USA Zollefekt

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Kris
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Re: USA Zollefekt

Beitrag von Kris »

Für jene, die meinen, eine kommende Regierung "nach" Trump würde sich wieder in die Rutsche des "freien Welthandels" setzen:
Während der Regierung Trump 1 erhöhten sich Zolleinnahmen von 25 Mrd $ (2017) auf 71 Mrd $ (2020). Neu eingeführte Zölle betrafen in erster Linie verarbeitete Erzeugnisse aus China, aber auch globale Basisprodukte (insbes. Stahl).

Biden kam 2021 ins Amt. Was passierte? Die Zölle blieben im Wesentlichen die gleichen und wurden lediglich in Details umgebaut, aber gesamthaft blieb das System: "Buy American, America first".
Im letzten Jahr der Regierung Biden (2024) betrugen die Zolleinnahmen 77 Mrd $.

Interessant finde ich, dass "die Börse" Trumps Wirtschaftspolitik bisher jedenfalls keinesfalls sanktioniert hat. Es gibt keinen Kurssturz, keine anhaltende Baisse, ganz im Gegenteil.

Trump mag impulsiv und instabil wirken. In der Substanz jedoch bleiben Kursänderungen des amerikanischen Ozeandampfers relativ konstant. Die Richtung ist klar, unabhängig davon, wer Trump folgen wird.

Für den amerikanischen Markt errichten sehr wohl mehr und mehr Firmen ihre Werke in den USA, auch um nicht dem Zollregime zu unterliegen. Aus Tirol zuletzt die Firma Innio, ehemals General Electric, ehemals Jenbacher Werke, für die Produktion von Gasmotoren zur dezentralen Stromerzeugung.

Bei Seilbahnen dürfte bereits seit langem die meiste Wertschöpfung der schlüsselfertig hingestellten Anlage in den USA erfolgen, denke ich?

Was wird in USA bei einer DM- oder Leitner-Anlage noch aus Europa herbeigeschifft/geflogen? Klemmenapparate, Rollen, Kabinen, tw. Antrieb? Nur bei "Spezialitäten" wie Direct Drive o. dgl. dürfte eine Fertigungseinrichtung in USA nicht lohnen. Standardantriebe/Getriebe kommen bei kompetitiven Angeboten hingegen wohl aus USA/China? Daher gibt es Doppelmayr USA und Leitner-Poma America.

Wie viel macht der europäische Anteil vom Endpreis der in USA in Betrieb genommenen Standard-EUB aus? Etwa 30 %?
Bei einer Anlage für 10 Mio $ bewirkt ein Importzoll von 15 % eine Verteuerung auf 10.450.000 $. Nicht besonders signifikant.

Heute kann jedes(!) technische Teil quasi "überall" gefertigt werden, "dank" global weitgehend standardisierter Normen sowie Herstellungs- und Zertifizierungsprozessen, dank quasi friktionsloser Nullkosten-Logistik, schnellen und "freien" Finanzflüssen, Internetkommunikation und Englisch als Globalsprache:
Das alles zusammen, das ist die eigentliche "Globalisierung" der letzten etwa 15 Jahre, weil diese jetzt alle erdenkbaren Produkte betrifft, einfach alles, was nicht frisch vom Feld aus der Region kommen kann.
Junge Leute, stellt euch auf die Konsequenzen ein...

Aus der Sicht einer Einkaufsabteilung eines "modernen" deutschen Unternehmens ist Peking oder Shenzen von Frankfurt somit ähnlich weit entfernt (Beschaffungsaufwand) wie München oder Stuttgart. Und wie das Aktionäre erfreut hat in den letzten Dekaden, von Adidas bis ZF-Friedrichshafen. Das einzige hochtechnologische, neu erbaute vollautomatische Produktionswerk in Ansbach konnte Adidas glücklicherweise bald (2019) in Asien "konsolidieren". Auch Kunden freute es: Der Endkundenpreis eines Sportschuhs aus Thailand ist im Laden nicht teurer geworden.

Es kommt somit jener Auftragsfertiger zum Zuge, der am billigsten ist, egal wo der seine Produktionswerke hat. ISO-soundsoviel-Zertifikate vorhanden. Erst ein Gesamtwerk in seinen speziellen Komplexitäten bedarf manchmal auch einer besonderen humanen Komponente, also der Expertise jener Teams, die die Werke dann errichten und in Betrieb nehmen. Wie beispielsweise die neue Lone Peak PB im Big Sky Resort / Montana von DM.

Nur deswegen können Leitner und DM auch heute global ihre Anlagen verkaufen (Afrika, Asien, Americas...).
Je mehr zum "simplen" modularen "Baukastensystem" das Seilbahnwesen verkommt, je früher stehen die Chinesen auf der Matte.

Europa basiert auf akademischer und industrieller Forschung und daraus abgeleiteter Entwicklung und Herstellung. Zusammen mit imperativ friktionslosen "freien Märkten" sichere das unseren materiellen "Wohlstand". Heißt es.
Wie ein religiöses Mantra scheinen (EU-)Regierungen davon gefesselt zu sein. Weil es uns derart "immer" materiell gut erging.

Dies setzte jedoch voraus, dass "die anderen" Weltregionen aus unserer Sicht quasi dumme, lahme Arbeitsschafe sind, die für uns billige Vorarbeit leisten. Und somit brav "hinter uns" bleiben, wie dies über Jahrhunderte tatsächlich und bequemerweise der Fall war. Allenfalls ein bisschen kleines fleißiges Südkorea oder teures Japan, das stimuliert doch. Aber bitte nicht zu viel davon.

So, obiges im Flow des Nichts des nassen Samstags geschrieben. Ich muss kompakter werden, mich an die Bedürfnisse anpassen. Etwa so "Trump ist der Idiot und muss weg, Europa muss". Es liest eh kaum jener bis hierher. Falls doch – danke. Sei herzlich gegrüßt :-)
Zuletzt geändert von Kris am 30.08.2025 - 13:42, insgesamt 7-mal geändert.
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Petz
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Re: USA Zollefekt

Beitrag von Petz »

Nachdem der Blondine den obersten Gerichtshof ja bereits mit sympathisierenden Richtern unterwandert hat, erwarte ich realistisch keine Änderung. Und selbst im Falle eines Scheiterns heißt das bei Trump noch lange nicht das er sich an ein ihm nicht genehmes Urteil auch halten würde.
Ich sehe die Situation als unheimlich belastend für exportorientierte Unternehmen an weil es realistisch absolut keine Entscheidungsgrundlagen gibt die eine fundierte Zukunftsplanung ermöglichen.

Falls die amerikanische Bevölkerung aufgrund der für sie spürbaren Folgen mal seiner Politik überdrüssig werden und ihn vom Hof jagen sollte, wären für die Unternehmen Investitionen in USA - Produktionsstandorte verbranntes Kapital wenn die Demokraten sein Regelment rückgängig machen würde wovon ich eigentlich ausgehe.
Und sollten die Zollsätze weiterhin bestehen bleiben, in Folge die Amiwirtschaft schrumpfen und möglicherweise doch entweder auch noch Gegenzölle etabliert werden oder die Bevölkerung betroffener Ländern so wie ich Produkte mit Amiwertschöpfungsanteilen boykottieren, wären die Investitionen ebenfalls für´n Hugo weil sie sich dann niemals rechnen könnten.

Die EU sollte jedenfalls die Situation nützen und gerade mit stark betroffenen Ländern wie Brasilien und Kanada schleunigst faire Handelsabkommen abzuschließen, um einerseits demokratische Werte achtende Regierungen zu unterstützen und andererseits die Abhängigkeit von der US - Wirtschaft endlich abzubauen.
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Kris
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Re: USA Zollefekt

Beitrag von Kris »

Trump ist der Idiot und muss weg, Europa muss.
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Re: USA Zollefekt

Beitrag von gfm49 »

Das Problem liegt doch auf einer ganz anderen Ebene.
Die im April verkündeten Zölle (das sind bei weitem nicht alle Zölle, die Trump verfügt hat) sind bzw. waren vermutlich rechtswidrig, weil unter Umgehung des Kongress verfügt. Inzwischen haben aber viele Handelspartner verhandelt und "Deals" geschlossen. Die daraus resultierenden Zölle sind nicht von der Entscheidung betroffen und vermutlich rechtswirksam.
Das ist die Trump-Methode seit seiner Zeit als Immobilienunternehmer. Bringe Deinen Geschäftspartner mit legal zweifelhaften Schritten in Zugzwang (weil der einen langwierigen Prozess nicht abwarten kann) und kassiere dann als Ergebnis eine Art Vergleich ("Deal").
Die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit geht dabei halt vor die Hunde.
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Re: USA Zollefekt

Beitrag von Petz »

Da stellt sich für mich aber schon die Frage ob jene Deals, die unter nachgewiesen versuchter Erpressung seitens der USA - Regierung abgeschlossen wurden, rechtskonform sind.
Ich meine man sollte jene Länder die von den höchsten Zollsätzen betroffen sind, durch gegenseitige Handelsabkommen wirtschaftlich soweit unterstützen, daß sie verkraften können zumindest Gegenzölle in identer Höhe zu erlassen oder noch besser den Handel von jeglichen Waren mit den USA generell zu untersagen.
China handelt da hochwirksam wenn es trotz eines Deals den Export von Magneten und seltenen Erden in die USA stoppt oder zumindest stark beschränkt denn das trifft die Amiwirtschaft ins Mark und die Bevölkerung direkt. Was noch fehlt und möglicherweise noch stärker und schneller wirksam wäre, ist ein Exportstopp von Medikamenten und Arzneimittelgrundstoffen.
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Re: USA Zollefekt

Beitrag von gfm49 »

Petz hat geschrieben: 30.08.2025 - 21:20 Da stellt sich für mich aber schon die Frage ob jene Deals, die unter nachgewiesen versuchter Erpressung seitens der USA - Regierung abgeschlossen wurden, rechtskonform sind.
Im Zweifel nicht - aber wer will wo dagegen klagen und wie lange dauert das?
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Petz
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Re: USA Zollefekt

Beitrag von Petz »

Das machte sicher erst in der "Nachtrumpära" Sinn aber so schnell verjähren Schadenersatzansprüche gottseidank nicht.
Petz setzt seine Aktivitäten mit Ende Juni 2020 stark zurück. Ich bleibe aber bis auf weiteres in Ausnahmefällen und per PN für Fragen, Hilfe beim Modellbau etc. noch aktiv.
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