Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Medienberichte rund um den Wintersport: Aktuelle TV-Tipps, Presseartikel, Unfallmeldungen und Diskussionen zu Nachrichten aus der Alpinwelt.
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TPD
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von TPD »

@3303
Du hast mich falsch verstanden. Ich erwarte nicht dass Hechenblaikner eine ausgewogene Ausstellung macht.
Sondern es wäre die Aufgabe des Museums gewesen auch noch die andere Seite zu zeigen. Immerhin profitiert dieses Haus von Steuergelder und da erwarte ich schon eine gewisse Neutralität.
Wenn es schon Hechenblaikner nicht macht - wo gibt es diese positiven Beispiele und wie sehen die aus? Doch was kann an in die Landschaft gestellten Stützen und Stationen, aufgehängten Seilen, planierten Hängen und den Beschneiungsanlagen "positiv" sein?
Nenn mir ein CH-Skigebiet, das so aussieht wie in der Ausstellung dargestellt ? ;)
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Illhorn
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von Illhorn »

TPD hat geschrieben:Sondern es wäre die Aufgabe des Museums gewesen auch noch die andere Seite zu zeigen. Immerhin profitiert dieses Haus von Steuergelder und da erwarte ich schon eine gewisse Neutralität.
Seit wann ist ein Museum "zur Neutralität verpflichtet"?
TPD hat geschrieben:Nenn mir ein CH-Skigebiet, das so aussieht wie in der Ausstellung dargestellt ? ;)
Ja, die Ausstellung zeigt Extrembilder - aber das heisst ja noch lange nicht, das alles andere "positiv" ist. Und die Bilder sind eine dringende Warnung, die Entwicklung des "immer mehr, immer besser, immer weiter, immer höher, immer leistungsfähiger" zu stoppen, bevor es anderen Orten auch zu spät ist. Aber lies doch bitte einfach nochmals meine Zeilen.
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von Ram-Brand »

Illhorn hat geschrieben:Sehe ich überhaupt nicht als "positives Beispiel". Jede Pistenmodellierung, also jeder Eingriff ins gewachsene Gelände, dürfte eigentlich nicht sein. Warum macht man das überhaupt? Sind Skifahrer und Boarder unfähig, auch über etwas schwieriger Pisten zu fahren? Und wir alle wissen, ist ein Eingriff in die Natur auf diesen Höhen für die Vegetation extrem - die Erholung braucht Jahre bis Jahrzehnte und damit ist die Gefahr von Erosion sehr gross. Nein - da sehe ich überhaupt nichts Positives.

Das Haus in dem Du lebst, ist auch ein Eingriff in die Landschaft. Da wächst für Jahre auch nix mehr. Und erst die Straßen zu den Häusern.
Und da ist es egal wo das Haus steht. Ob im Gebirge oder im Flachland.
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von Illhorn »

Ram-Brand hat geschrieben:Das Haus in dem Du lebst, ist auch ein Eingriff in die Landschaft. Da wächst für Jahre auch nix mehr. Und erst die Straßen zu den Häusern. Und da ist es egal wo das Haus steht. Ob im Gebirge oder im Flachland.
Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich.
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von TPD »

Ja, die Ausstellung zeigt Extrembilder - aber das heisst ja noch lange nicht, das alles andere "positiv" ist. Und die Bilder sind eine dringende Warnung, die Entwicklung des "immer mehr, immer besser, immer weiter, immer höher, immer leistungsfähiger" zu stoppen, bevor es anderen Orten auch zu spät ist.
Selbst die Schweizer fahren ja in das zerschandelte Österreich in den Skiurlaub, weil dort alles besser und günstiger ist...
Wäre die Ausstellung doch gerade die Chance gewesen die Leute wieder dazu zu motivieren den Urlaub in der teuren Schweiz zu verbringen.
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von chianti »

TPD hat geschrieben:@Chianti
Der Ausstellung von Hechenblaikner wurde praktisch das ganze Haus zur Verfügung gestellt. Und ich denke da hat man durchaus die Chance verpasst in einem anderen Raum auch die positiven Beispiele zu dokumentieren.
Ich verstehe die Absicht, aber ich sehe da einige künstlerische bzw. kuratorischen Probleme:
Ein Raum von vielleicht 20 (ich kenne das Museum und die Zahl seiner Ausstellungsräume nicht) würde den Eindruck eines Relativierungsversuchs machen bzw.den eines Alibi- oder Quotenraums. Das würde ich als Museumschef nie zulassen - dann lieber die unabgeschwächte Wucht einer einseitigen Darstellung zur Wirkung bringen und die Besucher zum Nachdenken bringen als ihnen das Gewissen mit einem "es geht ja auch anders und es ist nicht alles schlecht"-Raum zu beruhigen.

Die Diskussion hier zeigt ja, dass dieses Konzept aufgeht, also künstlerisch und museumspädagogisch ein voller Erfolg ist.

Oder ich würde es halbe-halbe machen: Hechenblaikner gegenüberstellen einem - ja, was eigentlich? Einem Portfolio an Bildern, die eine unberührte Natur suggerieren? Oder "sanften" Tourismus zeigen? Und durch welche Art Fotos könnte der repräsentiert werden? Welches Gegenmotiv hätte ähnliche emotionale Kraft?

Wie sollen die Segnungen bzw. Vorteile des Fremdenverkehrs in strukturschwachen Gebiete verdeutlicht werden außer durch Statistiken? Mit einem Foto des brandneuen Mercedes Shooting Brake auf dem Carport des Hotelchefs in Lermoos oder dem eines roten Stoffüberzugs über ein recht flaches Auto in der Tiefgarage eines anderen Hotels? (Beides heute gesehen)
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von Illhorn »

TPD hat geschrieben:Selbst die Schweizer fahren ja in das zerschandelte Österreich in den Skiurlaub, weil dort alles besser und günstiger ist...
Eben gerade darum braucht es eine solche Ausstellung, damit die Leute zum Nachdenken gebracht werden.
TPD hat geschrieben:Wäre die Ausstellung doch gerade die Chance gewesen die Leute wieder dazu zu motivieren den Urlaub in der teuren Schweiz zu verbringen.
So plump und so chauvinistisch ist halt das Alpine Museum zum Glück nicht. Will heissen: Es leidet die Natur und das hat wenig mit Ländern zu tun, sondern mit der Masslosigkeit und Gedankenlosigkeit sehr vieler Menschen.
chianti hat geschrieben:Oder ich würde es halbe-halbe machen: Hechenblaikner gegenüberstellen einem - ja, was eigentlich? Einem Portfolio an Bildern, die eine unberührte Natur suggerieren? Oder "sanften" Tourismus zeigen? Und durch welche Art Fotos könnte der repräsentiert werden? Welches Gegenmotiv hätte ähnliche emotionale Kraft?
Richtig. Ich hatte ja auch schon nach diesen "positiven Beispielen" gefragt. Oder war wirklich das gemeint, was hier auch schon erwähnt wurde: Die "positiven Beispiele" werden auf den wunderschönen und farbigen Werbeprospekten und den Webseiten der Wintersportorte zur Genüge dargestellt.
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von TPD »

@Illhorn
Ich weiss ja nicht in welcher Branche Du arbeitest ?
Aber gerade für den Kanton Wallis ist der Tourismus ein sehr wichtiges Standbein.
Und wenn man schon am eigenen Ast sägt, müsste man halt auch entsprechende Vorschläge bereit haben um ein entsprechendes wirtschaftliches Fiasko zu verhindern.
Eben gerade darum braucht es eine solche Ausstellung, damit die Leute zum Nachdenken gebracht werden.
Damit möglichst viele schockierte Leute den bereits gebuchten Skiurlaub wieder annulieren...
Da wäre es eben schon toll gewesen wenn das Museum die Thematik weiter aufgreift und auch aufzeigt, wie man den Skiurlaub mit der Natur in Vereinbarung bringen könnte.
Und ja, Platz wäre ausreichend vorhanden gewesen um beide Seiten zeigen zu können. Anstatt die Fotos in grossformatigen Papierabzügen aufzuhängen, hätte man z.B. mit wechselnden Projektionen arbeiten können.
So plump und so chauvinistisch ist halt das Alpine Museum zum Glück nicht. Will heissen: Es leidet die Natur und das hat wenig mit Ländern zu tun, sondern mit der Masslosigkeit und Gedankenlosigkeit sehr vieler Menschen.
Ist aber auch nicht die erste Ausstellung wo die Skigebiete kritisiert werden...
Somit ist für mich in diesem Museum eine "politische" Ausrichtung erkennbar und das finde ich problematisch.
Denn Kritisieren und Anklagen kann man immer. Aber dann sollte man auch tragfähige Lösungsvorschläge bereit haben. Immerhin wird das Museum indirekt (Steuern) auch von den Skigebieten finanziert.
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von 3303 »

Ich glaube nicht, dass das Ziel der Ausstellung ist, die Buchungszahlen in den dokumentierten Gebieten merklich zu senken.
Es dürfte vielmehr Ziel sein, die kritische Betrachtung dieser Zustände stärker in die öffentliche Diskussion einzubringen um zukünftig ein gewisses Umdenken einzuleiten. Vielleicht ähnlich wie es allgemein im Umweltschutz ja bereits zB im Vergleich zu den 70er Jahren stattgefunden hat.
Auf mich wirken die Bilder nicht als Ablehung des (Winter-)Tourismus insgesamt, sondern eher als Darstellung der Bereiche, in denen Maßhaltigkeit nund Ausgewogenheit verloren gegangen sind.

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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von TPD »

Ich glaube nicht, dass das Ziel der Ausstellung ist, die Buchungszahlen in den dokumentierten Gebieten merklich zu senken.
Problem wird eher sein, dass gerade die Leute die in ein solches Gebiet fahren die Ausstellung gar nicht sehen wollen.
Oder weshalb durfte Hechenblaikner die Ausstellung in Österreich nicht zeigen ?
Auf mich wirken die Bilder nicht als Ablehung des (Winter-)Tourismus insgesamt, sondern eher als Darstellung der Bereiche, in denen Maßhaltigkeit nund Ausgewogenheit verloren gegangen sind.
Jein. Es gibt viele Bilder die könnte man praktisch in jedem Skigebiet auf dieser Welt aufnehmen. Eine Baustelle für einen neuen Speicherteich ist nun mal hässlich. Aber das man vielleicht in 10 Jahren nicht einmal mehr sieht dass dieser Teich mit einer Baggerschaufel geschaffen wurde, wird in der Ausstellung verschwiegen.
Oder wenn die neue 6-KSB Wixi mit der sagenhaften Förderleistung von 2400 pers/h angeprangert wird, habe ich dann doch so meine Fragezeichen und die Ausstellung hat bei mir sehr viel Symphatie verspielt.

Aber es ist unbestritten in einigen Gebieten wurde der Zenit deutlich überschritten und der Sport und die Natur sollte wieder vermehrt im Vordergrund stehen und weniger die Spass- und Fun-Gesellschaft, die nur noch zum Saufen und wegen den Shows auf die Alm fährt.
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von Illhorn »

TPD hat geschrieben:Ich weiss ja nicht in welcher Branche Du arbeitest ?
Mit meiner Person hat das alles nichts zu tun - netter Versuch, die Diskussion auf die persönliche Ebene zu verschieben.
TPD hat geschrieben:Aber gerade für den Kanton Wallis ist der Tourismus ein sehr wichtiges Standbein.
Und wenn man schon am eigenen Ast sägt, müsste man halt auch entsprechende Vorschläge bereit haben um ein entsprechendes wirtschaftliches Fiasko zu verhindern.
Ein Tourismus aufgebaut auf der weiteren Verschandelung der Natur? Der Tourismus und viele andere Bereiche werden bestimmt keine Zukunft haben, wenn die Lebensgrundlagen weiter zerstört werden. "Am eigenen Ast sägen" ist genau dieses sehr kurzfristige Denken und die Meinung, alles sei möglich und der ständige Ausbau von Infrastruktur bringe Zahlen. "Am eigenen Ast sägen" ist die Haltung des "immer mehr, immer höher, immer weiter, immer grösser. "Am eigenen Ast sägen" ist das nicht einsehen wollen, dass Grenzen nicht überschritten werden dürfen - ich möchte nirgends in den Alpen einen "Costa des Sol" Effekt feststellen müssen - doch offenbar zeichnet sich das schon in einigen französischen Stationen ab. Und was lernen wir daraus? Wieder nichts?
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von TPD »

Ein Tourismus aufgebaut auf der weiteren Verschandelung der Natur?
Dir ist hoffentlich bekannt, dass in der Schweiz die Anzahl der touristischen Seilbahnen seit Anfangs der 90er Jahren rückläufig ist.
Über den Sinn bzw. Unsinn von Pistenplanierungen kann man durchaus diskutieren, jedoch hat hier halt leider auch die aktuelle Vollkaskomentalität einen Einfluss...
Der Tourismus und viele andere Bereiche werden bestimmt keine Zukunft haben, wenn die Lebensgrundlagen weiter zerstört werden.
Wenn ich in gewissen Touristenorten die gute Auslastung im Sommer sehe, dann ist die Verschandelung durch Seilbahnstützen und planierten Pisten offensichtlich nicht so ein grosses Problem.
"Am eigenen Ast sägen" ist das nicht einsehen wollen, dass Grenzen nicht überschritten werden dürfen
Ich warte immer noch auf deine Vorschläge wie der Tourismus der Zukunft gestaltet werden soll bzw. wie die Bergregionen in Zukunft ihre Brötchen verdienen sollen.
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von Illhorn »

TPD hat geschrieben:Dir ist hoffentlich bekannt, dass in der Schweiz die Anzahl der touristischen Seilbahnen seit Anfangs der 90er Jahren rückläufig ist.
Für diese Behauptung gibt es sicher Belege? Und wie ist es mit den Leistungszahlen und Frequenzen, den betroffenen Flächen und den damit verbundenen Anzahl und Längen von Pisten? Ich glaube kaum, dass da viel "rückläufig" ist - schon nur meine eigenen Beobachtungen widersprechen dieser Tendenz.
TPD hat geschrieben:Über den Sinn bzw. Unsinn von Pistenplanierungen kann man durchaus diskutieren, jedoch hat hier halt leider auch die aktuelle Vollkaskomentalität einen Einfluss...
Pistenplanierungen oder wie das hier so schön heisst, Landschaftsmodellierungen, dürften überhaupt nicht mehr bewilligt werden. Wie schon mehrfach erwähnt: Die Vegetation erholt sich von solchen Eingriffen sehr schlecht und oft erst über Jahrzehnte - die Gefahr von Erosion nimmt damit zu.
TPD hat geschrieben:Ich warte immer noch auf deine Vorschläge wie der Tourismus der Zukunft gestaltet werden soll bzw. wie die Bergregionen in Zukunft ihre Brötchen verdienen sollen.
Ich wäre wohl der Shooting-Star unter den Touristikern, wenn ich hier ein paar Patentrezepte aus dem Hut zaubern würde. Aber im Winter gibts heute durchaus Sportarten, die viel weniger von in die Landschaft gestellte Infrastruktur abhängig sind und erst noch verträglicher mit der Umwelt sind. Für Frühjahr, Sommer und Herbst braucht es höchstens eine Seilbahn auf den Gipfel, aber keine Skilifte und keine Sessellifte in alle Himmelsrichtungen. Und längst nicht alle Gäste wollen heute Sport betreiben, sondern einfach nur "Sein" - auf die Karte "Entschleunigung" hat bisher kaum jemand im Tourismus gesetzt.
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von Dachstein »

Illhorn hat geschrieben:
TPD hat geschrieben:Ich warte immer noch auf deine Vorschläge wie der Tourismus der Zukunft gestaltet werden soll bzw. wie die Bergregionen in Zukunft ihre Brötchen verdienen sollen.
Ich wäre wohl der Shooting-Star unter den Touristikern, wenn ich hier ein paar Patentrezepte aus dem Hut zaubern würde.

Das ist die klassische Mentalität - kritisieren, ohne in irgendeiner Form eine Lösung anzubieten. Du bist also um keinen Deut besser als die, die du kritisierst.

Tatsache ist, dass du eine ablehnende Haltung gegen den Tourismus in der Jetztform hast. Das sei dir unbenommen, aber ich stelle mir die Frage, ob du überhaupt einen Gedanken daran verschwendet hast, wann die von dir so kritisierten Mängel überhaupt entstanden sind? Ich gebe dir mal einen kleinen, dezenten Hinweis - nicht in den letzten 10 Jahren. Die letzten 10 Jahre waren eine konsequente Weiterentwicklung dessen, was sich teilweise in den Skigebieten seit den 1970er Jahren angebahnt hat. Hätten die Behörden damals schon Nein gesagt, wir wären heute niemals dort, wo wir jetzt sind. Und wirklich angefangen hat es schon viel, viel früher.

Aber gut, jetzt leben wir damit - ich verstehe - die modernen Sachen in den Bergen sind nichts Schönes. Gut, ich gehe jetzt einen Schritt weiter - ich hoffe du fährst Bahn? Bist ja offenbar recht umweltbewusst. Mir gefällt die Albulabahn, Berninabahn, Stubaitalbahn, Semmeringbahn und co. ja recht gut. Die Trasse durch Schluchten, wo sonst kein Mensch hinkommt, wenige Straßen. Nur wie hat es denn beim Bau ausgesehen? Dass dort eigentlich ganze Täler im "blinden" Fortschrittsglauben verwüstet wurden, dass dort massivste Eingriffe in eine intakte Natur vorgenommen wurden, dass dort mit nicht gerade gesunden Mitteln gearbeitet wurden, das wird heute bei diesen Meisterleistungen der Ingenieurskunst gerne verschwiegen. Du brauchst dir nur die entsprechenden Bilder in der reichlich vorhandenen Literatur ansehen. Heute würde niemand von der Politik derartige Eingriffe in die Natur zulassen...
Nur diese Eingriffe sind halt schon so lange vorbei, dass die Bahntrasse (scheinbar) wieder gut ins Landschaftsbild integriert ist und nachdem die damalig Bevölkerung darüber keine Auskunft mehr geben kann, weil schon verstorben, werden auch keine richtigen Hinweise dazu gegeben. Und da denkt man sich dann halt auch, dass das gar nicht so schlimm gewesen sein kann - heute ist ja alles grün dort. Und am Foto macht sich so ein roter Zug von der netten kleinen Schmalspurbahn recht gut, oder etwa nicht? Und der Strom - hatte ich vergessen, der kommt eh aus der Fahrleitung, das Kraftwerk ist ja eh kein Eingriff in die Natur, der Staudamm schon gar nicht und die Steine für den Staudamm hat man auch schnell mal so zusammengesammelt... Ich lese hier heraus, dass du entweder die Sache nicht fertig gedacht hast oder dass du das, was du nicht magst kritisierst und gleichzeitig, das, was dir genehm ist, aber genau so Eingriff in die intakte Natur bedeutet, verschweigst.

Was du also kritisierst, ist maximal eine Spitze des Eisberges. Und nachdem viele Gebiete in unseren Alpen nach wie vor unberührt sind, gestehe ich dem modernen Tourismus zu, jene Gebiete, die schon seit langem "versaut" sind, auch weiter zu versauen. Sollen sie die Gebiete weiter planieren, weiter aufrüsten, weiter zubauen. Mir egal. Es wird auch in Zukunft Gebiete geben, wo so etwas nicht möglich sein wird und wo man nach wie vor Berge ohne Seilbahn sehen können wird. Und so lange es deutlich mehr Gebiete gibt, wo das möglich ist, soll man meinetwegen die weiter opfern, die schon geopfert wurden, aber keinen Zentimeter weiter. Daher auch mein Nein zum Pitz Val Gonda und Kalkköglseilbahn. Einzig über sinnvolle Skigebietszusammenschlüsse kann man nachdenken und Diskutieren, sofern sie auch nachweislich Sinn machen. Dafür sind aber dann genau so Ausgleichsflächen in Rechnung zu stellen. Sprich, so was soll denen dann auch entsprechend teuer kommen. Und das soll nicht nur für Skigebiete gelten, sondern für jedes Bauprojekt in den Alpen.

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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von Pistencruiser »

Illhorn hat geschrieben: Und längst nicht alle Gäste wollen heute Sport betreiben, sondern einfach nur "Sein" - auf die Karte "Entschleunigung" hat bisher kaum jemand im Tourismus gesetzt.
Das stelle ich mir gerade mal bildlich vor:
Die Gäste die morgens auf der Idalpe in Ischgl ankommen finden alle weiteren Bahnen geschlossen vor:
An jeder Bahn blinkt auf der LED -Tafel der Hinweis: "Heute für Sie: Tag der Entschleunigung. Wir laden sie herzlich ein, einfach nur zu SEIN. Der TVB wünscht Ihnen entspannte Stunden." :rofl:

Spass beiseite:
Die Gäste, die in die von dir angeführten Hotspots fahren tun dies aus genau einem Grund: Nämlich um die dort errichtete und von dir so verteufelte Infrastruktur zu nutzen.
Die reisen nicht in dem Irrglauben dorthin, das vorzufinden, was ihnen die Heile-Bergwelt-Bildchen in den Marketingprospekten vorspiegeln.
(Ein McDonalds-Burger sieht in der Werbung eben auch anders aus, als das, was dann in der Schachtel liegt)
Gäste, die dies nicht wünschen, werden diese Orte nicht aufsuchen und ihre Urlaubsdestination dementsprechend wählen.
Es ist doch einfach ein Irrweg zu glauben, mit Schneeschuhwandern und Rodeln und sonstigen "entschleunigten" Betätigungen könnte man eine Tourismusindustrie aufrechterhalten. Und es ist nunmal eine Industrie, ob das nun gefällt oder nicht.

Ich sehe viele Dinge -auch was weitere Erschleißungen angeht- durchaus kritisch, jedoch nicht grundsätzlich ablehnend wie du das scheinbar tust.
Es ist doch wenig hilfreich, die Augen vor der Realität zu veschließen und sich irgendeine heile (Tourismus-) Welt - jenseits aller realistischen (ökonomischen) Gegebenheiten - herbeizusehnen.
Wir alle leben in einer hektischen, digitalisierten, von Oberflächlichkeit und Banalität geprägten Umwelt. Damit umzugehen und sich entsprechende individuelle Nischen zu suchen liegt bei jedem selbst.
Moderne Skigebiete sind durchökonomisierte, auf Ertrag getrimmte, Freizeitghettos. Eben wirtschaftliche Zweck- und Leitbetriebe.
In meinen Augen ist es eher sinnvoll, die Massenströme in die vorhandenen Areale, in denen hinsichtlich unberührter Natur der Zug eh abgfahren ist, zu kanalisieren - als auch noch den letzten einsamen Winkel für den sog. 'entschleunigten' Tourismus weitab jeder Infrastruktur zu offerieren.
Steinböcke, Schneehühner und Mähnenpippau ( :wink: ) werden dafür dankbar sein.
Die einen kennen mich — die anderen können mich...!
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von Illhorn »

Dachstein hat geschrieben:Das ist die klassische Mentalität - kritisieren, ohne in irgendeiner Form eine Lösung anzubieten. Du bist also um keinen Deut besser als die, die du kritisierst.
Na na, ich stelle immerhin keine Seilbahnen auf und planiere die Landschaft nicht für Pisten. Und ein paar Dinge habe ich immerhin ange-deutet.

Ich war in diesem Frühjahr, Sommer und Herbst sehr viel in den Bergen unterwegs. Und gerade in dieser Saison ist mir aufgefallen, was da in den Skigebieten an Aufrüstung geschieht. Irgendwann bin ich der Rolle des Kaninchens vor der Schlange überdrüssig.
Dachstein hat geschrieben:Tatsache ist, dass du eine ablehnende Haltung gegen den Tourismus in der Jetztform hast.
[..]
So allgemein stimmt das natürlich nicht. Ich habe etwas gegen die überbordende und gerenzenlose Bauwut von immer noch mehr Anlagen und Pisten.

Wenn ich deine Argumentation zusammenfassen darf:
1. Früher war es auch nicht besser, ja noch schlimmer.
2. Es gibt viele weitere Bereiche, die die Natur verschandeln.
3. Wenn versaut, dann weiter versauen lassen.

Diese Argumentation ist mir zu schwach - das ist genau die Haltung des Kaninchens vor der Schlange. Weil es immer schon so war, dann soll es auch so bleiben. Diese Resignation will ich aber nicht teilen. Ob nun dieses Forum für meine Kritiken der richtige Ort sind - wohl eher kaum. Aber wenn schon nur ein bisschen über den offenbar ungebrochenen Fortschrittsglauben zu Lasten der Umwelt nachgedacht wird, dann wäre mein Ziel erreicht. Dazu habe ich mir vorgenommen, in der nächsten Saison meine Fotoausrüstung konsequent mitzutragen, um solche Eingriffe in die Natur zu dokumentieren.
Gruss vom Illhorn
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von Illhorn »

Pistencruiser hat geschrieben: Spass beiseite:
Die Gäste, die in die von dir angeführten Hotspots fahren tun dies aus genau einem Grund: Nämlich um die dort errichtete und von dir so verteufelte Infrastruktur zu nutzen.
Darf ich darum bitten, etwas genauer zu lesen. Ich "verteufle" nicht die Infrastruktur, sondern den ungebremsten Drang noch noch mehr, nach Ausbau und Kapazitätsvergrösserungen an Anlagen und Pisten.
Pistencruiser hat geschrieben:Es ist doch einfach ein Irrweg zu glauben, mit Schneeschuhwandern und Rodeln und sonstigen "entschleunigten" Betätigungen könnte man eine Tourismusindustrie aufrechterhalten. Und es ist nunmal eine Industrie, ob das nun gefällt oder nicht.
Das wäre ja ganz schön einfach, nur gerade nur so etwas zu bewirken. Natürlich ist das viel komplexer und viel aufwändiger. Darum steht die ganze "Tourismusindustrie" in der Kritik - die ständig zunehmende Zerstörung der Umwelt kann kein Fundament für eine tragende Zukunft sein, wo weitere Veränderungen gegebener Parameter eintreten werden (Stichwort Klima). Wenn alles einfach so weiter verfolgt wird, tritt früher oder später der "Costa del Sol" Effekt ein, da bin ich mir ziemlich sicher. Man muss dann nur noch einen Geldgeber finden, der die Demontage dieser Bahnleichen finanziert.

Aber vielleicht hast du ja Recht - man lässt es einfach laufen und es "korrigiert" sich am Ende von selber, wenn in die total aufgerüsteten, verkabelten, verbauten, versauten Stationen niemand mehr kommen will, weil es schlicht und einfach zu hässlich geworden ist. Solche Indizien (des "all zu viel ist ungesund") sind offenbar bereits in Frankreich sichtbar.
Gruss vom Illhorn

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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von MF3330 »

=> Der Wahnsinn hat durchaus positive Seiten: http://www.seilbahn.net/sn/index.php?i=4&j=1&news=4547
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von Rüganer »

Illhorn hat geschrieben:Na na, ich stelle immerhin keine Seilbahnen auf und planiere die Landschaft nicht für Pisten. Und ein paar Dinge habe ich immerhin ange-deutet.

Ich war in diesem Frühjahr, Sommer und Herbst sehr viel in den Bergen unterwegs. Und gerade in dieser Saison ist mir aufgefallen, was da in den Skigebieten an Aufrüstung geschieht. Irgendwann bin ich der Rolle des Kaninchens vor der Schlange überdrüssig.
Puh, dann bist du ja selbst einer der bösen Terror ähm Touristen, die die Berge versauen. Warst du wömöglich auf einer Hütte essen oder bist sogar mit einem Lift gefahren ? Unmöglich sowas....
Hast bestimmt auch jede Menge Pflanzen und Kleintiere breitgetreten :roll:

Ach , und zum Entschleunigen gibt es doch genug Bereiche, auch in den Alpen. Wandere mal durch die Bergamasker Alpen.
Da bist du so entschleunigt, da kommt man kaum voran :)
Immer wieder witzig, diese Weltfremdheit. Und dann noch einen Lift im Avatar haben :lach:
Danke Schweiz und Bulgarien !
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von Illhorn »

Rüganer hat geschrieben:Puh, dann bist du ja selbst einer der bösen Terror ähm Touristen, die die Berge versauen. Warst du wömöglich auf einer Hütte essen oder bist sogar mit einem Lift gefahren ? Unmöglich sowas....
Du wirst mir den Zusammenhang aber schon noch erklären, oder willst du das bei dieser Oberflächlichkeit belassen?
Rüganer hat geschrieben:Immer wieder witzig, diese Weltfremdheit. Und dann noch einen Lift im Avatar haben :lach:
Weldfremdheit? Ich glaube fast, dass du ziemlich viel meiner Zeilen ganz offensichtlich nicht verstanden hast. Und der "Lift im Avatar" ist die alte Sesselbahn auf den Weissenstein - mach dich im entsprechenden Topic schlau, bevor du da mit Beleidigungen um dich wirfst, ja? Wieder einmal zur Erinnerung: Persönliche Beleidigungen sind keine Argumente - sollte eigentlich in den Netiquetten stehen.
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von baeckerbursch »

Aber gut, jetzt leben wir damit - ich verstehe - die modernen Sachen in den Bergen sind nichts Schönes. Gut, ich gehe jetzt einen Schritt weiter - ich hoffe du fährst Bahn? Bist ja offenbar recht umweltbewusst. Mir gefällt die Albulabahn, Berninabahn, Stubaitalbahn, Semmeringbahn und co. ja recht gut. Die Trasse durch Schluchten, wo sonst kein Mensch hinkommt, wenige Straßen. Nur wie hat es denn beim Bau ausgesehen? Dass dort eigentlich ganze Täler im "blinden" Fortschrittsglauben verwüstet wurden, dass dort massivste Eingriffe in eine intakte Natur vorgenommen wurden, dass dort mit nicht gerade gesunden Mitteln gearbeitet wurden, das wird heute bei diesen Meisterleistungen der Ingenieurskunst gerne verschwiegen. Du brauchst dir nur die entsprechenden Bilder in der reichlich vorhandenen Literatur ansehen. Heute würde niemand von der Politik derartige Eingriffe in die Natur zulassen...
Nur diese Eingriffe sind halt schon so lange vorbei, dass die Bahntrasse (scheinbar) wieder gut ins Landschaftsbild integriert ist und nachdem die damalig Bevölkerung darüber keine Auskunft mehr geben kann, weil schon verstorben, werden auch keine richtigen Hinweise dazu gegeben. Und da denkt man sich dann halt auch, dass das gar nicht so schlimm gewesen sein kann - heute ist ja alles grün dort. Und am Foto macht sich so ein roter Zug von der netten kleinen Schmalspurbahn recht gut, oder etwa nicht? Und der Strom - hatte ich vergessen, der kommt eh aus der Fahrleitung, das Kraftwerk ist ja eh kein Eingriff in die Natur, der Staudamm schon gar nicht und die Steine für den Staudamm hat man auch schnell mal so zusammengesammelt... Ich lese hier heraus, dass du entweder die Sache nicht fertig gedacht hast oder dass du das, was du nicht magst kritisierst und gleichzeitig, das, was dir genehm ist, aber genau so Eingriff in die intakte Natur bedeutet, verschweigst.
Sehr gut! Es gibt dazu viele Beispiele bei denen es sich genau so verhält.

Interessant ist überdies das die Fotos von Hechenblaikner eigentlich nur Fotos sind, da ist nix anklagendes dabei. Einfach Fotos von Tatsachen.

Die Schlussfolgerungen daraus fällt der Betrachter.
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von Illhorn »

baeckerbursch hat geschrieben:Interessant ist überdies das die Fotos von Hechenblaikner eigentlich nur Fotos sind, da ist nix anklagendes dabei. Einfach Fotos von Tatsachen.

Die Schlussfolgerungen daraus fällt der Betrachter.
Das ist richtig und wie man an den Diskussionen hier sieht, ziehe ich andere Schlüsse, als die meisten anderen Teilnehmer. Auch darum, weil ich nicht nur diese Bilder gesehen habe, sondern mit eigenen Augen fast tagtäglich die Einflüsse auf die Natur sehe, die mit dem "touristischen Wahnsinn" verbunden sind.
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von Che »

Es gibt doch ausreichend Skigebiete, welche 2-3 uralte Lifte besitzen. Wenn es genau das wäre was der 08/15-Tourist möchte, wie Illhorn behauptet, müssten die doch brummen?! Komisch nur, dass es genau diese Gebiete sind, welche oft den Betrieb nicht finanzieren können und ihre Pforten schließen müssen.
Dann wird behauptet, dass niemand auf den "sanften Tourismus" setzt. Sorry, aber da hat Rüganer vollkommen Recht, wer so etwas behauptet ist nun wirklich weltfremd. Wenn ich mir eine Karte in Europa ansehe, wie viele Wälder, Gebirge etc es gibt, unberührte Natur und mir dann die Fläche ansehe, auf der dieser Massentourismus stattfindet, ist genug Platz für alle Schneeschuhwanderer etc.
Dass dies nicht Touristenregionen sind ist klar, genau daran sieht man eben auch, dass es keinen Sinn macht, auf die Karte des "sanften Tourismus" zu setzen, sonst wäre ja Ischgl, Sölden, etc. menschenleer und der Bayrische Wald, die Schwäbische Alb und das Jura würden im Winter sich kaum mehr retten können vor Gästen.
Was du, Illhorn, hier von dir gibst, ist der typische Populismus, den man jeden Tag von gewissen politischen Parteien zu hören bekommt. Dass nicht alles Gold ist was glänzt ist klar, aber durch deine maßlosen Übertreibungen, Behauptungen welche nicht stimmen und Forderungen von Nachweisen von Zahlen, die ziemlich unumstritten sind (LSAP<->Neubauten), zeugst du nicht gerade von einem neutralen Blick auf die Dinge.
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von Kris »

Die Bernina - und Albulalinien sind UNESCO Welterbe geworden. Es gibt einen breiten Konsens, dass die Bauwerke das Erbe der Menschheit bereichern.
Ich fürchte, ähnliches wird mit einer Skipiste nicht passieren werden, schon garnicht mit einer aktuellen Industriepiste mit reihen an orangenen Schneekanonen, Grossparkplätzen an der Talstation und 400Plätzen Murmeli Restaurants am Berg.

Die gelungene Symbiose zwischen RhB und Landschaft auf moderne Massenskigebiete übertragen zu wollen erscheint mir eher unpassend. Jedenfalls denke ich eher nicht, dass eine Industriepiste jemals als Welterbe deklariert wird. Über die Auswüchse schämt sich ja der Tourismus selbst, womit sich die Diskrepanz zwischen Prospektwelt und realer Welt ergibt.
Bei der RhB ist das hingegen eher umgekehrt, es kommen Touristen von überall her, um entlang der Berglinien auf tw. extra angelegten Wegen zu wandern...ein schönes Beispiel von sanftem Tourismus zudem noch.


Klar würden neue Schmalspurbahnen in den Bergen gebaut werden, es gibt ja Bestrebungen dies auch herbeiführen zu wollen. Zb. um Scuol mit Mals zu verbinden. Diese Dinge scheitern eher an den Kosten da das "neue" Auto nahezu immer der stärkere Konkurrent der Bahn ist... NIMBY-Effekte würde es hier eher wenig geben.
>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<
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Re: Hinterbühne des touristischen Wahnsinns

Beitrag von Illhorn »

Che hat geschrieben:Es gibt doch ausreichend Skigebiete, welche 2-3 uralte Lifte besitzen. Wenn es genau das wäre was der 08/15-Tourist möchte, wie Illhorn behauptet, müssten die doch brummen?! Komisch nur, dass es genau diese Gebiete sind, welche oft den Betrieb nicht finanzieren können und ihre Pforten schließen müssen.
Wo bitte habe ich behauptet, Skigebiete mit uralten Liften würden brummen? Natürlich nicht. Aber die Alternative kann eben nicht nur sein, ständig neu und erweitert aufzurüsten. Die rückläufigen Zahlen von Skifahrern und der Klimawandel kann durch Technik nicht einfach ausgeglichen oder noch schlimmer, noch überboten werden, wie unser Wirtschaftssystem aber fordert.
Che hat geschrieben:Dann wird behauptet, dass niemand auf den "sanften Tourismus" setzt. Sorry, aber da hat Rüganer vollkommen Recht, wer so etwas behauptet ist nun wirklich weltfremd.
Wieder so eine Behauptung, ich hätte das geschrieben, wo bitte?
Che hat geschrieben:Wenn ich mir eine Karte in Europa ansehe, wie viele Wälder, Gebirge etc es gibt, unberührte Natur und mir dann die Fläche ansehe, auf der dieser Massentourismus stattfindet, ist genug Platz für alle Schneeschuhwanderer etc.
Ja zu grossen Glück ist das so - fehlte noch, es wäre umgekehrt! Und darum auch meine Voten hier, dass nun ein Punkt erreicht ist, an dem es keine Erweiterungen und Neuerschliessungen mehr geben darf. Die Natur ist nicht einfach zum Ausbeuten gedacht.
Che hat geschrieben:Dass dies nicht Touristenregionen sind ist klar, genau daran sieht man eben auch, dass es keinen Sinn macht, auf die Karte des "sanften Tourismus" zu setzen, sonst wäre ja Ischgl, Sölden, etc. menschenleer und der Bayrische Wald, die Schwäbische Alb und das Jura würden im Winter sich kaum mehr retten können vor Gästen.
Moment, jetzt widersprichst du dir aber gewaltig - der 08/15 Tourist will das ja gar nicht - wie sollte dann "der Bayrische Wald, die Schwäbische Alb und der Jura" überfüllt sein?
Che hat geschrieben:Was du, Illhorn, hier von dir gibst, ist der typische Populismus, den man jeden Tag von gewissen politischen Parteien zu hören bekommt.
Wie bitte? Wenn man sich für die Natur einsetzt, ist man Populist? Aber schön, wenn du ein Schublädchen (sogar ein politisches) für mich gefunden hast - dann braucht man sich ja nicht mehr um Argumente bemühen. Toll.
Che hat geschrieben:Dass nicht alles Gold ist was glänzt ist klar, aber durch deine maßlosen Übertreibungen, Behauptungen welche nicht stimmen und Forderungen von Nachweisen von Zahlen, die ziemlich unumstritten sind (LSAP<->Neubauten), zeugst du nicht gerade von einem neutralen Blick auf die Dinge.
Ach, wer in diesem Forum ist denn bitte neutral? Ich kann tatsächlich nicht mehr neutral sein, wenn ich mit eigenen Augen sehen muss, wie die Natur zerschlissen wird - für ein paar Monate im Jahr wird ständig aufgerüstet - Frühling, Sommer, Herbst stehen diese Anlagen allermeistens still und verunstalten die Landschaft. Das kann und darf einfach nicht Zukunft sein.
Gruss vom Illhorn

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