stillstände in der Einfahrt.
Gab bei älteren Sesselbahnen die möglichkeit auf "Hand" umzustellen, Dabei wurde dann der Sollwert direkt vom Poti vorgegeben. Damit konnte zum Beispiel zum Bestücken genauer gefahren werden. Automatikprogramme haben eine kleinere Verzögerung und sind somit träge. Muss man beim Verzögern von Hand berücksichtigen wenn man zum Beispiel eine Stütze anfahren möchte.

Vorgabe der Fahrgeschwindigkeit im Modus "Test" währe verherend, man könnte mit 11,999m/s über die Masten donnern und in die Station krachen.

Militärbahnen weis ich nichts darüber..... ;D
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Re: Zonenüberwachung bei Umlaufbahnen

Beitrag von citta dei sassi »

Nein, hinweis auf einen Rechtschreibfehler.
Mir gehts auf den Keks, ich bin weg.
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Theo
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Re: Zonenüberwachung bei Umlaufbahnen

Beitrag von Theo »

So zurück zur Zonenüberwachung.
ATV hat natürlich mit der Impulsrolle recht, ich mit dem Seiltacho falsch. Man kann bei uns in der Umlenkstation bei defektem Seiltacho mittels eines Schlüsselschalter auf die Zählrolle umschalten. Das aber halt eben nur für die Antriebe für die Regelstrecke und den Umlaufförderer. Ich habe das fäschlicherweise für die Zonenüberwachung gemeint. Musste halt wieder mal ein bisschen die BA studieren.

Das ändert aber nun mal nichts an der sache dass bei uns auf einer DM Anlage trotzdem in den Zonen die Seistrecke in Dezimetern angezeigt wird und nicht nur die Impulse.
Also wir sollten eine FBA Abstand von 56.25m haben und die MA Anzeige ist so zwischen 550 - 575. Der MA selber ist bei 510.

Warum die Anzeige in Dezimeter gegenüber Impulsen so praktisch ist kann ich schon ziemlich gut sagen.
Gestern morgen hat man es bei uns an der Kombi wieder mal geschafft dass ein Sesel im Umlauffördere stehen blieb. Den Grund nenn ich hier mal nicht, war aber eine Glanzleistung.
Nach Notohalt Zonenüberwachung, kam dann später noch die Blocküberwachung und schlussendlich auch der Minimalabstand.
Ich habe mir aber nachdem der Nothalt von der Zonenüberwachung kam die ganzen FBM Abstände notiert. Da hatte ich dann an einem Ort 650 und hinten dran 470 statt minimum 510. Der gab dann auch den Nothalt Minimalabstand.
Durschnitt wäre also 560 gewesen, ziemlich genau Sollabstand.
Also am Berg das FMB mit Abstand 650 in der Regestrecke gestoppt denn soviel korrigiert diese leider nicht aus. Blos wieviel muss ich jetzt korrigieren? Ist relativ einfach. Zum Durchscnittswert von 560 fehlten mir 90 Dezimeter, also 90 Seilmeter. Bahn fährt max mit 5m/s, also eine Differenz von 1.8sec. Die FBM durchfahren die Regestrecke wenn dies Synchron läuft mit 0.74m/s. Daraus resultierte also eine nötige Korrektur von ca 1.33m wo ich dan manuell vornehmen musste um wieder genau zu sein. Um ohne weitere Nothalte durch die Station zu fahren hätten aber auch 0.60m Korrektur oder nach vorne 2.05m gereicht. Beim Minimalabstand hat man je nach FBA Abstand auf der Strecke eine ziemlich grosszügige Reserve.

Es war aber weiter oben die Frage was es bringen solle die Impulse in Seilmeter umzurechnen. Die Antwort dürfte klar sein.
Rechnet den Korrekturweret von 1.33m mal bei einer Angabe in Impulsen aus. Wünsche vie Spass dabei.
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ATV
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Re: Zonenüberwachung bei Umlaufbahnen

Beitrag von ATV »

Theo hat geschrieben:Rechnet den Korrekturweret von 1.33m mal bei einer Angabe in Impulsen aus. Wünsche vie Spass dabei.
Meiner Meinung nach kein Problem wenn man weis wieviel Seilmeter ein Impuls ist. Bei 30cm einfach die Impulszahl mit 30 multiplizieren. Gleiches macht die Steuerung wenn sie in Dezimeter anzeigt. Die Fahrgeschwindigkeit in der Station muss bi beiden bekannt sein. Dreisatzrechnung.

Kombibahn wird wohl die letzte gewesen sein die noch in Dezimeter gerechnet wurde. Alle späteren Bahnen sind es ME in Impulse. Ausgenommen Leitner.

BTW wieso so komplizert mit ausrechnen, die Bahn ist doch sicher mit hydraulisch anhebbaren Fördern ausgerüstet. Die sind meiner Meinung nach echte Lebensretter. Förderer anheben. Fahrzeug bis zum kurz vor den Fühler MA schieben. Der Minimalabstand 2 wird ja auf dem Touch angezeigt. langsam fahren (bei 2m/s abgeriegelt) bis der Minimalabstand abgefahren ist, Förderer Senken und weiter gehts. Mehr als einmal gemacht. Bei Anlagen mit Startrollen sehr hilfreich.

Übrigens gibt es ein Trending für die Zonenüberwachung mit dem sich ziemlich genau bestimmen lässt, welches Fahrzeug zu wenig Abstand hat.

Sollte keine belehrung sein sondern lediglich ein alternativer Tip. Wie lösen andere das Problem?
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Re: Zonenüberwachung bei Umlaufbahnen

Beitrag von Theo »

Das wäre ja alles gut und schon, wenn wir denn anhebbare Förderer hätten.
Ins Trending blicke ich jetz eigentlich nicht sehr oft, hätte hier auch gar nichts genützt da es kein mechanisches Problem war und auch nicht vorher erkennbar gewesen wäre.
Schreid dir glaube ich mal eine PN was da schief gegangen ist.
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ATV
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Re: Zonenüberwachung bei Umlaufbahnen

Beitrag von ATV »

Öhhmmm Du hast gar keine Fördermotoren, bdw auch keinen derartigen Schlüsselschalter.
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