CH-Heimatschutz für Erhaltung der VR101 Oeschinensee

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C. Gentil
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Beitrag von C. Gentil »

Zum Thema "Erhalt einer Von Roll-Sesselbahn der Bauart VR101" (Kandersteg-Oeschinen, Oberdorf-Weissenstein) darf ich zusammenfassend nochmals die wichtigsten Punkte aus meiner Sicht schildern:

- Hier geht es um das Bestreben, eine oder zwei der letzten noch im Betrieb stehenden, aus technik- und tourismusgeschichtlichen Gründen historisch wertvollen Sesselbahnen des Typs VR101 zu erhalten, damit der Pioniergeist und die Ingenieurbaukunst unserer Grossväter auch in unserer schnelllebigen Zeit gewürdigt werden kann. Immerhin handelt es sich hier um das erste kuppelbare Seilbahnsystem der Welt, das speziell für den Personentransport entwickelt wurde!
- In der Schweiz gibt es zur Zeit etwa 580 eidgenössisch konzessionierte Sessel-, Gondel- und Pendelbahnen, mittlerweile fast ausnahmslos der modernsten Bauarten. Somit wären einzelne historische Seilbahnen als Bereicherung und nicht als Konkurrenz anzusehen.
- Bei den beiden betroffenen VR101-Bahnen handelt es sich in erster Linie um Ausflugsbahnen, die den grössten Teil ihrer Einnahmen im Sommer erwirtschaften und können somit nicht mit den Zubringer- oder Beschäftigsungsanlagen in Skigebieten verglichen werden.
- Die Finanzierung einer "Nostalgiebahn" unterscheidet sich grundsätzlich nicht von anderen Bahnen (Eigenmittel, zinslose Darlehen der öffentlichen Hand, Aktienkapitalerhöhung). Zusätzlich kämen aber noch weitere Geldquellen in Frage: Gewährung von Beiträgen an die Erhaltung von Kulturgütern (an rechtliche Voraussetzungen geknüpft), Gönnerbeiträge, Sponsoren, Spenden, etc.
- Tatsächlich benützen die meisten Gäste die Sesselbahn nur wegen des Ausflugsziels, eine Fahrt ist also lediglich Mittel zum Zweck. Trotzdem dürfte es für touristische Destinationen in Zukunft von unschätzbarem Wert sein, etwas mehr als nur eine Fahrt von A nach B anzubieten. Ist damit noch ein ganz spezielles Fahrerlebnis verbunden, hebt sich der Anbieter wohltuend aus dem heute üblichen Einerlei heraus, was so etwas wie eine Art "Kundenbindung" hervorrufen könnte. Auch das neu zu gewinnende Gästesegment der Nostalgie- und Technikfans darf hier erwähnt werden.
- Die historischen Sesselbahnen vom Typ VR101 zeichnen sich durch hohe ästhetische Qualitäten mit vorbildlicher Landschaftsverträglichkeit aus, was bei Neubauten heutzutage nicht mehr in jedem Fall gegeben ist. Gerade auch weil das Gebiet des Oeschinensees zum UNESCO Welt-Naturerbe Jungfrau/Aletsch zählt, sollte diesem Punkt grosse Beachtung geschenkt werden.
- Der Heimatschutz kann nicht einen Erhalt einer Bahn erzwingen, er kann lediglich auf deren Schutzwürdigkeit hinweisen. Allfällige Einsprachen richten sich nicht gegen den Bahnbetreiber im Speziellen, sondern gegen Missstände in den Bewilligungsverfahren.
- Bei Kulturgütern oder Einrichtungen, die im öffentlichen Interesse stehen, stehen diese Interessen (hier der Wille zur Erhaltung) über dem Selbstbestimmungsrecht des Eigentümers. Es ist also durchaus legitim, wenn sich Teile der Bevölkerung oder andere Gruppierungen in die Prozesse einer Erneuerung bestimmter Einrichtungen einmischen.
- Das Bewusstsein, dass es sich bei Seilbahnen um erhaltenswerte Technikdenkmäler handeln kann, ist in weiten Teilen der Bevölkerung noch nicht so weit ausgeprägt und muss in Zukunft noch weiter verstärkt werden.
- Mit einem allfälligen Erhalt einer alten Sesselbahn und einer Erklärung zur historischen Bahn würde von allen Beteiligten Neuland betreten. Gewiss müssten hier ausgetretene Pfade verlassen werden und es wären neue Ideen nötig, aber mit etwas gutem Willen und der nötigen Ausdauer wären die Probleme zu meistern.
- Auch alte Seilbahnen können technisch an die heutigen Bedürfnisse angepasst werden, ohne dabei zu stark in die historische Bausubstanz einzugreifen. Denkbar wären etwa zusätzliche elektronische Überwachungseinrichtungen; zusätzliche, neu zu bauende und an die Verhältnisse angepasste Kabinen für Rollstuhltransporte und Nachtfahrten, usw.
- Das BAV verlangt einen Nachweis über die Sicherheit der Bahn. Die nötige Sicherheit kann auf vielfältige Weise erreicht werden; ev. müssten für historische Bahnen einzelne Ausnahmebestimmungen geschaffen werden, die auf die besonderen Bauarten Rücksicht nehmen und die nur bei Anlagen zur Anwendung kommen dürfen, die die Voraussetzungen einer denkmalgeschützen Einrichtung erfüllen.
- Die Ersatzteilbeschaffung für eine historische Seilbahn und deren Unterhalt wäre in der Tat aufwendiger und mit höheren Kosten verbunden als bei modernen Bahnen. Dass dies aber durchaus machbar wäre, beweisen mehrere Transportunternehmungen, die auf die Karte "Nostalgie" setzen: Brienz-Rothorn-Bahn, Schynige Platte-Bahn, Raddampferflotten auf mehreren Schweizer Seen, Ju-Air, Drahtseilbahnen wie zB. Reichenbachfall, Giessbach, Sonnenberg, etc.
- Es trifft nicht zu, dass hier im Internet nur über den drohenden Verlust von historischen Sesselbahnen gejammert wird. Neben dem Heimatschutz bemühen sich mehrere Privatpersonen um einen Erhalt, und was mit einem kleinen Grüppchen von Idealisten beginnt, kann sich unter Umständen zu einer eigentlichen Bewegung entwickeln. Aber eines trifft ganz sicher zu: Die Zeit ist verdammt knapp. Hoffentlich reicht sie doch noch!
Meine Homepage über alte, nostalgische Seilbahnen: http://www.seilbahn-nostalgie.ch

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TPD
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Beitrag von TPD »

Und was der Heimatschutz ebenfalls nicht begriffen hat, das Bundesamt interessiert es nicht, ob eine Bahn Historischen wert hat. Die sind nur an der Sicherheit der Anlagen interessiert.
Schön dass sicher der Staat um die Sicherheit der Bürger kümmert.
Nur wird in gewissen Bereichen eine 500%-ige Sicherheit gefordert und in anderen Bereichen wird, aus welchen Gründen auch immer, mit der Sicherheit geschlampt.
Solange es nicht in allen Bereichen eine Sicherheit von 99% gibt, macht es nicht viel Sinn, wenn in einem schon sehr sicheren Bereich die Sicherheit noch gesteigert wird.Da würde man mal besser versuchen die unsicheren Bereiche sicherer zu machen.
Sonder das ist eine Ausflugs Bahn. Die Leute wollen einfach zum Oeschinensee.
Hm, ist das nicht ein Widerspruch ?
Wenn ich mit einer Ausflugsbahn fahre, möchte ich ein besonderes Erlebnis haben. Will ich einfach von A nach B fahren reicht mir eine "Transportbahn" vollkommen aus. ;)
Und dass es den Leuten doch nicht so egal ist, mit welcher Bahn sie fahren, beweisen die Anlagen mit Glasboden, Drehmechanismus etc.
Wäre es den Leuten wirklich egal, könnte man auf solchen Schnick-Schnack verzichten.
https://www.skichablais.net, seit 20 Jahren über Bergbahnen der Region Chablais und Umgebung.
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