schmidti hat geschrieben:
Ja, so ist es, ich meine sogar darüber mal eine Doku gesehen zu haben, wo es dann auch um eine mögliche Flutwelle aus dem Gepatschstausee heraus ging. Da ich dazu auf die Schnelle aber nichts finden konnte, erstmal diese beiden Links.
Hier bringst du zwei unterschiedliche Sachen zusammen. Gefährlich für den Stausee ist nicht die Weißseespitze, der Weg des Gerölls ist viel zu weit bis zum See. Gefährlich ist die Bliggspitze östlich des Stausees. Dort ist eine Flanke instabil geworden und muss seit einigen Jahren kontinuierlich beobachtet werden.
Noisi hat die essentiellen Punkte bereits in seiner Beschreibung der Gletscher-Entwicklung genannt:
noisi hat geschrieben:....
Der Weißseeferner liegt im Vergleich mit den allermeisten anderen Gletscher in den Ötztaler Alpen sehr tief, ist aber vor allem überwiegend sehr flach. Hinzukommt das die Ecke eher trockener ist, als die östlich anschließenden, wesentlich stärker vergletscherten Kämme. Dies dürfte den ohnehin im Gange befindlichen Prozess der Abschmelzung noch deutlich verstärken.
Das Zungenende befindet sich knapp unterhalb von 2700m. Da sich der nicht ganz kleine Gletscher, in für ihn besseren Zeiten, kaum allein aus den bis zu 3500 hochgelegenen Flanken der Weißseespitze genährt haben dürfte muss auch der westliche Bereich des Ferners, in der Spitze nur wenig oberhalb von 3000m gelegen, zur Ernährung beigetragen haben. Schon in den 80er Jahren, der Weißseeferner noch im Vorstoß, wird die Gleichgewichtslinie nicht wesentlich unter 2900m gelegen haben, möglicherweise um 2850m. Dies hat aber ausgereicht um einen ausreichend großen Teil des Gletschers den Sommer über schneebedeckt zu halten und für eine positive Gesamtbilanz zu sorgen. In diesem Zeitraum erfolgte dann auch die Erschließung des Skigebietes.
Nun kommt aber die Erwärmung ins Spiel. Schon ein vergleichsweise kleiner Temperatursprung um ein halbes °C reicht aus um die Gleichgewichtslinie um fast 100m ansteigen zu lassen. Bei einem flachen Gletscher wie dem Weißseeferner das Todesurteil. Der größte Teil des Gletschers liegt nun blank. Nachschub aus höheren Regionen - Mangels Höhe, weitgehend Fehlanzeige. Entsprechend stark schwindet der Gletscher.
Nun sind die Temperaturen in dieser Region aber nicht nur um ein halbes Grad angestiegen. Dazu teils große Teile der Felsumrahmung ausgeapert, Felsriegel im Gletscher. Die Schmelze ist zu einem sich selbst verstärkenden Prozess geworden.
Die Höhenlage, die Temperaturen - beides beeinflusst natürlich auch den Perma-Frost.
Speziell wird es zudem durch die Hangneigung der Weissseespitze und deren Exposition:
Es handelt sich um ausgesprochen steiles Gelände und zudem bedingt die Westexposition eine hohe Wärmeaufnahme des Gesteins.
Habe ich die (alten) Berichte über das Seilbahnprojekt auf die Weissseespitze recht in Erinnerung, scheint die geologische Situation eh etwas instabiler zu sein als an anderen Bergen.
Ich muss allerdings zugeben, dass mir die Ursache gerade nicht mehr einfällt.